Das Wappen der Zunft zum Mohren hat eine Kontroverse ausgelöst. Für Historiker Bernhard C. Schär ist es Teil einer Geschichte über Rassismus und Sklaverei, vor der auch Bern seine Augen nicht verschliessen sollte. Bernhard C. Schär 29.12.2014
Wenige lokalpolitische Vorstösse haben dieses Jahr national so viel Wirbel ausgelöst wie jener der beiden Stadtberner SP-Parlamentarier Halua Pinto de Magalhães und Fuat Köçer. Sie verlangen, die Anwesenheit zweier Figuren der Berner «Mohrenzunft» in der Altstadt zu überdenken. Niemand könne ernsthaft von Migranten, insbesondere afrikanischer Herkunft, verlangen, sich in ein Land zu «integrieren», dessen Kultur noch immer rassistische Symbole aus der Kolonialzeit beinhaltet. Um Integration zu ermöglichen, müsse auch die Mehrheit ihre Komfortzone verlassen; sich den Schattenseiten ihrer Vergangenheit zuwenden; und mit der Minderheit einen demokratischen Umgang damit suchen.
Eine «Attacke auf den Mohr»
Nicht nur aus Onlineforen und vonseiten der «Mohrenzunft» brandete dem ETH-Chemiker Pinto, der seinen Vorstoss erläuterte, eine Welle der Ablehnung entgegen. Schelte gab es auch aus der Universität. Der Berner Geschichtsprofessor André Holenstein kritisierte in der Sendung «Schweiz aktuell»: Wenn man derart durch «unsere Städte und unsere Gesellschaft geht, müsste man auf Schritt und Tritt kulturelle Objekte aus der Vergangenheit abreissen, streichen oder tabuisieren». Georg Kreis, ehemals Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus und emeritierter Professor an der Uni Basel, tadelte auf der Onlineplattform «Journal B»: «Die Attacke auf den Mohr bringt uns (im Kampf gegen Rassismus, Anmerkung des Autors) keinen Zentimeter weiter.» Sie sei lediglich «Symbolpolitik» und lenke von den «realen Diskriminierungsgefahren», den «wirklichen Problemen» ab. Das Spitzenpersonal aus Mohren- und Historikerzunft war sich einig, dass hinter den kritisierten Figuren keinesfalls «rassistische Absichten» steckten.
An dieser Argumentation sind zwei Dinge problematisch. Zum einen ist es falsch, dass die Mohrenfiguren nicht rassistisch seien. Zum anderen ist die Unterscheidung zwischen «symbolischem» und «realem Rassismus» irreführend.



