11.10.2010

EUROPÄISCHE DAMENMODE: 2. ROKOKO



Die Damenmode des Rokoko war geprägt vom Reifrock, der um 1715 aufkam und wegen seiner Ähnlichkeit zu Hühnerkörben im Volksmund auch Panier genannt wurde. Er war das Kleidungsstück, welches sich wohl während des gesamten Rokoko am häufigsten veränderte, von kegel- über trapezförmig, hin zu eckig und zur ovalen Kuppelform. Darüber wurde ein Rock (Jupe) und ein einteiliges, vorne offenes Kleid getragen. Die Ärmel waren ellbogenlang und endeten meist in flügelartigen Aufschlägen. Als Robe war die Contouche oder „französische Robe“ beliebt, deren Falten elegant am Rücken herabfielen. In England wurde währenddessen das Manteau beibehalten und weiterentwickelt (die „englische Robe“ oder auch „Mantua“), mit fest angenähten Rückenfalten. Während die Prachtentfaltung bis in der ersten Jahrhunderthälfte hauptsächlich in Stoffmustern und breiten Paniers bestanden hatte, wurde sie ab ca. 1750 vor allem durch Volants und Rüschen geleistet; die Stoffe hingegen wurden schlichter. Die Ärmelaufschläge wurden durch dreistufige Volants ersetzt, die Kleider enger tailliert.
Bei den Stoffen bevorzugten die wohlhabenden Frauen Seidenstoffe wie Satin, Taft, Faille oder Damast. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren vor allem großflächige florale, blumige Musterungen und Drucke in Mode, die im Laufe der Jahrzehnte immer kleiner und dezenter wurden. Das Haar wurde aufgesteckt getragen, zuweilen gepudert und eine Haube daraufgesetzt. Zu festlichen Anlässen wurde die Haube weggelassen und das Haar je nach finanziellen Möglichkeiten mit Blüten, Bändern oder Juwelen verschönert.

Um 1840 beginnt der Vormärz (also die Zeit vor der Märzrevolution von 1848), der modisch nahezu bruchlos in die Romantik übergeht. Die Kleider die Damen wandern wieder ein Stück die Schulter hinauf, aber nur wenig. Beite V-Ausschnitte, von mehreren Reihen Falten umrahmt, sind typisch für die 40er Jahre, aber auch hochgeschlossene Kleider wurden wieder getragen. Die Röcke werden in der Taille fülliger und müssen durch mehrere Lagen Unterröcke mit Roßhaareinlagen gestützt werden. Dazu wurden dreieckige Schultertücher oder Kaschmirschals umgelegt. Der Umfang der Röcke wuchs mit der Zeit so stark an, daß es bald wieder nötig wurde, Reifen einzuziehen. Elastischer Federstahl, eine neue Erfindung, machte das teure Fischbein überflüssig und den neuen Reifrock, den man nun Krinoline nannte, auch für die Mittelschicht erschwinglich. Gleichzeitig wurde es möglich, den Rock mit Volants und allerlei Garnitur zu verzieren, ohne ihn nach unten zu ziehen.
So begann die Epoche des zieratverliebten Zweiten Rokoko. Dazu gehörte auch die Entwicklung V-förmigen Zierats auf dem Oberteil, ganz wie im Rokoko.

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