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13.01.2016

Vergessene Kolonialgeschichte




Das Wappen der Zunft zum Mohren hat eine Kontroverse ausgelöst. Für Historiker Bernhard C. Schär ist es Teil einer Geschichte über Rassismus und Sklaverei, vor der auch Bern seine Augen nicht verschliessen sollte. Bernhard C. Schär 29.12.2014
Wenige lokalpolitische Vorstösse haben dieses Jahr national so viel Wirbel aus­gelöst wie jener der beiden Stadtberner SP-Parlamentarier Halua Pinto de Magalhães und Fuat Köçer. Sie verlangen, die Anwesenheit zweier Figuren der Berner «Mohrenzunft» in der Altstadt zu überdenken. Niemand könne ernsthaft von Migranten, insbesondere afrikanischer Herkunft, verlangen, sich in ein Land zu «integrieren», dessen Kultur noch immer rassistische Symbole aus der Kolo­nialzeit beinhaltet. Um Integration zu ­ermöglichen, müsse auch die Mehrheit ihre Komfortzone verlassen; sich den Schattenseiten ihrer Vergangenheit zuwenden; und mit der Minderheit einen demokratischen Umgang damit suchen.

Eine «Attacke auf den Mohr»
Nicht nur aus Onlineforen und vonseiten der «Mohrenzunft» brandete dem ETH-Chemiker Pinto, der seinen Vorstoss erläuterte, eine Welle der Ablehnung entgegen. Schelte gab es auch aus der Universität. Der Berner Geschichts­professor André Holenstein kritisierte in der Sendung «Schweiz aktuell»: Wenn man derart durch «unsere Städte und unsere Gesellschaft geht, müsste man auf Schritt und Tritt kulturelle Objekte aus der Vergangenheit abreissen, streichen oder tabuisieren». Georg Kreis, ehemals Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus und emeritierter Professor an der Uni Basel, tadelte auf der Onlineplattform «Journal B»: «Die Attacke auf den Mohr bringt uns (im Kampf gegen Rassismus, Anmerkung des Autors) keinen Zentimeter weiter.» Sie sei lediglich «Symbolpolitik» und lenke von den «realen Diskriminierungsgefahren», den «wirklichen Problemen» ab. Das Spitzenpersonal aus Mohren- und Historikerzunft war sich einig, dass hinter den kritisierten Figuren keinesfalls «rassistische ­Absichten» steckten.
An dieser Argumentation sind zwei Dinge problematisch. Zum einen ist es falsch, dass die Mohrenfiguren nicht rassistisch seien. Zum anderen ist die Unterscheidung zwischen «symbolischem» und «realem Rassismus» irreführend.

12.10.2010

SCHWEIZER SKLAVENHÄNDLER, FINANCIERS

Christophe Bourcard (Sklavenhändler, 1766–1815)
Christophe Bourcard, als einer von vier Söhnen des Basler Kaufmanns Christoph Buckhardt-Merian 1766 geboren, stattete vom französischen Hafen Nantes aus Sklavenschiffe aus, die er zum Teil auch selber finanzierte. Insgesamt wurden auf Schiffen des Baslers allein von 1783 bis 1792 rund 7400 Sklaven von Afrika in die Karibik verschickt, rund 1100 von ihnen kamen bei den Atlantiküberquerungen ums Leben. Bourcard handelte auch noch mit Sklaven, als der Wiener Kongress den Sklavenhandel bereits verboten hatte. Der Basler hatte finanziell keine glückliche Hand und blieb ein Leben lang vom Stammhaus in seiner Heimatstadt abhängig. Bourcard nahm sich 1815 das Leben, nachdem sich sein letztes noch auf Reise befindliches Sklavenschiff als Pleite herauszustellen drohte.

David de Pury (Financier, 1709–1786)
David de Pury gilt bis heute als einer der grossen Wohltäter der Stadt Neuenburg, allein die Erwähnung, dass er in den Sklavenhandel involviert war, löst in der aus Schweizer Sicht als Hochburg des Sklavenhandels geltenden Stadt eine Flut von Leserbriefen aus. Dennoch war de Pury, der viele Jahre lang als Händler und Bankier von Lissabon aus agierte, enger in den Sklavenhandel eingebunden, als die Neuenburger wahrhaben wollen. Der Bankier von portugiesischen Hofes und Baron von Preussens Gnaden pflegte vor allem Beziehungen zu Sklavenhaltern in Brasilien. Gute Kontakte hatte er auch ins amerikanische South Carolina, wo sein Vater die Kolonie «Purrysburg» gegründet hatte.