Posts mit dem Label färben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label färben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

01.05.2014

Farben - Errungenschaften der Technik

jobs.NZZ.ch errungenschaft der technik farbstoffe


Lucien F. Trueb
Unsere sehr fernen Vorfahren lebten im farbenprächtigen, tropischen Afrika. Blüten, Blumen, Vögel, Insekten, Tiere – überall war Farbe. Doch die Menschen waren einheitlich braunschwarz bis schwarz und fast unbehaart. Es lag nahe, dem durch Körperbemalung nachzuhelfen. Möglicherweise war dies die allererste Form der bildenden Kunst.

Pigmente für den Körper

Natürlich kamen nur helle Farbmittel infrage, etwa weisse Kreide, bräunliche Tonmineralien, gelber Ocker, rotes Eisenoxid. Es handelte sich durchwegs um Pigmente, also unlösliche, feinkörnige Pulver, die mit Fett oder Eiweiss angemacht wurden. Pigmente spielen heute noch eine enorm wichtige Rolle in Anstrichfarben, Druckfarben, Lacken, Papier, Kunststoffen, Keramik, Glas, Beton und Synthesefasern, wenn auch gegenüber früher mit Akzentverschiebungen. So ist Titandioxid das wichtigste Weisspigment geworden, Pigmente auf der Basis toxischer Schwermetalle sind aus dem Verkehr gezogen worden. Zudem haben auch organische und metallorganische Pigmente erheblich an Bedeutung gewonnen.
Die Migration des «out of Africa» kommenden modernen Menschen in höhere Breiten war nur möglich, weil er lernte, sich vor Kälte zu schützen. Naheliegend war dazu der Einsatz der Häute und Felle erlegter Tiere, auf welche dieselben Pigmentmuster aufgetragen werden konnten wie auf die nackte Haut. Dazu kam die mindestens 30 000 Jahre alte Textiltechnik mit dem raffinierten Verfahren des Verspinnens kurzer (zuerst pflanzlicher) Fasern wie Brennnessel und Flachs zu langen Fäden. Fasern liessen sich zu Filz, Fäden zu Gewebe und Strickwaren verarbeiten. Damit entstand der Bedarf nach Farbstoffen, denn die aus rohen Naturprodukten gefertigten Textilien waren grösstenteils unattraktiv grau-weiss.