Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde
Band (Jahr): 91 (1991)
Koloniale Erfahrungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts
Die Plantagen der Firmen Thurneysen aus Basel und Pourtalès aus Neuenburg auf der westindischen Insel Grenada von Nikiaus Röthlin
Der in der Aufklärung hoch angesehene Darsteller und Kritiker der Kolonien Guillaume-Thomas Raynal zieht am Ende seiner zehnbändigen «Histoire philosophique et politique des établisse¬ ments et du commerce des européens dans les deux Indes»' eine negative Bilanz über die Vor- und Nachteile, die die Entdeckung der Neuen Welt für Europa gebracht habe. Er rüttelt seine Leser vor allem durch die Schilderung der Raffgier und der Grausamkeiten auf, die mit der Eroberung und Ausbeutung der neuentdeckten Län¬ der verbunden waren. Sein Urteil gipfelt in Feststellungen und Fra¬ gen wie «L'Europe doit au Nouveau-Monde quelques commodités, quelques voluptés. Mais avant d'avoir obtenu ces jouissances, étions- nous moins sains, moins robustes, moins intelligens, moins heureux? Ces frivoles avantages, si cruellement obtenus, si inégalement par¬ tagés, si opiniâtrement disputés, valent-ils une goutte du sang qu'on a versé & qu'on versera?2» Viele Zeitgenossen griffen Raynals Gedanken eifrig auf und verbreiteten sie weiter. So betont etwa Justin Girod-Chantras am Schluss seines «Voyage d'un suisse dans différen¬ tes colonies d'Amérique»1 die Nachteile für die damaligen Kolonialmächte und prangert den Sklavenhandel an. Er lobt seine Heimat, weil sie in keine solchen Abenteuer und Verbrechen verstrickt war, und fragt den Leser: «Comptera-t-on pour des biens quelques pro¬ ductions dont on ne peut se pourvoir sans détruire plusieurs peuples à la fois, qu'un luxe insatiable demande & que l'humanité refuse, qui ne nourissent personne & qui coûtent la vie à un si grand nombre d'infortunés4?»
Die Kaufleute dachten über die Kolonien anders. Die Entdeckungen hatten ihnen ein sich ständig erweiterndes Betätigungsfeld eröffnet. Der Handel mit den neuen Ländern war zwar mit vielen Risiken verbunden. Bei Gelingen warf er aber grossen Gewinn ab und zog darum immer wieder neue unternehmungslustige Leute an. In der ersten Zeit führte man aus Übersee vor allem Edelmetalle, Gewürze, Korallen, Perlen und ähnliche exotische Güter ein. Mit der Entwicklung der Kolonien und dem Aufbau der von Negersklaven bewirtschafteten Plantagen bezog man aus der Neuen Welt immer grössere Mengen an Zucker, Kaffee, Tabak, Gewürzen, Baumwolle, Indigo und anderen Kolonialwaren. Dafür versorgte man die Siedler in Übersee mit wichtigen Gütern aus den Mutterländern. Das Verhältnis zwischen den Kolonien und Europa führte im Lauf des 18. Jahrhunderts zu einer engen wirtschaftlichen Verflechtung.
Der Handel mit Kolonialwaren wickelte sich über die Hafenstädte Spaniens, Hollands, der französischen Atlantikküste und zunehmend auch Englands ab. Von dort gelangten die Güter auf manchmal lan¬ gen Wegen und über verschiedene Kaufleute zu den Verbrauchern in ganz Europa. Die Bedeutung des Kolonialhandels nahm im 18. Jahrhundert laufend zu. Auch viele Schweizer Kaufleute in Basel, Genf, Neuenburg, Schaffhausen, St. Gallen, Zürich und an kleineren Orten lebten davon. In Basel etwa bestanden um 1743 laut einem nur die bedeutenderen Firmen nennenden Adressbuch1 zwölf solche Handelshäuser. Das «Basler Handlungs-Schema» von 1789' verzeichnet sechsundsiebzig «Droguisten en gros & en détail». Darunter findet man neben kleinen Apothekern und Spezereihändlern eine ganze Reihe von Firmen, die auch unter den dreiundzwanzig «Banquiers, Commissions-Speditions und Speculationshandlungen» aufgeführt sind. Solche Handelshäuser mit engen, weitreichenden Beziehungen zu anderen wichtigen Städten konnten grosse Gewinne erzielen dank ihren Wechsel- und übrigen Geldgeschäften, vermittelnden Kommissionen für andere Kaufleute, der Spedition fremder Güter und der Spekulation mit Kolonial- und sonstigen Waren.
Der Kolonialhandel war lange von grossen, mit staatlichen Privilegien unterstützten Gesellschaften oder Kompanien in England, Holland und Frankreich beherrscht und über Monopole gelenkt. Ihr Niedergang im Lauf des 18. Jahrhunderts brachte den Kaufleuten grössere Bewegungsfreiheit. Bei der französischen Compagnie des Indes zum Beispiel war dieser Verfall seit den späten 1760er Jahren im Gange und führte zum Verlust ihres Handelsmonopols7. Rasch traten auch einzelne Schweizer Kaufleute in den französischen Atlantikhäfen auf und beteiligten sich am freizügiger gewordenen Handel mit den Kolonien. Andere liessen sich in London, Amsterdam, Kopenhagen und in weiteren Hafenstädten nieder oder unter¬ hielten noch häufiger ohne eigene Filiale enge Geschäftsbeziehungen im grossen Stil zu bedeutenden Firmen in verschiedenen solchen Handelszentren". Von dort aus beteiligte man sich an Schiffsladungen (armements), die mit europäischen Gütern wegfuhren und mit den begehrten Kolonialwaren zurückkehrten, und verdiente auch an den dafür nötigen grossen Versicherungs- und Bankgeschäften. Es war nur der letzte, gewagte Schritt, wenn vereinzelt auch Schweizer Kaufleute Plantagen in Übersee kauften''. Man wollte so die Gewinnung der in tropischen oder subtropischen Gegenden wachsenden Güter und deren Verkauf in einer Hand vereinigen, wie dies die «marchandsfabriquants» bei der Produktion von Waren für den Export mit Erfolg machten. Ein vorsichtiger Kaufmann riskierte allerdings sein Geld nicht allzu einseitig in solchen Plantagengeschäftcn, sondern betrachtete sie nur als eine mögliche gewinnträchtige Investition neben verschiedenen anderen.
Schon die Quellen aus dem 17. Jahrhundert nennen in holländischen Diensten stehende Schweizer in den ost- und westindischen Kolonien. Der Basler Johann Heinrich Sulger zum Beispiel hat eine lesenswerte Reisebeschreibung hinterlassen, in der auch anschaulich und noch ohne Kritik von den Greueln an indonesischen Eingeborenen zur Durchsetzung des holländischen Pfeffermonopols die Rede ist"'. Zumindest im niederländischen Machtbereich waren offenbar die Genfer Firmen François Fatio & fils und Jean Baptiste Fatio & fils um 1700 die ersten nachweisbaren Schweizer Plantagen¬ besitzer. Als «marchands-banquiers» bildete ihre Beteiligung an einer Plantage auf Surinam eine Kapitalanlage neben breit gefächerten anderen Handels- und Bankgeschäften".
Besonders interessant ist die Verbindung verschiedener Mitglieder der Basler Familie Faesch mit Amsterdam und den niederländischen Kolonien. Johann Rudolf Faesch war schon vor 1713 in Amsterdam als Kaufmann niedergelassen, und sein Bruder Isaak Faesch machte im Dienst der Westindischen Kompanie Karriere als Gouverneur auf der Insel Curaçao. Weil ihm kaufmännische Nebeneinkünfte unter¬ sagt waren, arbeitete er mit seinem Basler Begleiter Johann Jakob Hoffmann zusammen. Ein Kopierbuch mit gegen zweihundertachtzig französisch und holländisch geschriebenen Geschäftsbriefen aus den Jahren 1740 bis 1742 gibt wertvollen Einblick in ihre Handelstätigkeit12. Als Hoffmann ina Frühling oder Sommer 1742 das Geschäft dem Neffen des Gouverneurs Johann Rudolf Faesch dem Jüngeren übergab, bemerkte er vor seiner Heimreise nach Europa: «J'estime un jeune homme qui a de quoi travailler en Europe infiniment plus heureux dans son sort que le premier marchand de l'Isle de l'Amérique où les fortunes ne se font plus si rapides".» — Die Brüder johannes und Johann Jakob Faesch zogen in den 1740er Jahren aus Basel nach Amsterdam und betätigten sich im Kolonialhandel. Durch ihre Ehen mit den beiden Töchtern des Daniel de Hoy wurden sie Erben dieses reichen Plantagenbesitzers auf Surinam. Die grösste Plantage Hoyland gehörte den Nachkommen von Johann Jakob Faesch fast hundert Jahre lang14. Aus Zürich gelangten zuerst einzelne Falliten und andere zu Hause Gescheiterte nach Ost- und Westindien. Bescheidene direkte Handelsbeziehungen ergaben sich erst in den beiden letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts dank der Vermittlung von Samuel Kitt, der nach einem Konkurs nach Saint-Eustache ausgewandert war'\
Eindrücklich ist das Schicksal des Johann Konrad Winz, den es nach einem Konflikt mit der Zürcher Obrigkeit und seiner Verbannung aus Europa 1784 nach Surinam verschlagen hatte. Er wurde dort gut beraten und unterstützt durch einen Bündner und ein Mitglied der St. Galler Familie Züblin, die dort eine Plantage besass. Nach schweren Jahren kam er als Verwalter einer Plantage und dank erfolgreicher Spekulation in Kolonialwaren zu Wohlstand und konnte sich 1802 in Schaffhausen niederlassen"'. Die Geschäftstätigkeit des Winterthurers Jacques Bidermann und des Zürcher Bankhauses Usteri, Ott, Escher & Co. zeigen, in welche wirtschaftliche und politische Strudel man am Ende des 18. Jahrhunderts mit solchen nach Ost- und Westindien ausgreifenden Projekten geraten konnte17. In den umfangreichen Akten des von der Genfer Obrigkeit eingesetzten «Comité des faillites» sieht man etwa, wie die Zerrüttungen und Umwälzungen in der Zeit der französischen Revolution gerade solchen auf Geld- und Spekulationsgeschäfte im grossen Stil ausgerichteten Kaufleuten zu schaffen machten'".
Zum Kreis solcher mit Erfolg in verschiedenen Bereichen tätigen Handelshäuser gehörten auch die Firmen Thurneysen aus Basel und Pourtalès aus Neuenburg. Zur Tätigkeit des Johann Jakob Thurneysen (1729—1784) lässt sich wenig sagen, weil keine privaten Akten erhalten geblieben sind. Er gehörte zu den grössten Bandfabrikanten der Stadt1'' und pflegte noch weitere Geschäftszweige. So liess er auf dem Schwarzwald offenbar Hunderte von Arbeitern Florettseide2" spinnen und befasste sich daneben mit Bankgeschäften sowie mit dem Kommissions- und Spekulationshandel2'. Seine Beziehungen in den englischen Wirtschaftsraum müssen bedeutend gewesen sein, denn Johann Jakob Thurneysen hatte sich zur Erleichterung der Geschäftstätigkeit sogar naturalisieren lassen. Er war Mitglied des Direktoriums der Kaufmannschaft, also der Basler Handelskammer, und stieg im politischen Leben vom Grossen über den Kleinen in seinem Todesjahr sogar in den Geheimen Rat auf22. Er gehörte damit zur politischen und wirtschaftlichen Führungsschicht der Stadt
und war ein entsprechend angesehener Kaufmann. Sein Sohn gleichen Namens (1763-1829) führte das Geschäft bis 1789 mit der Mutter und Johann Zaeslin-Thurneysen, und von dann an zusam¬ men mit diesem Schwager weiter. — Über die Neuenburger Firma des Jacques-Louis Pourtalès (1722-1814) weiss man wesentlich mehr dank dem sehr umfangreichen Geschäftsarchiv23. Die Firma Deluze et Meuron, an der er sich 1747 beteiligen konnte, befasste sich mit dem Zwischenhandel aus Frankreich ins Reich. Wahrscheinlich war er mit diesen herkömmlichen, noch über die grossen Messen abgewickelten Geschäften nicht zufrieden. Er begann daneben auf eigene Rechnung, sich im damals aufkommenden Indiennes-Handel zu betätigen. In seiner 1753 gegründeten eigenen Firma stand die Einfuhr der Baumwollstoffe aus den Kolonien, das Bedrucken mit modischen Mustern und deren Weiterverkauf im Mittelpunkt24. Die damit verbundenen finanziellen Transaktionen führten zu bedeuten¬ den Bankgeschäften, die rasch in das internationale Beziehungsgeflecht hineinwuchsen. Pourtalès betrieb den Kolonialhandel, wozu auch die Baumwolle und die daraus gewobenen Tücher zählten, mit weit ausgreifenden Unternehmungen über die französischen Hafenstädte, London und Hamburg hinaus bis nach Philadelphia, Konstantinopel, ja sogar bis nach Indien und auf die westindischen Inseln. Der 1771 erfolgte Kauf von vier Plantagen (eine für Kaffee und drei für Zucker) auf der westindischen Insel Grenada drängte sich weder für Johann Jakob Thurneysen noch für Jacques-Louis Pourtalès von ihrer übrigen Tätigkeit her auf. Man kann ihn nicht als notwendige Erweiterung oder Abrundung der Geschäfte ihrer Firmen ansehen. Es handelte sich dabei vielmehr um eine ausgesprochene Spekulation mit etlichen Risiken, die beträchtlichen Gewinn, aber auch empfindliche Verluste bringen konnte. Pourtalès tätigte den Kauf denn auch nicht für seine Firma in Rücksprache mit seinen stillen Teilhabern, sondern legte so einen Teil seines privaten Vermögens an2'. Neben seinem bedeutenden und sicheren Immobilienbesitz in Neuenburg und dessen Umgebung nehmen sich die Plantagen als Kapitalanlage auf den ersten Blick etwas abenteuerlich aus. Auch Thurneysen wird nur einen gewissen Teil seines Geldes auf die weit entfernten und schwer kontrollierbaren Plantagen haben.
Wie oben kurz angedeutet, waren sie nicht die ersten Schweizer, die sich auf ein solches Vorhaben einliessen. Zudem mögen sie von anderen Plantagenbesitzern in Frankreich oder England erfahren haben, was sie dabei etwa erwartete. Die beiden weitgereisten Kaufleute kannten die Verhältnisse in London und in den französischen Atlantikhäfen gut. Sie wussten, welche Gewinne man mit Kolonial¬ waren wie Zucker oder Kaffee machen konnte, wenn man sie selbst produzieren liess und dann auf dem englischen oder französischen Markt verkaufte. Die Statistiken der französischen Hafenstädte zeigen eindrücklich, welche Bedeutung der Kolonialhandel im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts hatte2''. Wegen eines Überangebots an solchen Gütern — darunter auch an Zucker und besonders an Kaffee - erlebten die Preise nach 1770 allerdings eine Baisse und erholten sich nach 1775 langsam wieder27. Die Preisbildung war ganz von der internationalen Konjunktur abhängig und entsprechenden Schwankungen unterworfen je nach Warenangebot und politischer Lage28. Frankreich betrieb auch nach dem Verlust vieler Kolonien ab 1763 eine gutgemeinte und eifrige Politik zur Förderung des Kolonialhandels. Wie häufig bei solchen absolutistischen Bemühungen um die Wirtschaft standen dabei Aufwand und Ertrag nicht immer im besten Verhältnis29.
Grenada gehörte damals zum englischen Kolonial- und Wirtschaftsraum, und die Verhältnisse am Londoner Markt waren für die beiden Investoren aus Basel und Neuenburg günstiger. Der Zucker spielte im englischen Kolonialhandel eine grosse Rolle"' und bildete die Grundlage im Austausch mit den westindischen Inseln11. Obwohl die Produktion zwischen 1740 und 1769 auf den West Indies um gegen achtzig Prozent stieg, erlebte der Zuckerpreis am Londoner Markt keinen besonderen Einbruch und stieg nach 1775 merklich an12. Die Besitzer von Zuckerplantagen lebten gewöhnlich in England und vertraten ihre Interessen zusammen mit den Kolonialhändlern recht erfolgreich". Den von ihnen 1745 gegründeten «Planters Club» würde man heute wohl als eine «Lobby» bezeichnen34, und sie hielten ihren Einfluss während Jahrzehnten aufrecht.
1761 etwa konnte man dreizehn Abgeordnete des Parlaments als ihnen nahestehend bezeichnen, und William Pitt war den wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit den West Indies besonders günstig gesinnt1'. So liessen sich Produktion und Handel mit Zucker im englischen Wirtschaftsraum dank Gesetzen (Molasses Act 1733, Sugar Duties Act 1764), abschreckend hohen Zöllen für die Konkurrenz und mit militärischen Massnahmen bei Aufständen der Sklaven oder bei politischen Spannungen einigermassen absichern. - Viele Zuckerplantagen litten unter häufigem Besitzerwechsel und Überschuldung. Unter besseren Bedingungen warfen sie aber ansehnliche Gewinne ab. Aufgrund einer Reihe gut dokumentierter Betriebe auf verschiedenen westindischen Inseln hat man die Rendite für das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts auf gut zehn bis fünfzehn Prozent geschätzt, je nach Preis des Zuckers und nach politischer Lage"'.
Johann Jakob Thurneysen und Jacques-Louis Pourtalès durften also hoffen, dass ihr Einsatz reichlichen Gewinn abwarf. Aber nicht nur private Kaufleute versuchten, die Fruchtbarkeit und die wirtschaftlichen Möglichkeiten der karibischen Inseln auszunutzen.
Auch die politischen Mächte rangen um deren Herrschaft, und ihre Geschichte ist entsprechend bewegt. Mit der Entdeckung fiel die Karibik an Spanien, das sich hauptsächlich um die grossen Inseln und um das Festland kümmerte. Auf den kleinen Inseln konnten sich andere Eigentümer breitmachen". So verwandelte sich Grenada im Lauf des 17. Jahrhunderts vom privaten Besitz eines Franzosen unter spanischer Oberhoheit in eine Französische Kolonie'". Nach 1650 wuchs in Europa die Nachfrage nach Kaffee, Tee, Kakao, Zucker und anderen früher unbekannten Gütern. Die karibischen Inseln waren für deren Anbau besonders geeignet und erlebten einen grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Wandel3''. Es entstanden die grossen Zuckerplantagen, die im Unterschied etwa zum Anbau von Tabak oder Baumwolle wesentlich mehr Kapital erforderten und die eine neue Form von Landwirtschaft und «Fabrikation» darstellten. Als billige Arbeitskräfte wurden Zehntausende von Negersklaven aus Afrika importiert*', die die Arbeit auf den Feldern
erledigen mussten, während die anspruchsvollere Gewinnung des Zuckersafts und die Herstellung des Zuckers und der Melasse als Abfallprodukt meist von Europäern erledigt wurde41. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung verschärfte sich im 18. Jahrhundert der Gegensatz zwischen den französischen und englischen Interessen im karibischen Raum. Während des Siebenjährigen Kriegs verlor Frankreich den Grossteil seiner Kolonien in Amerika an England, das unter anderem 1762 auch Grenada besetzte. Mit dem Frieden von Paris kamen Grenada, St. Vincent, Tobago und Dominica unter englische Herrschaft, während die bei¬ den reicheren «Zuckerinseln» Guadeloupe und Martinique französische Kolonien blieben42. Die Rivalität zwischen den beiden Mächten dauerte aber weiter, und die Region erlebte bis ans Ende des 18. Jahrhunderts verschiedene wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten und militärische Konflikte. So mottete um 1765 auf Grenada ein Aufstand entlaufener Sklaven, der nur mit Mühe unterdrückt werden konnte, und im Herbst 1780 suchte ein schwerer Wirbelsturm diese Insel sowie St. Vincent heim43. Der von Frankreich unterstützte Kampf um die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten in den Jahren 1775 bis 1783 zerriss die engen Beziehungen zwischen Nordamerika, der Karibik und dem englischen Mutterland und zwang Kaufleute und Umstellungen44. Dies musste während politischer und militärischer Auseinandersetzungen Englands mit Frankreich, Spanien und Holland geschehen^. Die Französische Revolution hatte auch auf den karibischen Raum ihre Auswirkungen. Sie führten zu Sklaven- aufständen (zwischen 1794 und 1796 auch aufGrenada) und zu chaotischen Verhältnissen, die sich erst nach 1800 wieder beruhigten4''.
Grenada ist dank dem vulkanischen Ursprung und den Regenfällen sehr fruchtbar und mit einer Fläche von 344 km2 etwa halb so gross wie der Genfersee4 Von den 1763 in englischen Besitz über¬ gegangenen Inseln wies sie die bei weitem grösste Produktion auf. Die Franzosen hatten hier eine leistungsfähige Plantagenwirtschaft aufgebaut, die die Engländer nur weiter zu entwickeln brauchten.
1772 gab es auf der Insel 334 Güter, die von 26 211 Negersklaven bewirtschaftet wurden. Ihnen standen nur ungefähr 1600 Europäer gegenüber4", und dieses Verhältnis ging bis 1791 auf 23 926 zu 1000 zurück4'. Auf allen diesen Inseln herrschten verhältnismässig wenige Europäer über eine wesentlich grössere Zahl von Sklaven"'. Der Anbau von Zuckerrohr (32 011 acres) war vorherrschend. Daneben baute man Kaffee (12 796 acres), Indigo (742 acres) und Kakao (712 acres) an. Es standen 1772 über hundert Mühlen zum Raffinieren des Zuckers in Betrieb. 1770 beliefen sich die Exporte nach England auf gut 450 000 Pfund Sterling (in der Währung der Insel). Drei Viertel davon waren Zucker und ein Viertel andere Produkte1'. Dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne beträchtliche Investitionen von aussen, zum überwiegenden Teil aus England — oder eben auch aus Basel und Neuenburg.
Die vier Plantagen waren über verschiedene Vorbesitzer 1766 von John Aitchison und Alexander Campbell an den in London nieder¬ gelassenen Bankier Jean His verkauft worden. Als sich dieser 1768 — im Vorfeld der englischen «Credit Crisis» von 1772'2 - für bankrott erklären musste, gerieten sie in seine Konkursmasse"'. Ein aus den wichtigsten Gläubigern zusammengesetztes Gremium versuchte in den folgenden Jahren, die vier Güter zum bestmöglichen Preis zu verkaufen. Johann Jakob Thurneysen und Jacques-Louis Pourtalès schlössen am 13. Dezember 1770 einen Vertrag mit dem Zweck, die vier Plantagen gemeinsam zu kaufen und sich dann bei deren Betrieb je zur Hälfte in Gewinn und Verlust zu teilen. Im Januar 1771 erklärte sich die Versammlung der Gläubiger mit dem Verkauf ein¬ verstanden. Der in England bereits naturalisierte Thurneysen trat als Käufer auf und erwarb die vier Güter für 39 000 Pfund Sterling. Sobald auch Pourtalès die juristische Formalität der englischen Naturalisation erfüllte, verkaufte Thurneysen seinem Neuenburger Partner offiziell die Hälfte des Eigentums. — Der Vertrag wurde 1779 erneuert und dauerte bis Ende 1791. Nach dem 1784 erfolgten Tod von Johann Jakob Thurneysen erbten die Witwe und seine drei Kin¬ der je einen Viertel an den Plantagen. Die Witwe verkaufte ihren Anteil aufden 1 .Januar 1792 an Pourtalès für 12 500 Pfund Sterling. Ein auf zehn Jahre abgeschlossener Vertrag regelte das neue Verhält¬ nis zwischen dem jetzt zu drei Vierteln beteiligten Jacques-Louis Pourtalès und Johann Jakob Thurneysen dem Jüngeren als Vertreter für den in Basler Besitz verbliebenen Rest". 1796 liess sich die Familie Thurneysen von Pourtalès mit 20 OOOPfund Sterling ganz auszahlen, und dieser verkaufte die Plantagen ein Jahr später in London an einen Käufer namens Strachan".
Bei den vier 1771 gekauften Gütern handelte es sich um die Zuckerplantagen «Bellair» (274 acres), «Mont Saint-Jean» (160 acres) und «La Conférence» (330 acres), sowie um die sogenannte neue Kaffeeplantage mit dem gleichen Namen «La Conférence» (332 acres). Auf der Zuckerplantage «La Conférence» lebten 1771 Frauen und Kinder mitgezählt - 155 Sklaven und auf der Kaffeeplantage insgesamt 63. Von den beiden übrigen Gütern sind keine solchen Angaben erhalten1''. «Bellair» und «Mont Saint-Jean» müssen um 1784 verkauft worden sein57. Dafür erwarb man bereits vor 1780 die grösseren Zuckerplantagen «Ciavier» (300 acres) und «Larcher» (283 acres). Daniel Paterson nennt in seiner 1780 erschienenen «A Topographical Description of the Island of Grenada» als Besitzer «Portalles & Tournhausen»5".
Bei der riesigen Entfernung waren die in Frankreich, England oder in unserem Fall in Basel und Neuenburg lebenden Plantagenbesitzer auf die Ehrlichkeit von tüchtigen und gut bezahlten Verwaltern und auf zusätzliche Berichte von Gewährsleuten angewiesen5''. Über die Jahre 1771 bis 1778 sind nur spärliche Angaben erhal¬ ten. Man darf annehmen, dass während dieser einigermassen ruhigen
Jahre der Ertrag zur Zufriedenheit von Jacques-Louis Pourtalès und Johann Jakob Thurneysen ausfiel. Der raffinierte Zucker wurde gewöhnlich über die Firma Agassiz et Rougemont aufdem Londo¬ ner Markt verkauft, und bis 1797 liefen die Geschäfte im Zusammenhang mit den Plantagen nach Möglichkeit über dieses grosse Bankhaus"1. Wie bereits erwähnt, wurden die Verhältnisse in der Karibik wegen des amerikanischen Kampfs um die Unabhängigkeit und später wegen der Französischen Revolution zusehends schwieriger. Man machte sich in Basel und Neuenburg Sorgen um den Plantagenbesitz und sah sich 1791 zu einer Überprüfung der ganzen Wirtschaft veranlasst. Dafür legte man Listen über Erträge und Aus¬ gaben in den Jahren zwischen 1779 und 1791 an. Von 1779 bis 1782 waren Pierre und François Meuron als Verwalter angestellt, von 1783 bis 1786 Pierre Meuron allem und von 1787 bis 1790 John Mayor". Auf einer übersichtlichen Tafel sind die Erträge der zwölf Jahre von 1779 bis 1790 zusammengestellt''2. Darin sind in verschiedenen Kolonnen die Menge und der Preis des produzierten Zuckers, Rums und in einer Ziffer zusammengefasst der Betrag für Kaffee, Kakao und Baumwolle aufgeführt. Wie bereits in der Arbeit von Bergeron''' wird hier nicht das ganze statistische Material ausgebreitet, sondern es erfolgt eine Beschränkung auf den Reingewinn:

Bergeron hat daraus einen vielleicht etwas hohen Durchschnitts¬ ertrag in der Grössenordnung von fünfzehn Prozent geschätzt''4. Pourtalès war aber mit der Entwicklung der Erträge nicht zufrieden und entwarf auf der Rückseite des Blatts ein düsteres Bild: «Les pertes Causées par la prise de la Grenade & par la prise de quelques Batimens en Mer, comme aussi les frais extraordinaires en Europe & à la Grenade pour l'approvisionnement des plantations, les hauts frets, les hautes assurances, les Droits prodigieux payés à la Grenade etc. etc. tout cela a beaucoup diminué le Bénéfice net dans les années 1779 à 1782...» 1783 habe eine sehr schlechte Ernte Verlust gebracht. In den Jahren 1789 und 1790 seien wegen der politisch verworrenen Lage weder Kaffee noch Kakao oder Baumwolle nach Europa gelangt. Zudem habe der Verwalter Mayor verschiedene Fehler begangen, die den Ertrag schmälerten. Beträchtliche Verluste an Vieh und Sklaven hätten teure Ankäufe nötig gemacht. So sei der ausgewiesene Gewinn der letzten vier Jahre unter der Verwaltung Mayors nur eine Folge der Hausse am Zuckermarkt, und der Betrieb der Plantagen habe in dieser Zeit viel Geld verschlungen. - Eine zweite Liste gibt genaue Auskunft über die Ausgaben in den Jahren 1783 bis 1791''5. In den einzelnen Kolonnen sind die Zahlen der gekauften Neger, Pferde, Maulesel und Ochsen festgehalten, sowie deren Kosten und weitere Angaben zu Löhnen, Ankäufen für den Haushalt und zu Investitionen auf den Gütern. Mayor hatte 1787 dreizehn, 1789 achtzehn und 1791 sogar neunzehn Sklaven gekauft und dazu jedes Jahr eine beträchtliche Anzahl Zugvieh, besonders Maulesel. Das ergab zusammen mit den übrigen Posten Jahr für Jahr Ausgaben, die wesentlich über denen seines Vorgängers lagen. — Auch Mayors Abrechnung für 1791 ist erhalten geblieben''''. Dabei mutet es den heutigen Betrachter eigenartig an, dass über die Skla¬ ven wie über die Tiere in der Form der doppelten Buchhaltung Rechenschaft abgelegt wird. Als Beispiel sei die Plantage «Larcher» zitiert (siehe Seite 143). Auf jedem grösseren Betrieb rechnete man Jahr für Jahr in dieser Form über Sklaven und teures Vieh ab. Auf der anderen Zuckerplantage «Ciavier» lebten 1791 übrigens 171 Sklaven: 57 Männer, 70 Frauen, 46 Knaben und 24 Mädchen. Es ereigneten sich dort in jenem Jahr zehn Todesfälle. Darunter waren mehrere auf die für Sklaven übliche schlechte Ernährung zurückzuführen". Zwei star¬ ben an «mal d'Estomac» eine «pour avoir mangé de la Terre», eine andere an «Hidrophobie», und zwei Blutstürze deuten auf Tuberkulose hin. Bei zwei weiteren muss man Unfälle vermuten.
Die Rechnung Mayors schloss für 1791 mit einem beträchtlichen Verlust ab, der sich in den Jahren zuvor trotz den ausgewiesenen Gewinnen angehäuft hatte. Aktiven von 87 140 Pfund standen Passiven von 201 751 Pfund in der Währung von Grenada gegenüber. Diese Verschuldung war wohl auch der Grund, warum Witwe Thurneysen damals ihre Beteiligung von einem Viertel verkaufte. Dies geschah zu einem ausgesprochen schwierigen Zeitpunkt. Die Neuenburger Firma Pourtalès war wegen der Revolution mit ihrer sehr umfangreichen Geschäftstätigkeit in Frankreich in Bedrängnis geraten. Ihre Bilanz hatte schon 1789 negativ abgeschlossen, und 1791 kam ein neuer schwerer Verlust von 91 428 livres dazu'". Jacques-Louis Pourtalès sah seine privat getätigte Investition in die Plantagen für so bedroht an, dass er seinen Sohn Louis (1773-1848) zur Klärung und Bereinigung der Lage nach Grenada schickte.
Er gab ihm eine ausführliche Instruktion für seine Reise und seine Geschäfte mit'1. Sie beginnt mit einer Liste von vierundzwanzig Dokumenten, die er bei seinen Verhandlungen vielleicht zur Hand haben musste. Weiter enthält sie genaue Anweisungen, wie sich der Sohn in London bei der Bank Agassiz et Rougemont mit dem nötigen Reisegeld versehen sollte, und verschiedene Empfehlungsschreiben.

Es folgt eine Reihe von Fragen, die er auf Grenada klären sollte. Unter anderem musste er ein Inventar über den Bestand an
Sklaven und Vieh sowie über Möbel, Wäsche, Geschirr, usw. auf den Plantagen erstellen lassen. Wichtig war die Tilgung sämtlicher Schulden über Wechsel auf die Bank Agassiz. Weiter musste er bei
einem mit einem anderen Plantagenbesitzer zusammen begonnenen Kanalbau zum rechten sehen. Besonders heikel konnten sich die Verhandlungen mit dem Verwalter Mayor gestalten, von dem man sich möglichst im Frieden trennen wollte. Dieser unterhielt ein Verhältnis zu einer Negerin Marie Rose, die über ihn und die Plantage «Ciavier» herrschte und von der er einen Sohn Henry hatte. Man war bereit, ihm die Frau und den kleinen Mulatten zu überlassen. Allerdings sollte er dafür «le prix de 2 Nègres de choix» als Ersatz bezahlen. Louis Pourtalès konnte sich bei Schwierigkeiten an vier bewährte Vertrauensleute halten; zwei davon waren auf «Clavier» und «Larcher» angestellt. Der Vater gab dem Sohn den Rat: «Mais dans tous les cas il faut plutôt écouter que questioner: ne jamais questioner de but en blanc; donner occasion de parler & on parlera: ne point se permettre de reflexions qui puissent blesser que que ce soit, cela ne serviroit à rien du tout de bon, & pourrait attirer des désagréments plus penibles dans ce pays là qu'ailleurs.» - Die Instruktion schliesst mit Überlegungen zum neuen Verwalter. Ein Mr. Granger, der sich von seiner früheren Arbeit her auf «La Conférence» gut aus¬ kenne, komme wegen seines heftigen Charakters leider nicht in Frage. Louis Pourtalès müsse die beiden Vertrauensleute auf den Plantagen unbedingt als Stellvertreter zu gewinnen suchen. Man sei bereit, für einen guten Verwalter acht bis zehntausend Pfund in der Währung der Insel oder sogar noch etwas mehr zu bezahlen. Aller¬ dings müsse er sich ganz dieser Aufgabe widmen und dürfe daneben keine eigenen Geschäfte wie Sklaven- oder Viehhandel betreiben.
Louis Pourtalès schiffte sich Ende November 1792 in Plymouth ein und gelangte ohne Zwischenfälle auf die Insel Grenada. Von allen Aufgaben erwies sich die Suche nach einem Nachfolger für John Mayor als besonders schwierig. Von diesem war in der Zwischenzeit bekannt geworden, dass er nebenher noch zwei weitere Plantagen schlecht und recht verwaltet und andere Geschäfte betrieben hatte, was das Vertrauen in ihn endgültig zerstörte". Seine Ablösung erfolgte jedoch ohne besondere ärgerliche Umstände. Für Louis Pourtalès war die Nachfolge schwer zu lösen, weil gleichzeitig sein Vater, Johann Jakob Thurneysen, sein Cousin François Meuron und das Bankhaus Agassiz in Europa nach einer geeigneten Person suchten und ihm in ihren Briefen gute Ratschläge erteilten. Ein von Thurneysen vorgeschlagener Kandidat wurde von seinen Eltern daran gehindert, für eine solche Aufgabe nach Grenada auszuwandern71. Jacques-Louis Pourtalès suchte vergeblich, in Ostende einen Herrn Peters und in London einen Mr. Mercier zu gewinnen72. So musste man zuletzt hoffen, dass sich auf der Insel selbst jemand dafür fand. Louis Pourtalès konnte die Verhältnisse vor seiner Heimreise im Herbst 1793 regeln. Er setzte als Verwalter über alle Plantagen den zu den bewährten Vertrauensleuten gehörenden François-Louis Bontems ein. Weiter ersetzte er die inzwischen verstorbenen Sklaven durch zwanzig neue zu 45 Pfund Sterling pro Kopf, «ce qui étoit extrêmement bon marché vu les circonstances». Zur Verbesserung der Ernährungslage auf den Plantagen mietete er ein 100 acres gros¬ ses Stück Land, auf dem Bananenstauden und andere Pflanzen zur Gewinnung von Lebensmitteln für die Sklaven angebaut wurden73. Auch die Schulden liessen sich zu einem wesentlich tieferen Betrag als ursprünglich befürchtet mit 1346 Pfund Sterling alle begleichen.
Offenbar war man mit der Verwaltung der Plantagen bis zum 1797 erfolgten Verkauf zufrieden. Jedenfalls fehlen weitere Akten, die auf neue Schwierigkeiten schliessen lassen. Ein Ärgernis aus den Jahren des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes liess sich aller¬ dings nicht beheben, und es wurde darüber noch um 1801 für das Geschäftsarchiv ein «Historique» verfasst. Ende 1782 war Grenada durch die Franzosen besetzt, und man konnte weder die Plantagen mit dem Notwendigsten versorgen noch den Zucker und andere Produkte nach England auf den Londoner Markt bringen. Die Her¬ und Pourtalès schlössen darum mit der Firma Devinck & Co. in Ostende einen Vertrag über die Ausrüstung eines Schiffs. Während der Vorbereitungen wurde 1783 Frieden geschlossen, und Grenada war wieder frei zugänglich. Statt das Schiff mit Verlust zu verkaufen, liess man es mit Fracht nach Santo Domingo auslaufen, von wo es mit Kolonialwaren zurückkam. Vor der Ein¬ fahrt in den Hafen von Dünkirchen erlitt es Schiffbruch. Weil sich die Firma Devinck & Co. anfangs 1785 auflöste, entstand über die Aufteilung des erlittenen Schadens ein Streitfall, der die Gerichte in Dünkirchen und Paris jahrelang beschäftigte, aber für die beiden Schweizer Handelsleute zu keinem befriedigenden Ergebnis führte74.
Die mit der leidenschaftlichen Bilanz des Aufklärers Guillaume- Thomas Raynal über die Ausbeutung der Kolonien eröffneten Ausführungen sollen mit der nüchternen buchhalterischen Bilanz des Kaufmanns Jacques-Louis Pourtalès über seine praktischen Erfahrungen schliessen. Er stellte nach dem Verkauf der Plantagen eine sieben Seiten umfassende genaue Abrechnung zusammen unter der Überschrift «Etat de ce que la demie des Plantations de la Grenade me coûte, ou me revient, avec les Intérêts77». Er gab alle Zahlen in «argent de Berne» an und rechnete bis zum 1. Januar 1776 für den Zins mit 4'/2% und von da an mit 4%. Die Bilanz lässt sich ohne Abdruck des ganzen Zahlenmaterials nicht eingehend interpretieren.
Immerhin geben die von Jahr zu Jahr jeweils auf den 1. Januar gezo¬ genen Summen einen anschaulichen Einblick in das Auf und Ab von Gewinn und Verlust aus den Plantagen.

Die auffällig ausführliche Schlussbilanz lässt fast vermuten, dass Jacques-Louis Pourtalès selbst im Zweifel war und genau wissen wollte, ob sich die Investition in die Plantagen überhaupt gelohnt habe. Er hat über die Zahlen hinaus mit keinem Wort seine Meinung dazu ausgedrückt. Die hier in drei Kolonnen angeordneten Ziffern zeigen jedenfalls, dass der Ertrag in den 1770er Jahren sicher und lohnend war und im nächsten Jahrzehnt zu schwanken begann. Nach 1790 konnte es nur noch darum gehen, die Plantagen so lange zu halten, bis man sie mit einem ansehnlichen Gewinn verkaufen konnte. Wenn man an die wirtschaftlichen Umwälzungen in den Jahren der Herrschaft Napoleons denkt, war es dafür 1797 wahr¬ scheinlich hohe Zeit.
Dr. Nikiaus Röthlin Unterer Heuberg 7 4051 Basel
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PDF erstellt am: 12.01.2016 Persistenter Link: http://dx.doi.org/10.5169/seals-118283
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1 Raynal, Guillaume-Thomas: Histoire philosophique et des établisse¬ politique ments et du commerce des européens dans les deux Indes. Genève 1781 (10 Bände)
- Das letzte Kapitel des zehnten Bandes (S. 382 ff.) trägt den Titel «Réflexions sur le bien & le mal que la découverte du Nouveau-Monde a fait à l'Europe».
2Raynal, op. cit. (Anm. 1), S. 383. 3Girod-Chantras, Justin: Voyage d'un suisse dans différentes colonies d'Améri¬
que pendant la dernière guerre avec une table d'observations météorologiques fai¬ tes à Saint-Domingue. Neuchâtel 1785.
4 Girod-Chantras, op. cit. (Anm. 3), S. 414.
5Jetzt lebende Kauffmannschafft Zu und ausser Deutschland. Erster Versuch. Leipzig 1743, S. 150-160.
6 Basler Handlungs-Schema oder Verzeichnis aller in Basel befindlichen Han¬ delsherren, Negocianten, Fabrikanten, Künstler, Commercial-Professionalisten, u.s.w. Basel 1789.
7 Lüthy, Herbert: La banque protestante en France. Bd. 2. Paris 1961, S. 369 ff. (besonders S. 396 ff.)
8Röthlin, Nikiaus: Ein Blick auf die Bezugs- und Absatzgebiete des schweizerischen Grosshandels anhand einiger Bilanzen aus dem 18. Jahrhundert. In: Die Schweiz in der Weltwirtschaft. (15.-20. Jh.). Hrsg. v. P. Bairoch und M. Körner. Zürich 1990, S. 85-99.
9 Bodmer, Walter: Schweizer Tropenkaufleute und Plantagenbesitzer in Niederländisch-Westindien im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Acta Tropica, Bd. 3, Heft 4, 1946.
10 Sieber, Eduard (Hrsg.): Ein Basler im Dienste der niederländisch-ostindischen Kompanie in Indonesien. Die Reisebeschreibung Joh. Heinrich Sulgers (1646-1699). Mit einem Anhang von Peter Buxtorf: Das Epitaph des J.H. Sulger. In: BZGA 49, 1950, S. 154-202.
11 Bodmer, op. cit. (Anm. 9), S. 2.
12 Bodmer, op. cit. (Anm. 9), S. 4 ff. — Das Kopierbuch befindet sich im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv in Basel unter der Signatur, bzw. Nummer 114.
13 Schweizerisches Wirtschaftsarchiv Basel, Signatur: 114, S. 125.
14 Bodmer, op. cit. (Anm. 9), S. 18 ff.
15 Peyer, Hans Conrad: Von Handel und Bank im alten Zürich. Zürich 1968, S. 175 ff.
16 Peyer, op. cit. (Anm. 15), S. 178 ff. 17 Peyer, op. cit. (Anni. 15), S. 182. 18 “Archives de l'Etat de Genève, Signatur: Commerce E 1—16. 19 Fmk, Paul: Geschichte der Basler Bandindustrie 1550-1800. Diss. Basel und Frankfurt/a.M. 1983, S. 163, 168 und «Genealogien der Basler Bandfirmen».
20 “Zinzendorf, Karl von: Bericht des Grafen Karl von Zinzendorf über seine handelspolitische Studienreise durch die Schweiz 1764. In BZGA 35, 1936, S. 295. 21 Fink, op. cit. (Anm. 19), S. 76 f. 22 Röthlin, Nikiaus: Die Basler Handelspolitik und deren Träger in der zweiten
Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert. Diss. Basel und Frankfurt/a.M. 1986, S. 388 (Nr. 195).
23 Es befindet sich im «Fonds de Pourtalès» in den Archives de l'Etat de Neuchâtel und wird hier in den Anmerkungen jeweils als F.P. mit der Nummer des Dossiers zitiert. Es sei auch an dieser Stelle der Familie de Pourtalès und den Beamten des Neuenburger Staatsarchivs fiir die Erlaubnis zur Auswertung gedankt. 24 Bergeron, Louis: «Pourtalès Sc Cie» (1753-1801): Apogée et déclin d'un capitalisme. In: Annales. Economies, sociétés, civilisations 25, 1970 S. 498-517 - Brandt, André: Aux débuts de l'indiennage alsacien: Jacques-Louis Pourtalès (1722-1814), ses associés alsaciens, ses activités en Alsace de 1753 à 1795. ln: Bulletin du Musée historique de Mulhouse 82, 1974, S. 119-153 - Caspard, Pierre: La Fabriqueneuve de Cortaillod. Entreprise et profit pendant la Révolution industrielle 1752-1854. Paris 1979
25 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 513.
26 Tarrade, Jean: Le commerce colonial de la France à la fin de l'Ancien Régime: L'évolution du régime de «l'Exclusif» de 1763 à 1789. 2 Bde. Paris 1972, besonders Bd. 2, S. 713-784.
27 Tarrade, op. cit. (Anm. 26), Bd. 2, S. 772 ff. 28 Tarrade, op. cit. (Anm. 26), Bd. 2, S. 777. 29 Tarrade, op. cit. (Anm. 26), schildert diese Politik fur den Kolonialhandel
anschaulich und ausführlich. 30 Farnie, D.A.: The Commercial Empire of the Atlantic, 1607-1783. In: The
Economic History Review, Second Series, Vol. 15, No. 2, 1962, S. 205-218, besonders S. 209 f.
gesetzt
31 Penson, Lillian M.: The London West India Interest in the Eighteenth Cen¬ tury. In: The English Historical Review, Bd. 36, 1921, S. 373-392 - Bell, Herbert C: The West India Trade before the American Revolution. In: The American Historical Review, Bd. 22, 1917, S. 272-287.
32 Pares, Richard: The London Sugar Market, 1740-1769. In: The Economic History Review, Second Series, Bd. 9, No. 2, 1962, S. 254-270 - Sheridan, Richard B.: Sugar and Salvery. An Economic History of the British West Indies. Epping, Essexl974, S. 496 f.
33 Ward,J.R.: British West Indian Slavery, 1750-1834. Oxford 1988, S. 50.
34 Penson, op. cit. (Anni. 31), S. 373 f.
35 Penson, op. cit. (Anm. 31), S. 379 - Sheridan, Richard B.: The Molasses Act and the Market Strategy of the British Sugar Planters. In: The Journal of Economic History, Bd. 17, 1957, S. 62-83.
,5Farnie, op. cit. (Anm. 30), S. 210.
36 Ward, J.R. : The Profitability of Sugar Planting in the British West Indies, 1650-1834. In: The Economic History Review, Second Series, Bd. 31, 1978, S. 197-213, besonders S. 204.
37 Burns, Alan: History of the British West Indies. London 1965 - Garcia, A.: History of the West Indies. London 1965.
38 Raynal, op. cit. (Anni. 1), Bd. 7, S. 389-398 - Barbiche, Jean-Paul: Les Antil¬ les britanniques de l'époque coloniale aux indépendances. Pans 1989, S. 93.
39 Farine, op. cit. (Anni. 30), S. 209 f -Watts, David: The West Indies: Patterns of Development and Environmental Change since 1492. Cambridge 1987, beson¬ ders S. 176 ff.
40 Aus der grossen Zahl von Arbeiten zur Sklaverei auf solchen Plantagen sei nur
auf die in Anmerkung 32 genannten Darstellungen von Sheridan und Ward ver¬ wiesen sowie aufKlein, Herbert S.: African Slavery in Latin America and the Carib¬ bean. New York, Oxford 1986, besonders S. 45-66 und auf Sheridan, Richard, B.: The Commercial and Financial Organization of the British Slave Trade, 1750-1807. In: The Economic History Review, Second Series, Bd. 11, No. 2, 1958, S. 249-263.
41 Sheridan, op. cit. (Anm. 32), S. 366.
42 Garcia, op. cit. (Anm. 37), S. 178.
43 Burns, op. cit. (Anni. 37), S. 505, 507.
44 Garcia, op. cit. (Anni. 37), S. 179 ff. - Farnie, op. cit. (Anm. 30), S. 215 ff. - Carnngton, Selwyn: The British West Indies during the American Revolution. Dordrecht, Providence 1988.
45 Burns, op. cit. (Anni. 37), S. 520 ff.
46 Burns, op. cit. (Anm. 37), S. 543 ff. - Garcia, op. cit. (Anm. 37), S. 185 ff. - Duffy, Michael: Soldiers, Sugar and Seapower. The British Expeditions to the West Indies and the War against Revolutionary France. Oxford 1987.
47 Barbiche, op. cit. (Anni. 38), S. 16 ff.
48 Sheridan, op. cit. (Anni. 32), S. 458.
49 Barbierie, op. cit. (Anni. 38), S. 108.
50 Klein, op. cit. (Anm. 40), S. 50 fi - Watts, op. cit. (Anm. 39), S. 316.
51 Sheridan, op. cit. (Anni. 32), S. 458 f.
52 Sheridan, Richard B.: The British Credit Crisis of 1772 and the American Colonics. In: The Journal of Economic History, Bd. 20, 1960, S. 155-186, beson¬ ders S. 164 ff.
53 F.P. (vgl. Anni. 23) 4/VII (Vertrag zwischen Thurneysen und Pourtalès vom 2. Mai 1772) — Auch die folgenden Angaben über den Kauf sind diesem Dokument
entnommen.
54 F.P. 4/X (Vertrag zwischen Pourtalès und Thurneysen d.J. vom 23. Juli 1792).
55 F.P. 4/X (Quittung von Thurneysen d.J. vom 22. Juli 1797).
56 F.P. 4/VII (Vertrag zwischen Thurneysen und Pourtalès vom 2. Mai 1772).
57 F.P. 4/X (Vertrag zwischen Pourtalès und Thurneysen d.J. vom 23. Juli 1792).
58 Paterson, Daniel: A topographical Description of the Island of Grenada: surveyed by Monsieur Pinel in 1763, by Order of Government. With the Addition of English Names. Alterations of Property, And other Improvements To the Present Time By Lieutenant Daniel Paterson. London 1780, S. 10.
59 Einen ausgezeichneten Einblick m den Betrieb und den Alltag auf einer fran¬ zösischen Zuckerfarm des 18. Jahrhunderts bietet Cauna, Jacques: Au temps des isles à sucre. Histoire d'une plantation de Saint-Domingue au XVIIIe siècle. Pans 1987 (zur Rolle der Verwalter S. 57 ff.)
60 ’F.P. 4/X («Schlussbilanz» von Pourtalès).
61 F.P. 4/VIII (1779 à 1790. Tableau des revenus...)
62 TP. 4/VIII (1779 à 1790. Tableau des revenus...)
63 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 514 - Er fügt aus einer anderen Quelle noch
für 1776 2747 Pfund Sterling und für 1777/78 10075 Pfund Sterling an.
64 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 514.
65 F.P. 4/VIII (Tableau des Dépenses faittes à la Grenade...)
66 T.P. 4/VIII (Compte d'administration... 1791).
67 vgl. Cauna, op. cit. (Anm. 59), S. 121 ff.
68 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 511.
69 F.P. 4/VIII (Instruktion an Louis Pourtalès).
70 TMF.P. 4/IX (Brief des Vaters an den Sohn Pourtalès, undatiert).
71 F.P. 4/IX (Brief von François Meuron an Louis Pourtalès vom 30. Oktober 1792).
72 F.P. 4/X (Brief von François Meuron an Louis Pourtalès vom 27. November 1792).
73 ,F.P. 4/IX (Brief des Sohns an den Vater Pourtalès vom 8. Oktober 1793).
74 F.P. 4/X («Historique» über den Streit um ein 1784 gesunkenes Schiff.
75 F.P. 4/X («Schlussbilanz» von Pourtalès).
Band (Jahr): 91 (1991)
Koloniale Erfahrungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts
Die Plantagen der Firmen Thurneysen aus Basel und Pourtalès aus Neuenburg auf der westindischen Insel Grenada von Nikiaus Röthlin
Der in der Aufklärung hoch angesehene Darsteller und Kritiker der Kolonien Guillaume-Thomas Raynal zieht am Ende seiner zehnbändigen «Histoire philosophique et politique des établisse¬ ments et du commerce des européens dans les deux Indes»' eine negative Bilanz über die Vor- und Nachteile, die die Entdeckung der Neuen Welt für Europa gebracht habe. Er rüttelt seine Leser vor allem durch die Schilderung der Raffgier und der Grausamkeiten auf, die mit der Eroberung und Ausbeutung der neuentdeckten Län¬ der verbunden waren. Sein Urteil gipfelt in Feststellungen und Fra¬ gen wie «L'Europe doit au Nouveau-Monde quelques commodités, quelques voluptés. Mais avant d'avoir obtenu ces jouissances, étions- nous moins sains, moins robustes, moins intelligens, moins heureux? Ces frivoles avantages, si cruellement obtenus, si inégalement par¬ tagés, si opiniâtrement disputés, valent-ils une goutte du sang qu'on a versé & qu'on versera?2» Viele Zeitgenossen griffen Raynals Gedanken eifrig auf und verbreiteten sie weiter. So betont etwa Justin Girod-Chantras am Schluss seines «Voyage d'un suisse dans différen¬ tes colonies d'Amérique»1 die Nachteile für die damaligen Kolonialmächte und prangert den Sklavenhandel an. Er lobt seine Heimat, weil sie in keine solchen Abenteuer und Verbrechen verstrickt war, und fragt den Leser: «Comptera-t-on pour des biens quelques pro¬ ductions dont on ne peut se pourvoir sans détruire plusieurs peuples à la fois, qu'un luxe insatiable demande & que l'humanité refuse, qui ne nourissent personne & qui coûtent la vie à un si grand nombre d'infortunés4?»
Die Kaufleute dachten über die Kolonien anders. Die Entdeckungen hatten ihnen ein sich ständig erweiterndes Betätigungsfeld eröffnet. Der Handel mit den neuen Ländern war zwar mit vielen Risiken verbunden. Bei Gelingen warf er aber grossen Gewinn ab und zog darum immer wieder neue unternehmungslustige Leute an. In der ersten Zeit führte man aus Übersee vor allem Edelmetalle, Gewürze, Korallen, Perlen und ähnliche exotische Güter ein. Mit der Entwicklung der Kolonien und dem Aufbau der von Negersklaven bewirtschafteten Plantagen bezog man aus der Neuen Welt immer grössere Mengen an Zucker, Kaffee, Tabak, Gewürzen, Baumwolle, Indigo und anderen Kolonialwaren. Dafür versorgte man die Siedler in Übersee mit wichtigen Gütern aus den Mutterländern. Das Verhältnis zwischen den Kolonien und Europa führte im Lauf des 18. Jahrhunderts zu einer engen wirtschaftlichen Verflechtung.
Der Handel mit Kolonialwaren wickelte sich über die Hafenstädte Spaniens, Hollands, der französischen Atlantikküste und zunehmend auch Englands ab. Von dort gelangten die Güter auf manchmal lan¬ gen Wegen und über verschiedene Kaufleute zu den Verbrauchern in ganz Europa. Die Bedeutung des Kolonialhandels nahm im 18. Jahrhundert laufend zu. Auch viele Schweizer Kaufleute in Basel, Genf, Neuenburg, Schaffhausen, St. Gallen, Zürich und an kleineren Orten lebten davon. In Basel etwa bestanden um 1743 laut einem nur die bedeutenderen Firmen nennenden Adressbuch1 zwölf solche Handelshäuser. Das «Basler Handlungs-Schema» von 1789' verzeichnet sechsundsiebzig «Droguisten en gros & en détail». Darunter findet man neben kleinen Apothekern und Spezereihändlern eine ganze Reihe von Firmen, die auch unter den dreiundzwanzig «Banquiers, Commissions-Speditions und Speculationshandlungen» aufgeführt sind. Solche Handelshäuser mit engen, weitreichenden Beziehungen zu anderen wichtigen Städten konnten grosse Gewinne erzielen dank ihren Wechsel- und übrigen Geldgeschäften, vermittelnden Kommissionen für andere Kaufleute, der Spedition fremder Güter und der Spekulation mit Kolonial- und sonstigen Waren.
Der Kolonialhandel war lange von grossen, mit staatlichen Privilegien unterstützten Gesellschaften oder Kompanien in England, Holland und Frankreich beherrscht und über Monopole gelenkt. Ihr Niedergang im Lauf des 18. Jahrhunderts brachte den Kaufleuten grössere Bewegungsfreiheit. Bei der französischen Compagnie des Indes zum Beispiel war dieser Verfall seit den späten 1760er Jahren im Gange und führte zum Verlust ihres Handelsmonopols7. Rasch traten auch einzelne Schweizer Kaufleute in den französischen Atlantikhäfen auf und beteiligten sich am freizügiger gewordenen Handel mit den Kolonien. Andere liessen sich in London, Amsterdam, Kopenhagen und in weiteren Hafenstädten nieder oder unter¬ hielten noch häufiger ohne eigene Filiale enge Geschäftsbeziehungen im grossen Stil zu bedeutenden Firmen in verschiedenen solchen Handelszentren". Von dort aus beteiligte man sich an Schiffsladungen (armements), die mit europäischen Gütern wegfuhren und mit den begehrten Kolonialwaren zurückkehrten, und verdiente auch an den dafür nötigen grossen Versicherungs- und Bankgeschäften. Es war nur der letzte, gewagte Schritt, wenn vereinzelt auch Schweizer Kaufleute Plantagen in Übersee kauften''. Man wollte so die Gewinnung der in tropischen oder subtropischen Gegenden wachsenden Güter und deren Verkauf in einer Hand vereinigen, wie dies die «marchandsfabriquants» bei der Produktion von Waren für den Export mit Erfolg machten. Ein vorsichtiger Kaufmann riskierte allerdings sein Geld nicht allzu einseitig in solchen Plantagengeschäftcn, sondern betrachtete sie nur als eine mögliche gewinnträchtige Investition neben verschiedenen anderen.
Schon die Quellen aus dem 17. Jahrhundert nennen in holländischen Diensten stehende Schweizer in den ost- und westindischen Kolonien. Der Basler Johann Heinrich Sulger zum Beispiel hat eine lesenswerte Reisebeschreibung hinterlassen, in der auch anschaulich und noch ohne Kritik von den Greueln an indonesischen Eingeborenen zur Durchsetzung des holländischen Pfeffermonopols die Rede ist"'. Zumindest im niederländischen Machtbereich waren offenbar die Genfer Firmen François Fatio & fils und Jean Baptiste Fatio & fils um 1700 die ersten nachweisbaren Schweizer Plantagen¬ besitzer. Als «marchands-banquiers» bildete ihre Beteiligung an einer Plantage auf Surinam eine Kapitalanlage neben breit gefächerten anderen Handels- und Bankgeschäften".
Besonders interessant ist die Verbindung verschiedener Mitglieder der Basler Familie Faesch mit Amsterdam und den niederländischen Kolonien. Johann Rudolf Faesch war schon vor 1713 in Amsterdam als Kaufmann niedergelassen, und sein Bruder Isaak Faesch machte im Dienst der Westindischen Kompanie Karriere als Gouverneur auf der Insel Curaçao. Weil ihm kaufmännische Nebeneinkünfte unter¬ sagt waren, arbeitete er mit seinem Basler Begleiter Johann Jakob Hoffmann zusammen. Ein Kopierbuch mit gegen zweihundertachtzig französisch und holländisch geschriebenen Geschäftsbriefen aus den Jahren 1740 bis 1742 gibt wertvollen Einblick in ihre Handelstätigkeit12. Als Hoffmann ina Frühling oder Sommer 1742 das Geschäft dem Neffen des Gouverneurs Johann Rudolf Faesch dem Jüngeren übergab, bemerkte er vor seiner Heimreise nach Europa: «J'estime un jeune homme qui a de quoi travailler en Europe infiniment plus heureux dans son sort que le premier marchand de l'Isle de l'Amérique où les fortunes ne se font plus si rapides".» — Die Brüder johannes und Johann Jakob Faesch zogen in den 1740er Jahren aus Basel nach Amsterdam und betätigten sich im Kolonialhandel. Durch ihre Ehen mit den beiden Töchtern des Daniel de Hoy wurden sie Erben dieses reichen Plantagenbesitzers auf Surinam. Die grösste Plantage Hoyland gehörte den Nachkommen von Johann Jakob Faesch fast hundert Jahre lang14. Aus Zürich gelangten zuerst einzelne Falliten und andere zu Hause Gescheiterte nach Ost- und Westindien. Bescheidene direkte Handelsbeziehungen ergaben sich erst in den beiden letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts dank der Vermittlung von Samuel Kitt, der nach einem Konkurs nach Saint-Eustache ausgewandert war'\
Eindrücklich ist das Schicksal des Johann Konrad Winz, den es nach einem Konflikt mit der Zürcher Obrigkeit und seiner Verbannung aus Europa 1784 nach Surinam verschlagen hatte. Er wurde dort gut beraten und unterstützt durch einen Bündner und ein Mitglied der St. Galler Familie Züblin, die dort eine Plantage besass. Nach schweren Jahren kam er als Verwalter einer Plantage und dank erfolgreicher Spekulation in Kolonialwaren zu Wohlstand und konnte sich 1802 in Schaffhausen niederlassen"'. Die Geschäftstätigkeit des Winterthurers Jacques Bidermann und des Zürcher Bankhauses Usteri, Ott, Escher & Co. zeigen, in welche wirtschaftliche und politische Strudel man am Ende des 18. Jahrhunderts mit solchen nach Ost- und Westindien ausgreifenden Projekten geraten konnte17. In den umfangreichen Akten des von der Genfer Obrigkeit eingesetzten «Comité des faillites» sieht man etwa, wie die Zerrüttungen und Umwälzungen in der Zeit der französischen Revolution gerade solchen auf Geld- und Spekulationsgeschäfte im grossen Stil ausgerichteten Kaufleuten zu schaffen machten'".
Zum Kreis solcher mit Erfolg in verschiedenen Bereichen tätigen Handelshäuser gehörten auch die Firmen Thurneysen aus Basel und Pourtalès aus Neuenburg. Zur Tätigkeit des Johann Jakob Thurneysen (1729—1784) lässt sich wenig sagen, weil keine privaten Akten erhalten geblieben sind. Er gehörte zu den grössten Bandfabrikanten der Stadt1'' und pflegte noch weitere Geschäftszweige. So liess er auf dem Schwarzwald offenbar Hunderte von Arbeitern Florettseide2" spinnen und befasste sich daneben mit Bankgeschäften sowie mit dem Kommissions- und Spekulationshandel2'. Seine Beziehungen in den englischen Wirtschaftsraum müssen bedeutend gewesen sein, denn Johann Jakob Thurneysen hatte sich zur Erleichterung der Geschäftstätigkeit sogar naturalisieren lassen. Er war Mitglied des Direktoriums der Kaufmannschaft, also der Basler Handelskammer, und stieg im politischen Leben vom Grossen über den Kleinen in seinem Todesjahr sogar in den Geheimen Rat auf22. Er gehörte damit zur politischen und wirtschaftlichen Führungsschicht der Stadt
und war ein entsprechend angesehener Kaufmann. Sein Sohn gleichen Namens (1763-1829) führte das Geschäft bis 1789 mit der Mutter und Johann Zaeslin-Thurneysen, und von dann an zusam¬ men mit diesem Schwager weiter. — Über die Neuenburger Firma des Jacques-Louis Pourtalès (1722-1814) weiss man wesentlich mehr dank dem sehr umfangreichen Geschäftsarchiv23. Die Firma Deluze et Meuron, an der er sich 1747 beteiligen konnte, befasste sich mit dem Zwischenhandel aus Frankreich ins Reich. Wahrscheinlich war er mit diesen herkömmlichen, noch über die grossen Messen abgewickelten Geschäften nicht zufrieden. Er begann daneben auf eigene Rechnung, sich im damals aufkommenden Indiennes-Handel zu betätigen. In seiner 1753 gegründeten eigenen Firma stand die Einfuhr der Baumwollstoffe aus den Kolonien, das Bedrucken mit modischen Mustern und deren Weiterverkauf im Mittelpunkt24. Die damit verbundenen finanziellen Transaktionen führten zu bedeuten¬ den Bankgeschäften, die rasch in das internationale Beziehungsgeflecht hineinwuchsen. Pourtalès betrieb den Kolonialhandel, wozu auch die Baumwolle und die daraus gewobenen Tücher zählten, mit weit ausgreifenden Unternehmungen über die französischen Hafenstädte, London und Hamburg hinaus bis nach Philadelphia, Konstantinopel, ja sogar bis nach Indien und auf die westindischen Inseln. Der 1771 erfolgte Kauf von vier Plantagen (eine für Kaffee und drei für Zucker) auf der westindischen Insel Grenada drängte sich weder für Johann Jakob Thurneysen noch für Jacques-Louis Pourtalès von ihrer übrigen Tätigkeit her auf. Man kann ihn nicht als notwendige Erweiterung oder Abrundung der Geschäfte ihrer Firmen ansehen. Es handelte sich dabei vielmehr um eine ausgesprochene Spekulation mit etlichen Risiken, die beträchtlichen Gewinn, aber auch empfindliche Verluste bringen konnte. Pourtalès tätigte den Kauf denn auch nicht für seine Firma in Rücksprache mit seinen stillen Teilhabern, sondern legte so einen Teil seines privaten Vermögens an2'. Neben seinem bedeutenden und sicheren Immobilienbesitz in Neuenburg und dessen Umgebung nehmen sich die Plantagen als Kapitalanlage auf den ersten Blick etwas abenteuerlich aus. Auch Thurneysen wird nur einen gewissen Teil seines Geldes auf die weit entfernten und schwer kontrollierbaren Plantagen haben.
Wie oben kurz angedeutet, waren sie nicht die ersten Schweizer, die sich auf ein solches Vorhaben einliessen. Zudem mögen sie von anderen Plantagenbesitzern in Frankreich oder England erfahren haben, was sie dabei etwa erwartete. Die beiden weitgereisten Kaufleute kannten die Verhältnisse in London und in den französischen Atlantikhäfen gut. Sie wussten, welche Gewinne man mit Kolonial¬ waren wie Zucker oder Kaffee machen konnte, wenn man sie selbst produzieren liess und dann auf dem englischen oder französischen Markt verkaufte. Die Statistiken der französischen Hafenstädte zeigen eindrücklich, welche Bedeutung der Kolonialhandel im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts hatte2''. Wegen eines Überangebots an solchen Gütern — darunter auch an Zucker und besonders an Kaffee - erlebten die Preise nach 1770 allerdings eine Baisse und erholten sich nach 1775 langsam wieder27. Die Preisbildung war ganz von der internationalen Konjunktur abhängig und entsprechenden Schwankungen unterworfen je nach Warenangebot und politischer Lage28. Frankreich betrieb auch nach dem Verlust vieler Kolonien ab 1763 eine gutgemeinte und eifrige Politik zur Förderung des Kolonialhandels. Wie häufig bei solchen absolutistischen Bemühungen um die Wirtschaft standen dabei Aufwand und Ertrag nicht immer im besten Verhältnis29.
Grenada gehörte damals zum englischen Kolonial- und Wirtschaftsraum, und die Verhältnisse am Londoner Markt waren für die beiden Investoren aus Basel und Neuenburg günstiger. Der Zucker spielte im englischen Kolonialhandel eine grosse Rolle"' und bildete die Grundlage im Austausch mit den westindischen Inseln11. Obwohl die Produktion zwischen 1740 und 1769 auf den West Indies um gegen achtzig Prozent stieg, erlebte der Zuckerpreis am Londoner Markt keinen besonderen Einbruch und stieg nach 1775 merklich an12. Die Besitzer von Zuckerplantagen lebten gewöhnlich in England und vertraten ihre Interessen zusammen mit den Kolonialhändlern recht erfolgreich". Den von ihnen 1745 gegründeten «Planters Club» würde man heute wohl als eine «Lobby» bezeichnen34, und sie hielten ihren Einfluss während Jahrzehnten aufrecht.
1761 etwa konnte man dreizehn Abgeordnete des Parlaments als ihnen nahestehend bezeichnen, und William Pitt war den wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit den West Indies besonders günstig gesinnt1'. So liessen sich Produktion und Handel mit Zucker im englischen Wirtschaftsraum dank Gesetzen (Molasses Act 1733, Sugar Duties Act 1764), abschreckend hohen Zöllen für die Konkurrenz und mit militärischen Massnahmen bei Aufständen der Sklaven oder bei politischen Spannungen einigermassen absichern. - Viele Zuckerplantagen litten unter häufigem Besitzerwechsel und Überschuldung. Unter besseren Bedingungen warfen sie aber ansehnliche Gewinne ab. Aufgrund einer Reihe gut dokumentierter Betriebe auf verschiedenen westindischen Inseln hat man die Rendite für das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts auf gut zehn bis fünfzehn Prozent geschätzt, je nach Preis des Zuckers und nach politischer Lage"'.
Johann Jakob Thurneysen und Jacques-Louis Pourtalès durften also hoffen, dass ihr Einsatz reichlichen Gewinn abwarf. Aber nicht nur private Kaufleute versuchten, die Fruchtbarkeit und die wirtschaftlichen Möglichkeiten der karibischen Inseln auszunutzen.
Auch die politischen Mächte rangen um deren Herrschaft, und ihre Geschichte ist entsprechend bewegt. Mit der Entdeckung fiel die Karibik an Spanien, das sich hauptsächlich um die grossen Inseln und um das Festland kümmerte. Auf den kleinen Inseln konnten sich andere Eigentümer breitmachen". So verwandelte sich Grenada im Lauf des 17. Jahrhunderts vom privaten Besitz eines Franzosen unter spanischer Oberhoheit in eine Französische Kolonie'". Nach 1650 wuchs in Europa die Nachfrage nach Kaffee, Tee, Kakao, Zucker und anderen früher unbekannten Gütern. Die karibischen Inseln waren für deren Anbau besonders geeignet und erlebten einen grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Wandel3''. Es entstanden die grossen Zuckerplantagen, die im Unterschied etwa zum Anbau von Tabak oder Baumwolle wesentlich mehr Kapital erforderten und die eine neue Form von Landwirtschaft und «Fabrikation» darstellten. Als billige Arbeitskräfte wurden Zehntausende von Negersklaven aus Afrika importiert*', die die Arbeit auf den Feldern
erledigen mussten, während die anspruchsvollere Gewinnung des Zuckersafts und die Herstellung des Zuckers und der Melasse als Abfallprodukt meist von Europäern erledigt wurde41. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung verschärfte sich im 18. Jahrhundert der Gegensatz zwischen den französischen und englischen Interessen im karibischen Raum. Während des Siebenjährigen Kriegs verlor Frankreich den Grossteil seiner Kolonien in Amerika an England, das unter anderem 1762 auch Grenada besetzte. Mit dem Frieden von Paris kamen Grenada, St. Vincent, Tobago und Dominica unter englische Herrschaft, während die bei¬ den reicheren «Zuckerinseln» Guadeloupe und Martinique französische Kolonien blieben42. Die Rivalität zwischen den beiden Mächten dauerte aber weiter, und die Region erlebte bis ans Ende des 18. Jahrhunderts verschiedene wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten und militärische Konflikte. So mottete um 1765 auf Grenada ein Aufstand entlaufener Sklaven, der nur mit Mühe unterdrückt werden konnte, und im Herbst 1780 suchte ein schwerer Wirbelsturm diese Insel sowie St. Vincent heim43. Der von Frankreich unterstützte Kampf um die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten in den Jahren 1775 bis 1783 zerriss die engen Beziehungen zwischen Nordamerika, der Karibik und dem englischen Mutterland und zwang Kaufleute und Umstellungen44. Dies musste während politischer und militärischer Auseinandersetzungen Englands mit Frankreich, Spanien und Holland geschehen^. Die Französische Revolution hatte auch auf den karibischen Raum ihre Auswirkungen. Sie führten zu Sklaven- aufständen (zwischen 1794 und 1796 auch aufGrenada) und zu chaotischen Verhältnissen, die sich erst nach 1800 wieder beruhigten4''.
Grenada ist dank dem vulkanischen Ursprung und den Regenfällen sehr fruchtbar und mit einer Fläche von 344 km2 etwa halb so gross wie der Genfersee4 Von den 1763 in englischen Besitz über¬ gegangenen Inseln wies sie die bei weitem grösste Produktion auf. Die Franzosen hatten hier eine leistungsfähige Plantagenwirtschaft aufgebaut, die die Engländer nur weiter zu entwickeln brauchten.
1772 gab es auf der Insel 334 Güter, die von 26 211 Negersklaven bewirtschaftet wurden. Ihnen standen nur ungefähr 1600 Europäer gegenüber4", und dieses Verhältnis ging bis 1791 auf 23 926 zu 1000 zurück4'. Auf allen diesen Inseln herrschten verhältnismässig wenige Europäer über eine wesentlich grössere Zahl von Sklaven"'. Der Anbau von Zuckerrohr (32 011 acres) war vorherrschend. Daneben baute man Kaffee (12 796 acres), Indigo (742 acres) und Kakao (712 acres) an. Es standen 1772 über hundert Mühlen zum Raffinieren des Zuckers in Betrieb. 1770 beliefen sich die Exporte nach England auf gut 450 000 Pfund Sterling (in der Währung der Insel). Drei Viertel davon waren Zucker und ein Viertel andere Produkte1'. Dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne beträchtliche Investitionen von aussen, zum überwiegenden Teil aus England — oder eben auch aus Basel und Neuenburg.
Die vier Plantagen waren über verschiedene Vorbesitzer 1766 von John Aitchison und Alexander Campbell an den in London nieder¬ gelassenen Bankier Jean His verkauft worden. Als sich dieser 1768 — im Vorfeld der englischen «Credit Crisis» von 1772'2 - für bankrott erklären musste, gerieten sie in seine Konkursmasse"'. Ein aus den wichtigsten Gläubigern zusammengesetztes Gremium versuchte in den folgenden Jahren, die vier Güter zum bestmöglichen Preis zu verkaufen. Johann Jakob Thurneysen und Jacques-Louis Pourtalès schlössen am 13. Dezember 1770 einen Vertrag mit dem Zweck, die vier Plantagen gemeinsam zu kaufen und sich dann bei deren Betrieb je zur Hälfte in Gewinn und Verlust zu teilen. Im Januar 1771 erklärte sich die Versammlung der Gläubiger mit dem Verkauf ein¬ verstanden. Der in England bereits naturalisierte Thurneysen trat als Käufer auf und erwarb die vier Güter für 39 000 Pfund Sterling. Sobald auch Pourtalès die juristische Formalität der englischen Naturalisation erfüllte, verkaufte Thurneysen seinem Neuenburger Partner offiziell die Hälfte des Eigentums. — Der Vertrag wurde 1779 erneuert und dauerte bis Ende 1791. Nach dem 1784 erfolgten Tod von Johann Jakob Thurneysen erbten die Witwe und seine drei Kin¬ der je einen Viertel an den Plantagen. Die Witwe verkaufte ihren Anteil aufden 1 .Januar 1792 an Pourtalès für 12 500 Pfund Sterling. Ein auf zehn Jahre abgeschlossener Vertrag regelte das neue Verhält¬ nis zwischen dem jetzt zu drei Vierteln beteiligten Jacques-Louis Pourtalès und Johann Jakob Thurneysen dem Jüngeren als Vertreter für den in Basler Besitz verbliebenen Rest". 1796 liess sich die Familie Thurneysen von Pourtalès mit 20 OOOPfund Sterling ganz auszahlen, und dieser verkaufte die Plantagen ein Jahr später in London an einen Käufer namens Strachan".
Bei den vier 1771 gekauften Gütern handelte es sich um die Zuckerplantagen «Bellair» (274 acres), «Mont Saint-Jean» (160 acres) und «La Conférence» (330 acres), sowie um die sogenannte neue Kaffeeplantage mit dem gleichen Namen «La Conférence» (332 acres). Auf der Zuckerplantage «La Conférence» lebten 1771 Frauen und Kinder mitgezählt - 155 Sklaven und auf der Kaffeeplantage insgesamt 63. Von den beiden übrigen Gütern sind keine solchen Angaben erhalten1''. «Bellair» und «Mont Saint-Jean» müssen um 1784 verkauft worden sein57. Dafür erwarb man bereits vor 1780 die grösseren Zuckerplantagen «Ciavier» (300 acres) und «Larcher» (283 acres). Daniel Paterson nennt in seiner 1780 erschienenen «A Topographical Description of the Island of Grenada» als Besitzer «Portalles & Tournhausen»5".
Bei der riesigen Entfernung waren die in Frankreich, England oder in unserem Fall in Basel und Neuenburg lebenden Plantagenbesitzer auf die Ehrlichkeit von tüchtigen und gut bezahlten Verwaltern und auf zusätzliche Berichte von Gewährsleuten angewiesen5''. Über die Jahre 1771 bis 1778 sind nur spärliche Angaben erhal¬ ten. Man darf annehmen, dass während dieser einigermassen ruhigen
Jahre der Ertrag zur Zufriedenheit von Jacques-Louis Pourtalès und Johann Jakob Thurneysen ausfiel. Der raffinierte Zucker wurde gewöhnlich über die Firma Agassiz et Rougemont aufdem Londo¬ ner Markt verkauft, und bis 1797 liefen die Geschäfte im Zusammenhang mit den Plantagen nach Möglichkeit über dieses grosse Bankhaus"1. Wie bereits erwähnt, wurden die Verhältnisse in der Karibik wegen des amerikanischen Kampfs um die Unabhängigkeit und später wegen der Französischen Revolution zusehends schwieriger. Man machte sich in Basel und Neuenburg Sorgen um den Plantagenbesitz und sah sich 1791 zu einer Überprüfung der ganzen Wirtschaft veranlasst. Dafür legte man Listen über Erträge und Aus¬ gaben in den Jahren zwischen 1779 und 1791 an. Von 1779 bis 1782 waren Pierre und François Meuron als Verwalter angestellt, von 1783 bis 1786 Pierre Meuron allem und von 1787 bis 1790 John Mayor". Auf einer übersichtlichen Tafel sind die Erträge der zwölf Jahre von 1779 bis 1790 zusammengestellt''2. Darin sind in verschiedenen Kolonnen die Menge und der Preis des produzierten Zuckers, Rums und in einer Ziffer zusammengefasst der Betrag für Kaffee, Kakao und Baumwolle aufgeführt. Wie bereits in der Arbeit von Bergeron''' wird hier nicht das ganze statistische Material ausgebreitet, sondern es erfolgt eine Beschränkung auf den Reingewinn:

Bergeron hat daraus einen vielleicht etwas hohen Durchschnitts¬ ertrag in der Grössenordnung von fünfzehn Prozent geschätzt''4. Pourtalès war aber mit der Entwicklung der Erträge nicht zufrieden und entwarf auf der Rückseite des Blatts ein düsteres Bild: «Les pertes Causées par la prise de la Grenade & par la prise de quelques Batimens en Mer, comme aussi les frais extraordinaires en Europe & à la Grenade pour l'approvisionnement des plantations, les hauts frets, les hautes assurances, les Droits prodigieux payés à la Grenade etc. etc. tout cela a beaucoup diminué le Bénéfice net dans les années 1779 à 1782...» 1783 habe eine sehr schlechte Ernte Verlust gebracht. In den Jahren 1789 und 1790 seien wegen der politisch verworrenen Lage weder Kaffee noch Kakao oder Baumwolle nach Europa gelangt. Zudem habe der Verwalter Mayor verschiedene Fehler begangen, die den Ertrag schmälerten. Beträchtliche Verluste an Vieh und Sklaven hätten teure Ankäufe nötig gemacht. So sei der ausgewiesene Gewinn der letzten vier Jahre unter der Verwaltung Mayors nur eine Folge der Hausse am Zuckermarkt, und der Betrieb der Plantagen habe in dieser Zeit viel Geld verschlungen. - Eine zweite Liste gibt genaue Auskunft über die Ausgaben in den Jahren 1783 bis 1791''5. In den einzelnen Kolonnen sind die Zahlen der gekauften Neger, Pferde, Maulesel und Ochsen festgehalten, sowie deren Kosten und weitere Angaben zu Löhnen, Ankäufen für den Haushalt und zu Investitionen auf den Gütern. Mayor hatte 1787 dreizehn, 1789 achtzehn und 1791 sogar neunzehn Sklaven gekauft und dazu jedes Jahr eine beträchtliche Anzahl Zugvieh, besonders Maulesel. Das ergab zusammen mit den übrigen Posten Jahr für Jahr Ausgaben, die wesentlich über denen seines Vorgängers lagen. — Auch Mayors Abrechnung für 1791 ist erhalten geblieben''''. Dabei mutet es den heutigen Betrachter eigenartig an, dass über die Skla¬ ven wie über die Tiere in der Form der doppelten Buchhaltung Rechenschaft abgelegt wird. Als Beispiel sei die Plantage «Larcher» zitiert (siehe Seite 143). Auf jedem grösseren Betrieb rechnete man Jahr für Jahr in dieser Form über Sklaven und teures Vieh ab. Auf der anderen Zuckerplantage «Ciavier» lebten 1791 übrigens 171 Sklaven: 57 Männer, 70 Frauen, 46 Knaben und 24 Mädchen. Es ereigneten sich dort in jenem Jahr zehn Todesfälle. Darunter waren mehrere auf die für Sklaven übliche schlechte Ernährung zurückzuführen". Zwei star¬ ben an «mal d'Estomac» eine «pour avoir mangé de la Terre», eine andere an «Hidrophobie», und zwei Blutstürze deuten auf Tuberkulose hin. Bei zwei weiteren muss man Unfälle vermuten.
Die Rechnung Mayors schloss für 1791 mit einem beträchtlichen Verlust ab, der sich in den Jahren zuvor trotz den ausgewiesenen Gewinnen angehäuft hatte. Aktiven von 87 140 Pfund standen Passiven von 201 751 Pfund in der Währung von Grenada gegenüber. Diese Verschuldung war wohl auch der Grund, warum Witwe Thurneysen damals ihre Beteiligung von einem Viertel verkaufte. Dies geschah zu einem ausgesprochen schwierigen Zeitpunkt. Die Neuenburger Firma Pourtalès war wegen der Revolution mit ihrer sehr umfangreichen Geschäftstätigkeit in Frankreich in Bedrängnis geraten. Ihre Bilanz hatte schon 1789 negativ abgeschlossen, und 1791 kam ein neuer schwerer Verlust von 91 428 livres dazu'". Jacques-Louis Pourtalès sah seine privat getätigte Investition in die Plantagen für so bedroht an, dass er seinen Sohn Louis (1773-1848) zur Klärung und Bereinigung der Lage nach Grenada schickte.
Er gab ihm eine ausführliche Instruktion für seine Reise und seine Geschäfte mit'1. Sie beginnt mit einer Liste von vierundzwanzig Dokumenten, die er bei seinen Verhandlungen vielleicht zur Hand haben musste. Weiter enthält sie genaue Anweisungen, wie sich der Sohn in London bei der Bank Agassiz et Rougemont mit dem nötigen Reisegeld versehen sollte, und verschiedene Empfehlungsschreiben.

Es folgt eine Reihe von Fragen, die er auf Grenada klären sollte. Unter anderem musste er ein Inventar über den Bestand an
Sklaven und Vieh sowie über Möbel, Wäsche, Geschirr, usw. auf den Plantagen erstellen lassen. Wichtig war die Tilgung sämtlicher Schulden über Wechsel auf die Bank Agassiz. Weiter musste er bei
einem mit einem anderen Plantagenbesitzer zusammen begonnenen Kanalbau zum rechten sehen. Besonders heikel konnten sich die Verhandlungen mit dem Verwalter Mayor gestalten, von dem man sich möglichst im Frieden trennen wollte. Dieser unterhielt ein Verhältnis zu einer Negerin Marie Rose, die über ihn und die Plantage «Ciavier» herrschte und von der er einen Sohn Henry hatte. Man war bereit, ihm die Frau und den kleinen Mulatten zu überlassen. Allerdings sollte er dafür «le prix de 2 Nègres de choix» als Ersatz bezahlen. Louis Pourtalès konnte sich bei Schwierigkeiten an vier bewährte Vertrauensleute halten; zwei davon waren auf «Clavier» und «Larcher» angestellt. Der Vater gab dem Sohn den Rat: «Mais dans tous les cas il faut plutôt écouter que questioner: ne jamais questioner de but en blanc; donner occasion de parler & on parlera: ne point se permettre de reflexions qui puissent blesser que que ce soit, cela ne serviroit à rien du tout de bon, & pourrait attirer des désagréments plus penibles dans ce pays là qu'ailleurs.» - Die Instruktion schliesst mit Überlegungen zum neuen Verwalter. Ein Mr. Granger, der sich von seiner früheren Arbeit her auf «La Conférence» gut aus¬ kenne, komme wegen seines heftigen Charakters leider nicht in Frage. Louis Pourtalès müsse die beiden Vertrauensleute auf den Plantagen unbedingt als Stellvertreter zu gewinnen suchen. Man sei bereit, für einen guten Verwalter acht bis zehntausend Pfund in der Währung der Insel oder sogar noch etwas mehr zu bezahlen. Aller¬ dings müsse er sich ganz dieser Aufgabe widmen und dürfe daneben keine eigenen Geschäfte wie Sklaven- oder Viehhandel betreiben.
Louis Pourtalès schiffte sich Ende November 1792 in Plymouth ein und gelangte ohne Zwischenfälle auf die Insel Grenada. Von allen Aufgaben erwies sich die Suche nach einem Nachfolger für John Mayor als besonders schwierig. Von diesem war in der Zwischenzeit bekannt geworden, dass er nebenher noch zwei weitere Plantagen schlecht und recht verwaltet und andere Geschäfte betrieben hatte, was das Vertrauen in ihn endgültig zerstörte". Seine Ablösung erfolgte jedoch ohne besondere ärgerliche Umstände. Für Louis Pourtalès war die Nachfolge schwer zu lösen, weil gleichzeitig sein Vater, Johann Jakob Thurneysen, sein Cousin François Meuron und das Bankhaus Agassiz in Europa nach einer geeigneten Person suchten und ihm in ihren Briefen gute Ratschläge erteilten. Ein von Thurneysen vorgeschlagener Kandidat wurde von seinen Eltern daran gehindert, für eine solche Aufgabe nach Grenada auszuwandern71. Jacques-Louis Pourtalès suchte vergeblich, in Ostende einen Herrn Peters und in London einen Mr. Mercier zu gewinnen72. So musste man zuletzt hoffen, dass sich auf der Insel selbst jemand dafür fand. Louis Pourtalès konnte die Verhältnisse vor seiner Heimreise im Herbst 1793 regeln. Er setzte als Verwalter über alle Plantagen den zu den bewährten Vertrauensleuten gehörenden François-Louis Bontems ein. Weiter ersetzte er die inzwischen verstorbenen Sklaven durch zwanzig neue zu 45 Pfund Sterling pro Kopf, «ce qui étoit extrêmement bon marché vu les circonstances». Zur Verbesserung der Ernährungslage auf den Plantagen mietete er ein 100 acres gros¬ ses Stück Land, auf dem Bananenstauden und andere Pflanzen zur Gewinnung von Lebensmitteln für die Sklaven angebaut wurden73. Auch die Schulden liessen sich zu einem wesentlich tieferen Betrag als ursprünglich befürchtet mit 1346 Pfund Sterling alle begleichen.
Offenbar war man mit der Verwaltung der Plantagen bis zum 1797 erfolgten Verkauf zufrieden. Jedenfalls fehlen weitere Akten, die auf neue Schwierigkeiten schliessen lassen. Ein Ärgernis aus den Jahren des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes liess sich aller¬ dings nicht beheben, und es wurde darüber noch um 1801 für das Geschäftsarchiv ein «Historique» verfasst. Ende 1782 war Grenada durch die Franzosen besetzt, und man konnte weder die Plantagen mit dem Notwendigsten versorgen noch den Zucker und andere Produkte nach England auf den Londoner Markt bringen. Die Her¬ und Pourtalès schlössen darum mit der Firma Devinck & Co. in Ostende einen Vertrag über die Ausrüstung eines Schiffs. Während der Vorbereitungen wurde 1783 Frieden geschlossen, und Grenada war wieder frei zugänglich. Statt das Schiff mit Verlust zu verkaufen, liess man es mit Fracht nach Santo Domingo auslaufen, von wo es mit Kolonialwaren zurückkam. Vor der Ein¬ fahrt in den Hafen von Dünkirchen erlitt es Schiffbruch. Weil sich die Firma Devinck & Co. anfangs 1785 auflöste, entstand über die Aufteilung des erlittenen Schadens ein Streitfall, der die Gerichte in Dünkirchen und Paris jahrelang beschäftigte, aber für die beiden Schweizer Handelsleute zu keinem befriedigenden Ergebnis führte74.
Die mit der leidenschaftlichen Bilanz des Aufklärers Guillaume- Thomas Raynal über die Ausbeutung der Kolonien eröffneten Ausführungen sollen mit der nüchternen buchhalterischen Bilanz des Kaufmanns Jacques-Louis Pourtalès über seine praktischen Erfahrungen schliessen. Er stellte nach dem Verkauf der Plantagen eine sieben Seiten umfassende genaue Abrechnung zusammen unter der Überschrift «Etat de ce que la demie des Plantations de la Grenade me coûte, ou me revient, avec les Intérêts77». Er gab alle Zahlen in «argent de Berne» an und rechnete bis zum 1. Januar 1776 für den Zins mit 4'/2% und von da an mit 4%. Die Bilanz lässt sich ohne Abdruck des ganzen Zahlenmaterials nicht eingehend interpretieren.
Immerhin geben die von Jahr zu Jahr jeweils auf den 1. Januar gezo¬ genen Summen einen anschaulichen Einblick in das Auf und Ab von Gewinn und Verlust aus den Plantagen.

Die auffällig ausführliche Schlussbilanz lässt fast vermuten, dass Jacques-Louis Pourtalès selbst im Zweifel war und genau wissen wollte, ob sich die Investition in die Plantagen überhaupt gelohnt habe. Er hat über die Zahlen hinaus mit keinem Wort seine Meinung dazu ausgedrückt. Die hier in drei Kolonnen angeordneten Ziffern zeigen jedenfalls, dass der Ertrag in den 1770er Jahren sicher und lohnend war und im nächsten Jahrzehnt zu schwanken begann. Nach 1790 konnte es nur noch darum gehen, die Plantagen so lange zu halten, bis man sie mit einem ansehnlichen Gewinn verkaufen konnte. Wenn man an die wirtschaftlichen Umwälzungen in den Jahren der Herrschaft Napoleons denkt, war es dafür 1797 wahr¬ scheinlich hohe Zeit.
Dr. Nikiaus Röthlin Unterer Heuberg 7 4051 Basel
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PDF erstellt am: 12.01.2016 Persistenter Link: http://dx.doi.org/10.5169/seals-118283
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1 Raynal, Guillaume-Thomas: Histoire philosophique et des établisse¬ politique ments et du commerce des européens dans les deux Indes. Genève 1781 (10 Bände)
- Das letzte Kapitel des zehnten Bandes (S. 382 ff.) trägt den Titel «Réflexions sur le bien & le mal que la découverte du Nouveau-Monde a fait à l'Europe».
2Raynal, op. cit. (Anm. 1), S. 383. 3Girod-Chantras, Justin: Voyage d'un suisse dans différentes colonies d'Améri¬
que pendant la dernière guerre avec une table d'observations météorologiques fai¬ tes à Saint-Domingue. Neuchâtel 1785.
4 Girod-Chantras, op. cit. (Anm. 3), S. 414.
5Jetzt lebende Kauffmannschafft Zu und ausser Deutschland. Erster Versuch. Leipzig 1743, S. 150-160.
6 Basler Handlungs-Schema oder Verzeichnis aller in Basel befindlichen Han¬ delsherren, Negocianten, Fabrikanten, Künstler, Commercial-Professionalisten, u.s.w. Basel 1789.
7 Lüthy, Herbert: La banque protestante en France. Bd. 2. Paris 1961, S. 369 ff. (besonders S. 396 ff.)
8Röthlin, Nikiaus: Ein Blick auf die Bezugs- und Absatzgebiete des schweizerischen Grosshandels anhand einiger Bilanzen aus dem 18. Jahrhundert. In: Die Schweiz in der Weltwirtschaft. (15.-20. Jh.). Hrsg. v. P. Bairoch und M. Körner. Zürich 1990, S. 85-99.
9 Bodmer, Walter: Schweizer Tropenkaufleute und Plantagenbesitzer in Niederländisch-Westindien im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Acta Tropica, Bd. 3, Heft 4, 1946.
10 Sieber, Eduard (Hrsg.): Ein Basler im Dienste der niederländisch-ostindischen Kompanie in Indonesien. Die Reisebeschreibung Joh. Heinrich Sulgers (1646-1699). Mit einem Anhang von Peter Buxtorf: Das Epitaph des J.H. Sulger. In: BZGA 49, 1950, S. 154-202.
11 Bodmer, op. cit. (Anm. 9), S. 2.
12 Bodmer, op. cit. (Anm. 9), S. 4 ff. — Das Kopierbuch befindet sich im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv in Basel unter der Signatur, bzw. Nummer 114.
13 Schweizerisches Wirtschaftsarchiv Basel, Signatur: 114, S. 125.
14 Bodmer, op. cit. (Anm. 9), S. 18 ff.
15 Peyer, Hans Conrad: Von Handel und Bank im alten Zürich. Zürich 1968, S. 175 ff.
16 Peyer, op. cit. (Anm. 15), S. 178 ff. 17 Peyer, op. cit. (Anni. 15), S. 182. 18 “Archives de l'Etat de Genève, Signatur: Commerce E 1—16. 19 Fmk, Paul: Geschichte der Basler Bandindustrie 1550-1800. Diss. Basel und Frankfurt/a.M. 1983, S. 163, 168 und «Genealogien der Basler Bandfirmen».
20 “Zinzendorf, Karl von: Bericht des Grafen Karl von Zinzendorf über seine handelspolitische Studienreise durch die Schweiz 1764. In BZGA 35, 1936, S. 295. 21 Fink, op. cit. (Anm. 19), S. 76 f. 22 Röthlin, Nikiaus: Die Basler Handelspolitik und deren Träger in der zweiten
Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert. Diss. Basel und Frankfurt/a.M. 1986, S. 388 (Nr. 195).
23 Es befindet sich im «Fonds de Pourtalès» in den Archives de l'Etat de Neuchâtel und wird hier in den Anmerkungen jeweils als F.P. mit der Nummer des Dossiers zitiert. Es sei auch an dieser Stelle der Familie de Pourtalès und den Beamten des Neuenburger Staatsarchivs fiir die Erlaubnis zur Auswertung gedankt. 24 Bergeron, Louis: «Pourtalès Sc Cie» (1753-1801): Apogée et déclin d'un capitalisme. In: Annales. Economies, sociétés, civilisations 25, 1970 S. 498-517 - Brandt, André: Aux débuts de l'indiennage alsacien: Jacques-Louis Pourtalès (1722-1814), ses associés alsaciens, ses activités en Alsace de 1753 à 1795. ln: Bulletin du Musée historique de Mulhouse 82, 1974, S. 119-153 - Caspard, Pierre: La Fabriqueneuve de Cortaillod. Entreprise et profit pendant la Révolution industrielle 1752-1854. Paris 1979
25 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 513.
26 Tarrade, Jean: Le commerce colonial de la France à la fin de l'Ancien Régime: L'évolution du régime de «l'Exclusif» de 1763 à 1789. 2 Bde. Paris 1972, besonders Bd. 2, S. 713-784.
27 Tarrade, op. cit. (Anm. 26), Bd. 2, S. 772 ff. 28 Tarrade, op. cit. (Anm. 26), Bd. 2, S. 777. 29 Tarrade, op. cit. (Anm. 26), schildert diese Politik fur den Kolonialhandel
anschaulich und ausführlich. 30 Farnie, D.A.: The Commercial Empire of the Atlantic, 1607-1783. In: The
Economic History Review, Second Series, Vol. 15, No. 2, 1962, S. 205-218, besonders S. 209 f.
gesetzt
31 Penson, Lillian M.: The London West India Interest in the Eighteenth Cen¬ tury. In: The English Historical Review, Bd. 36, 1921, S. 373-392 - Bell, Herbert C: The West India Trade before the American Revolution. In: The American Historical Review, Bd. 22, 1917, S. 272-287.
32 Pares, Richard: The London Sugar Market, 1740-1769. In: The Economic History Review, Second Series, Bd. 9, No. 2, 1962, S. 254-270 - Sheridan, Richard B.: Sugar and Salvery. An Economic History of the British West Indies. Epping, Essexl974, S. 496 f.
33 Ward,J.R.: British West Indian Slavery, 1750-1834. Oxford 1988, S. 50.
34 Penson, op. cit. (Anni. 31), S. 373 f.
35 Penson, op. cit. (Anm. 31), S. 379 - Sheridan, Richard B.: The Molasses Act and the Market Strategy of the British Sugar Planters. In: The Journal of Economic History, Bd. 17, 1957, S. 62-83.
,5Farnie, op. cit. (Anm. 30), S. 210.
36 Ward, J.R. : The Profitability of Sugar Planting in the British West Indies, 1650-1834. In: The Economic History Review, Second Series, Bd. 31, 1978, S. 197-213, besonders S. 204.
37 Burns, Alan: History of the British West Indies. London 1965 - Garcia, A.: History of the West Indies. London 1965.
38 Raynal, op. cit. (Anni. 1), Bd. 7, S. 389-398 - Barbiche, Jean-Paul: Les Antil¬ les britanniques de l'époque coloniale aux indépendances. Pans 1989, S. 93.
39 Farine, op. cit. (Anni. 30), S. 209 f -Watts, David: The West Indies: Patterns of Development and Environmental Change since 1492. Cambridge 1987, beson¬ ders S. 176 ff.
40 Aus der grossen Zahl von Arbeiten zur Sklaverei auf solchen Plantagen sei nur
auf die in Anmerkung 32 genannten Darstellungen von Sheridan und Ward ver¬ wiesen sowie aufKlein, Herbert S.: African Slavery in Latin America and the Carib¬ bean. New York, Oxford 1986, besonders S. 45-66 und auf Sheridan, Richard, B.: The Commercial and Financial Organization of the British Slave Trade, 1750-1807. In: The Economic History Review, Second Series, Bd. 11, No. 2, 1958, S. 249-263.
41 Sheridan, op. cit. (Anm. 32), S. 366.
42 Garcia, op. cit. (Anm. 37), S. 178.
43 Burns, op. cit. (Anni. 37), S. 505, 507.
44 Garcia, op. cit. (Anni. 37), S. 179 ff. - Farnie, op. cit. (Anm. 30), S. 215 ff. - Carnngton, Selwyn: The British West Indies during the American Revolution. Dordrecht, Providence 1988.
45 Burns, op. cit. (Anni. 37), S. 520 ff.
46 Burns, op. cit. (Anm. 37), S. 543 ff. - Garcia, op. cit. (Anm. 37), S. 185 ff. - Duffy, Michael: Soldiers, Sugar and Seapower. The British Expeditions to the West Indies and the War against Revolutionary France. Oxford 1987.
47 Barbiche, op. cit. (Anni. 38), S. 16 ff.
48 Sheridan, op. cit. (Anni. 32), S. 458.
49 Barbierie, op. cit. (Anni. 38), S. 108.
50 Klein, op. cit. (Anm. 40), S. 50 fi - Watts, op. cit. (Anm. 39), S. 316.
51 Sheridan, op. cit. (Anni. 32), S. 458 f.
52 Sheridan, Richard B.: The British Credit Crisis of 1772 and the American Colonics. In: The Journal of Economic History, Bd. 20, 1960, S. 155-186, beson¬ ders S. 164 ff.
53 F.P. (vgl. Anni. 23) 4/VII (Vertrag zwischen Thurneysen und Pourtalès vom 2. Mai 1772) — Auch die folgenden Angaben über den Kauf sind diesem Dokument
entnommen.
54 F.P. 4/X (Vertrag zwischen Pourtalès und Thurneysen d.J. vom 23. Juli 1792).
55 F.P. 4/X (Quittung von Thurneysen d.J. vom 22. Juli 1797).
56 F.P. 4/VII (Vertrag zwischen Thurneysen und Pourtalès vom 2. Mai 1772).
57 F.P. 4/X (Vertrag zwischen Pourtalès und Thurneysen d.J. vom 23. Juli 1792).
58 Paterson, Daniel: A topographical Description of the Island of Grenada: surveyed by Monsieur Pinel in 1763, by Order of Government. With the Addition of English Names. Alterations of Property, And other Improvements To the Present Time By Lieutenant Daniel Paterson. London 1780, S. 10.
59 Einen ausgezeichneten Einblick m den Betrieb und den Alltag auf einer fran¬ zösischen Zuckerfarm des 18. Jahrhunderts bietet Cauna, Jacques: Au temps des isles à sucre. Histoire d'une plantation de Saint-Domingue au XVIIIe siècle. Pans 1987 (zur Rolle der Verwalter S. 57 ff.)
60 ’F.P. 4/X («Schlussbilanz» von Pourtalès).
61 F.P. 4/VIII (1779 à 1790. Tableau des revenus...)
62 TP. 4/VIII (1779 à 1790. Tableau des revenus...)
63 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 514 - Er fügt aus einer anderen Quelle noch
für 1776 2747 Pfund Sterling und für 1777/78 10075 Pfund Sterling an.
64 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 514.
65 F.P. 4/VIII (Tableau des Dépenses faittes à la Grenade...)
66 T.P. 4/VIII (Compte d'administration... 1791).
67 vgl. Cauna, op. cit. (Anm. 59), S. 121 ff.
68 Bergeron, op. cit. (Anm. 24), S. 511.
69 F.P. 4/VIII (Instruktion an Louis Pourtalès).
70 TMF.P. 4/IX (Brief des Vaters an den Sohn Pourtalès, undatiert).
71 F.P. 4/IX (Brief von François Meuron an Louis Pourtalès vom 30. Oktober 1792).
72 F.P. 4/X (Brief von François Meuron an Louis Pourtalès vom 27. November 1792).
73 ,F.P. 4/IX (Brief des Sohns an den Vater Pourtalès vom 8. Oktober 1793).
74 F.P. 4/X («Historique» über den Streit um ein 1784 gesunkenes Schiff.
75 F.P. 4/X («Schlussbilanz» von Pourtalès).
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