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19.08.2016

Die Eidgenossenschaft ist global

Die Schweizer Auswanderung ist ein wesentlicher Teil der Geschichte der Schweiz. Und sie ist eine Geschichte von Enttäuschungen und Errungenschaften. Von Rudolf Wyder
http://webspecial.tagesanzeiger.ch/longform/auslandschweizer/diaspora/


Das Radio als Verbindung zur Heimat – Auslandschweizer in Indien (1953). Foto: ASO-Archiv

Wer «Einwanderer» oder «Auswanderer» hört, denkt an Angehörige fremder Völker, kaum jedoch an Schweizer. Dabei sind wir eine der wanderfreudigsten Nationen weit und breit. Auf acht Inlandschweizer kommt ein Auslandschweizer.
Noch weniger im öffentlichen Bewusstsein ist es, dass die über 760'000 registrierten Schweizer Bürger im Ausland gut organisiert und vernetzt sind. Und das nicht erst seit gestern. Ihre Dachorganisation wird in diesem Jahr hundertjährig. Zu diesem Anlass ist die Geschichte der Auslandschweizer-Organisation (ASO) aufgearbeitet worden. Es ist zugleich die Geschichte des Umgangs der Schweiz mit ihrer Diaspora. Sie zeigt ein buntes Puzzle aus Erfolgen und Enttäuschungen, Errungenschaften und Versäumnissen.

Ruf zu den Fahnen
Aufbruchstimmung prägte den Beginn des vorigen, 20. Jahrhunderts. Es ist ein Zeitalter der Innovationen, des Wirtschaftsaufschwungs und der internationalen Freizügigkeit. Schweizer Unternehmen, Infrastrukturprojekte, Hochschulen ziehen ausländische Fachkräfte an. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer lassen sich im Ausland nieder. Vorübergehend als Studierende oder dauerhaft als Vertreter schweizerischer Unternehmen, Wissenschaftler, Erzieherinnen, Landwirte, Unternehmer. 400'000 Schweizerbürger leben 1914 ausserhalb der Landesgrenzen – ein Zehntel des Schweizervolkes.
Der Erste Weltkrieg setzt der internationalen Freizügigkeit ein Ende. Mehr als 20'000 wehrfähige Auslandschweizer werden unter die Fahnen gerufen. Viele Landsleute suchen in der Heimat Schutz. Nach der Oktoberrevolution kommen mehrere Tausend zuvor wohlhabende Russlandschweizer verarmt in der Schweiz an.


Landmaschine auf einer Schweizer Farm in Argentinien auf einer undatierten Aufnahme. Foto: ASO-Archiv


10.06.2016

Slaves of Happiness Island




 By Molly Crabapple August 4, 2014
All illustrations by the author

My message to the head of the Louvre would be to come and see how we are living here," said Tariq,* a carpenter's helper working on construction of the Louvre Abu Dhabi, a $653 million Middle Eastern outpost of the iconic Parisian museum. Set to be completed in 2015, its collection will include a Torah from 19th-century Yemen, Picassos, and Magrittes.
"See our living conditions and think about the promises they made," Tariq told me through a translator.
Last year, in his mid 30s, Tariq left his job at a Pakistani textile mill with dreams of being a crane operator in the Gulf. He showed me his certificate of crane proficiency, pulling the worn piece of paper out of the pocket of his beige salwar kameez. Recruiters promised him a salary of $326 a month—for a $1,776 recruitment fee to be paid in advance. With a cousin guiding him through the process, Tariq flew to Abu Dhabi to work for the Regal Construction company, one of roughly 900 construction outfits that employ foreign workers in the emirate.
But when Tariq arrived, Regal didn't need him. For 24 days, he waited without pay, living in a squalid workers' camp. When work finally materialized, he learned he would make only $176 a month. His boss confiscated his passport so that he couldn't change jobs or leave the country. He sends half his salary back to his family. After 11 months in the Gulf, he still has not paid back the loan he took out to get there.
"How can I stay happy with a salary of $176?" Tariq asked, with an uncomfortable smile.
Tariq is one of dozens of construction workers laboring on Saadiyat Island whom I interviewed this May. He took out his flip phone and snapped a picture of the drawing I'd sketched of him. He had a gentle face that lit up when he talked about cricket. He told me he'd use my drawing as a profile pic on Facebook.
Though it is now only a sunbaked construction site, Saadiyat, a ten-square-mile atoll 500 yards off the coast of Abu Dhabi, will be home to branches of the Louvre, the Guggenheim, and New York University, alongside hotels, shopping, and luxurious homes. It will be a cultural paradise, conjured by the country's vast oil wealth but built on the backs of men who are little more than indentured servants.
While there are no official statistics, there may be as many as 1 million migrant construction workers in the UAE today. Like Tariq, the men I talked to have had their passports confiscated and earn between $150 and $300 a month. They will have to spend years working off debts to recruiters who have gotten them their jobs.

Reports about the conditions of workers in the Gulf have been wide and probing. Articles contrast the glittering skyscrapers they build and the scant wages they receive. In May, the New York Times published a scathing exposé of labor abuses at NYU Abu Dhabi.

But what's often lost in much of the reporting about foreign labor in the United Arab Emirates—and Abu Dhabi specifically—is the agency of the workers themselves. The men I met in the Gulf are brave and ambitious—heroes to their families back home. They dared to chase better prospects and were met with repression instead. In a country where the faintest whisper of dissent can get you deported, more than a hundred strikes have rocked the construction industry in the past three years. While workers may be lied to and forced to live and work in brutal conditions, they also—improbably—are fighting back.

12.01.2016

Die Kosten des Kolonialismus


Tobias Straumann am Mittwoch den 15. April 2015
Never Mind the Markets

Einer der grössten Streitpunkte der Wirtschaftsgeschichte betrifft die ökonomischen Vorteile und Kosten des Kolonialismus. Zwei einflussreiche Denkschulen stehen sich gegenüber. Die eine, eher marxistisch inspirierte Richtung betont den Nutzen des Kolonialismus für die Mutterländer. Kolonien werden vor allem als Orte der Ausbeutung und als Absatzmärkte für die westlichen Mächte angesehen. Aus diesem Umfeld stammt auch die Williams-These, wonach die industrielle Revolution ohne die karibische Sklavenarbeit unmöglich gewesen wäre.

Die andere, eher liberale Denkrichtung argumentiert vorsichtiger. Sie betont neben den unbestreitbaren Kosten für die Kolonisierten auch andere Aspekte, etwa die Nachteile des Kolonialismus für die Mutterländer. Ein Land zu besetzen, konnte für den Staat so teuer kommen, dass es die rein ökonomischen Vorteile aufhob. Eine andere Hypothese ist, dass der Kolonialismus das Wirtschaftswachstum behinderte, weil das Mutterland sich ein Stück weit dem globalen Wettbewerb entziehen konnte.

Das klassische Beispiel ist die englische Chemieindustrie. Sie verpasste Mitte des 19. Jahrhunderts den Schritt ins Massengeschäft mit synthetischen Textilfarben, weil in Indien natürliche Farbstoffe zu günstigen Preisen gewonnen werden konnten. Deutschland und die Schweiz, zwei Länder ohne nennenswerten kolonialen Besitz, hatten gar keine andere Wahl, als auf die synthetischen Farbstoffe zu setzen. Bald beherrschten sie den Weltmarkt.

08.11.2015

Schweizer Unternehmensgeschichte in Afrika


Schweizer Unternehmensgeschichte in Afrika

«Da packte uns das Fernweh»
Im Sog von Basler Missionaren hatte sich im vergangenen Jahrhundert in Ghana und Nigeria der Handelskonzern UTC etabliert. Nach dem Rückzug 1998 blieben einige Schweizer Mitarbeiter in Nigeria hängen.
von Markus M. Häfliger, Lagos
7.11.2015, 05:30 Uhr


Im schmucklosen Sitzungszimmer eines Bürogebäudes im Industrieviertel Amuwo-Odofin in der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos treffen sich drei ältere Herren, um die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Draussen lärmt der Verkehr der grössten Stadt Afrikas. Die Fahrer von Sammeltaxis hupen gnadenlos, Billetteure hängen aus den Türen und rufen Fahrziele aus. Wenn die Kleinbusse anfahren, füllt Staub die klebrige Luft. John Schaer schliesst das Fenster und schaltet die Klimaanlage an.

Geschätzte Schweizer Qualität

John Schaer heisst eigentlich Johann Schär. Der Baselbieter heuerte 1977 am Sitz der Union Trading Company (UTC) in Basel an, um mit seiner Frau nach Westafrika auszuwandern. Zu dem Zeitpunkt beschäftigte die Firma in Nigeria 4000 Angestellte (davon 60 Schweizer) und erwirtschaftete einen Gewinn von 85 Mio. Fr.


Das Erdöl hatte Nigeria reich gemacht, die Nachfrage nach Autos, Haushaltwaren und Maschinen wuchs in zuvor ungeahntem Ausmass. Die UTC befriedigte den Bedarf über eine Warenhauskette, Eisenwarenläden, Garagen und mit Verkaufs- und Servicebetrieben für ganze Industrien. Die Firma vertrieb und wartete Getreidemühlen von Bühler aus Uzwil, Bäckereimaschinen von Rondo aus Burgdorf und Schindler-Lifte aus Ebikon. Schweizer Qualität galt etwas in Westafrika: von der Swissair, die viermal pro Woche nach Lagos flog (ausserdem nach Accra, Abidjan, Monrovia und Douala), über den mobilen Pannendienst der UTC bis zu firmeneigenen Wurstereien und Bäckereien. «Wer bei der UTC arbeitete, war stolz darauf», sagt Schär. Wenn er auf Dienstreisen an Strassensperren vorbeikam, winkten die Soldaten das UTC-Auto durch.

Schär, ein ehemaliger Automechaniker, ist der Gastgeber der Runde. Auf seiner Visitenkarte steht: Managing Director, Servipower Ltd. Die Firma importiert und wartet noch heute englische Dieselgeneratoren und Industriemotoren und ist eines der Unternehmen, deren Firmengeschichte auf die UTC zurückgehen. Das Basler Mutterhaus hatte seine nigerianischen Investitionen 1998 an ein einheimisches Konsortium veräussert. Neue Chefs, gleicher Betrieb, dachte sich Schär und blieb auf seinem Arbeitsplatz. Heute sagt er: «Ich bin der Chef hier.» Er hat muskulöse Arme, schwere Knochen und trägt die grauen Haare zu einem Rossschwanz zusammengebunden.

Wie Schär hätten sich auch seine beiden ehemaligen Kollegen nie träumen lassen, dass sie in Nigeria «hängenbleiben» würden, wie sie sagen. Rolf Streib war 1971 als 25-jähriger Textilfachmann nach Ghana gegangen. «Ich wollte Tarzanluft atmen», sagt er. Ghana war die afrikanische Heimat der UTC, deren Ursprünge auf die Basler Mission im 19. Jahrhundert an der Goldküste zurückgingen, wie Ghana damals hiess (vgl. Zusatzartikel). Aber in den 1970er Jahren begann in Ghana der wirtschaftliche Niedergang. Die UTC schlug das Kakaogeschäft unter Verlusten ab. Die meisten Ausländer verliessen das Land.

Streib ging nach Nigeria und gründete seine eigene Firma. In Lagos habe man den Erdölboom «gerochen», sagt er. «Ich wollte profitieren.» Er vertrieb Chemikalien, importierte und wartete Verpackungsmaschinen und Rieter-Textilmaschinen. Über 50 Fabriken waren seine Kunden, bevor chinesische Billigware den Markt überschwemmte und das Ende der westafrikanischen Textilbranche einläutete. Wenn es einmal nicht lief, handelte Streib mit diesem und jenem. Eine Zeitlang betrieb er in Lagos ein Detektivbüro. «Einmal», erzählt er, «erliess die Militärregierung Importbeschränkungen, aber wir erwarteten eine Lieferung österreichischen Apfelmost. Wir fuhren hinaus zum Schiff und brachten die Ware in Fischernetzen versteckt an Land.» Während es sich Streib komfortabel einrichten konnte, rackert sich Paul Hänni noch immer ab. Der Berner begann 1966 als 22-Jähriger bei der UTC. «Das Fernweh hatte mich gepackt», sagt er.

11.09.2015

Begehrte Konfliktstoffe

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Indiennage / Nantes





Präsenzbestand ZHDK

Basler Mission ,Christliche Pioniere im Geschäft mit Kakao

23.10.2014, 14:50 Uhr
Ghana ist heute einer der grössten Kakaoexporteure. Der Anstoss dazu kam einst von der Basler Mission. Von Martin Stohler

Ghana ist heute der zweitgrösste Kakaoproduzent der Welt. Ernte in Ghana in den 1930er-Jahren. (Bild: Mission 21: BmA QD-34.001.0017)

Neben der Verbreitung des Glaubens erachteten es die Missionare der 1815 gegründeten Basler Mission auch als ihre Aufgabe, unter den afrikanischen Heiden die europäische Arbeitsauffassung zu propagieren. In ihr sahen sie einen Garanten für die wirtschaftliche Besserstellung ihrer Schäfchen. In diesem Zusammenhang stehen auch die Bestrebungen, den ursprünglich in Zentralamerika beheimateten Kakao in der britischen Kolonie Goldküste, die 1957 in Ghana aufging, anzubauen.

Der Erste, der dies versuchte, war der Missionar Johannes Haas aus Sissach. Doch die von ihm im Januar 1858 gesetzten Samen sprossen nicht. Sein Nachfolger, der Zürcher Missionar Johann Jakob Lang, war etwas erfolgreicher. Im November 1861 konnte er sich an 10 Kakaobäumchen freuen. Sein Glück war allerdings von kurzer Dauer. Bis August 1863 waren alle zehn Bäumchen Käfern oder Würmern zum Opfer gefallen.

Erst dem ehemaligen Missionsschüler Tetteh Quarshie gelang es schliesslich, Kakao in Ghana anzubauen. Tetteh Quarshie war ursprünglich in der Werkstatt der Basler Mission in Christiansborg zum Schmied ausgebildet worden. 1879 stahl er in einer Kakaoplantage auf der Insel Fernando Po einige Setzlinge und schmuggelte diese in seine Heimat. Seine Pflanzen gediehen, und bald war er nicht mehr der einzige Kakaobauer an der Goldküste.



Mit der «Professor Woermann» wurde 1893 erstmals Kakao von der Goldküste nach Europa exportiert.

Der Siegeszug des Kakaos
In den Anfangszeiten des Kakaoexports von der Goldküste spielte die mit der Basler Mission verbundene Basler Missionshandlungsgesellschaft (MHG) eine wichtige Rolle. Die erste schriftlich belegte Kakaoausfuhr von der Goldküste erfolgte am 20. Januar 1893. Damals wurden 177 Pfund Kakao mit dem Dampfschiff «Professor Woermann» nach Hamburg verschifft und dort von einem Agenten der MHG in Empfang genommen.
Die Basler Missionshandlungsgesellschaft war im Jahr 1859 aus Kreisen, die der Basler Mission nahestanden, gegründet worden. Ihr Zweck war es, Güter in Länder, in denen die Basler Mission tätig war, zu exportieren und von dort wiederum Kolonialwaren in Europa zu importieren.
Die MHG war als Aktiengesellschaft konzipiert. Ihre Statuten legten fest, dass an die Aktionäre eine Dividende von sechs Prozent ausbezahlt und der Rest des Gewinns je zur Hälfte zwischen Aktionären und Basler Mission geteilt werden sollte.
Die MHG war es, die anfänglich grosse Teile des an der Goldküste geernteten Kakaos exportierte. Um 1900 ging etwa ein Drittel des Goldküsten-Kakaos durch ihre Faktoreien. Damals lag die Welt-Kakaoproduktion bei 115'000 Tonnen, davon steuerte die Goldküste lediglich 1000 Tonnen bei.
Im Jahr 1911 wurden weltweit bereits 244'000 Tonnen Kakao produziert, wobei der Anteil der Goldküste auf einen Sechstel davon angestiegen war. Der Exportanteil der MHG war damals allerdings auf 18 Prozent geschrumpft.

Globalisierung des Handels im 18. Jahrhundert


Von Peter Wolf, © MoneyMuseum
Die grossen Ernüchterer
Warum trinkt man in Grossbritannien eigentlich so viel Tee? Und seit wann? Was trank man zuvor?
Bis auf die erste sind alle Fragen relativ leicht zu beantworten. In den Jahren von 1650 bis 1700
führte England insgesamt gerade 181’545 Pfund Tee ein. 1700 bis 1750 waren es dagegen bereits
40 Millionen Pfund! Und das sind nur die verzollten Importe; der Schmuggel dürfte fast noch
einmal so viel ausgemacht haben. Tee wurde also in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum
Massengetränk in England. Zuvor, um 1700, war England der weltgrösste Konsument von Kaffee;
diese Führungsrolle übernahmen dann die Kontinentaleuropäer, allen voran die Franzosen und
Niederländer.
Doch ob Kaffee oder Tee – die aus den Kolonien stammenden Heissgetränke waren selbst erst im
Verlauf des 17. Jahrhunderts Mode bei den tonangebenden Schichten geworden. Der Morgentee
oder -kaffee ersetzte Mehl- oder Biersuppen und verdrängte Bier und Wein aus ihren bisher
unangefochtenen Positionen. Viele Zeitgenossen rühmten daher die exotischen Getränke als die
«grossen Ernüchterer», die gut zu einer Zeit passten, in der Vernunft, Aufklärung und Effizienz zu
den höchsten Gütern wurden.
Globalisierung im 18. Jahrhundert?
Das Teetrinken war also eines der Zeichen für eine neue Zeit geworden. Und seine Verbreitung
beschränkte sich nicht nur auf die Oberschichten. Das «tägliche Brot» des englischen
Industriearbeiters um 1800 bestand im Wesentlichen aus mit Zucker gesüsstem Tee und Kartoffeln.
Insbesondere der gesüsste Tee eignete sich gut als Energiequelle in der Zeit der frühen
Industrialisierung: Er übertönte Hungergefühle, wärmte, war trotzdem leicht und schnell auch am
Arbeitsplatz zuzubereiten – und machte vor allem nicht betrunken.
Alle drei genannten Produkte stammten ursprünglich nicht aus Europa: Kartoffelanbau hatte man
in Amerika gelernt, der Tee musste aus China und Indien importiert werden, der Zucker vor allem
von den Westindischen Inseln. Mit anderen Worten: Die Ausdehnung des europäischen Handels
nach Übersee bedeutete nicht nur, dass sich das Leben in den Kolonien änderte. Bis in den
entlegensten Winkel der Britischen Inseln konnte man nun Kolonialwaren erwerben, die dem
täglichen Leben neue Facetten zufügten.
All dies – weltweite Kontakte, Vernetzungen und Abhängigkeiten – klingt das nicht sehr nach der
Definition eines Begriffes, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts Mode geworden ist: nämlich der
Globalisierung? Anders gefragt: Ist die vieldiskutierte Globalisierung nicht ßbereits seit
Jahrhunderten im Gange, vielleicht gar, wie manche meinen, schon seit Jahrtausenden? Und
geschah der eigentliche «Gobalisierungsschub» etwa nicht durch Internet und Mobiltelefon,
sondern vielleicht schon durch die Teeklipper und Sklavenschiffe des 18. Jahrhunderts? Um diese
Fragen zu beantworten, müssen wir den verschlungenen Wegen des Handels dieser Zeit folgen. Am
besten fängt man hier an einer ganz unscheinbaren Stelle an – zum Beispiel bei der relativ
winzigen Kaurimuschel.

10.09.2015

Kaurigeld

Kaurigeld ist eine historische Form von einfachem Geld (Primitivgeld), die in Afrika, Ost- und Südasien und der Südsee als vormünzliches Zahlungsmittel oder Naturalgeld (Warengeld aus Naturgegenständen) weit verbreitet war und stellenweise noch heute traditionell und rituell verwendet wird. Bestehend oder hergestellt aus den Gehäusen von Kaurischnecken, war Kaurigeld das nach Raum und Zeit am weitesten verbreitete Muschel- oder Schneckenhausgeld (in der Münzkunde auch als Molluskengeld bezeichnet). Die Kaurischnecken wurden meist auf Bastfäden gezogen und als Geldschnüre gehandelt, für noch größere Mengen gab es in manchen Gebieten korbförmige Hohlmaße. Kauris zirkulierten in Teilen Afrikas, in Indien, Afghanistan, Südostasien, China und vielen Inseln Melanesiens.[1]

In Afrika war es fast immer und ausschließlich Tausch- oder Handelsgeld.[2] Kaurigeld war das erste allgemeingültige Geld und spielte eine große Rolle im überregionalen Handel. Kaurigeld gab es bereits vor den Metallmünzen und in einigen Fällen war es parallel zu Metallmünzen in Gebrauch. Da Transport und Handel früher sehr einfach abliefen, wurden die Kaurischnecken umso wertvoller, je weiter sie ins Landesinnere transportiert wurden. Die Schneckengehäuse wurden vor allem auf den Malediven und rund um den Golf von Thailand gesammelt.[3]



Elf Gehäuse der Ring-Kaurischnecke und Euro-Cent-Münzen – derartige Schnecken dienten als Kaurigeld, hauptsächlich als Kleingeld


Gehäuse verschiedener Kauri­schnecken­arten, von denen bisher 200 bekannt sind


Arabische Händler mit Kaurischnecken, die als Geld verwendet wurden (Druck von 1845)


Geld-Kaurischnecke (Monetaria moneta)


Ring-Kaurischnecke (Monetaria annulus)


Ring-Kaurischnecke von oben und unten


Die kleinen, eiförmigen, sehr stabilen Kaurischneckengehäuse mit ihren bunt gefärbten Schalen mit glänzendem Schmelzüberzug wurden etwa von 2000 v. Chr., also noch in der Bronzezeit, bis ins späte 19. Jahrhundert verwendet. Sie zirkulierten als fälschungssichere internationale „Währung“ auf dem halben Globus. Genaugenommen war Kaurigeld kein Geld im Sinn von Währung, denn es gab keine staatliche Aufsicht und kein Bankensystem dafür; Kaurigeld diente jedoch als Wertaufbewahrungsmittel. Zunächst fand das Kaurigeld Verbreitung in Südasien und Südostasien, China und Indien, später auch in Ostafrika, in Zentralafrika und im tropischen Westafrika, sowie in der Südsee. In vielen Regionen Asiens und Afrikas war die Kaurischnecke sowohl Handelsgut, als auch Zahlungsmittel.

10.08.2015

Baumwollproduktion

International Cotton Association







The International Cotton Association (ICA) is a trade association and arbitral body that operates on a not-for-profit basis in the commodity of cotton.
Formerly the Liverpool Cotton Association, it was formed in 1841 in Liverpool, UK, by a group of cotton brokers who created a set of trading rules to regulate the sale and purchase of raw cotton.[1]
The ICA is made up of member firms or individuals from the international cotton supply chain.
It is one of the founding members of CICCA (Committee for International Cooperation between Cotton Associations)[2] and has established partnerships with other global cotton associations including the China Cotton Association, Bremen Baumwollboerse[3] and the Gdynia Cotton Association.[4]
The ICA has two primary functions (the ICA Bylaws and Rules[5] and an arbitration service) and it provides support facilities that include training, trade events, networking forums and cotton testing through a joint venture company (ICA Bremen).

Kaffeehafen und Kaffeebörse Santos, Brasilien

06.08.2015

«Die Schweizer betrieben sozusagen einen Sekundärimperialismus»




 Es ist ein neues historisches Trendthema: Die Schweiz und der Kolonialismus. Forscher Christof Dejung über Sklavenschiffe, Missionare und Schweizer Grossunternehmer, die mit den Briten wetteiferten.

Um 1900 hatten die europäischen Staaten fast ganz Afrika unterworfen: Eine europäische Afrikareisende in Senegal (unbekanntes Datum). Bild: AFP (7 Bilder)
Von Linus Schöpfer
Redaktor Kultur
@L_Schoepfer 10.12.2012



Herr Dejung, inwiefern waren Schweizer in kolonialistische Aktivitäten im engeren Sinn involviert, zum Beispiel in den Sklavenhandel?
Schweizer Kaufleute vor allem aus Genf, Neuenburg und Basel investierten in Sklavenhandelsunternehmen und besassen teilweise auch eigene Sklavenschiffe. Darüber hinaus und in weit grösserem Mass waren sie indirekt involviert, indem sie mit Erlösen aus dem Sklavenhandel Geschäfte betrieben oder Rohstoffe verarbeiteten, die durch Sklavenarbeit auf den Markt gekommen waren, insbesondere Baumwolle.

Wie profitierte die Schweiz allgemein vom imperialen Kolonialismus?
Es gilt, den Staat Schweiz von der Wirtschaftsmacht Schweiz zu unterscheiden. Die offizielle Schweiz hegte zu keinem Zeitpunkt koloniale Ambitionen, wodurch sie sich von anderen Kleinstaaten wie Dänemark, Holland oder Belgien unterschied. Das ist allerdings nichts zu verwechseln mit einer kritischen Haltung: Die Schweizer Politik verstand den Kolonialismus als selbstverständlichen Bestandteil der modernen Welt. Das prägte auch die Schweizer Identität. So wurde auf der Landesausstellung 1896 in Genf unter anderem eine afrikanische Völkerschau gezeigt.



Und die Unternehmer?
Seitens der Schweizer Privatwirtschaft gab es Firmen, die sich global betätigten und die während der Kolonialzeit eine beachtliche Marktmacht aufbauen konnten. Diese Firmen machten sich die Kanonenbootpolitik der Imperialmächte zunutze und belieferten aktiv neu geöffnete Märkte wie China oder Japan. Die Schweizer betrieben sozusagen einen Sekundärimperialismus. Was wichtig ist: Für die wirtschaftlichen Akteure spielte die Nationalität lange Zeit überhaupt keine Rolle.

08.07.2015

Dressing gown, ca. 1880. Japanese for Western market.


1. Dressing gown, ca. 1880. Japanese for Western market. Quilted blue silk.

2. Dressing gown, late 1880s. Japanese for Western market. Quilted brown silk.
In the nineteenth century, Japan produced prodigiously for its new Western market. Economic initiative spurred the creation of consumer items exclusively for the export market. At the same time, Japan began a massive consumption of Western goods, chiefly in the sectors of heavy industry and engineering. Quilted dressing gowns like these are for an occasion and of a style that would never have been operative in Japan. For the European customer, the pattern of late-spring flowers, insects, and lotuses evoked exotic origins, mitigated by accommodations to Western style.
-Metropolitan Museum of Art

11.09.2014

Basler Handelsgesellschaft

Führende schweiz. Handelsgesellschaft, gegr. 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft, seit 1928 B. Bis 1917 lag die Geschäftsleitung bei der Basler Mission. Kapitalgeber sind wenige Basler Familien. Die B. belieferte Missionsstationen an der Goldküste (heute Ghana) und in Südindien mit europ. Waren und betrieb Grosshandel mit Palmöl, Kakao und Baumwolle. Ab 1882 dienten Webereien und Ziegeleien in Südindien als Arbeitsplätze sowie als Stätten der Erziehung für Bekehrte. 1916 beschäftigte die B. weltweit 6'500 Personen. 1916-19 enteignete Grossbritannien nach und nach den als feindlich eingestuften Besitz der B. in Afrika und Indien. Die Rückgabe erfolgte 1928 (Goldküste) bzw. 1952 (Indien). 1921 gründete der Präs. der B., Wilhelm Preiswerk, die Union Trading Company International (UTC) als Betriebsgesellschaft für die Goldküste. 1928 löste sich die B. von der Basler Mission und wandelte sich in eine Holding-Gesellschaft um. Handel und Produktion wurden danach durch die UTC als Tochtergesellschaft der B. ausgeübt. Gemäss der statutar. Verpflichtung ging stets ein Teil des Gewinns an christl. Werke. In den 1960er Jahren erzielte die B. mit ca. 6'000 Beschäftigten Umsätze von ca. 1 Mrd. Fr. Die UTC war bis in die 1970er Jahre v.a. in Nigeria und Ghana (Betrieb von Farmen, Ausbildungszentren und Warenhäusern, Verkauf von Autos und Landwirtschaftsmaschinen, Export von Kakao) sowie in Deutschland und der Schweiz (Textilproduktion) tätig. Polit. Veränderungen um 1960 (Dekolonisierung) und die Abwertung afrikan. Währungen Ende der 1980er Jahre zwangen zur örtl. Diversifikation. 1995 umfasste die weltweite Tätigkeit der UTC International AG den Handel und die Produktion von Konsumgütern auf allen Kontinenten. 1977-96 war sie zudem Mehrheitsaktionärin von Jelmoli. Die Muttergesellschaft B. AG zählte 1990 ca. 8'000 Beschäftigte und wies einen Umsatz von ca. 2,8 Mrd. Fr. aus. 1997 fusionierte die UTC International AG mit der B. AG. Diese war 1998 in Umwandlung in eine Finanz-Holding ohne operative Tätigkeit begriffen.


Archive
– SWA, Dossiers B. und UTC
Literatur
– G.A. Wanner, Die Basler Handels-Gesellschaft AG, 1859-1959, 1959
– R. Fischer, Die Basler Missionsindustrie in Indien 1850-1913, 1978


Autorin/Autor: Niklaus Stettler

Textilwaren-Katalog der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft

Tischtücher, Servietten und andere Formen von Haushaltswäsche in Leinen und Baumwolle konnten mit Hilfe der Kataloge und Materialproben der Basler Missions- Handlungs-Gesellschaft bezogen werden. Das Erscheinungsbild der nach Ablauf einiger Monate gelieferten Erzeugnisse war gänzlich europäisch: Die Formen orientierten sich an den Bedürfnissen der Besteller, und die Monogramme waren je nach Wunsch im Stil des Historismus oder Jugendstils.
Die kulturelle Prägung der Stickerinnen und Sticker und der Ort der Herstellung schlugen sich nicht nieder; man konnte die in Indien gefertigte Ware kaum von europäischer unterscheiden.
Gegründet 1859 ursprünglich zur Versorgung der Missionsstationen mit europäischen Waren für den Lebensunterhalt, entwickelte sich die Missions-Handlungs-Gesellschaft immer mehr zum Arbeitgeber für Missionierte, sei es, weil sie in ihrem angestammten Umfeld wegen ihrer Hinwendung zum Christentum keine Arbeit mehr fanden oder weil sie von den Einflüssen ihrer ursprünglichen Kultur ferngehalten werden sollten. Neben dem Handel mit «Kolonialwaren» (Kakao, Palmöl) boten vor allem Ziegeleien und textilverarbeitende Betriebe Arbeitsplätze für die Bekehrten. Im Laufe der Zeit jedoch gewannen merkantile Interessen immer stärker die Oberhand, und die Missionsgebiete selbst wurden als Abnehmer von Schweizer Produkten zunehmend wichtiger. Bedruckte Baumwollstoffe in vermeintlich typisch afrikanischen Mustern und Farben wurden in Glarus für den afrikanischen Markt gefertigt.
Die Basler Mission zog sich nach und nach von der Missions-Handlungs-Gesellschaft zurück: 1917 gab sie die Geschäftsleitung ab, 1928 löste sich die Gesellschaft von der Basler Mission und wurde in «Basler Handelsgesellschaft » umbenannt. Ein Teil des Gewinns war nach wie vor für christliche Aufgaben bestimmt, aber die starke Verflechtung mit der Basler Mission hatte ein Ende gefunden.

Musterbuch mit Stoffmustern («waxprints») der Fa. Hohlenstein

http://www.hmb.ch/de/sammlung/textilkunst/201322-musterbuch-mit-stoffmustern-waxprints-der-fa-hohlenstein.html

Afrikanische Frauen mit langen, reich drapierten Kleidern aus farbenfrohen und stark gemusterten Stoffen bekleidet, wie man sie auch in Basel bei (allzu) seltenen Gelegenheiten sieht - das erscheint oberflächlich wie der Inbegriff authentischer, ungebrochener afrikanischer Kleidungstradition. Doch die meisten dieser prachtvollen Stoffe werden nicht in Afrika, sondern in Europa für den afrikanischen Markt hergestellt; der Anteil der in Afrika, vor allem Ghana, produzierten Stoffe ist vergleichsweise gering. Diese «waxprints» genannten Stoffe imitieren indonesische Batikstoffe, sind aber nicht wie diese in einem komplizierten und langwierigen Ausspar-verfahren gefärbt und bedruckt, sondern nur gedruckt. Neben den Hauptproduzentenländern Grossbritannien und Niederlande, die bis heute die begehrtesten unter diesen Stoffen herstellen, gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Schweizer Produzenten, die für den afrikanischen Markt druckten.

Das Musterbuch enthält die Kollektion der Firma Hohlenstein in Glarus, die solche Stoffe im Auftrag der Basler Handelsgesellschaft produzierte. Diese war 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft gegründet worden. Ursprünglich war die Handelsgesellschaft mit dem Zweck, die Missionsstationen im heutigen Ghana und Südindien mit europäischen Waren zu versorgen, gegründet worden. Bald weitete sich der Handel aus, und auch afrikanische Erzeugnisse wie Kakao, Baumwolle und Palmöl gelangten in grossen Mengen nach Europa. Bis 1917 hatte die Geschäftsleitung bei der Basler Mission gelegen; 1928 löste sich die nun «Basler Handelsgesellschaft» genannte Gesellschaft von der Basler Mission, führte aber nach wie vor einen Teil des Gewinns für die Missionsarbeit ab.