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08.01.2011

Textilindustrie: Glarus







Textilindustrie, «glarnerisches Wirtschaftswunder»
Um 1740 hält mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei in Glarus die Fabrikindustrie Einzug ins Tal. Der Stoffdruck führt dazu, dass die Handweberei von Baumwolltüchern aufgenommen und der Handel immer wichtiger wird. Glarner Handelshäuser errichten Niederlassungen in verschiedensten Städten Europas und beziehen alle Arten von Gütern in ihren Tätigkeitsbereich mit ein. Der Glarner Grosshandel muss den Vergleich mit demjenigen von Genf, Basel, Winterthur oder St.Gallen keineswegs scheuen.
Der Blüte folgt erneut der Niedergang. Die Handspinner erleiden wegen der billigen englischen Maschinengarne nach 1780 massive Lohneinbussen. Sie müssen ihre Tätigkeit, nach dem auch hierzulande die Maschinenspinnerei eingeführt wird, als unrentabel aufgeben. Schlimm wirken sich zudem die Revolutionswirren aus. Sie bringen Untergang der alten Ordnung, Krieg, Besetzung, unsägliche Armut, Hunger, Elend, Seuchen: zwingen zur Auswanderung. Nach den Friedensschlüssen und Jahren der Missernten geht es ab Ende der 1810er-Jahre rasch wieder besser, zumal genügend Wasser als Antriebskraft oder zum Auswaschen gefärbter und bedruckter Tücher vorhanden ist.


Doch als um 1840 auch der mechanische Webstuhl seinen Siegeszug antritt, entzieht das Fabriksystem mit der modernen Technik den Heimwebern die Existenz. Es kommt zu einer Auswanderungswelle, die viele Glarner und Glarnerinnen nach den beiden Amerikas treibt. Allein 1845 wandern Hunderte aus. In den Jahren 1845 bis 1854 verlässt jede zwölfte Person das Glarnerland, in einzelnen Gemeinden gar jede vierte. 193 von ihnen brechen unter Aufsicht eines «Auswanderungsvereins» zum Staate Wisconsin in Nordamerika auf, wo 108 eintreffen. Sie bebauen das vorher erworbene Land und nennen ihre Siedlung «New Glarus», zu der noch heute enge Beziehungen bestehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begünstigt das englische Freihandelssystem die wirtschaftlichen Tätigkeiten, die das «glarnerische Wirtschaftswunder» bewirken. Die Produkte der Textilindustrie und vor allem des Zeugdrucks erlangen dank ausgezeichneter Qualität und intensiver, Kundenbedürfnisse wahrnehmender Marktforschung Weltgeltung und erreichen mittels eigener Schiffe und weit verzweigten Netzes glarnerischer Handelsniederlassungen jeden Winkel der Erde; es wird das Wort geprägt, man treffe auf jedem Handelsplatz der Erde nebst einem Juden einen Glarner.


Während der Blütezeit um 1865 arbeiten in den 22 Druckereien etwa 6000 Menschen, die jährlich grosse Mengen Tücher hauptsächlich mittels Handmodel bedrucken. In den zahlreichen Spinnereien und Webereien sind zudem annähernd 4000 Arbeitende tätig. Die Textilindustrie beschäftigt fast einen Drittel der stark gewachsenen Gesamtbevölkerung, die 1870 mit 35 200 eine Höhe erklimmt, die in den folgenden sechs Jahrzehnten nicht mehr erreicht werden soll. Denn die gewaltige industrielle Entwicklung, die das Glarnerland die Spitze der Industrialisierung einnehmen lässt, erweist sich als zu Handdruckmodel, Holz- und Messingstecherei einseitig.
Bald setzt der Niedergang des Zeugdrucks ein; der Deutsch-Französische Krieg löst eine Handelskrise aus, und der Maschinendruck kommt auf. Erneut vermögen nicht alle Talbewohner in der Heimat ihr Einkommen zu finden und müssen auswandern; die Bevölkerungszahl sinkt um über acht Prozent. Heute gibt es nur noch wenige Textilindustriebetriebe. Dem einst so blühenden Kattundruck hat die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts beinahe den endgültigen Todesstoss versetzt.

Textildruck - Verfahren

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Das Stichwort "Textildruck" erinnert hauptsächlich an das Bedrucken konfektionierter Ware wie T-Shirts. Mindestens ebenso bedeutend ist jedoch das Bedrucken von Metragen, also "Meterware", heute ab Rolle. Hier liegen auch die geschichtlichen Ursprünge des Textildrucks seit dem Mittelalter. T-Shirts wurden erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Unterwäsche getragen - erwähnt wird hier die US-Navy. Erst zu Beginn der 1950er Jahre wurden sie in den USA zum modischen Kleidungsstück und mit dekorativen oder werbenden Motiven bedruckt.
Die Ursprünge der heutigen Textildruckindustrie liegen in Europa. Seit dem frühen Mittelalter wurden Stoffe mit geschnitzten Holzstempeln bedruckt - den so genannten "Model". Hauptsächlich wurde im Reserveverfahren gedruckt, also eine Druckpaste aufgedruckt, die das Textil bei der nachfolgenden Färbung vor der Einwirkung der Farbstoffe schützte. Diese Technik ist mit der Batik vergleichbar und hatte als "Blaudruck" in weiten Teilen Europas handwerkliche Tradition (Abb. 1). Während in Japan der Schablonendruck als kunsthandwerkliche Textildrucktechnik in seinen Grundzügen fast unverändert bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieb, so begann im Europa des frühen 19. Jahrhunderts die Industrialisierung der Textilindustrie und damit auch des Textildrucks. Man sprach dabei vom "Zeugdruck". Die Abbildung 3 zeigt die Textilverarbeitung in der als "Cottonopolis" bezeichneten Stadt Manchester, dem damaligen Textilzentum Englands, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Abbildung 2 zeigt das Textilzentrum der USA, die als "silk city" bezeichnete Stadt Paterson im Bundesstaat New Jersey, frühes 20. Jahrhundert.

Modeldruck
Die ältesten in Europa erhaltenen Textildrucke und Druckmodel stammen aus der Zeit des 14. Jahrhunderts, rund 100 Jahre vor Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Bei der Herstellung eines Model wurde das Druckbild in Birnbaum- oder Buchsbaumholz geschnitten. Die Wiedergabe feiner Details war dabei nicht möglich und die Model nutzten sich beim Druckvorgang relativ rasch ab. Eine Verbesserung brachte seit dem 19. Jahrhundert das Einsetzen von Streifen aus Messingblech, welche die Kanten des Druckmotivs bildeten (Abb. 4). Die Innenräume wurden zur guten Farbaufnahme und Farbübertragung mit Filz ausgefüllt. Zum Drucken wurde die Stoffbahn auf einen langen Tisch abgerollt und seitlich fixiert, damit sie sich beim Druckvorgang nicht verschieben konnte. Die Druckfarbe befand sich in einem Farbkasten mit einem eingelegten Kissen, vergleichbar mit einem Stempelkissen. Durch das Aufsetzen auf das Kissen färbte der Drucker den Model ein und setzte ihn anschliessend auf die Stoffbahn ab. Mit einem Hammer wurde der Model so an den Stoff "angeklopft", dass die Farbübertragung gleichmässig war. Dem Drucker stand ein Gehilfe zur Verfügung - der Streicherjunge -, der das Farbkissen fortwährend mit Druckfarbe versorgte (Abb. 4). Der Modeldruck wurde durch die in Frankreich erfundene Perrotine seit Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise mechanisiert (Abb. 5). Das Einfärben und Aufsetzen der Model auf den Stoff erfolgte dabei automatisch. Der manuelle Modeldruck war bis in die 1940er Jahre von wirtschaftlicher Bedeutung, er wurde jedoch weitgehend vom Rouleauxdruck verdrängt. So schrieb ein Fachautor in den 1920er Jahren: "Mit der Entwicklung des Walzentiefdrucks war die beherrschende Stellung des Modeldrucks erschüttert, und seine Bedeutung schwand bis auf einen Restbedarf an handbedruckter Ware, die in gewissen Artikeln die Vergangenheit betonen oder in Erinnerung bringen soll."

Rouleauxdruck (Roller printing)
Den technologischen Durchbruch zur Mechanisierung des Textildrucks brachte die Erfindung der Rotationstiefdruckmaschine (Abb. 6). Das Verfahren wurde als Walzendruck oder Rouleauxdruck, in England und den USA als Roller printing, bezeichnet. Das Druckbild wurde dabei in Metallzylinder eingraviert oder eingeätzt. Nach dem Einfärben des sich drehenden Druckzylinders wurde die überschüssige Farbe durch eine scharfe Metallrakel von der Oberfläche des Zylinders entfernt. Danach konnte die sich in den vertieften Stellen befindende Druckfarbe auf das Textil aufgedruckt werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts standen hauptächlich in England hunderte von Rouleauxdruckmaschinen in Betrieb, die jährlich Millionen Meter Ware bedruckten.

Textildruck mit offenen Schablonen
Im Bereich des Textildrucks wurden Schablonenverfahren schon früh eingesetzt, jedoch nur für kleinste Auflagen. Es handelte sich dabei um offene Blech- oder Papierschablonen. Die Farbe wurde mit Bürsten, Walzen oder einem Spritzapparat auf das Textil aufgetragen.