Pigmente für den Körper
Natürlich kamen nur helle Farbmittel
infrage, etwa weisse Kreide, bräunliche Tonmineralien, gelber Ocker,
rotes Eisenoxid. Es handelte sich durchwegs um Pigmente, also
unlösliche, feinkörnige Pulver, die mit Fett oder Eiweiss angemacht
wurden. Pigmente spielen heute noch eine enorm wichtige Rolle in
Anstrichfarben, Druckfarben, Lacken, Papier, Kunststoffen, Keramik,
Glas, Beton und Synthesefasern, wenn auch gegenüber früher mit
Akzentverschiebungen. So ist Titandioxid das wichtigste Weisspigment
geworden, Pigmente auf der Basis toxischer Schwermetalle sind aus dem
Verkehr gezogen worden. Zudem haben auch organische und metallorganische
Pigmente erheblich an Bedeutung gewonnen.
Die Migration des «out of Africa»
kommenden modernen Menschen in höhere Breiten war nur möglich, weil er
lernte, sich vor Kälte zu schützen. Naheliegend war dazu der Einsatz der
Häute und Felle erlegter Tiere, auf welche dieselben Pigmentmuster
aufgetragen werden konnten wie auf die nackte Haut. Dazu kam die
mindestens 30 000 Jahre alte Textiltechnik mit dem raffinierten
Verfahren des Verspinnens kurzer (zuerst pflanzlicher) Fasern wie
Brennnessel und Flachs zu langen Fäden. Fasern liessen sich zu Filz,
Fäden zu Gewebe und Strickwaren verarbeiten. Damit entstand der Bedarf
nach Farbstoffen, denn die aus rohen Naturprodukten gefertigten
Textilien waren grösstenteils unattraktiv grau-weiss.
