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07.08.2015
30.03.2015
04.05.2014
Ornamentbegriffe
Der Ornamentbegriff in der Renaissance
In Anlehnung an Vitruv schreibt der Architekt und Theoretiker Leone Battista Alberti in seiner „De re aedificatoria“ („Über die Baukunst“, 1452): „In tota re aedificatoria primarium certe ornamentum in columnis est.“ Säulen sind also für Alberti in einem Ornamentbegriff als Schmuck des Baus eingeschlossen. (Buch 6, Seite 2). Weiter definiert er auch figürliche Wandmalerei als Teil dieses „Bauschmucks“.
Der Ornamentbegriff im Barock
Der Kunsttheoretiker und Künstlerbiograf Filippo Baldinucci schrieb in seinem 1681 in Florenz erschienenen „Vocabolario Toscano dell’arte del Disegno“ („Toskanisches Inventar von der Kunst des Entwurfs“): „Abellimento, e dicesi propriamente dicose materiali, che si aggiungiono intorno che che sia, per farlo vage e belle.“ („Verzierung nenne ich es, wenn Materialien zum Gegebenen hinzukommen, um es schön und eigenartig zu machen.“)
In Frankreich ist der Begriff ornemens gleich dem lateinischen ornamentum zu setzen und taucht in der Kunstliteratur seit dem 16. Jahrhundert auf.
Im deutschen Sprachraum sind die Begriffe Zierrat, Zierung, Beizier bis ins 19. Jahrhundert vorherrschend, so z.B. schon in der ersten deutschen Ausgabe Vitruvs, übersetzt von Walter Rivius (auch Walter Ryff, „Vitruvius Teutsch“, Nürnberg, 1548), in der es in Buch 4, Kapitel 2, heißt: „Columnen, sampt deren etlichen angehorigen theil glidern und ornamenten oder zierungen.“
Im wichtigsten deutschen enzyklopädischen Lexikon des Barock, im „Grossen vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste“ von Johann Heinrich Zedler (1732 ), findet sich der Verweis „Ornamentum siehe Zierrath“ und die Definition: „Schmuck, Putz, Ornat, Zierrath, Ornatus oder Ornamentum, heißt überhaupt alles dasjenige, was zwar auf dem Leibe, nicht aber so wohl zu nötiger Bedeckung desselben als vielmehr nur zum Staate und Pracht getragen wird.“ (Band 35, Spalte 471)In der kritischen europäischen Ornamentdebatte des 18. Jahrhunderts, wesentlich von den Akademien ausgetragen, wurde den Ornamenten schließlich ein Eigenwert zugestanden, der sie aus der Rolle einer eher untergeordneten Kunstgattung befreite.
Abgrenzung Muster / Dekoration
Das Muster ist eine einfache Linienkomposition, die von Ornamenten abgeleitet sein kann, wie zum Beispiel der griechische Mäander.
Als Dekoration hingegen bezeichnet man eine objektgebundene Flächenkomposition aus einzelnen Ornamenten. Ornament und Dekoration stehen einander spannungsreich gegenüber. Das Ornament ist ungebunden und frei versetzbar, die Dekoration an die durch das Objekt vorgegebene Fläche streng gebunden. Während das Ornament als stilisiertes Einzelmotiv in beliebiger Wiederholung auftreten kann, bildet die Dekoration eine ausgewogene Gesamtkomposition. Die Dekoration unterliegt zeitgebundenen Variationen und Veränderungen, das Ornament einer strengen Tradition. Daraus ergibt sich, dass mit nahezu gleich bleibenden Ornamenten höchst verschiedenartige, stilistisch wandelbare Dekorationen gestaltet werden können.
Ornament und Rhetorik
Bei Vitruv und Alberti leuchtet die schon in der griechischen Antike gegebene Herkunft des Ornamentbegriffs aus der Rhetorik durch. Es besteht eine Verbindung zum rhetorischen ornatus unter dem Eindruck des Horaz’schen „Ut pictura poesis erit“ („Dichtung ist wie Malerei“), das heißt der Begriff wird über Redekunst und Dichtung hinaus auf die Architektur und die bildenden Künste im allgemeinen angewendet, in der frühen Neuzeit vor allem aus dem Geist des Humanismus heraus. So lässt sich die Integration der Baudetails in die Ornamentik in der Neuzeit erklären, besonders bei Alberti, der ja selbst aus der Dichtung seinen Weg zur Kunsttheorie fand.
Der römische Rhetor Quintilian legte in der 1415 von Poggio Bracciolini in der Bibliothek des Klosters Sankt Gallen für die Neuzeit wieder entdeckten „Institutio oratoria“ (92–96 n. Chr.) fest: „Das Geschmückte ist alles, was mehr ist als nur klar und genau.“ Schmuck wird so als das Wesentliche eines Kunstwerks herausgehoben, acutum (Witz), nitidum (Glanz), copiosum (Fülle), hilare (Lebhaftigkeit), iucundum (Charme), accuratum (Sorgfalt) werden als die Komponenten der gratia bei Quintilian genannt, die in seiner Sicht eine Rede zum Kunstwerk macht.
Derartige Begrifflichkeiten werden bis ins 18. Jahrhundert außerrhetorische Kunsturteile mitbestimmen. Die Ornamentik wird auf diese Weise auch zu einer Art Sprache, dem gebildeten Betrachter in ihrer Rhetorik verständlich.
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16.03.2011
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