20.01.2011

Gestaltgesetze: Figur-Grund-Beziehung

Figur und Grund

     
    Nach Ansicht der Gestaltpsychologen ordnet die menschliche Wahrnehmung optische Sinneseindrücke in die Kategorien Figur und Grund. Nehmen wir an, wir liegen auf einer Waldlichtung und beobachten ein vorbeifahrendes Auto. In dieser Szenerie bildet die Landschaft den (Hinter-)Grund. Das vorbeifahrende Auto hebt sich als Figur von ihr ab.


Zu den Eigenschaften von Figur und Grund gehören (Goldstein, 2002):
- Eine Figur wirkt dinghafter. Man behält sie leichter im Gedächtnis als den Hintergrund.
- Die Figur steht vor dem Hintergrund. Der Hintergrund erstreckt sich hinter der Figur und wird als ungeformtes Material gesehen.
- Konturen, die eine Figur vom Hintergrund trennen, werden als Teil der Figur wahrgenommen.

Kritisch für die Wahrnehmung von Inhalten wird es dann, wenn die Unterscheidung in Figur und Grund nicht eindeutig funktioniert. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind die so genannten Kippfiguren: Je nachdem, ob man sich auf die schwarzen oder weißen Farbflächen konzentriert, erscheint ein anderes Bild. So sehen Sie links entweder eine Vase oder zwei Gesichter. Die Wahrnehmung oszilliert zwischen diesen beiden Eindrücken. Für ein gelungenes instruktionales Design ist daher eine deutliche Trennung von Figur und Grund zu berücksichtigen, damit funktionale Einheiten von den Studierenden auch als solche wahrgenommen werden können.    

Doch nach welchen Eigenschaften unterscheiden wir zwischen Figur und Hintergrund? Dies lässt sich nicht pauschal beantworten, da hierbei weitere Gestaltgesetze eine Rolle spielen können. Allgemein neigen wir dazu, symmetrisch geformte Bereiche als Figur wahrzunehmen. Auch konvexe (nach außen gewölbte) Bereiche werden eher als Figur wahrgenommen. Wir tendieren dazu, kleinere Gestaltkomponenten eher als Figur wahrzunehmen als größere. Selbst die Orientierung der Komponenten spielt eine Rolle, vertikal oder horizontal ausgerichtete Flächen werden mit größerer Wahscheinlichkeit als Figur wahr genommen.


 

Links: Die beiden identischen Konturen verlaufen parallel.
Mitte: Spiegelt man eine der Konturen symmetrisch wird eher der Eindruck einer holistischen Figur vermittelt.
Rechts: Hier wird der Eindruck einer Figur noch mehr verstärkt, weil eine konvexe Gestalt erkannt wird.

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