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28.07.2017

Afrika-Damast



Interview mit Josef Lampert
«Es gibt auch in Westafrika reiche Leute»
INTERVIEWvon Stefan Hotz24.7.2017, 05:30 Uhr
Der Verwaltungsratspräsident der Getzner Textil AG in Bludenz erläutert, wie der Konzern zur Weberei Russikon kam und weshalb der afrikanische Markt wichtig istWie in der Schweiz mussten ebenso in Österreich in den letzten zwanzig Jahren zahlreiche Textilbetriebe aufgeben. Die Getzner Textil AG aber floriert und investiert. Was machen Sie anders?

Lampert: Das Wichtigste sind die Besitzerfamilien, die immer zum Unternehmen standen und die in der Krise der 1990er Jahre viel Geld in die Hand nahmen. Von den Banken hätten wir nicht so viel für Investitionen in den Maschinenpark erhalten. Der zweite Punkt ist, dass Österreich 1995 der EU beitrat. Von da an hatten wir auf einen Schlag 100 Prozent Umsatzwachstum. 1996 kamen die damaligen Besitzer der Weberei Russikon zu uns und sagten: Entweder ihr übernehmt uns, oder wir müssen schliessen. Russikon arbeitete bereits für uns, wir konnten auf die Mengen nicht verzichten. Da haben wir auf den 1. Oktober 1996 die Fabrik übernommen.

Nun ist die Schweiz ein teurer Standort. Warum halten Sie dennoch seit zwanzig Jahren an Russikon fest?

Wir haben in Österreich die 381/2-Stunden-Woche, hier in der Schweiz sind es 42 Stunden. Die Schweiz hat weniger Ferien, weniger Feiertage und niedrigere Lohnnebenkosten. Ich habe vor Jahren einmal ausgerechnet, dass wir in Österreich 221/2 Prozent höhere Lohnkosten gehabt hätten für die gleiche Leistung wie in der Schweiz. Das Lohnniveau ist nicht so entscheidend.
Und der Franken-Schock 2015?

Der hat sich schon ausgewirkt. Aber wir hatten noch Möglichkeiten, Synergien zu nutzen und die Produktion etwas zu straffen. Danach ging der Absatz für Modestoffe etwa für feine Hemden zurück. Das konnten wir Gott sei Dank durch Afrika-Damast ersetzen.

Wie kamen Sie auf Afrika?

Unser Produktmanager, seit 1976 im Betrieb – er ist heute fast 70 Jahre alt –, hat den Markt aufgebaut. Wir sassen 2002 auf zwei Millionen Laufmetern Bettwäsche, die nicht mehr verkäuflich waren, weil andere Produkte aufkamen. Er flog nach Afrika und verkaufte die ganze Menge innert sieben Wochen. Von da an haben wir Afrika-Damast produziert, anfänglich gut zwei Millionen Meter im Jahr. Wir entwickelten uns zum Marktführer. Wir erreichten eine Qualität im Glanz und im Griff, die uns bis jetzt niemand nachmachen konnte. Der Aufschwung kam ausgerechnet 2008 mit der Finanzkrise. Wir hatten die Afrika-Strategie in der Schublade und wollten sie in drei bis vier Jahren umsetzen. Welche Maschinen brauchen wir, um auf zehn Millionen Meter zu kommen? Diesen Investitionsplan haben wir dann in 18 Monaten umgesetzt. Als andere in Schwierigkeiten gerieten und Kurzarbeit machten, konnten wir 2010 durchstarten. Heute verkaufen wir bis zu dreissig Millionen Meter Damast.
12 Bilder
Webmaschinen brauchen Betreuung. Eine Mitarbeiterin behebt im Websaal den Fadenbruch an einer Bordüren-Kette. (Bild: Karin Hofer / NZZ)

Der Weltmarkt wird aber doch von Stoffen aus Asien überschwemmt.

Das ist in Afrika genauso. Wir haben vielleicht zwei Prozent Marktanteil. Wir sind in der Qualität klar Marktführer, aber die grosse Menge ist asiatische Ware. Die kostet nur einen Drittel oder Viertel unserer Ware und hat nie die Qualität, die wir bieten.

Wer trägt Ihre Stoffe?

Es gibt auch in Westafrika – Mali, Mauretanien, Senegal, Côte d'Ivoire, Benin, Nigeria – reiche Leute. Wir haben etwa zwei Dutzend Kunden, Händler, die an Kleinhändler weiterverkaufen. Wir sind direkt am Markt und haben keine Vertreter vor Ort. Die Endkunden waren ursprünglich nur muslimische Männer. Dann kamen Vertreter anderer Religionen dazu, seit einigen Jahren immer mehr Frauen. Das löste einen neuen Boom aus. Diese Stoffe werden aufwendig bearbeitet und bestickt. Sticken kostet viel Geld, deshalb wird dafür nur bester Damast verwendet.







11.09.2014

Textilwaren-Katalog der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft

Tischtücher, Servietten und andere Formen von Haushaltswäsche in Leinen und Baumwolle konnten mit Hilfe der Kataloge und Materialproben der Basler Missions- Handlungs-Gesellschaft bezogen werden. Das Erscheinungsbild der nach Ablauf einiger Monate gelieferten Erzeugnisse war gänzlich europäisch: Die Formen orientierten sich an den Bedürfnissen der Besteller, und die Monogramme waren je nach Wunsch im Stil des Historismus oder Jugendstils.
Die kulturelle Prägung der Stickerinnen und Sticker und der Ort der Herstellung schlugen sich nicht nieder; man konnte die in Indien gefertigte Ware kaum von europäischer unterscheiden.
Gegründet 1859 ursprünglich zur Versorgung der Missionsstationen mit europäischen Waren für den Lebensunterhalt, entwickelte sich die Missions-Handlungs-Gesellschaft immer mehr zum Arbeitgeber für Missionierte, sei es, weil sie in ihrem angestammten Umfeld wegen ihrer Hinwendung zum Christentum keine Arbeit mehr fanden oder weil sie von den Einflüssen ihrer ursprünglichen Kultur ferngehalten werden sollten. Neben dem Handel mit «Kolonialwaren» (Kakao, Palmöl) boten vor allem Ziegeleien und textilverarbeitende Betriebe Arbeitsplätze für die Bekehrten. Im Laufe der Zeit jedoch gewannen merkantile Interessen immer stärker die Oberhand, und die Missionsgebiete selbst wurden als Abnehmer von Schweizer Produkten zunehmend wichtiger. Bedruckte Baumwollstoffe in vermeintlich typisch afrikanischen Mustern und Farben wurden in Glarus für den afrikanischen Markt gefertigt.
Die Basler Mission zog sich nach und nach von der Missions-Handlungs-Gesellschaft zurück: 1917 gab sie die Geschäftsleitung ab, 1928 löste sich die Gesellschaft von der Basler Mission und wurde in «Basler Handelsgesellschaft » umbenannt. Ein Teil des Gewinns war nach wie vor für christliche Aufgaben bestimmt, aber die starke Verflechtung mit der Basler Mission hatte ein Ende gefunden.

Musterbuch mit Stoffmustern («waxprints») der Fa. Hohlenstein

http://www.hmb.ch/de/sammlung/textilkunst/201322-musterbuch-mit-stoffmustern-waxprints-der-fa-hohlenstein.html

Afrikanische Frauen mit langen, reich drapierten Kleidern aus farbenfrohen und stark gemusterten Stoffen bekleidet, wie man sie auch in Basel bei (allzu) seltenen Gelegenheiten sieht - das erscheint oberflächlich wie der Inbegriff authentischer, ungebrochener afrikanischer Kleidungstradition. Doch die meisten dieser prachtvollen Stoffe werden nicht in Afrika, sondern in Europa für den afrikanischen Markt hergestellt; der Anteil der in Afrika, vor allem Ghana, produzierten Stoffe ist vergleichsweise gering. Diese «waxprints» genannten Stoffe imitieren indonesische Batikstoffe, sind aber nicht wie diese in einem komplizierten und langwierigen Ausspar-verfahren gefärbt und bedruckt, sondern nur gedruckt. Neben den Hauptproduzentenländern Grossbritannien und Niederlande, die bis heute die begehrtesten unter diesen Stoffen herstellen, gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Schweizer Produzenten, die für den afrikanischen Markt druckten.

Das Musterbuch enthält die Kollektion der Firma Hohlenstein in Glarus, die solche Stoffe im Auftrag der Basler Handelsgesellschaft produzierte. Diese war 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft gegründet worden. Ursprünglich war die Handelsgesellschaft mit dem Zweck, die Missionsstationen im heutigen Ghana und Südindien mit europäischen Waren zu versorgen, gegründet worden. Bald weitete sich der Handel aus, und auch afrikanische Erzeugnisse wie Kakao, Baumwolle und Palmöl gelangten in grossen Mengen nach Europa. Bis 1917 hatte die Geschäftsleitung bei der Basler Mission gelegen; 1928 löste sich die nun «Basler Handelsgesellschaft» genannte Gesellschaft von der Basler Mission, führte aber nach wie vor einen Teil des Gewinns für die Missionsarbeit ab.

Musterbich Fa. christoph Burckhadt, Historisches Museum Basel

http://www.historischesmuseumbasel.ch/de/sammlung/textilkunst/151589-musterbuch-fuer-indiennes-stoffe-der-fa-christoph-burckhardt-co.html



1995 erwarb das HMB als Depositum der Jenny Adèle Burckhardt-Stiftung ein grosses, sehr gut erhaltenes Musterbuch für die Indiennes-Druckerei, in dem mehrere Hundert Stoffmuster enthalten sind. Die repräsentative
Aufmachung des Folianten lässt darauf schliessen, dass er zur Demonstration des Angebotes diente, möglicherweise im Kontor des Firmeninhabers.
Durch das ursprüngliche Etikett ist die Zuordnung des Musterbuches eindeutig: es demonstriert die Produktionspalette der Indiennes-Druckerei Christoph Burckhardt & Co., die von 1790 bis 1812 bestand. Christoph
Burckhardt-Merian (1740-1812) hatte die Firma nach dem Tode seines Vaters gegründet; sein Bruder Leonhard Burckhardt-Mieg führte den väterlichen Betrieb unter der Firmenbezeichnung "Christoph Burckhardt & Sohn" weiter. Die beiden Burckhardtschen Druckereien gehörten zu den ungefähr einem halben Dutzend Indiennes-Fabriken, die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Basel bestanden.

Die Muster sind mit Modeln auf Papier gedruckt; die Andrucke auf Papier entsprechen den Stoffdrucken, sind aber wesentlich klarer in den Konturen und daher für Demonstrationszwecke wie ein solches Musterbuch bevorzugt worden. In den Mustern werden die hohe Qualität wie auch die Vielfalt des Angebotes deutlich sichtbar: einfarbige, nur mit einem Model gedruckte Muster sowie vielfarbige, die mit mehreren Modeln hergestellt wurden, einfache (Streifen, Muster) und grossflächige, sehr kompliziert aufgebaute Muster, meist mit floralen Motiven. Vom einfachen Futterstoff bis zum aufwendig gemusterten Kleiderstoff sind verschiedene Anwendungsmöglichkeiten vertreten. Trotz aller Unterschiede herrscht eine stilistische Einheitlichkeit vor, die auf eine gefestigte und ausgereifte Haltung bei den Entwürfen und die recht begrenzte Entstehungszeit zurückzuführen ist.

Musterbücher des 18. Jahrhunderts für Stoffdruck sind ausserordentlich selten; für die Schweizer Indiennes-Druckereien ist kein vergleichbares Objekt publiziert. Für Basel ist das Musterbuch zudem von besonderer
Bedeutung, da es die hohe, zuvor unterschätzte Qualität der Basler Indiennes-Druckerei deutlich macht. Zudem ist der Gründer und Inhaber der Fabrik Christoph Burckhardt-Merian (1740-1812) auch der Erbauer des Segerhofes am Blumenrain und dadurch eng mit der Geschichte des Historischen Museums Basel verbunden.

Der ästhetische Reiz der Muster ist sehr hoch und die Vielfalt beeindruckend; weit entscheidender ist aber die damit möglich werdende neue Bewertung und Erforschung der Basler Indiennes-Fabrikation. Interessante Aspekte ergeben sich auch durch die vielfältige Verzahnung des Objektes mit der Basler Kunst- und Kulturgeschichte (Portraits, Segerhof etc.)

In den Beständen des HMB befinden sich zahlreiche weitere Objekte, die in den Zusammenhang dieses Musterbuches gehören:
- mehrere Portraits des Firmengründers Christoph Burckhardt-Merian und seiner Frau Dorothea Burckhardt-Merian (1989.78., 1995.363., 1995.364., 1995.370., 1995.371.)
- Musterbuch mit Stoffabschnitten der Firma Christoph Burckhardt & Comp. (1930.735.): Es sind direkte Gegenüberstellungen von Mustern dieses Buches (auf Stoff) mit solchen aus dem neuerworbenen Musterbuch (auf
Papier) möglich.
- Zahlreiche Entwürfe für den Stoffdruck, teilweise bez. CBC (Christoph Burckhardt & Comp.) (Inv.Nr.1930.733.), die interessante Einblicke in den Entstehungsprozess der Muster geben.
- Inventarbücher der Fa. Christoph Burckhardt & Comp. aus dem Segerhof (1988.256.-1988.261.)
- verschiedene Stoffdruckmodel
- Leinensack mit Aufdruck C.B.C. (Christoph Burckhardt & Comp.)



Afrikanische Frauen mit langen, reich drapierten Kleidern aus farbenfrohen und stark gemusterten Stoffen bekleidet, wie man sie auch in Basel bei (allzu) seltenen Gelegenheiten sieht - das erscheint oberflächlich wie der Inbegriff authentischer, ungebrochener afrikanischer Kleidungstradition. Doch die meisten dieser prachtvollen Stoffe werden nicht in Afrika, sondern in Europa für den afrikanischen Markt hergestellt; der Anteil der in Afrika, vor allem Ghana, produzierten Stoffe ist vergleichsweise gering. Diese «waxprints» genannten Stoffe imitieren indonesische Batikstoffe, sind aber nicht wie diese in einem komplizierten und langwierigen Ausspar-verfahren gefärbt und bedruckt, sondern nur gedruckt. Neben den Hauptproduzentenländern Grossbritannien und Niederlande, die bis heute die begehrtesten unter diesen Stoffen herstellen, gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Schweizer Produzenten, die für den afrikanischen Markt druckten.

Das Musterbuch enthält die Kollektion der Firma Hohlenstein in Glarus, die solche Stoffe im Auftrag der Basler Handelsgesellschaft produzierte. Diese war 1859 als Missions-Handlungs-Gesellschaft gegründet worden. Ursprünglich war die Handelsgesellschaft mit dem Zweck, die Missionsstationen im heutigen Ghana und Südindien mit europäischen Waren zu versorgen, gegründet worden. Bald weitete sich der Handel aus, und auch afrikanische Erzeugnisse wie Kakao, Baumwolle und Palmöl gelangten in grossen Mengen nach Europa. Bis 1917 hatte die Geschäftsleitung bei der Basler Mission gelegen; 1928 löste sich die nun «Basler Handelsgesellschaft» genannte Gesellschaft von der Basler Mission, führte aber nach wie vor einen Teil des Gewinns für die Missionsarbeit ab.

16.01.2011

Glarner Textilindustrie 2

Handel und Industrie. Aus der geringen Ausdehnung des kulturfähigen Bodens in der Thalsohle und der Lage an einem Flusslaufe erklärt es sich, dass die Glarner sich frühzeitig auch dem Erwerbe durch Handel zuwandten. Im 15. und 16. Jahrhundert beschränkte sich derselbe auf die Ausfuhr von Zuchtvieh nach Oberitalien und den Handel mit Schabzieger (Kräuterkäse), Käse, Butter und Holz nach den am Rhein gelegenen Ländern bis nach Holland. Vom Anfange des 17. Jahrhunderts kamen dazu aus Sernfthalschiefer gebrochene, geschliffene und in Holz gefasste Plattentische, welche so beliebt wurden, dass die Glarner sie von 1670 an in Mengen nach allen Ländern Europas verfrachteten, wobei sie ihre Sendungen meistens persönlich begleiteten.
Später nahmen sie auf diese Handelsreisen auch Schreibtafeln aus Schiefer, harthölzerne Bretter, hölzerne, im Lande selbst verfertigte Hohlmasse, Leder aus den eigenen Gerbereien, gedörrtes Obst, Alpenkräuter-Thee und den schon genannten Schabzieger mit. Die einheimische Textilindustrie beschränkte sich auf Weberei und Färberei grober Halbwollstoffe («Mätzen») und die Erstellung von Strumpfwaren, von welchen Produkten auch kleine Mengen zur Ausfuhr kamen. Trotz dieses Verkehrs blieb das Land ziemlich arm, da sein Nutzen nur einem Bruchteil der Bevölkerung zu gute kam.

Glarner Textilindustrie 1

Glarner im Nahen und Fernen Osten
Am 7. November referierte der Schaffhauser Hobbyhistoriker Stefan Sigerist im „Schwert“ in
Netstal über die Auswanderung von Glarnern nach dem Nahen und Fernen Osten. Dass im
Laufe des 19. Jahrhunderts immer wieder Glarnerinnen und Glarner ihr Glück in anderen
Ländern und gar Erdteilen suchten, ist allgemein bekannt. Neben den Hauptdestinationen
USA und Russland tauchen aber auch weniger geläufige, aber umso exotischere Zielorte auf. 

Um 1840 hatte die Glarner Textilindustrie ihren ersten Höhepunkt erreicht. Da sich die
Nachbarländer in jenen Jahren durch Zollbarrieren den schweizerischen Erzeugnissen
verschlossen, suchten die Firmen nach entlegeneren Absatzmärkten. Bereits in den 1830er-
Jahren etablierten sich Textilhändler am Bosporus und bald besassen mehrere Textilfirmen
Niederlassungen in Konstantinopel. Von hier aus erschlossen sie den türkischen wie den
persischen Markt. Neben den Jasmas, den so genannten Türkenkappen, wurden vor allem mit
der Nachahmung von bislang im osmanischen Reich selbst hergestellten Mustern von
Kleiderstoffen grosse Umsätze erzielt. Die erste Glarner Zeugdruckerei, die in Ancona eine
Filiale betrieb, aber Geschäftsverbindungen nach Asien und nach Amerika unterhielt, war die
Firma Blumer & Jenny in Schwanden. Schon 1835 sind Lieferungen nach Smyrna belegt.
Später folgten Kommanditeinlagen in Beirut, Kairo, Alexandrien, Aleppo, Damaskus, Bagdad
und in Djeddah am Roten Meer. Die heute im Glarner Wirtschaftsarchiv aufbewahrte
Geschäftskorrespondenz, die Rechnungs- aber auch die Musterbücher geben Auskunft über
den Geschäftsgang, die mannigfaltigen Schwierigkeiten, den Einfluss der Politik auf den
Handel und selbstverständlich die Produkte. 

Freulerpalast Näfels





Ausstellung im Freulerpalast Näfels

Kopftuch; Türkenkappe

Kopftücher mit Rosenmuster aus Glarus

"Das Hauptmotiv auf den Kopftüchern waren Rosen", erzählt Sybill Kindlimann, Historikerin und wissenschaftliche Leiterin des Glarner Wirtschaftsarchivs (GWA) in Schwanden. 

Die Ausstellung "Glarner Kopftücher für Südosteuropa 'in lebhaftem Rot und sattem Grün' " zeigt, wie gross die Bandbreite an Rosen-Variationen ist; neben aller Art Müsterchen mit Rosen sind auch Tücher mit Rosen und arabischen Kalligrafien in den Musterbüchern zu sehen.

Kopftuchfarbe - variiert nach Alter der Trägerin

Die Farbe, Qualität und die Art und Weise, wie das Kopftuch geknüpft wird, zeigt das Alter und den Status der Trägerin an und bezieht sich auf die Situation, in der das Kopftuch getragen wird. Die Grundfarbe des Kopftuches ist eine Aussage über das Alter der Frau.

Zwischen den weissen und gelben Kopftüchern, die von Frauen getragen wurden, die im Dorf als "jung" betrachtet werden, bis zum unischwarzen Modell, das ganz alte Frauen kennzeichnet, liegen diverse Stufen und Farben.


Glarner lebten vom Export
Die Ausstellung im Glarner Wirtschaftsarchiverzählt die Geschichte des "Glarner Wirtschaftswunders", wie der Historiker Walter Bodmer in einer Festgabe des Historischen Vereins des Kantons Glarus 1952 die wirtschaftliche Entwicklung im Kanton Glarus nannte.

"Diese Entwicklung ist nicht mit jener anderer Täler vergleichbar", sagt Kindlimann, "die Landwirtschaft warf nur kärglichen Gewinn ab, in Glarus brauchte man andere Einkommensquellen."

Anhand der Geschäftsunterlagen zweier führender Firmen wird aufgezeigt, wie weitreichend und intensiv die Geschäftsbeziehungen waren. Zwei Firmen aus demselben kleinen Tal konkurrenzierten sich im 19. Jahrhundert auf dem Weltmarkt.

Kleines Tal - grosse Konkurrenz
Auch die Farbmuster der zwei Firmen sind in der Ausstellung zu sehen, mit kaum erkennbaren farblichen Nuancen. "Was das Leuchten des Rots betrifft, haben die zwei Firmen ständig versucht, einander auszustechen", erzählt Kindlimann.

Sybill Kindlimann selbst stammt aus einer der Textil-Fabrikanten-Familie, der Familie Blumer. In deren ehemaligen Räumlichkeiten in Schwanden ist heute auch das Glarner Wirtschaftsarchiv mit der Ausstellung untergebracht. 

Erkennbar ist die Anlage an dem so genannten "Hänggi-Turm", einem Gebäude, in dem die frisch bedruckten Stoffbahnen zum Trocknen aufgehängt wurden.

Nach dem Solddienst kam der Kopftücher-Export
"Noch im 18. Jahrhundert lebten die Menschen im Glarnerland von der Söldnerschaft", sagt Kindlimann. "Doch dieses Geschäft ging zurück. Die Familie Blumer hatte seit 1740 ein Geschäft für den Verkauf von Agrarprodukten und Textilien aus Heimarbeit nach Italien." 

1788 habe ein Mitglied der Familie in Ancona an der italienischen Adriaküste eine Firma gegründet. "Da die Nachfrage ständig stieg, wurde 1828 die Textildruckerei Blumer gegründet. Damit begann der Aufstieg des Textilgeschäfts im Kanton Glarus", sagt sie.

Die erste Textildruckerei war laut dem historischen Lexikon der Schweiz bereits 1740 in Glarus auf der Insel von Johann Heinrich Streiff gegründet worden. Die Nachfrage nach bezahlbaren bedruckten Stoffen nahm ständig zu.

Märkte: Türkei, Libanon, Persien, Afghanistan
Gedruckt wurde von Hand mit Modeln, die anfänglich ganz aus Holz bestanden, später aus Holz mit Metallteilen, zunächst Palmenschals mit Fransen, krapprote und indigoblaue Artikel, Yassmas (so genannte Türkenkappen) und Tücher aus Kaschmir für den Absatz in der Türkei, im Libanon, in Persien und Afghanistan. 

Für den Absatz in den Balkan, um den sich die Ausstellung in Schwanden hauptsächlich dreht, wurden spezielle Muster entworfen, "Rosen in allen Variationen", wie Kindlimann sagt und wie die riesigen Zeigebücher belegen.

Ausfuhr ins bewegte Südosteuropa des 19. Jahrhunderts
Im 19. Jahrhundert herrschte für die Textildruckerei aus dem Glarnerland Hochblüte. Dieses Jahrhundert war in Südosteuropa eine bewegte Zeit, geprägt durch Befreiungskriege, Loslösung aus osmanischer oder österreichischer Herrschaft, den Aufbau nationaler Unabhängigkeiten, wie in der Ausstellung dokumentiert wird.

In dieses Spannungsfeld exportierten die Glarner Textildruckereien ihre Ware. Insgesamt gab es damals im Glarnerland 23 Textildruckreien, die rund 6100 Arbeitsplätze generierten. Dazu kamen zehn Spinnereien und drei Weberein mit zusammen 100 Beschäftigten. Die Gesamtbevölkerung des Bergtals umfasste damals 22'000 Menschen.

Erhalten und ausgestellt sind Originale der Kopftücher, Holzmodel, Druckwalzen, handschriftliche Kopierbücher, und rund 40'000 Briefe und Geschäftskorrespondenz.

Eveline Kobler, swissinfo.ch, Schwanden

"Über Kopftücher wird heute vor allem in Zusammenhang mit islamischen Einwandererinnen diskutiert", sagt Sybill Kindlimann.

Doch auch im christlichen Europa hatten Kopftücher eine Tradition, hält die Historikerin fest. "Noch vor 40 Jahren gingen die Frauen vielerorts ausschliesslich im Kopftuch zur Kirche."

Es ist ihr gelungen, ein Beispiel aus Ungarn zu finden, das die Funktion der Kopftücher aufschlüsselt.

Die lokalen Vorschriften über das Tragen des Kopftuchs sind von der ungarischen Ethnologin Hajnalka Fülöp für eine Ausstellung in Budapest erfasst worden.

Diese setzte sich mit der Tradition der Kopftücher auseinander (siehe Text).

Heute gibt es im Glarnerland noch eine einzige Textilfirma, die aber nur noch Seidentücher für das Hochpreissegment bedrucke.

Der Boom der Tücher aus dem Glarnerland hat sich in mehreren Etappen gelegt.

Die Firma Blumer war eine der letzten, die schliessen musste, 1980 wurde die Fabrikation stillgelegt.

14.01.2011

Madras Handkerchiefs

    Für Ghana; Keta Cloth, Keta, Opobo. Baumwollgewebe in Leinenbindung, H 260 B 86 cm; 1920 - 30

    Für Sierra Leone; Handkerchief "Freetown Fancy", Opobo. Baumwollgewebe in Leinenbindung, H 94 B 92 cm; 1924 - 28

   Für Sierra Leone; Handkerchief "Freetown Fancy", Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 89 B 89 cm; 1924 - 28

    Für Ghana; Handkerchief . Gewebe in Leinenbindung, Baumwolle und Kunstseide, H 88 B 92 cm; 1920 - 29

 Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, Seitenlänge 93 cm

  Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H89 B 90 cm

  Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 82 B 89 cm; 1924-1928

   Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 97 B 93 cm; 1924 - 1928

   Für Nigeria; Handkerchief, Warri. Kunstseidengewebe in Leinenbindung, H 82 B 89 cm; 1920-29

 Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 94 B 91 cm; 1924 - 1928

Heimarbeit 19. Jahrhundert



aus: Paul Suter, Die letzten Heimposamenter, Kanton Basel-Landschaft; Schweizer Gesellschaft für Volkskunde 1978

Das Basler Musterbuch um1800

Stoffdruck in Basel um 1800
Das Stoffmusterbuch der Handelsfirma Christoph Burckhardt & Comp.
Magret Ribbert, Hrsg: Baumann & Cie Banquiers


 Abb 8. geometrische Muster in Rot- und Brauntönen, um 1800

bei dem oberen Andruck sind deutlich die Aussparungen für den Rapport des Musters zu erkennen

 Abb 19 und 20: Kolorierter Kupferstich aus dem "Journal des Luxus und der Moden" von 1799; ein Kleid aus bedruckter Baumwolle mit Streublumenmuster (Hist. Museum Basel);
Muster mit Streublumen aus dem Musterbuch


 Abb 4: Seite des Musterbuches der Firma Christoph Burckhardt & Comp. mit Andrucken auf Papier

 Abb 5 bis 7. Bedruckte Baumwollstoffe

 Abb 12 und 13. Entwurf und Musterblatt, um 1800; Basel, Historisches Museum Basel, Inv.- Nr. 1930.733


mehrere Andrucke auf Papier mit schwarzweissen Mustern, sie sie in der Zeit der Trauer getragen wurden

Abb 9: Futterstoff aus bedrucker Baumwolle eines seidenen bestickten Damenrockes, Mitte des 18. Jahrhunderts;
 Abb 10: Gedruckte Anleitungsbücher zum Stoffdruck und handschriftlichen Aufzeichnungen mit eingeklebten Stoffproben; Ende 1800 Jahrhundert

Abb10: Holzmodell für den Stoffdruck, meist für Rankenmuster; Holz, teilweise mit Metallstiften, um 1800;

Abb. 16: Streifenmuster und Calanca-Muster

Zwei Entwürfe für Foulards aus der Firma Christoph Burckhardt & Comp.; um 1800; Historisches Museum Basel, Inv.-Nr 1930.733

Die verschiedenen Mustertypen
Das Musterbuch zeigt mit seinen fast 500 Mustern ein reiches Spektrum, mit dem man auf Vorlieben, unterschiedliche Verwendungszwecke und finanzielle Möglichkeiten der Besteller eingehen konnte. Die Kosten eines Stoffes hingen im wesentlichen von der Anzahl der verwendeten Farben und damit der notwendigen Druckmodel und Arbeitsgänge ab. Die preiswertesten Stoffe waren die «Surates,>, die nur mit einer Farbe, meist rot oder violett, bedruckt waren. Die ebenfalls nach einer indischen Stadt als "Patenas» benannten Stoffe wurden nur in zwei Farben, meist rot und schwarz, gedruckt (Abb. 8) Mit kleinen, oft geometrischen Mustern versehen, dienten sie häufig als Futterstoffe. Im Innern von Kleidungsstücken haben sich gelegentlich solche Stoffe erhalten, wie etwa in einem rotseidenen, bunt bestickten Rock aus der Mitte des lhrhunderts (Abb. 9) in der Sammlung des Historischen Museums Basel. Die aufwendig mit vielen en gedruckten Muster, meist mit Blumendarstelen, wurden als "Calanca" bezeichnet und stellten die kostbarste Form bedruckter Stoffe dar (Abb. 16, 23).
In den Benennungen nach indischen Städten (Patna, Surat) wie auch in der in Basel üblichen Bezeichnung "Indiennes", lebte der indische Ursprung der bdruckten Baumwollstoffe deutlich weiter. Gleichzeitig existieren in anderen Regionen auch andere Namen wie "Calico" und "Musselin", dazu noch "Chintz" als spezieller Begriff für die einseitig gewachsten Stoffe. Daneben enstehen Bezeichnungen, die sich nach formalen Eigenschaften richten wie bei den sog. Miniatures, sehr kleinformatigen gemusterten Stoffen (Abb. 7), die sich vor allem als Futterstoffe erhalten haben, Man findet sie im Innern seidener Kleider, als Ausfütterung von Hauben oder bei Puppenkleidern oder -zubehär. Vielfach handelt es sich um Wiederverwendungen bereits gebrauchter Stoffe; denn gerade bei kleinformatigen Kleidungsstücken wie Kinder- oder Puppenkleidung konnten Stoffe ein weiteres Mal gebraucht werden. Bei diesen Verwendungen zeigt sich, wie kostbar selbst so kleine Reststücke bedruckten Stoffes noch waren.  Die Muster sind in ihrem Charakter sehr verschieden; einige beziehen ihren Reiz aus der Strenge und der Wiederholung immer gleicher Motive, andere hingegen _ vor allem die Rankenmuster - leben durch das anscheinend unregelmässige und natürliche Wachstum. Doch verbirgt sich dahinter eine feste Ordnung, die lediglich durch einen grässeren Rapport und eine geschickte Aneinanderfügung der Druckmodel überspielt wird.

Heutigen Betrachtern ausserordentlich modern erscheinen die Stoffmuster auf dunklem Grund, die in recht grosser Anzahl im Musterbuch vertreten sind (Abb. 17). Sie wiederholen meist sehr kleine Rapporte mit streng stilisierten, kaum noch gegenständlichen Motiven. Viele von diesen Mustern imitieren Stoffe in Kettdruck- oder Chinetechnik. Bei dieser Technik wird das Muster auf die im Webstuhl gespannten Kettfäden gedruckt, und erst danach wird der Schussfaden eingewebt. Dadurch verschiebt sich das aufgedruckte Muster leicht, die Konturen erscheinen verwischt und der angestrebte, aquarellhafte Eindruck des Musters entsteht. Diese aufwendig zu erreichende Besonderheit, bei der Druck- und Webtechnik zusammenwirken, wird bei den gedruckten Stoffen imitiert, indem einzelne Motive mit gezackten Endungen versehen sind. Der Rapport ist bei diesen Mustern jeweils sehr gering. Sie beziehen ihren Reiz aus den starken farblichen Kontrasten und der Strenge des immer gleichen Motivs.

oder bei Puppenkleidern oder -zubehär. Vielfach handelt es sich um Wiederverwendungen bereits gebrauchter Stoffe; denn gerade bei kleinformatigen Kleidungsstücken wie Kinder- oder Puppenkleidung konnten Stoffe ein weiteres Mal gebraucht werden. Bei diesen Verwendungen zeigt sich, wie kostbar selbst so kleine Reststücke bedruckten Stoffes noch waren.  Die Muster sind in ihrem Charakter sehr verschieden; einige beziehen ihren Reiz aus der Strenge und der Wiederholung immer gleicher Motive, andere hingegen _ vor allem die Rankenmuster - leben durch das anscheinend unregelmässige und natürliche Wachstum. Doch verbirgt sich dahinter eine feste Ordnung, die lediglich durch einen grässeren Rapport und eine geschickte Aneinanderfügung der Druckmodel überspielt wird.

Heutigen Betrachtern ausserordentlich modern erscheinen die Stoffmuster auf dunklem Grund, die in recht grosser Anzahl im Musterbuch vertreten sind (Abb. 17). Sie wiederholen meist sehr kleine Rapporte mit streng stilisierten, kaum noch gegenständlichen Motiven. Viele von diesen Mustern imitieren Stoffe in Kettdruck- oder Chinetechnik. Bei dieser Technik wird das Muster auf die im Webstuhl gespannten Kettfäden gedruckt, und erst danach wird der Schussfaden eingewebt. Dadurch verschiebt sich das aufgedruckte Muster leicht, die Konturen erscheinen verwischt und der angestrebte, aquarellhafte Eindruck des Musters entsteht. Diese aufwendig zu erreichende Besonderheit, bei der Druck- und Webtechnik zusammenwirken, wird bei den gedruckten Stoffen imitiert, indem einzelne Motive mit gezackten Endungen versehen sind. Der Rapport ist bei diesen Mustern jeweils sehr gering. Sie beziehen ihren Reiz aus den starken farblichen Kontrasten und der Strenge des immer gleichen Motivs.

bild bestimmen. Sie sind einerseits von den indischen Stoffdrucken mit ihren stark stilisierenden Tendenzen beeinflusst, und zum anderen stehen sie in der Tradition der Rankenmuster, wie sie auf den kostbaren französischen Seidenstoffen des 18. Jahrhunderts zu finden sind.

Bei den zahlreichen flächenfüllenden Rankenmu· stern (Abb. 16, 18, 23) erscheinen die Blüten oft in direk-

, ter Aufsicht oder in reiner Profilansicht; seltener sind Dreiviertelansichten mit ihrer räumlichen Wirkung. Die Illusion von Raum, sehr geläufig bei französischen Seidenstoffen des dritten Viertels des 18. Jahrhunderts, wurde beim Basler Stoffdruck nicht angestrebt und ist nur in Ausnahmefällen zu finden. Meist handelt es sich um ganz an die Fläche gebundene Muster - textiles Gestalten erscheint hier als eine reine Flächenkunst. Nur wenige Pflanzen lassen sich botanisch bestimmen, zu stark ist ihre Stilisierung. Rosen sind in einigen Fällen eindeutig gekennzeichnet, bei anderen Blüten handelt es sich offensichtlich um Phantasieblumen. Die Blüten sind ausgeglichen in den Grössenverhältnissen zueinander; extreme Grössenunterschiede, wie sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auftreten, sind kaum noch zu finden. Doch gibt es Rankenmuster, die in ihrer Üppigkeit eindeutig noch in der älteren Tradition (Abb. 23, oben) stehen neben solchen, die der moderneren Auffassung entsprechen. In ihrer Zartgliedrigkeit und der grossen Bedeutung des freien Grundes spiegeln sie die auf Leichtigkeit und Feinheit ausgerichteten Prinzipien klassizistischer Kunst wider (Abb. 23, unten).

Sehr häufig und in insgesamt 178 Variationen vorhanden sind im Musterbuch Streifenstoffe, wie sie seit der Zeit um 1770 stetig an Bedeutung gewonnen hatten. Die Gliederung durch senkrecht angeordnete Muster und Streifen, bereichert durch locker eingestreute B~uquets oder Ranken und die meist helle, sehr freundliche Farbigkeit bei einer kleinteiligen Gesamterscheinung entsprechen ganz den Gestaltungskriterien und Vorlieben des Klassizismus (Abb. 4, 14, 16). Der Grund kann in seltenen Fällen auch rot oder gar schwarz sein, wodurch die Farben in ihrer Leuchtkraft noch merklich gesteigert werden (s. Titelbild). Stoffe dieser Art finden sich sehr häufig bei Damenkleidern verwendet; ihre starke Betonung der Senkrechten unterstreicht noch die am Ende des 18. Jahrhunderts angestrebte schlanke Silhouette.

Charakteristisch in ihrer Erscheinung und festgelegt in ihrer Verwendung sind Stoffe, die während der Trauer getragen wurden: weiss belassene Motive auf schwarzem Grund oder schwarze Motive auf weisser Fläche, die im Musterbuch in 23 verschiedenen Formvarianten erscheinen, als Ranken-, Streifen- oder Streublumenmuster (Abb. 18).

Mit kleinen Motiven, oft Streublümchen oder -bouquets auf hellem Grund, gemusterte Stoffe entsprechen der Damenmode des frühen 19. Jahrhunderts. Weiss war Modefarbe dieser Zeit, und selbst wenn Kleider nicht immer völlig weiss waren, so war doch der helle Grund vorherrschend und bestimmte den Gesamteindruck. Das Bestehen der Firma Christoph Burckhardt & Comp. deckt sich ungefähr mit einer kurzen Zeitspanne um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, in der Seide vorübergehend ausser Mode geriet und man stattdessen Baumwollgewebe bevorzugte. Kleider aus leichten, weich fliessenden Baumwollstoffen, die Figur der Trägerin mehr umspielend denn verhüllend, waren in Mode, wie die Illustration in einem zeitgenössischen Modejournal zeigt (Abb. 19). Schlichtheit und Bescheidenheit kennzeichnen dabei sowohl die Gesamterscheinung der Kleidung wie auch den Charakter der dazu verwendeten Stoffe. Da die Kleider zudem oft nur mit sehr kurzen Oberteilen kombiniert wurden, also nicht besonders wärmten, führte man Erkältungen aller Art auf diese leichte Kleidung zurück und bezeichnete sie spöttisch als «Musselinkrankheiten».

Doch nicht nur die von Paris bestimmte städtische Mode, auch die ländliche Tracht bediente sich der bedruckten Baumwollstoffe. So überliefert Joseph Reinhardts berühmte Trachtenfolge von 1787-97 im Bernischen Historischen Museum einige Schweizer Trachten, bei denen Baumwollstoffe in der Art, wie sie im Musterbuch vorkommen, vor allem bei den Schürzen der Frauen Anwendung finden.

Die riesige Vielfalt der Muster erstaunt, macht sie doch eine entsprechend grosse, die Zahl der Muster noch mehrfach übertreffende Anzahl von Druckmodeln notwendig, die hergestellt und gelagert sein mussten. So zahlreich die Muster und so vielfältig die einzelnen Typen, so stellt doch dieses Musterbuch nicht das gesamte Warenangebot der Firma dar. Die im

Musterbuch enthaltenen Andrucke beziehen sich ausnahmslos auf Meterware für Kleidersroffe, die in sehr langen Bahnen bedruckt und gehandelt wurden. Aus dem Besitz der Firma Burckhardt & Comp. gelangten bereits 1930, zahlreiche Entwürfe für quadratische Tücher und mit grösseren Motiven gemusterte Dekorationsstoffe in das Historische Museum, die zeigen, dass die Firma auch mit anderen Baumwollwaren handelte. Vor allem die farbig bedruckten Tücher scheinen eine grosse Bedeutung gehabt zu haben; neben den Entwürfen zeugen davon auch die in den Inventarlisten genannten umfangreichen Bestände in den verschiedenen Lagern der Firma. Taschentücher (<<mouchoirs») sind oft in schlichten, rein geometrischen Mustern und mit nur wenigen Farben gestaltet. Die Entwürfe für Halstücher unterscheiden sich deutlich von diesen und von solchen für Meterware: sie sind sehr viel aufwendiger in den Mustern und enthalten gelegentlich auch figürliche Bestandteile. Sie nutzen mit ihren aufwendigen Ecklösungen deutlich die Möglichkeiten, die ein klar definiertes, rechteckiges Stoffstück gegenüber «unendlicher» Meterware bietet (Abb. 21, 22). Einige dieser sehr qualitätvollen Entwürfe tragen die handschriftlich aufgezeichneten Initialen CBC für Christoph Burckhardt & Comp. Selbst wenn der Druck ausserhalb Basels geschah, sind die Entwürfe doch eng an die Firma gebunden. So tragen die Papiere der Entwürfe in vielen Fällen die gleichen Wasserzeichen wie die in Basel geschriebenen Inventarbücher des Segerhofs, wie etwa jene der Papiermühle von Hieronymus Blum in Basel.


Kunsthistorische Einordnung der Stoffmuster

Die in dem Burckhardtschen Musterbuch versammelten Stoffentwürfe gleichen weniger den Erzeugnissen anderer Schweizer Stoffdruckzentren wie Neuchatel oder Genf, sondern sehr viel mehr denen der Druckereien im Elsass; Mulhouse und Logelbach bei Co 1m ar sind die Zentren mit den nächstverwandten Erzeugnissen.2l Das erklärt sich unter anderem durch die politische Situation, denn bis 1798 war Mulhouse der Eidgenossenschaft politisch verbunden, so dass auch enge wirtschaftliche Beziehungen gepflegt werden konnten. Die Firma Christoph Burckhardt & Comp. war an einigen Stoff druckereien in Mulhouse beteiligt, bezog also ihre Handelsware zu einem Teil aus dieser Quelle. Zum anderen ist manche Ähnlichkeit auch bedingt durch die Beschäftigung elsässischer Indiennearbeiter, die gelegentlich im Zusammenhang mit Basler Unternehmen in den Akten erscheinen. So verschwimmen die Grenzen zwischen diesen beiden Zentren des Textildruckes durch eine vielfache Verzahnung in den Geschäftsbeziehungen. In dem Musterbuch mögen daher Stoffmuster verschiedener Herkunft versammelt sein, die entweder in Basel oder in Mulhouse oder anderen Zentren des Elsass gedruckt wurden. Es eint sie dennoch ein gemeinsamer Stil, der durch die enge Verflechtung Basels mit dem Elsass, aber sicherlich auch durch einen auswählenden Firmenbesitzer erreicht wurde, dessen persönlicher Geschmack und dessen Vorstellung von Absetzbarkeit eine vereinheitlichende WirKung auf das Warenangebot hatten. Deutlich spürbar ist die Prägung durch das benachbarte Stoffdruckzentrum im Elsass, auch wenn nicht alle Muster an die überragende Qualität von Stoffen aus Mulhouse oder Logelbach heranreichen. Das hier vorgestellte Musterbuch vermittelt mit seinen zahlreichen Mustern eine genauere Vorstellung vom Stoffdruck in Basel um I800. Die hohe künstlerische Qualität und die stilistische Nähe zu den elsässischen Erzeugnissen sind zwei seiner auffallendsten Kennzeichen.

09.01.2011

Schweizer Textilgeschichte

Textilien in der Schweiz: Ursprung und Entwicklung

Die Textilindustrie spielte in der Geschichte der Schweiz eine entscheidende Rolle. Bis ins i9. Jahrhundert trug keine andere Produktion mehr zu ihrem Reichtum bei. Sie etabliert sich in organisierten Strukturen, lange bevor man sich bemüht, zwischen Volkskunst und gebildeter Kunst zu unterscheiden. Es handelt sich übrigens dabei gar nicht um Kunst, sondern um die Herstellung von einfachen Stoffen, von Woll-, Hanf- und Leinentuch.

08.01.2011

Textilindustrie: Glarus







Textilindustrie, «glarnerisches Wirtschaftswunder»
Um 1740 hält mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei in Glarus die Fabrikindustrie Einzug ins Tal. Der Stoffdruck führt dazu, dass die Handweberei von Baumwolltüchern aufgenommen und der Handel immer wichtiger wird. Glarner Handelshäuser errichten Niederlassungen in verschiedensten Städten Europas und beziehen alle Arten von Gütern in ihren Tätigkeitsbereich mit ein. Der Glarner Grosshandel muss den Vergleich mit demjenigen von Genf, Basel, Winterthur oder St.Gallen keineswegs scheuen.
Der Blüte folgt erneut der Niedergang. Die Handspinner erleiden wegen der billigen englischen Maschinengarne nach 1780 massive Lohneinbussen. Sie müssen ihre Tätigkeit, nach dem auch hierzulande die Maschinenspinnerei eingeführt wird, als unrentabel aufgeben. Schlimm wirken sich zudem die Revolutionswirren aus. Sie bringen Untergang der alten Ordnung, Krieg, Besetzung, unsägliche Armut, Hunger, Elend, Seuchen: zwingen zur Auswanderung. Nach den Friedensschlüssen und Jahren der Missernten geht es ab Ende der 1810er-Jahre rasch wieder besser, zumal genügend Wasser als Antriebskraft oder zum Auswaschen gefärbter und bedruckter Tücher vorhanden ist.


Doch als um 1840 auch der mechanische Webstuhl seinen Siegeszug antritt, entzieht das Fabriksystem mit der modernen Technik den Heimwebern die Existenz. Es kommt zu einer Auswanderungswelle, die viele Glarner und Glarnerinnen nach den beiden Amerikas treibt. Allein 1845 wandern Hunderte aus. In den Jahren 1845 bis 1854 verlässt jede zwölfte Person das Glarnerland, in einzelnen Gemeinden gar jede vierte. 193 von ihnen brechen unter Aufsicht eines «Auswanderungsvereins» zum Staate Wisconsin in Nordamerika auf, wo 108 eintreffen. Sie bebauen das vorher erworbene Land und nennen ihre Siedlung «New Glarus», zu der noch heute enge Beziehungen bestehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begünstigt das englische Freihandelssystem die wirtschaftlichen Tätigkeiten, die das «glarnerische Wirtschaftswunder» bewirken. Die Produkte der Textilindustrie und vor allem des Zeugdrucks erlangen dank ausgezeichneter Qualität und intensiver, Kundenbedürfnisse wahrnehmender Marktforschung Weltgeltung und erreichen mittels eigener Schiffe und weit verzweigten Netzes glarnerischer Handelsniederlassungen jeden Winkel der Erde; es wird das Wort geprägt, man treffe auf jedem Handelsplatz der Erde nebst einem Juden einen Glarner.


Während der Blütezeit um 1865 arbeiten in den 22 Druckereien etwa 6000 Menschen, die jährlich grosse Mengen Tücher hauptsächlich mittels Handmodel bedrucken. In den zahlreichen Spinnereien und Webereien sind zudem annähernd 4000 Arbeitende tätig. Die Textilindustrie beschäftigt fast einen Drittel der stark gewachsenen Gesamtbevölkerung, die 1870 mit 35 200 eine Höhe erklimmt, die in den folgenden sechs Jahrzehnten nicht mehr erreicht werden soll. Denn die gewaltige industrielle Entwicklung, die das Glarnerland die Spitze der Industrialisierung einnehmen lässt, erweist sich als zu Handdruckmodel, Holz- und Messingstecherei einseitig.
Bald setzt der Niedergang des Zeugdrucks ein; der Deutsch-Französische Krieg löst eine Handelskrise aus, und der Maschinendruck kommt auf. Erneut vermögen nicht alle Talbewohner in der Heimat ihr Einkommen zu finden und müssen auswandern; die Bevölkerungszahl sinkt um über acht Prozent. Heute gibt es nur noch wenige Textilindustriebetriebe. Dem einst so blühenden Kattundruck hat die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts beinahe den endgültigen Todesstoss versetzt.