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12.09.2017

«Sklavenhalter verstehen sich als Beschützer»


Der US-Soziologe Austin Choi-Fitzpatrick beschreibt, wie Zwangsarbeit heute funktioniert. Recherchiert hat er in Indien – doch Sklaverei betrifft auch den Westen.



Kinder in Neu-Delhi fesseln sich selbst anlässlich einer Demonstration gegen Sklaverei. Bild: Keystone

Mit Austin Choi-Fitzpatrick sprach Juliane Liebert 00:30

Wie war es für Sie, mit Sklavenhaltern zu sprechen?
Für mich war das Überraschendste, wie einfach es war, mit ihnen zu reden. Es war manchmal einfacher, mit den Tätern zu sprechen als mit den Opfern. In einigen Fällen hatten sich die Opfer noch nie zu ihren Erlebnissen geäussert. Sie wussten nicht, wie sie ihre eigene Geschichte erzählen sollten. Die Täter waren erfahrener. Sie wussten mehr von der Welt. Wir teilten etwas. Es war sehr ernüchternd für mich, zu realisieren, dass ich so viel mit den Tätern gemeinsam hatte – Status, Vokabular, die Sichtweise auf die Welt: Dinge, die mich von den Opfern trennten, denen meine politische Sympathie galt.

Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung blieb?
Ich sprach mit 25 Menschen, die als Zwangsarbeiter in einer Ziegelfabrik gearbeitet hatten. Ich fragte sie: Wie seid ihr entkommen? Ein Mann zeigte mir wortlos, dass er in seinen Kleidern ein sehr altes Nokia-Handy versteckt hatte. Er benutzte es, um eine Organisation anzurufen, die ihnen helfen konnte.