© Tobias Rehberger
Die neue Arbeit des Künstlers Tobias Rehberger spielt mit unseren Vorstellungen von Ursprung und Authentizität. Von Tim Ackermann ZEITmagazin Nr. 9/2016 16. März 2016
Eines der Missverständnisse der Modewelt ist die Vorstellung, dass afrikanische Muster aus Afrika stammen. Die Stoffe, die Frauen auf den Straßen Luandas oder Accras tragen, waren ursprünglich holländische Kopien javanischer Batikstoffe, die Tuchfabrikanten Mitte des 19. Jahrhunderts auf den westafrikanischen Markt warfen. Noch heute werden viele dieser Stoffe in den Niederlanden entwickelt, abgestimmt auf den Geschmack der Kunden in Angola, in Ghana, im Senegal.
© Tobias Rehberger
Das Label "authentisch afrikanisch" hält nicht mehr so einfach. Diese Erfahrung hat auch Daniel Haaksman gemacht. Der Berliner DJ und Produzent berichtet von einer afrikanischen Musikszene, die jung, ungeniert und digital vernetzt ist. Neueste Clubklänge aus Europa mixt sie bei Bedarf mit traditionellen einheimischen Stilen. Von diesem Hybrid-Sound inspiriert, hat Haaksman ein eigenes Album produziert, auf dem er afrikanische Musiker vorstellt. Der Titel African Fabrics verweist natürlich auf die nicht authentischen Stoffmuster. Und auf die vielfältigen Soundverknüpfungen.
African Fabrics ist ebenfalls der Titel der Serie von Kunstwerken, die das ZEITmagazin in diesem Portfolio zum ersten Mal zeigt. Es sind Drucke des Frankfurter Künstlers Tobias Rehberger, eigens geschaffen als Bebilderung zu den Liedern auf Haaksmans Album. Hat man diesen Zusammenhang im Kopf, dann meint man, in Rehbergers Linien eine geometrische Abstraktion der typischen bunten Batikstoffe zu erkennen. Und liegt daneben.