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01.09.2015

Afrikaner missionieren das gottlose Europa

22.10.2014, 15:51 Uhr
Während Jahrhunderten verkündeten europäische Missionare das Evangelium in Afrika. Heute reisen Prediger-Stars aus Afrika in die alte Welt zurück, um Europas Ungläubige zu bekehren. Von Samuel Schlaefli

Wenn der Prediger Dag Heward-Mills zum Gottesdienst ruft, kommen Hunderte. Kranke und Elende werden auf die Grossbühne geholt, Krücken abgelegt, und im Rausch des Festes wird vorgeführt, wie der heilige Geist die Versehrten wieder zum Gehen oder Stehen bringt.
Wenn Dag Heward-Mills in Ghana, Mali, Burkina Faso oder Liberia zu einem Gottesdienst ruft, dann wird auf den Strassen Westafrikas viel Staub aufgewirbelt. Auf Heward-Mills «Healing Jesus Crusades» sind 37 Sattelschlepper voller Material unterwegs. Für ihn, seine Hilfsprediger, Sängerinnen und die Band werden Stadion-reife Bühnen aufgebaut.
Zugleich reist mit dem Kreuzzug ein ganzes Korps von Krankenschwestern und Ärzten mit, die am Vortag des Spektakels kostenlose Behandlungen anbieten. Während tagsüber mit Medikamenten und Verbänden geheilt wird – Heward-Mills hat selbst Medizin in England studiert –, überlässt man das Heilen abends auf der Bühne ganz Gott. Dann werden die Krüppel und Elenden mit viel Tamtam auf die Grossbühne geholt, Krücken abgelegt und im Rausch des Festes vorgeführt, wie der heilige Geist die Versehrten wieder zum Humpeln, Gehen oder Stehen bringt. Halleluja!
Heward-Mills mag es gerne bombastisch. Seine Lighthouse Chapel International (LCI), eine der grössten pfingstlich-charismatischen Mission Afrikas, hat geschafft, was sonst nur «Starbucks» kann: 1987 öffnete Dag Heward-Mills in Ghana seine erste ­Kirche, heute hat sie über 1500 Ableger in 66 Ländern – auch in der Schweiz.
Die Webseite lighthousechapel.org erinnert vom Umfang und der Funktionalität her an einen globalen Grosskonzern. Hier kann man Heward-Mills’ Bücher in 27 Sprachen bestellen, Podcasts und RSS-Feeds abonnieren, sich über Twitter und Facebook mit dem Prediger vernetzen, von der LCI produzierte Musik anhören, über den eigenen Videokanal «Healing Jesus TV» life in Predigten reinschauen und über Paypal Geld spenden.
https://www.youtube.com/watch?v=V-CZ3_BG9jY&hd=1
Basler Wurzeln
Heward-Mills Mission hat Basler Wurzeln. Seine Mutter war Baslerin und als Hippie nach London gereist, wo sie einen Ghanaer heiratete. Sie hatte zwar etwa soviel mit dem Christentum am Hut, wie Bob Dylan mit dem Vatikan. Trotzdem bezieht sich Heward-Mills heute explizit auf seine Herkunft mütterlicherseits. Denn Basel, das ist die Herkunft der Pioniere der «Basler Mission», die das Christentum im 19. Jahrhundert nach Ghana brachten.
Ähnlich wie die europäischen Missionare vor 200 Jahren das gottlose Afrika retten wollten, ist Heward-Mills angetreten, um Europa ins Reich Gottes zurückzuführen. «Gott hat mich auserkoren, das weiterzuführen, was die Basler Mission viele Jahre zuvor in ­Ghana getan hat», erklärt Heward-Mills seine eigene Mission im Dokumentarfilm «Kreuzzug» der Filmemacher Andrea Müller und Adrian Zschokke.
https://www.youtube.com/watch?v=esdFSs6hmQI&hd=1
Trailer zum Film «Kreuzzug» von Andrea Müller und Adrian Zschokke:

14.08.2015

Obeah

Pierre Jacques Benoit, Voyage a Surinam . . . cent dessins pris sur nature par l'auteur (Bruxelles, 1839), plate xvii, fig.36. (Copy in the John Carter Brown Library at Brown University)
Using her spiritual powers, a healer is helping to cure a child who is not present. After engaging in certain ritualistic behaviors, she gives the mother, who stands before her, a herbal decoction, made in the pot in front of her; the mother is told to drink the decoction several times and then is given some herbs which she is to give her child. These healers, "who are regarded as oracles by the Negroes," are usually older black women who are called “Mama Snekie, Mother of Serpents, or Water Mama.” The author observed one of these women at work, and describes (p. 26) the scene he witnessed, including the furnishings of her house. Although his description is relatively brief and sparse in ethnographic detail, it nonetheless represents a rather unique first-hand account of an African-type spiritual practitioner (what might have been called an obeah practitioner in the British Caribbean) at an early date. Benoit (1782-1854), a Belgian artist, visited Suriname around 1831 and apparently stayed for several months. The 100 lithographs in his book (hand colored in the John Carter Brown copy), accompanied by textual descriptions of varying detail, are derived from drawings he made during his visit, which included time in Paramaribo, the capital, as well as trips into the interior visiting Maroons and Amerindians. Forty of his lithographs, with our translations from the French text, are shown on this website.


Obeah (auch Obi) ist eine auf den Westindischen Inseln gebräuchliche Bezeichnung für Praktiken und Lebensvorgängen, die nach naturreligiösen Vorstellungen zugeordnet werden. Die Vokabel "Obeah" entstammt vermutlich dem Igbo (Nigeria) und wird vor allem benutzt in Bezug auf volkstümliche Zauberbräuche und -riten, sowie allgemein zur Beschreibung von in der westindischen Inselwelt üblichen religiösen Praktiken afrikanischer Herkunft.
Die Inhalte und Praktiken des Obeah-Glaubens wurden von den in den Jahrhunderten der Sklaverei in die Kolonien auf den Westindischen Inseln verschleppten Schwarzafrikanern mitgebracht und an ihre Nachkommen tradiert. Die Herkunft und Überlieferungsweise von Obeah ist damit denen anderer Vorstellungen der ostamerikanischen Inselwelt wie Voodoo, Hoodoo oder Palo identisch.
Mithin ist Obeah in nahezu allen karibischen Staaten, sowie in einigen Gebieten Mittel und des nördlichen Südamerikas verbreitet. Anzutreffen ist die Praxis des Obeah unter anderem in Jamaika, den Jungferninseln, Trinidad, Tobago, Guyana, Belize, den Bahamas, St. Vincent und Barbados.
Obeah existiert in diversen Ausprägungen die meist synkretistischer Natur sind: Einige vermengen afrikanisches Brauchtum und schwarzafrikanische Kulthandlungen mit christlichen Glaubenselementen, andere vermischen Obeah mit hinduistischen Elementen.
Als Obeah-Männer werden die religiösen Adepten beziehungsweise Führer des Obeahs bezeichnet.