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21.07.2017

How Slavery Made the Modern World

Slavery was the flywheel on which America’s market revolution turned—not just in the United States, but in all of the Americas.

By Greg Grandin
February 24, 2014


A nineteenth-century bilboes for an adult, typically found on slave ships. (AP Photo/Manuel Balce Ceneta)

Many in the United States were outraged by the remarks of conservative evangelical preacher Pat Robertson, who blamed Haiti’s catastrophic 2010 earthquake on Haitians for selling their souls to Satan. Bodies were still being pulled from the rubble—as many as 300,000 died—when Robertson went on TV and gave his viewing audience a little history lesson: the Haitians had been “under the heel of the French” but they “got together and swore a pact to the devil. They said, ‘We will serve you if you will get us free from the French.’ True story. And so, the devil said, ‘OK, it’s a deal.’”

A supremely callous example of right-wing idiocy? Absolutely. Yet in his own kooky way, Robertson was also onto something. Haitians did, in fact, swear a pact with the devil for their freedom. Only Beelzebub arrived smelling not of sulfur, but of Parisian cologne.

Haitian slaves began to throw off the “heel of the French” in 1791, when they rose up and, after bitter years of fighting, eventually declared themselves free. Their French masters, however, refused to accept Haitian independence. The island, after all, had been an extremely profitable sugar producer, and so Paris offered Haiti a choice: compensate slave owners for lost property—their slaves (that is, themselves)—or face its imperial wrath. The fledgling nation was forced to finance this payout with usurious loans from French banks. As late as 1940, 80 percent of the government budget was still going to service this debt.

In the on-again, off-again debate that has taken place in the United States over the years about paying reparations for slavery, opponents of the idea insist that there is no precedent for such a proposal. But there is. It’s just that what was being paid was reparations-in-reverse, which has a venerable pedigree. After the War of 1812 between Great Britain and the US, London reimbursed Southern planters more than a million dollars for having encouraged their slaves to run away in wartime. Within the United Kingdom, the British government also paid a small fortune to British slave owners, including the ancestors of Britain’s current Prime Minister, David Cameron, to compensate for abolition (which Adam Hochschild calculated in his 2005 book Bury the Chains to be “an amount equal to roughly 40 percent of the national budget then, and to about $2.2 billion today”).

15.01.2017

The Dutch National Exhibition of Women’s Labor, 1898



In 1898, the year Queen Wilhelmina of the Netherlands was inaugurated, five hundred women organized an enormous public exhibition showcasing women’s contributions to Dutch society as workers in a strikingly broad array of professions. The National Exhibition of Women’s Labor, held in The Hague, was attended by more than ninety thousand visitors. Maria Grever and Berteke Waaldijk consider the exhibition in the international contexts of women’s history, visual culture, and imperialism.
A comprehensive social history, Transforming the Public Sphere describes the planning and construction of the Exhibition of Women’s Labor and the event itself—the sights, the sounds, and the smells—as well as the role of exhibitions in late-nineteenth-century public culture. The authors discuss how the 1898 exhibition displayed the range and variety of women’s economic, intellectual, and artistic roles in Dutch culture, including their participation in such traditionally male professions as engineering, diamond-cutting, and printing and publishing. They examine how people and goods from the Dutch colonies were represented, most notably in an extensive open-air replica of a “Javanese village.” Grever and Waaldijk reveal the tensions the exhibition highlighted: between women of different economic classes; between the goal of equal rights for women and the display of imperial subjects and spoils; and between socialists and feminists, who competed fiercely with one another for working women’s support. Transforming the Public Sphere explores an event that served as the dress rehearsal for advances in women’s public participation during the twentieth century.

27.06.2016

Postkolonialismus : "Ich bin kein Neger" (Mbembe)


Der Philosoph und Historiker Achille Mbembe ist ein weltweit gefragter Vordenker des Postkolonialismus. Sein neues Buch "Kritik der schwarzen Vernunft" legt die Entstehung des rassistischen Denkens im Kapitalismus frei und öffnet den Blick für das heutige Afrika. Eine Begegnung in Paris.
Von Elisabeth von Thadden
11. Dezember 2014, 3:36 Uhr Editiert am 17. Dezember 2014, 21:09 Uhr DIE ZEIT

Ganz früh morgens, wenn die ersten Flüge am Aéroport Charles de Gaulle starten und landen, sitzen in den Pariser Vorstadtzügen des RER fast nur Menschen mit schwarzer Haut, bleiern müde, dösend, sie fahren nach der Nachtschicht nach Hause, Bürger der Stadt. Manche sind vielleicht illegal da, Europa ist wachsam, eine Polizeistreife in Zivil greift gerade in diesem Wagen drei Männer heraus, die beim nächsten Halt mit aussteigen müssen, Sevran-Beaudottes, raus, raus, weiter geht es, kaum einer sieht auf. Die Hautfarbe spielt eine Rolle: In den Waggons sitzen auch einige wenige Menschen mit heller Haut, anders müde, sie sind am Flughafen gerade gelandet, sie brechen mit dem RER in einen hypermobilen Pariser Arbeitstag auf und halten jetzt ihre Taschen gut fest, in denen Flugticket, Papiere und Geld stecken.
Gut eine Stunde Fahrzeit zur Place Vendôme, dem königlichen Platz unweit der Tuileriengärten, von Ludwig XIV. um 1700 geschaffen, im 1. Arrondissement. Heute residieren hier die teuersten Bijoutiers und Uhrmacher und Chocolatiers der Welt, fast unmöglich, in diesen Straßen ein normales Sandwich zum Frühstück zu finden. Hier, in der Rue de Castiglione, in seinem Hotel an der Place Vendôme, ist der verabredete Treffpunkt mit Achille Mbembe, dem in Kamerun gebürtigen Philosophen und Historiker. Er gilt als Vordenker des Postkolonialismus und Stimme des heutigen schwarzen Afrika, 57 Jahre alt, eine viel gefragte Kultfigur der kosmopolitischen Intellektuellenwelt. Erst recht aufgrund seines neuen Buchs Critique de la raison nègre, das nun auf Deutsch unter dem Titel Kritik der schwarzen Vernunft erscheint. Darin will er zeigen, wie der globale Kapitalismus aus dem modernen Sklavenhandel entstand, der den Menschen als Ware und Ressource auffasste: den schwarzen Menschen. In Deutschland ist Mbembe noch kaum bekannt.

Mbembe ist wie die anderen Hypermobilen des frühen Morgens auch gerade gelandet. Er kommt von einer Afrika-Konferenz der Deutschen Forschungsgemeinschaft frisch aus dem senegalesischen Dakar, morgen fliegt er in die Vereinigten Staaten, dann zurück nach Johannesburg, wo er als Professor lehrt und wo er mit Frau und Kindern lebt, und jetzt will er hier in Paris einen Zwischenstopp einlegen, weil er am Nachmittag als ein Stargast des diesjährigen Forum Nouveau Monde bei der OECD zu den Entscheidungsträgern der Welt über das heutige Afrika sprechen wird. Man erwischt ihn fast nie, eine beantwortete Mail gilt als kostbar, Verabredungen lösen sich immer wieder in Luft auf, Mbembe ist auch dafür berühmt.
An diesem Morgen hat er ein paar Stunden Zeit. Hat er gesagt. Aber er lässt auf sich warten. Die Fotografin erzählt unterdessen, ihre beste Freundin in Paris sei ganz neidisch, dass sie heute Mbembe fotografieren dürfe, den großen Mbembe. Die Freundin ist dunkelhäutig. Schließlich kommt er, zügigen Schritts, im hellen Anzug, das Hemd pastellfarben, eine lebhafte Erscheinung, ein warmes Lächeln zur Begrüßung. Mit einer erstaunlich hellen und jungen Stimme entschuldigt er sich, in einem Französisch, das inzwischen leicht amerikanisch eingefärbt ist, für die Verspätung: Er habe sich noch einmal hinlegen müssen, einfach zu müde, das ewige Fliegen, der ewige Jetlag. Aber jetzt! Zwei Espressos, das reicht ihm.

Was heißt das heute: Afrika? Mbembe ist ein Analytiker kolonialer Macht und ein Kritiker des neoliberalen Kapitalismus, der die ganze Welt geopolitisch zersplittere, durchaus auch militärisch, wie er sagt. Mbembe ist zugleich ein Fürsprecher des Universellen, ein Intellektueller, der sich frei machen will von Interessenpolitiken. Er äußert sich Satz für Satz druckreif. "Afrika", sagt er nach Sekunden des Zögerns, "ist der Name des Kontinents, von dem man immer meinte, nichts Universelles könne dort entstehen. Afrikaner waren törichte Kinder. Aber Afrika ist nicht die Vergangenheit der Welt, sondern es ist wie ein Fenster: Von dort aus sieht man die Zukunft."
Dann nimmt seine Stimme immer mehr Klang an, wird Satz für Satz wärmer, und sie greift Raum. Achille Mbembe ist nicht zuletzt Visionär und auch deshalb auf allen Podien gefragt. Als Nelson Mandela 2013 starb, hat er, dieser fliegende postmoderne Kosmopolit, den großen Mann, der so viel Lebenszeit im Gefängnis zubringen musste, in einem Nachruf gewürdigt; und jetzt, beim zweiten Espresso, sagt er: "Nelson Mandela hat die Universalität der Menschenrechte repräsentiert. Nun wissen wir: Es gibt nur eine einzige Welt, und wir sind alle gemeinsam ihre Erben." Wozu verpflichtet das Erbe Achille Mbembe, der so viele Privilegien genießt, und wofür kämpft er? "Ich kämpfe darum, ein künftiges Afrika vorzubereiten." Ein Afrikaner ist ein Mensch mitten in dieser Welt, nicht am Rande: Das ist Mbembes Botschaft. Das wird er oft wiederholen.
Die Vergangenheit: Sie umfasst in den Augen dieses Politikwissenschaftlers die Jahrhunderte, in denen schwarze Haut verdinglicht und in einem globalen Dreiecks-Sklavenhandel zwischen den Kontinenten verkauft wurde, in denen Afrika kolonial unterworfen wurde und ausgebeutet, bis es in Bürgerkriegen versank. Dass auf diesem Kontinent auch Afrikaner andere Afrikaner als Sklaven gefangen haben, weiß Mbembe natürlich, aber es tritt in den Hintergrund. Dass freigelassene Sklaven selbst zu Sklavenhaltern werden konnten: klar. Es ist keine schwarz-weiße Täter-Opfer-Geschichte, die er erzählen will. Er will vielmehr durch seine Philosophie Raum für handelnde Subjekte schaffen: Die Zukunft nährt sich aus Afrikas Gewissheit, dass immer anderes möglich war als das Faktische. Der Sklavenhandel wurde abgeschafft, in Haiti gelang eine Sklavenrevolte, in der Bürgerrechtsbewegung haben sich die Schwarzen in den USA ihre Rechte erkämpft, und Südafrika hat aus eigener Kraft die Apartheid überwunden. Aus eigener Kraft: An der Frage der Selbstregierung der afrikanischen Staaten entscheidet sich alles.
Mbembes Angst: dass die ganze Welt "schwarz" werden könnte, in dem Sinne, dass die Menschen durch die Knappheit der Mittel, durch extreme Armut jeder Selbstbestimmung beraubt sein könnten und nur noch Zwängen folgten. Mbembes Vision: eine Menschheit jenseits der Rassen. Wir erleben gegenwärtig, sagt er, wie Europa, das die Welt geprägt und bestimmt hat, an Bedeutung verliert und, mit den Worten des indischen Historikers Dipesh Chakrabarty, zur Provinz wird. Ausgerechnet Südafrika versteht er als Labor eines Afropolitanismus, in dem der Anfang für etwas Neues gemacht wird: Dort entstehe eine vielgestaltige Welt des Zusammenlebens mit vielen Göttern, geprägt durch eine Ethik der Toleranz, in einem globalen Warenfluss, ein dynamisches Labor, von dem die Menschheit lernen kann. Mbembe verschweigt Gewalt, Korruption und Elend nicht. Doch er will darüber hinaussehen.
Eine Dame steht plötzlich am Tisch, er habe eine Verabredung zugesagt, und die Fotografin wird nervös, weil sie auch noch einen Fototermin im Freien braucht. Mbembe will jetzt konzentriert bleiben: "Wir sehen nicht auf die Uhr. Lassen Sie uns weiterarbeiten." Europa also: Achille Mbembe schätzt Europa, seine Erzählung wird bevölkert von Menschen wie Alexis de Toqueville oder Hegel, Emmanuel Lévinas oder Jacques Derrida, ein Zuhause. Aber dieses Europa habe seine modernen Werte, seine Kultur, die liberale Demokratie und seine Gleichheitsidee auf der Basis von Ausnahmen geltend gemacht und darauf seinen Aufstieg zur Weltmacht begründet. Europas Gleichheit galt, während sie sich universalisierte, nicht für jeden. Und das liberale Europa hat, um seine Dynamik zu entfalten, immer die Angst als Triebkraft gebraucht: vor den anderen. Doch Afrikaner und Juden, sagt Mbembe und wiederholt auch dies mehrmals, als solle sich die Überraschung einprägen, dass Afrikaner und Juden in einem Argument Gleiche sein können, waren an Europas Erfindungen und Erfolgen beteiligt. Die Afrikaner als menschlicher Rohstoff des Sklavenhandels, als Ressource, aus der Europas Reichtum entstand, in einer imperialen Logik, in der die Europäer, wie der Philosoph Jacques Derrida es nannte, sich als Kapitän verstanden.



Was das ist, raison nègre? Das französische Wort nègre bezeichnet keine Farbe, sondern die alte Demütigung: Neger. Der schwarze Lyriker Aimé Césaire, ein Kronzeuge für die Bewegung der négritude in Mbembes neuem Buch, hat zum Ende seines Lebens, er starb 2008, festgestellt: "Ein Neger bin ich, und ein Neger werde ich bleiben." Das Wort Neger, das im 18. Jahrhundert üblich war, geht im Gespräch mit einem schwarzen Intellektuellen schwer über die Lippen, die Unbefangenheit ist dahin, in Deutschland ist es aus Büchern gestrichen worden, wegen der Diskriminierungsgeschichte. Auch der deutsche Buchtitel meidet es. Mbembe aber benutzt das Wort nègre ganz geläufig, weil es analytisch einen Sachverhalt bezeichnet, den er der Vergangenheit zurechnet: Neger, das hieß seit den ersten demütigenden Zuschreibungen im 16. Jahrhundert, dass es eine menschlich primitive Natur gebe, die gegen jeden Geist widerständig sei, zugleich ein Handelsobjekt, eine Kapitalquelle. Und eine Art explosiver Möglichkeit, eine Kraft. Etwas Politisches also, das untrennbar von der Geschichte des Kapitalismus sei, der nur eine Sorte Menschen aufgrund der Rasse als Ware, als Gegenstand ansah: Neger. Die Plantagenkolonie, sagt Mbembe, ist das Taufbecken der Moderne.

29.03.2016

The Lost World of the London Coffeehouse

In contrast to today’s rather mundane spawn of coffeehouse chains, the London of the 17th and 18th century was home to an eclectic and thriving coffee drinking scene. Dr Matthew Green explores the halcyon days of the London coffeehouse, a haven for caffeine-fueled debate and innovation which helped to shape the modern world.
A disagreement about the Cartesian Dream Argument (or similar) turns sour. Note the man throwing coffee in his opponent’s face. From the frontispiece of Ned Ward’s satirical poem Vulgus Brittanicus (1710) and probably more of a flight of fancy than a faithful depiction of coffeehouse practices – Source.

From the tar-caked wharves of Wapping to the gorgeous lamp-lit squares of St James’s and Mayfair, visitors to eighteenth-century London were amazed by an efflorescence of coffeehouses. “In London, there are a great number of coffeehouses”, wrote the Swiss noble César de Saussure in 1726, “…workmen habitually begin the day by going to coffee-rooms to read the latest news.” Nothing was funnier, he smirked, than seeing shoeblacks and other riffraff poring over papers and discussing the latest political affairs. Scottish spy turned travel writer John Macky was similarly captivated in 1714. Sauntering into some of London’s most prestigious establishments in St James’s, Covent Garden and Cornhill, he marvelled at how strangers, whatever their social background or political allegiances, were always welcomed into lively convivial company. They were right to be amazed: early eighteenth-century London boasted more coffeehouses than any other city in the western world, save Constantinople.

London’s coffee craze began in 1652 when Pasqua Rosée, the Greek servant of a coffee-loving British Levant merchant, opened London’s first coffeehouse (or rather, coffee shack) against the stone wall of St Michael’s churchyard in a labyrinth of alleys off Cornhill. Coffee was a smash hit; within a couple of years, Pasqua was selling over 600 dishes of coffee a day to the horror of the local tavern keepers. For anyone who’s ever tried seventeenth-century style coffee, this can come as something of a shock — unless, that is, you like your brew “black as hell, strong as death, sweet as love”, as an old Turkish proverb recommends, and shot through with grit.

It’s not just that our tastebuds have grown more discerning accustomed as we are to silky-smooth Flat Whites; contemporaries found it disgusting too. One early sampler likened it to a “syrup of soot and the essence of old shoes” while others were reminded of oil, ink, soot, mud, damp and shit. Nonetheless, people loved how the “bitter Mohammedan gruel”, as The London Spy described it in 1701, kindled conversations, fired debates, sparked ideas and, as Pasqua himself pointed out in his handbill The Virtue of the Coffee Drink (1652), made one “fit for business” — his stall was a stone’s throw from that great entrepôt of international commerce, the Royal Exchange.
A handbill published in 1652 to promote the launch of Pasqua Rosée’s coffeehouse telling people how to drink coffee and hailing it as the miracle cure for just about every ailment under the sun including dropsy, scurvy, gout, scrofula and even “mis-carryings in childbearing women” – Source.


Remember — until the mid-seventeenth century, most people in England were either slightly — or very — drunk all of the time. Drink London’s fetid river water at your own peril; most people wisely favoured watered-down ale or beer (“small beer”). The arrival of coffee, then, triggered a dawn of sobriety that laid the foundations for truly spectacular economic growth in the decades that followed as people thought clearly for the first time. The stock exchange, insurance industry, and auctioneering: all burst into life in 17th-century coffeehouses — in Jonathan’s, Lloyd’s, and Garraway’s — spawning the credit, security, and markets that facilitated the dramatic expansion of Britain’s network of global trade in Asia, Africa and America.

The meteoric success of Pasqua’s shack triggered a coffeehouse boom. By 1656, there was a second coffeehouse at the sign of the rainbow on Fleet Street; by 1663, 82 had sprung up within the crumbling Roman walls, and a cluster further west like Will’s in Covent Garden, a fashionable literary resort where Samuel Pepys found his old college chum John Dryden presiding over “very pleasant and witty discourse” in 1664 and wished he could stay longer — but he had to pick up his wife, who most certainly would not have been welcome. The earliest known image of a coffeehouse dated to 1674, showing the kind of coffeehouse familiar to Samuel Pepys – Source.

No respectable women would have been seen dead in a coffeehouse. It wasn’t long before wives became frustrated at the amount of time their husbands were idling away “deposing princes, settling the bounds of kingdoms, and balancing the power of Europe with great justice and impartiality”, as Richard Steele put it in the Tatler, all from the comfort of a fireside bench. In 1674, years of simmering resentment erupted into the volcano of fury that was the Women’s Petition Against Coffee. The fair sex lambasted the “Excessive use of that Newfangled, Abominable, Heathenish Liquor called COFFEE” which, as they saw it, had reduced their virile industrious men into effeminate, babbling, French layabouts. Retaliation was swift and acerbic in the form of the vulgar Men’s Answer to the Women’s Petition Against Coffee, which claimed it was “base adulterate wine” and “muddy ale” that made men impotent. Coffee, in fact, was the Viagra of the day, making “the erection more vigorous, the ejaculation more full, add[ing] a spiritual ascendency to the sperm”.

13.08.2015

PERSONNE ET LES AUTRES VINCENT MEESSEN AND GUESTS

 










Belgian Pavilion
56th international art exhibition - Biennale di Venezia
9 May - 22 November 2015
Curator: Katerina Gregos

The Belgian Pavilion at the 56th Venice Biennale will present the work of the Belgian artist Vincent Meessen (Baltimore, 1971, lives in Brussels), together with international guest artists. His project Personne et les autres breaks with the tradition of Belgium’s representation in Venice to date, which has mostly featured solo or duo exhibitions of Belgian artists. The artist’s project, selected to represent Belgium at the Biennale, challenges the notion of national representation, by moving away from the traditional format of a solo show and opening up to include multiple positions and voices.
Working in close collaboration, Meessen and Brussels-based curator Katerina Gregos have developed an international, thematic, discursive, contemplative group exhibition of a poetic as well as political nature, which is grounded in research-based practices. The exhibition welcomes ten other artists from four continents and – for the first time in the Pavilion – artists from Africa, all of whose work has probed the question of colonial modernity, and most of who are producing new work for the exhibition.
The title of the exhibition, Personne et les autres, is borrowed from a lost play by André Frankin, a Belgian art critic affiliated with the Lettrist and Situationist Internationals. The exhibition takes the history of the Belgian Pavilion and the international context of the Biennale (both derived from the colonial exhibitions and world expositions) as its points of departure to explore the consequences of political, historical, cultural and artistic entanglements between Europe and Africa during the time of colonial modernity, and in its aftermath. The Belgian Pavilion itself was the first foreign Pavilion to be built in the Giardini in Venice, during the reign of King Leopold II. Meessen’s own work and artistic research have consistently explored and questioned the history and afterlife of colonial modernity.

04.05.2014

Ornamentbegriffe


Der Ornamentbegriff in der Renaissance

In Anlehnung an Vitruv schreibt der Architekt und Theoretiker Leone Battista Alberti in seiner „De re aedificatoria“ („Über die Baukunst“, 1452): „In tota re aedificatoria primarium certe ornamentum in columnis est.“ Säulen sind also für Alberti in einem Ornamentbegriff als Schmuck des Baus eingeschlossen. (Buch 6, Seite 2). Weiter definiert er auch figürliche Wandmalerei als Teil dieses „Bauschmucks“.

Der Ornamentbegriff im Barock

Der Kunsttheoretiker und Künstlerbiograf Filippo Baldinucci schrieb in seinem 1681 in Florenz erschienenen „Vocabolario Toscano dell’arte del Disegno“ („Toskanisches Inventar von der Kunst des Entwurfs“): „Abellimento, e dicesi propriamente dicose materiali, che si aggiungiono intorno che che sia, per farlo vage e belle.“ („Verzierung nenne ich es, wenn Materialien zum Gegebenen hinzukommen, um es schön und eigenartig zu machen.“)
In Frankreich ist der Begriff ornemens gleich dem lateinischen ornamentum zu setzen und taucht in der Kunstliteratur seit dem 16. Jahrhundert auf.
Im deutschen Sprachraum sind die Begriffe Zierrat, Zierung, Beizier bis ins 19. Jahrhundert vorherrschend, so z.B. schon in der ersten deutschen Ausgabe Vitruvs, übersetzt von Walter Rivius (auch Walter Ryff, „Vitruvius Teutsch“, Nürnberg, 1548), in der es in Buch 4, Kapitel 2, heißt: „Columnen, sampt deren etlichen angehorigen theil glidern und ornamenten oder zierungen.“
Im wichtigsten deutschen enzyklopädischen Lexikon des Barock, im „Grossen vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste“ von Johann Heinrich Zedler (1732 ), findet sich der Verweis „Ornamentum siehe Zierrath“ und die Definition: „Schmuck, Putz, Ornat, Zierrath, Ornatus oder Ornamentum, heißt überhaupt alles dasjenige, was zwar auf dem Leibe, nicht aber so wohl zu nötiger Bedeckung desselben als vielmehr nur zum Staate und Pracht getragen wird.“ (Band 35, Spalte 471)In der kritischen europäischen Ornamentdebatte des 18. Jahrhunderts, wesentlich von den Akademien ausgetragen, wurde den Ornamenten schließlich ein Eigenwert zugestanden, der sie aus der Rolle einer eher untergeordneten Kunstgattung befreite.

Abgrenzung Muster / Dekoration

Das Muster ist eine einfache Linienkomposition, die von Ornamenten abgeleitet sein kann, wie zum Beispiel der griechische Mäander.
Als Dekoration hingegen bezeichnet man eine objektgebundene Flächenkomposition aus einzelnen Ornamenten. Ornament und Dekoration stehen einander spannungsreich gegenüber. Das Ornament ist ungebunden und frei versetzbar, die Dekoration an die durch das Objekt vorgegebene Fläche streng gebunden. Während das Ornament als stilisiertes Einzelmotiv in beliebiger Wiederholung auftreten kann, bildet die Dekoration eine ausgewogene Gesamtkomposition. Die Dekoration unterliegt zeitgebundenen Variationen und Veränderungen, das Ornament einer strengen Tradition. Daraus ergibt sich, dass mit nahezu gleich bleibenden Ornamenten höchst verschiedenartige, stilistisch wandelbare Dekorationen gestaltet werden können.
Ornament und Rhetorik

Bei Vitruv und Alberti leuchtet die schon in der griechischen Antike gegebene Herkunft des Ornamentbegriffs aus der Rhetorik durch. Es besteht eine Verbindung zum rhetorischen ornatus unter dem Eindruck des Horaz’schen „Ut pictura poesis erit“ („Dichtung ist wie Malerei“), das heißt der Begriff wird über Redekunst und Dichtung hinaus auf die Architektur und die bildenden Künste im allgemeinen angewendet, in der frühen Neuzeit vor allem aus dem Geist des Humanismus heraus. So lässt sich die Integration der Baudetails in die Ornamentik in der Neuzeit erklären, besonders bei Alberti, der ja selbst aus der Dichtung seinen Weg zur Kunsttheorie fand.
Der römische Rhetor Quintilian legte in der 1415 von Poggio Bracciolini in der Bibliothek des Klosters Sankt Gallen für die Neuzeit wieder entdeckten „Institutio oratoria“ (92–96 n. Chr.) fest: „Das Geschmückte ist alles, was mehr ist als nur klar und genau.“ Schmuck wird so als das Wesentliche eines Kunstwerks herausgehoben, acutum (Witz), nitidum (Glanz), copiosum (Fülle), hilare (Lebhaftigkeit), iucundum (Charme), accuratum (Sorgfalt) werden als die Komponenten der gratia bei Quintilian genannt, die in seiner Sicht eine Rede zum Kunstwerk macht.
Derartige Begrifflichkeiten werden bis ins 18. Jahrhundert außerrhetorische Kunsturteile mitbestimmen. Die Ornamentik wird auf diese Weise auch zu einer Art Sprache, dem gebildeten Betrachter in ihrer Rhetorik verständlich.

09.03.2014

Latin@s in the World-System: Decolonization Struggles in the Twenty-First Century



Contributors Immanuel Wallerstein, Enrique Dussel, Walter Mignolo, Agustin Lao, Lewis Gordon, James V. Fenelon, Roberto Hernandez, James Cohen, Santiago Slabosky, Susanne Jonas, and Thomas Reifer. By the mid-twenty-first century, white Euro-Americans will be a demographic minority in the United States and Latino/as will be the largest minority (25 percent). These changes bring about important challenges at the heart of the contemporary debates about political transformations in the United States and around the world. Latino/as are multiracial (Afro-latinos, Indo-latinos, Asian-latinos, and Euro-latinos), multi-ethnic, multireligious (Jewish, Catholic, Protestant, Muslim, indigenous, and African spiritualities), and of varied legal status (immigrants, citizens, and illegal migrants). This collection addresses for the first time the potential of these diverse Latino/a spiritualities, origins, and statuses against the landscape of decolonization of the U.S. economic and cultural empire in the twenty-first century. Some authors explore the impact of Indo-latinos and Afro-latinos in the United States and others discuss the conflicting interpretations and political conflicts arising from the "Latinization" of the United States.