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12.01.2016
08.11.2015
Schweizer Unternehmensgeschichte in Afrika
Schweizer Unternehmensgeschichte in Afrika
«Da packte uns das Fernweh»
Im Sog von Basler Missionaren hatte sich im vergangenen Jahrhundert in Ghana und Nigeria der Handelskonzern UTC etabliert. Nach dem Rückzug 1998 blieben einige Schweizer Mitarbeiter in Nigeria hängen.
von Markus M. Häfliger, Lagos
7.11.2015, 05:30 Uhr
Im schmucklosen Sitzungszimmer eines Bürogebäudes im Industrieviertel Amuwo-Odofin in der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos treffen sich drei ältere Herren, um die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Draussen lärmt der Verkehr der grössten Stadt Afrikas. Die Fahrer von Sammeltaxis hupen gnadenlos, Billetteure hängen aus den Türen und rufen Fahrziele aus. Wenn die Kleinbusse anfahren, füllt Staub die klebrige Luft. John Schaer schliesst das Fenster und schaltet die Klimaanlage an.
Geschätzte Schweizer Qualität
John Schaer heisst eigentlich Johann Schär. Der Baselbieter heuerte 1977 am Sitz der Union Trading Company (UTC) in Basel an, um mit seiner Frau nach Westafrika auszuwandern. Zu dem Zeitpunkt beschäftigte die Firma in Nigeria 4000 Angestellte (davon 60 Schweizer) und erwirtschaftete einen Gewinn von 85 Mio. Fr.
Das Erdöl hatte Nigeria reich gemacht, die Nachfrage nach Autos, Haushaltwaren und Maschinen wuchs in zuvor ungeahntem Ausmass. Die UTC befriedigte den Bedarf über eine Warenhauskette, Eisenwarenläden, Garagen und mit Verkaufs- und Servicebetrieben für ganze Industrien. Die Firma vertrieb und wartete Getreidemühlen von Bühler aus Uzwil, Bäckereimaschinen von Rondo aus Burgdorf und Schindler-Lifte aus Ebikon. Schweizer Qualität galt etwas in Westafrika: von der Swissair, die viermal pro Woche nach Lagos flog (ausserdem nach Accra, Abidjan, Monrovia und Douala), über den mobilen Pannendienst der UTC bis zu firmeneigenen Wurstereien und Bäckereien. «Wer bei der UTC arbeitete, war stolz darauf», sagt Schär. Wenn er auf Dienstreisen an Strassensperren vorbeikam, winkten die Soldaten das UTC-Auto durch.
Schär, ein ehemaliger Automechaniker, ist der Gastgeber der Runde. Auf seiner Visitenkarte steht: Managing Director, Servipower Ltd. Die Firma importiert und wartet noch heute englische Dieselgeneratoren und Industriemotoren und ist eines der Unternehmen, deren Firmengeschichte auf die UTC zurückgehen. Das Basler Mutterhaus hatte seine nigerianischen Investitionen 1998 an ein einheimisches Konsortium veräussert. Neue Chefs, gleicher Betrieb, dachte sich Schär und blieb auf seinem Arbeitsplatz. Heute sagt er: «Ich bin der Chef hier.» Er hat muskulöse Arme, schwere Knochen und trägt die grauen Haare zu einem Rossschwanz zusammengebunden.
Wie Schär hätten sich auch seine beiden ehemaligen Kollegen nie träumen lassen, dass sie in Nigeria «hängenbleiben» würden, wie sie sagen. Rolf Streib war 1971 als 25-jähriger Textilfachmann nach Ghana gegangen. «Ich wollte Tarzanluft atmen», sagt er. Ghana war die afrikanische Heimat der UTC, deren Ursprünge auf die Basler Mission im 19. Jahrhundert an der Goldküste zurückgingen, wie Ghana damals hiess (vgl. Zusatzartikel). Aber in den 1970er Jahren begann in Ghana der wirtschaftliche Niedergang. Die UTC schlug das Kakaogeschäft unter Verlusten ab. Die meisten Ausländer verliessen das Land.
Streib ging nach Nigeria und gründete seine eigene Firma. In Lagos habe man den Erdölboom «gerochen», sagt er. «Ich wollte profitieren.» Er vertrieb Chemikalien, importierte und wartete Verpackungsmaschinen und Rieter-Textilmaschinen. Über 50 Fabriken waren seine Kunden, bevor chinesische Billigware den Markt überschwemmte und das Ende der westafrikanischen Textilbranche einläutete. Wenn es einmal nicht lief, handelte Streib mit diesem und jenem. Eine Zeitlang betrieb er in Lagos ein Detektivbüro. «Einmal», erzählt er, «erliess die Militärregierung Importbeschränkungen, aber wir erwarteten eine Lieferung österreichischen Apfelmost. Wir fuhren hinaus zum Schiff und brachten die Ware in Fischernetzen versteckt an Land.» Während es sich Streib komfortabel einrichten konnte, rackert sich Paul Hänni noch immer ab. Der Berner begann 1966 als 22-Jähriger bei der UTC. «Das Fernweh hatte mich gepackt», sagt er.
11.09.2015
Basler Mission ,Christliche Pioniere im Geschäft mit Kakao
23.10.2014, 14:50 Uhr
Ghana ist heute einer der grössten Kakaoexporteure. Der Anstoss dazu kam einst von der Basler Mission. Von Martin Stohler
Ghana ist heute der zweitgrösste Kakaoproduzent der Welt. Ernte in Ghana in den 1930er-Jahren. (Bild: Mission 21: BmA QD-34.001.0017)
Neben der Verbreitung des Glaubens erachteten es die Missionare der 1815 gegründeten Basler Mission auch als ihre Aufgabe, unter den afrikanischen Heiden die europäische Arbeitsauffassung zu propagieren. In ihr sahen sie einen Garanten für die wirtschaftliche Besserstellung ihrer Schäfchen. In diesem Zusammenhang stehen auch die Bestrebungen, den ursprünglich in Zentralamerika beheimateten Kakao in der britischen Kolonie Goldküste, die 1957 in Ghana aufging, anzubauen.
Der Erste, der dies versuchte, war der Missionar Johannes Haas aus Sissach. Doch die von ihm im Januar 1858 gesetzten Samen sprossen nicht. Sein Nachfolger, der Zürcher Missionar Johann Jakob Lang, war etwas erfolgreicher. Im November 1861 konnte er sich an 10 Kakaobäumchen freuen. Sein Glück war allerdings von kurzer Dauer. Bis August 1863 waren alle zehn Bäumchen Käfern oder Würmern zum Opfer gefallen.
Erst dem ehemaligen Missionsschüler Tetteh Quarshie gelang es schliesslich, Kakao in Ghana anzubauen. Tetteh Quarshie war ursprünglich in der Werkstatt der Basler Mission in Christiansborg zum Schmied ausgebildet worden. 1879 stahl er in einer Kakaoplantage auf der Insel Fernando Po einige Setzlinge und schmuggelte diese in seine Heimat. Seine Pflanzen gediehen, und bald war er nicht mehr der einzige Kakaobauer an der Goldküste.
Mit der «Professor Woermann» wurde 1893 erstmals Kakao von der Goldküste nach Europa exportiert.
Der Siegeszug des Kakaos
In den Anfangszeiten des Kakaoexports von der Goldküste spielte die mit der Basler Mission verbundene Basler Missionshandlungsgesellschaft (MHG) eine wichtige Rolle. Die erste schriftlich belegte Kakaoausfuhr von der Goldküste erfolgte am 20. Januar 1893. Damals wurden 177 Pfund Kakao mit dem Dampfschiff «Professor Woermann» nach Hamburg verschifft und dort von einem Agenten der MHG in Empfang genommen.
Die Basler Missionshandlungsgesellschaft war im Jahr 1859 aus Kreisen, die der Basler Mission nahestanden, gegründet worden. Ihr Zweck war es, Güter in Länder, in denen die Basler Mission tätig war, zu exportieren und von dort wiederum Kolonialwaren in Europa zu importieren.
Die MHG war als Aktiengesellschaft konzipiert. Ihre Statuten legten fest, dass an die Aktionäre eine Dividende von sechs Prozent ausbezahlt und der Rest des Gewinns je zur Hälfte zwischen Aktionären und Basler Mission geteilt werden sollte.
Die MHG war es, die anfänglich grosse Teile des an der Goldküste geernteten Kakaos exportierte. Um 1900 ging etwa ein Drittel des Goldküsten-Kakaos durch ihre Faktoreien. Damals lag die Welt-Kakaoproduktion bei 115'000 Tonnen, davon steuerte die Goldküste lediglich 1000 Tonnen bei.
Im Jahr 1911 wurden weltweit bereits 244'000 Tonnen Kakao produziert, wobei der Anteil der Goldküste auf einen Sechstel davon angestiegen war. Der Exportanteil der MHG war damals allerdings auf 18 Prozent geschrumpft.
Ghana ist heute einer der grössten Kakaoexporteure. Der Anstoss dazu kam einst von der Basler Mission. Von Martin Stohler
Ghana ist heute der zweitgrösste Kakaoproduzent der Welt. Ernte in Ghana in den 1930er-Jahren. (Bild: Mission 21: BmA QD-34.001.0017)
Neben der Verbreitung des Glaubens erachteten es die Missionare der 1815 gegründeten Basler Mission auch als ihre Aufgabe, unter den afrikanischen Heiden die europäische Arbeitsauffassung zu propagieren. In ihr sahen sie einen Garanten für die wirtschaftliche Besserstellung ihrer Schäfchen. In diesem Zusammenhang stehen auch die Bestrebungen, den ursprünglich in Zentralamerika beheimateten Kakao in der britischen Kolonie Goldküste, die 1957 in Ghana aufging, anzubauen.
Der Erste, der dies versuchte, war der Missionar Johannes Haas aus Sissach. Doch die von ihm im Januar 1858 gesetzten Samen sprossen nicht. Sein Nachfolger, der Zürcher Missionar Johann Jakob Lang, war etwas erfolgreicher. Im November 1861 konnte er sich an 10 Kakaobäumchen freuen. Sein Glück war allerdings von kurzer Dauer. Bis August 1863 waren alle zehn Bäumchen Käfern oder Würmern zum Opfer gefallen.
Erst dem ehemaligen Missionsschüler Tetteh Quarshie gelang es schliesslich, Kakao in Ghana anzubauen. Tetteh Quarshie war ursprünglich in der Werkstatt der Basler Mission in Christiansborg zum Schmied ausgebildet worden. 1879 stahl er in einer Kakaoplantage auf der Insel Fernando Po einige Setzlinge und schmuggelte diese in seine Heimat. Seine Pflanzen gediehen, und bald war er nicht mehr der einzige Kakaobauer an der Goldküste.
Mit der «Professor Woermann» wurde 1893 erstmals Kakao von der Goldküste nach Europa exportiert.
Der Siegeszug des Kakaos
In den Anfangszeiten des Kakaoexports von der Goldküste spielte die mit der Basler Mission verbundene Basler Missionshandlungsgesellschaft (MHG) eine wichtige Rolle. Die erste schriftlich belegte Kakaoausfuhr von der Goldküste erfolgte am 20. Januar 1893. Damals wurden 177 Pfund Kakao mit dem Dampfschiff «Professor Woermann» nach Hamburg verschifft und dort von einem Agenten der MHG in Empfang genommen.
Die Basler Missionshandlungsgesellschaft war im Jahr 1859 aus Kreisen, die der Basler Mission nahestanden, gegründet worden. Ihr Zweck war es, Güter in Länder, in denen die Basler Mission tätig war, zu exportieren und von dort wiederum Kolonialwaren in Europa zu importieren.
Die MHG war als Aktiengesellschaft konzipiert. Ihre Statuten legten fest, dass an die Aktionäre eine Dividende von sechs Prozent ausbezahlt und der Rest des Gewinns je zur Hälfte zwischen Aktionären und Basler Mission geteilt werden sollte.
Die MHG war es, die anfänglich grosse Teile des an der Goldküste geernteten Kakaos exportierte. Um 1900 ging etwa ein Drittel des Goldküsten-Kakaos durch ihre Faktoreien. Damals lag die Welt-Kakaoproduktion bei 115'000 Tonnen, davon steuerte die Goldküste lediglich 1000 Tonnen bei.
Im Jahr 1911 wurden weltweit bereits 244'000 Tonnen Kakao produziert, wobei der Anteil der Goldküste auf einen Sechstel davon angestiegen war. Der Exportanteil der MHG war damals allerdings auf 18 Prozent geschrumpft.
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01.09.2015
«Es gibt keine heile Welt, Herrgott nochmal!»
Mission 21
21.10.2014, 05:00 Uhr
Die Basler Mission wird 200 Jahre alt. Was tun Missionare heute noch? Und wie blicken sie auf das koloniale Erbe ihrer Missionen zurück? Das wollten wir von Al Imfeld wissen, dem Afrikakenner und kritischen Entwicklungsberater, der dem traditionellen Glauben schon lange abschwor. Und von Claudia Bandixen, Theologin und Direktorin der Mission 21. Von Samuel Schlaefli
Wozu braucht es Missionen noch? Afrika-Spezialist Imfeld und Mission-21-Chefin Claudia Bandixen im Streitgespräch über Sinn und Zweck von christlich geprägter Entwicklungsarbeit. (Bild: Caspar Urban Weber)
Al Imfeld hat Claudia Bandixen und mich für das Gespräch in seine Wohnung nahe dem Bahnhof Zürich eingeladen. Seit er nicht mehr so gut zu Fuss ist, ist er froh, wenn die Welt zu ihm nach Hause kommt. Obschon sein Zuhause eigentlich die Welt ist. Während 50 Jahren vagabundierte er von Land zu Land, lebte zwischen Zimbabwe, Malawi, Tansania, Kenia, Nigeria, Kamerun, Deutschland und der Schweiz.
Im zweiten Stock des Altbaus, dort wo die Zeichnung eines afrikanischen Dorfes hängt, öffnet Al Imfeld die Türe. Neugierig schaut er über dicke Brillengläser; ein hölzernes Amulett mit kleinen Muscheln hängt um seinen Hals. Er bittet uns, im Wohnzimmer Platz zu nehmen, in Rattansesseln und -sofas, deren Polster und Kissen uneinheitlich und kunterbunt bezogen sind.
An den Wänden hängen afrikanische Holzmasken und die Hörner einer Gazelle. In der Ecke steht ein kleiner Büchertisch mit Imfelds Werken. Kaum haben wir Platz genommen, reicht der Autor ein Manuskript herum und erzählt von den vergangenen drei Jahren, während derer er im Büro im Nebenzimmer praktisch ununterbrochen über einem 800-seitigen Band mit Übersetzungen afrikanischer Gedichte gebrütet hat. Das Buch erscheint im Januar; es wird Imfelds Geschenk zu seinem eigenen 80. Geburtstag.
21.10.2014, 05:00 Uhr
Die Basler Mission wird 200 Jahre alt. Was tun Missionare heute noch? Und wie blicken sie auf das koloniale Erbe ihrer Missionen zurück? Das wollten wir von Al Imfeld wissen, dem Afrikakenner und kritischen Entwicklungsberater, der dem traditionellen Glauben schon lange abschwor. Und von Claudia Bandixen, Theologin und Direktorin der Mission 21. Von Samuel Schlaefli
Wozu braucht es Missionen noch? Afrika-Spezialist Imfeld und Mission-21-Chefin Claudia Bandixen im Streitgespräch über Sinn und Zweck von christlich geprägter Entwicklungsarbeit. (Bild: Caspar Urban Weber)
Al Imfeld hat Claudia Bandixen und mich für das Gespräch in seine Wohnung nahe dem Bahnhof Zürich eingeladen. Seit er nicht mehr so gut zu Fuss ist, ist er froh, wenn die Welt zu ihm nach Hause kommt. Obschon sein Zuhause eigentlich die Welt ist. Während 50 Jahren vagabundierte er von Land zu Land, lebte zwischen Zimbabwe, Malawi, Tansania, Kenia, Nigeria, Kamerun, Deutschland und der Schweiz.
Im zweiten Stock des Altbaus, dort wo die Zeichnung eines afrikanischen Dorfes hängt, öffnet Al Imfeld die Türe. Neugierig schaut er über dicke Brillengläser; ein hölzernes Amulett mit kleinen Muscheln hängt um seinen Hals. Er bittet uns, im Wohnzimmer Platz zu nehmen, in Rattansesseln und -sofas, deren Polster und Kissen uneinheitlich und kunterbunt bezogen sind.
An den Wänden hängen afrikanische Holzmasken und die Hörner einer Gazelle. In der Ecke steht ein kleiner Büchertisch mit Imfelds Werken. Kaum haben wir Platz genommen, reicht der Autor ein Manuskript herum und erzählt von den vergangenen drei Jahren, während derer er im Büro im Nebenzimmer praktisch ununterbrochen über einem 800-seitigen Band mit Übersetzungen afrikanischer Gedichte gebrütet hat. Das Buch erscheint im Januar; es wird Imfelds Geschenk zu seinem eigenen 80. Geburtstag.
Afrikaner missionieren das gottlose Europa
22.10.2014, 15:51 Uhr
Während Jahrhunderten verkündeten europäische Missionare das Evangelium in Afrika. Heute reisen Prediger-Stars aus Afrika in die alte Welt zurück, um Europas Ungläubige zu bekehren. Von Samuel Schlaefli
Wenn der Prediger Dag Heward-Mills zum Gottesdienst ruft, kommen Hunderte. Kranke und Elende werden auf die Grossbühne geholt, Krücken abgelegt, und im Rausch des Festes wird vorgeführt, wie der heilige Geist die Versehrten wieder zum Gehen oder Stehen bringt.
Wenn Dag Heward-Mills in Ghana, Mali, Burkina Faso oder Liberia zu einem Gottesdienst ruft, dann wird auf den Strassen Westafrikas viel Staub aufgewirbelt. Auf Heward-Mills «Healing Jesus Crusades» sind 37 Sattelschlepper voller Material unterwegs. Für ihn, seine Hilfsprediger, Sängerinnen und die Band werden Stadion-reife Bühnen aufgebaut.
Zugleich reist mit dem Kreuzzug ein ganzes Korps von Krankenschwestern und Ärzten mit, die am Vortag des Spektakels kostenlose Behandlungen anbieten. Während tagsüber mit Medikamenten und Verbänden geheilt wird – Heward-Mills hat selbst Medizin in England studiert –, überlässt man das Heilen abends auf der Bühne ganz Gott. Dann werden die Krüppel und Elenden mit viel Tamtam auf die Grossbühne geholt, Krücken abgelegt und im Rausch des Festes vorgeführt, wie der heilige Geist die Versehrten wieder zum Humpeln, Gehen oder Stehen bringt. Halleluja!
Heward-Mills mag es gerne bombastisch. Seine Lighthouse Chapel International (LCI), eine der grössten pfingstlich-charismatischen Mission Afrikas, hat geschafft, was sonst nur «Starbucks» kann: 1987 öffnete Dag Heward-Mills in Ghana seine erste Kirche, heute hat sie über 1500 Ableger in 66 Ländern – auch in der Schweiz.
Die Webseite lighthousechapel.org erinnert vom Umfang und der Funktionalität her an einen globalen Grosskonzern. Hier kann man Heward-Mills’ Bücher in 27 Sprachen bestellen, Podcasts und RSS-Feeds abonnieren, sich über Twitter und Facebook mit dem Prediger vernetzen, von der LCI produzierte Musik anhören, über den eigenen Videokanal «Healing Jesus TV» life in Predigten reinschauen und über Paypal Geld spenden.
https://www.youtube.com/watch?v=V-CZ3_BG9jY&hd=1
Basler Wurzeln
Heward-Mills Mission hat Basler Wurzeln. Seine Mutter war Baslerin und als Hippie nach London gereist, wo sie einen Ghanaer heiratete. Sie hatte zwar etwa soviel mit dem Christentum am Hut, wie Bob Dylan mit dem Vatikan. Trotzdem bezieht sich Heward-Mills heute explizit auf seine Herkunft mütterlicherseits. Denn Basel, das ist die Herkunft der Pioniere der «Basler Mission», die das Christentum im 19. Jahrhundert nach Ghana brachten.
Ähnlich wie die europäischen Missionare vor 200 Jahren das gottlose Afrika retten wollten, ist Heward-Mills angetreten, um Europa ins Reich Gottes zurückzuführen. «Gott hat mich auserkoren, das weiterzuführen, was die Basler Mission viele Jahre zuvor in Ghana getan hat», erklärt Heward-Mills seine eigene Mission im Dokumentarfilm «Kreuzzug» der Filmemacher Andrea Müller und Adrian Zschokke.
https://www.youtube.com/watch?v=esdFSs6hmQI&hd=1
Trailer zum Film «Kreuzzug» von Andrea Müller und Adrian Zschokke:
Während Jahrhunderten verkündeten europäische Missionare das Evangelium in Afrika. Heute reisen Prediger-Stars aus Afrika in die alte Welt zurück, um Europas Ungläubige zu bekehren. Von Samuel Schlaefli
Wenn der Prediger Dag Heward-Mills zum Gottesdienst ruft, kommen Hunderte. Kranke und Elende werden auf die Grossbühne geholt, Krücken abgelegt, und im Rausch des Festes wird vorgeführt, wie der heilige Geist die Versehrten wieder zum Gehen oder Stehen bringt.
Wenn Dag Heward-Mills in Ghana, Mali, Burkina Faso oder Liberia zu einem Gottesdienst ruft, dann wird auf den Strassen Westafrikas viel Staub aufgewirbelt. Auf Heward-Mills «Healing Jesus Crusades» sind 37 Sattelschlepper voller Material unterwegs. Für ihn, seine Hilfsprediger, Sängerinnen und die Band werden Stadion-reife Bühnen aufgebaut.
Zugleich reist mit dem Kreuzzug ein ganzes Korps von Krankenschwestern und Ärzten mit, die am Vortag des Spektakels kostenlose Behandlungen anbieten. Während tagsüber mit Medikamenten und Verbänden geheilt wird – Heward-Mills hat selbst Medizin in England studiert –, überlässt man das Heilen abends auf der Bühne ganz Gott. Dann werden die Krüppel und Elenden mit viel Tamtam auf die Grossbühne geholt, Krücken abgelegt und im Rausch des Festes vorgeführt, wie der heilige Geist die Versehrten wieder zum Humpeln, Gehen oder Stehen bringt. Halleluja!
Heward-Mills mag es gerne bombastisch. Seine Lighthouse Chapel International (LCI), eine der grössten pfingstlich-charismatischen Mission Afrikas, hat geschafft, was sonst nur «Starbucks» kann: 1987 öffnete Dag Heward-Mills in Ghana seine erste Kirche, heute hat sie über 1500 Ableger in 66 Ländern – auch in der Schweiz.
Die Webseite lighthousechapel.org erinnert vom Umfang und der Funktionalität her an einen globalen Grosskonzern. Hier kann man Heward-Mills’ Bücher in 27 Sprachen bestellen, Podcasts und RSS-Feeds abonnieren, sich über Twitter und Facebook mit dem Prediger vernetzen, von der LCI produzierte Musik anhören, über den eigenen Videokanal «Healing Jesus TV» life in Predigten reinschauen und über Paypal Geld spenden.
https://www.youtube.com/watch?v=V-CZ3_BG9jY&hd=1
Basler Wurzeln
Heward-Mills Mission hat Basler Wurzeln. Seine Mutter war Baslerin und als Hippie nach London gereist, wo sie einen Ghanaer heiratete. Sie hatte zwar etwa soviel mit dem Christentum am Hut, wie Bob Dylan mit dem Vatikan. Trotzdem bezieht sich Heward-Mills heute explizit auf seine Herkunft mütterlicherseits. Denn Basel, das ist die Herkunft der Pioniere der «Basler Mission», die das Christentum im 19. Jahrhundert nach Ghana brachten.
Ähnlich wie die europäischen Missionare vor 200 Jahren das gottlose Afrika retten wollten, ist Heward-Mills angetreten, um Europa ins Reich Gottes zurückzuführen. «Gott hat mich auserkoren, das weiterzuführen, was die Basler Mission viele Jahre zuvor in Ghana getan hat», erklärt Heward-Mills seine eigene Mission im Dokumentarfilm «Kreuzzug» der Filmemacher Andrea Müller und Adrian Zschokke.
https://www.youtube.com/watch?v=esdFSs6hmQI&hd=1
Trailer zum Film «Kreuzzug» von Andrea Müller und Adrian Zschokke:
11.09.2014
Basler Handelsgesellschaft
Führende schweiz. Handelsgesellschaft, gegr. 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft, seit 1928 B. Bis 1917 lag die Geschäftsleitung bei der Basler Mission. Kapitalgeber sind wenige Basler Familien. Die B. belieferte Missionsstationen an der Goldküste (heute Ghana) und in Südindien mit europ. Waren und betrieb Grosshandel mit Palmöl, Kakao und Baumwolle. Ab 1882 dienten Webereien und Ziegeleien in Südindien als Arbeitsplätze sowie als Stätten der Erziehung für Bekehrte. 1916 beschäftigte die B. weltweit 6'500 Personen. 1916-19 enteignete Grossbritannien nach und nach den als feindlich eingestuften Besitz der B. in Afrika und Indien. Die Rückgabe erfolgte 1928 (Goldküste) bzw. 1952 (Indien). 1921 gründete der Präs. der B., Wilhelm Preiswerk, die Union Trading Company International (UTC) als Betriebsgesellschaft für die Goldküste. 1928 löste sich die B. von der Basler Mission und wandelte sich in eine Holding-Gesellschaft um. Handel und Produktion wurden danach durch die UTC als Tochtergesellschaft der B. ausgeübt. Gemäss der statutar. Verpflichtung ging stets ein Teil des Gewinns an christl. Werke. In den 1960er Jahren erzielte die B. mit ca. 6'000 Beschäftigten Umsätze von ca. 1 Mrd. Fr. Die UTC war bis in die 1970er Jahre v.a. in Nigeria und Ghana (Betrieb von Farmen, Ausbildungszentren und Warenhäusern, Verkauf von Autos und Landwirtschaftsmaschinen, Export von Kakao) sowie in Deutschland und der Schweiz (Textilproduktion) tätig. Polit. Veränderungen um 1960 (Dekolonisierung) und die Abwertung afrikan. Währungen Ende der 1980er Jahre zwangen zur örtl. Diversifikation. 1995 umfasste die weltweite Tätigkeit der UTC International AG den Handel und die Produktion von Konsumgütern auf allen Kontinenten. 1977-96 war sie zudem Mehrheitsaktionärin von Jelmoli. Die Muttergesellschaft B. AG zählte 1990 ca. 8'000 Beschäftigte und wies einen Umsatz von ca. 2,8 Mrd. Fr. aus. 1997 fusionierte die UTC International AG mit der B. AG. Diese war 1998 in Umwandlung in eine Finanz-Holding ohne operative Tätigkeit begriffen.
Archive
– SWA, Dossiers B. und UTC
Literatur
– G.A. Wanner, Die Basler Handels-Gesellschaft AG, 1859-1959, 1959
– R. Fischer, Die Basler Missionsindustrie in Indien 1850-1913, 1978
Autorin/Autor: Niklaus Stettler
Archive
– SWA, Dossiers B. und UTC
Literatur
– G.A. Wanner, Die Basler Handels-Gesellschaft AG, 1859-1959, 1959
– R. Fischer, Die Basler Missionsindustrie in Indien 1850-1913, 1978
Autorin/Autor: Niklaus Stettler
Textilwaren-Katalog der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft
Tischtücher, Servietten und andere Formen von Haushaltswäsche in Leinen
und Baumwolle konnten mit Hilfe der Kataloge und Materialproben der
Basler Missions- Handlungs-Gesellschaft bezogen werden. Das
Erscheinungsbild der nach Ablauf einiger Monate gelieferten Erzeugnisse
war gänzlich europäisch: Die Formen orientierten sich an den
Bedürfnissen der Besteller, und die Monogramme waren je nach Wunsch im
Stil des Historismus oder Jugendstils.
Die kulturelle Prägung der Stickerinnen und Sticker und der Ort der Herstellung schlugen sich nicht nieder; man konnte die in Indien gefertigte Ware kaum von europäischer unterscheiden.
Gegründet 1859 ursprünglich zur Versorgung der Missionsstationen mit europäischen Waren für den Lebensunterhalt, entwickelte sich die Missions-Handlungs-Gesellschaft immer mehr zum Arbeitgeber für Missionierte, sei es, weil sie in ihrem angestammten Umfeld wegen ihrer Hinwendung zum Christentum keine Arbeit mehr fanden oder weil sie von den Einflüssen ihrer ursprünglichen Kultur ferngehalten werden sollten. Neben dem Handel mit «Kolonialwaren» (Kakao, Palmöl) boten vor allem Ziegeleien und textilverarbeitende Betriebe Arbeitsplätze für die Bekehrten. Im Laufe der Zeit jedoch gewannen merkantile Interessen immer stärker die Oberhand, und die Missionsgebiete selbst wurden als Abnehmer von Schweizer Produkten zunehmend wichtiger. Bedruckte Baumwollstoffe in vermeintlich typisch afrikanischen Mustern und Farben wurden in Glarus für den afrikanischen Markt gefertigt.
Die Basler Mission zog sich nach und nach von der Missions-Handlungs-Gesellschaft zurück: 1917 gab sie die Geschäftsleitung ab, 1928 löste sich die Gesellschaft von der Basler Mission und wurde in «Basler Handelsgesellschaft » umbenannt. Ein Teil des Gewinns war nach wie vor für christliche Aufgaben bestimmt, aber die starke Verflechtung mit der Basler Mission hatte ein Ende gefunden.
Die kulturelle Prägung der Stickerinnen und Sticker und der Ort der Herstellung schlugen sich nicht nieder; man konnte die in Indien gefertigte Ware kaum von europäischer unterscheiden.
Gegründet 1859 ursprünglich zur Versorgung der Missionsstationen mit europäischen Waren für den Lebensunterhalt, entwickelte sich die Missions-Handlungs-Gesellschaft immer mehr zum Arbeitgeber für Missionierte, sei es, weil sie in ihrem angestammten Umfeld wegen ihrer Hinwendung zum Christentum keine Arbeit mehr fanden oder weil sie von den Einflüssen ihrer ursprünglichen Kultur ferngehalten werden sollten. Neben dem Handel mit «Kolonialwaren» (Kakao, Palmöl) boten vor allem Ziegeleien und textilverarbeitende Betriebe Arbeitsplätze für die Bekehrten. Im Laufe der Zeit jedoch gewannen merkantile Interessen immer stärker die Oberhand, und die Missionsgebiete selbst wurden als Abnehmer von Schweizer Produkten zunehmend wichtiger. Bedruckte Baumwollstoffe in vermeintlich typisch afrikanischen Mustern und Farben wurden in Glarus für den afrikanischen Markt gefertigt.
Die Basler Mission zog sich nach und nach von der Missions-Handlungs-Gesellschaft zurück: 1917 gab sie die Geschäftsleitung ab, 1928 löste sich die Gesellschaft von der Basler Mission und wurde in «Basler Handelsgesellschaft » umbenannt. Ein Teil des Gewinns war nach wie vor für christliche Aufgaben bestimmt, aber die starke Verflechtung mit der Basler Mission hatte ein Ende gefunden.
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