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25.08.2017

Die kubanische Plantage der Familie Escher


Alfred Escher und das Blutgeld: der Historiker Hans Fässler über die vielfältigen Verbindungen der liberalen Schweiz zur Sklaverei und ihre Mühe, sich damit auseinanderzusetzen.
Juni 1966, Bahnhofplatz Zürich: Die Statue Alfred Eschers, des Gründers der Schweizerischen Kreditanstalt, wird um ein paar Meter verschoben. Foto: Kurt Salvisberg, ETH-Bibliothek Zürich
Jetzt ist es belegt: Die Familie des Zürcher Säulenheiligen Alfred Escher besass eine Sklavenplantage auf Kuba. Womöglich droht der Credit Suisse als Nachfolgerin der von Escher gegründeten Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) neues Ungemach aus den USA: Wenn ein Unternehmen seine Beziehungen zur Sklavenwirtschaft nicht offenlegt, stellen nämlich verschiedene Grossstädte ihre Geschäftsbeziehungen mit diesem mittlerweile ein. Auch in Zürich hat ein Vorstoss von SP und AL im Gemeinderat Konsequenzen aus den neuen Erkenntnissen gefordert.
Die Enthüllungen des renommierten deutschen Historikers Michael Zeuske von der Universität Köln im «Magazin» des «Tages-Anzeiger» vom 8. Juli, dass zur Plantage Buen Retiro auf Kuba, die im Besitz der Familie Escher war, auch über achtzig SklavInnen gehörten, sind angesichts jüngster Forschungen zu Schweizer Verwicklungen in den atlantischen SklavInnenhandel keine Überraschung.
Vor fünfzehn Jahren sah es noch anders aus. Als 2003 der Zürcher Regierungsrat von Peider Filli (AL) zu den Sklavereibeziehungen des alten Zürich angefragt wurde, war die Kantonsregierung überzeugt: «Das in der alten Eidgenossenschaft eingebettete Zürcher Gesellschafts- und Staatsgebilde des 18. Jahrhunderts hat als Kollektiv zu keiner Zeit SklavInnenhaltung und SklavInnenhandel gerechtfertigt oder gar betrieben.» Der 2003 von Renate Schoch und Anja Recher (AL) verlangte und 2007 zuhanden des Präsidialdepartements abgelieferte Bericht von Konrad Kuhn und Béatrice Ziegler-Witschi, «Die Stadt Zürich und die Sklaverei: Verbindungen und Beziehungen», zeigte dann auf, dass man mit solchen Wertungen vorsichtig sein muss.

Historischer Bewusstseinswandel

Mittlerweile hat sich die Situation noch einmal stark verändert. Verschiedene HistorikerInnen haben den Beweis erbracht, dass sich die Schweiz bzw. Akteure aus dem Gebiet der heutigen Schweiz im 18. und 19. Jahrhundert an allen sklavereirelevanten Tätigkeiten beteiligt haben: Finanzierung von Dreieckshandelsexpeditionen, Investition in Kolonialgesellschaften, Reederei, Handel mit Gütern für den und aus dem Dreieckshandel, Verwaltung von Kolonialgebieten, Besitz und Verwaltung von Plantagen, Besitz von SklavInnen, Handel mit SklavInnen, militärische Kontrolle, Niederschlagung von Aufständen sowie ideologische Rechtfertigung von Sklaverei und anti-schwarzem Rassismus.
Die Sklavenplantage von Eschers Familie kann man natürlich unterschiedlich interpretieren. Man kann die Steuerliste aus dem Nationalarchiv in Havanna so sehen wie der nigerianische Historiker Joseph Inikori: als ein weiteres Mosaiksteinchen im grossen Bild des Black Atlantic, also der interkontinentalen Beziehung zwischen Schwarzafrika und Europa beziehungsweise Amerika. Oder man kann diesen Fund herunterspielen, wie das sein Namensvetter Joseph Jung, der Hofhistoriker des Finanz- und Industrieplatzes Zürich, versucht. Die moralische Trennlinie, die Jung zwischen dem «Halten von Sklaven und dem Handel mit Sklaven» definiert, wirkt wie eine letzte (schwache) ideologische Verteidigungsposition im Interesse seines früheren Arbeitgebers, der Credit Suisse.

Chicago ging voraus

Für die 1856 von Alfred Escher gegründete SKA, die heute unter dem Namen Credit Suisse tätige und tätliche Grossbank, könnte sich jedoch Zeuskes Archivfund noch als folgenschwer erweisen. Dazu muss man ausholen.
Im Jahr 2002 erliess die Stadt Chicago als erste US-amerikanische Körperschaft eine «Slavery Era Disclosure Ordinance», das heisst ein Gesetz, das es den Stadtbehörden untersagt, mit Firmen Geschäfte zu treiben, die ihre Beziehungen zur Sklaverei (Investitionen in die und Profite aus der Sklaverei) nicht offenlegen. Die erste Firma, die dieses Gesetz zu spüren bekam, war die Investmentbank Lehman Brothers. 2003 gab Lehman Brothers zu, dass die aus Bayern stammenden Firmengründer Mayer, Henry und Emanuel Lehman 1850 in Montgomery die Sklavin Martha gekauft hatten. Weil Lehman Brothers über das Ausmass ihrer Sklavereibeziehungen später falsche Angaben machte, wurde die Bank zur ersten Firma, der unter dem genannten Gesetz eine Strafe aufgebrummt wurde: Sie verlor ihre Stellung als Emissionsbank für eine Anleihe von 1,5 Milliarden US-Dollar für den Flughafen O’Hare in Chicago und erlitt damit einen Verlust von 500 000 US-Dollar.
Vielleicht wurde die UBS einst durch das Schicksal von Lehman Brothers alarmiert. Als 2006 ein Artikel in der «Chicago Sun-Times» über einen Schweizer berichtete, der in Rio de Janeiro zwei Sklaven (Antonio und Joaquin) besessen und 1856 die Deutsch-Schweizerische Kreditbank gegründet habe (deren Rechtsnachfolgerin die UBS sei), sorgte die Bank dafür, dass die Geschichte dieses Mannes aufgearbeitet wurde. Es handelte sich dabei um den St. Galler Kaufmann und Sklavenzüchtiger Jakob Laurenz Gsell (1815–1896): «… wenn ich nämlich meinem Schwarzen etwas befehle und der nicht sogleich gehorcht, husch, da zuckt etwas durch die Luft und ein guter Hieb sitzt auf dem Rücken des Negers.» Die UBS hatte wohl Angst, es könnte ihr wegen des reitpeitschenschwingenden Gsells der Auftrag für die Anleihenemission für denselben O’Hare-Flughafen entgehen, der schon Lehman Brothers beschäftigt hatte. Auch hatten es in der Zwischenzeit grosse Unternehmen wie JP Morgan, Wachovia und Bank of America mit der Sklavereigesetzgebung zu tun bekommen. Man kann nun immerhin mutmassen, dass die UBS nach der Enthüllung im Fall Escher durch das «Magazin» und den «Tages-Anzeiger» noch das eine oder andere Mal eine eidesstattliche Erklärung abgeben müssen wird. Ähnliche Gesetze wie die «Slavery Era Disclosure Ordinance» von Chicago existieren nämlich mittlerweile in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Iowa und Illinois sowie in den Grossstädten Detroit, Los Angeles, Milwaukee, Oakland, Philadelphia, San Francisco und Cleveland.

Gedenktäfelchen?

Die Enthüllung der Herkunft des Vermögens von Alfred Escher («Mitbegründer der modernen Schweiz», «Eisenbahnbaron», «Wirtschaftspionier», «ETH-Gründer», «liberaler Geist») aus einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit dürfte nicht nur in Zürich noch weiter zu diskutieren geben. Bis Sonntagabend hatten schon weit über 200 LeserInnen einen Kommentar zum Artikel «Alfred Eschers Erbe gründet auf Sklavenarbeit» hinterlassen, interessanterweise mehrheitlich positiv zur Recherche. Was aber wären adäquate Forderungen nach Konsequenzen, Sichtbarmachung, weiterer Aufarbeitung und Wiedergutmachung für Zürich (und die Schweiz)? Hans Barth, mein Freiburger Mitstreiter in der Kampagne «Démonter Louis Agassiz» und bei der Ausstellung «Gletscherforscher, Rassist», hat anstelle eines «Gedenktäfelchens» am Belvoir, dem Familiensitz der Eschers, zwei Ideen in die Runde geworfen: «Vorschlag 1: Das Belvoir wird zu Geld gemacht, das dann an Kuba überwiesen wird. Auflage: Mit der Summe sollen die Nachkommen der Escher-Opfer unterstützt werden. Vorschlag 2: Das Belvoir wird nicht länger als Hotelfachschule missbraucht, sondern wird ein Forschungszentrum zur Schweizer Beteiligung am Sklaverei-Verbrechen.»
Erfreulicherweise geht auch das Postulat, das soeben von SP und AL im Zürcher Gemeinderat eingereicht worden ist, über die Dimension des Gedenkorts hinaus. Es verknüpft als eine Art Lackmustest die Enthüllung von Michael Zeuske mit der Forderung nach Aufarbeitung im Rahmen der Escher-Stiftung und des Escher-Keller-Jubiläumsjahrs 2019 (Alfred Escher und Gottfried Keller wurden beide 1819 geboren). Wie wäre es, zu diesem Jubiläum einen afrokubanischen Historiker und eine afrikanische Historikerin einzuladen? Möglicherweise Nachkommen der 17 194 versklavten Menschen, die 1819 nach Kuba importiert wurden, obwohl der Handel mit schwarzafrikanischen SklavInnen schon vier Jahre vorher durch den Wiener Kongress für illegal erklärt worden war? Wie wäre es mit einem Podium mit diesen zwei Gästen, mit Joseph Jung, der Rassismusforscherin Patricia Purtschert, CS-Chef Tidjane Thiam, der Migrationsforscherin Béatrice Ziegler-Witschi und dem Menschenrechtler Jean Ziegler?

Rätsel zum Schluss

Und wie wäre es, wenn auch zu jenem anderen UBS-Ahnen, einem Mitbegründer des Schweizer Bankvereins von 1909, geforscht würde, der in Brasilien in der Sklavereiwirtschaft tätig war und dem bis jetzt noch kein SklavInnenbesitz nachgewiesen werden konnte – obwohl der ziemlich wahrscheinlich ist? Der Name sei nicht verraten, damit es noch etwas zu rätseln gibt und damit nicht die gemäss Michael Zeuske schlecht bezahlten ArchivarInnen auf Kuba die Dokumente beiseiteschaffen, um sie dann dem Meistbietenden zu verkaufen – was man den armen Leuten eigentlich nicht übelnehmen kann.
Der Historiker Hans Fässler forscht seit zwanzig Jahren zur Verwicklung der Schweiz in den transatlantischen SklavInnenhandel. Er setzt sich etwa öffentlichkeitswirksam für die Umbenennung des nach einem wegweisenden Rassentheoretiker benannten Agassizhorns ein.

Alfred Eschers Erbe gründet auf Sklavenarbeit






160 Jahre lang waren es bloss Gerüchte. Das Erbe des grossen Zürcher Wirtschaftspioniers Alfred Escher soll auf Erträgen aus einer Sklavenplantage der Familie auf Kuba beruht haben. Das Gerücht kam erstmals auf, als Eschers Vater Heinrich 1853 starb und seinem Sohn Alfred 1 Million Franken vererbte (nach heutigem Wert rund 12 Millionen) sowie mehrere Liegenschaften, unter ihnen der grosszügige Belvoirpark samt Villa. Konservative Gegner des liberalen Politikers bezeichneten ihn darauf als Nutzniesser der Sklavenwirtschaft.

Eine «Schlammschlacht» sei das gewesen, urteilte 2006 der Historiker Joseph Jung. Er verfasste eine grosse Alfred-­Escher-Biografie zum Jubiläum der Credit Suisse – jener Bank, die Alfred Escher 1856 als Schweizerische Kreditanstalt gründete und damit den Grundstein für Zürichs Finanzplatz legte.

Jetzt hat der Kölner Sklavereiforscher Michael Zeuske im Nationalarchiv von Havanna ein Dokument gefunden, das den Sklavenbesitz der Familie Escher auf Kuba bestätigt: Laut einer Steuerliste der spanischen Kolonialbehörde aus dem Jahr 1822 waren auf der südwestlich von Havanna gelegenen Kaffeeplantage «Buen Retiro» 82 Feld- und 5 Haussklaven beschäftigt. Die Plantage gehörte Heinrich Escher – zwei seiner Brüder verwalteten sie für ihn.

Der Vater wusste Bescheid



Die knapp 90 Sklaven bewirtschafteten ein Gelände mit einem Umfang von 4 Kilometern mit 200'000 Kaffeepflanzen, 5800 Bananenstauden und 500 Obst­bäumen. Die Sklaven auf Kuba waren damals einem 14-Stunden-Arbeitstag unterworfen und wurden von Aufsehern mit Hunden scharf bewacht. Die Plantage der Familie Escher konnte mit ihrer mittleren Grösse rund 300 Tonnen Kaffee jährlich produzieren.

Laut Historiker Zeuske galt das Kaffeegeschäft auf Kuba angesichts des beginnenden Booms der Kaffeehäuser in Europa bis Ende der 20er-Jahre als sehr rentabel. Später lief Brasilien mit grossflächigen Plantagen Kuba den Rang ab. 1831 waren bei den Eschers noch 71 Sklaven beschäftigt. Sklavenhandel betrieben sie über ihren eigenen An- und Verkauf hinaus nicht (lesen Sie die ganze Geschichte auf dasmagazin.ch: «Die Sklaven der Familie Escher»).

Als grosser Liberaler und Pionier der Moderne hätte sich Escher am Umstand der unfreien Arbeitskraft stören müssen. Davon ist jedoch nichts bekannt, auch sein Vater äusserte sich nie öffentlich zum Thema. Dabei kannte der Erbauer des Belvoir-Guts das Unrecht aus eigener Anschauung, hatte er doch Kuba 1803 besucht. Der frühere Chefhistoriker der Credit Suisse und Escher-Biograf Joseph Jung verteidigt ihn heute: «Wenn man damals als weisser Farmer auf Kuba tätig war, hatte man zwangsläufig Schwarze, die für einen arbeiteten.» Moralisch anstössig wäre für ihn erst der Handel mit Sklaven.

Politiker fordern Aufklärung

Die Zürcher Lokalpolitiker Michael Kraft (SP) und Walter Angst (AL) fordern nun eine Aufarbeitung dieser Geschichte. Sofern ihre Parteien einwilligen, werden sie am nächsten Mittwoch im Gemeinderat einen Vorstoss einreichen. Ziel sei nicht nur die Anerkennung der unbequemen historischen Fakten durch die Stadt, sondern auch, diese der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Eine Möglichkeit wäre, eine Informationstafel im Zürcher Belvoirpark aufzustellen, dem ehemaligen Landgut von Heinrich Escher, das heute der Stadt gehört.

«Historisch betrachtet, ist das mehr als nur eine Fussnote», sagt Kraft. Es sei ein Beispiel, dass die Schweiz bei der Sklaverei nicht abseitsstand, obwohl sie ein Binnenland ist. «Das gehört ins öffentliche Geschichtsbild. Vielleicht sieht man dann auch Alfred Escher anders.»

Die Stadt Zürich dürfte offen sein für den Vorstoss. Sie pflegt einen «offenen Umgang» mit historischen Erkenntnissen. 2007 hat sie bereits die Beteiligung von Zürcher Financiers am Sklavenhandel beleuchten lassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.07.2017, 23:32 Uhr

06.11.2016

Sumatra-Träume am Zürichsee

Ein aus Indonesien zurückgekehrter Kautschukpflanzer und eine Künstlerin liessen vor über 100 Jahren die Villa Sunneschy in Stäfa für sich erbauen. Die Erinnerung an das Paar will eine Arbeitsgruppe direkt in der Villa lebendig erhalten.
Urs Köhle 24.10.2016

Rudolf Baumann war ein Rebell. Oder ein Lausbub. Jedenfalls mochte sich der Spross einer reichen Horgner Seidenindustriellenfamilie den Anweisungen des Familienrates nicht fügen. Mit 20 Jahren reiste er darum ab in den Fernen Osten.
Das hatte später bauliche Auswirkungen auf den Kehlhof in Stäfa. Baumann, der Horgen mit Fahrkarte und etwas Bargeld verlassen hatte, kehrte nämlich gut 15 Jahre später wohlhabend aus den Tropen zurück. Er verheiratete sich mit Anna Kienast, die ebenfalls aus den Horgner Seidendynastien stammte. Die beiden bauten für sich im Kehlhof die heutige Villa Sunneschy.
1908 wurde der Bau fertiggestellt. Er klingt mit vielem an Südostasien an, wohin die Eheleute mehrmals längere Reisen unternahmen.

Beschläge aus China
Auf den Reisen füllte das Ehepaar «die Reisekiste mit Ausstattungselementen wie Batik aus Indonesien und Kastenbeschlägen aus China», schreibt Annegret Diethelm in ihrer Geschichte des«Sunneschy», welche die Gemeinde Stäfa 2001 herausgab. Chinesische Beschläge sind heute noch in der Villa Sunneschy zu sehen, ebenso Tropenholz und Tapeten, die Rudolf und Anna Baumann-Kienast damals nach Hause senden liessen.
Von seiner Tätigkeit als Pflanzer kannte Rudolf Baumann Nordostneuguinea sehr gut. Ins damalige von der deutschen Neu-Guinea Compagnie verwaltete Kaiser-Wilhelms-Land war er 1891 gegangen. Vertraglich hatte er sich als Tabakpflanzer verpflichtet. Damit blieb er aber erfolglos. Ab 1895 war er Kaffeepflanzer auf einer eigenen Plantage in Ostsumatra. Kurz nach der Jahrhundertwende begann er dort, Kautschuk anzubauen. Es gelang ihm, seine Plantage vor der Rückkehr in die Schweiz gewinnbringend zu verkaufen. Nicht alle dort tätigen Auslandschweizer waren so erfolgreich, sagt der Ethnologe Christian Kaufmann, der in Südostasien jahrelang Feldforschung betrieb.

Umfangreiches Landgut
In Stäfa herrschte der ehemalige Pflanzer sozusagen in einem privaten Kolonialreich über 3500 Rebstöcke, über Obst- und Gemüsekulturen, Schafe und Fische. Sein Landgut war um ein Mehrfaches grösser als die heute immer noch ansehnliche Liegenschaft Sunneschy. Es umfasste nicht nur die Halbinsel beim Kehlhof, sondern auch Gebäude, Kultur- und Torfland bergseits der Seestrasse und sogar oberhalb der Bahnlinie. Für die Fische besass er zwei Weiher, den einen davon beim Schwyler.
Als Privatier widmete sich Rudolf Baumann seinen Hobbys, sammelte fernöstliche Gegenstände, schrieb und fotografierte. Als eine der ersten Privatpersonen verarbeitete er seine Aufnahmen in der Dunkelkammer; seine Werke sind die eines Bildungsreisenden mit wissenschaftlich-völkerkundlichem Interesse. Das Museum der Weltkulturen in Frankfurt hat rund 1000 von Baumanns Fotografien archiviert.
Baumann verarbeitete seine Eindrücke aus dem Fernen Osten vor allem schreibenderweise. Seine Ehefrau Anna, in bildenden Künsten talentiert und ausgebildet, arbeitete im Sunneschy bis 1914 ausschliesslich als Malerin und Grafikerin. Bei der Eröffnung des Kunsthauses in Zürich 1910 waren von ihr Arbeiten in Öl und Tempera ausgestellt. Später wandte sie sich der Plastik und Bildhauerei zu. Sie war in der Zürcher Kunstszene bestens vernetzt, und der Kehlhof wurde zu einem Treffpunkt von Künstlern.

Ein Enkel engagiert sich
Die Ehe des Künstlerpaars blieb kinderlos. 1917 holte Anna Baumann die damals 17-jährige Friedl Wiederkehr zu sich, die sie vier Jahre zuvor als Modell engagiert hatte. Bis zu ihrer Heirat lebte die junge Frau als Pflegetochter im Sunneschy.
Friedl Wiederkehrs EnkelThomas Matta, Raumplaner und Architekt unter anderem des Stäfner Gemeindehauses, gehört zu einer Gruppe, die nun das künstlerische Erbe des längst verstorbenen Ehepaars Bau­mann-Kienast dokumentieren will. Ein weiteres Ziel ist, Wissen über die Geschichte der Villa Sunneschy zu vermitteln.

Im einstigen Atelier
Diese Geschichte war wechselhaft, seit sich Anna und Rudolf Baumann-Kienast im Dezember 1920 bei der Gemeinde Stäfa abmeldeten. Das Paar lebte nachher in Castagnola im Tessin. Rudolf Baumann starb 1952, seine Ehefrau 1961. Die Villa Sunneschy hatte verschiedene Besitzer, bis die Gemeinde 1978 die Liegenschaft kaufte. Die Liste der vor­geschlagenen Verwendungen ist fast endlos. Im Dezember 2000 wurde die Villa nach einer Renovation neu eingeweiht. Heute ist sie vor allem ein Restaurant. Die Gruppe mit Thomas Matta will im Gegensatz zu anderen früheren Interessenten nicht die Villa in Beschlag nehmen. Vorderhand hat sie überhaupt erst Ideen. Eine davon ist, dass Besucher in Anna Baumanns ehemaligem Atelier Informationen finden und Wechselausstellungen ansehen könnten – beispielsweise mit Werken der einstigen Besitzerin.
Zu dieser Arbeitsgruppe Sunneschy gehören neben Matta der 1925 geborene Jeroen Bool aus Rotterdam, der vor einigen Jahren die Initialzündung zur erneuten Beschäftigung mit der Villa Sunneschy gegeben hat, sein Cousin Christian Kaufmann aus Basel, die beide über ihre Mütter mit dem Bauherrenpaar verbunden sind, und die Kunsthistorikerin Annegret Diethelm.
Diese vier sind seit Jahren daran, Grundlagen und Materialien zu Leben und Wirken des Ehepaars Baumann-Kienast zusammenzutragen. Sie möchten ihr Wissen und ihr Material an einen Verein weitergeben und haben Kontakt aufgenommen mit dem Gemeinderat Stäfa, dem Sunneschy-Pächter Béda Zingg und der Lesegesellschaft Stäfa.
«Wir möchten mit neuen Leuten ein Konzept erarbeiten», sagt Matta, «und hoffen, ein paar motivierte Personen aus Stäfa dafür gewinnen zu können.» An einem Informationsanlass (siehe Kasten) will die Gruppe sondieren, wie gross das Interesse ist, die Erinnerung wachzuhalten an die Geschichte der Villa Sunneschy und das Wirken des viel gereisten Künstlerehepaars, das sie einst baute. (Zürichsee-Zeitung)(Erstellt: 24.10.2016, 10:29 Uhr)

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In Stäfa steht die skurrilste und schönste Villa am See
Im Kolonialreich des Herrn Baumann
29.8.2001
Als Rudolf Baumann, Sprössling einer reichen Horgner Seidenfabrikantenfamilie, und seine Frau Anna die Villa Sunneschy im Jahr 1906 erbauen liessen, träumte der Bauherr von einem privaten Kolonialreich, während die sensible Gattin eine Einheit von Mensch und Natur anstrebte. Entstanden ist eine skurrile, bezaubernde Villa, die heute dank der Gemeinde Stäfa der Bevölkerung offen steht. Selten haben Menschen einem Haus ihren Stempel mehr aufgedrückt als der weitgereiste Privatier und Schriftsteller Rudolf Baumann und dessen ebenso schöne wie begabte Frau Anna der Villa Sunneschy in Stäfa. Als das ungleiche Paar das Seegrundstück auf der Kehlhof-Halbinsel im Jahr 1906 kaufte, wollte der aus den Tropen zurückgekehrte Bauherr möglichst vielen seiner Südsee-Erinnerungen Raum geben, während seine malende Ehefrau Einfluss auf die Farbgebung nahm und darauf achtete, dass die Innen- und die Aussenwelt ein harmonisches Ganzes bildeten.

30.10.2016

Readings from the Slave Narratives




Veröffentlicht am 23.09.2015
Unchained Memories is a 2003 documentary film about the stories of former slaves interviewed during the 1930s as part of the Federal Writers' Project and preserved in the WPA Slave Narrative Collection. This HBO film interpretation directed by Ed Bell and Thomas Lennon is a compilation of slave narratives, narrated by actors, emulating the original conversation with the interviewer. The slave narratives may be the most accurate in terms of the everyday activities of the enslaved, serving as personal memoirs of more than two thousand former slaves. The documentary depicts the emotions of the slaves and what they endured. The "Master" had the opportunity to sell, trade, or kill the enslaved, for retribution should one slave not obey.
Narrated by: Whoopi Goldberg
Sarah Gudger, North Carolina (Vol. 11)— read by LaTanya Richardson
Charley Williams, Oklahoma (Vol. 13) – read by Ruben Santiago-Hudson
Martin Jackson, Texas (Vol. 16) - read by Robert Guillaume
Henry Coleman, South Carolina (Vol. 14) – read byRoscoe Lee Browne
Jennie Proctor, Texas (Vol. 16) – read by Oprah Winfrey
Elizabeth Sparks, Virginia (Vol. 17) – read by Angela Bassett
Rosa Starke, South Carolina (Vol. 14) --
Cato Carter, Texas (Vol. 16) – read by Roger Guenveur Smith
Mary Reynolds, Texas (Vol. 16) – read by Angela Bassett
Rev. Ishrael Massie, Virginia –
Fannie Berry, Virginia – read by CCH Pounder
Mary Estes Peters, Arkansas (Vol. 2) – read by Jasmine Guy
Sarah Ashley, Texas (Vol. 16) – read by LaTanya Richardson
Charles Grandy, Virginia — read by Ruben Santiago-Hudson
William Colbert, Alabama (Vol. 1) – read by Courtney B. Vance
Katie Darling, Texas (Vol. 16) – read by Jasmine Guy Jasmine Guy
Vinnie Brunson, Texas (Vol. 3) – read by Vanessa L. Williams
Fannie Berry, read by CCH Pounder
Jack & Rosa Maddox, Texas (Vol. 7) – read by Ossie Davis and Ruby Dee
Mary Reynolds, Texas (Vol. 16) – read by Angela Bassett
Louisa Adams, North Carolina (Vol. 11) – read by LaTanya Richardson

04.02.2016

Leeverpol coffee plantation

 http://www.atlasofmutualheritage.nl/en/Birds-eye-view-Leeverpoel-coffee-plantation-Surinam.7801
- Bird's eye view of the Leeverpoel coffee plantation in Surinam. - <Plantagie Leeverpoel geleegen aande Rievier Cottica Links Opvaarende>.- Key: A-O en 1-30. - In the foreground the work on the plantation is depicted in great detail. - This plantation has been assigned key number 52 on the chart Rijksmuseum, Amsterdam, inv. nr. NG-478.

26.01.2016

Plantagenwirtschaft in Suriname

Surinames Plantagenwirtschaft

Die Anfänge der Kolonisierung Surinames
Es waren die Spanier, die im Jahr 1593 als erste Europäer Suriname in Besitz nahmen. Doch blieb ihr Kolonisierungsversuch ebenso ein Intermezzo wie erste entsprechende Bemühungen der Niederländer. Eine erste dauerhaftere Besiedlung geschah durch Briten in der Zeit nach 1650. Bis 1667 war ihre Kolonie auf 175 Plantagen mit rund 4000 Siedlern und Sklaven angewachsen. Niederländer aus der Provinz Zeeland machten dieser Unternehmung ein Ende, nachdem die Niederlande mit Großbritannien den Besitz von Nieuw Amsterdam (New York) gegen den von Suriname getauscht hatten. Im Jahr 1682 wurde die Kolonie in die Herrschaft der Westindischen Kompanie (WIC) übertragen. Diese gründete eine besondere Sozietät, an der die WIC, die Stadt Amsterdam und die Familie Van Aerssen van Sommelsdijk zu gleichen Teilen Anteile hielten (siehe M1 im Abschnitt „Wie wurde die Kolonie Suriname regiert und verwaltet?“).

Aufbau und Ausbau der Plantagenwirtschaft
Cornelis van Aerssen setzte sich als erster Generalgouverneur für eine Erhöhung der Zahl der Plantagen ein. Indem er Kriege gegen Indianer und entlaufene Sklaven führte, schuf er für Europäer ein „attraktives Investitionsklima“. Alle Nachfolger Van Aerssens verfolgten den eingeschlagenen Weg der Förderung der Plantagenwirtschaft weiter. Surinamischer Kaffee und Zucker wurden auf dem niederländischen Markt verkauft. Investoren aus dem Mutterland legten mehr als 60 Millionen Gulden in Suriname an, bevor eine Krise der Amsterdamer Börse im Jahr 1773 der Kapitalzufuhr ein plötzliches Ende bereitete. Dies bedeutete das Ende für viele kleine Plantagenbesitzer, die sich finanziell übernommen hatten und nun ihre Kredite nicht mehr abbezahlen konnten.

Sklaven in Suriname
Für die Sklaven - ihre Zahl wird für die Zeit um 1800 auf 50.000 geschätzt - hatten diese Ereignisse wenig Auswirkungen. Sie waren weiterhin gezwungen, auf den Plantagen zu arbeiten. Es waren die von 1799 bis 1816 über Suriname herrschenden Briten, die im Jahr 1806 den Import von Sklaven aus Afrika verboten. In der Folge ging die Sklavenbevölkerung zurück, denn sie bestand zu zwei Dritteln aus Männern und eine Selbsterhaltung war somit nicht möglich. Zudem entlief ein Teil der Sklaven. Der Kampf der Kolonialregierung gegen die von ihnen gebildeten eigenen Gemeinschaften blieb erfolglos, und so blieb kein anderer Weg, als mit diesen Marrons oder Buschnegern Verträge abzuschließen, um die Plantagen vor weiteren Überfällen zu schützen (Näheres hierzu im Abschnitt „Befreiung aus eigener Kraft: Die Marrons“). 1863 schafften die Niederländer, als letzte europäische Nation, die Sklaverei ab. Es sollte jedoch noch bis 1873 dauern, bis man auch von einer faktischen Freiheit sprechen konnte, da erst in diesem Jahr die Pflicht der Ex-Sklaven entfiel, jährlich Arbeitsverträge mit den Plantagenbesitzern abzuschließen.


Kulie-Anwerbung und wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Um den folgenden Mangel an Arbeitskräften auszugleichen, wurden Plantagen zusammengelegt; ihre Zahl sank zwischen 1862 und 1913 von 216 auf 79. Die Erntemenge des Hauptprodukts der Kolonie Suriname, Zucker, blieb hiervon unberührt und über Jahrhunderte beinahe konstant. Die Produktion von Kaffee, Kakao und Baumwolle wurde allerdings weit gehend eingestellt.
Auch wenn die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft immer mehr sank, richtete sich die Kolonialpolitik weiterhin auf die Förderung dieses Sektors. Nach Ende der Sklaverei wurden, ähnlich wie in Niederländisch-Indien, Kulies angeworben. Sie verpflichteten sich für einen Zeitraum von fünf Jahren zur Arbeit auf den Plantagen; danach stand es ihnen frei, nach Hause zurückzukehren. Rund 30.000 Einwohner Britisch-Indiens und 33.000 Javaner kamen auf diesem Wege nach Suriname, wo sich zwei Drittel von ihnen dauerhaft ansiedelten. Die Immigration aus Indien beendete 1916 ein nationalistischer Aufstand, der sich gegen die Kulie-Anwerbung richtete, die Einwanderung aus Java versiegte aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Plantagen. Abgesehen von der Plantagenwirtschaft bestanden in Suriname wenig Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung. Goldfunde verschafften einem Teil der ehemaligen Sklaven neue Arbeit, ein anderer fand eine Anstellung im wachsenden Regierungsapparat. Von einer industriellen Entwicklung des Landes konnte nur in sehr bescheidenem Maße die Rede sein.

14.01.2016

Chapter 4: The plantations and their products.

LIFE IN THE SHADOWS
THURSDAY, JULY 17, 2008

Chapter 4: The plantations and their products.

The layout of the plantations.


The Surinam agricultural system was shaped and dominated by the plantation and, since agriculture was the mainstay of the colony, so were the economical and social structures. One cannot maintain that Surinam was eminently suitable for plantation agriculture, but that was the onlyprofitable activity it was suitable for.

Eric Wolf and Sidney Mintz have sketched the general conditions necessary for plantations to flourish:
(1) a technology adequate for the creation of a surplus, that is to say, the possibility to profit from the economies of scale;
(2) a certain measure of class stratification, to keep the underprivileged from gaining access to production factors and to help diverting the surpluses solely to members of the elite;
(3) the possibility of production for an outside market: since the plantation was specialized in the production of a single commodity, it could not depend on the internal market of the colony, but had to produce firstly for the motherland and secondly for the international market;
(4) the ability to accumulate sufficient capital for the large investments plantation agriculture usually entailed;
(5) a political-legal system that supports the operations of plantations, which had three functions (a) to permit the planters to procure the land and workers they needed; (b) to establish a political and legal setting stimulating for the growth of the plantations; (c) to provide the means for transferring the surpluses.

In Surinam, most of these preconditions were adequately met initially. Because the Dutch had been instrumental in dispersing sugar technology all over the Caribbean, the Surinam plantations certainly met the prevailing standards. Since the colony was conquered territory and opted for slavery, the class stratification was introduced automatically. Holland provided an lucrative market for the products of the plantations and was even able to absorb much more than Surinam could produce (the colony never supplied more than 1/3 of the sugar and 1/2 of the coffee needed). The Dutch merchants were willing to invest the profits of their commercial ventures in colonial enterprises and furthermore, Surinam managed to draw wealthy immigrants who could finance the establishment of plantations with their own means. As property of the Society of Surinam, the whole political-legal system of the colony was geared to plantation agriculture. However, even though the conditions were ideal from this point of view, the expansion of the plantations was handicapped by a chronic lack of workers and a limited amount of fertile grounds (which often needed extensive water works, leading to high production costs). In the late 18th and 19th centuries, moreover, the conditions deteriorated considerably. Surinam lagged behind in technological innovation; capital investments were diverted to other colonies; the Dutch government showed little interest in facilitating plantation agriculture and the scarcity of workers became even more acute. No wonder that Surinam could no longer be a serious competitor in the world market and not even in the Dutch market.

In 1651, the English pioneers started from scratch. Nevertheless, the number of plantations grew fast (to 175) during the few years their hegemony lasted. It dropped dramatically (to 107) after the Zeelanders had taken over, but during the government of Cornelis van Aerssen, the plantations recouped their former territory and until the end of the 18th century, they steadily increased in number, although a good part of the old terrains had already been abandoned. The 19th century saw a process of decline and concentration.

The English did not experiment with small-scale subsistence farms, as they had done in Barbados, but started with laying out full-size plantations at once, although the less affluent pioneers limited themselves to provision grounds and tobacco farms. The Zeelanders inherited a plantation system almost bankrupted by the departure of most of the English planters and slaves and in their desperation to fill this void, they resorted to near anarchy in the distribution of grounds for cultivation. Once the Society of Surinam had taken over the rudder, however, the laying out of the plantations happened systematically and orderly.

Contrary to the situation in other mainland colonies, the way the plantations could expand in Surinam was severely limited by the peculiarities of the landscape. The plantations were depended upon the rivers to provide water power and transportation facilities and the land had to be divided under strict control to make sure everyone would get a fair share of the land along the riverbanks. In this sense, the view of Surinam as a ‘frontier society’ is not entirely accurate. Later arrivals could not get all the land they wanted and existing plantations were unable to expand freely. Nevertheless, a situation of 'open resources' had prevailed during the crucial period of initial colonization, when the economical and social foundations of the colony had been laid.

Plantations seeking additional terrains had to expand their operations further inland and so developed a rectangular shape. Aspiring planters were allowed to stake their claim wherever they found suitable soil. When they went looking for a desirable location, they preferred to go in “the most heavy Rainy Season when one has to wade through the forest with water coming up to the Waist Yes to the Neck because only then one can See which lands Stay above water [and] which Drown”.

The English were forced to limit their plantations to the higher sandy grounds along the upper part of the Suriname and Para rivers, because they did not know how to drain the swampy lowlands. The Dutch, on the contrary, encountered a familiar landscape there, that could be conquered with the proven technique of inpoldering, a craft they had thoroughly mastered in their homeland. This way, the Lower Suriname and Lower Commewijne divisions were added to the plantation area in the late 17th and early 18th centuries. In the middle of the 18th century, the Cottica and Orelane regions were incorporated, followed in later years by the districts of Matapicca and Warappa, between the Commewijne and the coast. Some planters in the highlands shifted the focus of their operations to the lowlands, but nevertheless retained their former estates, even though they were not productive anymore. These show up on the maps as well, so the number of functioning plantations may ocassionally have been overstated in archival sources.

On the initiative of Governor Friderici (1790-1802), the first grounds along the Saramacca River were given out in the 1790’s, beginning with his own plantations La Prevoyance and Catharina Sophia. However, this part of the colony never boasted the flourishing settlements he had hoped for: barely fifty years later, most of the plantations had been deserted and the projected town of Columbia had never materialized. The first plantations in the Nickerie district were established in 1797. Coronie (then called Upper Nickerie) followed in 1808. Many Scottish and Irish planters settled there and, after the abolition of slavery in the English colonies, planters form Barbados and other islands as well, giving these districts an atmosphere totally different from that of the old plantation area. Quintus Bosz found that a large part of the concessions given out between 1799 and 1802 had already been deserted by 1809, partly because the owners could not get sufficient slaves as a result of the English occupation.

Plantation uprisings / Judges, Masters, Diviners: Slaves’ Experience of Criminal Justice in Colonial Suriname

Chapter 14: To rise or not to rise.




The opportunities for a large-scale slave revolt.

A casual observer of the 18th century Surinam slavery system might have predicted a development akin to that in Saint-Domingue. All the conditions for a large-scale rebellion by the black population seemed to be present in optima forma. Eugene Genovese has outlined the circumstances leading to a higher probability of slave revolt:
(1) The master-slave relationship had developed in the context of absenteeism and depersonalization as well as greater cultural estrangement of whites and blacks;
(2) economic distress and famine occurred;
(3) slaveholding units approached the average size of one hundred to two hundred slaves, as in the sugar colonies, rather than twenty or so, as in the Old South;
(4) the ruling class frequently split either in warfare between slaveholding countries or in bitter struggles within the slaveholding country;
(5) blacks heavily outnumbered whites;
(6) African born slaves outnumbered those born into American slavery (Creoles);
(7) the social structure of the slaveholding regime permitted the emergence of autonomous black leadership;
(8) the geographical, social and political environment provided terrain and opportunity for the formation of colonies of runaway slaves strong enough to threaten the plantation regime.”
It seems at first sight that the situation in Surinam fitted this model rather well.

Absenteism and cultural estrangement.

Absenteeism was rampant in Surinam. Apart from the earliest period, few Surinam planters lived on their estates. They preferred to reside in Paramaribo and in many instances, it took them days to reach their plantations by boat. Consequently, they were only dimly aware what went on there most of the time. The majority did not seem to be very interested anyway. They were driven by an animus revertendi, a desire to return to their homeland with their fortune made. In many instances, their eagerness for maximum profit overrode any humanitarian concerns they might have had. As the saying goes in Holland: what one does not know does not hurt. The Surinam plantation owners preferred not to know. After the Amsterdam stock-exchange crisis of 1773, the situation worsened. Many of the new plantation owners were Dutch investors, who had little knowledge of agriculture and who only tried to recoup their losses as much as possible. They gave free reign to callous administrators and directors. The latter, in the 17th and 18th centuries especially, were mostly recruited from the lower rungs of white society, in particular from the ranks of former soldiers and sailors. Accustomed to harsh discipline themselves and obliged to deliver a maximum crop by their patrons, they were not unduly bothered by altruistic feelings either. So, Surinam exhibited the classic features of too much absenteeism.

Just as important was the fact that masters and slaves had totally different cultures, with only limited influence on each other. This was partly the result of the fact that the bondsmen formed a large numerical majority and spent most of their time with little or no white supervision. However, it was also partly the result of a deliberate policy of the whites. Being such a tiny minority, they were in danger to be swallowed up by their subjects: biologically through miscegenation and culturally through ‘negroization’. Therefore, they strove to keep people of color apart from white society and to keep some cultural accomplishments exclusively their own, in particular those with a ‘boundary defining character’ (like language and religion). The whites jealously guarded these: they did not want their slaves to speak Dutch, or to become Christian. In later times, they relented a bit and saw some advantage in converting slaves to Christianity, but by then it did not matter anymore.

Economic distress.

Surinam has shown the characteristics of a volksplanting only for a very limited period. By the time slavery became entrenched, it was already clear that Surinam would be an exploitation colony par excellence, geared to produce commodities for the world market and largely oblivious to the needs of its own population. One result of this attitude was the fact that production for the home market was often neglected. This was the case with timber, for example: Surinam had an abundance of high quality wood, but people were often forced to import timber from the United States to build their houses. It was even more apparent in the production of food. All through the slavery era, there were plantations that specialized in the cultivation of victuals, but most of their products went to Paramaribo and they never produced sufficient quantities anyway. Especially during the early period, the lowland planters preferred to put all their energy into the cultivation of cash crops, hoping that they would be able to buy the foodstuffs they needed for their slaves at home or abroad. Often this was indeed possible, but when droughts, floods, or other calamities resulted in a particularly meager crop, the slaves went hungry. Some planters were even forced to let them fend for themselves in the forest. In the 18th century, the situation improved somewhat because the coffee grounds often produced more plantains than they had use for, but even then, many planters could buy only a minimal amount of food –just enough to keep their slaves from running away or being unable to work. The ‘frugality’ of the planters was even more visible in the distributions of ‘luxuries’ as meat, fish, salt, tobacco and clothes. These always had to be imported, which drove up the prices, and they were often unavailable when the trade routes were cut off during one of the many wars that plagued the Caribbean during this period. However, it was not only stinginess that withheld food and clothing from the slaves: in later times, many plantations fared so badly that they could hardly afford the barest necessities.

In the eyes of many people, even the inhabitants, 18th century Surinam was the epitome of a prosperous plantation colony. In the early part of the century, when the prices of the commodities it produced were high, this was indeed the reality. Money poured in and the planters were quick to spend it in the most conspicuous manner possible. The apparent prosperity made the planters eligible for ample credits and generous loans and this enabled them to maintain a high level of consumption a few decades longer. However, during the latter part of the 18th century, Surinam lived far above its station. The conditions for plantation agriculture were not exactly ideal. Land was plentiful, but land suitable for plantations was not and it had to be prepared by a costly procedure. Slaves were hard to come by and the fact that Surinam was located outside the main trade routes made them very expensive. As a result, the production costs compared unfavorably with those in other parts of the Caribbean, especially the French colony Saint-Domingue and (in later times) the Spanish colony Cuba. Fortunately, the Dutch market could absorb all of Surinam’s production (in fact much more).

In the 19th century, the number of plantations fell drastically and the remaining ones barely survived by a process of shifting to sugar, modernization of the production and much subsidy (mostly by hapless stockholders, who wasted the chance to invest their money more productively in the Netherlands). What it boils down to, is that Surinam has been a genuinely prosperous colony only during a few decades: it merely managed to give that impression a while longer because of high prices in the developing world market and the misuse of credit that was never paid back. Economically speaking, the situation of most Surinam plantations for most of the time was precarious and only in favorable circumstances the slaves were not victimized by this.


A predominance of large plantations.

During most of the slavery era, sugar plantations formed the majority of Surinam estates. They were condemned to a certain minimum size to make it possible to exploit an expensive sugar mill profitably. In the early period, when most of these mills were simple, animal-driven constructions, Surinam plantations could be small: a force of 10 to 20 slaves was not unusual. However, when water mills (and in later days steam mills) came in vogue, the production capacity increased and additional slaves were needed. Plantations with more than a hundred bondsmen became the norm in the 18th century. Even the coffee grounds, though much more flexible in the number of hands they employed, were comparatively large. In other plantation colonies, they were often relegated to marginal lands, but in Surinam, they took up some of the most fertile grounds, especially in the Commewijne district. Their overall size was somewhat smaller than that of sugar plantations, but they had more land under permanent cultivation. In the United States, planters owning more than 100 slaves tended to split up their holdings into several independent units, because it made supervision easier and the cotton plantations that predominated there hardly profited from the economies of scale. In Surinam, on the other hand, the few plantations specializing in cotton belonged to the largest in the colony.

While the coffee grounds lost terrain in the latter part of the slavery era, the remaining sugar estates grew in size steadily through a process of concentration: many 19th century estates boasted 200 to 400 slaves. Although this did not facilitate close supervision (which had never been a prime concern for many Surinam planters anyway), it made technological innovation -on a modest scale- possible. For the slaves, this process of concentration held little promise and they often protested the fusion of slave forces vehemently. With regard to the United States, it has often been maintained that the treatment of slaves was much better on small units than on larger ones. In Surinam, size seems to have made little difference. The slaves on large plantations were in some ways better off: they had less supervision and fewer problems to recruit the personnel for a large-scale rebellion.

02.01.2016

28.12.2015

De planter van Paramaribo

De planter van Paramaribo. Eduard Gerdes (1891).
Posted by Carl Haarnack in 19th century books, Children's Books, Dutch books, German books
≈ Comments Offon De planter van Paramaribo. Eduard Gerdes (1891).

De planter van Paramaribo, in: Agathos, of de wapenrusting Gods. E. Gerdes. Utrecht: J.H. van Peursem, 1891.

De lezers die deze blog al langer volgen herinneren zich misschien nog het stuk over Der pflanzer von Paramaribo (18 december 2011). Dit verhaal vond ik in een verhalenbundel voor de jeugd Aus fernen Welten. Geschichten und Bilder für die Jugend geschrieben (1891). De samensteller van deze bundel was A.H. Fogowitz maar het is zeker dat hij niet de auteur van dit verhaal was. Uit onderzoek weten we dat dit verhaal in ieder geval teruggaat tot 1833. Toen verscheen het in Bohemia: oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände (Nummer 1; no. 76; 25 juni 1833). In 1842 verscheen dit verhaal ook in ’Der Aufmerksame, ein Unterhaltungsblatt’. Hierin wordt gemeld dat dit gebaseerd is op een waar verhaal uit 1786. Verwezen wordt naar een Engels origineel van G.A. Dorn. En in 1872 duikt het verhaal op in een krant in Nieuw-Zeeland onder de titel: Only a nigger. In mijn promotie-onderzoek naar de representatie van Suriname in Duitse literatuur zal ik verder ingaan op de ontstaansgeschiedenis en achtergrond van dit merkwaardige verhaal.



Maar ik kan mij niet bedwingen nu alvast een bijzondere vondst met u te delen. Afgelopen vrijdag kreeg ik op de boekenmarkt op Het Spui in Amsterdam bij de kraam van Antiquariaat De Klikspaan (uit Leiden) een klein papieren boekje met gele omslag in mijn handen gedrukt: Agathos of de Wapenrusting Gods. De antiquaren van De Klikspaan, sinds jaar en dag belangrijke leveranciers van de collectie Buku Bibliotheca Surinamica, kennen mijn interessegebied en ik vermoedde direct iets bijzonders in handen te hebben. Toen ik de auteursnaam E. Gerdes zag staan wist ik dat er een link met Suriname moest zijn. Eduard Gerdes (1821-1898) was geboren in het Duitse Kleef en verhuisde op jonge leeftijd naar Amsterdam. Hij werd opgeleid tot predikant en werkte onder de arme arbeidersgezinnen op Kattenburg en Wittenburg. Dat ligt op een steenworp afstand van de plek waar de Buku collectie zich bevindt. Gerdes behoorde samen met P.J. Andriessen tot de belangrijkste kinderboekenschrijvers van de 19e eeuw. In 1867 verscheen van zijn hand De kanten Zakdoek. Een verhaal uit den ouden tijd. Dit kinderboek dat deels in Suriname speelt is vele malen herdrukt en moet bijzonder beeldbepalend zijn geweest voor vele generaties Nederlandse jeugdigen.

29.09.2015

Koloniale Erfahrungen

Koloniale Eroberung und Sklavenschinderei

Kaart-Berbice-plantages-langs-rivieren-Berbice-Canje

Berbice Colonists 1794

Die Schweiz hatte keine Kolonien, aber Welthandelshäuser


 Neue Recherchen zeigen, dass vor allem Basler Unternehmen am internationalen Sklavenhandel beteiligt waren. Die Geschichte eines Dreiecksgeschäfts. Von Ewald Billerbeck
Weisse Herren, schwarze Fracht
Wenn vom Kolonialwarenlädeli die Rede ist, kommt Gemütlichkeit auf. Die gute alte Zeit. Doch der Begriff Kolonialwaren ist historisch in einem reichlich ungemütlichen Umfeld angesiedelt: dem Sklavenhandel.
9.5.2004

Wenn vom Kolonialwarenlädeli die Rede ist, kommt Gemütlichkeit auf. Die gute alte Zeit. Doch der Begriff Kolonialwaren ist historisch in einem reichlich ungemütlichen Umfeld angesiedelt: dem Sklavenhandel.

Schauplatz Nantes, im 18. Jahrhundert. Die bretonische Atlantikstadt ist für die Grossmacht Frankreich wichtigster Hafenplatz im Überseehandel. Im vorgelagerten Paimbœuf wird ein Schiff mit teurer Ware beladen. Die Hafenarbeiter schleppen Ballen feinster Seide, verschiedene Baumwollstoffe und Indienne-Tücher unter Deck. Die leichten, mit farbiger Orientalornamentik bedruckten Indiennes aus Baumwolle sind gross in Mode. In Stückzahlen von mehreren Tausend kommen weitere europäische Güter hinzu, Scheren, Essbesteck, Krüge, Porzellanwaren; in Fässern oder Flaschen Branntwein, Likör und Weine. Auch Waffen in grosser Zahl werden an Bord gebracht, Dolche, Gewehre, Schiesspulver, Blei.

Für dieses Unternehmen mit kostbarer Ladung braucht der Reeder potente Teilhaber; solche, die bereit sind, die Risiken auf hoher See und fernen Märkten einzugehen. Mehrere Firmen partizipieren als Ausrüster und Financiers, zeichnen Anteilscheine und hoffen auf Gewinn. Mit Aufwand heuert der Kapitän eine zuverlässige Mannschaft an; sie ist grösser als üblich. Auch ein Chirurg befindet sich an Bord, als das Schiff in Nantes ablegt und mit Ziel Afrika ausläuft, wo sich in Cape Coast (im heutigen Ghana), in Vieux Calabar (Nigeria) und anderen westafrikanischen Küstengebieten grosse Sklavenmärkte befinden.
Kräftige, schöne Sklaven

In Afrika werden die Waren gegen Menschen eingetauscht. Die Händler betrachten es als ein Geschäft von Ware gegen Ware; die begehrten Tücher, die Waffen und anderen Schiffsgüter gegen die aus dem Hinterland angeschleppten, in Küstenforts gefangen gehaltenen und zwischengelagerten Schwarzen. Man begutachtet die Qualität der Männer, Frauen und Kinder für ihre künftige Verwendung. Gesundheit, kräftige Konstitution und Schönheit sind Kriterien bei der Preisgestaltung, sie bestimmen den Profit beim späteren Verkauf als Sklaven. Zur Geschäftsförderung beim Warentausch werden die Menschenhändler auf dem westafrikanischen Markt zusätzlich mit Geschenken aus Frankreich geködert; Gefälligkeiten helfen zudem gegen die Konkurrenz anderer Handelsschiffe vor Ort, namentlich jener unter englischer Flagge. Und jetzt nimmt auch der Chirurg seine Aufgabe wahr. Er untersucht die vorgeführten nackten Schwarzen, beriecht Schweiss und Urin, tastet mit den Fingern Geschlechtsteile, Brüste und After ab. Dann wird der Menschenware mit einem glühenden Eisen das Schiffszeichen am rechten Arm eingebrannt - unauslöschliches Zeichen für das Los der Sklaverei.