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25.05.2015

Figur-Grund-Flimmern





Anfang der weitergeleiteten Nachricht:

Von: christian huebler <huebler@sunrise.ch>
Betreff: Textstelle bei fuller
Datum: 25. Mai 2015 13:17:40 MESZ
An: yvonne wilhelm <yw@krcf.org>



die passt gut zu deiner aktuellen videoaesthetik:

Figur-Grund-Flimmern
Ein Angelpunkt der Artikulation, ein Grenzübergang in der Ästhetik ist die Beziehung zwischen Figur und Grund. Sie entscheidet darüber, ob etwas aus seinem Umfeld herausgezeichnet oder darin eingelassen wird, gebündelt oder als Einzelgestalt auftritt, Fluchtgeschwindigkeit erreicht oder sich auflöst, starr bleibt oder ein Geschehen zwischen BeobachterIn und Beobachtetem entstehen lässt.
 
Die „Cheshire Cat“ aus Alice im Wunderland, ihr Grinsen, der Ort, an dem dieses Grinsen erscheint, die Luft, in der es schwebt, das, worin es verschwindet, setzt bekanntlich Gesicht und Körper als Hintergrund für das grinsende Maul und die Umgebung als seinen rekursiven Rahmen ein, der sich dann auf haarsträubende Weise neu zusammenfügt, wobei keines von beiden dem anderen notwendig vorausgeht. Spannung liegt in der Luft, und da ist ein Schwanz. Ein Kopf taucht vielleicht auf, ein Grinsen. Und wie sich erweist, lässt sich ein Kopf, der ohne Verbindung zu einem Körper auftaucht, nicht mit dem Fallbeil richten.[i]
 
In einer Textpassage bei Daniil Kharms wird diese Beziehung noch ein Stück weiter getrieben: Darin wird eine Person beschrieben, ein rothaariger Mann, von dem sich herausstellt, dass er keine Haare hat, auch sonst nicht viele konkret aufzählbare Körperteile. Seine Körperteile und Eigenschaften werden eins ums andere angeführt, um schließlich festzustellen: „Wir wissen gar nicht, worüber wir sprechen“ und „(...) wir sprechen gar nicht mehr über ihn“[ii]. Eine Abfolge von Wörtern wird aufgeboten, um zu offenbaren, dass nichts beschrieben ist als das von den Wörtern selbst Erzeugte; Vordergrund und Hintergrund, Figur und Grund greifen nicht einfach ineinander, sondern sind ein Effekt von Wörtern, ihrer Anordnung in Zeilen und ihrer Verbindung zu den Gehirnen, die etwas in sie hineinlesen. Die säuberlich rings um eine Person angeordneten Prädikate geraten zu einer Möbiusschleife, nicht in strenger Reihenfolge ihres Verschwindens, sondern insofern, als der Mechanismus, durch den sie erscheinen – die Sprache – sich selbst ins Sein hievt, und zwar in erster Linie als Nichts.
 
Macbeth endet damit, dass der Wald von Birnam nach Dunsinane kommt, womit sich die Prophezeiung der Hexe erfüllt: Ein im Hintergrund verwurzeltes Ding setzt sich unmöglicherweise in Gang, wird zur Figur. Wenn Dinge, Personen, Kreaturen, Prozesse, die als funktionales Subsystem gelten – als Hintergrundprogramm, um das sich Lakaien, Reinigungskräfte, SouschefInnen, Portiers, Unterprogramme, AssistentInnen kümmern – anfangen, den Vordergrund einzunehmen, dann fangen die Struktursysteme selbst an, sich zu verändern. Was denn da bedient wird, verschwimmt oder ergibt – aus bestimmten Perspektiven, zumal solchen des Ungehorsams – jetzt erst allmählich Sinn.


[i] Siehe Lewis Caroll, Alice im Wunderland, Achtes Kapitel.
[ii] Daniil Kharms, The Blue Notebook §10, in: Today I Wrote Nothing. The selected writings of Daniil Kharms, New York 2009, S. 117. (Die Zitate sind aus dem Englischen übersetzt. A.d.Ü.)

19.04.2011

Die Rolle von textilen Mustern in der Porträtfotografie

Eartha Kitt
Diahann Carroll
Carmen De Levallade
Inez Dickerson
Billie Holiday.
Thelma Carpenter.
Archie Savage.
Pearl Bailey
[via: http://nothingisnew.wordpress.com/2009/07/16/portraits-textiles/]

Porträts von:
LIVING PORTRAITS: CARL VAN VECHTEN'S COLOR PHOTOGRAPHS OF AFRICAN AMERICANS, 1939-1964 


Carl Van Vechten (1880-1964), photographer, promotor of literary talent, and critic of dance, theater, and opera, had an artistic vision rooted in the centrality of the talented person. He cherished accomplishment, whether in music, dance, theater, fine art, literature, sport, or advocacy. He began to make photographic portraits in 1932; in 1939 he discovered newly available color film. For a quarter century, he invited friends and acquaintances, well-known artists, fledgling entertainers, and public intellectuals to sit for him, often against backdrops reminiscent of the vivid colors and patterns of a Matisse painting. Among his subjects are a very young Diahann Carroll, Billie Holiday in tears, Paul Robeson as Othello, Althea Gibson swinging a tennis racquet, and a procession of opera stars, composers, authors, musicians, activists, educators, and journalists who made notable contributions to the cultural and intellectual life of the country. Also included are brilliant color images of notable and everyday places: Fisk University in Nashville, Tennessee; the wedding of friends; pushcarts and street scenes of Harlem; children at play in a housing project's yard.

Foto und Text: http://beinecke.library.yale.edu/digitallibrary/livingportraits.html 

Mal umgekehrt

 [Via Identical Eye]

03.04.2011

Maleonn, Leaves of Grass

Maleonn, Leaves of Grass, 2006, ultra giclee print on d-bond, 108x90cm.

29.03.2011

Henri Matisse- Ornamentik




Matisse - Odalisque1

Bonnard as an odalisque in Matisse's studio late 1920s...

Alex Fischer






Alex Fischer offers a human view of futurist landscapes, a view that explores the ideologies and projections of society through the lens of contemporary art.

Composing his figures and landscapes by assembling a variety of visual and conceptual sources Fischer keeps in mind that ideas of the future are inevitably the fastest to change and maintains that human nature is a fallible and susceptible state.

Technological advancement and machine generations have vastly outpaced the tradition of the average human life. As a society, we have adapted to accept the pace at which vast differences and contrasts will influence our modes of being. All projections of which are unpredictable beyond our present context. Today more than ever before, we situate ourselves less as individuals and more as the product of multiple networks. While this network theory suggests a node's relationship to other networks is more important than its own uniqueness, we find a backlash of reflection on individual circumstance and identity.

The subjects and characters of Smarter Today are reflections on the syncretism that created them. Their exterior identities have been extricated to include all of their precursors. They are heterogeneous and intermingled with their environments, yet maintain their subjectivity in the face of a post-structuralist world.

20.01.2011

Gestaltgesetze: Figur-Grund-Beziehung

Figur und Grund

     
    Nach Ansicht der Gestaltpsychologen ordnet die menschliche Wahrnehmung optische Sinneseindrücke in die Kategorien Figur und Grund. Nehmen wir an, wir liegen auf einer Waldlichtung und beobachten ein vorbeifahrendes Auto. In dieser Szenerie bildet die Landschaft den (Hinter-)Grund. Das vorbeifahrende Auto hebt sich als Figur von ihr ab.


Zu den Eigenschaften von Figur und Grund gehören (Goldstein, 2002):
- Eine Figur wirkt dinghafter. Man behält sie leichter im Gedächtnis als den Hintergrund.
- Die Figur steht vor dem Hintergrund. Der Hintergrund erstreckt sich hinter der Figur und wird als ungeformtes Material gesehen.
- Konturen, die eine Figur vom Hintergrund trennen, werden als Teil der Figur wahrgenommen.

Kritisch für die Wahrnehmung von Inhalten wird es dann, wenn die Unterscheidung in Figur und Grund nicht eindeutig funktioniert. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind die so genannten Kippfiguren: Je nachdem, ob man sich auf die schwarzen oder weißen Farbflächen konzentriert, erscheint ein anderes Bild. So sehen Sie links entweder eine Vase oder zwei Gesichter. Die Wahrnehmung oszilliert zwischen diesen beiden Eindrücken. Für ein gelungenes instruktionales Design ist daher eine deutliche Trennung von Figur und Grund zu berücksichtigen, damit funktionale Einheiten von den Studierenden auch als solche wahrgenommen werden können.    

Doch nach welchen Eigenschaften unterscheiden wir zwischen Figur und Hintergrund? Dies lässt sich nicht pauschal beantworten, da hierbei weitere Gestaltgesetze eine Rolle spielen können. Allgemein neigen wir dazu, symmetrisch geformte Bereiche als Figur wahrzunehmen. Auch konvexe (nach außen gewölbte) Bereiche werden eher als Figur wahrgenommen. Wir tendieren dazu, kleinere Gestaltkomponenten eher als Figur wahrzunehmen als größere. Selbst die Orientierung der Komponenten spielt eine Rolle, vertikal oder horizontal ausgerichtete Flächen werden mit größerer Wahscheinlichkeit als Figur wahr genommen.


 

Links: Die beiden identischen Konturen verlaufen parallel.
Mitte: Spiegelt man eine der Konturen symmetrisch wird eher der Eindruck einer holistischen Figur vermittelt.
Rechts: Hier wird der Eindruck einer Figur noch mehr verstärkt, weil eine konvexe Gestalt erkannt wird.

Gestaltgesetze

Die Gestaltgesetze lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen (Zimbardo, 1999):
- Gliederung in Bereiche
- Unterscheidung von Figur und Grund
- Geschlossenheit und Gruppierung
- Prinzip der guten Gestalt und Gesetz der Prägnanz
- Integration in Bezugsrahmen