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11.09.2014

Musterbich Fa. christoph Burckhadt, Historisches Museum Basel

http://www.historischesmuseumbasel.ch/de/sammlung/textilkunst/151589-musterbuch-fuer-indiennes-stoffe-der-fa-christoph-burckhardt-co.html



1995 erwarb das HMB als Depositum der Jenny Adèle Burckhardt-Stiftung ein grosses, sehr gut erhaltenes Musterbuch für die Indiennes-Druckerei, in dem mehrere Hundert Stoffmuster enthalten sind. Die repräsentative
Aufmachung des Folianten lässt darauf schliessen, dass er zur Demonstration des Angebotes diente, möglicherweise im Kontor des Firmeninhabers.
Durch das ursprüngliche Etikett ist die Zuordnung des Musterbuches eindeutig: es demonstriert die Produktionspalette der Indiennes-Druckerei Christoph Burckhardt & Co., die von 1790 bis 1812 bestand. Christoph
Burckhardt-Merian (1740-1812) hatte die Firma nach dem Tode seines Vaters gegründet; sein Bruder Leonhard Burckhardt-Mieg führte den väterlichen Betrieb unter der Firmenbezeichnung "Christoph Burckhardt & Sohn" weiter. Die beiden Burckhardtschen Druckereien gehörten zu den ungefähr einem halben Dutzend Indiennes-Fabriken, die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Basel bestanden.

Die Muster sind mit Modeln auf Papier gedruckt; die Andrucke auf Papier entsprechen den Stoffdrucken, sind aber wesentlich klarer in den Konturen und daher für Demonstrationszwecke wie ein solches Musterbuch bevorzugt worden. In den Mustern werden die hohe Qualität wie auch die Vielfalt des Angebotes deutlich sichtbar: einfarbige, nur mit einem Model gedruckte Muster sowie vielfarbige, die mit mehreren Modeln hergestellt wurden, einfache (Streifen, Muster) und grossflächige, sehr kompliziert aufgebaute Muster, meist mit floralen Motiven. Vom einfachen Futterstoff bis zum aufwendig gemusterten Kleiderstoff sind verschiedene Anwendungsmöglichkeiten vertreten. Trotz aller Unterschiede herrscht eine stilistische Einheitlichkeit vor, die auf eine gefestigte und ausgereifte Haltung bei den Entwürfen und die recht begrenzte Entstehungszeit zurückzuführen ist.

Musterbücher des 18. Jahrhunderts für Stoffdruck sind ausserordentlich selten; für die Schweizer Indiennes-Druckereien ist kein vergleichbares Objekt publiziert. Für Basel ist das Musterbuch zudem von besonderer
Bedeutung, da es die hohe, zuvor unterschätzte Qualität der Basler Indiennes-Druckerei deutlich macht. Zudem ist der Gründer und Inhaber der Fabrik Christoph Burckhardt-Merian (1740-1812) auch der Erbauer des Segerhofes am Blumenrain und dadurch eng mit der Geschichte des Historischen Museums Basel verbunden.

Der ästhetische Reiz der Muster ist sehr hoch und die Vielfalt beeindruckend; weit entscheidender ist aber die damit möglich werdende neue Bewertung und Erforschung der Basler Indiennes-Fabrikation. Interessante Aspekte ergeben sich auch durch die vielfältige Verzahnung des Objektes mit der Basler Kunst- und Kulturgeschichte (Portraits, Segerhof etc.)

In den Beständen des HMB befinden sich zahlreiche weitere Objekte, die in den Zusammenhang dieses Musterbuches gehören:
- mehrere Portraits des Firmengründers Christoph Burckhardt-Merian und seiner Frau Dorothea Burckhardt-Merian (1989.78., 1995.363., 1995.364., 1995.370., 1995.371.)
- Musterbuch mit Stoffabschnitten der Firma Christoph Burckhardt & Comp. (1930.735.): Es sind direkte Gegenüberstellungen von Mustern dieses Buches (auf Stoff) mit solchen aus dem neuerworbenen Musterbuch (auf
Papier) möglich.
- Zahlreiche Entwürfe für den Stoffdruck, teilweise bez. CBC (Christoph Burckhardt & Comp.) (Inv.Nr.1930.733.), die interessante Einblicke in den Entstehungsprozess der Muster geben.
- Inventarbücher der Fa. Christoph Burckhardt & Comp. aus dem Segerhof (1988.256.-1988.261.)
- verschiedene Stoffdruckmodel
- Leinensack mit Aufdruck C.B.C. (Christoph Burckhardt & Comp.)



Afrikanische Frauen mit langen, reich drapierten Kleidern aus farbenfrohen und stark gemusterten Stoffen bekleidet, wie man sie auch in Basel bei (allzu) seltenen Gelegenheiten sieht - das erscheint oberflächlich wie der Inbegriff authentischer, ungebrochener afrikanischer Kleidungstradition. Doch die meisten dieser prachtvollen Stoffe werden nicht in Afrika, sondern in Europa für den afrikanischen Markt hergestellt; der Anteil der in Afrika, vor allem Ghana, produzierten Stoffe ist vergleichsweise gering. Diese «waxprints» genannten Stoffe imitieren indonesische Batikstoffe, sind aber nicht wie diese in einem komplizierten und langwierigen Ausspar-verfahren gefärbt und bedruckt, sondern nur gedruckt. Neben den Hauptproduzentenländern Grossbritannien und Niederlande, die bis heute die begehrtesten unter diesen Stoffen herstellen, gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Schweizer Produzenten, die für den afrikanischen Markt druckten.

Das Musterbuch enthält die Kollektion der Firma Hohlenstein in Glarus, die solche Stoffe im Auftrag der Basler Handelsgesellschaft produzierte. Diese war 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft gegründet worden. Ursprünglich war die Handelsgesellschaft mit dem Zweck, die Missionsstationen im heutigen Ghana und Südindien mit europäischen Waren zu versorgen, gegründet worden. Bald weitete sich der Handel aus, und auch afrikanische Erzeugnisse wie Kakao, Baumwolle und Palmöl gelangten in grossen Mengen nach Europa. Bis 1917 hatte die Geschäftsleitung bei der Basler Mission gelegen; 1928 löste sich die nun «Basler Handelsgesellschaft» genannte Gesellschaft von der Basler Mission, führte aber nach wie vor einen Teil des Gewinns für die Missionsarbeit ab.

Zeugdruck / Indiennes

Zeugdruck

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In der 2. Hälfte des 17. Jh. verbreitete sich in Westeuropa die Produktion farbiger Baumwollstoffe (Baumwolle). Anders als in Indien, wo die bunten Stoffe ursprünglich herkommen, wurden diese nicht mehr von Hand bemalt, sondern mittels Holzmodeln bedruckt. Dieses Herstellungsverfahren war schneller und kostengünstiger, weshalb die sog. Indiennes zu einem Massenkonsumartikel wurden.
Die Widerrufung des Edikts von Nantes 1685 führte zur Übersiedlung zahlreicher franz. Indiennehändler und Drucktechniker sowie zum Zufluss von Kapital in die Schweiz, was sich auf den Z. günstig auswirkte. Als 1686 die Herstellung und die Verarbeitung bemalter Stoffe in Frankreich verboten wurde, entwickelte sich ein ausgedehnter und lukrativer Schleichhandel. In Genf zählte man 1710 vier Indiennemanufakturen, darunter jene von Antoine Fazy, dessen Nachfahren über mehrere Generationen im Z. tätig waren. In den 1720er Jahren gab es in Genf bereits sieben Betriebe. 1720-60 breitete sich der Z. entlang der franz. und der dt. Grenze sowie in Neuenburg, Biel, Basel, im Aargau, in Zürich, im Thurgau und in Glarus aus. Einen erneuten Aufschwung erfuhr der Gewerbezweig, als Frankreich 1759 seine Märkte öffnete. In den darauf folgenden drei Jahrzehnten erlebte der Schweizer Z. seinen Höhepunkt. Genf und Neuenburg besassen je um die zehn Fabriken und beschäftigten mindestens 2'500 Arbeiter.
Ab 1790 brach die Schweizer Indienneindustrie absolut und noch stärker im Vergleich zu ihren ausländ. Konkurrenten ein. Durch Kriege, die Kontinentalsperre und v.a. den europ. Protektionismus gingen Absatzmärkte verloren. In Genf zeigte die Branche ab den 1780er Jahren erste Auflösungserscheinungen und erholte sich bis in die 1820er Jahre nicht. In Neuenburg brach sie unter dem Empire ein und ging bis in die 1850er Jahre kontinuierlich zurück. Zürich besass zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei bedeutende Manufakturen. Die Ende des 18. Jh. erfundene Walzendruckmaschine wurde wegen der schwindenden Absatzmöglichkeiten denn auch eher zögerlich eingeführt. Die Entwicklung der Glarner Indienneindustrie verlief demgegenüber atypisch. Sie spezialisierte sich auf die manuelle und bedeutenden Mehrwert schaffende Herstellung von Halstüchern, die im 19. Jh. in Mode waren, und blühte ab den 1820er Jahren erneut auf. Um die Jahrhundertmitte stammten vier Fünftel der in der Schweiz produzierten Indiennes aus den rund 20 Glarner Manufakturen (1864 6'250 Beschäftigte). Insgesamt verlor die Branche jedoch an Bedeutung und erlebte einen unaufhaltsamen Niedergang. 1840 betrug der Schweizer Anteil an der europ. Indienneproduktion nur noch 4%.
Die wirtschaftl. Bedeutung des Z.s, der in der 2. Hälfte des 18. Jh. sein goldenes Zeitalter erlebte, ist nicht zu unterschätzen. Das in Industrie und Handel investierte Kapital bewegte sich zunächst in bescheidenem Rahmen. In den 1780er Jahren betrug das Anlagekapital der grössten Betriebe wie jener von Jean-Louis Fazy in Genf oder Claude-Abram DuPasquier in Cortaillod (Fabrique-Neuve de Cortaillod) jedoch bereits mehrere Millionen Livres. Die stattl. Gewinne aus Fabrikation und Handel führten zu einer ungeheuren Akkumulation von Kapital, das schliesslich auch in andere Wirtschaftszweige floss. In einer Volkswirtschaft, die noch auf Landwirtschaft, Handwerk und Heimarbeit beruhte, stellten die 8'000 bis 10'000 in der Indienneindustrie beschäftigten Männer, Frauen und Kinder das erste Beispiel einer in den Fabriken konzentrierten Arbeiterschaft dar. In den grösseren Betrieben arbeiteten Ende des 18. Jh. 600-800 Personen. Die mobilen Arbeitskräfte trugen zu einer doppelten Bevölkerungsdurchmischung bei, indem viele Deutschschweizer in die Westschweiz zogen und Schweizer ins Ausland übersiedelten. Rund 1'000 Schweizer waren z.T. in leitender oder ausbildender Funktion in der franz. Indienneindustrie tätig.
Mit dem Z. wurde die Schweiz zu einem zentralen Warenumschlagplatz. Für Millionen von Livres führte das Land jährlich weisse Baumwollgewebe und Färbemittel aus Europa, Afrika, Amerika und Asien ein und exportierte rund 95% seiner Indiennes. In einer entscheidenden Phase der industriellen Revolution trug der Z. somit dazu bei, die Schweizer Wirtschaft in der europ. und Weltwirtschaft zu etablieren.

Literatur
– B. Veyrassat, Négociants et fabricants dans l'industrie cotonnière suisse, 1760-1840, 1982 (mit Bibl.)
– P. Caspard, «Les pinceleuses d'Estavayer», in SZG 36, 1986, 121-156
L'esprit de l'Inde dans les collections des Musées d'art et d'histoire, Ausstellungskat. Genf 1997, 23-28
– I. Ehrensperger, «François Verdan und die Indienne-Manufakturen von Greng und Biel im 18. und frühen 19. Jh.», in FGB 78, 2001, 125-140
– M. Evard, Périple au pays des indiennes, 2002
Autorin/Autor: Pierre Caspard / GL

10.01.2011

Geschichte Indiennes

Bäuerliche Barockstoffe

Im 16. und 17. Jahrhundert tritt der Zeugdruck stark zurück gegenüber der Seidenweberei. Es war das Zeitalter des Großhandels in den verschiedenen Ländern, und dieser Handel überschwemmte nun ganz Europa mit den kostbaren Seidenstoffen des Südens, so daß der Bedarf an «Ersatzstoffen» zurückging. Bedruckte Stoffe wurden in der Hauptsache noch in kleineren ländlichen Werkstätten und wahrscheinlich Klöstern für den dortigen, gar nicht luxuriösen Bedarf hergestellt. Hier trat an die Stelle der Seide die billigere und leichter waschbare einheimische Leinwand. Und an die Stelle der reichen Farbigkeit städtischer Textilien trat das herbe Schwarz, gelegentlich durch spärliches Rot aufgehellt. Als Druckformen dienten stempelartige Holzmodel oder-etwa für religiöse Darstellungen - größere Holzblöcke. Man bedruckte vo~ allem Kelchdecken, Altar-Antependien, besonders häufig auch Sargtücher-I,I. dgl.

08.01.2011

Textilindustrie: Glarus







Textilindustrie, «glarnerisches Wirtschaftswunder»
Um 1740 hält mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei in Glarus die Fabrikindustrie Einzug ins Tal. Der Stoffdruck führt dazu, dass die Handweberei von Baumwolltüchern aufgenommen und der Handel immer wichtiger wird. Glarner Handelshäuser errichten Niederlassungen in verschiedensten Städten Europas und beziehen alle Arten von Gütern in ihren Tätigkeitsbereich mit ein. Der Glarner Grosshandel muss den Vergleich mit demjenigen von Genf, Basel, Winterthur oder St.Gallen keineswegs scheuen.
Der Blüte folgt erneut der Niedergang. Die Handspinner erleiden wegen der billigen englischen Maschinengarne nach 1780 massive Lohneinbussen. Sie müssen ihre Tätigkeit, nach dem auch hierzulande die Maschinenspinnerei eingeführt wird, als unrentabel aufgeben. Schlimm wirken sich zudem die Revolutionswirren aus. Sie bringen Untergang der alten Ordnung, Krieg, Besetzung, unsägliche Armut, Hunger, Elend, Seuchen: zwingen zur Auswanderung. Nach den Friedensschlüssen und Jahren der Missernten geht es ab Ende der 1810er-Jahre rasch wieder besser, zumal genügend Wasser als Antriebskraft oder zum Auswaschen gefärbter und bedruckter Tücher vorhanden ist.


Doch als um 1840 auch der mechanische Webstuhl seinen Siegeszug antritt, entzieht das Fabriksystem mit der modernen Technik den Heimwebern die Existenz. Es kommt zu einer Auswanderungswelle, die viele Glarner und Glarnerinnen nach den beiden Amerikas treibt. Allein 1845 wandern Hunderte aus. In den Jahren 1845 bis 1854 verlässt jede zwölfte Person das Glarnerland, in einzelnen Gemeinden gar jede vierte. 193 von ihnen brechen unter Aufsicht eines «Auswanderungsvereins» zum Staate Wisconsin in Nordamerika auf, wo 108 eintreffen. Sie bebauen das vorher erworbene Land und nennen ihre Siedlung «New Glarus», zu der noch heute enge Beziehungen bestehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begünstigt das englische Freihandelssystem die wirtschaftlichen Tätigkeiten, die das «glarnerische Wirtschaftswunder» bewirken. Die Produkte der Textilindustrie und vor allem des Zeugdrucks erlangen dank ausgezeichneter Qualität und intensiver, Kundenbedürfnisse wahrnehmender Marktforschung Weltgeltung und erreichen mittels eigener Schiffe und weit verzweigten Netzes glarnerischer Handelsniederlassungen jeden Winkel der Erde; es wird das Wort geprägt, man treffe auf jedem Handelsplatz der Erde nebst einem Juden einen Glarner.


Während der Blütezeit um 1865 arbeiten in den 22 Druckereien etwa 6000 Menschen, die jährlich grosse Mengen Tücher hauptsächlich mittels Handmodel bedrucken. In den zahlreichen Spinnereien und Webereien sind zudem annähernd 4000 Arbeitende tätig. Die Textilindustrie beschäftigt fast einen Drittel der stark gewachsenen Gesamtbevölkerung, die 1870 mit 35 200 eine Höhe erklimmt, die in den folgenden sechs Jahrzehnten nicht mehr erreicht werden soll. Denn die gewaltige industrielle Entwicklung, die das Glarnerland die Spitze der Industrialisierung einnehmen lässt, erweist sich als zu Handdruckmodel, Holz- und Messingstecherei einseitig.
Bald setzt der Niedergang des Zeugdrucks ein; der Deutsch-Französische Krieg löst eine Handelskrise aus, und der Maschinendruck kommt auf. Erneut vermögen nicht alle Talbewohner in der Heimat ihr Einkommen zu finden und müssen auswandern; die Bevölkerungszahl sinkt um über acht Prozent. Heute gibt es nur noch wenige Textilindustriebetriebe. Dem einst so blühenden Kattundruck hat die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts beinahe den endgültigen Todesstoss versetzt.

Textildruck - Verfahren

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Das Stichwort "Textildruck" erinnert hauptsächlich an das Bedrucken konfektionierter Ware wie T-Shirts. Mindestens ebenso bedeutend ist jedoch das Bedrucken von Metragen, also "Meterware", heute ab Rolle. Hier liegen auch die geschichtlichen Ursprünge des Textildrucks seit dem Mittelalter. T-Shirts wurden erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Unterwäsche getragen - erwähnt wird hier die US-Navy. Erst zu Beginn der 1950er Jahre wurden sie in den USA zum modischen Kleidungsstück und mit dekorativen oder werbenden Motiven bedruckt.
Die Ursprünge der heutigen Textildruckindustrie liegen in Europa. Seit dem frühen Mittelalter wurden Stoffe mit geschnitzten Holzstempeln bedruckt - den so genannten "Model". Hauptsächlich wurde im Reserveverfahren gedruckt, also eine Druckpaste aufgedruckt, die das Textil bei der nachfolgenden Färbung vor der Einwirkung der Farbstoffe schützte. Diese Technik ist mit der Batik vergleichbar und hatte als "Blaudruck" in weiten Teilen Europas handwerkliche Tradition (Abb. 1). Während in Japan der Schablonendruck als kunsthandwerkliche Textildrucktechnik in seinen Grundzügen fast unverändert bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieb, so begann im Europa des frühen 19. Jahrhunderts die Industrialisierung der Textilindustrie und damit auch des Textildrucks. Man sprach dabei vom "Zeugdruck". Die Abbildung 3 zeigt die Textilverarbeitung in der als "Cottonopolis" bezeichneten Stadt Manchester, dem damaligen Textilzentum Englands, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Abbildung 2 zeigt das Textilzentrum der USA, die als "silk city" bezeichnete Stadt Paterson im Bundesstaat New Jersey, frühes 20. Jahrhundert.

Modeldruck
Die ältesten in Europa erhaltenen Textildrucke und Druckmodel stammen aus der Zeit des 14. Jahrhunderts, rund 100 Jahre vor Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Bei der Herstellung eines Model wurde das Druckbild in Birnbaum- oder Buchsbaumholz geschnitten. Die Wiedergabe feiner Details war dabei nicht möglich und die Model nutzten sich beim Druckvorgang relativ rasch ab. Eine Verbesserung brachte seit dem 19. Jahrhundert das Einsetzen von Streifen aus Messingblech, welche die Kanten des Druckmotivs bildeten (Abb. 4). Die Innenräume wurden zur guten Farbaufnahme und Farbübertragung mit Filz ausgefüllt. Zum Drucken wurde die Stoffbahn auf einen langen Tisch abgerollt und seitlich fixiert, damit sie sich beim Druckvorgang nicht verschieben konnte. Die Druckfarbe befand sich in einem Farbkasten mit einem eingelegten Kissen, vergleichbar mit einem Stempelkissen. Durch das Aufsetzen auf das Kissen färbte der Drucker den Model ein und setzte ihn anschliessend auf die Stoffbahn ab. Mit einem Hammer wurde der Model so an den Stoff "angeklopft", dass die Farbübertragung gleichmässig war. Dem Drucker stand ein Gehilfe zur Verfügung - der Streicherjunge -, der das Farbkissen fortwährend mit Druckfarbe versorgte (Abb. 4). Der Modeldruck wurde durch die in Frankreich erfundene Perrotine seit Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise mechanisiert (Abb. 5). Das Einfärben und Aufsetzen der Model auf den Stoff erfolgte dabei automatisch. Der manuelle Modeldruck war bis in die 1940er Jahre von wirtschaftlicher Bedeutung, er wurde jedoch weitgehend vom Rouleauxdruck verdrängt. So schrieb ein Fachautor in den 1920er Jahren: "Mit der Entwicklung des Walzentiefdrucks war die beherrschende Stellung des Modeldrucks erschüttert, und seine Bedeutung schwand bis auf einen Restbedarf an handbedruckter Ware, die in gewissen Artikeln die Vergangenheit betonen oder in Erinnerung bringen soll."

Rouleauxdruck (Roller printing)
Den technologischen Durchbruch zur Mechanisierung des Textildrucks brachte die Erfindung der Rotationstiefdruckmaschine (Abb. 6). Das Verfahren wurde als Walzendruck oder Rouleauxdruck, in England und den USA als Roller printing, bezeichnet. Das Druckbild wurde dabei in Metallzylinder eingraviert oder eingeätzt. Nach dem Einfärben des sich drehenden Druckzylinders wurde die überschüssige Farbe durch eine scharfe Metallrakel von der Oberfläche des Zylinders entfernt. Danach konnte die sich in den vertieften Stellen befindende Druckfarbe auf das Textil aufgedruckt werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts standen hauptächlich in England hunderte von Rouleauxdruckmaschinen in Betrieb, die jährlich Millionen Meter Ware bedruckten.

Textildruck mit offenen Schablonen
Im Bereich des Textildrucks wurden Schablonenverfahren schon früh eingesetzt, jedoch nur für kleinste Auflagen. Es handelte sich dabei um offene Blech- oder Papierschablonen. Die Farbe wurde mit Bürsten, Walzen oder einem Spritzapparat auf das Textil aufgetragen.