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14.02.2017

A Decorative Cosmology Bridging Heaven and Earth

In her new exhibition, Tamara Gonzales continues to mine our material culture to chart the world all around.


A view of Tamara Gonzeles’s Ometeotl exhibition (all images by the author for Hyperallergic)

At the heart of Tamara Gonzales‘s new body of work at Klaus von Nichtssagend Gallery is a room of tapestries woven by artisans in the Peruvian towns of Písac and Ayacucho. They are vibrant interpretations of the artist’s drawings and they add yet another layer to the decorative language she continues to mine from the material world around her.

Gonzales is known for incorporating visual culture that has traditionally been more associated with lived culture — lace, graffiti, embroidery, textiles — rather than the world of art galleries. A large functional maraca is propped up by the entrance, which signals the inclusive and non-hierarchal attitude towards influence she celebrates in her work.A large maraca sculpture near the entrance of the exhibition, “Maraca más grande con plumas” (2016)

Past the over-sized maraca, there is a corridor of small drawings dominated by a curvilinear window motif that offers her a compositional frame to puncture, cover, and react to. But even with this structure, the drawings have an experimental energy that pokes and pushes, often jostling forms that resemble easter eggs, stick figures, plants, or the scribblings of a rudimentary language.

Her true subject matter is the material world. She has an indiscriminate appetite for cross-cultural pollination and distills the dissonance of contemporary life into these objects that can seem as jarring as they are soothing.

The title of the exhibition, Ometeotl, refers to a nebulous concept of spirituality that some scholars of Mesoamerican culture dispute, but it is commonly believed to refer to the “creator of all creation” for the Anawak people and a compound of “dual” and “cosmic energy” in the native language of Nahuatl. That ambiguity of the term perfectly reflects the primordial soup that has spawned these works, at once mythic, while relishing their connection to earthly forms.

Looking at her paintings, you can feel unmoored from the boundaries of form as they swim in waves of moody azure, crimson, and the muddy waters of darker hues. The paintings vibrate and ripple in your mind’s eye as they play with proportion — always challenging the relationship of ground and subject — to settle visually like a shaken snow globe. Many of the large paintings, like “Two Moons” (2016), feel contradictory, contrasting the washes of violet paint against the frenzy of patterns that form the sky and ground for a setting Mesoamerican roundel.

The showstoppers, though, are the tapestries. Gonzales’s starry fields and human-like forms are translated into undulating visions of horror vacui. They are her best works yet, offering us a unique synthesis of the world around her but allowing it to develop into these intensely colored objects (she says the women doing the embroidery were given free reign to translate her drawings, based on patterns they normally embroider). The works, which are all untitled and made of alpaca and wool, convey a sense of cosmic cartography. If anything, the embroideries make the paintings seem more conventional, showing how her many bodies of work may overlap but travel in different directions.

The paintings are declarations of the known, the drawings are suggestions of what can be known, while the woven works are proposals for what we may never ever truly know.Tamara Gonzales, “Two Moons” (2016)Tamara Gonzales, “I Am the Hummingbird” (2016)The room of embroidered worksTamara Gonzales’s untitled drawing (2015) and the related untitled tapestry (2016)
Untitled tapestry (2016)

07.01.2014

peitschenhieb







Zuckende Metapher für das Leben

Die erste abstrakte Seidenstickerei ging unter dem Titel “Peitschenhieb” in die Annalen der Kunstgeschichte ein, obwohl sie ein Alpenveilchen zeigt. Seinem Schöpfer Hermann Obrist, einem Wegbereiter des Jugendstil, ist eine Ausstellung in Münster gewidmet, in der auch der berühmte Wandbehang(Nachbildung)zu sehen ist.

“Wie die jähen, gewaltsamen Windungen der Schnur beim Knallen eines Peitschenhiebes erscheint uns diese rasende Bewegung. Bald dünkt sie uns ein Abbild der plötzlichen, gewaltsamen Elemente: ein Blitz – bald der trotzige Namenszug eines großen Mannes (...).” Das Motiv eines dynamisch abstrahierten Alpenveilchens, das Georg Fuchs in einem regelrechten Aufruhr von Worten 1896 für die Kunstzeitschrift Pan beschrieben hat, ist ein Geniestreich des Stickers, Bildhauers und Keramikers Hermann Obrist (1863-1927), dessen freimütige Umdeutungen natürlicher Vorbilder die Kunstkonventionen Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Kopf stellte und bei den Rezensenten bebendes Erstaunen hervorrief. Als der kurz nach seiner Entstehung (1895) so euphorisch von der Presse begrüßte Wandbehang mit dem Titel “Alpenveilchen” 1976/77 in der Ausstellung “Kunst und Dekoration 1851-1914 - Ein Dokument deutscher Kunst” auf der Darmstädter Mathildenhöhe gezeigt wurde, war seine Blütezeit längst vorbei. Das eigenwillige Stoffkunstwerk, entworfen von Hermann Obrist, gestickt von Berthe Ruchet und schließlich bekannt geworden unter dem Spitznamen “Peitschenhieb”, gilt als erste abstrakte Textilkunst Deutschlands und als ein wichtiger Wegbereiter für textile Jugendstilkunst.

Von Juni bis Oktober 2007 weilte die schwungvolle Seidenstickerei auf Doppelgewebe gastweise in Darmstadt – allerdings in einer Kopie. Der Grund: Der Originalstoff hat nach hundert Jahren emsiger Ausstellungstortour in Fabrikat und Farbe gelitten und muss nun das Depot im Münchner Stadtmuseum hüten, damit er nicht vollends zerfällt. Um ihn jedoch weiterhin auswärts ausstellen zu können – die Nachfrage ist groß bei solch einem wegbereitenden Machwerk - wurde in der Paramentenwerkstatt in Darmstadt eine Replik nach Vorbild des Originals hergestellt. Drei Stickerinnen waren 647 Stunden mit Platt-, Stielstich und Nadelmalerei an dem 1,20 auf 1,84 Meter großen Wandbehang beschäftigt, um die vom Original abgepauste Motivlinie mit über 2.260 Meter Filofloss-Stickseide auf den nach Originalstoffen neu gewebten Grund zu übertragen. Das Stickgarn wurde zweifädig verstickt, im Schnitt zwei Meter pro Stunde und rund 12 bis 16 Meter pro Tag. Das Aufnähen der Werkzeichnung + Aufsticken der Unterlegfäden allein beanspruchte 71 Stunden, die Stickarbeiten beliefen sich auf weitere 554 Stunden.

“Es ist die außergewöhnlichste Arbeit bislang in unserer Werkstatt”, sagt deren Leiterin Marie-Luise Frey-Jansen, die zweimal in München war, um dem Original auf den Stich zu kommen. “Wir haben eine Weile gebraucht, um die Kunstfertigkeiten darin aufzuspüren.” Millimeterweise wurde die Kopie anhand von Fotos dem Jugendstil-Original angeglichen. Akademisch könne man die Seidenstickerei nicht nennen, lobt Frey-Jansen den künstlerisch freien Impetus der weitgehend unbekannt gebliebenen Stickerin Berthe Ruchet, die Hermann Obrist vor der Jahrhundertwende im hauseigenen Stickatelier in München mit Aufträgen versorgte.

Obrists “Peitschenhieb” bricht in mehrfacher Hinsicht mit den Stickereigewohnheiten, die bis ins 20. Jahrhundert das Nadelkunsthandwerk prägten: Ungewöhnlich sind etwa die experimentellen Abänderungen in der Stichrichtung, die für ein belebendes Changieren der Lichtreflexe auf dem Garn sorgt. Zugleich wird dadurch eine enorme Dynamik in der Linienführung erzeugt, was dem abstrahierten Blütenmotiv assoziative Vielschichtigkeit beschert. Die Natur galt dem Schöpfer kunstvoller Verzierungen stets als Ausgangspunkt für seine gestalterischen Ideen. “Nur drei Dinge giebt es für den schaffenden Geist”, so zitiert 1896 die Zeitschrift Pan Hermann Obrist in dem Artikel von Georg Fuchs: “Hier bin Ich, da ist die Natur, dort der Gegenstand, den ich verzieren soll.” Von den Eltern in seinem juvenilen Beobachtungsdrang gefördert, studierte der gebürtige Schweizer Obrist jahrzehntelang die Formspiele im Tier- und Pflanzenreich, bis er seine Ideen für künstlerische Motive wie schlafwandlerisch – und befreit vom Nachahmungszwang - aus seinem organisch-botanischen Fundus schöpfte. Dass dem Wandbehang Hermann Obrists einst ein Alpenveilchen Modell stand, lässt sich nur erahnen: Denn der Stengel schnellt schwungvoll im rhythmisierten Wellenschlag und die Knospen, im selben Gelbton wie Stiel und Blätter gestickt, sind nur schwer vom Blattwerk zu unterscheiden – so weit treibt der gestalterische Freiheitsdrang seine Blüten. Mit seinen Umdichtungen von Naturformen hat Obrist allerdings bei den nachrückenden Künstlern Schule gemacht: Sowohl der Jugenstil als auch der Expressionismus haben die Freiheit der Dynamisierung und Abstrahierung des Naturvorbilds weiterentwickelt und damit bislang unbekannte Perspektiven auf die Wirklichkeit sichtbar gemacht. Der Jugendstilpionier Obrist sah die bildende Kunst dazu berufen, “das Leben und den Geist in der Natur uns schärfer und klarer zu zeigen, als wir im gewohnten bürgerlichen Leben zu sehen vermögen.” Die Kunst des Verzierens sah er nicht als profanen Schmuck an. Vielmehr solle sie “vorahnend zeigen”, wie sich die Wirklichkeit umgestalten lasse, damit sie leichter erträglich werde. Mit dem Peitschenhieb ist Obrist, nach Meinung des Jugendstilexperten Robert Schmutzler, ein verwandelnder Eingriff in die Realität geglückt. Er schreibt: “Auf der Grenzscheide zwischen Sinnzeichen und Ornament, zwischen abstrakter Dynamik und Repräsentation eines bestimmten Organismus entsteht eine visuelle Metapher für die aufzuckende, sich bäumende Kraft des Lebens selbst.”

Bis Oktober wuchs die Kopie des echten Alpenveilchens nun unter der Obhut der Darmstädter Stickerinnen. Danach wurde der Wandbehang in seiner Heimstatt München für die Ausstellungspremiere in Münster zurechtgemacht. “Freiheit der Linie” heißt die Überblicks-Schau im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, die bis 17. Februar der Wirkungsgeschichte Hermann Obrists für die nachfolgenden Kunstrichtungen, Jugendstil und Expressionismus, auf den Grund geht. *