von Stefan Hotz24.7.2017, 05:30 Uhr
Eine Weberei in Russikon behauptet sich in der globalisierten Textilindustrie; wegen eines starken Mutterkonzerns in Vorarlberg und afrikanischen Kunden, die ihre erstklassigen Stoffe schätzen.

Aus mehr als zehntausend Fäden formt die Webmaschine edle Stoffe. (Bild: Karin Hofer / NZZ)
Russikon ist ein unscheinbares Dorf mit vielen Einfamilienhäusern, leicht erhöht und abseits der Verkehrsachsen. Im Ortsbild deutet nichts darauf hin, dass sich hier der letzte grosse Betrieb jener Textilindustrie befindet, die den Kanton Zürich ab dem frühen 19. Jahrhundert wirtschaftlich prägte. Am langgezogenen Backsteinbau mit sägezahnförmigem Sheddach an der Strasse nach Madetswil weist ein schlichtes Kürzel den Weg: WR, für Weberei Russikon.
Der Eintritt in ihr Herzstück etwas abseits der Strasse wirkt zuerst fast wie ein Schock. Im Saal dröhnen 96 Webmaschinen, eng aneinandergereiht. Der Boden vibriert, der Lärm ist höllisch, sich zu unterhalten kaum möglich. Die beiden Greifer einer Maschine (anstelle des früheren Webschiffchens) reichen von beiden Seiten den Schussfaden zwischen den Kettfäden hin und her. Das kann man freilich nicht erkennen, es geschieht etwa 650 Mal in der Minute.

Interview mit Josef Lampert
«Es gibt auch in Westafrika reiche Leute»
INTERVIEWvon Stefan Hotz24.7.2017, 05:30
Der Verwaltungsratspräsident der Getzner Textil AG in Bludenz erläutert, wie der Konzern zur Weberei Russikon kam und weshalb der afrikanische Markt wichtig ist.
Hightech und Fingerfertigkeit
Webmaschinen benötigen viel menschliche Aufmerksamkeit, immer wieder stoppt eine, schliesslich arbeiten sie mit feinstem Garn. Auf dem dafür gepolsterten metallenen Querbalken kniet eine Arbeiterin, sie beugt sich weit vor und sucht im vermeintlichen Gewirr. Ein Kettfaden ist gebrochen, so sagt man hier, also gerissen. Jetzt ist Fingerfertigkeit gefordert. Mit flinken Händen und einem Einziehhaken fädelt die Weberin den Faden wieder durch die richtige Litze im Webblatt, das die Musterung im Stoff erzeugt.
Die WR, 1890 als Teppichweberei gegründet, hat immer gewoben und exklusive Stoffe entworfen. Mit dem direkten Vertrieb hat sie nichts zu tun, weshalb es in Russikon fast keine Büros gibt. Ihre Fachleute haben jedoch die komplexe Technik des Webens laufend weiterentwickelt. So entstehen heute in Russikon Gewebe, die niemand sonst herstellen kann. Dazu gehört auch der Stoff für die bekannten Edelweisshemden. Sie seien die Einzigen, die in der Lage seien, das zu weben, sagt selbstbewusst der WR-Geschäftsführer Walter Wespi, der immer ein «Textiler» war, wie er sagt.

Eine Weberei in Russikon behauptet sich in der globalisierten Textilindustrie; wegen eines starken Mutterkonzerns in Vorarlberg und afrikanischen Kunden, die ihre erstklassigen Stoffe schätzen.

Aus mehr als zehntausend Fäden formt die Webmaschine edle Stoffe. (Bild: Karin Hofer / NZZ)
Russikon ist ein unscheinbares Dorf mit vielen Einfamilienhäusern, leicht erhöht und abseits der Verkehrsachsen. Im Ortsbild deutet nichts darauf hin, dass sich hier der letzte grosse Betrieb jener Textilindustrie befindet, die den Kanton Zürich ab dem frühen 19. Jahrhundert wirtschaftlich prägte. Am langgezogenen Backsteinbau mit sägezahnförmigem Sheddach an der Strasse nach Madetswil weist ein schlichtes Kürzel den Weg: WR, für Weberei Russikon.
Der Eintritt in ihr Herzstück etwas abseits der Strasse wirkt zuerst fast wie ein Schock. Im Saal dröhnen 96 Webmaschinen, eng aneinandergereiht. Der Boden vibriert, der Lärm ist höllisch, sich zu unterhalten kaum möglich. Die beiden Greifer einer Maschine (anstelle des früheren Webschiffchens) reichen von beiden Seiten den Schussfaden zwischen den Kettfäden hin und her. Das kann man freilich nicht erkennen, es geschieht etwa 650 Mal in der Minute.

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«Es gibt auch in Westafrika reiche Leute»
INTERVIEWvon Stefan Hotz24.7.2017, 05:30
Der Verwaltungsratspräsident der Getzner Textil AG in Bludenz erläutert, wie der Konzern zur Weberei Russikon kam und weshalb der afrikanische Markt wichtig ist.
Hightech und Fingerfertigkeit
Webmaschinen benötigen viel menschliche Aufmerksamkeit, immer wieder stoppt eine, schliesslich arbeiten sie mit feinstem Garn. Auf dem dafür gepolsterten metallenen Querbalken kniet eine Arbeiterin, sie beugt sich weit vor und sucht im vermeintlichen Gewirr. Ein Kettfaden ist gebrochen, so sagt man hier, also gerissen. Jetzt ist Fingerfertigkeit gefordert. Mit flinken Händen und einem Einziehhaken fädelt die Weberin den Faden wieder durch die richtige Litze im Webblatt, das die Musterung im Stoff erzeugt.
Die WR, 1890 als Teppichweberei gegründet, hat immer gewoben und exklusive Stoffe entworfen. Mit dem direkten Vertrieb hat sie nichts zu tun, weshalb es in Russikon fast keine Büros gibt. Ihre Fachleute haben jedoch die komplexe Technik des Webens laufend weiterentwickelt. So entstehen heute in Russikon Gewebe, die niemand sonst herstellen kann. Dazu gehört auch der Stoff für die bekannten Edelweisshemden. Sie seien die Einzigen, die in der Lage seien, das zu weben, sagt selbstbewusst der WR-Geschäftsführer Walter Wespi, der immer ein «Textiler» war, wie er sagt.

































