Stoffdruck in Basel um 1800
Das Stoffmusterbuch der Handelsfirma Christoph Burckhardt & Comp.
Das Stoffmusterbuch der Handelsfirma Christoph Burckhardt & Comp.
Magret Ribbert, Hrsg: Baumann & Cie Banquiers

Abb 8. geometrische Muster in Rot- und Brauntönen, um 1800
bei dem oberen Andruck sind deutlich die Aussparungen für den Rapport des Musters zu erkennen
Abb 19 und 20: Kolorierter Kupferstich aus dem "Journal des Luxus und der Moden" von 1799; ein Kleid aus bedruckter Baumwolle mit Streublumenmuster (Hist. Museum Basel);
Muster mit Streublumen aus dem Musterbuch
Abb 4: Seite des Musterbuches der Firma Christoph Burckhardt & Comp. mit Andrucken auf Papier
Abb 5 bis 7. Bedruckte Baumwollstoffe
Abb 12 und 13. Entwurf und Musterblatt, um 1800; Basel, Historisches Museum Basel, Inv.- Nr. 1930.733

mehrere Andrucke auf Papier mit schwarzweissen Mustern, sie sie in der Zeit der Trauer getragen wurden
Abb 9: Futterstoff aus bedrucker Baumwolle eines seidenen bestickten Damenrockes, Mitte des 18. Jahrhunderts;
Abb 10: Gedruckte Anleitungsbücher zum Stoffdruck und handschriftlichen Aufzeichnungen mit eingeklebten Stoffproben; Ende 1800 Jahrhundert
Abb10: Holzmodell für den Stoffdruck, meist für Rankenmuster; Holz, teilweise mit Metallstiften, um 1800;
Zwei Entwürfe für Foulards aus der Firma Christoph Burckhardt & Comp.; um 1800; Historisches Museum Basel, Inv.-Nr 1930.733
Die verschiedenen Mustertypen
Das Musterbuch zeigt mit seinen fast 500 Mustern ein reiches Spektrum, mit dem man auf Vorlieben, unterschiedliche Verwendungszwecke und finanzielle Möglichkeiten der Besteller eingehen konnte. Die Kosten eines Stoffes hingen im wesentlichen von der Anzahl der verwendeten Farben und damit der notwendigen Druckmodel und Arbeitsgänge ab. Die preiswertesten Stoffe waren die «Surates,>, die nur mit einer Farbe, meist rot oder violett, bedruckt waren. Die ebenfalls nach einer indischen Stadt als "Patenas» benannten Stoffe wurden nur in zwei Farben, meist rot und schwarz, gedruckt (Abb. 8) Mit kleinen, oft geometrischen Mustern versehen, dienten sie häufig als Futterstoffe. Im Innern von Kleidungsstücken haben sich gelegentlich solche Stoffe erhalten, wie etwa in einem rotseidenen, bunt bestickten Rock aus der Mitte des lhrhunderts (Abb. 9) in der Sammlung des Historischen Museums Basel. Die aufwendig mit vielen en gedruckten Muster, meist mit Blumendarstelen, wurden als "Calanca" bezeichnet und stellten die kostbarste Form bedruckter Stoffe dar (Abb. 16, 23).
In den Benennungen nach indischen Städten (Patna, Surat) wie auch in der in Basel üblichen Bezeichnung "Indiennes", lebte der indische Ursprung der bdruckten Baumwollstoffe deutlich weiter. Gleichzeitig existieren in anderen Regionen auch andere Namen wie "Calico" und "Musselin", dazu noch "Chintz" als spezieller Begriff für die einseitig gewachsten Stoffe. Daneben enstehen Bezeichnungen, die sich nach formalen Eigenschaften richten wie bei den sog. Miniatures, sehr kleinformatigen gemusterten Stoffen (Abb. 7), die sich vor allem als Futterstoffe erhalten haben, Man findet sie im Innern seidener Kleider, als Ausfütterung von Hauben oder bei Puppenkleidern oder -zubehär. Vielfach handelt es sich um Wiederverwendungen bereits gebrauchter Stoffe; denn gerade bei kleinformatigen Kleidungsstücken wie Kinder- oder Puppenkleidung konnten Stoffe ein weiteres Mal gebraucht werden. Bei diesen Verwendungen zeigt sich, wie kostbar selbst so kleine Reststücke bedruckten Stoffes noch waren. Die Muster sind in ihrem Charakter sehr verschieden; einige beziehen ihren Reiz aus der Strenge und der Wiederholung immer gleicher Motive, andere hingegen _ vor allem die Rankenmuster - leben durch das anscheinend unregelmässige und natürliche Wachstum. Doch verbirgt sich dahinter eine feste Ordnung, die lediglich durch einen grässeren Rapport und eine geschickte Aneinanderfügung der Druckmodel überspielt wird.
Heutigen Betrachtern ausserordentlich modern erscheinen die Stoffmuster auf dunklem Grund, die in recht grosser Anzahl im Musterbuch vertreten sind (Abb. 17). Sie wiederholen meist sehr kleine Rapporte mit streng stilisierten, kaum noch gegenständlichen Motiven. Viele von diesen Mustern imitieren Stoffe in Kettdruck- oder Chinetechnik. Bei dieser Technik wird das Muster auf die im Webstuhl gespannten Kettfäden gedruckt, und erst danach wird der Schussfaden eingewebt. Dadurch verschiebt sich das aufgedruckte Muster leicht, die Konturen erscheinen verwischt und der angestrebte, aquarellhafte Eindruck des Musters entsteht. Diese aufwendig zu erreichende Besonderheit, bei der Druck- und Webtechnik zusammenwirken, wird bei den gedruckten Stoffen imitiert, indem einzelne Motive mit gezackten Endungen versehen sind. Der Rapport ist bei diesen Mustern jeweils sehr gering. Sie beziehen ihren Reiz aus den starken farblichen Kontrasten und der Strenge des immer gleichen Motivs.
oder bei Puppenkleidern oder -zubehär. Vielfach handelt es sich um Wiederverwendungen bereits gebrauchter Stoffe; denn gerade bei kleinformatigen Kleidungsstücken wie Kinder- oder Puppenkleidung konnten Stoffe ein weiteres Mal gebraucht werden. Bei diesen Verwendungen zeigt sich, wie kostbar selbst so kleine Reststücke bedruckten Stoffes noch waren. Die Muster sind in ihrem Charakter sehr verschieden; einige beziehen ihren Reiz aus der Strenge und der Wiederholung immer gleicher Motive, andere hingegen _ vor allem die Rankenmuster - leben durch das anscheinend unregelmässige und natürliche Wachstum. Doch verbirgt sich dahinter eine feste Ordnung, die lediglich durch einen grässeren Rapport und eine geschickte Aneinanderfügung der Druckmodel überspielt wird.
Heutigen Betrachtern ausserordentlich modern erscheinen die Stoffmuster auf dunklem Grund, die in recht grosser Anzahl im Musterbuch vertreten sind (Abb. 17). Sie wiederholen meist sehr kleine Rapporte mit streng stilisierten, kaum noch gegenständlichen Motiven. Viele von diesen Mustern imitieren Stoffe in Kettdruck- oder Chinetechnik. Bei dieser Technik wird das Muster auf die im Webstuhl gespannten Kettfäden gedruckt, und erst danach wird der Schussfaden eingewebt. Dadurch verschiebt sich das aufgedruckte Muster leicht, die Konturen erscheinen verwischt und der angestrebte, aquarellhafte Eindruck des Musters entsteht. Diese aufwendig zu erreichende Besonderheit, bei der Druck- und Webtechnik zusammenwirken, wird bei den gedruckten Stoffen imitiert, indem einzelne Motive mit gezackten Endungen versehen sind. Der Rapport ist bei diesen Mustern jeweils sehr gering. Sie beziehen ihren Reiz aus den starken farblichen Kontrasten und der Strenge des immer gleichen Motivs.
bild bestimmen. Sie sind einerseits von den indischen Stoffdrucken mit ihren stark stilisierenden Tendenzen beeinflusst, und zum anderen stehen sie in der Tradition der Rankenmuster, wie sie auf den kostbaren französischen Seidenstoffen des 18. Jahrhunderts zu finden sind.
Bei den zahlreichen flächenfüllenden Rankenmu· stern (Abb. 16, 18, 23) erscheinen die Blüten oft in direk-
, ter Aufsicht oder in reiner Profilansicht; seltener sind Dreiviertelansichten mit ihrer räumlichen Wirkung. Die Illusion von Raum, sehr geläufig bei französischen Seidenstoffen des dritten Viertels des 18. Jahrhunderts, wurde beim Basler Stoffdruck nicht angestrebt und ist nur in Ausnahmefällen zu finden. Meist handelt es sich um ganz an die Fläche gebundene Muster - textiles Gestalten erscheint hier als eine reine Flächenkunst. Nur wenige Pflanzen lassen sich botanisch bestimmen, zu stark ist ihre Stilisierung. Rosen sind in einigen Fällen eindeutig gekennzeichnet, bei anderen Blüten handelt es sich offensichtlich um Phantasieblumen. Die Blüten sind ausgeglichen in den Grössenverhältnissen zueinander; extreme Grössenunterschiede, wie sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auftreten, sind kaum noch zu finden. Doch gibt es Rankenmuster, die in ihrer Üppigkeit eindeutig noch in der älteren Tradition (Abb. 23, oben) stehen neben solchen, die der moderneren Auffassung entsprechen. In ihrer Zartgliedrigkeit und der grossen Bedeutung des freien Grundes spiegeln sie die auf Leichtigkeit und Feinheit ausgerichteten Prinzipien klassizistischer Kunst wider (Abb. 23, unten).
Sehr häufig und in insgesamt 178 Variationen vorhanden sind im Musterbuch Streifenstoffe, wie sie seit der Zeit um 1770 stetig an Bedeutung gewonnen hatten. Die Gliederung durch senkrecht angeordnete Muster und Streifen, bereichert durch locker eingestreute B~uquets oder Ranken und die meist helle, sehr freundliche Farbigkeit bei einer kleinteiligen Gesamterscheinung entsprechen ganz den Gestaltungskriterien und Vorlieben des Klassizismus (Abb. 4, 14, 16). Der Grund kann in seltenen Fällen auch rot oder gar schwarz sein, wodurch die Farben in ihrer Leuchtkraft noch merklich gesteigert werden (s. Titelbild). Stoffe dieser Art finden sich sehr häufig bei Damenkleidern verwendet; ihre starke Betonung der Senkrechten unterstreicht noch die am Ende des 18. Jahrhunderts angestrebte schlanke Silhouette.
Charakteristisch in ihrer Erscheinung und festgelegt in ihrer Verwendung sind Stoffe, die während der Trauer getragen wurden: weiss belassene Motive auf schwarzem Grund oder schwarze Motive auf weisser Fläche, die im Musterbuch in 23 verschiedenen Formvarianten erscheinen, als Ranken-, Streifen- oder Streublumenmuster (Abb. 18).
Mit kleinen Motiven, oft Streublümchen oder -bouquets auf hellem Grund, gemusterte Stoffe entsprechen der Damenmode des frühen 19. Jahrhunderts. Weiss war Modefarbe dieser Zeit, und selbst wenn Kleider nicht immer völlig weiss waren, so war doch der helle Grund vorherrschend und bestimmte den Gesamteindruck. Das Bestehen der Firma Christoph Burckhardt & Comp. deckt sich ungefähr mit einer kurzen Zeitspanne um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, in der Seide vorübergehend ausser Mode geriet und man stattdessen Baumwollgewebe bevorzugte. Kleider aus leichten, weich fliessenden Baumwollstoffen, die Figur der Trägerin mehr umspielend denn verhüllend, waren in Mode, wie die Illustration in einem zeitgenössischen Modejournal zeigt (Abb. 19). Schlichtheit und Bescheidenheit kennzeichnen dabei sowohl die Gesamterscheinung der Kleidung wie auch den Charakter der dazu verwendeten Stoffe. Da die Kleider zudem oft nur mit sehr kurzen Oberteilen kombiniert wurden, also nicht besonders wärmten, führte man Erkältungen aller Art auf diese leichte Kleidung zurück und bezeichnete sie spöttisch als «Musselinkrankheiten».
Doch nicht nur die von Paris bestimmte städtische Mode, auch die ländliche Tracht bediente sich der bedruckten Baumwollstoffe. So überliefert Joseph Reinhardts berühmte Trachtenfolge von 1787-97 im Bernischen Historischen Museum einige Schweizer Trachten, bei denen Baumwollstoffe in der Art, wie sie im Musterbuch vorkommen, vor allem bei den Schürzen der Frauen Anwendung finden.
Die riesige Vielfalt der Muster erstaunt, macht sie doch eine entsprechend grosse, die Zahl der Muster noch mehrfach übertreffende Anzahl von Druckmodeln notwendig, die hergestellt und gelagert sein mussten. So zahlreich die Muster und so vielfältig die einzelnen Typen, so stellt doch dieses Musterbuch nicht das gesamte Warenangebot der Firma dar. Die im
Musterbuch enthaltenen Andrucke beziehen sich ausnahmslos auf Meterware für Kleidersroffe, die in sehr langen Bahnen bedruckt und gehandelt wurden. Aus dem Besitz der Firma Burckhardt & Comp. gelangten bereits 1930, zahlreiche Entwürfe für quadratische Tücher und mit grösseren Motiven gemusterte Dekorationsstoffe in das Historische Museum, die zeigen, dass die Firma auch mit anderen Baumwollwaren handelte. Vor allem die farbig bedruckten Tücher scheinen eine grosse Bedeutung gehabt zu haben; neben den Entwürfen zeugen davon auch die in den Inventarlisten genannten umfangreichen Bestände in den verschiedenen Lagern der Firma. Taschentücher (<<mouchoirs») sind oft in schlichten, rein geometrischen Mustern und mit nur wenigen Farben gestaltet. Die Entwürfe für Halstücher unterscheiden sich deutlich von diesen und von solchen für Meterware: sie sind sehr viel aufwendiger in den Mustern und enthalten gelegentlich auch figürliche Bestandteile. Sie nutzen mit ihren aufwendigen Ecklösungen deutlich die Möglichkeiten, die ein klar definiertes, rechteckiges Stoffstück gegenüber «unendlicher» Meterware bietet (Abb. 21, 22). Einige dieser sehr qualitätvollen Entwürfe tragen die handschriftlich aufgezeichneten Initialen CBC für Christoph Burckhardt & Comp. Selbst wenn der Druck ausserhalb Basels geschah, sind die Entwürfe doch eng an die Firma gebunden. So tragen die Papiere der Entwürfe in vielen Fällen die gleichen Wasserzeichen wie die in Basel geschriebenen Inventarbücher des Segerhofs, wie etwa jene der Papiermühle von Hieronymus Blum in Basel.
Kunsthistorische Einordnung der Stoffmuster
Die in dem Burckhardtschen Musterbuch versammelten Stoffentwürfe gleichen weniger den Erzeugnissen anderer Schweizer Stoffdruckzentren wie Neuchatel oder Genf, sondern sehr viel mehr denen der Druckereien im Elsass; Mulhouse und Logelbach bei Co 1m ar sind die Zentren mit den nächstverwandten Erzeugnissen.2l Das erklärt sich unter anderem durch die politische Situation, denn bis 1798 war Mulhouse der Eidgenossenschaft politisch verbunden, so dass auch enge wirtschaftliche Beziehungen gepflegt werden konnten. Die Firma Christoph Burckhardt & Comp. war an einigen Stoff druckereien in Mulhouse beteiligt, bezog also ihre Handelsware zu einem Teil aus dieser Quelle. Zum anderen ist manche Ähnlichkeit auch bedingt durch die Beschäftigung elsässischer Indiennearbeiter, die gelegentlich im Zusammenhang mit Basler Unternehmen in den Akten erscheinen. So verschwimmen die Grenzen zwischen diesen beiden Zentren des Textildruckes durch eine vielfache Verzahnung in den Geschäftsbeziehungen. In dem Musterbuch mögen daher Stoffmuster verschiedener Herkunft versammelt sein, die entweder in Basel oder in Mulhouse oder anderen Zentren des Elsass gedruckt wurden. Es eint sie dennoch ein gemeinsamer Stil, der durch die enge Verflechtung Basels mit dem Elsass, aber sicherlich auch durch einen auswählenden Firmenbesitzer erreicht wurde, dessen persönlicher Geschmack und dessen Vorstellung von Absetzbarkeit eine vereinheitlichende WirKung auf das Warenangebot hatten. Deutlich spürbar ist die Prägung durch das benachbarte Stoffdruckzentrum im Elsass, auch wenn nicht alle Muster an die überragende Qualität von Stoffen aus Mulhouse oder Logelbach heranreichen. Das hier vorgestellte Musterbuch vermittelt mit seinen zahlreichen Mustern eine genauere Vorstellung vom Stoffdruck in Basel um I800. Die hohe künstlerische Qualität und die stilistische Nähe zu den elsässischen Erzeugnissen sind zwei seiner auffallendsten Kennzeichen.









