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13.01.2016

symbiontischer imperialismus der schweiz


Hier, im Hauptsitz der Handelsfirma Gebrüder Volkart in Winterthur, liefen Verbindungen aus den Kolonien Europas zusammen. Volkart war eines der führenden Kolonialwarenhandelshäuser. (Bild: H. Linck / Winterthurer Bibliotheken)


Gastkommentar zum Wohlstand
Historische Befunde legen nahe, dass der Wohlstand in der Schweiz auch durch eine Art «symbiontischer Imperialismus» erwirtschaftet wurde. Von Harald Fischer-Tiné, Historiker, 23.12.2014, 05:00 Uhr

Schlendert man durch die Zentren der grossen städtischen Metropolen Grossbritanniens – sei es London, Glasgow oder Liverpool –, so künden an jeder Ecke Denkmäler, Erinnerungstafeln, aber auch zahllose Strassen- oder Gebäudenamen von der tiefen Verwobenheit des «Mutterlandes der Moderne» mit seiner kolonialen Vergangenheit. Die rasante Industrialisierung im 19. Jahrhundert, der zeitgleich stattfindende Aufstieg Londons zu einem globalen Finanzzentrum und die enorme – wiewohl in einer gewaltigen Schicht von «gentlemanly capitalists» konzentrierte – private Kapitalakkumulation: All das, da sind sich Historiker mittlerweile einig, kann nicht losgelöst von der Geschichte des britischen Empire verstanden werden.In Städten wie Liverpool, das seinen Reichtum im 18. und frühen 19. Jahrhundert vor allem der Rolle als wichtigster Sklavenumschlagplatz im Vereinigten Königreich verdankte, gab es in der letzten Dekade daher besonders intensive Debatten um das imperiale Erbe, die auch die dunklen Seiten des britischen Weltreiches ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit riefen.

08.03.2015

Welthandel am Beispiel der Handelsfirma der Gebrüder Volkart 1851-1999



In diesem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird, sollen die Mechanismen des Welthandels am Beispiel des Schweizer Handelshauses Gebrüder Volkart untersucht werden. Volkart exportierte ab 1851 Baumwolle und andere Kolonialwaren aus Indien und wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Kaffee- und Baumwollhandelsfirmen der Welt. Für die Untersuchung kann auf einen umfangreichen, bisher weitgehend unerschlossenen Quellenbestand zurückgegriffen werden. Die Studie wird durch drei Hauptthesen strukturiert: Erstens wird die Annahme vorausgesetzt, dass die Expansion der Weltwirtschaft nicht unabhängig von persönlichen Interaktionen, die sich zu Netzwerken verdichten, gedacht werden kann. Zweitens soll die Vermutung geprüft werden, dass Welthandelsfirmen in den jeweiligen Gastländern auf leistungsfähige lokale Handels- und Produktionsnetze trafen, die ihnen den Aufbau von Geschäftsbeziehungen erleichterten, an deren Geschäftspraktiken sie sich aber anzupassen hatten. Drittens soll das historische Material mit der These konfrontiert werden, dass die Generierung von Vertrauenskapital zentral für den geschäftlichen Erfolg war. Damit strebt das Projekt in doppelter Hinsicht einen Brückenschlag an: einerseits zwischen Wirtschafts- und Kulturgeschichte, andererseits zwischen nationaler Geschichte und Globalgeschichte.