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08.03.2015

Welthandel am Beispiel der Handelsfirma der Gebrüder Volkart 1851-1999



In diesem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird, sollen die Mechanismen des Welthandels am Beispiel des Schweizer Handelshauses Gebrüder Volkart untersucht werden. Volkart exportierte ab 1851 Baumwolle und andere Kolonialwaren aus Indien und wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Kaffee- und Baumwollhandelsfirmen der Welt. Für die Untersuchung kann auf einen umfangreichen, bisher weitgehend unerschlossenen Quellenbestand zurückgegriffen werden. Die Studie wird durch drei Hauptthesen strukturiert: Erstens wird die Annahme vorausgesetzt, dass die Expansion der Weltwirtschaft nicht unabhängig von persönlichen Interaktionen, die sich zu Netzwerken verdichten, gedacht werden kann. Zweitens soll die Vermutung geprüft werden, dass Welthandelsfirmen in den jeweiligen Gastländern auf leistungsfähige lokale Handels- und Produktionsnetze trafen, die ihnen den Aufbau von Geschäftsbeziehungen erleichterten, an deren Geschäftspraktiken sie sich aber anzupassen hatten. Drittens soll das historische Material mit der These konfrontiert werden, dass die Generierung von Vertrauenskapital zentral für den geschäftlichen Erfolg war. Damit strebt das Projekt in doppelter Hinsicht einen Brückenschlag an: einerseits zwischen Wirtschafts- und Kulturgeschichte, andererseits zwischen nationaler Geschichte und Globalgeschichte.

11.09.2014

Basler Handelsgesellschaft

Führende schweiz. Handelsgesellschaft, gegr. 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft, seit 1928 B. Bis 1917 lag die Geschäftsleitung bei der Basler Mission. Kapitalgeber sind wenige Basler Familien. Die B. belieferte Missionsstationen an der Goldküste (heute Ghana) und in Südindien mit europ. Waren und betrieb Grosshandel mit Palmöl, Kakao und Baumwolle. Ab 1882 dienten Webereien und Ziegeleien in Südindien als Arbeitsplätze sowie als Stätten der Erziehung für Bekehrte. 1916 beschäftigte die B. weltweit 6'500 Personen. 1916-19 enteignete Grossbritannien nach und nach den als feindlich eingestuften Besitz der B. in Afrika und Indien. Die Rückgabe erfolgte 1928 (Goldküste) bzw. 1952 (Indien). 1921 gründete der Präs. der B., Wilhelm Preiswerk, die Union Trading Company International (UTC) als Betriebsgesellschaft für die Goldküste. 1928 löste sich die B. von der Basler Mission und wandelte sich in eine Holding-Gesellschaft um. Handel und Produktion wurden danach durch die UTC als Tochtergesellschaft der B. ausgeübt. Gemäss der statutar. Verpflichtung ging stets ein Teil des Gewinns an christl. Werke. In den 1960er Jahren erzielte die B. mit ca. 6'000 Beschäftigten Umsätze von ca. 1 Mrd. Fr. Die UTC war bis in die 1970er Jahre v.a. in Nigeria und Ghana (Betrieb von Farmen, Ausbildungszentren und Warenhäusern, Verkauf von Autos und Landwirtschaftsmaschinen, Export von Kakao) sowie in Deutschland und der Schweiz (Textilproduktion) tätig. Polit. Veränderungen um 1960 (Dekolonisierung) und die Abwertung afrikan. Währungen Ende der 1980er Jahre zwangen zur örtl. Diversifikation. 1995 umfasste die weltweite Tätigkeit der UTC International AG den Handel und die Produktion von Konsumgütern auf allen Kontinenten. 1977-96 war sie zudem Mehrheitsaktionärin von Jelmoli. Die Muttergesellschaft B. AG zählte 1990 ca. 8'000 Beschäftigte und wies einen Umsatz von ca. 2,8 Mrd. Fr. aus. 1997 fusionierte die UTC International AG mit der B. AG. Diese war 1998 in Umwandlung in eine Finanz-Holding ohne operative Tätigkeit begriffen.


Archive
– SWA, Dossiers B. und UTC
Literatur
– G.A. Wanner, Die Basler Handels-Gesellschaft AG, 1859-1959, 1959
– R. Fischer, Die Basler Missionsindustrie in Indien 1850-1913, 1978


Autorin/Autor: Niklaus Stettler

Textilwaren-Katalog der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft

Tischtücher, Servietten und andere Formen von Haushaltswäsche in Leinen und Baumwolle konnten mit Hilfe der Kataloge und Materialproben der Basler Missions- Handlungs-Gesellschaft bezogen werden. Das Erscheinungsbild der nach Ablauf einiger Monate gelieferten Erzeugnisse war gänzlich europäisch: Die Formen orientierten sich an den Bedürfnissen der Besteller, und die Monogramme waren je nach Wunsch im Stil des Historismus oder Jugendstils.
Die kulturelle Prägung der Stickerinnen und Sticker und der Ort der Herstellung schlugen sich nicht nieder; man konnte die in Indien gefertigte Ware kaum von europäischer unterscheiden.
Gegründet 1859 ursprünglich zur Versorgung der Missionsstationen mit europäischen Waren für den Lebensunterhalt, entwickelte sich die Missions-Handlungs-Gesellschaft immer mehr zum Arbeitgeber für Missionierte, sei es, weil sie in ihrem angestammten Umfeld wegen ihrer Hinwendung zum Christentum keine Arbeit mehr fanden oder weil sie von den Einflüssen ihrer ursprünglichen Kultur ferngehalten werden sollten. Neben dem Handel mit «Kolonialwaren» (Kakao, Palmöl) boten vor allem Ziegeleien und textilverarbeitende Betriebe Arbeitsplätze für die Bekehrten. Im Laufe der Zeit jedoch gewannen merkantile Interessen immer stärker die Oberhand, und die Missionsgebiete selbst wurden als Abnehmer von Schweizer Produkten zunehmend wichtiger. Bedruckte Baumwollstoffe in vermeintlich typisch afrikanischen Mustern und Farben wurden in Glarus für den afrikanischen Markt gefertigt.
Die Basler Mission zog sich nach und nach von der Missions-Handlungs-Gesellschaft zurück: 1917 gab sie die Geschäftsleitung ab, 1928 löste sich die Gesellschaft von der Basler Mission und wurde in «Basler Handelsgesellschaft » umbenannt. Ein Teil des Gewinns war nach wie vor für christliche Aufgaben bestimmt, aber die starke Verflechtung mit der Basler Mission hatte ein Ende gefunden.