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14.02.2017

Wer war Seidenfaden?

Als im Januar 1827 Gerichtsdiener des Justizamtes Obernkirchen in den verschneiten Wäldern am Bückeberg eine notdürftig verscharrte Leiche entdeckten, nimmt einer der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminal- und Justizgeschichte seinen Lauf. Mehr als 10 Jahre sollte es dauern, bis das Verbrechen gesühnt und die Urteile vollstreckt waren.
Dabei macht nicht die Tat - ein Mord unter Dieben - diesen Fall so außergewöhnlich, sondern die Biographie des Täters.
Johann Heinrich Seidenfaden wurde 1797 in Rolfshagen geboren, und wuchs in einer Zeit auf, deren verbreitete Massenarmut später als „Pauperismus“ in die Geschichtsbücher einging.
Wie sein Komplize Wilhelm Mühlhaus entstammte auch er der sozialen Unterschicht, beide waren uneheliche Söhne hessischer Husaren und machten früh Bekanntschaft mit Verbrechen und Gefängnis.
Aus Angst vor Verrat ermordeten Seidenfaden und Mühlhaus 1825 im Wald bei Obernkirchen ihren Komplizen Wilhelm Faul.
 
Steckbrief von Wilhelm Faul
(zu der Zeit war er im Bückeberg versteckt)Das Verbrechen wurde wenig später aufgedeckt, es folgte die Inhaftierung und 1831 das Todesurteil durch das Obergericht Rinteln.
Doch während Mühlhaus 1831 auf dem Rintelner Heinekamp vor den Toren der Stadt öffentlich enthauptet wurde, gelang Seidenfaden zuvor die Flucht aus dem Gefängnis und das Untertauchen in den Niederlanden.
Unter dem Namen „Wilhelm Wiggers“ trat er in die Dienste der niederländischen Armee ein, wo er sich im Niederländisch-Belgischen Sezessionskrieg, bewährte. Anschließend beorderte man ihn in die von Aufständen erschütterte südamerikanische Kolonie Surinam für den Wachdienst im Hafen von Paramaribo und die Jagd nach entlaufenen Sklaven.

Uniform eines westindischen Jägers um 1830

30.01.2017

Die vergessenen weißen Sklaven aus Irland

von Bürgender · 26. Dezember 2015
Im Jahr 1839 wurde Großbritanniens erste Menschenrechtsorganisation gegründet. Damit endete der dortige, Jahrhunderte dauernde Sklavenhandel. Wenig bekannt ist: Viel billiger als afrikanische Sklaven waren jene irischen Ursprungs.


HMS Owen Glendower“ by Unknown, Royal Naval Museum. Lizenz: Public Domain via Wikimedia Commons.

Die Geschichte des afrikanischen Sklavenhandels ist sehr gut dokumentiert und wird insbesondere in den USA umfangreich an Schulen gelehrt. Weniger bis überhaupt nicht bekannt ist jedoch die Geschichte der irischen Sklaven, die laut verschiedenen Quellen keineswegs besser behandelt wurden als ihre afrikanischen Leidensgenossen. John Martin vom Center for Research and Globalization in Montreal schrieb in einem Beitrag, dass der irische Sklavenhandel begann, als Jakob II von England 30.000 irische Gefangene als Sklaven in die Neue Welt verkauft hatte. Gemäß seiner Proklamation von 1625 wurden irische politische Gefangene nach Übersee geschickt, um diese an englische Siedler in die Karibik zu verkaufen. Bereits zuvor im Jahr 1619 um die Osterzeit, rund vier Monate bevor die ersten afrikanischen Sklaven verschifft wurden, wurden rund 100 Kinder als „Vertragsknechte“ unfreiwillig in die nordamerikanische Kolonie transportiert.
Von nun an wurden Zehntausende Sträflinge, Bettler, Straßenkinder und andere unerwünschte Personen aus der englischen, schottischen und irischen Unterschicht auf Sklavenschiffen abtransportiert. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts waren die meisten gehandelten Sklaven irischen Ursprungs. In den 1650er Jahren wurden über 100.000 irische Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren ihren Eltern entrissen und als Sklaven nach Westindien, Virginia und New England verkauft. Im selben Zeitraum wurden weitere 52.000 Iren, meist Frauen und Kinder, nach Barbados und Virginia verschifft und weitere 30.000 irische Männer und Frauen wurden auf Auktionen an Höchstbietende verkauft. Im Jahr 1656 befahl Oliver Cromwell, Lordprotektor von England, Schottland und Irland, dass 2.000 Kinder aus Irland nach Jamaika verschifft werden sollten, um diese an englische Siedler zu verkaufen. Bis ins 18. Jahrhundert seien die irischen Sklaven „nicht mehr als menschliches Vieh“ für die Engländer gewesen, schreibt Martin weiter. In dieser Zeit begann auch der afrikanische Sklavenhandel und es wurde überliefert, so Martin weiter, dass die afrikanischen zunächst wesentlich besser behandelt worden seien, als ihre irischen „Kollegen“. Zudem habe man Afrikaner für rund 50 Pfund gehandelt, für einen Iren hingegen meistens nicht mehr als 5 Pfund.
Laut einer Niederschrift wurden in einem Fall 132 irische Sklaven, Männer, Frauen und Kinder, über Bord geworfen und ertranken, weil die Vorräte unterwegs knapp geworden waren. Die übliche Todesrate auf den Schiffen belief sich auf 37% bis 50%. Richard Ligon erlebte diese Zustände aus erster Hand, zeichnete diese auf und beschrieb sie im Jahr 1657 als „niemals dagewesene Grausamkeit“. Sean O’Callahan beschrieb die Situation der irischen Sklaven als „Hölle“, in der „irische Männer und Frauen wie Vieh“ behandelt wurden.
Findige Engländer begannen damit, Frauen und Mädchen ab 12 Jahren von afrikanischen Männern begatten zu lassen, um die Kinder später als afrikanische Sklaven handeln zu können. Diese Praxis der „Zucht“ zwischen irischen Frauen mit afrikanischen Männern dauerte mehrere Jahrzehnte an und war später so weit verbreitet, dass im Jahr 1681 ein Gesetz erlassen wurde, welches „die Paarung von Iren und Afrikanern zur Erzeugung neuer Sklaven“ verbot. Allerdings wurde dieses Gesetz nicht aus moralischen Gründen erlassen, sondern weil die Royal African Company durch die Zucht Geld verloren hatte.
Zuvor, im Jahr 1676, hatte es einen riesigen Sklavenaufstand in Virginia gegeben. Schwarze und weiße Sklaven kämpften gemeinsam gegen ihre Unterdrückung, Hunderte starben. Die Sklavenhändler befürchteten einen erneuten Aufstand. Ihre Lösung war, die Sklaven untereinander aufzuteilen (teile und herrsche). Weiße Sklaven erhielten neue Rechte und wurden beispielsweise nicht mehr ohne Gerichtsbeschluss ausgepeitscht, auch erhielten sie andere Kleidung als die Farbigen und die Unterkünfte wurden getrennt. Die meisten Sklaven wurden nach Amerika und Australien verschifft. Es ist nicht bekannt, dass jemals ein irischer Sklave nach Irland zurückkehrte. Viele starben, entweder beim Transport, oder durch Misshandlung oder Überlastung. Andere kamen frei und lebten von nun an in amerikanischen Kolonien. In den Westindischen Inseln gab es einen Bevölkerungsanteil namens „Black Irish“, Nachkommen der schwarzen und irischen Sklaven.
Am 17. April 1839 wurde die erste Menschenrechtsorganisation „British and Foreign Anti-Slavery Society“ gegründet. Im Jahr 1839 beendete England somit endgültig das „alptraumhafte irische Elend“, schreibt Martin abschließend.

02.01.2017

manumissie

(rechtsgeschiedenis) "term voor het volgens bepaalde rechtsregels vrijgeven van slaven in Suriname van de 19e eeuw. Afgeleid van "manumissio", een begrip in het Romeinse recht, letterlijk vertaald: ?zending uit de hand [van de meester]?."

http://www.slavernijenjij.nl/de-aankomst/manumissies/

Manumissies


anno 1838
Jan Houthakker, alias Flink
PARAMARIBO – Flink is geboren in Afrika. Die naam heeft hij gekregen bij zijn aankomst als slaaf in Suriname. Wat zijn echte naam is weten we niet, wanneer hij in Suriname is aangekomen ook niet. We weten wel dat hij in 1838 het ‘eigendom’ is van Nathaniel Vollenbeek, Gregoris Carel de L’Isle en Johannes Zwiep.
Op 13 december 1838 laten zij hem namelijk vrij: ze manumitteren hem. Bij zijn vrijlating krijgt Flink de naam Jan Houthakker. Op 7 april 1841 wordt hij onder die naam in het burgerregister ingeschreven. Die inschrijving is belangrijk, want vanaf dat moment kan hij een huis kopen, een vrij beroep uitoefenen en slaven ‘bezitten’.
Met twee van zijn voormalige eigenaren, Nathaniel Vollenbeek en Johannes Zwiep, is iets bijzonders aan de hand. Zij zijn zelf ook slaven geweest. In 1833 zijn ze allebei gemanumitteerd. De voormalige eigenares van Vollenbeek is zelf ook weer een gemanumitteerde vrouw, Mary van McNiel. Jan Houthakker volgt hun voorbeeld. Hij gaat zijn best doen om zoveel mogelijk slaven te helpen om vrij te worden.

Wat is het verschil tussen manumissie en emancipatie?



17.02.2016

Coromantee

Coromantee oder Coromanti people, auch Coromantins war im karibischen Raum die Bezeichnung für die letzten versklavten Menschen von der Goldküste, dem heutigen Ghana. Aufgrund ihres militärischen Hintergrundes und der gemeinsamen Sprache Akan[1][2] organisierten die Coromantee Dutzende von Sklavenaufständen in Jamaika und anderswo in der Karibik. Ihre harte und rebellische Natur war im 18. Jahrhundert unter weißen Plantagenbesitzern so berüchtigt, dass ein Gesetz vorgeschlagen wurde, um – trotz ihres Rufes als starke Arbeiter – die Einfuhr von Menschen aus der Goldküste zu verbieten.


Karte der Goldküste und des Aschanti-Reiches

Etymologie
Der Name leitet sich ab von der ghanaischen Küstenstadt Kormantse und ist die englische Bezeichnung für Angehörige der Volksgruppe der Akan. Der Name gilt heute als veraltet und wurde und wird ausschließlich in der Karibik verwendet.
Herkunft
Als Coromantee wurden in der Karibik, vor allem auf Jamaika, Sklaven bezeichnet, die von der Goldküste, dem heutigen Ghana, kamen. Die Sklaven stammten von verschiedenen Ethnien der Volksgruppe der Akan ab, wie zum Beispiel den Aschanti, Fante oder Akim. Das Volk der Akan hatte auf Jamaika den größten kulturellen Einfluss. Auch die dort verbreiteten Maroons sind Nachfahren mit kulturellen sowie sprachlichen Wurzeln der Akan.
Geschichte



Yam Zeremonie der Ashanti - Gemälde von Thomas Edward Bowdich

07.07.2015

"Half the story has never been told" Kulturgeschichtliche Aspekte der Sklaverei in Jamaika

von Christof Schmidt

"But if I don't get my desire, then I'll set the plantations on fire"
Gregory Isaacs: Slave Master

"Rationalisierungen hat es (...) auf den verschiedenen Lebensgebieten in höchst verschiedener Art in allen Kulturkreisen gegeben. Charakteristisch für deren kulturgeschichtlichen Unterschied ist erst: welche Sphären und in welcher Richtung sie rationalisiert wurden"
Max Weber: Vorbemerkung zu den "Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie"

In der wirkungsmächtigen Tradition des bürgerlichen Humanismus wird die Plantagensklaverei in der Karibik oftmals nicht als historischer Prozeß gedacht, sondern vielmehr als ein Zustand, der diese Gesellschaften gewaltsam vor dem Eindringen der Geschichte abgeschirmt hat. Mit diesem eurozentrischen Begriff der Moderne können die historischen Dynamiken und Determinanten der Sklavereigesellschaften ebenso wenig begriffen werden wie die Prozesse, die in diesen Gesellschaften nach der Sklaverei stattfanden. Das Bild von der Sklaverei als irrationaler Gegenwelt zu dem (bürgerlichen) Konzept der Freiheit war vielmehr die ideologische Grundlage für die Sicherung der Kolonialherrschaft über die Sklaverei hinaus und legitimierte die Expansion des britischen Empires im 19. Jahrhundert im Namen der Freiheit.

Die Sklaverei erlebte ihren Aufschwung in Jamaika im 18. Jahrhundert mit der Ausbreitung des Plantagensystems. Mit dem Beginn des exportorientierten Zuckeranbaus auf großflächigen Plantagen erhöhte sich die Einfuhr afrikanischer Sklaven drastisch[1]. Die Entwicklung dieses Plantagensystems läßt sich grob in zwei Phasen einteilen: Die Aufbau- und Wachstumsphase, in Jamaika ca. zwischen 1730 und 1780, und die Konsolidierungsphase, die bis zur Emanzipation 1833 andauerte. In der ersten Phase waren die Lebensumstände der Sklaven überwiegend katastrophal. Nach dieser Aufbauphase und mit dem Erreichen der Produktionskraft nahm der Anteil der Kreolen an der Sklavenbevölkerung langsam zu und die Kluft zwischen Mortalität und Fertilität und zwischen der Anzahl männlicher und weiblicher Sklaven wurde langsam geringer, was mit den steigenden Sklavenpreisen am Ende des 18. Jahrhunderts und schließlich der Abolition des Sklavenhandels durch die Briten (1807) zunehmend im Interesse der Plantagenbesitzer lag, die in der Regel nicht in Jamaika lebten, sondern als ›absentee landowners‹ mit der ›Westindian Interest‹ eine einflußreiche Lobby in Großbritannien bildeten. Zurück blieben die schlecht bezahlten und mit der Betriebsführung beauftragten weißen Angestellten, die für ihre Brutalität und Inkompetenz von den Abolitionisten, aber auch von vielen Plantagenbesitzer kritisiert wurden, die mit dem Verbot des transatlantischen Sklavenhandels und dem Widerstand der Sklaven, den sie angesichts der Sklavenrevolution in St.-Domingue/Haiti mehr denn je fürchteten, die Zukunft und Rentabilität ihrer Besitzungen in Gefahr sahen. Die sich verändernden Faktoren verlangten nach politischen Maßnahmen, die in die Formierung lokaler Staatlichkeit und verschiedener moderner Institutionen mündeten, ebenso wie nach natürlichem Bevölkerungswachstum, einer geregelten Betriebsführung, technischen Verbesserungen und der Ausbildung von Sklaven für qualifizierte Arbeiten.

Eine enorme Flexibilität des Plantagensystems zeigte sich jedoch vor allem in der Frage der Lebensmittelversorgung. Bereits in den 1720ern verfügte die Mehrheit der Sklaven über eigene Hausgärten (kitchen garden) und Versorgungsfelder (provision ground), die sie über Generationen in Besitz behielten, da sie vererbbar waren, obwohl Sklaven offiziell gar kein Eigentum haben konnten. Die Bereitstellung von Boden für die Sklaven, die 1792 in den ›Consolidated Slave Acts of Jamaica‹ schließlich gesetzlich vorgeschrieben wurde, hatte Vorteile für Sklaven und ihre Herren: Die Sklaven konnten sich ihre Nahrungsversorgung sichern und teilweise sogar Überschüsse produzieren, die Herren hatten dagegen ein kosten- und planungsintensives Problem weniger und konnten mit der Bereitstellung von Boden zudem Fluchten vorbeugen. Normalerweise, d.h. außerhalb der Erntezeit, standen den Sklaven der Sonntag und z.T. der Samstagnachmittag zur freien Verfügung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden den Sklaven alternative Samstage zugestanden, sog. ›Negro days‹, an denen die Sklaven sich um die Bewirtschaftung ihrer Felder kümmern konnten, die, am Rande der Plantage gelegen, zumeist nicht besonders fruchtbar und schwerer zu kultivieren waren. Trotzdem gelang es den Sklaven, vor allem durch die Arbeitsteilung innerhalb von Sklavenfamilien und -haushalten sogar Überschüsse zu erwirtschaften, wobei diese ›domestic groups‹ oftmals nicht an reale Verwandtschaftsverhältnisse gebunden waren und mehrere Haushalte umfassen konnten. 1832 machte der Lebensmittelanbau der Sklaven auf Jamaika, der zunehmend auch die Grundlage für die Ernährung der Freien vor allem in den Städten geworden war, 27% der gesamten landwirtschaftlichen Produktion aus. Einige Sklaven konnten auch Kleinvieh und sogar Rinder in Gemeinschaftsbesitz halten. Es muß jedoch auch erwähnt werden, daß nicht alle Sklaven an dieser internen Ökonomie partizipierten und auch die Größe der Felder z.T. stark variierte.