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02.07.2017

Wiener Festwochen: Magie des Fremden

10.05.2017 | 18:50 |  Johanna Hofleitner (Die Presse - Schaufenster)
Die Festwochen-Ausstellung „The Conundrum of Imagination“ wirft einen ungewohnten Blick auf das Zeitalter der Entdeckungen.
Bild: (c) Beigestellt 
Der Wunsch, die Welt zu entdecken, prägt die Menschheitsgeschichte seit jeher. Was für Reisende die Sehnsucht nach der Ferne ist, wird aus Sicht von Herrschernationen zum Drang, Territorien zu unterwerfen. Die Karthager erkundeten um 500 v. Chr. Westafrika, die Griechen expandierten zwischen 380 und 310 v. Chr. in den östlichen Mittelmeerraum. Unter der Han-Dynas­tie wurde im zweiten Jahrhundert v. Chr. Zentralasien erforscht, die Wikinger stießen von 800 bis 1040 bis
zum amerikanischen Kontinent vor. Im 13. Jahrhundert erkundeten die Polynesier den Pazifik, die Chinesen 100 Jahre später Süd-, Südostasien sowie die Küste Afrikas.
Kolonialismus einst und jetzt. Von Brisanz, weil von aktueller Relevanz sind heute die Entdeckungsreisen der Neuzeit. Verbunden mit Namen wie Kolumbus, Humboldt, Cook, da Gama, Magellan, Vespucci und anderen haben sie die Kolonialisierungen der Neuzeit eingeleitet. Unter dem Titel „The Conundrum of Imagination (Das Rätsel der Imagination)“ greift die Hauptausstellung der Wiener Festwochen dieses „Europäische Zeitalter der Entdeckungen“ auf. 16 Künstlerinnen und Künstler hat Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zusammen mit Kokuratorin Pauline Doutreluingne ausgewählt und mit Arbeiten beauftragt. Sie kommen zum Großteil aus Afrika sowie Mittel- und Zentralamerika – mithin aus Ländern, die selbst Teil der europäischen Kolonialgeschichte waren –, aber auch aus Europa wie Ines Doujak oder Ahmet Öğüt. Schauplätze der Ausstellung sind das Leopold-Museum sowie das Performeum, eine aufgelassene Ziegelhalle der ÖBB in der Nähe des Hauptbahnhofs.
„Die Künstlerinnen und Künstler, die wir eingeladen haben, interessieren uns, weil sie in verschiedenen Medien wie Skulptur, Installation, Zeichnung, Film, Fotografie und Performances sehr starke Bilder kreieren“, sagt Doutreluingne. „Für viele ist Kolonialismus zudem ein Teil ihrer Praxis, weil sie aus Ländern kommen, die kolonialisiert worden sind. In gewisser Weise sind sie also selbst Entdecker, die mit ihrer Kunst in die menschliche Psyche hineingehen und Stereotype aufbrechen.“
Der Venezolaner Marco Montiel-Soto etwa bezeichnet sich selbst als Reisenden. Für seine Kunst bricht er immer wieder zu Expeditionen auf. Für die Festwochen-Ausstellung hat er zwei Wochen in einer Pfahlbausiedlung im Maracaibo-See gelebt. Columbus hatte diese Region einst als „kleines Venedig“ bezeichnet, woraus der Name Venezuela hervorgegangen ist. Von den Spaniern wurde die Region von 1528 bis 1545 den Welsern überlassen, die auf der Suche nach dem Dorado ebendort Neu-Nürnberg gründeten. Aufgrund intensiven Gewittergeschehens hat schließlich die Nasa den Maracaibo-See 2016 zur Hauptstadt des Blitzes erklärt. Montiel-Soto nimmt diese Partikel zum Ausgangspunkt für eine poetische Installation, bestehend aus einer Hütte, Blitzen, Videos und Sound. „Ich reise durch Zeiten und Räume“, sagt er. „Aus den Mythen und Legenden, denen ich auf dieser Reise begegne, schaffe ich eine Fiktion.“
Zahlreiche Reisen durch Mittel- und Südamerika haben Ines Doujaks Interesse an kolonialen Themen geprägt. Kolonialismus ist für sie immer noch allgegenwärtig, „zum Beispiel in der Art, über Refugees zu reden“, wie sie sagt. Thema ihres Collagenzyklus „Skins“ ist der Einsatz von Hautkrankheiten als biologischer Waffe. Dafür hat sie historische Medizinatlanten zerschnitten und die Schnipsel zu Mutantenbildern zusammengefügt. „Ich will mit der Arbeit die spezielle Geschichte dieses Kolonialismus beschreiben“, sagt sie. „Die Haut ist für mich eine Grenze zwischen innen und außen, jede Wunde ist eine Öffnung.“


Geschichtsumkehr. Abraham Oghobase aus Lagos wiederum geht für seinen Lithografiezyklus von einer historischen Fiktion aus
und fragt: „Was wäre, wenn Österreich Nigeria kolonialisiert hätte?“ In mehrschichtigen Bil­dern, die aus transparenten Folien, Fotografien, Details aus Google-Maps sowie Farblagen zusammengesetzt sind, führt er Landschaftsfotografien aus Nigeria mit Detailaufnahmen imposanter Salzburger Barockskulpturen zusammen und konstruiert daraus eine fiktionale historische Realität. „Ich bin neugierig“, sagt er, „mich interessieren das Prozesshafte der Lithografie und die Möglichkeit, mit ihr Geschichten zu erzählen.“

02.12.2016

Blood Sweat and Tears,


Installation breaking down past and futures between Peace Activists
Assembling Past and Future is an installation in the project Blood Sweat and Tears, which was conceived especially for the gallery at Körnerpark’s 100 years anniversary and grew out of a collaboration between peace activists and a network of creatives. It is anchored historically in the first International Women’s Peace Congress at The Hague in 1915, during which the participants debated the sociopolitical, economic, and intellectual prerequisites for a future lasting peace and ties together individuals who advocate for a peaceful world.
Through a video installation, the exhibition space became a virtual conference. Historical images and text are overlaid with contemporary statements and portraits, allowing different temporal planes and materials to permeate each other.
The projects’ collaborative approach probes the relationship between the participating individuals and the conditions on site. Most important subjects are nonviolent communication and community. By destabilizing boundaries between the actors, places, and periods of time, the project wants to show a new understanding of history. Boundaries between art and activism are constantly shifting and blurred within this work. Strict categories are suspended within the instillation: past, present and future; reality, fiction and virtual space; community and individual.

The videos take on the formal tactic of the moving portrait. Moving videos of actors performing speeches are overlayed against archival images from peace activists who participated in the conference in the Hague of 1915. These archival images are broken down and dissected within the moving picture plane, while simultaneously different actors reenact suffragette poses and positions.

25.08.2016

[Die Farbe] tendiert dazu, eine Realität an sich zu werden

Jacques Rancière exemplifiziert das am Beispiel der Farbe: „In einem ethischen Regime wird die Farbe oft mit einem symbolischen Wert assoziiert. Im Regime der Repräsentation wird sie in der Hierarchie der Zeichnung untergeordnet. Das ästhetische Regime bricht mit dieser Unterordnung des kolorierten Stoffes unter die gezeichnete Form. Dabei modifiziert es die sinnliche Wahrnehmung der Farbe selbst … [Die Farbe] tendiert dazu, eine Realität an sich zu werden, ein Ereignis des Stoffs. Sie gilt für sich selbst …“[14] Analoges gilt natürlich auch für die Entwicklung der Musik, wie Rancière hervorhebt; auch hier entstand eine Musik, die keiner Funktion dient.
Rancière, Jacques (2008): Ist Kunst widerständig?, a.a.O., S. 44

09.04.2016

Bananen in Suriname

door Carl Haarnack
Deze ansichtkaarten werden gemaakt door de fotograaf Eugen Klein. Hij werd geboren in Mannheim (Duitsland) in 1869. In de jaren ’90 van de 19e eeuw vestigde hij zich als fotograaf in Suriname. Aan de Domineestraat in Paramaribo opende hij zijn studio en winkel. Gedurende zo’n 30 jaar was hij een van de productiefste en bekendste fotografen van Suriname. Naast foto’s gaf hij ook honderden prentbriefkaarten uit. Hij overleed in Paramaribo in 1927. Zijn weduwe, Louise Schrader, heeft samen met haar kinderen de zaak tot de Tweede Wereldoorlog voortgezet.


Klein koos de onderwerpen voor zijn ansichtkaarten zorgvuldig uit. Behalve de vele stadsgezichten van Paramaribo lieten zijn ansichtkaarten ook vaak exotische vruchten zien. Deze kaarten waren natuurlijk vooral bestemd voor diegenen die familie of vrienden in Europa een indruk wilden geven van de vele vruchten die daar vrijwel onbekend waren. De banaan is een van de oudste geteelde gewassen ter wereld. De oorsprong van de banaan ligt in Zuid-oost Azië. Portugese handelaren zorgden er voor dat de bananen vanuit Afrika mee werden genomen naar het Caraïbisch gebied. Maria Sibylla Merian, die in 1699 vanuit Nederland in Suriname arriveerde, tekende de bananenplant in haar Metamorphosis insectorum Surinamensium (Verandering der Surinaamse Insecten, Amsterdam 1705). Dankzij haar werk kreeg men in het Europa voor het eerst exotische vruchten als cashew, marcusa, pepers en dus ook de banaan te zien.
Suriname lijkt onlosmakelijk verbonden te zijn met de banaan. Worden gerechten als heri heri nu met trots opgediend als een nationale Surinaamse schotel, de geschiedenis van de banaan in Suriname is minder heroïsch. De banaan diende tenslotte vooral als goedkoop voedsel voor de slaven. Van Hoëvell, een voorvechter van de afschaffing van de slavernij, schreef in Slaven en vrijen onder de Nederlandsche wet (1854): “De neger, aan wien niet veel keuze gelaten is omtrent hetgeen hij als spijs zal gebruiken, vindt zijn hoofdvoedsel in bananen, een aan eiwit en phosphaten hoogst armoedig voedsel. Het hem daarbij toegekende dierlijk voedsel, dat dan nog uit gezouten visch bestaat, is verreweg te gering, om het evenwigt van de verbruikt wordende stof te herstellen.” Ook de slavenkinderen leven volgens Van Hoëvell voornamelijk op bananen (-meel). Ook de ‘stadsdoctor en chirurgijn’ van Paramaribo, Kuhn, had al dertig jaar daarvoor opgemerkt dat het voedsel van ‘de negers’ bestaat uit taaie en zwaar te verteren meelachtige vruchten of wortels.


Op deze prachtige ingekleurde ansichten van Klein zien we twee meisjes die trossen bananen vasthouden. Het zijn hier duidelijk twee uit een serie. Eén meisje komt op beide afbeeldingen voor; ze heeft dezelfde kleding aan. Het andere meisje heeft tussen haar tanden alanya tiki geklemd. Deze kaarten werden vóór 1905 uitgegeven. Helaas kunnen we deze meisjes niet meer vragen hoe zij hun tijd beleefden. Maar zou het niet aardig zijn als nakomelingen van deze Surinaamse schonen hun oma’s zouden herkennen?

[Dit artikel werd eerder geplaatst in het blad Obsession]

06.03.2016

Schwarze deutsche Kolonialsoldaten

http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1054-3/schwarze-deutsche-kolonialsoldaten

09.03.2014

Blacks in the Dutch World

Blacks in the Dutch World examines the interaction between Black history and Dutch history to gain an understanding of the historical development of racial attitudes. Allison Blakely reveals cracks in the self-image and reputation of Dutch society as a haven for those escaping intolerance. Pervasive images of "the Moor" and "the noble savage" in Dutch art and popular culture; "Black Pete," servant to Santa Claus in Dutch Christmas tradition: these and many other cultural artefacts reflect the racial stereotyping of Blacks that existed in the Dutch world through slavery, servitude, and freedom. Blakely weighs the proposition that factors unique to the modern period have contributed to the creation of this racial imagery in Dutch folklore, art, literature, and religion. By viewing evolving images of Blacks against the backdrop of Western expansion, the agricultural, scientific, and industrial revolutions, and the advent of modern secular doctrines, Blakely discovers that humanism and liberalism, hallmarks of Dutch society since medieval times, have been imperfect guardians against race bias. Blacks in the Dutch World confirms that the existence of colour prejudice in a predominantly "white" society does not depend on the presence of racial conflict or even a significant "coloured" population. The origins are related to the complex interaction of evolving social, cultural, and economic phenomena.

01.06.2011

Das Hemd der Königin

Elisabeth Vigée Le Brun, Marie-Antoinette en chemise ou en gaulle, 1783, Öl auf Leinwand, 92,7x73,1cm, Hessische Hausstiftung

 Elisabeth Vigée Le Brun, Marie-Antoinette en chemise ou en gaulle, 1783, Öl auf Leinwand, 92,7x73,1cm, Hessische Hausstiftung

Nicht nur in Material und Muster ist das Kleid maximal von der traditionellen Hoftracht unterschieden, auch in der Handhabung bestehen deutliche Unterschiede. Die chemise liess sich si einfach wie ein Nachthemd über den Kopf ziehen und musste nur mit ein paar Schleifen am Rücken und einem Band als Gürtel in Form gebracht werden. Dadurch verkürzte sich doe Ankleidezeremonie um ein Vielfaches. Im Gegensatz zur robe à la francaise kann die chemise à la Reine deshalb einem Befreiungsschlag gleich: sie schmiegte sich luftig und weich um den Körper und erlaubte dern Trägerinnen sich ohne Einschränkung zu bewegen. (...) Angeblich hatte Rose Bertin das Kleid nach Vorbild von Creolinnen entworfen, welche diese Kleidung in den Hitzemonaten in der Karibik trugen.
(...)
Dies bezeichnet den "tiefgreifenden modernen Substanzverlust der feudalen Herrschaft". In dessen Konsequenz spaltete sich Zeichen und Bezeichnetes - die Attribute der Herrschaft und der Körper des Königs - voneinander ab. Der drohende Substanzverlust konnte nur durch "gesteigerte Repräsentation kompensiert werden", das heisst durch den gesteigerten Einsatz und Verbrauch von Ornamenten. Das ererbte Zeremoniell verwandelte sich in Etikette.
(...)
Die Krise des Ornaments geriet zu einem grossen Problem für die grösste der französischen Luxusindustrien, die ihre Produktion auf die Selbstdarstellung der Hochgeborenen mit opulenten Stoffen ausgerichtet hatte. (...) In Zusammenhang mit dieser Beschwerde stehen die vielen, letztendlich erfolglosen Versuche seit dem Ende des 17. Jahrhunderts, Calicos, also bedruckte Baumwollstoffe, am Hofe zu tragen, die den gemusterten Seiden auf preiswerte Weise Konkurrenz machten.

Birgit Schneider, Krise des Ornaments aus: kleidung im bild; hrsg von philipp zitzelsperger / textile studies 1; Berlin 2010