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12.01.2016

Koloniale Erfahrungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts : die Plantagen der Firmen Thurneysen aus Basel und Pourtalès aus Neuenburg auf der westindischen Insel Grenada

Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde
Band (Jahr): 91 (1991)

Koloniale Erfahrungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts
Die Plantagen der Firmen Thurneysen aus Basel und Pourtalès aus Neuenburg
 auf der westindischen Insel Grenada von Nikiaus Röthlin

Der in der Aufklärung hoch angesehene Darsteller und Kritiker der Kolonien Guillaume-Thomas Raynal zieht am Ende seiner zehnbändigen «Histoire philosophique et politique des établisse¬ ments et du commerce des européens dans les deux Indes»' eine negative Bilanz über die Vor- und Nachteile, die die Entdeckung der Neuen Welt für Europa gebracht habe. Er rüttelt seine Leser vor allem durch die Schilderung der Raffgier und der Grausamkeiten auf, die mit der Eroberung und Ausbeutung der neuentdeckten Län¬ der verbunden waren. Sein Urteil gipfelt in Feststellungen und Fra¬ gen wie «L'Europe doit au Nouveau-Monde quelques commodités, quelques voluptés. Mais avant d'avoir obtenu ces jouissances, étions- nous moins sains, moins robustes, moins intelligens, moins heureux? Ces frivoles avantages, si cruellement obtenus, si inégalement par¬ tagés, si opiniâtrement disputés, valent-ils une goutte du sang qu'on a versé & qu'on versera?2» Viele Zeitgenossen griffen Raynals Gedanken eifrig auf und verbreiteten sie weiter. So betont etwa Justin Girod-Chantras am Schluss seines «Voyage d'un suisse dans différen¬ tes colonies d'Amérique»1 die Nachteile für die damaligen Kolonialmächte und prangert den Sklavenhandel an. Er lobt seine Heimat, weil sie in keine solchen Abenteuer und Verbrechen verstrickt war, und fragt den Leser: «Comptera-t-on pour des biens quelques pro¬ ductions dont on ne peut se pourvoir sans détruire plusieurs peuples à la fois, qu'un luxe insatiable demande & que l'humanité refuse, qui ne nourissent personne & qui coûtent la vie à un si grand nombre d'infortunés4?»
Die Kaufleute dachten über die Kolonien anders. Die Entdeckungen hatten ihnen ein sich ständig erweiterndes Betätigungsfeld eröffnet. Der Handel mit den neuen Ländern war zwar mit vielen Risiken verbunden. Bei Gelingen warf er aber grossen Gewinn ab und zog darum immer wieder neue unternehmungslustige Leute an. In der ersten Zeit führte man aus Übersee vor allem Edelmetalle, Gewürze, Korallen, Perlen und ähnliche exotische Güter ein. Mit der Entwicklung der Kolonien und dem Aufbau der von Negersklaven bewirtschafteten Plantagen bezog man aus der Neuen Welt immer grössere Mengen an Zucker, Kaffee, Tabak, Gewürzen, Baumwolle, Indigo und anderen Kolonialwaren. Dafür versorgte man die Siedler in Übersee mit wichtigen Gütern aus den Mutterländern. Das Verhältnis zwischen den Kolonien und Europa führte im Lauf des 18. Jahrhunderts zu einer engen wirtschaftlichen Verflechtung.


29.09.2015

03.3014 – Interpellation Schweizer Beteiligung an Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven


Curia Vista - Geschäftsdatenbank
03.3014 – Interpellation
Schweizer Beteiligung an Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven
Eingereicht von
Hollenstein Pia
Einreichungsdatum03.03.2003Eingereicht imNationalratStand der BeratungenErledigt



Eingereichter Text

Noch im September 2001 konnte Jean-Daniel Vigny, der Schweizer Menschenrechtsvertreter bei der Uno, im Zusammenhang mit der Diskussion, welche an der Uno-Konferenz von Durban über afrikanische Entschädigungsforderungen an die Adresse Europas geführt wurde, festhalten, die Schweiz habe "mit Sklaverei, Sklavenhandel und Kolonialismus nichts zu tun gehabt".

Dabei geht aus den Arbeiten sowohl europäisch/amerikanischer (Wallerstein 1980, Wirz 1984) als auch afrikanischer (Ki-zerbo 1978, Unesco 1979, Thornton 1998) und westindischer Historiker (Williams 1944, Fanon 1961, Rodney 1975) seit längerem und immer deutlicher hervor, dass über die grossen seefahrenden Nationen Spanien, Portugal, England, Frankreich und Holland hinaus der ganze europäische Kontinent durch ein weitreichendes Netz von Handels- und Finanzbeziehungen in den Dreieckshandel Europa-Afrika-Amerika mit einbezogen war, ja dass der wirtschaftliche Aufschwung Europas zwischen dem 16. bis zum 19. Jahrhundert bis hin zur Industrialisierung zu einem beträchtlichen Teil auf diesen spezifischen ökonomischen Beziehungen und damit auch auf Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven beruhte.

Darüber hinaus führt nun aber schon ein lediglich kursorisches Studium verschiedener Werke und Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 18. Jahrhundert sowie eine Neulektüre älterer Standardwerke (Lüthy 1959, Peyer 1968, Meyer 1969) zur überraschenden Erkenntnis, dass die schweizerische Verflechtung mit Sklaverei und Dreieckshandel weit enger war als bisher bekannt.

Das Basler Handelshaus Burckhardt finanzierte Handelsfirmen für Sklavinnen und Sklaven in Nantes und beteiligte sich 1790 über die Tochterfirma "Bourcard et fils" an der Ausrüstung eines Sklavenschiffs, an welcher auch Christoph Merian beteiligt war.

Das Waadtländer Unternehmen "Illens et Van Berchem" rüstete in Marseille zwei Schiffe aus, die "Pays de Vaud" und die "Ville de Lausanne", um Sklavinnen und Sklaven aus Moçambique zu transportieren. Ein drittes Schiff, die "Helvétie", beteiligte sich später ebenfalls an einem solchen Transport.

Genfer Bankhäuser wie "Thellusson et Necker", "Cottin" oder "Banquet et Mallet" sowie das Handelshaus Picot-Fazy finanzierten und unterstützten vor allem via Nantes den Handel mit afrikanischen Sklavinnen und Sklaven. Mitglieder der Genfer Handels- und Banquiersfamilien Bertrand, Peschier, Flurnois, Butini, Gallatin, Dunant und Fatio besassen verschiedene Plantagen mit Sklavinnen und Sklaven in der Karibik (Dominica, Grenada, Surinam).

Mitglieder der Basler Patrizierfamilie Faesch besassen in Surinam während fast einem Jahrhundert Plantagen mit "Negersklaven", der Basler Johann Jakob Hoffmann beteiligte sich in Curaçao am Handel mit Sklavinnen und Sklaven.