Makro und Mikro in der zweiten Globalisierung: Kuba um 1850 und die Geschäfte des Christian Wilhelm Jamm aus Lahr
Michael Zeuske, Universität zu Köln
Original publiziert unter: Zeuske, „Christian Wilhelm Jamm und die Sklaverei auf Kuba, in: Geroldsecker Land. Jahrbuch einer Landschaft, Heft 45 (2003), S. 19-46 sowie unter: Zeuske: “Deutsche als Sklavenhalter? Christian Wilhelm Jamm aus Lahr im Schwarzwald und die Sklaverei auf Kuba“, in: Zeuske, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich: Rotpunktverlag, 2004, S. 360-372
(vorliegende Version 2013 ist sehr erweitert; Ende 2013 nochmals erweitert um die Informationen zu Matthias Haberhoff/ Matias Averhoff)
Über Christian Wilhelm Jamm, den „Wohltäter“ der Stadt Lahr im Schwarzwald, ist schon viel geschrieben worden. Ich will hier keine biographischen Details oder andere Begebenheiten aus seinem Leben in Deutschland hinzufügen. Einiges aus seinem „kubanischen“ Leben ist allerdings seit jeher enigmatisch, rätselhaft geblieben. Wie hatte Jamm sein Geld, das viele Geld, das er 1875 zu großen Teilen der Stadt Lahr vermachte, verdient? Immerhin war Kuba die „Sklaveninsel“ par excellence der westlichen Hemisphäre. Selbst im Süden der USA war die Sklaverei infolge des Bürgerkriegs zwischen Norden und Süden 1862/65 verboten worden. Auf Kuba wurde die Aufhebung der Sklaverei erst 1886 proklamiert.
Steckt also „Sklavenblut im Stadtpark“ (Thorsten Mietzner) von Lahr? Ich will zur Beantwortung dieser komplizierten Frage kurz auf den Debattendiskurs und auf die wichtigste Argumentationsfigur darin, die vom “Sklavenblut“ (resp. “schmutziges Geld“) eingehen. Diese Argumentation und ihre rhetorischen Figuren sind fast wortwörtlich von Rübenzuckerproduzenten in Deutschland gegen die überseeische, meist auch kubanische Konkurrenz des „Sklavenzuckers“ benutzt worden.
Zweitens möchte ich den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Hintergrund von Jamms „kubanischem“ Leben schildern, vor allem in Form einer Synthese der Geschichte Kubas und Havannas zwischen 1830 und 1860.
Drittens will ich gerne kurz die deutsche Kaufleute-Kolonie auf Kuba und in der Karibik vorstellen, um auf vor diesem Hintergrund das Problem der „Sklavengeschäfte“ Jamms endgültig zu klären – soweit das für einen Kuba- und Sklavereihistoriker möglich ist.
Das „Blut- und Sklavenargument“
Das Argument vom „Sklavenblut“-Anteil in einem bestimmten Produkt kam in Europa im 19. Jahrhundert zunächst im Zusammenhang mit einem, vielleicht dem, Massenkonsumgut der entstehenden Industriegesellschaft auf - Zucker.[1] Das scheint auf den ersten Blick nicht viel mit Jamm zu tun zu haben. Auf den zweiten Blick ergibt sich aber die logische Schlussfolgerung, dass er sein Geschäft und das Geld, welches er damit verdiente, vor allem das Geschäft mit Luxustextilien und Seidenstoffen, dem Reichtum einer kaufkräftigen Oberschicht in Havanna und Matanzas verdankte, die ihrerseits ihr Geld im Zucker gemacht hatte.
Auch fällt die Ähnlichkeit der Worte,
der Rhetoriken und Argumente in das Auge. Deshalb will ich hier zunächst den
Diskurs zum „Sklavenblutanteil“ darlegen und analysieren.
Der Ansatz liegt, salopp gesagt, beim Kampf zwischen „Rübe versus
Rohr“. Die Konkurrenz des Zuckers aus Rüben mit dem „Kolonialzucker“ hat eine
einhundertsechzigjährige Geschichte [2013 einhundertsiebzigjährige]. Der
europäische Rübenzucker trat etwa um 1840 gegen das „Millenium des
Rohrzuckermonopols“[2] auf den Weltmarkt der zweiten Globalisierung an. Wir
leben heute, nach diesem Modell, in der dritten oder vierten Phase der „Globalisierung“. Die erste Globalisierung
Westeuropas setzte, Vorläufer, wie die Kreuzzüge, außer Acht lassend, etwa 1400
ein und erreichte 1492-1560, mit der europäischen Expansion nach Übersee einen
ersten Höhepunkt. Die zweite Globalisierung war etwa identisch mit der
Vernetzung der Welt durch Dampfmotoren und Schienennetze sowie Telegraphen in
der Industrialisierung (etwa 1800-1870). Kuba war zu dieser Zeit schon
wichtigster amerikanischer Zuckerproduzent. Die Insel hatte seit 1840 die
Spitze in der Weltproduktion von Zucker eingenommen, war also, nach heutiger
Rhetorik, ein „Global Player“ des Zuckers.[3]
Der Anteil der Sklaven an der Bevölkerung der Insel erreichte 1840-1846
ebenfalls Spitzenwerte und übertraf erstmals die Anteile der weissen Bevölkerung.[4]
Mit dem Siegeszug des europäischen Rübenzuckers, der bis 1900 etwa 50%
Marktanteile in der Welt erlangte, erreichte auch die Polemik um die beiden
Süßpflanzen einen Höhepunkt.[5] Die Debatte hatte im
frühen 19. Jahrhundert einen Schwerpunkt in Frankreich, wo die Schlacht
zwischen „sucre indigène vs. sucre exotique“ besonders hart tobte. [6]
Die Kontroverse fand sogar Eingang in die politische Karikatur eines Honoré
Daumier.[7]
Auch Alexander von Humboldt äußerte sich zur Debatte[8]
- er sah bereits in den zwanziger Jahren die Bedrohung der karibischen
Zuckerproduktion durch den europäischen Rübenzucker voraus. [9]
Das eben geeinte wilhelminische Deutschland avancierte in den achtziger
Jahren des 19. Jahrhunderts zum europäischen Hauptproduzenten und -exporteur
von Rübenzucker.[10]
In Kuba markierte die endgültige Abolition der Sklaverei [11]
(1886) eine neue Stufe des radikalen, allerdings regional und sektoral
begrenzten Modernisierungs- und Zentralisierungsprozesses der Zuckerproduktion
unter massiven Investitionen zunächst vor allem hispano-kubanischen
Handelskapitals.[12]
Das kleine Kuba und das große Deutschland waren seit etwa 1850 Konkurrenten auf
dem Weltzuckermarkt geworden; für die Masse der deutschen Bevölkerung
allerdings zählte nach Hermann Paasche Zucker 1891 „noch immer zu den
Gegenständen des Luxuskonsums“.[13]
Besonders in Krisenzeiten wurde in
Deutschland die „Gefahr Kuba“ bemüht: „Unter allen Zucker erzeugenden Ländern
beansprucht Kuba unser größtes Interesse“, schrieb ein Autor noch 1920.[14]
Diese Furcht des großen Reiches vor der kleinen Antilleninsel mit ihren knapp
1,5 Millionen Einwohnern (1899) mag übertrieben erscheinen und lächerlich
wirken. Schon 1901 aber analysierte der landwirtschaftliche Sachverständige
Karl Kaerger den Wiederaufstieg des Konkurrenten nach dem verheerenden
Unabhängigkeitskrieg 1895-1898.[15] Zuckerexperte Julius Wolf
fügte 1906 weitere Dimensionen der „Gefahr Kuba“ hinzu. Im Vorwort einer
Zuckerstudie hielt er fest: Einmal sei sein Buch geschrieben „mit Rücksicht auf
das von Deutschland und auch von anderen europäischen Mächten noch
auszutragende Geschäft mit den Vereinigten Staaten, sodann aber mit Rücksicht
darauf, daß der historische Kampf zwischen Rohr- und Rübenzucker gegenwärtig
neu auflebt“.[16]
Der Autor präsentierte eine Analyse des Weltzuckermarktes und seines deutschen
Anteils „unter spezieller Berücksichtigung der demselben durch die kubanische
Produktion drohenden Gefahr“.[17] Damit stellte er die
„Gefahr Kuba“ in einen größeren und weniger direkt wirtschaftlichen Zusammenhang,
den ein heutiger Historiker mit dem treffenden Begriff „Ausbeutung der
geographischen Position der Insel durch ihre Eliten“[18]
erfaßt hat. Es ging also nie um Kuba allein, sondern um Kuba als „Land der
unbegrenzten Möglichkeiten“[19] mit äußerst günstigen Standortfaktoren
(u.a. niedrigen Arbeitskosten), d.h., um neue Boomwirtschaften in der zweiten
Globalisierung, um die Kapazitäten [20]
und natürlichen Bedingungen der Antillenperle als Brückenkopf eines
karibisch-nordamerikanischen Wirtschaftsimperiums.[21]
Auch seitens kubanischer bzw.
spanischer Wirtschaftsexperten wurden die europäische und die deutsche
Zuckerrübenproduktion relativ schnell als Gefahr und Herausforderung begriffen. [22]
Der wichtigste Exponent der „europäischen“ Bedrohungsbeschwörung wurde seit den
vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Spanier Ramón de la Sagra.[23]
Heutige Autoren erwähnen zwar die Bedrohung der kubanischen Zuckerproduktion
durch die „Rübenkonkurrenz“ immer wieder. Aber das Thema ist kaum auf
systematische Weise vergleichend untersucht worden. [24]
Ausnahmen bilden in gewissem Sinne die Klassiker der Zuckergeschichtsschreibung
Deerr, Lippmann, Baxa/Bruhns, Mintz und Galloway, sowie das kubanische Standardwerk El Ingenio von Manuel Moreno Fraginals.[25]
Das meistbenutzte und für die zeitgenössische
Mentalität wohl auch schlagkäftigste Argument in der Kontinentaldebatte
Europa-Amerika ist das der Sklaverei bzw. das Argument vom „Blutzucker“[26] gewesen. Achard beispielsweise betrachtete seine
Bemühungen um die Rübenzuckerproduktion als „patriotische Tat“, die sich auch
gegen die „Kolonial-Sklaverei“ in den Rohrzuckerländern richtete, wo
„Blutzucker“ hergestellt werde[27], eine These, die von Karl
Marx[28] und Eric Williams[29]
weitergesponnen wurde. Die „Blutzucker-These“ wurde dann zur
“Williams-These” über die Finanzierung des britischen Kapitalismus.[30] Sie
hat sich auch als Klischee ausgebreitet.[31]
Unter dem Stichwort „Humanität“ wird es heute noch gern als nachträgliche
Rechtfertigung für den Ausbau europäischer Zuckerkapazitäten benutzt.[32]
Ohne die Konkurrenzsituation von Rübe (Europa) und Rohr (Amerika) allerdings
ist die Debatte nicht zu dechiffrieren und auch die Fragen nicht zu klären, ob
denn die durch die Konkurrenz erzwungene „Freiheit“ der Sklaven nach 1886 auch
ein Mehr an humanitären Bedingungen gebracht hat oder ob die Libertos, die seit
1886 endgültig freien, ehemaligen Sklavinnen und Sklaven, als Teil einer
multiethnischen Saisonarbeiterschaft im Zucker auch als Freie verelendeten.
Aber Freiheit ist eben auch und vor allem seit 1789 ein Wert und ein
Menschenrecht an sich.
Das Bild[33],
welches Humboldt in seinem Essai
politique [34] von Kuba zeichnete, ist
bis heute unerreicht.[35]
Sein Bild Kubas erfaßt in „Konstruktion“ und Text das wichtigste
sozialpolitische, wirtschaftliche und kulturelle Problem der Jahre 1800-1820:
die Alternativsituation „Ausweitung oder Verringerung der Sklaverei?“ im Umfeld
der zweiten Globalisierung, die Kuba mit einem weltweiten Massenmarkt für
Zucker die Chance zu einer extremen Produktionssteigerung bot. Einige Mikroregionen
Kubas zwischen den Städten Havanna-Matanzas sowie dem Fischerhafen Batabanó im
Süden (denn der Zuckerboom gründete sich am Beginn, etwa um 1800, auf ganze 4%
des kubanischen Territoriums) stiegen von einer Peripherie des
Ancien-régime-Kolonialsystems (in dessen Zentrum das französischen
Saint-Domingue und das englische Jamaika gestanden hatten)[36]
zu einem regionalen Zentrum auf; in bezug auf die Zuckerproduktion war es sogar
das Zentrum der Welt; die Metropole Spanien in gewissem Sinne sein Anhängsel.
Humboldt selbst hielt den Prozess der intensiven tropischen
Zuckerproduktion auch ohne Sklaven für möglich. Im Essai Politique über Kuba
analysiert er Grundkonstellationen dieser Alterität am Beginn der zweiten
Globalisierung, beispielsweise den Im- und Export der Insel (vor allem
Havannas), den Luxus-Import und den Mangel an Nahrungsmittelproduktion im
„großen Kuba“ der Zuckerproduktion mit Massensklaverei (eine der
makrowirtschaftlichen Grundvoraussetzungen für Jamms Wirken!). Dann öffnet er
die Zukunftsperspektive einer vermehrten Nachfrage durch Stärkung des inneren
Konsums im Rahmen der Konzeption eines „kleinen“ Kuba und schreibt: „Wenn der
Sklavenhandel ganz aufhört, so werden die Sklaven nach und nach in die Klasse
der freien Menschen übertreten und eine aus neuen Elementen gebildete
Gesellschaft wird, ohne die Erschütterungen bürgerlicher Zwiste zu erleiden, in
jene Bahnen übergehen, welche die Natur allen zahlreichen und aufgeklärten
Gesellschaften vorgezeichnet hat. Der Anbau des Zuckerrohrs und des
Kaffeestrauchs wird nicht vernachlässigt werden; aber es wird derselbe
ebensowenig die Hauptgrundlage des Bestands der Nation bleiben, wie dies die
Kultur der Cochenille für Mexico, die des Indigo für Guatemala und diejenige
vom Kakao für Venezuela ist.“[37]
Ich habe die Wirtschaftsentwicklung Kuba und der
Zuckerwirtschaft hier noch einmal recht ausführlich im Zusammenhang mit den
„Sklavenblutargument“ geschildert, um eines deutlich zu machen. Kuba war um die
Mitte des 19. Jahrhunderts nicht irgendein fernes und armes Land (wie es uns
heute manchmal erscheint), es war auch nicht zurückgeblieben oder
„unterentwickelt“ (im Rahmen des damaligen Denkens), sondern es war eine
Boomwirtschaft der zweiten Globalisierung, ein sehr ernstzunehmender Konkurrent
europäischer Wirtschaften und zugleich ein Mythos des Reichtums unter der
Tropensonne.[38]
Auf Christian Wilhelm Jamm bezogen heisst das, die
Zuckerboom-Wirtschaft, die seit 1826, vor allem aber mit Humboldts berühmten
„Essai Politique“, der ganzen Welt bekannt geworden war, zog die
Kaufmannsselite der atlantischen Welt und auch den Textilkaufmann Jamm an.[39]
Auf Kuba, wo Geld aus der Zuckerwirtschaft und damit eine kaufkräftige
Kundschaft da waren, konnte er seine Waren verkaufen. Ein Humboldt war er
nicht, nicht nur, weil vielleicht nicht so wissenschaftlich gebildet war,
sondern vor allem, weil wir kein Wort von Jamm gegen die Sklaverei kennen. Er
hat die Wirtschaftsform „Zucker und Massensklaverei“ auf Kuba offensichtlich
hingenommen.
Havanna um 1850 – die Metropole des Atlantik
Das führt uns zur Frage: was machte die Attraktivität
Kubas und Havannas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus?
Cirilo
Villaverde, der Zola Kubas, schrieb schon 1841 nieder, Havanna sei Kuba, ebenso
wie London England oder Paris Frankreich repräsentiere.[40]
Der Hafen von Havanna und die Stadt an seiner Zufahrt sowie die Insel waren
seit den Zeiten der Segelschifffahrt wirklich der “Schlüssel der Neuen Welt und
Schutzmauer Westindiens”. Das war bereits seit den ersten schweren Korsarenangriffen
der Franzosen Mitte des 16. Jahrhunderts oder mit der Eroberung sowie etwa
einjährigen Besetzung durch die Engländer 1762/63 deutlich geworden und war mit
der Gründung des Flottensystems sanktioniert worden. [41]
Diese geostrategische Position in einer
imperialen Struktur, dem spanischen Imperium - zwischen den Kontinenten
sozusagen - einer relativ kleinen Stadt mit einer quantitativ recht geringen,
aber festgefügten und einflußreichen Oberschicht (um 1800 etwa 500 Familien)
hat seit dieser Frühzeit die Mentalität der Eliten zutiefst geprägt, wie Allan
Kuethe zu Recht festgestellt hat. Die Oligarchie Havannas hat sich, meist in
Verbindung mit schnell gezähmten Funktionären Spaniens, verhältnismäßig zeitig
als eine imperiale Elite, als herausgehoben gegenüber den anderen Oberschichten
Spanisch-Amerikas, empfunden. Die kreolische Oligarchie Havannas hat in und mit
dieser Mentalität seit jeher aus einer scheinbaren Position der Schwäche, aber
im klaren Bewußtsein ihrer geopolitischen Stärke, Imperien gesucht und gefunden
und deren Eliten manipuliert. Über die neuesten Ansätze „Empire“ zum Subjekt
der historischen Entwicklung in der heutigen Globalisierung[42] zu
machen, hätten Vertreter dieser Elite nur wissend gelächelt. Besonders deutlich
wird diese Mentalität im Handeln und in der selbstbewußten Sprache von
Francisco de Arango y Parreño (1765-1837), dem Adam Smith der Zuckerwirtschaft
mit Massensklaverei.[43] Aber
die traditionellen Zäsuren der kubanischen Historiographie übergreifend, gilt
diese Mentalität sowohl für die Kolonialzeit gegenüber Spanien, aber auch für
die Zeit der sog. “neokolonialen Republik” (1902-1959) gegenüber den USA und
von 1961 bis 1990 gegenüber dem sowjetischen Imperium; natürlich mit
unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen. Die Bedeutung und das weite
Interesse, das Kuba immer gefunden hat, wären sonst kaum rational erklärbar. Es
hat sich relativ zeitig ein Mythos um diese Insel gebildet.
Der
Stadt Havanna sieht man noch heute an, dass sie einst die Königin der Karibik
und imperiales Zentrum des Atlantik gewesen ist. Diese Geschichte begann, als
sich mit dem Cortés-Zug die strategische Richtung der Conquista in Richtung
Neu-Spanien (Mexica-Reich, Mexiko) verlagerte. Im eigentlichen Sinne gilt die
immer wieder zitierte Ehrenbezeichnung „Schlüssel der Neuen Welt“ nur für die
Stadt und den strategischen Hafen San Cristóbal de la Habana und ihr Umland.
Bereits seit der Einrichtung des Systems der flotas y galeones, der Flotten und Galeonen, in den sechziger
Jahren des 16. Jahrhunderts war die Stadt der zentrale Sammelpunkt der nach
Europa zurückkehrenden Flotten geworden. Sie wurde auch, wie Moreno Fraginals
es bezeichnet hat, Zentrum eines umfangreichen imperialen Tertiärsektors vor
allem im Schiffs- und Festungsbau sowie in der Versorgung der Flotten. Kuba -
womit eben vor allem Havanna gemeint war - bildete bis weit in das 18.
Jahrhundert hinein die wichtigste Dienstleistungs- und Handelskolonie des
spanischen Imperiums.
Die Silberproduktion in Peru
verzeichnete im siebzehnten Jahrhundert einen langsamen und relativen Rückgang.
Das karibisch-mittelamerikanische Handelszentrums Portobelo befand sich im
Niedergang. Die Silberzentren im Vizekönigreich Neu-Spanien aber produzierten
immer mehr. Damit verstärkte sich die Position der Antillenmetropole. Havanna
wurde ab 1561 neben seiner Rolle als Dienstleistungszentrum in einer
Seeökonomie nun auch zur Empfänger- und Verteilerstadt von mexikanischem
Silber. Zugleich war der Hafen in einer der berühmten Bolsabuchten der Insel
der äußere Vorposten des spanisch-amerikanischen Kernreiches. Havanna wurde zum
Hafen Neu-Spaniens. Es schützte zusammen mit San Juan de Puerto Rico die
Atlantikfassade der kontinentalen Besitzungen sowie Florida und war zugleich
letzter Hafen vor der langen Ozeanpassage nach Europa. Die Quellen des 16. und
17. Jahrhunderts heben immer wieder hervor, daß im Hafen Havannas tausend
Schiffe Platz hätten. Deshalb gab die Krone viel Geld für diese Stadt aus,
mehrheitlich situados[44] aus Neu-Spanien. Die Gelder blieben zum großen Teil in
Havanna bzw. gingen weiter an andere koloniale Subzentren, wie Santiago de
Cuba, Matanzas, Jagua, Baracoa, San Agustín in Florida, Santo Domingo, Puerto
Rico und mit einiger Regelmäßigkeit auch an die Plätze Cumaná, Panzacola und
Nueva Orleans (seit 1763), manchmal sogar nach Santa Marta und Cartagena sowie
Panamá. Dieses Verteilerzentrum als ein Schwerpunkt des imperialen
Kommunikations- und Kontrollsystems mußte bereits relativ zeitig sowohl durch
das allgemeine Kolonialmonopol (d.h., politisch-juristisch), aber auch
praktisch-militärisch gegen andere Mächte geschützt werden. [45]
Die
Finanzierung dieser Verteidigungs- und Festungsbau-Maßnahmen erfolgte weiterhin
meist über die bereits erwähnten Situados von Mexiko; in Kuba, besonders
Havanna, zirkulierten zwischen 1560 und 1820 immer bedeutende Summen
„imperialen Geldes“ (die Tradition setzte sich – natürlich unter anderen
Bezeichnungen – bis in die Zeiten des Kalten Krieges fort). Havanna bildete
weiterhin, neben seiner Rolle als wichtigstes Empfänger- und Verteilerzentrum
des mexikanischen Silbers und amerikanischer Schnittpunkt der imperialen
atlantischen Kommunikationen, die wichtigste Säule im imperialen Militärkonzept
der bourbonischen Reformer des späten 18. Jahrhunderts. In der Stadt gab es
immer verhältnismäßig viele hohe Offiziere und Beamte, die hohe Gehälter
bezogen. 1728 war zudem noch die Universität von Havanna – heute eine der
schönsten Universitäten der Welt - als die prominenteste Bildungseinrichtung
der Insel von Dominikanern gegründet worden. Die Oberschichten der Kreolen
hatten dadurch, im Unterschied zu den Bewohnern englischer, holländischer oder
französischer Kolonien, die Gelegenheit, höhere Bildung in Amerika selbst zu
erwerben. All dies weist in unserem Zusammenhang darauf hin, daß in Havanna
immer eine kaufkräftige Abnehmerschicht für Luxuswaren existierte. Havanna war
auch, trotz gelegentlicher Klagen etwa von Deutschen über mangelde „Bildung“,
im 19. Jahrhundert auch ein Zentrum der Hochkultur (Musik, Oper, Theater, Tanz,
Gesang, Zoologischer Garten, Bäder), der Mode und des exklusiven Lebensstiles.[46]
1791 brach im benachbarten Saint-Domingue (seit 1804 Haiti)
die mächtigste Sklavenrevolution der Weltgeschichte aus. 1810 bis 1830
befreiten sich Mexiko und Südamerika (unter Simón Bolívar) vom spanischen
Kolonialismus. Allerdings blieben die neuen Republiken auf Jahrzehnte instabil
und konnten keine wirtschaftlich Entwicklung im Sinne der zweiten
Globalisierung aufweisen. Nettogewinner dieses eigentlich – im imperialen Sinne
für Spanien – gigantischen Verlustgeschäftes wurde Kuba. Genauer, die Eliten
Havannas. Zunächt gewann die Insel Menschen. Schätzungen über französische
Immigranten im Ostteil Kubas gehen von 10 000 bis 30 000 Menschen aus.[47]
Zunächst kamen sogar aristokratische Flüchtlinge aus Frankreich selbst, dem
Mutterland der modernen Revolutionen. 1798 beispielsweise kam Louis Philippe,
Herzog von Orléans, mit zweien seiner Brüder, dem Herzog von Montpensier und
dem Grafen von Beaujolais (noch als Louis Philippe schon “Bürgerkönig” von
Frankreich war, schickten ihm kubanische Freunde Guayaba-Paste nach Paris).[48]
Alain Yacou hat ausgezählt, dass allein zwischen Juni 1803 und dem 31. Januar
1804 18213 Personen aus Saint-Domingue nach Santiago de Cuba kamen.[49] Dazu
kamen seit 1795 viele Menschen aus den an Frankreich abgetretenen Santo Domingo
(darunter die Eltern von Domingo del Monte).[50]
Meist handelte es sich um recht begüterte Pflanzer. Viele Franzosen mussten
zwar wegen des antifranzösischen Dekrets von 1809 die Insel wieder verlassen,
etwa 6600 aus Baracoa, Santiago und La Habana.[51]
1803/04 kamen viele Spanier und Kreolen aus Luisiana, vor allem aus New Orleans
nach Kuba (Frankreich hatte Louisiana 1763 an Spanien abgetreten; Napoleon
hatte es 1800 Spanien wieder abgenommen und dann 1804 an die USA verkauft).[52] Seit
1811 kamen wegen der Wirren der Unabhängigkeitskriege Menschen aus Venezuela
und Neu-Granada, auch wohl aus Mexiko, dann seit 1817 wieder sogenannten
Floridanos (für Forida existierte bereits ein Tradition, die auf den Auszug bei
Übergabe an Großbritannien zurückging).[53] Bei
diesen Menschen handelte es sich meist um Kolonialeliten, spanische Kaufleute
und imperiale Beamte.
Aber
auch bitterarme Menschen erreichten Kuba. Zwischen 1789 und 1867 kamen ca.
600.000 bis 800.000 Menschen aus Afrika nach Kuba, zwangsweise. Auch ca.
150.000 bis 170.000 Kantonchinesen migrierten nach Kuba und wurden unter
sklavereiähnlichen Bedingungen als Kontraktarbeiter (Kulis; asiáticos) eingesetzt.
Der Zerfall des alten
spanischen Imperiums brachte Menschen und damit Humankapital, wie auch reales
Kapital (allerdings auch zeitweilig hohe Mehrausgaben) nach Kuba und
verschaffte den Territorien des neuen spanischen Insel-Imperiums (seit 1830
hatte Spanien nur noch Inseln – Kuba, Puerto Rico, die Phillippinen, die
Karolinen, die Ladrones, Guam, die Kanaren und Fernando del Póo sowie einige
Küstenplätze in Nord- und Westafrika als Kolonien) günstige Startbedingungen in
der zweiten Globalisierung. Das Kapital und das Know How
waren wichtig für die Entwicklung der Zuckerwirtschaft. Mit dem Krieg um die
Unabhängigkeit der USA (1778-1783) und dem Niedergang des karibischen
Konkurrenten Saint-Domingue (1791-1804) erkannten weitblickende Eliten die
Chance der Insel in der Zuckerproduktion. Sie entwickelten das
Modernisierungsprojekt eines “großen” Kuba der Zuckerplantagen und der
Massensklaverei. Die Medienarbeit und die Pression bei Hofe für das
Zuckerprojekt in dieser zweiten Globalisierung übernahm Francisco de Arango.
Aber es geschah mehr. Arango erfand eine Tradition. Und die Elite von Havanna
übernahm jetzt auch diskursiv die Führung in diesem von der Krone angestoßenem
Prozeß bzw. ließ damit für jeden, der lesen konnte, erkennen, dass sie diese
Führung in Realität lange schon hatte. In
der Diktion des “Discurso sobre la Agricultura de la Habana y medios de
fomentarla” (1792)[54] des kreolischen Sklavereiideologen Arango y
Parreño, liest sich das so: Die englische Besetzung “gab Havanna auf zweierlei
Art Leben; die erste kam mit den beträchtlichen Reichtümern, mit der großen
Anzahl von Negern, Gebrauchsgegenständen und Stoffen, die der Handel
Großbritanniens in nur einem Jahr hereinströmen ließ; und die zweite, indem sie
unserem Hof die Bedeutung dieses [strategischen] Punktes bewies und all seine
Aufmerksamkeit und Vorsicht auf ihn zog“.[55] Nicht einmal die radikalen Liberalen im
Mutterland Spanien, in den Cortes von Cádiz, die zunächst den Sklavenhandel
hatten verbieten wollen, aber auch schon kritisch über die Sklaverei selbst
diskutierten, konnten sich der starken Argumente der kubanischen Boomwirtschaft
entziehen: sie wurden in den Debatten überstimmt und die Cortes dekretierten
1813 die Befreiung des Sklavenkaufs
und - verkaufs von der
Alcabala-Steuer.[56] Eine der Akkumulationsquellen des hispano-kubanischen
Kapitalismus wurde steuerfrei gestellt.
Hier entstanden in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts, zwischen 1800 und 1850 diejenigen Gruppen und Klassen,
aus denen die Kundschaft Jamms kam. Wie wir gesehen haben, hatten die aus
Louisiana oder Saint-Domingue geflohenen „Franzosen“ wahrscheinlich auch noch
französisches „Markenbewusstsein“ bei der Wahl ihrer Kleidung und Unterwäsche.
Das
Ursprungsgebiet des “großen” Kuba der modernen Ingenios und der
Zuckerwirtschaft des 19. Jahrhunderts wurde „das schöne Tal von Güines“[57]
südöstlich von Havanna. Alexander von Humboldt hat es beschrieben. Dort legten
französische Zuckerfachleute aus Saint-Domingue mit dem Geld der Calvo de la
Puerta, Jaruco und Arango neue, große Zuckerplantagen an. Das idyllische Tal
wurde zum Geburtsort des vollmechanisierten Ingenios, die in bezug auf
Technologie das 19. Jahrhundert bis 1870 dominieren. Seit 1837 existierte die
erste Eisenbahnlinie Amerikas zwischen Havanna und Güines. Zwanzig Jahre später
waren alle damaligen Plantagenzonen und die wichtigsten Häfen miteinander
vernetzt.[58]
Die spätere Provinz Matanzas wurde zum Herz der Plantagenzone, zum Herzen des
“großen” Kuba. [59] Die kubanische Kaffeewirtschaft wurde durch drei
schwere Hurrikans 1844/46 und die Zuckerkonkurrenz vernichtet. Die
Tabakwirtschaft stellte eine weitere Variante der erfolgreichen tropischen
Exportproduktion dar. Diese Produktionsform gründete sich allerdings auf
bäuerlichen Familienbesitz (mit Sklaven!) und gewann niemals die gleiche Kraft
wie die Zuckerproduktion in der Okkupation von Boden oder bei der Zerstörung
der alten Haciendas Comuneras. Tabakbauern gehörten eher in Ausnahmefällen zu
den Kunden von Jamm. Allerdings wird Christian Wilhelm Jamm, wenn er denn
Raucher war, zu den Kunden der Zigarrenproduzenten, vielleicht sogar zu den
Kunden der deutschen „Kubaners“ Upmann[60],
gehört haben. Die Tabakproduzenten traten zum Teil sogar als Verteidiger alter
Besitzstrukturen auf. Nur dort konnten sie ihre Subsistenz auf billige Art und
Weise absichern. Mit der Aufteilung und dem Verkauf der alten
Gemeindeländereien mußten die Vegueros meist Boden für ihren Lebenserhalt von
den neuen Landbesitzern pachten und mit ihnen um das notwendige Wasser
konkurrieren. Trotzdem gewann die Tabakproduktion mit der starken Nachfrage
nach dem qualitativ hochwertigen Havanna-Tabak schnell an Kraft und Breite.
Tabak wandelte sich in der zweiten Globalisierung zu einem typischen
“Start-up”-Unternehmen, wie man heute sagen würde. Allerdings hatte kubanischer
Tabak auf die Dauer und im Export nur als Markenprodukt in Konkurrenz mit
Brasilien, den USA und Java sowie Santo Domingo und Venezuela eine reale
Chance.
Nach dem Zensus von Vives (1827)
existierten 5534 Tabakfarmen, Vegas,
auf der Insel. Die besten Gebiete lagen an den Flußufern in den (späteren)
Provinzen Pinar del Río (Vuelta Abajo; Semi-Vuelta); Havanna (Partido); Villa
Clara (Remedios) und Oriente. Die meisten Vegas hatten eine Betriebsfläche, die
unter 25 Hektar lag. 87,5 Prozent wiesen Betriebsgrößen zwischen 5 und 15 Hektar
auf. Tabakbau war eine Intensiv- und Familienlandwirtschaft, die den Boden der
Finca zu nahezu 100 Prozent ausnutzte; im Gegensatz zum Ingenio, bei dem
maximal zwei Drittel der Fläche für Zuckerrohrpflanzungen genutzt wurden.
Tabakbauern hatten auch selten Sklaven.
Seit
1820 entstanden Tabakmanufakturen, Talleres,
wo die berühmten Zigarren mit dem unnachahmlichen Geschmack, die puros, durch Spezialisten angefertigt
wurden. Das Verfahren der Herstellung und die Sitte des Zigarrenrauchens war um
1720 von Kuba nach Spanien exportiert worden. Die kubanischen Zigarren genossen
seit dem 18. Jahrhundert wegen der Qualität des Tabaks, der Intensität der
Pflege und Verarbeitung, der exzellenten Handarbeit der tabaqueros und torceros
(Dreher), sowie den Vermarktungsfähigkeiten
der Besitzer oder ihrer Administratoren Weltruf. Sie galten bald vor allem der
Luxuskonsumtion in Europa und in den USA (aber auch in Afrika) als Norm. All
die berühmten Zigarrenmarken, wie Silva, Ugues, Upmann, Cabañas, Dos Amigos,
Hernanos sind eigentlich Handlungsnamen von Manufakturen und Banken.
Allerdings
hatte der karibische Tabak, ähnlich wie später der Zucker, unter einer starken
Konkurrenz zu leiden - der Substitution in Europa. Tabak wurde etwa in
Deutschland schon seit dem 16.Jahrhundert in Westfalen und in der Pfalz, bei
Magdeburg und in der Uckermark angebaut; die erste Zigarrenfabrik war 1788
durch Hans Heinrich Schlottmann in Hamburg gegründet worden; 1862 entstand die
erste Zigarettenfabrik von J. Hoffmann in Dresden als Filiale einer russischen
Zigarettenfabrik.
Der
baltische Reisende Jegor von Sivers schreibt 1851: “Was einem Spaziergänger
durch die Straßen der Habana am meisten auffällt, ist die zahllose Menge
Fabriken und Läden für Zigarren. Wie lebhaft die Verfertigung dieses
Handels-Gegenstandes hier betrieben werden mag, läßt sich annäherungsweise
daraus abnehmen, daß neben der bedeutenden Ausfuhr, mäßig berechnet, im Jahre
1825..., durchschnittlich fünf, sage fünf Millonen Cigarren auf Cuba täglich
verraucht werden. Dieses giebt 2000 Stück auf jeden Einwohner, im Jahre eine
bescheidene Annahme... das Rauchen ist ..., durch alle Stände, Farben,
Geschlechter und Alterstufen, durch alle Tages- und Nachtzeiten so
verbreitet... Es giebt Leute, welche täglich vierzig Tabacos rauchen...”.[61] Böse Zungen
behaupteten damals, der besondere Geschmack der kubanischen Puros und Tabacos
käme vom Schweiß der Tabakarbeiterinnen, die die Deckblätter der Zigarren auf
den Oberschenkeln rollten. Sievers kolportiert auch dieses Gerücht: “An Güte
allen anderen Gattungen voran, stehen die Vegueros..., die in Europa
sogenannten Naturales oder Pflanzercigarren. Sie werden aus den vollkommensten
Blättern der Pflanzung, ohne besondere Einlage oder Puppe aus einem Stück,
ursprünglich nur als Geschenk für den Plantagenbesitzer, oder dessen Kunden in
der Stadt von den schwarzen Sklavinnen auf dem bloßen Schenkel gesponnen, und
empfangen dadurch eine gewisse ‘saveur’, die kein europäischer Beiguß
nachzuahmen vermöchte”. [62]
Unter
dem Einfluß von Investitionen vor allem von Kaufleuten (und Wucherer-Bänkern) unterlagen
die Tabak-Familienbetriebe einem Konzentrationsprozeß und bildeten
hochproduktive vegas mit vielen
Sklaven. Um 1830 begann sich auch die ökonomische Klasse der Zigarrenarbeiter
zu formieren; zunächst (1835) ca. 2000 Menschen in mechanisierten
Kleinunternehmen, wobei die Produktion selbst Handarbeit blieb; um 1850 schon
15000 Menschen; allerdings wurde bald große Teile der Produktion nach Florida
(Key West, Tampa und Ybor-City)[63] ausgelagert, da die USA den Zigarrenimport erschwerte,
Tabakblätter zur Weiterverarbeitung aber günstig eingeführt werden
konnten.
Um keine falschen Vorstellungen über
die Branchen zu entwickeln: 1855 nahmen Zucker und Zuckerprodukte 83,78% des
kubanischen Gesamtexports ein, gefolgt von Tabak (7,35%), Kupfer (3,45%) und
Kaffee (1,85%).
Havanna,
die Patria chica, das kleine
Vaterland, der Zuckeraristokraten, war um 1830 mit Mexiko-Stadt (150 000
Einwohner), San Salvador da Bahia in Brasilien (100 000 Einwohner) und Lima (50
000 Einwohner) eine der größten Städte Amerikas. Seit der Unabhängigkeit
Mexikos 1821 war es gar die größte Stadt des spanischen Restimperiums, größer
als alle Städte der USA. Havanna war die typische Metropole eines
Plantagenreiches am Golf von Mexiko.[64]
Der Hafen wurde seit 1815 das tropisch-amerikanische Handelszentrum des
atlantischen Raumes. “Schlamm, Volantes und Paläste” prägten das Stadtbild und,
wie Humboldt und Carpentier schreiben, - die Stadt stank zum Himmel. Grund
waren vor allem Tasajo,
Trockenfleisch, und Bacalao,
getrockneter Salzfisch, in den ungekühlten Lägern des Hafens.
Internationale Konflikte um Kuba
Jamm weilte in den vierziger und in der ersten Hälfte
der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts auf der Perle der Antillen. Das war
eine politische sehr bewegte Zeit. Die Großmächte stritten um Kuba. Jamm hat
auf jeden Fall davon Kenntnis genommen; er konnte täglich in der Zeitung davon
lesen.
Für
die Mehrheit der Plantagen- und Sklavenbesitzer hatte sich seit der Mitte der
vierziger Jahre, durchaus im Zusammenhang mit der Dynamik nationaler
Überlegungen, zunächst eine komplizierte politische Frage in den Vordergrund
geschoben: der Kolonialpakt und Spanien selbst schienen nicht mehr stark genug,
die Existenz und Entwicklung der weiterwachsenden Sklaverei auf Kuba gegen
wirtschafliche Krisen und gegen Aufstände der Unterschichten, aber auch gegen
politische Gegner wie England zu schützen. Besondere Angst bestand davor, daß
sozusagen im Rücken einer nationalen Bewegung ein großer Sklavenaufstand
ausbrechen könnte, wie auf Haiti. Deshalb warnte José Antonio Saco: “Es ist
kein Platz auf Erden, wo eine revolutionäre Bewegung gefährlicher ist als in
Kuba!” Saco beschwor nachgerade die Denkfigur “Gleichgewicht des Schreckens”,
die auch Humboldt schon beschäftigt hatte: “Begonnen ein Krieg, welche auch die
schwächere Seite sei”, schrieb er, “und vor allem die spanische [Seite], würde
sie nicht unseren furchtbarsten Feind zu ihrer Hilfe rufen? Würde sie nicht den
magischen Ruf der Freiheit ausstoßen [und] ihre Legionen mit unseren eigenen
Sklaven verstärken?”[65]
Einige
Gruppen großer Sklaveneigner und Plantagenbesitzer näherten sich angesichts
dieser Sachlage aus ureigenstem Interesse an die Südstaaten der USA an. Dort
waren in den dreißiger Jahren Projekte über einen neuen “Golf-Imperialismus”
auf Plantagen- und Sklavereibasis[66], ähnlich wie sie - allerdings aus der Perpektive
Havannas - knapp ein halbes Jahrhundert zuvor den geographisch-politischen
Horizont Arangos geprägt hatten. Grundlage dieses “Golf-Imperialismus” war der
“schwarze Golf” zwischen Havanna und New Orleans. Im Süden der USA fand der
Annexionismus eine geistige Basis sowie soziale und ökonomische Grundlagen.
Andere Gruppen der kubanischen Eliten hielten sich zurück, besonders in der
Frage der politischen Mittel, wie eine autonomere Stellung Kubas im Imperium
oder der Anschluß an die USA zu erreichen sei, bzw. entschieden sich zu Beginn
des Zehnjährigen Krieges für einen anderen Weg. Vielfältige innerkubanische
regionale Widersprüche brachen auf. Zwischen den Zonen der Zuckerproduktion mit
Massensklaverei und den aus Sicht des Moderne-Konzepts der Zeitgenossen immer
stärker zurückbleibenden kubanischen Zentral- und Ostprovinzen einerseits.
Zwischen Kolonie und Metropole im Rahmen des spanischen Restimperiums
andererseits. Mit diesen Konflikten verband sich eine internationale
atlantische Dimension: Qué Cuba? Was
für ein Kuba sollte sich entwickeln? Was sollte aus diesem Kuba werden?
“Integrismus” (Kuba ist Spanien), “Autonomismus” (Modell Kanada[67] im englischen Kolonialreich), “Afrikanisierung” (oder
Haitianisierung - auf Kuba siegt ein Sklavenaufstand) und “Annexionismus” (Kuba
wird Teil einer der großen Republiken Süd-oder Mittelamerikas, wie Kolumbien,
Venezuela oder Mexiko bzw. einer der Staaten der USA) sowie “Separation von
Spanien - aber in welcher politischen Form?” (Kuba wird unabhängiger Staat als
Republik oder Teil eines anderen Großstaates (Mitte des 19. Jahrhundert wurde
die Übernahme der Insel durch die Supermacht der Zeit, Großbritannien,
debattiert, wogegen drei US-amerikanische Botschafter das so genannte
Ostend-Manifesto (1854) durchsickern liessen) hießen die Stichworte für
Debatten und literarische Kontroversen in dieser komplizierten politischen
Situation. Auch weitere Fragen wurden ernsthaft diskutiert und liegen in
Textform vor: Können Frankreich oder Großbritannien Kuba kaufen? Werden die USA
die Insel erwerben; sofort, mit welchen Mitteln und wie gestaltet sich dann das
Verhältnis der Großmächte, vor allem das zwischen den USA und Großbritannien?
Oder fällt Kuba nach der Jefferson-Adams-Theorie als “reife Frucht” in den
Schoß der USA? Nach dem Kauf Louisianas und der Annexion bzw. dem Erwerb der
Floridas schien dies in der Logik der politischen Geographie zu liegen. In
diesem Sinne wurde Kuba auch zu einem inner-nordamerikanischen Thema des 19.
Jahrhunderts, je mehr sich dort die Auseinandersetzungen um die Ausdehnung der
USA nach Westen sowie Süden und die Konflikte um die Südstaatensklaverei
zuspitzten. Auf der Agenda eines prosperierenden “amerikanischen
Handelsimperiums” auf Basis von Sklaverei und Plantagenwirtschaft standen aber
noch weitere Ziele. Das Manifest Destiny
O'Sullivans (1845) sah den amerikanischen Doppelkontinent unter einer
schicksalhaften Dominanz der USA, in einer solchen Denkfigur mußte Kuba eine
zentrale Position als Mittelpunkt eines von den Südstaaten dominierten
Golf-Imperialismus und als Kontrollposten des Übergangs vom Atlantik in den
Pazifik einnehmen. Die Südstaateneliten hatten in geostrategischer Hinsicht das
Erbe der Arango-Gruppe übernommen. Aber es bestanden auch starke eigene
Interessen eines Teils der kubanischen Zuckerelite, die zwischen 1849 und 1856
eine Reihe von Verschwörungen und bewaffneten Invasionen unterstützte.
Zum
Vorkämpfer der Annexion wurde der kubanische General venezolanischer Abstammung
Narciso López. Er landete zwischen 1848 und 1851 mehrfach mit
Freiwilligenverbänden auf Kuba, um die spanische Herrschaft zu stürzen. Die
reformistischen Ideen wurden jetzt ganz klar mit separatistischen und
aneexionistischen Vorstellungen sowie Fortschrittsideen verbunden, deren
Vorlagen sich in den USA und Europa fanden.[68]
Kubanischer Wortführer dieser Richtung war seit 1848 Gaspar Cisneros
Betancourt, El Lugareño. Cisneros nahm
vom Konzept einer kubanischen Nationalität Abstand, indem er an Saco schrieb:
“... wir stinken wie Guachinangos [pejorativ für Mexikaner –M.Z.], Zambos,
Neger, Paredes, Santa Anna, Flores und Kompanie. Ein Jammer, mein lieber Saco.
Was für eine Zucht! Guter Gott, Mann, sage mir nicht, daß Du für Dein Land
diese Nationalität willst”. [69] José
Antonio Saco dagegen verschloss sich den Segnungen einer annexionistischen
Lösung, in dem er schrieb: “... im letzten Resultat wird es keine Vereinigung
oder Annexion geben, sondern eine Absorbtion Kubas durch die Vereinigten
Staaten. Die Wahrheit ist, dass die Insel immer existieren wird, aber ich will,
dass Kuba für die Kubaner sei und nicht für Ausländer”. [70]
Angesichts
des annexionistischen Beginns der gewaltsamer Konflikte mit Spanien und der
demographischen Furcht vor einem neuen Haiti soll die Zeitung “Heraldo de
Madrid” den vielzitierten Satz geprägt haben: Cuba, si no es española, es negra, necesariamente negra (“Kuba,
wenn es nicht spanisch ist, ist schwarz, notwendigerweise schwarz”).[71]
Mythos Kuba: Die atlantische Welt beobachtet das Experiment „großes Kuba” und trägt bei zur spezifischen Identität der Inselbewohner
Abbé Raynal war Kuba eine Königreich wert. [72]
Aber es war wohl Francis A. Jameson[73],
der als erster ausländischer Beobachter, der Havanna wirklich kannte, seine
Bewunderung für das Kuba um 1820 ausdrückte. La Isla de Cuba wurde zu einem sprichwörtlichen Symbol von
fabelhaftem Reichtum unter der Tropensonne. Zucker – der Reichtum war auch noch
süss. [74]
Und er wurde mit Sklaven produziert: Konkurrenzdenken, leichter Schauder und
Konstruktion einer profunden “Andersheit” für den langfristig von der zweiten
Globalisierung profitierenden Norden beflügelten das Schreiben und den Absatz
der Bücher und Reiseberichte über Kuba.
Nach
Jameson kamen bis etwa 1900 Dutzende Amerikaner[75],
Deutsche, die vor allem die Zuckerwirtschaft ins Auge fassten (oder von ihr
angewidert waren), Kubanerinnen, die in Spanien oder im Ausland lebten,
Angelsachsen (auch Schotten, wie David Turnbull)[76],
viele Franzosen[77], Italiener,
alleinreisende Frauen und frühe Feministinnen, wie die Schwedin Fredrika Bremer[78]
und viele andere. Spanier gelten nicht als Reisende, sondern waren, wie
“Kubaner”, “Untertanen” der spanischen Krone (bis 1876), wenn auch oft
“Untertanen” mit etwas besseren Posten. Meist war der Kubabesuch Teil einer
Reiseroute und eines Projektes, die viel über den mythischen Status der Insel
verraten. Sie verraten aber auch viel über die
Industrialisierung/Proletarisierung des Norden und die Konstruktion von
Divergenzen. Und sie schufen Muster für Konsumgesellschaften in spe. Es
entwickelte sich fast eine Gattung der ethnographischen Reiseliteratur: der
Bericht über die Havanna-Reise.[79]
Es begann mit einer Reihe von Berichten über die britische Eroberung Havannas
und Buenaventura Pascual Ferrer. [80]
Für das 19. Jahrhundert endet die Liste mit dem kaiserlichen Professor und
Ernährungsexperten (die Eliten des Kaiserreiches fürchteten eine Hungerkrise
unter ihren Proleten) Dr. Karl Kaerger.[81]
Für einen der ersten englischen Reisenden am Beginn des Jahrhunderts der
bürgerlichen Zivilisation war schon der Weg das Ziel: überhaupt durch das
Innere Kubas gereist zu sein. Die meisten Schmuggler oder Kaufleute aus Jamaika
kannten nur die Küsten der spanischen Insel, aber die gut.[82]
Im neunzehnten Jahrhundert wurde das
Bild der Welt in den Print- und Bildmedien neu erschaffen: unter männlichem
Blick (die meisten Blicke waren männlich, sind aber als solche noch kaum
analysiert), Kontrollblicken[83],
weiblichem Blick (mit leichtem orientalistischen Silberblick)[84],
europäischem Blick oder imperialem Blick[85];
aber auch transkulturell, interkulturell, feministisch, abolitionistisch,
modernistisch, kolonialistisch oder auch schon hybrid-postkolonialistisch; von
den internen Adaptationen der Künstlerblicke in Malereistilen ganz zu
schweigen. Die Reisebeschreiber und Reisebeschreiberinnen sahen einander kaum,
aber lasen einander, wie etwa der Deutschbalte Sivers den Franzosen D’Hespel[86] las.
Und alle lasen Humboldt, viele auch den Galicier Ramón de la Sagra.[87] Die
Reisenden wandelten entweder auf den Pfaden des oder der Vorangegangenen oder
taten eben dies bewusst nicht. Manchmal folgten ihnen Maler und seit den
sechziger Jahren auch zunehmend Fotographen. Blicke allenthalben. Dann Texte.
Die “Bilder”, die die schreibenden Seher schufen (nachdem das Gesehene durch
ihren Kopf gegegangen war), vor allem die Textbilder[88],
bewirkten auf jeden Fall eines: Kuba wurde attraktiv – auch durch den leichten
Schauder über die Mischung von sagenhaftem Reichtum, tropischer Naturschönheit
und “barbarischer” Sklaverei. Kuba wurde zum Mythos. Nach Kuba brachte dieser
Mythos wiederum die europäischen, nordamerikanischen und lateinamerikanischen
Avantgarden und – es brachte offensichtlich auch Kaufleute aus aller Herren
Länder nach Havanna; unter ihnen: Christian Wilhelm Jamm aus Lahr im
Schwarzwald.
Die Perle der Karibik, die Atlantisierung, deutsche Kaufleute, Sklavenhändler und Sklavenhalter
Die größte der Antilleninseln
ist in der deutschen Wirtschafts- und Handelsgeschichte eine große Unbekannte.
In der Realität des 19. Jahrhunderts muß das ganz anders gewesen sein; vor
allem ab 1818, nach der Verkündung des sog. „Freihandels“ durch die spanische
Krone. [89] „Deutscher“ Direkthandel, der eigentlich zunächst
Hamburgischer oder Bremer Handel gewesen ist, hatte mit dem Dekret über den
„Handel mit Neutralen“ 1798 begonnen, mit dem die Krone in Madrid die negativen
Folgen der napoleonischen Kriege für das bis dahin monopolistisch abgeschottete
Kolonialimperium abmildern wollte. [90] Für das Jahr 1819 verfügen wir bereits über eine Liste
von 39 deutschen Kaufleuten in Havanna, die die Sociedad de Beneficiencia de Alemania (Wohltätigkeitsgesellschaft
Deutschlands, eigtl. „Unterstützungs-Gesellschaft für hülfsbedürftige
Landsleute“; ab 1826 „Deutscher Verein“)[91] gründeten. Aber nicht nur diese Quelle sagt viel über
die doch relativ zahlreiche Anwesenheit deutscher Kaufleute zu einem so frühen
Zeitpunkt aus, wir verfügen über weitere Informationen in Bezug auf deutsche
Präsenz. Schon 1817 hatte ein reicher Kaufmann, Sklavenhändler und
Kaffeepflanzungsbesitzer namens Matiás Averhoff (Matthias Haberhoff) die
Vertretung deutscher Kaufleute gegenüber der Kolonialverwaltung übernommen.[92] Wie viele Europäer in den Subtropen, starb Averhoff an
Bewegungsmangel, Übergewicht und Verfettung, wohl 1824 an Herzschlag. Er
hinterliess kein Testament (intestado).
Das ist für Historiker insofern gut, als deswegen (immer) eine
formell-gerichtlich Vermögensüberprüfung vorgenommen werden musste.
Haberhoff-Averhoff besass 2 Cafetales, 1 Estancia, mehrere Häuser, Geld,
Aktien, Schuldverschreibungen und Sklaven im Wert von rund 684800 Pesos – ein
gigantisches Vermögen.[93]
1826 wurden Sklavinnen und ein minderjähriger Sklave aus dem Haus Averhoff
verkauft, wohl weil die Witwe Geld brauchte.[94]
Auch
ein anderer deutscher Kaffeepflanzungsbesitzer, Cornelio Souchay, ist aus
dieser frühen Zeit bekannt. Souchay hatte so etwas wie ein Mustergut aufgebaut (den
Cafetal Angerona, mit griechischen
Göttinnenfiguren der Klassik geschmückt); eine Leistung, die in der kubanischen
Literatur oft als “typisch deutsch” bezeichnet wird.[95] Das alles sagt noch nichts über Jamm aus, es zeigt
aber, daß auf Kuba eine kleine, aber gut organisierte und relativ
einflussreiche deutsche Kolonie existierte, die einem jungen Mann, der erstmals
auf Kuba Geschäfte tätigen wollte, den Start erleichtern (aber auch erschweren)
konnte. Über die Anfänge eines Kaufmanns auf Kuba wissen
wir aus den Briefen von Alfred Beneke, Kaufmannslehrling, Kommis, der Firma
“Weber, Balbiani & Co.” in Havanna 1842/44.[96]
Jamm ist etwa zur gleichen Zeit nach Havanna gekommen. Er kam zu einer
schwierigen Zeit für deutsche Produkte. Gustav
Sthamer, Konsul Hamburgs in Havanna, informierte 1845:
„Fast alle deutschen Leinen-Artikel, kommen in großen
Quantitäten und sehr gut imitirt von England, und diese Imitationen haben für
die hiesigen Consumenten Vorzüge, die deren Introduction erleichtern und deren
Verbrauch täglich vermehren. Sie sind, da sie von Maschinengarn und mit
Maschinen gewirkt, egaler und feinlicher, mit reichen zweckmäßigen Verzierungen
ausgestattet, dem Auge gefälliger und dabey zugleich billiger als die deutschen
Fabrikate; die mit sich führenden Nachtheile dieser Imitationen, als geringere
Dauerhaftigkeit und Zusatz von Baumwolle, werden dagegen weniger beachtet, was
bey dem Charakter der Einwohner dieser Insel nicht zu verwundern ist, denn alle
Claßen, besonders aber die niederen, leben nur für die Gegenwart, lieben den
Luxus und um diesem zu fröhnen, ziehen sie leichte, das Auge betrügende aber
billige Fabricate den guten, gediegenen, aber dafür auch höher einstehenden,
vor“.[97] Sthamer prognostizierte bei fehlender Umorientierung
der Produktion in Deutschland eine “gänzliche Zerrüttung des deutschen
Leinenhandels”.[98] Leinenstoffe waren eine Ware für Massenmärkte. Auch
wenn die deutschen Leinen auf Kuba wegen der Nachfrage nach billigen Stoffen
zur Kleidung der Sklavinnen und Sklaven der englischen Konkurrenz länger Paroli
konnten[99], gewannen die maschinengefertigten englisch-irischen
Produkte auf Dauer immer mehr Boden. Seit dem Ende des ersten Opiumkrieges 1842
befand sich die britische Wirtschaft wieder im Aufschwung. Deshalb folgten die
deutschen Produzenten und zum Teil die Kaufleute zwei Strategien. Einmal
senkten sie die Preise ihrer traditionell gefertigten Leinenstoff immer mehr
ab, um wenigsten den Massenmarkt der billigen Sklavenkleidung bedienen zu
können. Andere Firmen spezialisierten sich auf hochwertige, aber immer noch per
Hand gefertigte Stoffe oder damastene Tischzeuge. Jamm ist der Vertreter einer
weiteren, schon nicht mehr als “deutsch” zu bezeichnenden Strategie, die aber
zeigt, wie weit Textilproduktion und –handel schon in der Mitte des 19.
Jahrhunderts “globalisiert” war. Er handelte als ethnisch deutscher Kaufmann
mit feinen französischen Seidenstoffen, Luxustextilien und Luxusaccessoires
(wie Hüten sowie Koffern und Handschuhen aus edlem Leder). Sein zentraler
Bezugspunkt in Europa war Lyon.[100]
Lyon war ein internationaler Platz. Der internationale
Seidenstoffhandel Lyons wurde aber nicht (unbedingt) von Einheimischen
dominiert. In Lyon konnten junge Leute viel lernen, wenn sie, wie eventuell
Jamm, über Empfehlung in eines der großen Häuser, eine der internationalen
Familien aufgenommen wurde. Die meisten Hersteller von Edeltextilien, z.B. auch
die Damastfabrikanten der sächsischen Lausitz haben einen ihrer Söhne in Lyon
Musterzeichner lernen lassen oder aber als Musterzeichner Designer gesucht, die
in Lyon gelernt und gearbeitet hatten. Lyon garantierte gestalterische Qualität
und hohe Qualität des Fertigproduktes, die andere Regionen nicht aufweisen
konnten. Die Kunden Jamms suchten exklusive, teure Luxuswaren. Jamms Geschäft ist am ehesten mit einem Luxusausstatter
auf heutigen Flughäfen zu vergleichen. Um den Exkurs über „deutsche Produkte“,
Ethnizität und Handel zusammenzufassen: Mit „deutschen Produkten“ war in der
Modernität der hochentwickelten Sklavereigesellschaft Kubas vor 1870 kaum
Reichtum zu gewinnen; Reichtum kam mit dem Sklaven- und Menschenhandel (wie bei
Averhoff, Souchay und Botefeur (siehe weiter unten). Diese Kaufleute mussten
sich allerdings naturalisieren lassen, d.h., katholisch werden und in
spanisch-kubanische Familien einheiraten. Die Hauptlinien dieser Familien waren
danach spanisch oder kubanisch, nicht mehr deutsch; von Gewinn und Erbe gingen
nur noch (manchmal) Bruchteile nach Deutschland, wie wohl im Falle Souchay, der
keine Kinder hatte. Jamm selbst war im Grunde Kosmopolit und unverheirater
Hagestolz. Mit seiner Rückkehr in den Schwarzwald renationalisierte er sich
zwangsläufig und musste sich auch dem Gerede der Landleute in seiner
Heimatstadt aussetzen.
Auf
Kuba führte Jamm das Haus C.W. Jamm
in den Jahren 1847 bis 1854.[101]
Das Haus wirkte übrigens nicht nur in Havanna, sondern wie alle erfolgreichen
Geschäfte in der ganzen Zuckerregion bzw. in den Städten der sich im Lauf der
Zeit nach Osten ausdehnenden Zuckerzone des „großen“ Kuba. Alois Feigelstock,
ein Kommis von Jamm ist für das Jahr 1852 in Cardenas, einem der aufstebenden
Zuckerhäfen im Osten von Matanzas, ausgewiesen.[102]
Möglicherweise schickte Jamm auch kubanische Mitarbeiter, wie José Antonio de
las Traviesas[103], Maximinio Martínez
(1853-54), Diego Jiménez (1854) und Pedro Reyes (1854)[104]
zu Geschäften in andere Städte (oder er war Grossist für diese Kaufleute). Jamm
hatte Geschäfte mit der Sklavenhandels- und Bankenfirma Drake & Co. in Sagua la Grande[105],
ebenfalls ein aufstrebender Zuckerhafen.
Um auch
einen anderen Aspekt der damaligen Globalisierung zu erwähnen: Jamm schrieb
(und sprach sicherlich) neben Deutsch (und Lahrer Badisch) mühelos Französisch,
Spanisch und Englisch. Eventuell hat sein evangelisches Bekenntnis eine
wichtige Rolle bei der Aufnahme in die globalisierten Geschäftsbeziehungen
Lyons gespielt.[106]
Jamm war ein Repräsentant des kosmopolitischen Bürgertums des 19. Jahrhunderts.
In
den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zeigte sich, daß die Arbeitskosten
für die deutschen Stoffe, etwa das schlesische Leinen, nur bis zu einer
gewissen Grenze abgesenkt werden konnte (Aufstand der schlesischen Weber). Die
dauernden Verbilligungen des Markenproduktes (“schlesisches Leinen”, silesianos), eine Spezialität der Bremer
Kaufleute, ruinierten auch den Ruf der deutschen Luxusstoffe. Ein anderer Grund
des Vormarsches der englisch-irischen Textilien war der Siegeszug der ”der
total unbesiegbaren Feindin”[107] der Leinenstoffe, den Baumwollstoffen. Das
Modebewußtsein änderte sich in der atlantischen Welt und die europäische
Revolution von 1848/49 warf ihre Schatten voraus. Jamm jedenfalls hatte die
richtige Nase; er profitierte von der Änderung des Modebewußtseins. Andere
deutsche Kaufleute, wie die Bremer Upmanns, stiegen auf Detailhandel,
Geldgeschäfte oder Tabak um.
Die wirtschaftliche Bedeutung Kubas beruhte zunächst
weitgehend auf der Rolle des Hafens Havanna, ein erstrangiges Zentrum der
atlantischen Welt und ein Verteilerhafen für die “große” Karibik, von New
Orleans über Veracruz und Cartagena de Indias bis Caracas und Cumaná. Vor dem
Zusammenbruch Preussens 1807 und seit 1818, aber vor allem seit 1822 war
Havanna der wichtigste Anlaufpunkt auch für den Handel mit Mexiko, dem
wichtigsten Markt Deutschlands in Amerika. [108]
In
Mexiko und auf dem südamerikanischen Kontinent 1810-1821/25 war der Handel
allerdings wegen der politischen Turbulenzen der Unabhängigkeitskriege kaum
möglich. Die Insel Kuba wurde wegen des spanischen “Freihandelsdekrets” von
1818 und des Booms von Zucker und Massensklaverei zwischen 1815-1840 selbst zu
einem gesuchten Markt für deutsche und andere europäische Produkte. Seit 1812
entstanden auf Kuba in schneller Folge neue Städte, die meist zugleich
Zuckerhäfen waren, wie Cárdenas, Sagua la Grande, Nuevitas, Cienfuegos.
Schwarzer
zeigt, daß der innere Konsum Kubas in Bezug auf deutsche Produkte in den
zwanziger Jahren noch gleich oder höher als der Konsum des riesigen Mexiko war.
Kuba lag unter stabiler Kontrolle Spaniens und die Inselwirtschaft befand sich
im Gegensatz zu den kontinentalen Gebieten im wirtschaftlichen Aufschwung. [109] In dieser Situation publizierte Alexander von Humboldt
auch den “Politischen Essay über die Insel Kuba” als selbständiges Buch.[110] Auf Kuba hatten die deutschen und andere Kaufleute
nicht so sehr die englische Konkurrenz zu fürchten, wohl aber die Kontrolle des
spanischen imperialen Reiches, der seine einzige verbliebene “Kron”-Kolonie auf
jeden Fall sichern wollte. Das “Freihandelsdekret” für Kuba von 1818 war
deshalb in gewissem Sinne eine
antibritische Öffnung (Großbritannien war zu dieser Zeit die weltweit wichtigte
Macht in der Verfolgung des Sklavenhandels), aber es war immer noch ein
“Freihandel”, der spanische Schiffe, Kaufleute und Produkte erheblich
bevorteilte. Trotz einer zunächst relativ schwachen britischen Konkurrenz waren
die Aktivitäten der preußischen Konsuln[111] und deutschen Kaufleute auf Kuba stärker kontrolliert
als in anderen karibischen Territorien, wie z. B. Haiti. Von 1829 bis 1867
durften Preussen und der Norddeutsche nur in den vier Städten Havanna, Matanzas,
Santiago de Cuba und Trinidad Handelskonsulate unterhalten.[112] Mit diesen Handelskonsuln hatten deutsche Kaufleute auf
Kuba eine Vertretung ihrer Interessen.
In der
Periode zwischen 1833-1841, zu deren Ende Jamm eventuell nach Kuba kam, gab es
folgende Kaufleutegruppen in Havanna:
Spanien
946
Kuba
102
USA 50
Deutschland 46
Frankreich 36
Großbritannien 18
Italien 13
Schweiz 8
andere 39
Total 1258
Spanier dominierten den kubanischen Überseehandel.
Ausländer konnten, wie Jamm, nur als spezialisierte Kaufleute dieser Konkurrenz
die Stirn bieten.
Die
deutsche Gruppe von Kaufleuten hatte doch eine relative starke Position. So
soll am 15. Dezember 1861, bereits nach dem Weggang Jamms, eine neue Sociedad Alemana de la Habana (Deutsche
Gesellschaft von Havanna) mit 54 Mitgliedern gegründet worden sein.[113] Jamm mag manches der Mitglieder persönlich gekannt haben.
Er muss auch Mitglied dieser Sociedad
alemana gewesen sein, denn sein Conto-Corrent-Buch weist unter
„Privatausgaben von C.W. Jamm“ für 1855 und 1856 ziemlich hohe
Mitgliedsbeiträge aus (12 Pesos, 6 Reales im Mai 1855 und 25 Pesos, 4 Reales im
Dezember 1856).[114]
Vielleicht handelt es sich auch um eine Vorgängergesellschaft.
Das
hervorstechende Merkmal der deutsch-kubanischen Handelsbeziehungen, wie es aus
den Berichten deutscher Handelskonsuln hervorgeht, ist die negative
Handelsbilanz Deutschlands. Die deutschen Territorien brauchten in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr kubanische Produkte, sprich Zucker, Kaffee,
Rum und Tabak, als Kuba deutsche Produkte. [115] Für Cirilo Villaverde war diese an und für sich
trockene Angelegenheit die poetische Beschreibung wert: „Die Flaggen und
Wimpel, die an den Masten der im Hafen vertreuten Schiffe wehen, sagen uns mit
lauter Stimme, dass der Handel Havannas im Jahr 1841 in aktiver Beziehung zu
allen Nationen der Alten und Neuen Welt steht“.[116]
Besonders deutlich wurde Deutschlands Abhängigkeit vom kubanischen Zucker seit
etwa 1835, als der Wert der traditionellen deutschen Exporte immer mehr fiel.
Im Spiegel der Wirtschaftsgeschichte amerikanischer Regionen kann man die
Motive einiger tiefgreifender struktureller Wandlungen in Deutschland besser
verstehen.
Der
britische Generalkonsul in Havanna, Joshua Tucker Crawford[117], Nachfolger des berühmten Abolitionisten David Turnbull[118], gibt einen guten Eindruck des Handels zwischen
Deutschland und Kuba im Jahr 1844. In einem der Berichte der “Papers relating Slave Trade
and Growth of Sugar in Cuba and Brazil. From January 1845 to May 1846” schreibt
er: “The official value of imports reached 1,806,000 dollars, being 312,000
dollars more than 1843. It is difficult to say what proportion of the exports
of this island absolutely go to Germany, because of the monetary arrangements
being almost wholly made in London ...; but ultimately the consumptions of
sugars, rum, and tobacco, in the German States is very great, and I calculate
that perhaps one-third of all the growth of sugar is taken there under their
own and the flags of almost all other nations”.[119]
Diese
Schätzung des britischen Konsuls ähnelt sehr den Schätzungen des erfahrenen
Kuba-Kaufmanns Gustav Sthamer. Der Hamburger Konsul in Havanna informierte, daß
Deutschland, seinen Kenntnissen nach, wenigstens ein Drittel der kubanischen
Produktion aufnahm.[120] Allerdings gingen die meisten Exporte Kubas nach
Osteuropa, etwa nach Rußland, zu dieser Zeit auch über Hamburg oder, wenn sie
Mitteleuropa zum Ziel hatten, über Magdeburg und Leipzig.[121]
Nach den Informationen der
deutschen Konsularberichte und nach den Briefen von Alfred Beneke, Kommis,
Handlungsgehilfe, des Hauses “Weber, Balbiani & Comp.” haben wir einen
guten Überblick über die deutschen Exporte nach Kuba in den vierziger Jahren,
als auch Jamm seine Tätigkeit in Havanna begann: Leinenstoffe aller Typen, aber
besonders die sehr billigen, Stoffe aus Seide und Baumwolle, Taschentücher (die
große Mode bei den Accessoires), Strümpfe, Gürtel, Handschuhe, Material zur
Hutherstellung, Säcke und Sacklinnen, Schnüre und Seile, Erzeugnisse aus Eisen,
vor allem Quincallerie, und Glasprodukte (oft auch aus Böhmen[122]),
Keramik, Ziegel, Fliessen, Möbel, Musikinstrumente, Spielzeug, Papierwaren,
Wachskerzen und Farben, wie auch Schinken, Würste, Käse, Perlgraupen, Gin, Wein
und Bier. Diese Waren wurden in sechs Hauptgruppen eingeteilt: Leinenstoffe,
Wollwaren, Hüte, Eisenwaren, Lebensmittel (vor allem alkoholische Getränke),
Accessoirs und Möbel.[123] Jamm zeigt sich auch hier als Aussenseiter, am ehesten
war er noch unter Accessoires einzuordnen. Aber “Mode” lieferten nicht
Deutsche, sondern das war quasi per definitionem den Franzosen oder Italienern
vorbehalten. Teure Waren, die wenig Schiffsraum benötigten, wurden von
deutschen Kaufleuten wegen der spanischen Zollgesetzgebung auf spanischen
Schiffen nach Kuba transportiert. Nur billige und viel Raum beanspruchende
Fracht, oft als Leerballast, wie Sacklinnen, Ziegel oder Fliessen wurden in
deutschen, das heisst, preußischen, hamburgischen oder bremischen Schiffen
verschickt. Im heutigen Touristenzentrum Trinidad an der mitteleren Südküste
Kubas gibt es noch einige traditionelle Häuser, die mit deutschen Fliessen
verziert sind.
In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts war zum
Beispiel die Zahl von Hamburger Schiffen, die in Havanna ankamen nur etwa halb
so groß wie Hamburger Schiffe, die aus Kuba in Hamburg einliefen.[124] Die kubanischen Quellen über deutsche
Handelsaktivitäten auf der Insel erwecken den Eindruck, daß der Großteil des
deutschen Handels über die iberische Halbinsel lief. Das ist nur natürlich,
denn im Gegensatz zu Venezuela, Mexiko, Haiti oder Santo Domingo war Kuba, wie
gesagt, noch spanische Kolonie.[125] Die deutschen Kaufleute nutzten auch, um die spanischen Zollgesetze
für Kuba zu umgehen, die Möglichkeit, deutsche Waren nach Häfen mit günstigen
Zöllen zu verschicken (wie etwa Mexiko, andere karibische Häfen - vor allem
zunächst Haiti und das dänische Saint Thomas[126] - oder Häfen an der Westküste Afrikas). Von dort gingen
die Schiffe leer, einem Gelegenheitstransport oder unter billigem Ballast nach
Kuba, um auf der Rückreise die gesuchten kubanische Produkte nach Deutschland
zu bringen.[127] In diesen frühen deutschen Handelskontakten mit
afrikanischen Häfen finden sich die ersten stabilen Kontakte etwa Hamburgs mit
West- und Ostafrika. Aus diesen punktuellen Kontakten entwickelten sich rund
fünfzig Jahre später die ersten deutschen “Schutzgebiete” (sprich Kolonien) in
Afrika. Nicht zufällig begannen diese afrikanischen Kontakte des deutschen
Handels 1843, einem Krisenjahr des deutschen Atlantikhandels.[128] Auf gewisse Weise waren Häfen in Afrika und Ozeanien
anfänglich Zwischenstationen des deutschen Amerika-, Atlantik- und
Karibikhandels. Jamm hat diese Schwierigkeiten deutscher Exporteure wohl nicht
gehabt. Die französischen Seidenstoffe Jamms scheinen relativ direkt über
Marseille oder Genua und Barcelona nach Kuba gelangt zu sein. [129]
Die kubanischen Exporte nach Deutschland bestanden in den vierziger Jahren vor
allem in Zucker, Kaffee, Tabak, Hölzer, Rum und Honig.[130]
Diese Berichte
können auch unter anderer Perspektive interpretiert werden. Während die
zentral- und osteuropäischen sowie deutschen Märkte von erstrangiger Bedeutung
für den kubanischen Zucker und deshalb auch für Kuba und Spanien, waren, fiel
der kubanische Markt in seiner Bedeutung für deutsche Exporte immer weiter
zurück. Das galt vor allem für die Zeit seit dem Zusammenbruch des Leinenmarktes
in Amerika und Kuba; seit Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts,
massiv seit 1843. In den traditionellen deutschen Exportregionen, wie in
Schlesien, kam es daraufhin zu sozialen Unruhen. Das galt – regionale und
zeitliche Schwankungen immer vorausgesetz – vor allem für den
makrowirtschaftlichen Bereich (den wir heute ewtas unklar mit den Slogan
“Globalisierung” umschreiben würden). Jamm konnte zur gleichen Zeit die
gesteigerte Luxusnachfrage, die verbesserte Produktion von Seiden- und
Baumwollstoffen und die verbesserte Bedingungen des Weltverkehrs
(Schiffsverbindungen) im Mikrobereich für sich ausnutzen. Im Jahr 1846
berichetet der britische Generalkonsul auf Kuba, Crawford, im bereits erwähnten
“Paper”:
“In cottons we must continue our
supremacy. German checks and stripes (called Listados [[131]]), is the only article which
comes into successful competition with us in that branch of manufacture. Of
linens the importation [Kubas - M.Z.] was to the extent of 552.139 dollars, in
1842; it rose to be 1,357,160 dollars, in 1843; and it was only 865,558, in
1844. It appears that there was imported from Germany,
In 1842 1,780,690 dollars
In 1843
999,610 "
And in 1844 1,296,577 "
so that taking the aggregate of
the linens in those years from all quarters, and reducing them to per centage,
we have
1842 1843 1844
Great Britain
18 45 32
Germany
58 32 48
Other places 24 23 20
It would seem, then, that so
very remarkable increase of the importation of linens from Great Britain in
1843, was not from natural causes ...”[132]. Leider erläutert der Generalkonsul diese “nicht-natural causes” nicht genauer. Crawford
bietet nur vage Bemerkungen über die ungünstigen politischen Bedingungen auf
Kuba. Hätte Crawford Klartext geschrieben, hätte er sich auf die “Conspiración
de la Escalera” (1844), einer Verschwörung von Sklaven und Freien, beziehen
müssen. Die Kolonialverwaltung glaubte dieser Verschwörung nur mit einer
gigantischen Welle des Staatsterrors Herr werden zu können. Auf Kuba befürchete
man eine neue Sklavenrevolution wie in Saint-Domingue/Haiti 1791-1804.[133] Crawford erläutert:
“...the disturbances which
agitated the island, naturally tending to lessen the demand and reducing the
consumption amongst the coloured population; ... the falling off consisted
mainly in the short importation of blankets, flushings, and low cloths, which were
not supplied to the negroes with the same liberality as in times of public
tranquility upon the estates”.[134]
Hier scheint eine weitere direkte Folge der damaligen
Globalisierung vorzuliegen; die zum Ruin des traditionellen deutschen
Leinenexportes und zum Aufstieg spezialisierter Textilkaufleute, wie Jamm,
führte. Die felicidad
(Glückseligkeit), wie man damals sagte, der Weber in den weit entfernten
schlesischen Gebirgdörfern, hing extrem stark von der “tranquility upon the
estates” auf Kuba ab.[135]
Schon frühere Stufen der “Globalisierung” hatten schwerwiegende Auswirkungen
auf so entfernt von einander liegende Regionen wie Schlesien und das “große”
Kuba. Auch diese frühe Globalisierung betraf die Makroebene ganzer
Volkswirtschaften, aber auch die Mikroebene von Lebensgeschichten. Jedenfalls
sind die deutschen Konsularberichte voll von Beobachtungen über die
maschinenproduzierten Textilien der englischen Konkurrenz. Außerdem öffnete der
Handelsvertrag des Deutschen Zollvereins mit den Niederlanden 1839 die deutschen
Märkte dem “hollänischen” Zucker aus Java und dem “hollänischen” Kakao aus
Venezuela.
Mit dem
Niedergang des traditionellen deutschen Leinenexports und dem aufkommen
spezialisierter Handlungshäuser und Textilgeschäfte ab Mitte der vierziger
Jahre wurde Havanna auch wieder ein wichtiges Zwischenhandelszentrum für Mexiko
und Zentralamerika. [136] Santiago de Cuba war im Gegenteil sehr viel wichtiger
für den innerkaribischen Handel, den Handel nach Venezuela und die kommerzielle
Erschließung des Innern der Insel Kuba. In Santiago de Cuba gab es 1833[137] folgende Kaufleutegruppen:
Spanien 267
Spanische
Antillen 13
Frankreich 23
USA 8
Italien 3
Großbritannien 3
Holland 2
Portugal 2
Deutschland 1
Total 322
In den Perioden 1841-1849 (I) und 1850-1862 (II)[138], etwa dem Zeitraum des “kubanischen” Lebens von
Christian Wilhelm Jamm änderten sich diese Zahlen folgendermaßen:
I II
Spanien 829 818
Kuba 95 210
Frankreich 47
25
Deutschland 7 3
Italien 6 2
Andere
europäische Länder 8 9
Venezuela
14 6
USA 7 6
Haiti 4 7
Santo
Domingo 5 4
Andere
amerikanische Länder 12 9
Totale 1043 1097
Die
Liste weist eine Tendenz zu stärkerer kubanischer Kontrolle des Karibikhandels
(von 10% auf ca. 25%) und geringe Anzahl von spanischen sowie anderen
karibischen Händlern. Die relativ starke Stellung deutscher Kaufleute bildete
den Hintergrund für Bildung deutscher Konsulate im Osten Zunächst blieben die
Versuche von Wilhelm Hoppe (1839), Raphael Rudolf Barthold (1846) und Jan van
Nes Zieglers (der seit 1843 auch Konsul Hamburgs in Santiago war) allerdings
ohne Erfolg. 1847 aber wurde das erste preußische Konsulat in Santiago
eröffnet. James
(Jakob; span. Jaime) Bauch[139] war zunächst gegen den Willen des Generalkapitäns
Konsul geworden; aber am 11. November 1847 konzedierte Königin Isabella dem
Preussen das Exequatur.[140]
Dieser
junge Kaufmann und Konsul James Bauch, der 1847 erst 24 oder 25 Jahre alt war,
bietet uns ein gutes Beispiel für die Beziehungsnetze auch familiärer Natur,
über die ein Unternehmer verfügen musste, der Konsul werden wollte. Sie
erstreckten sich über die ganze Karibik und nahmen ihren Anfang in den
deutschen Produktionsregionen von Stoffen oder in Zentren der Stoffbearbeitung
(in diesem Falle das Bleichen in Bielefeld), passierten mehrere wichtige
europäische und karibische Handels- und Hafenstädte (Hamburg, Bremen, Amsterdam,
Havanna, Santiago, Maracaibo und Caracas/La Guaira in Venezuela).[141] Eine Schwester Bauchs hatte Jan Van Nes Ziegler
geheiratet, der seinerseits Sohn eines Ziegler war, Stofffabrikant aus
Bielefeld, der schon um 1800 nach Curazao gegangen war, um mit dem
Karibikhandel zu beginnen.[142] Dort hatte Ziegler in eine niederländische
Kaufmannsfamilie eingeheiratet. Er betrieb Handel auf die venezolanische
Gegenküste, vor allem mit Maracaibo, auf Kakao, Leder und Kaffee. Ziegler wurde
Sozius von einem Ramón Pons (aus Katalonien) und von José Ayo (aus dem
Baskenland). Pons und Ziegler unterhielten das Handelshaus “Pons y Ziegler”.
James Bauch wurde ebenfalls Gesellschafter. Sein Schwager Jan Van Nes Ziegler
kontrollierte seinerseits ab 1846 das Hamburgische Konsulat in Santiago de
Cuba. Eine andere Schwester Bauchs, Isabel, heiratete den marabinischen
Kaufmann Manuel Vidal y Ramón.[143] Die Netze wurden immer dichter. Catalina Banko erwähnt
schließlich einen Heinrich (Enrique) Bauch aus Hamburgo, der sich La Guaira, dem
Hafen von Caracas seit 1839 etablierte hatte. Dieser Enrique Bauch hatte
zwischen 1844 und 1850 das Hamburgische Konsulat in La Guaira[144] inne. Er war auch Hamburgischer Beauftragter für die
Verhandlungen um die Verlängerung des Handelsvertrages zwischen den
Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck sowie Venezuela.[145]
Über
die Beziehungen und Netzwerke von Jamm, die er, wie sein kubanischer oder
spanischer Partner Joaquin Tijero zeigt, gehabt haben muss, wissen wir leider
fast nichts. Es findet sich weder über Jamm noch über seinen Partner etwas in
den kubanischen Quellen; eventuell galt als „französischer“ Kaufmann (bei
Jürgen Schneider findet er sich aber nicht im Personenverzeichnis). Auf jeden
Fall wird deutlich, daß Jamm nicht über die breiten „globalen“ Netzwerke der
großen Handelshäuser verfügte und eher auf sich selbst gestellt war.
Da wir
hier nicht die langwierige und komplizierte Geschichte aller deutschen
Konsulate und Konsuln auf Kuba nachzeichnen wollen und können, nur noch einige
Beispiele, die die karibischen Netze der großen hanseatischen Kaufleutefamilien
zeigen. Jamm kann da wirklich nur Aussenseiter gewesen sein. Bremen folgte den
Spuren Preussens.[146]
1836 war Hermann Wätjen bremischer Konsul in Havanna geworden. Um die
Jahrhundertmitte hatte Bremen schon konsularische Vertreter in allen vier
erlaubten Städten. Die innerdeutsche Konkurrenz schlief nicht: Hamburg
richtetet sein erstes Konsulat in Havanna 1837 ein. Erster Konsul wurde Gustav
Sthamer. Seit 1841 gab es ein Konsulat in Matanzas (Broderus Albers[147]); 1846 in Santiago de Cuba (Jan Van Nes Ziegler[148]) und 1857 in Trinidad. Wie man sieht, waren fast alle
Konsulate durch eine relativ kleine Gruppe vor allem Hamburger und Bremischer
großer Kaufleutefamilien kontrolliert. [149] Die Stammhäuser befanden sich in Hamburg oder Bremen;
in die Karibik wurden die Söhne oder Schwiegersöhne geschickt. So schickte das
Handelshaus „Joh. César Godeffroy & Sohn“ 1837 einen der Söhne, nicht
einmal den Erstgeborenen, Adolph Godéffroy, nach Havanna. Godeffroy jun.
gründete in Havanna eine Filiale.[150]
Schon 1840 verfügten die beiden Häuser, das Hamburgische und das in Havanna
über die größte Handelsflotte Hamburgs. Von Havanna breiteten sich die
Godeffroys nach New Orleans, Veracruz, La Guaira, Puerto Cabello und bis nach
Montevideo aus, später auch nach Valparaiso (Chile), El Callao (Peru) und Samoa. Ab 1871 wurde Louis Will, ehemaliger
Konsul von Braunschweig und seit 1868 Generalkonsul des “Nordeutschen Bundes”
(Confederación Alemana del Norte)[151], zum ersten Generalkonsul des neuen deutschen
Kaiserreiches in La Havanna ernannt.[152]
Die doch recht deutliche Halbierung der Zahl der
deutschen Kaufleute in den fünfziger Jahren (vor allem in Santiago de Cuba)
kann mit einem Verhalten erklärt werden, dessen Muster auch bei Jamm zu
beobachten ist. Einmal spielte sicherlich eine Rolle, daß viele Europäer an
Krankheiten der Tropen starben. Außerdem war Kuba eine Kolonie. Und Spanien
versuchte seine Kontrolle über die Insel seit den fünfziger Jahren auszubauen,
auch im Handelssektor und vor allem im Innern der Insel. Deshalb waren die
deutschen Kaufleute gezwungen, sich spanische oder hispano-kubanische Partner
zu suchen; die dann aber oft das Geschäft dominierten. Also mussten sich
deutsche Kaufleute entweder „naturalisieren“ (durch Heirat mit einer Frau aus
spanischer oder kubanisch-kreolischer Familie) oder sie liessen sich, wie Jamm,
auszahlen, und gingen zurück nach Deutschland. Es scheint ein Glücksfall für
Jamm gewesen zu sein, dass er sich vor der großen Krise von 1857 auszahlen
liess.
Jamm hatte
auch Glück, daß ihn oder sein Geschäft keine der Naturkatastrophen oder
tropischen Krankheiten traf. Das Leben auf der Insel war im 19. Jahrhundert
durch Naturgewalten, wie periodische Herbst-Wirbelstürme (Huracanes),
Überschwemmungen, Erdbeben, schlechte Ernten, Epidemien und Krankheiten, Tag
und Nacht, das heißt naturgeographische Faktoren, viel stärker geprägt, als wir
uns jemals vorstellen können. Als Beispiel sei auf eine der Krankheiten
verwiesen, die sowohl das natürliche Wachstum, die Größe (Zahl) der Bevölkerung
wie auch ihre Verteilung stark beeinflußte: das Gelbfieber (Dengue) oder vómito negro (“Schwarzes Kotzen”; nach
den finalen Symptomen der gefährlichsten Variante; eine Art schwerer Grippe mit
Schüttelfrost und inneren Blutungen; die Kranken erbrachen geronnenes
“schwarzes“ Blut). Eine Neffe Jamms ist wohl an Geldbfieber gestorben. Diese
Krankheit ist von Westafrika, wo sie vor allem Affenpopulationen befiel, in die
Karibik gekommen. Der Virus der Krankheit, die nicht durch andere Kontakte
übertragen werden kann, wird durch langbeinige Mosquitos mit dem Namen Aedes aegypti (oder: stegomya)
verbreitet. Der Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. Er überlebt nur
in Temperaturen über 16 Grad Celsius. Das Mosquito braucht es noch wärmer: um
27 Grad Celsius. Das heißt, durch die Temperatur waren dieser Krankheit scharfe
Grenzen in tropischen und subtropischen Gebieten gesetzt.
Die
Mücke Aedes aegypti läßt sich faktisch vom Menschen halten, sie lebt von seinem
Blut und vermehrt sich vor allem in flachen stehenden Gewässern - ideal etwa
waren die in Kuba sehr verbreiteten Wasserzisternen, Rückhaltebecken und
Wassertanks in oder bei menschlichen Siedlungen. Das Ergebnis einer
Erstansteckung mit der gefährlichen Variante ist gewaltig: fünf Tage Fieber und
dann Tod; die Todesrate beträgt beim ersten Auftreten bis zu 80%. Wer die
Krankheit einmal überstanden hatte besaß lebenslange Immunität. Die Krankheit
wächst sehr schnell zur Epidemie an; wie sich noch an 350 000 Kranken 1981
zeigt.
Gelbfieber (wie auch Malaria und
Dengue) breitete sich möglicherweise erstmals schon 1648 in Havanna aus
(historische Krankheitsbilder sind nicht leicht zu interpretieren). Zusammen
mit Dutzenden von anderen, nicht weniger gefährlichen Krankheiten - von Malaria
über Filariasis, von Morell de Santa Cruz als Mal de culebra beschrieben, und Pest über Pocken bis Typhus, die es
auch in Europa gab - machten sie Westindien zu einer der ungesündesten Regionen
der Welt. Noch 1836 schrieb José Antonio Saco in einer Erörterung, ob es einen
Zusammenhang zwischen tropischen Krankheiten und dem Fehlen von Arbeitskräften
gäbe: “Die Kubaner wissen durch lange Erfahrung, dass das Gelbfieber eine
Krankheit der Küsten ist; und das es nur selten der Fall ist, das es an diesem
oder jenem Punkt des Interior [Inselinnern] ausgebrochen ist”.[153] Das bezieht sich entweder darauf, dass über die
Todesfälle im Interior nur sehr wenig statistische Daten gab oder darauf, dass
Wasserfässer und Rückhaltebecken vor allem in den Küstenstädten benutzt wurden.
In den Vorschriften der British Royal
Navy, die zum damaligen Zeitpunkt schon über weltweite Erfahrung verfügte,
rangierte Westindien an erster Stelle. Neuere Forschungen binden den Beginn der
afrikanischen Sklaverei in Amerika an das Aufkommen von Krankheiten bzw. die
Folgen von Epidemien und den demographischen Kollaps der nativen Indiovölker.
Die erste Epidemie sei wohl die Schweinepest (swine flu) gewesen, bald begleitet von Typhus und Masern. Die
schrecklichste epidemische Seuche, die Pocken, hätten Westindien endgültig 1518
erreicht[154]. Zu dieser Zeit war die indianische Bevölkerung schon
in rapidem Niedergang und das neuerliche Massensterben hätte Karl I. dann
endgültig davon überzeugt, daß Arbeitskräfte in Massen nun direkt aus Afrika
eingeführt werden müßten. Von dort sollen die Afrikaner das Gelbfieber
mitgebracht haben, gegen das nur sie selbst zunächst immun gewesen seien.[155] Ab 1603 kam es fast regelmäßig zu Epidemien, deren
Ursache nicht immer nur Gelbfieber war (1621, 1637, 1649, 1677, 1683/84,
1686/87 und 1693). Zwischen 1731 und 1762 sprechen die Quellen von sechs
Epidemiewellen; danach nahm die Gefahr für Einheimische ab, da sie die
Krankheit als Kinder - die generell weniger auf die Krankheit ansprechen als
Erwachsene - überlebt hatten und immun waren. Die Krankheit traf vor allem
Einwanderer; Soldaten und Seeleute, kurz Newcomer, auch ausländische Kaufleute
oder Kommis, wie in einem russischen Roulette konnten sie damit rechnen, die
Krankheit zu bekommen oder nicht - die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu
sterben, lag nach britischen Berichten von Barbados bei etwa 18-20 Prozent.
Erst mit den Reformen des aufgeklärten Absolutismus setzte sich langsam eine
systematische Bekämpfung der verbreitetsten Krankheiten sowie die Ausbildung
von Chirurgen und praktischen Medizinern durch.
Was
hat Jamm wohl von der kubanischen Kultur gehalten? Zunächst ist Kultur ja vor
allem Esskultur; die Liebe ging auch damals durch den Magen. Im alltäglichen
Leben verbrauchte die Bevölkerung Kubas vor allem Holz, Holzkohle, Wasser und
einfache, in der Region - oftmals auf den eigenen Feldern oder Viehweiden
produzierte - Nahrungsmittel, wie Yuca, Mais oder Bananen oder Reis.
Weizenmehl, Harina de Castilla, kam
vor allem aus Spanien und Mexiko, wenn die Handelsbedingungen gelockert waren,
offiziell auch aus den USA (in Zeiten des Handelsverbotes wurde geschmuggelt).
An die Mehlspeisen wird sich ein Badenser leichter gewöhnt haben, als ein mit
Roggen, Bier, Hering und Kartoffeln sozialisierter Norddeutscher. An
ungekühlten Rum und spanischen Wein konnte man sich sicherlich auch im 19.
Jahrhundert relativ leicht gewöhnen. Die Fleischernährung war allerdings weit
besser als damals in Deutschland und heute auf Kuba - für Trinidad gibt es Quellen, daß sogar Sklaven
über 200 Gramm Frischfleisch täglich bekamen, ansonsten waren Tasajo (Trockenfleisch) und Bacalao (Trockenfisch) sowie Viandas (Sättigunsbeilage), vor allem
Yuca und Kochbananen, Unterschichten- und Sklavennahrung. Vielleicht hat Jamm die
mit Limette und Knoblauch bereiteten kreolischen Fleischspeisen, Rind, Schwein
und Huhn genossen. Fisch Essen war noch nicht üblich, ausser in der Fastenzeit;
dann fast immer gewässerter Trockenfisch. Wenn Jamm nach spanischer Tradition
gegessen hat, dann hat er eher Garbazos, Erbsen oder Bohnen sowie mehr Fisch
und Schwein gegessen sowie Krustentiere und Muscheln, zusammen mit Olivenöl,
Wein und Kakao als Heissgetränk. Kartoffeln gediehen auf Kuba nicht. Äpfel auch
nicht. Sie galten im 19. Jahrhundert als exotisches Gemüse bzw. Obst. Reis kam
zunächst aus Georgia, wurde dann aber auch auf Kuba angebaut. Bananen sind
deshalb so wichtig, weil sie unter günstigen klimatischen Bedingungen, die auf
Kuba gegeben waren (wenn nicht gerade ein Hurrikan die Stauden vernichtete),
einen höheren Nahrungsertrag erbringt, als Weizen (133:1) oder Kartoffeln
(44:1) auf der gleichen Fläche. Humboldt war der Meinung, dass die
Landbevölkerung der heißen Gegenden, tierras
calientes, Spanisch-Amerikas eben wegen der Bananen niemals wirklich Hunger
leiden würde. Er sah darin eine Ursache ihrer Apathie.[156]
Wir
wissen nicht, ob Jamm sich auf Kuba an Bananen gewöhnt hatte. Aber es doch eine
schöne Vorstellung, daß er sich die göttlichen Früchte der Karibik, wie
Guayaba, Mamey, Papaya, Mango (die aus dem Pazifik stammt), Apfelsinen,
Pampelmusen, kreolische Limetten und Ananas, denen die Kubaner sogar Gedichte
widmeten[157], gewöhnt hatte und sich
dann im nebligen Deutschland an ihren Geschmack und die Sonne der Karibik, den
starken Kaffee, die Exotik, den Rum und die Zigarren erinnerte. Bananen etwa
waren so exotisch für das deutsche Publikum, dass sie im Grunde bis 1880
unbekannt waren. Andererseits kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass
Jamm sicherlich auch glücklich war, wieder in kühleren Gefilden zu sein. Die
Hitze auf Kuba muss zeitweilig unerträglich für ihn gewesen sein. Die steife
Elitenkleidung (etwa Anzüge aus schwarzem Stoff
mit einer Weste aus Samt
darunter!) trug auch nicht eben zum Wohlbefinden bei.
Die Kunden von Chistian Wilhelm Jamm
Bei
Forschungen zu den Lebensgeschichten von Individuen steht der Historiker immer
vor dem Problem, nicht genau die Verbindungen des Menschen, der einmal wirklich
gelebt hat, mit den analysierten Strukturen und großen Menschengruppen nachweisen
zu können. Aber die historische Imagination und die Mikrogeschichte können
helfen. Also: wer waren die Käufer bei Jamm?
Etwa zur gleichen Zeit, als sich Jamm in Havanna befand,
reiste der bereits genannte livländische Gutsbesitzer, Professor für
Landwirtschaft in Riga, Historiker und Schriftsteller Jégor von Sivers
(1823-1879) durch Kuba. Er beschrieb die kubanischen Kreolinnen als Frauen von
mittlerer Körperhöhe (was damals etwa 1,50 m bedeutet haben dürfte). Er hob
ihre füllige Gestalt, die weiche Gesichtsfarbe, schwarze Augen, ihr
„leuchtendbläuliches“ Haar, einen vollen Busen, eine schlanke Taille und
zierliche Füße hervor. Beim Spaziergang in der Stadt, dem Paseo, schmückten die
Kreolinnen ihr Haar mit frischen Blumen. Dazu trügen sie einen durchbrochenen
Schildplattkamm, der einen mit Spitzen besetzen Schleier über dem Haar hielt.
Sie kleideten sich meist nach französischer Mode mit weißseidenen Strümpfen
sowie Schuhen aus Atlas. Ihre Kleider schenkten sie nach der ersten Wäsche
ihren Sklavinnen (das muss Jamm in den Ohren geklungen haben, selbst wenn es
übertrieben war). Sie trugen kein Korsett oder Schnürbrust, sondern zeigten
natürliche Formen.[158] Die
Oberschichtenfrauen würden kaum jemals den Boden berühren, sondern bewegten
sich fast überallhin in den offenen Kaleschen mit zwei großen Rädern, den Volantes, im Volksmund auch Quitrín genannt. Auch Jamm besaß einen
Volante und ein Paar Pferde.[159]
Cirilio Villaverde beschreibt das schöne Bild einer tropischen Abenddämmerung
in Havanna. Tausende von beleuchteten Quitrines bewegten sich wie terrestrische
venezianische Barken durch die bläuliche Dunkelheit. Sie bildeten lange Reihen
vor Theatern, Cafés und den Plästen der Zuckerbarone.[160] In
den Volantes fuhren auch Frauen. Alleridings musste die „Respektabilität“ einer
ausfahrenden Frau oder eines Mädchens durch die Begleitung einer Anstandsperson
gesichert werden. Eines der wichtigsten Instrumente der kreolischen Frauen war
der Fächer. An der Machart und am Material des Fächers konnte die soziale Position
erkannt werden; aber er diente armen und reichen Frauen der Städte auch zur
Signalgebung.
Frauen sind
in der bisherigen kubanischen Geschichtsschreibung vor allem als Arbeitskräfte
(dann allerdings kaum als Frauen, sondern vor allem als farbiges “Personal” und
Sklavinnen) und als Patriotinnen zur Kenntnis genommen worden. [161]
Reisende haben, wie Ulrike Schmieder in ihrer Habilitationsschrift darlegt, ein
sehr viel diffenzierteres Bild der unterschiedlichen sozialen Frauentypen
gezeichnet. Zur Kenntnis genommen haben sie oft aber nur Oberschichten- und
kreolische Bürgerfrauen sowie deren Lebenswege, Sitten und Erziehung sowie
Ausbildung.[162]
Vor allem in dieser Gruppe sind die Kunden von Jamm zu suchen. Einer der
zentralen Werte dieser Gesellschaft, vor allem wiederum in den Oberschichten
fassbar, war die “Ehre der Frau”; im Grunde das Herzstück der sozialen
Ehrauffassung der Gesellschaft. Dieser Kult sozialer Ehre symbolisierte sich in
der Jungfernschaft vor der Ehe, was oft in weißer Kleidung ausgedrückt wurde.[163]
Unterschichten wurden von den Zeitgenossen oft nur in Kategorien von mangelnder
Religion, Verbrechen, Gewalt und Laster zur Kenntnis genommen, wie auch frühe
Publikationen über Prostitution zeigen.[164]
Sollte es wirklich jemals so etwas wie einen Heiratsmarkt
gegeben haben, so war die Lage für Frauen der kubanischen Eliten Havannas, aber
auch aller anderen Frauen, recht günstig. Es gab mehr Männer als Frauen (mit
Ausnahme einiger Vorstädte der größeren städtischen Zentren). Nach
traditionellem kastilischem Recht durften mit Erlaubnis der Eltern Jungen ab 14
Jahren und Mädchen ab 12 Jahren heiraten. Für Jamm waren die Lebenswege
insofern von Bedeutung, als das seine Luxustextilien aus Lyon, Marseille,
London, Deutschland und New York nicht nur Alltagsbekleidung der Oberschichten
waren, sondern eventuell auch von einer breiteren Käuferschicht zu Hochzeiten,
Taufen, Konfirmationen und den berühmten Feiern zum 15. Geburtstag der Mädchen in der kubanischen Gesellschaft gekauft
wurden (heute jedenfalls sind es die “15“ - im Grunde handelt es sich um eine
Feier der Heiratsfähigkeit, d.h., eventuell wurde diese früher schon am 12.
Geburtstag gefeiert).
Auch andere
Kunden als Oberschichtenfrauen sind denkbar. In den Beschreibungen der
kostumbristischen Literaten etwa über die „Negros curros“, einer Hafensubkultur
von skurril gekleideten Messerstechern, Schmugglern und Schutzgeldjägern,
verstummen die Klagen über den „sinnlosen“ Luxus von Seidentüchern nicht.[165]
Eventuell hatte Jamm – über Mittelsmänner – auch hier gute Kunden? Stoffe
drückten Status aus.
Die
intensivste Beziehung zwischen Frauen und Männer, die Zweierbeziehung,
institutionalisiert und kirchlich sanktioniert als Ehe und mit der Hochzeit
gefeiert, wurde vor allem zwischen den Familien der Oberschichten ausgehandelt.
Andere Möglichkeiten des Kennenlernens in den Städten waren Kirchgang, Empfang
in einem Salon, Theaterbesuch, Paseo
(abendliche Ausfahrt mit dem Volante)
mit Signalen des Fächers oder die Charla,
das Gespräch am Fenster. Für all dies waren Seidenschals oder die damals als
letzter Schrei des Luxus geltenden Taschentücher der Textilhändler gefragt.
Seit dem
Ende des 18. Jahrhunderts versuchten Krone und imperialer Staat massiv in die
Gesellschaftsformation auf Kuba einzugreifen. Mit der „Real Pragmática Sanción
para evitar el abuso de contraer matrimonio“ von 1776, in Amerika gültig ab 1778, konnten
Eltern, vor allem zunächst der Vater, im Falle seines Todes die Mutter, die
Großeltern oder ältere Geschwister, Minderjährigen eine Eheschließung wegen
sozialer und ethnischer Ungleichheit verbieten. Solche Ehen, manchmal
sicherlich auf Liebe beruhend, galten als desigual,
ungleich. Ungleiche Ehen gegen den Willen der Eltern bewirkten nach Auffassung
der Krone „schwere Beleidigungen gegenüber Gott, ... Zerwürfnisse in den
Familien, Skandale und weitere schwerste Belastungen im Moralischen und
Politischen“.[166]
Gegen die ungerechtfertigte Ablehnung eines Heiratswunsches durch Eltern oder
Verwandte gerichtlich vorzugehen, war möglich, aber schwierig. Außerdem war
1779 durch königliches Dekret noch einmal bestätigt worden, daß Offiziere und
zivile Beamte der Krone in den Kolonien eine spezielle königliche
Heiratserlaubnis brauchten. Das verzögerte Eheschließungen in Hispanoamerika.
Es brachte auch Frauen in eine sehr peinliche Lage, wenn auf Grund eines
Heiratsversprechens bereits sexuelle Beziehungen aufgenommen worden waren, und
die Lizenz bis zur Geburt eines Kindes noch nicht eingetroffen war.[167]
Sklavinnen und Sklaven heirateten gewöhlich nicht kirchlich
(obwohl die Herren von der Kirche angehalten wurden, Eheschließungen zu
fördern; die Ehen nahmen im Lauf des 19. Jahrhunderts ab). Sie kleideten sich
in billiges Leinen und Köperstoffe, die ihnen von den Herren zur Verfügung
gestellt wurden. Aber sie kauften auch Kleidung vom selbsterwirtschafteten Geld
bei umherziehenden Trödlern. Kunden bei Jamm waren sie sicherlich nicht. Als
Diener oder Dienerinnen waren sie diejenigen, die eventuell die Bestellungen
ihrer Herrinnen bei Jamm abholten. Sklavinnen und Sklaven lebten und arbeiteten
gemeinsam. Allerdings konnten sie vitale Paarbeziehungen, Sexualität, meist nur
an Orten ausüben, wo eventuell der unerledigte Teil der Arbeitsaufgaben ihnen
Schutz vor den Blicken Anderer bot. Das waren vor allem Orte, wo Holz oder
Zuckerrohr geschlagen wurde und der noch stehende Wald oder das noch stehende
Zuckerrohr eben diesen Schutz bot. Das Wort für Fällen ist tumbar. Aber meist hatten sie nicht einmal an diesen Orten wirklich
Gelegenheit, unkontrolliert zusammen zu kommen. So trug die Gewohnheit der
Hacendados, ihren Sklaven zu befehlen, herumliegende oder heruntergefallene
Zuckerrohrstangen, Palos, auf ihren
Wegen von den Feldern zurück zum Batey, aufzusammeln und auf einen Haufen (tumbadero) zu werfen, dazu bei, dass sich
die auf die Gruppe gerichtete (und durch die Gruppe ausgeübte) Kontrolle auf
eine Frau und einen Mann milderte. Tumbar,
Tumbadero (umwerfen), vor allem aber palo (Stange), gelten noch heute als
eines der Slang-Worte für Geschlechtsverkehr.[168] In
der Meinung der Sklavengesellschaft galt für Sklavinnen und Sklaven der Wert
“Ehre” nicht. Je länger Libertas oder Libertos, freigelassene Sklaven, sich vom
Status der Unfreiheit entfernt hatten, desto mehr konnte sie, vor allem durch
Königsdienst (Milizen) oder wirtschaftlichen Erfolg und Familienbildung sowie
religiösen Eifer, sich diesem eher “weiss” geltenden Wert annähern. Das galt
meist erst für die den Libertos nachfolgenden Generationen freier Schwarzer
oder Farbiger. Beide kubanische Basiskulturen, die von iberischen
Verhaltentraditionen geprägte der Oberschichten und die von verschiedenen
afrikanischen Traditionen beeinflusste der Nachkommen der Sklavinnen und
Sklaven, entwickelten in bezug auf das Verhalten der Geschlechter zueinander
eine gemeinsame Konstante, einen interkulturellen Sockel, die im Grunde bis
heute die sozialen Werte auf Kuba prägen - die Vorstellung von der
Überlegenheit des Mannes. Für diese Überlegenheit musste der Mann aber etwas
tun – etwa die „Ehre“ der Frau kontrollieren und für die standesgemässe
Kleidung seiner Frauen sorgen.
Da Eltern und Vormunde (sowie Krone und Gesetzgeber) das
Heiratsverhalten in den Oberschichten streng kontrollierten, hatte sich die
Rechtstradition des Rapto
(Entführung) eingebürgert. Damit konnten sozial niedriger stehende Männer der
gleichen Klasse (vor allem aber der gleichen “Rasse”) manchmal eine Ehe
erzwingen. Die Schande einer “Entehrung” der Frau durch eventuellen
Geschlechtsverkehr wirkte schwerer als die “Schande” einer ungewünschten
Verbindung. Das Gegenteil war der estupro,
im Grunde der Vorwurf, Geschlechtsverkehr, d.h., die ultimative “Verletzung der
Ehre”, unter Vorspiegelung eines Eheversprechens ausgeübt zu haben.[169] Es
war ein traditionelles Mittel der Familien mit Töchtern, auf sozial höherstehende
Männer Druck auszuüben. Allerdings waren für den Mann bei einer solchen
rituellen Entführung kaum ernsthafte Folgen zu befürchten. Der liberale,
tendenziell antikatholische, Diskurs der Gesetzlichkeit des 19. Jahrhunderts
schwächte die gesetzlichen Sanktionen immer stärker ab.
Waren die jungen Leute aus der kreolischen Elite einmal
verheiratet (und im Grunde genommen konnten nur die Eliten wirklich
“standesgemäß“ heiraten), wurden die Beziehungen der Ehepartner auf Kuba von
den meisten Reisende oft als erstaunlich gut eingeschätzt; einige europäische
Reisende hoben die Freimütigkeit und die respektvolle Behandlung der Frauen
hervor.[170]
Die sich aus den häufigen Verwandtenheiraten ergebende
Endogamie in den Oberschichten (es heiraten - meist - nur Menschen aus einem
engbegrenzten Kreis von Elitenfamilien) wurde oft durch die Heirat mit
spanischen Offizieren oder Kolonialbeamten aufgebrochen. Frauen spielten für
die Formierung dieser imperialen Elitennetzwerke eine extrem wichtige Rolle.
Einmal bildeten sie das Objekt der Heiratsverbindung, als Braut. Damit waren
sie auch Gegenstand einer metropolitanen Gesetzgebung, die die Eliten von den
„Kasten“ (Castas) der farbigen Volksgruppen segregierte. Sie brachten zum Teil
erheblichen Besitz in die Verbindungen ein. Offiziell waren sie sowohl als
Töchter, wie auch als Ehefrauen, der patria
potestas, der väterlichen Gewalt bzw. Vormundschaft, eines Mannes
unterworfen. Als Witwen konnten sie allerdings auch selbst Verwalterinnen ihres
Vermögens sein. Sogar als Plantagen- und Sklavenbesitzerinnen. Viele
Rechtsgeschäfte wurden von Frauen getätigt, allerdings waren Zeugen für die
Geschäfte und die Notare immer Männer; Reisende führten diese Stellung der
Frauen auf traditionelles spanisches Erbrecht zurück, nach dem Töchter wie
Söhne zu gleichen Teilen erbten. Das Ideal der Krone und der metropolitanen
Gesetzgebung war die nach “Kasten” partialisierte Ehe, wobei das dynamisierende
Element die Heirat von Frauen einer nach dieser Idealvorstellung “niedrigeren”
(dunkleren) Kaste mit einem “weißeren” Partner darstellen sollte. Die Umsetzung
dieses Ideals gelang nur partiell, vor allem in der kreolischen Oligarchie.
Männer der kreolischen oder spanischen Oberschicht (und
eventuell auch Ausländer) gingen sehr oft extramatrimoniale Beziehungen zu
farbigen Frauen ein. Das umgekehrte Verhältnis galt (und gilt) als
blasphemisches Sakrileg der „Ehre“ nicht nur der jeweiligen Frau, sondern der
ganzen Sklavereigesellschaft. Diese Mentalität wirkt noch heute nach. Görtz
schrieb über die Beziehungen der Geschlechter in Santiago: „Der Verderb des
Familienlebens, welcher in den Colonien besonders durch die Stellung der
farbigen Frauen droht, ist überall arg, in Santiago sind aber selbst die wilden
Ehen mit Weißen oft von guter Familie und Erziehung an der Tagesordnung und
vollkommen recipirt; man schließt Contracte auf 5, 10 und mehr Jahre, und die
Kinder erben nach Gewohnheitsrecht 1/5 des Nachlasses. Ein wirkliche Heirath
erfolgt dann höchstens auf dem Sterbebette, indem man bis dahin die Befriedigung
gehabt hat, sich durch die Lösbarkeit des Verhältnisses vor den Tücken der
schönen Creolinnen sicher zu stellen.“[171]
Insgesamt lassen sich mit Schmieder folgende Besonderheiten
der Genderbeziehungen und der Stellung von Frauen im Kuba der späteren Neuzeit
gegenüber Europa hervorheben. Erstens die extrem eifersüchtige Behütung von
Töchtern und Frauen und sehr offen gelebte doppelte Moral für Männer und Frauen
im Hinblick auf die Sexualität. Zweitens die günstigere Stellung der
iberoamerikanischen Frau im Erb- und Vermögensrecht z.B. gegenüber dem
englischen Recht und dem Recht mehrerer deutscher Staaten. Das wirkte sich
sogar positiv auf die Rechtsstellung eben freigelassener Exsklavinnen aus.
Drittens die offen gelebten Priesterkonkubinate. Viertens, so fügen wir hinzu,
Sexual- und/oder Liebesbeziehungen zwischen Herren/Sklavinnen oder
Herrinnen/Sklaven hinter den Wänden der Häuser. Hier verflochten sich das
Verhältnis von Männern und Frauen sowie das Sklavenproblem, denn Haussklavinnen
gingen Beziehungen zu ihren Herren ein. Inwieweit das auch für Jamm zutrifft,
bleibt Spekulation.
Für schwarze Frauen war das quantitative Verhältnis zu
Männern noch günstiger – aber sie
heirateten kaum schwarze Männer. Zumindest nicht, wenn man unter “Heirat” die
offizielle kirchliche Trauung versteht (obwohl im Grunde alle Sklavengesetze
der Krone darauf abzielten, die Sklavenehe zu fördern und ein Klasse geborener
schwarzer Sklaven zu züchten). Seit der Frühzeit der Kolonie gab es immer
wieder königliche Verordnungen, die darauf abzielten, klarzumachen, dass
Sklaven durch Heirat nicht automatisch frei würden. Die oftmalige Wiederholung
zeigt nicht unbedingt, dass die Gesetze sehr wirksam waren. Aber sie zeigt,
dass die Meinung über “Heirat=Freiheit” tiefverwuzelt waren, zumal die Heirat
mit einer India zudem noch das Recht auf Bodenbesitz sicherte. Die Masse der
kubanischen Bevölkerung, die nicht den Oberschichten angehörte, war nicht
verheiratet, sondern casado, was zwar
die offizielle Übersetzung für “verheiratet” ist, aber eigentlich behaust,
Leben unter einem gemeinsamen Dach und eine Vielfalt von Arrangements zwischen
zwei Partnern bedeuten kann.
Auf den Plantagen kam es durchaus zu Konflikten zwischen
Männern und Frauen, aber auch zu Konflikten zwischen Männern um Frauen (und
möglicherweise auch zwischen Frauen um Männer).[172]
Sklavinnen und ehemalige Sklavinnen zogen oft ein Verhältnis mit sozial höher
stehenden und helleren Männer dem Zusammenleben mit einem Mann ihrer sozialen
Gruppe vor. Manchmal waren Haussklavinnen auch Geliebte.
Schwarze und farbige freie Männer hatten, auch wegen der
Arbeitssuche, ein unstetes Leben, das leicht als “Landstreicherei”
interpretiert werden konnte. Sie gingen dann Beziehungen, oftmals flüchtige,
mit verschiedenen alleinstehenden Frauen ein. Die Instabilitität der
Geschlechterbeziehungen in den Unterschichten, die meist zugleich auch farbig
waren, wurden von den Oberschichten, der Kirche und den Reisenden oft als
“fehlende Moral” interpretiert. Esteban Montejo berichtet sehr authentisch:
“Die freien Ehen waren schon besser. Die Frauen waren frei und hatten nichts
mit ihren Eltern abzumachen. ... Ich war immer frei. Ich habe mich nicht
verheiratet, erst nachdem ich ein Alter war; ich war an vielen Orten als
ungebundener Junggeselle. Ich habe Frauen aller Hautfarben gekannt. Stolze und
gute”.[173]
Das Gegenteil zur Instabilität und Unstetheit des Lebens
farbiger Männer, vor allem ehemaliger Sklaven, waren Enge und Einsamkeit des
Lebens der Guajiros und Guajiras, der freien bäuerlichen Landbevölkerung. In
Bezug auf diese Landbevölkerung sind die Gerüchte über Inzest und
Kindesmisshandlungen eigentlich nie verstummt; sie wurden (und werden)
allerdings in Schweigen gehüllt.[174]
Für schwarze Frauen (und Männer, Montejo ist hier kein gutes
Beispiel) waren ihr Stück Land, der conuco,
die casa (Haus) und die parentela, die wirkliche oder
symbolische Verwandtschaft, meist wichtiger als eine Familie nach europäischen
Vorstellungen.
Ärmere
Frauen, und “nicht-verheiratet” galt oft als gleichbedeutend mit “arm”, mussten
“auf die Straße” gehen – und Arbeit suchen: als Wäscherinnen, Dienstmädchen
(was sie oft in engeren Umgang mit Männer aus den Oberschichten brachte) oder
als Prostituierte. Prostitution hatte oft den Vorteil, den halbprivaten,
halböffentlichen Raum der kreolischen Vorderhäuser ausnutzen zu können und “zu
Hause” zu bleiben, en casa.[175]
Insofern machte die Akkumulationsfunktion eines vom Munde abgesparten Sklaven
oder einer Sklavin die Sklaverei auch in den freien Unterschichten (auch unter
ehemaligen Sklaven) wahrhaft populär. Ein Sklave oder eine Sklavin erbrachte im
Regelfall immer Gewinn, so dass auch alleinstehende ärmere Frauen einen
gewissen Mindeststatus der damaligen Gesellschaft einhalten konnten. Das galt
auch für Männer, nur das Prostitution von Männern öfter verschwiegen wurde.
Männer hatten auch viel mehr Möglichkeiten, Arbeit auf der Strasse oder im Feld
zu finden.
Die Folge dieserart Beziehungen zwischen dem, was die
Zeitgenossen für scharf getrennte “Kasten” hielten, waren hohe Unverheirateten-
und Illegitimitätsraten auf Kuba. Aus der Karibik, vor allem aus Kuba, kamen
knapp 40 % aller bei der spanischen Krone eingehenden Legitimationsanträge des
18. und 19. Jahrhunderts (Anträge auf Aufhebung der „Illegitimität“ für Kinder
der Elite). Illegitimität war sozusagen ein Zeichen der Nichtzugehörigkeit zu
den Eliten (es gab auch farbige Eliten). Daraus entwickelte sich im 19.
Jahrhundert ein Kriterium, dass die städtischen Mittelklassen nach unten
abschloß.
Neben dem längeren Verbleib Kubas bei Spanien vermutet Twinam
dafür als Ursache auch eine stärkere Diskriminierung von Personen unehelicher
Abstammung auf der Insel. Illegitimität galt in den höheren Mittelschichten und
in der Oberschicht – vor allem, weil keine Nachkommen von “Negros” Zugang zu
diesen sozialen Sektoren bekommen sollten – als ehrenrührig. Der Name der
Mutter eines unehelichen Kindes wurde bei Kindeslegitimationen in der
Aristokratie oft dauerhaft verschwiegen, um die Ehre der Mutter zu schützen.
Das Motiv von Männern, uneheliche Kinder zu legitimieren, sei weniger Druck von
Seiten der Familie der Mutter gewesen, als vielmehr die Tatsache, dass sie ihre
Kinder nicht den Nachteilen einer unehelichen Herkunft aussetzen wollten[176].
Die Ehefrauen der Eliten mussten also oft “Bälger” des Ehemannes dulden. Oder
die Casas de Cuna, die Findelhäuser,
füllten sich. Oft war der Nachname der Findelkinder “Valdés” ein Zeichen für
eine “Herkunft” aus dem Findelhaus (diese hiessen sprichwörtlich Casas de Valdés). Ein offenes
Liebesverhältnis – wie es Gertrudis de Avellaneda im romantischen Roman Sab thematisiert – zwischen einer
weissen Oberschichtenfrau und einem schwarzen Mann war in Realität völlig
undenkbar für diese Gesellschaft (selbst wenn der Sklave in Afrika ein „Prinz“
war). Das bedeutet, dass die “Ehre” der Frauen für die Sicherung der
Kastenherrschaft und Rassendominanz der weissen Oberschicht eigentlich noch
viel wichtiger als es die normierende militärische “Ehre” der Männer war (etwa
in den Milizen).
Christian Wilhelm Jamm und die Sklaverei
Jamm
lebte und arbeitete während seiner kubanischen Jahre in einer extrem
komplizierten Umgebung. Ungewohnt für einen südbadischen Protestanten. Nicht
nur wirtschaftlich ungewohnt, sondern auch kulturell, sprachlich und sozial.
Erst im Ausland erkannten die deutschen Regionalisten ihr „Deutschtum“ voll an.
Bei Jamm mag das ähnlich gewesen sein. Aber vielleicht hat der Aussenseiter,
der vor allem mit „französischen“ Luxustextilien handelte, auch seine badische
Herkunft besonders betont. Grundsätzlich gesehen, war Jamm, ethnisch gesehen,
ebenso „Ausländer“ wie die etwa 600 000 im Laufe des 19. Jahrhunderts nach Kuba
verschleppten Menschen aus dem subsaharischen Afrika. Beide Gruppen von
„Ausländern“ wurden aber sehr unterschiedlich behandelt.[177]
Die britischen Konsuln hatten, neben der Vertretung von
englischen, schottischen, irischen oder walisischen Kaufleuten und der
Beobachtung etwa der deutschen Konkurrenz, die Hauptaufgabe der Verfolgung des
seit 1820 auch auf Kuba offiziell verboteten Sklavenhandels. Deshalb waren die
britischen Generalkonsuln auch offizielle Kommissare der “Gemischten
Kommission” (Comisión mixta para la
represión del tráfico negrero), die zwischen Spanien und Großbritannien
gegründet worden war, um den illegalen Sklavenhandel zu verfolgen. Crawford zum
Beispiel informierte in seinen Berichten auch über diese Form des “schmutzigen”
Handels; einer der ausführlichsten Berichte datiert auf das Jahr 1860. [178]
Die Herausbildung eines ökonomischen Systems auf
der Basis von Massensklaverei auf Kuba, die ersehnte ”Cuba Grande” der
Oligarchie, war durch einige globale Bedingungen geprägt, die ihm einen
besonderen Charakter verliehen. Erstens trat dieses System im historischen
Sinne relativ spät an das Tageslicht, unter den Bedingungen der sich
entfaltenden atlantischen Doppelrevolutionen, der von Großbritannien
ausgehenden industriellen neuen Revolution sowie der amerikanischen und der
französischen Revolution, die die Menschenrechte proklamierten. Beide
Bewegungen verstanden unter freiem Individuum im wirtschaftlichen Sinne freie
Arbeitskräfte bzw. befreiten ländliche Arbeitskräfte aus letzten feudalen
Bindungen, dazu kamen Prozesse wie die preußischen Reformen. Die
Nationalgeschichten, vor allem französische, deutsche oder englische,
vermitteln den Eindruck, diese Prozesse hätten die Weltgeschichte 1760 bis 1830
dominiert. Das ist ein falscher Eindruck. Dominiert haben die Weltgeschichte
als Sozialgeschichte, noch bis 1860/70, dem Ende des zweiten
Globalisierungsschubs, traditionelle Verhältnisse und Sklaverei oder andere
direkte Formen der Bindung der Arbeitskräfte. Als Revolution von atlantischer
Tragweite muss auch die Revolution auf Saint-Domingue 1791-1804 eingeschätzt
werden. Sie ermöglichte der kubanischen Elite, Fachleute in großer Zahl
anzustellen und hielt ihr die Konkurrenz vom Leibe. Die Proklamation der
Sklavenfreiheit als konkretes Menschenrecht (durch die Sklaven selbst auf
Saint-Domingue) schien zunächst eher retardierende Wirkung auf die
Plantagenkolonien der Karibik zu haben. Allerdings führte die Furcht vor
Sklavenrevolutionen schnell zur Entwicklung von Furcht-Ikonen (die es
erlaubten, jede Freiheitsregung der Sklaven als “Terror wie in Haití” zu
stigmatisieren) und zur Ausarbeitung einer effizienten Sklavendemographie.
Zweitens besaß das
spanische Imperium keine eigenen Sklavenversorgungsgebiete und erst seit 1777
mit den Inseln Fernando del Póo und Annobón Sklavenhäfen am Golf von Guinea in
Afrika (mit dem Recht, auch auf den Islas Príncipe und Santo Tomé sowie an den
gegenüberliegenden afrikanischen Küsten Handel zu treiben), die allerdings
nicht zu den wichtigen Sklavenhandelsplätzen gehörten.[179] Durch diesen Vertrag und einen
nachfolgenden Handelsvertrag[180] erhielt Spanien (und damit potentielle
hispano-kubanische Sklavenhändler) Zugang zu den portugiesischen
Sklavengebieten in Afrika.
Drittens entfaltete
sich die kubanische Massensklaverei, da seit Ende des 18. Jahrhunderts die
englische Abolitionspropaganda offizielle Politik wurde und der Kampf gegen die
Sklaverei und den Sklavenhandel die internationale Idiosynkrasie seit dem
Wiener Kongress von 1815 prägte, unter für die Herren ungünstigen äußeren und
ideologischen, vor allem “propagandistischen”, Bedingungen.[181] Als Medienprodukt hatte die kubanische
Sklaverei einen schweren Stand.
Zwischen
1763 und 1846 war die Sklaveneinfuhr über den Atlantik die wichtigste Quelle
des fast explosiven demographischen Wachstums der kubanischen Bevölkerung.
Sklaven waren unter den Bedingungen der zweiten Globalisierung, als im Kern
Europas überall persönliche Abhängigkeit und Knechtschaft abgeschafft wurden,
sozusagen die Ressource, der “Billiglohnsektor”, preiswerter Herstellung von
Rohstoffen für die industrielle Produktion und zur besseren Ernährung der
europäischen Bevölkerungen. Es wuchsen zwar alle ethnischen Grundbestandteile
der Inselbevölkerung, aber der Sklavenanteil erhöhte sich mit den höchsten
Prozentsätzen (3,8 Prozent Sklaven, 2,74 Prozent Weiße und 2,24 Prozent freie
Farbige), obwohl sich dieses Wachstum nicht aus natürlicher Reproduktion
speiste, sondern durch Sklavenhandel aufrechterhalten wurde. Der Zeitraum
zwischen 1763 und 1880 kann bezüglich des Sklavenhandels in vier Hauptperioden
unterteilt werden:
1.) 1763 - 1788: das Ende des
Asientos;
2.) 1789 - 1820 mit den Etappen
1789 - 1804 und 1805 - 1820: die Periode der Entmonopolisierung und des freien
Handels;
3.) 1821 - 1845 mit den Etappen
1821 - 1823, 1823 - 1833 und 1834 - 1845: die Periode des offiziösen
Schmuggels;
4.) 1846 - 1880 mit den Etappen
1846 - 1867 und 1867 - 1880: Die Periode des unregelmäßigen Schmuggels und der
Ablösungsstrategien der unfreien Arbeit; 1867 begann die Endphase des
atlantischen Sklavenhandels.[182]
In
der ersten Hauptperiode wurden vor allem durch Verträge mit einzelnen, meist
englischen, Sklavenhändlern außerhalb des traditionellen Asiento-Systems 49293
Sklaven nach Kuba eingeführt, etwa 10000 Sklaven mehr als in den zweieinhalb
Jahrhunderten vor 1763.[183]
In
der ersten Etappe der zweiten Hauptperiode wurde von der Krone eine Reihe von
Reales Cédulas, Ordenes und Decretos erlassen, die den Sklavenhandel in
Freihandel mit versklavten Menschen aus Afrika umgestalteten. Die Verordnungen
befreiten die kubanischen Produkte Zucker, Kaffee, Baumwolle und Indigo
weitgehend von der Zahlung der Zölle, der Alcabala und der Diezmo. Auch wurden
die Werkzeuge, Maschinen und Gebrauchsgegenstände für die Ingenios von der
Steuerzahlung ausgenommen. In dieser Etappe wurden 101265 Sklaven eingeführt.
In
der zweiten Etappe dieser Periode kam es seit 1805 zur Aufhebung des Handels
mit Neutralen, was vor allem zeitweilig eine Zurückdrängung des Handels mit den
USA bedeutete. Dazu kam Ende 1807 die ausdrückliche Aufhebung des britischen
Sklavenhandels (gültig ab 1808). Das führte zum Aufstieg wichtiger spanisch-kubanisch-katalanischer
Sklavenhändlergruppen und zur Akkumulation von großen Kapitalien in einzelnen
Familienclans, die die massive Neuanlage moderner Ingenios in der Region
Matanzas und die spätere Expansion des Zuckers nach Las Villas und Cienfuegos ermöglichten.
Als Ursache oder Nicht-Ursache für die Independencia, d.h., für die Frage, ob
sich Eliten versuchten, wirklich für autononom zu erklären (wie auf die
Kontinent), ist die Frage des Sklavenhandels bisher nur von Jeremy Adelman im
Ansatz untersucht worden. Für die kubanische Geschichtsperspektive heisst es
immer: „Die Eliten hatten zu viel Angst vor den vielen Sklaven“. Deshalb sei
Kuba erst so spät unabhängig geworden. Aber die „vielen Sklaven“ kamen erst
nach 1808. Und, wie Sergio Guerra gezeigt hat, waren alle traditionellen Eliten
Kubas von Trinidad an ostwärts, durchaus Anhänger einer Independencia vom Typ
„Independencia unter Simón Bolívar“, d.h., einer Unabhängigkeit ohne wirkliche
Sklavenbefreiung.[184]
Nur die Sklavenhandels- und Massensklavereieliten des kubanischen Westens, um
Havanna und Matanzas (Cuba grande),
Spanier, wie Kubaner, mit leichtem Zögern Arangos, verweigerten sich der
anfänglichen Junta-Bewegung.[185]
Die Eliten, vor allem Spanier und kosmopolitische Eliten, bekamen den
Sklavenhandel ab 1808 unter ihre Kontrolle, und die kreolischen Plantagen und
Sklavenbesitzer bekamen den Wald (wichtig für die Anlage neuer Ingenios) sowie
das volle Eigentum über den Boden (ab 1815).
In
dieser Etappe intensivierte sich der Handelskrieg der britischen West-Indian-Lobby von Zuckerproduzenten
gegen die kubanische Zuckerproduktion, die offizielle Abolition des
Sklavenhandels durch Großbritannien war Teil dieser Offensive. Nach den
Vorschlägen des mexikanischen Deputierten José Miguel Guridi Alcocer (sofortiges
Verbot des Sklavenhandels und graduelle Aufhebung der Sklaverei) und von
Agustín de Argüelles (Aufhebung des Sklavenhandels nach britischem Vorbild) auf
den Cortes von Cádiz 1811[186] sowie dem britisch-spanischen Vertrag von 1814,
stellten sie die ersten direkten Angriffe auf den kubanischen Sklavenhandel
dar. Die Gruppe um Arango sah sich zu energischen Gegenmaßnahmen veranlaßt.
Dabei hatte sie ein relativ leichtes Spiel, da Kuba neben Puerto Rico, dem
Gibraltar der Karibik[187], die letzte sichere Basis Spaniens im Kampf
gegen die Insurgenten in Südamerika darstellte. Kuba konnte mit seiner
florierenden Wirtschaft auch noch Geldmittel zur Verfügung stellen. [188] Die erste spanische Verfassung (Cádiz 1812)
schloss die castas pardas in Amerika
und Kuba – damit meinte sie Freie mit “afrikanischen Vorfahren” - vom Status
eines Bürgers des spanischen Imperiums aus. [189]
Die
totale Nichterfüllung des Vertrages von 1814 führte Großbritannien zu
energischeren Schritten. Das Vereinigte Königreich nutzte seine dominante
Position im internationalen System zu verschiedenen Initiativen auf dem Wiener
Kongreß (1815) und zur direkten Pression der spanischen Krone. 1817 wurde ein
weiterer britisch-spanischer Vertrag unterzeichnet, der den Sklavenhandel
nördlich des Äquators ab dem 30. Mai 1820 verbot und die Einrichtung von
gemischten Kommissionen (eine in Havanna und eine in Sierra Leone) sowie das
Recht zur gegenseitigen Kontrolle festschrieb. Die illegal eingeführten Sklaven
sollten, soweit dies durch Aufbringung von Schmuggelschiffen oder Denunziation
von Sklaventransporten auf Kuba festgestellt worden war, zu sogenannten emancipados, Emanzipierten (eigentlich:
Freien) erklärt werden. Der Vertrag von 1817 legte fest, daß diese
Emanzipierten legal frei sein sollten; die spanische Regierung ging die
Verpflichtung ein, ihnen die Rückkehr nach Afrika zu erleichtern oder ihnen -
falls eine Rückkehr unmöglich oder nicht gewünscht war - die Integration
erleichtern und Arbeit zu verschaffen. Für letzteres sollten sie für fünf Jahre
der Aufsicht einer “ehrenwerten” Familie übergeben werden und dann frei sein.
In Realität wurden diese Vertragsklauseln nur formell eingehalten; die Masse
der Emancipados arbeitete bei in Bezug auf die Freiheit der afrikanischen
Menschen völlig unehrenwerten Familien in ruraler Sklaverei oder wurde im
Straßen- und Hafenbau eingesetzt, ohne daß sich jemand wirklich für sie
verantwortlich fühlte. In den Sklavenlisten der Ingenios setzen die Besitzer
Emancipados auf die Stellen von gestorbenen Sklaven, vermerkten die Emancipados
als “gestorben” und gaben dem Emancipado den Namen des wirklich gestorbenen
Sklaven.[190] Und sie bemühten nach Kräften das kulturelle
Hauptargument für die Sklaverei: es sei Sünde, die Afrikaner in die “Dunkelheit
des Heidentums” zurück zu schicken.
Der
massiven englischen Abolitionspropaganda widersprach allerdings der
britisch-portugiesische Vertrag von 1818, der den Handel südlich des Äquators
weiterhin gestattete, da dieser als Handel zwischen portugiesischen Territorien
in Brasilien und Afrika betrachtet wurde. In Wirklichkeit aber handelte es sich
um starke britische Interessen im portugiesischen Kolonialreich und um
Konkurrenz zum kubanischen Zucker.
Die kubanisch-spanischen
Negreros wandten sich verstärkt von Großbritannien ab, was wiederum ihre
deutlichere Hinwendung zu den USA bedeutete, deren Regierung von Politikern der
südlichen Sklavenstaaten dominiert wurde, sowie zu anderen Handelspartnern, wie
etwa Frankreich, Preußen, Hamburg und anderen deutschen Staaten. Diese antibritische
Öffnung des Handels verhinderte zunächst, daß britisches Kapital in die
Inselökonomie eindrang. Und Kaufleute aus anderen Nationen hatten auf Kuba
zunächst bessere Chancen gegenüber den Briten.
In
dieser Etappe wurden 185807 Slaven nach Kuba eingeführt; die Gesamtzahl seit
1763 erhöhte sich auf 336365. Wie der Sklavenhandel konkret funktionierte,
wissen wir aus Quellen von sogenannten Privateers oder Corsarios,
Kaufleute-Kapitänen, die ein Korsaren-Patent eines Staates hatten, um andere
Schiffe zu überfallen. Korsaren und Piraten gab es immer in der Karibik, aber
besonders häufig in den Jahrzehnten des Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien
1812-1824. Die “revolutionären“ Korsaren des Generals Simón Bolívar etwa
überfielen die spanischen Negreros; manchmal liessen sie die gefangenen
Afrikaner frei oder reihten sie in ihre Mannschaften ein. Oft aber verkauften
sie ihrerseits die Beute nach Kuba. So etwa im Fall des
nordamerikanisch-venezolanischen Korsaren Renato Beluche, der im Januar 1818
das Sklavenschiff Josefa Segunda mit 314 „Negern“ von der Guinea-Küste und Principe
aufbrachte und sie dann an der Südküste Kubas an Land brachte und verkaufte.[191]
In
der ersten Etappe der dritten Hauptperiode begann die Zeit des “erlaubten
illegalen Handels” mittels einer doppelten spanischen Politik der offiziellen
Verurteilung einerseits und der passiven Unterstützung des Sklavenschmuggels
andererseits. Die große Zeit der spanisch-kubanisch-katalanischen Negreros
brach an.
Wegen
Unstimmigkeiten zwischen Großbritannien und Spanien über den Vertrag von 1817
wurde im Dezember 1822 ein neuer Vertrag zur Definition der Festlegungen von
1817 geschlossen. Da die Festlegungen allerdings weiterhin besagten, daß die
Schmuggelschiffe nur auf offenem Meer aufgebracht werden durften und die
spanische Marine in Verfolgung der Schmuggler passiv blieb, waren die Verträge
praktisch nutzloses Papier.
Die
Zusammenarbeit zwischen den kubanischen Kolonialbehörden und den Negreros sowie
deren Kenntnis der kubanischen Gewässer und Küsten taten ein Übriges. Die
vollständigsten Kalkulationen besagen, daß in dieser Etappe 126600 Sklaven nach
Kuba geschmuggelt wurden.
Weil
die Witwe des 1833 gestorbenen Ferdinand VII., María Cristina, in der
dynastischen Krise Spaniens der Unterstützung Großbritanniens bedurfte und weil
sich mit dem britisch-französischen Vertrag von 1833 sowie der Aufhebung der
Sklaverei in den britischen Kolonien die internationale Lage entscheidend
geändert hatte, schloß Spanien mit Großbritannien den Vertrag vom 27. Juni 1835
zur endgültigen Aufhebung des Sklavenhandels. Großbritannien betrieb auf Basis
dieses Vertrages eine aggressivere Politik. 1836 sandte London den
entschiedenen Abolitionisten Richard Madden[192] als Superindendanten für emanzipierte Sklaven nach
Havanna. Aber die Negreros und Sklavenhalter genossen weiterhin die volle
Unterstützung des Generalkapitäns Miguel Tacón. Sie erfreuten sich auch der
geheimen Billigung der Regentin. Gerüchte besagen, daß María Cristina
finanziell am Sklavengeschäft beteiligt gewesen sei. Allerdings stand für die
spanische Krone durchaus auch Prestige auf dem Spiel. Die Zentralgewalt hatte,
wie wir wissen, schon Ende des 18. Jahrhunderts auf eine irgendwie geartete
juristisch fixierte Sklavenschutzpolitik verzichtet.
Dann
war auch die Kontrolle der Sklavenzufuhr seit 1789 Zug und Zug aufgegeben
worden. Somit waren auf Kuba immer größere Mengen von Menschen dem direkten
Zugriff der Krone, das heißt des Gesetzgebers, entzogen. Wegen des Schmuggels,
war nicht einmal klar, wie viele Menschen das genau ausmachte. Das verstärkte
die der Sklaverei als System innewohnende Tendenz, einen Staat im Staate zu
bilden. Nach den Regeln des Regierens konnte sich keine Regierung seit den
Zeiten der Aufklärung diese fehlende Kenntnis in der Demographie leisten.
Als 1840 der liberale
probritische General Baldomero Espartero zum starken Mann der spanischen
Politik geworden war, kam es zu Projekten, einen Zensus aller zwischen 1820 und
1840 nach Kuba importierten Sklaven zu erheben. Es ging auch das Gerücht um,
daß allen Eingeschmuggelten die Freiheit gegeben werden sollte. Der Zensus von
1841, so ungenau er auch im einzelnen sein mag, zeigte jedenfalls, daß es auf
der Insel bereits mehr Schwarze als Weiße gab; nämlich bei etwa einer Million
Einwohner circa 43 Prozent Sklaven, 15 Prozent freie Farbige und rund 42
Prozent Weiße. Jetzt schien wirklich ein “neues Haiti” zu drohen. Rund
gerechnet, gehörten etwa 70 Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung
zwischen 16 und 60 Jahren der “schwarzen Rasse” an. Seitens der
Sklavenhandelsgegner kam es zu hektischer Agitation über die drohenden
“Afrikanisierung” Kubas[193]; die Sklavenbesitzer und Negreros reagierten ebenso
panisch in der Furcht um ihre Pfründe. Der Staat und seine Diener fürchteten
den Rückgang der hohen Steuern und Zölle (sowie Bestechungsgelder). Die
Furchtikone “Haiti” wurde als Menetekel an die Wand gemalt.
Eine
literarische Mode, Sklavenschmuggler als Helden und Modernisierer darzustellen,
konnte sich nicht durchsetzen. Die Ängste wurden verschärft durch das Agieren
des britischen Konsuls David Turnbull[194], eines radikalen Abolitionisten, und die Ankunft des
neuen, ebenfalls abolitionsfreundlichen Generalkapitäns, Gerónimo Valdés
Noriega y Sierra. Turnbull benahm sich allerdings äußerst undiplomatisch. Die
Forderung nach einem “wahren”, das heißt, einem richtig gezählten und auf den
Plantagen erhobenen Sklavenzensus war der eigentliche Stein des Anstoßes
zwischen Generalkapitän und Sklavenhaltern. Valdés erließ auch den berühmten Bando de Gobernación y Policía de la Isla de
Cuba von 1842, mit einem Reglamento
de esclavos im Anhang. Dieser Reglamento von 1842 war im Grunde - nach
einem halben Jahrhundert! - eine Konkretisierung, Systematisierung und
striktere Fassung der Grundregeln, die schon im Código Negro Español von 1789 festgeschrieben worden waren. Die
kubanische Sklaverei wurde de jure erstmalig internen Regeln unterworfen.
Durchsetzen
konnten die spanischen Beamten diese Politik auf die Dauer kaum besser als ihre
Vorgänger vom Ende des 18. Jahrhunderts. Valdés hatte allerdings einige Erfolge
im Kampf gegen den Sklavenschmuggel (die sogar ein Karl Marx schriftlich
anerkannte).[195] Die kreolische
Oligarchie nahm das als Signal. Den ökonomischen Kollaps Jamaikas vor Augen,
warfen die Sklavenbesitzer einerseits die Frage der Entschädigung in die
Debatte - in einer Gesamthöhe von 700 Millionen Francs. Das konnte der
spanische Staat nicht bezahlen. Andererseits wandten sich einige
Sklavenbesitzer nun dem Annexionismus zu. Zugleich setzte, da die Sklavenpreise
in Amerika anzogen (in Afrika waren Sklaven schwerer zu bekommen und das Risiko
des Sklavenexports war höher, so dass dort die Sklavenpreise fielen[196])
und der Zuckerpreis tendenziell fiel, eine Strategie der langsamen Ablösung der
versklavten durch die freie Arbeit ein. Zunächst wurden, vor allem aus Angola
und Mozambique, mehr Kindersklaven eingeführt. Die Junta de Fomento setzte
Preise für diejenigen Hacendados aus, denen es gelänge, kanarische Kolonen
anzusiedeln bzw. die Produktion vollständig mit Tagelöhnern, Jornaleros, einzubringen.
Seit
1847/49 gelangten auch chinesische und yukatekische Kulis als
„Vertrags-Arbeiter“ auf die Insel. Die Zahl der chinesischen Coolies erreichte
bis 1880 eine Höhe von rund 125 000 Menschen.[197]
All dies konnte aber das Grundproblem der Arbeitskräfte nicht lösen und die
Hacendados verwiesen immer wieder auf das Chaos in Jamaika. Aus ihrer Sicht
schien Ende der vierziger Jahre ein Angriff auf das Herz des ökonomischen
Systems und auf die soziale wie wirtschaftliche Basis der Zuckerelite
bevorzustehen.
Seit
dem Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts war es auch zu verstärkten
politischen Aktionen, Rebellionen und Aufständen unter den Sklavendotationen
vor allem in den Zuckerregionen von Matanzas gekommen. Die romantische
Freiheitsrhetorik hatte auch die Plantagen erreicht. Diese Unruhen und
Rebellionen wurden wiederum von den erschreckten Sklavenhaltern zum
Schreckgespenst “Haiti” aufgebauscht und zu Pressionen auf die
Kolonialverwaltung benutzt. Hintergrund war eine angespannte politische
Situation der Karibik. 1843 wurde im benachbarten Haiti Präsident Boyer von
Generalen der Sklavenrevolution gestürzt.[198] Die wirklichen Ursachen aber waren das die Folgen der
ungezügelten Einfuhr von versklavten Menschen und der Ideologie des
Sklavereiliberalismus. Es handelte sich auch um chaotischen Folgen
wirtschaftlicher Selbstorganisation, denen man nur noch mit einem
Gewaltrundumschlag Herr bleiben zu können glaubte. Dazu kam der Verfall der
Weltmarktpreise für Kaffee und Naturkatastrophen. [199]
Nicht
nur die Krone hatte die Kontrolle verloren und die Kreolen lehnten die
Sklaven-Gesetze als Eingriff in den Rechtsraum der Plantagen ab. In der
Synergie zwischen amorphen, vielfältigen Verschwörungsnetzen und
Furchtverstärkung konnten die Hacendados die Sicherheit in den Zuckerzonen auch
nicht mehr gewährleisten. Hektik, Furcht und Nervosität taten ein Übriges.
Valdés wies 1842 Turnbull aus. Als in Spanien 1843 Espartero gestürzt worden
war, kam der General Leopoldo O'Donnell y Jorris als neuer Generalkapitän nach
Kuba. Entgegen seinem lockeren Wort, Kuba könne mit einer Fiedel und einem Hahn regiert werden, benutzte er zunächst einen
eisernen Besen. Unter seiner politischen Verantwortung wurde eine gezielte
Verfolgungs- und Terrorwelle zur Zerstörung der Verschwörungsnetze ausgelöst.
Zugleich sollten die kreolische Elite wieder begreifen, dass ihre Rolle die
eines Juniorpartners der Metropole war.
Der
Staatsterror ist unter dem Sammelnamen “La Escalera” in die kubanische Geschichte
eingegangen. O'Donnell, der nicht in erster Linie ein Bluthund war, wie ihn die
ältere kubanische Historiographie dargestellt hat, bewies den Kreolen damit die
Notwendigkeit einer starken Zentralmacht, eines spanischen gendarme necesario, eines notwendigen Gendarmen (wie die geniale
Formulierung des venezolanischen Soziologen Laureano Vallenilla Lanz lautet[200]), für Kuba. De facto eine Militärdiktatur, die nach
aussen den kolonialen Vorposten des Restimperiums und nach Innen die
Institution Sklaverei schützte. Auch vor den unkontrollierten Begierden der
Wirtschaftselite selbst. Der Oberschicht, der internationalen Öffentlichkeit
und Großbritannien sollte der Schlag auch beweisen, daß Spanien noch Herr im
Hause Kuba war. Der reale Terror traf in Verteidigung der Farblinien vor allem
den zwischen Ende des 18. Jahrhunderts und 1840 entstandenen sozialen Sektor
der schwarzen und mulattischen Klein- und Mittelbourgeoisie von Havanna und
Matanzas, der allerdings nicht - wie manchmal zu lesen – “vernichtet” wurde,
sondern der sich danach politisch anders und vor allem vorsichtiger verhielt.[201] Die Opposition aus der Oberschicht erstarrte vor
Entsetzen.[202]
In
Bezug auf den Sklavenschmuggel mußte auf fortgesetzten britischen Druck
allerdings am 2. März 1845 das Gesetz über die Repression des Negerhandels (Ley Penal) erlassen werden, das harte
Strafen für ertappte Sklavenschmuggler vorsah, aber zugleich festhielt, “daß in
keinem Fall und Zeitraum gegen die Sklaveneigentümer vorgegangen werden wird,
noch [erlaubt ist], die Eigentümer unter dem Vorwand der Herkunft [der Sklaven]
zu beunruhigen.”[203] Das Gesetz war ein rechter Mißerfolg; zumindest aber
konnte es für die nächsten zwanzig Jahre als ein Feigenblatt herhalten.
Zugleich wurde ein einheitliches Reglamento
de cimarrones [204] für die ganze Insel erlassen.
Zunächst
nahm der Sklavenschmuggel ab, um dann Ende der vierziger Jahre und in Wellen
1853-1854 sowie 1858-1861 nochmals anzusteigen, in letzterer Etappe gar auf
Rekordhöhen. Paradoxerweise war es wegen brasilianischer Proteste und wegen der
Gefahr für Spanien, seine äquatorialafrikanischen Besitzungen an die Briten zu
verlieren, bereits 1859 zur Aufhebung der Sklaverei in Spanien-Guinea (Fernando
del Póo) gekommen.[205] Weitere Gesetze und Steuern auf den Sklavenhandel, ebenfalls
recht unergiebig, wie der Real Decreto vom 22. März 1854[206], bedurften erst einer Revolution (1854-1856: Bienio Progresista) in der Metropole, um
ihre Wirkung zu entfalten.
Der
vermeintlich “negrophile” Generalkapitän, Jacobo de la Pezuela[207], hatte in seiner Amtszeit 1853/54 die Farbigen-Milizen
wieder zugelassen. Und er versuchte, den Sklavenschmuggel ernsthaft zu
bekämpfen.[208] Insgesamt wurden in der ersten Etappe der 4.
Hauptperiode von 1846 bis 1867 nochmals die erhebliche Gesamtzahl von 169000
Sklaven nach Kuba gebracht. Sklavenhandel war, insbesondere in den sechziger
Jahren, und trotz des starken Druckes der öffentlichen Meinung und der
Abolitionisten, untrennbar mit der florierenden Plantagenwirtschaft verbunden.
Sogar der Staat hielt die Sklavenhändler für die “produktivsten Kapitalisten”.
Die Regierung verfolgte formell nur den Handel mit Bozales, das heißt mit geschmuggelten Sklaven aus Afrika.
Die
Benennung bozal ist ein
zeitgenössisches Kriterium, das vor allem den Grad der kulturellen Integration
afrikanischer Menschen beschrieb. Die Anales
de la Isla de Cuba, eine Art Staatswörterbuch, notieren zum Stichwort
“Bozal”: ”Bozal.- Der Neger, der gerade aus seinem Land gekommen ist.
.- Der, der auch nachdem er einige Zeit auf dieser Insel geweilt hat, noch
nicht die kastilische Sprache spricht.- In gleicher Bedeutung nennt man auch
den, der zu unbeholfen und zu spät ist, um zu verstehen und auszuführen, was
man ihm aufträgt: in Opposition zu dieser Bedeutung steht das Wort ladino, das
schlau und gescheit bedeutet, und das man früher auf den [Sklaven] anwandte,
der eine andere Sprache oder Sprachen als die seine beherrschte. Der in Afrika
geborene Ladinoneger heisst nicht Bozal, sondern de nación”.[209]
In
diesem Sinne bezeichnete der Terminus einen in Afrika geborenen Menschen, der
nicht Spanisch sprach und im Wesentlichen seine kulturellen Wurzeln der
jeweiligen afrikanischen Region zu bewahren versuchte. Aus dem Eintrag in den
Anales de la Isla de Cuba ergibt sich, daß es im Laufe des 19. Jahrhunderts
eine Bedeutungsverschiebung des Bozal-Begriffes gab. Sie ging einher mit der
ideologischen Bestialisierung des Bozal-Begriffes. Bis um wussten 1840 noch
alle Herren relativ klar, dass Bozales gesuchte Fachleute für Landwirtschaft
und Handwerk waren. Oft wurde auch darauf verwiesen, dass sie eine andere als
ihre eigene Sprache oder eine Lingua franca der Sklavenhäfen sprachen. Schon um
1860 war für fast alle Herren und die kubanische Sklavereigesellschaft klar,
daß ein Bozal nur ein dummer, unzivilisierter Mensch aus dem Wald sein könne
(dieses Verständnis ist bereits bei Arango 1792 angelegt). Für kreolische
Sklaven dagegen war ein Bozal auch ein meist alter Mensch, der des Spanischen
nicht mächtig war, aber eine Lengua, eine afrikanische Sprache, beherrschte.
Die
soziale Gruppe der Bozales war, vor allem zwischen 1820 und 1860, relativ
gross, aber auch relativ instabil. Die Menschen, die durch extremsten Zwang zu
Outsiders auf Kuba geworden waren, bildeten zwar möglicherweise die soziale
Basis für eine oder mehrere hablas bozales, Sklavensprachen. Aber
sie konnten keine eigene Kultur ausformen. Das wurde zum Nährboden imaginierter
Traditionen, denn die Kenntnis afrikanischer Sprachen und Kulturelemente, zu Secretos, Geheimnissen, verklärt, war
die Basis für die Stellung der Afrikaner als Negros de nación in den Sklavenreligionen.
Die
zweite Generation der Sklaven, bereits auf Kuba oder in einer anderen
Sklavengesellschaft geboren, wurden als Criollos,
Kreolen, oder Negros ladinos
bezeichnet. Der Criollo oder die Criolla waren aber meist noch durch
patriarchalische Beziehungen mit den afrikanischen Ursprüngen verbunden; sie
ehrten die Negros und Negras de nación als Vorfahren, wie etwa im Bericht von
Esteban Montejo sehr deutlich wird. Die dritte Generation nannte man Rellollo, d.h., Schwarze mit vollständig
kubanischen Wurzeln und nur noch Spuren von kulturellen Verbindungen zur
afrikanischen Kultur, die meist auch noch synkretistische Symbiosen mit der
herrschenden Kultur eingegangen waren. Für sie war im Rahmen der
afrokubanischen Kultur der Bozal-Vorfahre oft schon verehrter Ahne. Bei einigen
der kreolisierten Schwarzen, wie bei den Königssklaven von El Cobre,
entwickelten sich auch kulturelle Überlegenheitsmentalitäten gegenüber den
“Barbaren” aus Afrika.
Seit
etwa 1835, besonders aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es aus
verschiedensten Ursachen zu Prozessen der von den Besitzern nolens volens
geförderten schwarzen [Re-]Assozierung. Die wichtigsten demographischen und ökonomischen
Variablen waren die schiere Masse von Afrikanern auf Kuba sowie der durch
Gefahren des Sklavenschmuggels und Verknappung des Angebots hochgetriebene
Preis; die wichtigste innere politische Ursache waren die Vorgänge im Umfeld
von 1843/44 (La Escalera). Die afrokubanische Wiedervergesellschaftung war vor
allem deshalb so wichtig, weil die Versklavung für die Afrikaner zunächst nicht
nur die Durchtrennung aller gewohnten sozialen Beziehungen, sondern auch den
Verlust jeglicher Formen politischer und institutioneller Bindungen bedeutete.
Die
erste der Assoziationsformen oder Arten von Wiedervergesellschaftung, in die
die Afrikaner und Afrikanerinnen zwangsläufig gerieten, war die durch die Taufe
bewerkstelligte Aufnahme in die Gemeinschaft der katholischen Christen (was
freilich einen Kontakt mit dem Christentum schon in Afrika nicht ausschloss).
Diese Taufforderung war die wichtigste Priorität aller spanischen Gesetzestexte
von den Siete Partidas bis zum Reglamento de Esclavos von 1842. Die
vollzogene rudimentäre Taufe war sozusagen Warenzeichen und Einfuhrerlaubnis
für den iberoamerikanischen Kolonialbereich. Es war zunächst eine formale
Eingliederung in den iberischen christlich-katholischen Kulturbereich. Die
gefangenen Afrikaner, die für die spanischen und portugiesischen Kolonien
bestimmt waren, bekamen meist schon in den afrikanischen Faktoreien durch die
Sklavenhändler eine Art Plakette zum Zeichen, daß sie “getauft” waren, um den
Hals gelegt (medalla de estaño). Die
Sklavenhändler legten wegen dieser Einfuhrformalität auch auf Anwesenheit von
katholischen Priestern Wert. Oft aber nahmen Laien, Kapitäne oder andere Europäer
oder gar Afrikaner, die schon mit dem Christentum in Berührung gekommen waren,
die ersten Unterweisungen vor. Das erste Zeichen des repressiven
Sanktionsapparates einer fremden Kultur war die christliche Religion - manche
Afrikaner glaubten, die Weißen wollen sie verzaubern oder zum Fressen
vorbereiten. [210]
Wir wissen nicht, ob es um 1850 Deutsche im “großen” Sklavenhandel von
Afrika nach Kuba gab. Vorher gab es sie – neben der oben genannten Averhoff und
Souchay z.B. Daniel Botefeur aus Hannover (um 1770 geboren, Lutheraner;
gestorben als Sklavenschiffsarzt, Negrero, großer Kaufmann, katholisch,
eingeheiratet in die kreolische Elitefamilie der Romay, Eigentümer vieler
Sklaven, zweier Cafetales (Kaffeeplantagen mit Massen von Sklaven) und zweier
Handelshäuser (Matanzas/ Havanna), gestorben 1821 in Charleston (an
Herzschlag)) oder der bereits erwähnte Cornelius Souchay, Hugenotte aus Hanau
(geb. 1784), ein Finanzspekulant, Kaufherr, Negrero, Mongo (der noch 1827
versuchte, in Afrika, in Gallinas, eine Faktorei zu gründen); Eigentümer des
Muster-Cafetals Angerona (katholisch
gest. 1837).[211] Ein Teil des Geldes muss
auch nach Deutschland gegangen sein (Marxens Problem der „ursprünglichen“
Akkumulation!). Noch 1823 stand die wichtigste nordamerikanische
Sklavenhändlerdynastie, die De Wolfs aus Bristol, Rhode Island, mit der Witwe
Botefeurs wegen des Kaufs geschmuggelter Verschleppter in Kontakt. James DeWolf, spricht in einem Brief ganz
offen von pipes of Madeira wine (für
350$ die „pipe“), die er kaufen möchte – Menschenschmuggel.[212]
Nur wenige Sklavenhändler haben Narrative hinterlassen, wie Theodore
Canot.[213] Wir wissen aber aus den Informationen von Beneke,
daß einer der Sthamers (Gustav Sthamer) mit einer kubanischen Kreolin namens
María Regina Carlota Fernández verheiratet war, deren Onkel Eduardo Fernández,
zum Zeitpunkt des Besuches von Beneke Verwalter des Cafetál “Carolina” und des
Zuckeringenios “La Unión” (beide in Bemba, heute Jovellanos), dreizehn Jahre
seines Lebens diesem schmutzigen Geschäft gewidmet hatte.[214] Ende der vierziger Jahre, Anfang der fünfziger Jahre
des 19. Jahrhunderts war Sklavenhandel ein hochrisikovolles Geschäft, das
allerdings oft sehr hohe Gewinne brachte. Diese Gewinne investierten sie meist
in der Zuckerwirtschaft oder sie übernahmen verschuldete Ingenios, deren
Besitzer sich vorher Geld bei ihnen geliehen hatten. Auf ihren Ingenios verband
sich modernste Technik und Technologie mit massenhafter Sklavenarbeit; die
weltgrößten Zuckerfabriken befanden sich 1850-1880 in der Gegend von Matanzas.[215]
Die mittlerweile steinreichen hispano-kubanischen Sklavenhändler und
Ingeniobesitzer hätten Deutsche höchstens noch als Aufseher oder Kapitäne von
Sklavenschmuggelschiffen, also in abhängiger Position, eingestellt.
Die großen Sklavenhändler waren viel reicher als Jamm; etwa Tomás
Terry, ein einst aus Venezuela geflohener Kleinkaufmann, der seine Millionen
mit dem Ankauf kranker Sklaven gemacht hatte, die er bei Anlandung der
Sklavenschmuggler für wenig Geld faktisch „geschenkt“ bekam, dann auf einem
speziellen Gut (Juraguá) gesund pflegte. Bei Sklavenmangel verkaufte er sie für
teures Geld. Die Terrys waren seit den siebziger Jahren die reichsten Männer
Kubas und gehörten zu den reichsten Männern der atlantischen Welt.[216]
Weitere Sklavenhändler, die immense Reichtümer erworben hatten, spielten
wichtige Rollen in der kubanischen und in der spanischen Wirtschaft und
Politik: Joaquín Gómez, Pedro Blanco, Manuel Pastor, Salvador Samá, Julián
Zulueta, José Ildefonso Suárez, José Antonio Olañeta, José Esteva und Francisco
Marty y Torrens, der berüchtigte Pancho Marty, dem man nachsagte, er “kaufe
Weiße und verkaufe Neger”. Marty hatte seinem Beschützer, dem Generalkapitän
Tacón, so viel zu verdanken, dass er Ende der 1830er Jahre das damals größte
Theater Amerikas finanzierte, das unter dem Namen “Teatro Tacón“ (Kosten
250.000 Pesos) in die Geschichte eingegangen ist.[217]
Jamm hat es auf jeden Fall besucht. Einige der ehemaligen Negreros trugen den
Orden des „Großen Kreuzes Karl III.“, verliehen durch Königin Isabella II.;
einige hatten Adelstitel, wie Pedro de la Cuesta, Graf von Reunión, Salvador
Samá, Marqués von Marianao, Manuel Pastor, Graf von Bagaes, José Antonio
Argudín, Marqués de la Casa Argudín, Francisco Ibáñez, Graf von Ibáñez. Der
einflußreichste unter ihnen, Don Julián Zulueta, war Marqués von Álava und
Vizconde de Casa Blanca. Zulueta war Erster Konsul des Real Tribunal del
Comercio, Ratgeber der Administración de Hacienda, de facto des kolonialen
Wirtschaftsministeriums, Oberst der Milizen, mehrmals Regidor und Alcalde,
Bürgermeister, von Havanna (1860, 1870, 1874 und 1876), Senator des
Königreiches auf Lebenszeit, gewählter Abgeordneter der Cortes von 1876; er
besaß am Ende des Leben neben vier großen Ingenios die Gesellschaft Zulueta y
Cia., verschiedene Aktienpakete in Handels-, Eisenbahn- und
Kreditgesellschaften, Lagerhäuser, Molen und Grundstücke in Cárdenas und
Havanna; eine eigene Handelsflotte sowie eine Mehl- und eine Textilfabrik in
Spanien. Sein Vermögen wurde 1878 auf ungeheure 12 322 571 (12 Millionen)
beziffert.[218] Menschenhändler als imperiale Kolonialaristokratie!
Jamm konnte da nicht mithalten.
Anders
sieht es bei Kauf und Verkauf von “Personen mit Preis”[219], vulgo alltäglicher Sklavenhandel, auf der Insel aus.
Für diesen Bereich haben wir Informationen über relativ viele Deutsche. Und wir
wissen, daß es auf Kuba deutsche Sklavenbesitzer gab. Die Notariatsprotokolle,
die sich praktisch in jedem Provinzarchiv auf Kuba in kilometerlangen Reihen
finden, informieren über Sklavinnen und Sklaven mit deutsche Nachnamen (die
Sklaven bekamen nach spanischem Recht den oder einen der Nachnamen eines der
letzten Herren[220]), wie zum Beispiel eine gewisse Ysabel Specht,
ehemalige Sklavin bei einem Herrn namens Specht in Santiago de Cuba[221] oder ein deutscher Pflanzer und Sklavenbesitzer in
Sagua la Grande (einem Zuckerzentrum an der Nordküste im Mittelteil Kubas) ”... D[on] Guillermo Mildenstein, aus dieser
Nachbarschaft, Besitzer des Ingenios ‘La Rabia’ ”. [222] Von
Wilhelm Mildenstein erscheinen dann ehemalige Sklaven (als Sklaven hatten sie
einen beschränkten Status als Rechtspersonen und durften offiziell keine
Geschäfte tätigen) in den Notariatsprotokollen. [223]
Es
gab auch Frauen als Sklavenbesitzerinnen. Einige von ihnen werden fast sicher
zu den Kunden von Jamm gehört haben. 1791 besaß die Marquesa de Cárdenas über 222 Sklaven, 1801 die Marquesa
Justiz über 275 Sklaven, 1808 Micaela Goicoechea über 487 Sklaven und Teresa
O´Farril Herrera, die Frau von Nicolás Calvo, über 460 Sklaven[224]. Mitte des 19. Jahrhunderts dürften die größten
Einzelbesitzerinnen Rosa A. de Scull in der Capitanía San
Nicolas des Distrikts von Güines, dem ”schönen Tal von Güines” in Humboldts
Kuba-Essay, mit 341 Sklaven[225] und Juana Fernández im sogenannten Valle de los Ingenios, dem Tal der Zuckerplantagen bei Trinidad,
mit über 354 Sklaven[226] gewesen sein. Die Condesa de la Reunión besaß sogar 640 Sklaven
(in Guanajay, Partido de Cabañas), während die nächst größten Sklavengruppen
dort mit 560 Don Francisco de Aguirre und 325 Sklaven dem Conde de la Reunión
gehörten.[227]
Um Jamms Position zur kubanischen Sklavereigesellschaft
genauer zu bestimmen, müssen wir die Hauptcharakteristiken der Sklaverei zu
dieser Zeit auf Kuba etwas genauer beleuchten.
Die internationale Sklavereiforschung hat mittlerweilen nachgewiesen,
dass Sklaverei keine ineffiziente, technologisch zurückgebliebene
Wirtschaftsweise gewesen ist – ganz im Gegenteil: Kuba besass von 1840 bis 1950
mit der ruralen Zuckerproduktion die effizienteste Exportlandwirtschaft der
Welt.[228] Aber das Schicksal von
Menschen kann man nicht nur nach Effizienzkriterien beurteilen. Es war die
Effizienz und der Mangel an Arbeitskräften, die zur Entwicklung der
landwirtschaftlichen Massensklaverei im Zucker führte.[229]
Mit der Fabrik im Zuckerrohrfeld, dem vollmechanisierten
Ingenio (Plantage) hat eine kosmopolitische Besitzerklasse die erste wirkliche
Boomwirtschaft der zweiten Globalisierung geschaffen. Kuba wurde auf der ganzen
Welt beneidet. Alexander von Humboldt hat dieser Kultur mit seinem “Politischen
Essay über die Insel Kuba” einen seiner Schlüsseltexte gewidmet. Als einer der
wenigen Intellektuellen seiner Zeit hat er darauf verwiesen, dass der Reichtum
auf der Qual von Sklaven beruhte. [230] Ein
anderer berühmter Deutscher dagegen, Eduard Poeppig, später Professor der
Naturgeschichte und Zoologie an der Universität Leipzig, konnte sich diesen
aristokratischen Liberalismus nicht leisten. Poeppig arbeitete 1822 bis 1824
als Plantagenarzt in der Nähe von Matanzas. Er gehörte damit zur Adminstration
einer Plantage und zu einem Berufsstand, die zutiefst die Meinung der damaligen
Gesellschaft über Sklavinnen und Sklaven prägte. Um Geld für eine Expedition
nach Südamerika zusammen zu bekommen, war Poeppig auch von 1824 bis 1826 im
Süden der USA tätig. Sicherlich auch als Sklavenarzt. Vielleicht verschlug die
Sklaverei, die Poeppig als Arzt aus nächster Nähe erlebte, ihm so Sprache, dass
er seine Erlebnisse auf Kuba nicht in einem größeren Werk publizierte. [231]
Um 1850
glaubten die Herren der Zuckerrohrplantagen von New Orleans über Havanna bis
Bahia mit der “Realität” ihrer Wirtschafterfolge bewiesen zu haben, dass in der
Neuen Welt Freiheit, technischer Fortschritt und Massensklaverei vereinbar
seien; in den Südstaaten der USA all dies sogar in Form einer Republik.
Die
Errungenschaften dieser amerikanischen Moderne gründeten sich auch auf die
Sklaverei. Richtet sich der Blick auf die Sklavinnen und Sklaven, so zeigt
sich, daß die Stellung einzelner Menschen in dieser Makrostruktur „Sklaverei“
höchst unterschiedlich sein konnte. Die Herrschaftsform Sklaverei konnte nur
durch diese Hierarchisierung aufrechterhalten werden. Am untersten Ende der
Sklavereigesellschaft standen die frisch von Afrika nach Amerika verschleppten
Menschen, die Opfer des Sklavenhandels. Die in die Fremde verschleppten
Menschen suchten sich in Kuba nach Bekannten, Nachbarn oder Landsleuten, die
ihre Sprache verstanden. Sie organisierten sich, je mehr sie auf Kuba Kontakte
schließen konnten, in Abstammungsgemeinschaften, die nach damaligen
Sprachgebrauch „Nationen“, Naciones, genannt wurden. Da es wirkliche Nationen
in Afrika noch nicht gab und auch benachbarte Dörfer oder Nachbarn oft tief
verfeindet gewesen sein müssen, waren diese Naciones eher romantische
Traditionserfindungen, um den Zusammenhalt in der Sklaverei zu erleichten. Je
länger aber die afrikanischen Menschen von ihrer Heimat entfernt waren, desto
fester glaubten sie an ein idyllisiertes Afrika. Die erste und subjektiv
wichtigste Differenzierung der Sklaven, vom spanischen Staat in der politischen
Organisation der Cabildos de Nación
quasi übernommen, stellte also die “Nación” dar, heute am besten mit “Ethnie”
oder “Kultur” zu übersetzen. Hier setzte auch die Unterscheidung zwischen
Bozales und Criollos an. Der Kern der Kultur war die Religion. Cabildos zu
bilden war nur den Freien erlaubt; die Sklaven auf den Plantagen hatten dieses
Rechte nicht; aber auch sie organsierten sich nach „Volks“-Gruppen (de nación)
als Lucumiés, Congos, Mandingas, Angola, Mina, Ganga, Carabaliés und Ararás.
Eine sozioökonomische Differenzierung
der Sklaven ergab sich durch Arbeitsorte und den Platz der Schwarzen in der
Gesellschaft. In diesem Sinne existierte eine klare und scharfe Unterscheidung
zwischen den Sklaven der Felder, die unterste Gruppe wurde durch die
Zuckersklaven gebildet, und den städtischen Haussklaven, den Handwerkern und
den Sklaven, die von Weißen mißachtete Arbeiten verrichteten, sowie den
schwarzen Aufsehern (Contramayorales, Capataces), Ochsenführern (Boyeros),
Köchen oder Kutschern. Als Regel galt: die neueingeführten „Afrikaner“ waren
meist Feldsklaven; städtische Haus- und Dienstsklaven waren meist auf Kuba geborene
Kreolen (negros criollos).
Bereits
in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts arbeitete die größte Gruppe der
ruralen Sklaven im Zucker. Der Männeranteil lag um 1820 bei 80%. Auf dieser
Basis begannen sich im “großen” Kuba Klassenstrukturen herauszubilden. Auf den
großen Zuckeringenios und im Eisenbahnbau war mit ungleich härteren Umständen
und brutalerer Behandlung zu rechnen, als auf den Kaffeeplantagen, in der
Viehhaltung, in der Hauswirtschaft oder im Handwerk bzw. bei öffentlichen
Arbeiten (Straßen-, Mauer- und Festungsbau, Hafenarbeiten), die gewissermaßen
vor den Augen der Bevölkerung stattfanden, obwohl gerade diese Bautätigkeit
Schwerstarbeit war[232]. Die Arbeitsbedingungen und in gewissem Sinne die
Stimmung auf den Plantagen waren keinesfalls uniform. Es gab starke
Unterschiede in der Führung von Plantagen, zugleich war das Verhältnis
Sklaven-Herren (oder Herrinnen) auch von der Größe der Besitzung und
selbstverständlich oft auch von den Launen der Herrschaft abhängig. Prägend
wirkten zudem die Anforderungen, die aus den Anbau- und Verarbeitungsformen der
Tropenkulturen selbst ergaben sowie die ethnische Herkunft, die Ausbildung der
Sklaven und Sklavinnen. Mittlerweilen ist für fast alle Plantagenökonomien
nachgewiesen, dass die Besitzer gerne “Fachkräfte” kauften, das heisst,
Afrikanerinnen und Afrikaner, die bereit in ihrer Heimat bestimmte Fähigkeiten
erworben hatten. Der Diskurs über diese Sklaven aber war ein ganz anderer -
nämlich der der Faulheit, Barbarei und der Unzivilisiertheit. Auch Konflikte
und Hierarchien unter den Sklaven, wie der zwischen Kreolsklaven (auf Kuba
geborene Sklaven) und Bozales
(abfällig für aus Afrika verschleppte Menschen), Insider-Outsider oder der
zwischen Früher- und Spätergekommenen, spielten eine wichtige Rolle.[233]
Feldsklaverei
bedeutete auf Kuba im 19. Jahrhundert vor allem Arbeit beim Anbau und bei der
Verarbeitung von Zucker, der am weitesten verbreiteten Plantagenkultur. Diese
Plackerei nötigte den Sklaven weit größere Anstrengungen ab als die Arbeiten
auf Kaffeeplantagen, im Tabak, Indigo, Kakao oder auf den Reis- und
Maisfeldern. Alle Zeugnisse über die Unterschiede zwischen Kaffee- und
Zuckerproduktion besagen, dass Arbeit und Leben der Sklavinnen und Sklaven auf
den Kaffeeplantagen weniger hart, weniger routiniert und weniger repressiv
waren, als auf den Zucker-Ingenios.[234]
Auf den
Zuckeringenios war die Lage der Männer und Frauen am schlimmsten, die direkt im
Feld, in der Mühle oder in den Siedereien arbeiten mußten. Obwohl die
Zeitgenossen ein anderes Zeitgefühl als wir heute hatten, bezeichnen alle
objektiven Zeugnisse des 17.-19. Jahrhundert die Schufterei in den
verschiedenen Abteilungen der Zuckermühlen als Hölle auf Erden. Das verschärfte
sich durch die Effektivierung mittels Technik im Mühlenbereich und
Zeitrationalisierung seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts noch
erheblich. Weil im Kaffeeanbau dieser stark technisierte Sektor der Mühlen
fehlte, wird die Sklaverei auf den Cafetales, obwohl auch rurale Sklaverei, oft
als viel weniger hart beschreiben. Arango hatte schon Ende des 18. Jahrhunderts
die Einfuhr schwarzer Frauen für den Zuckersektor gefordert. Er setzte auf
seinem Gut Frauen als Schnitterinnen ein.
Das Verhältnis Plantagensklaverei zur urbanen Sklaverei
und das der Landsklaven zu den Stadtsklaven war dadurch geprägt, daß sich die
Masse der Kreolsklaven und die Mehrzahl der schwarzen Frauen sowie ihre oft
freigelassenen Nachkommen in den Städten sammelten. Sie bildeten unter
politisch-kulturellem Aspekt jene Gruppe der Schwarzen, die in den Cabildos de
Nación die Transkulturation vorantrieben. Sie interpretierten ihr Leben und
ihren Alltag mit ihren kulturellen Konzepten, Worten und Begriffen. Die Männer
unter den Libertos und Morenos sowie Pardos libres wurden auch immer wieder als
potentielle Träger und Anhänger des Haitianismus verunglimpft, das heisst, man
verdächtigte sie, eine Sklavenrevolution, wie die auf Saint-Domingue 1791-1804
vorzubereiten. Die ruralen Sklaven waren in der ersten Hälfte der 19.
Jahrhunderts meist männliche Bozales. Das schuf erhebliche Probleme, wurde
allerdings solange beibehalten, wie die Preise günstig waren.
Die
kubanische Sklavereigesellschaft unterschied sich in ihrer inneren Strukturen
ziemlich stark von anderen Plantagengesellschaften. Diese Struktur bietet auch
einen wichtigen Schlüssel für die Deutung der kubanischen Politikgeschichte.
Zum Beispiel wäre der kreolische Reformismus ohne diese Strukturen nicht
erklärbar.
Die
wichtigsten Parameter dieser Sklavengesellschaft waren Rasse, Klasse und Geschlecht
(sowie Alter und Ethnie). Die Zahlenverhältnisse und Anteile der Bevölkerung
wurden nach den Maßgaben der Rassenkonstrukte in den Zensus, vor allem der
eminent politischen Relation der weißen zur schwarzen Bevölkerung (Pardos und
Schwarze) sowie der freien Bevölkerung (weiße und farbige) zur versklavten
Bevölkerung erhoben. Auch der sog. Maskulinitätsrate (das quantitative
Verhältnis von Männern zu Frauen) wurde zunehmend Aufmerksamkeit zuteil. Der
andere Parameter war der der Klassen, also in erster Linie die Stellung in der
Produktion. Hier bildeten die Feldsklaven des Zuckers eine ziemlich klar
definierte Klasse, die sich natürlich durch eine Reihe weiterer Merkmale
auszeichnete, vor allem dadurch, daß sie zunächst eine Klasse junger schwarzer Männer
war. Insofern waren die neuen Ingenios der zwanziger und dreißiger Jahre
Männergefängnisse.[235] Erst nach der Jahrhundertmitte finden sich in ihr auch
Frauen in höheren Prozentanteilen, so 1862 81883 Frauen von gesamt 216091
Sklaven im arbeitsfähigen Alter zwischen 16 und 60 Jahren. Die Zensus bis 1846
zeigen ein ständiges Wachstum des „Rassen“-Anteils. Danach wuchs vor allem der
Klassenanteil der Zuckersklaven bis in die siebziger Jahre.
Seit
den dreißiger Jahren vergrößerte sich auch der Frauenanteil. Im Zucker
allerdings war 1862 noch ein Ungleichgewicht gegeben: 174 Männer kamen auf 100
Frauen. Im urbanen Bereich glichen sich die Zahlen fast aus: Auf 100 Frauen
kamen 95 Männer. Zwischen 1862 und 1877 verringerte sich die Sklavenpopulation
um 45%. Die Sklaverei zog sich auf die effektivsten Bereiche der
landwirtschaftlichen Produktion zurück. 1877 gab es noch 200000 Sklaven.[236] Sie konzentrierten sich in Matanzas und Las Villas. [237] Ihr Anteil stieg in diesen Regionen sogar an, von 45%
auf 57% aller Sklaven.
Trotz
des starken Zuckersektors und der Massen von Feldsklaven auch in anderen
Zweigen gab es auf Kuba immer - selbst in den Hochzeiten der ruralen
Massensklaverei – vor allem in Westkuba einen größeren Anteil städtischer,
urbaner Sklaven als in andere karibische Kolonien. Eine weitere Besonderheit
ist, das sich vor allem in Westkuba die Vorstädte und Hafenviertel mit
freigelassenen Sklavinnen und Sklaven füllten, während in Camagüey und Oriente
die Gesellschaft ruraler blieb; die Städte des Inselzentrums waren im Grunde
Inseln der “weissen” Eliten. Nur das Dienstpersonal war schwarz oder farbig.
Die städtischen Sklaven und ihre freigelassenen Verwandten sammelten sich in cabildos de nación („ständische“ Ratsversammlungen
nach „Nationen“, was auch die spanischen Regionalisten, wie Galicier, Katalanen
oder Andalusier taten), die sich auf reale oder wieder erfundene
„Volks“-Zugehörigkeit in Afrika gründeten und in ihren synkretistischen
Religionen die afrikanischen Sprachen als „heilige Sprachen“ bewahrten.
Alexander
von Humboldt, der sich 1800 und 1804 in Havanna aufhielt, hatte auf die starke
Urbanisierung der kubanischen Sklaverei hingewiesen. Er zieht in seinem Essai politique über Kuba ein Resumée
über eine Tendenz in der Entwicklung der Sklaverei des 18. Jahrhunderts, die im
19. Jahrhundert durch die Massensklaverei überlagert, aber nicht vollständig
beseitigt werden sollte. Der große Humboldt ist dabei nicht frei von liberalen
Illusionen: “Die fortschreitenden Verbesserungen auch in den Verhältnissen der
Sklavenkaste selbst machen begreiflich, wie auf der Insel Cuba der Luxus der
Herren und die Gelegenheit des Arbeitsverdienstes mehr als 80 000 Sklaven in
die Städte ziehen konnten und wie die durch weise Gesetze begünstigte
Freilassung sich dermaßen wirksam erzeigen konnte, daß, um bei der gegenwärtige
Epoche [1822 - M.Z.] zu bleiben, über 130 000 freie farbige Menschen vorhanden
sind.”[238]
Die
Bezeichnung „Haus“-Sklaverei ist allerdings in gewissem Sinne irreführend.
Humboldt und zwanzig Jahre später die Condesa de Merlín stellen diese urbanen
Sklavereiformen recht idyllisch dar.[239]
Es handelt sich eigentlich um eine Vielzahl von Sklavereien im Handwerks-,
Hausdienerschafts- und Transportbereich. Richard Konetzke weist auf die
Besonderheit hin, daß die kubanischen Kreolen ihre Sklaven oft Handwerke
erlernen ließen, die Neger in Städten ansiedelten oder verliehen. Es gab einen
Mietmarkt für Sklaven (Arrendamiento;
Negros alquilados). Aus der Arbeit der Sklavinnen und Sklaven zogen beide
Parteien Gewinn. Der Vorgang wurde echarlos
a ganar por sí genannt. Handarbeit war relativ teuer. Sklavinnen und Sklaven in dieser
patriarchalichen oder städtischen Sklaverei waren immer auch ein Mittel zur
Kapitalakkumulation. Fast alle Formen des Bankwesens (Ratenkauf, Guthaben,
Beleihung, Gewinnmaximierung durch Ausbildung und selbständige Handwerksarbeit
der Sklaven, Rentenwesen, Sharing, Kredite) lassen sich in diesen
patriarchalischen Sklavenwirtschaften nachweisen. Besonders gegen Ende der
Sklaverei, und Jamm lebte auf Kuba fast in diesem Endstadium der Sklaverei,
verwischten sich die Grenzen zwischen Haussklaven und Dienstpersonal.
Die
Relikte der patriarchalischen Sklaverei sind auch noch in den Zensus der Jahre
zu erkennen, in denen die größten Prozentanteile an Sklaven auswiesen sind.
Eduardo Torres-Cuevas[240] hat darauf verwiesen, daß 1841 noch 77,07 Prozent aller
Sklaven nicht im Zuckerbereich arbeiteten. Insgesamt aber sind mehr Sklaven im
ruralen Bereich als im urbanen Bereich ausgewiesen. Die Zuckersklaven schon den
größten geschlossenen Block in der Landwirtschaft bildeten.
Beschäftigung Zahl der
Sklaven/1841 1862
Ingenios 100000
(22,91%) 172671 (46,85%)
Cafetales 60000 (13,74%) 25942 ( 7,03%)
Sitios
und Estancias 66000 (15,12%) 31768 ( 8,61%)
Vegas 14263 (
3,26%) 17675 ( 4,79%)
Haciendas -
( - ) 6220 ( 1,68%)
Haussklaven 196202
(44,95%) 75977 (20,61%)
Potreros -
( - )
31514 ( 8,55%)
Der große Block der städtischen
Sklaven war 1841 das stärkste Relikt des 18. Jahrhunderts. Allerdings fehlen
statistische Untersuchungen über die Alterstruktur und darüber, wie viele davon
Haussklaven in der relativ privilegierten Stellung von Domestiken und Kutschern
waren oder aber schwere Transportarbeiten verrichteten. In den Statistiken
werden nur städtische Sklaven ausgewiesen, worunter neben den Haussklaven auch
die ober erwähnten Sklaven fielen, die ein Handwerk beherrschten. Sie
arbeiteten für Herren, die oftmals nur einen oder zwei Sklaven ihr eigen
nannten.
Die
erzählenden Quellen, wie Reiseberichte, aber auch amtliche Quellen, enthüllen
einen weiteren Aspekt. Sie zeigen, dass bis zu fast 45 Prozent der Sklaven im,
wie wir heute sagen würden, Dienstleistungssektor für Oberschichten beschäftigt
waren. Das Produktionsziel der alten Oligarchien bis zur Jahrhundertmitte war
demonstrativer Konsum und Präsentation des Reichtums. Diese Luxussklaverei war
vor allem Zeichen für Lebenstil und Status der Plantagenbesitzer. Zum Status
des Zuckerbarons gehörte demonstrativer Luxus. Zum Status seiner Frau (oder
Töchter) gehörten Luxussklaven (oft sogar der eigene, persönliche Sklave) und
die französischen Kleider, die nur einmal getragen werden durften.
Die
Luxus-Sklaven befanden sich in der Nähe und in einem recht patriarchalischen
Verhältnis zu den Herren. Die Abnahme des Haussklavensektors und des urbanen
Sektors der Sklaverei, wie ihn der Zensus von 1862 zu Ausdruck bringt, zeigt
aber auch, daß sich neue kapitalistische Wirtschaftsstrukturen in den
produktiven Hauptsektoren der kubanischen Wirtschaft durchgesetzt hatten.
Auf beiden Seiten war die Klassenbildung
schon recht fortgeschritten.
Der
immer noch recht breite Sektor der städtischen Sklaven hatte aber auch eine
politische Funktion. Aus dieser Gruppe kamen die Freigelassenen oder
Freigekauften, die wiederum im Laufe des Jahrhunderts den Sektor der altfreien
Farbigen auffüllten. Dieser Sektor wurde zu einer wichtigen Grundlage für die
Integration der städtischen Afrokubaner in die kubanische Gesellschaft und für
den kubanischen Reformismus. Seit den sechziger Jahren bildete er auch eine
eminent wichtige Trägergruppe des Independentismus in den
Unabhängigkeitskriegen gegen Spanien 1868-1878 und 1895-1898. Obwohl es in Mehrzahl
weiße Kubaner waren, die Sklaven, vor allem auch Haussklaven, besaßen, war es dem kubanischen Nationalismus
gelungen, die freien Nachkommen ehemaliger Sklaven für den Kampf um die
Unabhängigkeit von Spanien zu mobilisieren.
Die
Sklaverei im 19. Jahrhundert war zu einem erheblichen Anteil Kindersklaverei.
Das hatte aus Sicht der Versklaver viele Vorteile, wie etwa bessere
Beherrschbarkeit durch die männlichen Aufseher und lange Ausnutzung der “Ware”.
Kinder konnten besser an die Bedingungen des Sklavenlebens gewöhnt werden. Unter
den importierten Sklaven waren viele Kinder, von denen wir nicht wissen,
wieviele schon in Afrika, auf der Überfahrt oder beim Verkauf auf Kuba ihre
Eltern durch Tod verloren hatten oder von ihnen getrennt wurden. Nach den Forschungen
von Ulrike Schmieder berichtet Turnbull, daß die meisten der importierten
Sklaven, die er zur Kenntnis genommen hatte, zwischen 12 und 18 Jahren alt
waren. [241] Oftmals wurden Geschwister beim Verkauf
getrennt und erhielten dann nur sporadische Nachrichten vom jeweils anderen
über Fuhrleute, umherziehende Händler oder Kutscher.
Jamms Haussklaven und die kubanische Kultur
Jamm hat keinen „großen“ Sklavenhandel betrieben. Er
war auch nicht im „kleinen“ Sklavenhandel
verstrickt. Das zeigt sich vor allem daran, dass in seinem überlieferten
Geschäftsbuch für die wichtigsten Jahre seiner Tätigkeit als Prinzipal eines
Handlungshauses in Havanna keine Sklavenkäufe oder Verkäufe ausgewiesen sind.[242]
Jamm hat Haussklaven gekauft und dabei nur relativ wenig Geld gewonnen (etwa
duch einen günstigen Wiederverkauf). Das Geld Jamms stammt nicht aus dem
Sklavenhandel, weder aus dem „großen“ noch aus dem “kleinen“, alltäglichen
Sklavenhandel. Jamm wird auch nur sehr mittelbar über die Probleme, zumindest
die der ruralen Sklaven, Bescheid gewusst haben. Etwas genauer konnte er sich
über die Probleme des alltäglichen Sklavenhandels informieren, beim Kauf einer
„Person mit einem Preis“[243].
Jamms Conto-Corrent-Buch weist offensichtlich sehr gut ausgebildete, eventuell
sogar schreibkundige Haussklaven aus. Unter dem Datum 30. Januar 1854 findet
sich in seinem Conto-Corrent-Buch auf der Haben-Seite die Notiz „Ankauf von
Manuel ....... 834 [Pesos], 6½ [Reales]“[244].
Es folgen am gleichen Tag „Ankauf Concha ......
766 [Pesos], 6½ [Reales]“ sowie
„Facundo“ 778 Pesos, 6½ Reales (2. März 1854) und am 6. April 1854 „Rosa & Petrona” 1343 Pesos, 6 Reales”[245].
Zwei Sklaven und drei Sklavinnen. Die Preise sind für die
damaligen Durchschnitts-Sklavenpreise ziemlich hoch.[246]
Deshalb kann angenommen werden, dass die Haussklaven Jamms entweder besonders
jung oder besonders gut ausgebildet waren, wahrscheinlich sogar beides. Wie es
Manuel, Concha, Facundo, Rosa und Petrona in der „Casa C. W. Jamm en la
Habana“, bei ihrem Principal Don Cristian (Jamm), Don Joaquín (Tijero), Don
Alois (Feigelstock) und Don Joe (John Baumann) erging, wissen wir nicht. Über
die Fragen der Haussklaverei sprach man in Havanna nicht offen, sie verfielen,
wie etwa auch der Rassismus, meist dem Schweigen. Alle wussten davon – aber
keiner sprach offiziell darüber. Die Plantagen waren abgeschirmt und weit
entfernt in einer nichtmotorisierten Gesellschaft. Kuba sollte als „weiss“ und
zivilisiert gelten. Etwas enigmatisch ist der Eintrag im Conto-Corrent unter
„Privatausgaben von C.W. Jamm“, ebenfalls auf der Haben-Seite: „Diferenz im
Verkauf vom Neger Victoriano (ohne meine Einwilligung chargirt NB) .... 165
[Pesos]. 2 [Reales]“ vom 31. Dezember 1854.[247]
Da von Jamm
keine mir bekannten persönlichen Zeugnisse über seinen Kuba-Aufenthalt
vorliegen, müssen wir uns mit Hilfsmitteln an das Problem heranwagen. Jamm hat
mit den fünf Haussklaven faktisch gut ausgebildetes Hauspersonal gekauft. Ohne
diese Sklaven hätte er nicht den Status gehabt, den er brauchte, um mit seinen
Kunden aus der Oberschicht Geschäfte zu machen. Warum der Schwerpunkt seiner
Sklavenkäufe am Anfang des Jahres 1854 liegt, kann nur vermutet werden.
Möglicherweise weil bekannt geworden war, dass die Kolonialregierung neue
Gesetze gegen den illegalen Sklavenhandel erlassen und neue Steuern auf die
Sklaverei legen würde, wie sie im Real Decreto vom 22. März 1854[248]
dann wirklich ergingen. Das hat sicherlich eine Rolle gespielt; vielleicht
kaufte Jamm die Haussklaven von seinen guten Kunden aus der
Pflanzeroberschicht, die nun sehen mussten, dass sie ihre teuren, aber
eventuell illegal erworbenen Sklaven bei einem Ausländer legalisierten.
Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass Jamm 1853-1854 daran dachte, sich für
immer in Havanna nieder zu lassen. Oder das Gegenteil war der Fall und sein
spanisch-kubanischer Compagnon Joaquín Tijero hatte ihm nahe gelegt, dass nur
so neue Kundschaft zu gewinnen sei; oder, oder ..., wir wissen es nicht! Wir
wissen aus den vorhandenen Quellen auch nicht, wer der „Neger Victoriano“ war
und wie er in den Besitz von Jamm gelangt ist. Die im Conto-Corrent erwähnten
sechs Sklavinnen und Sklaven tauchen in den Jamm-Quellen des Stadtarchivs von
Lahr nicht mehr auf. Als Christian Wilhelm Jamm im Februar 1855 seine
Aktivposten auflistet, sind sie als Einzelposten nicht aufgeführt (was, so
sarkastisch es klingen mag, ihre geringe Bedeutung für Jamm beweist; als
Sklavenhändler hätte er „kaufmännisch“ nicht so gehandelt). Die Sklavinnen und
Sklaven sind in dieser Liste wohl unter dem Posten „Casa C.W. Jamm“, Gesamtwert
109 259 Pesos, verborgen. Sie gehörten sozusagen zum „Mobiliar“ des
Handelshauses.[249]
Jamm hat kein wirklich „schmutziges“
Geld gemacht (wenn man etwas pingelig sein wollte, könnte man die 165,2 Pesos
für Victoriano für solches halten). Und er hat sein Vermögen auch nicht in
Landbesitz und schon gar nicht in produktivem Landbesitz auf Kuba, etwa in
Zuckerplantagen und Sklaven, angelegt (oder eine Zigarrenmanufaktur mit dem
Geld gegründet), sondern im Grunde seinen Gewinn nach Deutschland, nach Lahr,
zurück transferiert. Das ist ein wichtiges
Kriterium, um ihn in diesem globalisierten Geschäft überhaupt noch als
„deutschen“ Kaufmann definieren zu können. Er handelte damit nicht wie die
späteren deutschen Konsuln in Santiago de Cuba, Don Carlos G. Schumann (Carl G. Schumann) und
Germán Michaelsen Shoreder (Hermann Michaelsen Schröder). Michaelsen und
Schumann hatten zunächst als Kaufleute Geld an kubanische Pflanzer verliehen.
Als das Geld nicht zurückgezahlt werden konnte, übernahmen sie die Hälfte des
Ingenios “Montesano” bei Guantánamo mit allen Sklaven. Schliesslich kaufte
Michaelsen als Strohmann von Schumann nach langen Prozessen auch noch die
andere Hälfte des Zuckergutes für knapp hundertausend Pesos. [250]
Die deutsche Firma “Fritze & Cía” (später “Meyer, Thode & Cía”)
kontrollierte zwischen 1857 und 1878 bei Trinidad an der mittleren Südküste der
Insel sechs große und gewinnbringende Ingenios; insgesamt kontrollierten
Deutsche 1860 auf Kuba 44 Ingenios.[251]
Setzt man pro Ingenio zwischen 20 und 60 Sklaven an, könnte es sich um einige
Hundert und sogar über Tausend “deutsche” Sklaven gehandelt haben.
Haussklaverei
konnte zur Hölle werden – vor allem für die Sklaven, auch wenn wir meist nur
Zeugnisse von den Besitzern und Besitzerinnen über “faule”, “dumme” und
“aggressive” Sklaven haben. Etwa wenn die Herrin annahm, ihr Ehemann habe ein
Verhältnis mit einer Dienstsklavin. Ulrike Schmieder hat gezeigt, daß es dann
dann manchmal zu furchtbaren, allerdings der Öffentlichkeit meist verborgenene
Quälereien oder Gewaltausbrüchen der Sklaven kam. Besonders hinderlich ist
hier, daß wir nur sehr wenige Stimmen von Sklaven selbst haben. Im englischen
und angloamerikanischen Bereich gibt es ca. 6000 Texte mit Erinnerungen
ehemaliger Sklavinnen und Sklaven; für Kuba gibt es eigentlich nur einen: den
von Juan Francisco Manzano (1797-1854).[252]
Als Zeitgenossen der Sklaverei[253]
kommen drei weitere Erzähler in Frage: ein kreolischer Schwarzer erster
Generation und zwei Mulatten zweiter Generation: Gabriel de la Concepción Valdés,
genannt Plácido (1809-1844)[254],
Sohn eines mulattischen Friseurs und einer weißen Tänzerin; Martín Morúa
Delgado (1856-1910)[255],
Sohn einer schwarzen Sklavin und eines baskischen Bäckers sowie Esteban Montejo
(1868-1967), Sohn einer schwarzen Kongo-Sklavin.[256]
Aber nur Juan Francisco Manzano, Sohn einer mulattischen Haussklavin und eines
freien Dieners[257],
war selbst Sklave, Haussklave.
Manzano war
offensichtlich ein poetisch begabter Mensch; er wurde von einer Literatengruppe
reicher junger Männer – die durchaus zu den Kunden von Jamm gehört haben
könnten – freigekauft. Manzano schrieb klassische Gedichte. In ihnen kommt die
Sklaverei nach der allgemeinen Regel „Sklaven hat man, über Sklaverei spricht
man nicht“ kaum vor. Manzano entsprach auch dem Kulturideal derer, die ihn
freigekauft hatten. Sie befürchteten wegen der vielen „afrikanischen“ Sklaven
eine „Afrikanisierung“ der kubanischen Unterschichten, wo sich „afrikanische“
Musik und Tanz schneller durchsetzten als in den Salons der Oberschicht. Da kam
ein „klassisch“ gebildeter Sklave recht. In seiner Autobiographie, ein
„Auftragswerk“ eines der Literaten, Domingo Del Monte, prägte er hinsichtlich
der Sklaverei einen Schlüsselsatz: „Der Sklave ist ein totes Wesen vor seinem
Herrn und will von dessen Wertschätzung nicht das verlieren, was er gewonnen
hat“.[258]
Manzano und diejenigen, die ihn im gewissen Sinne für eine bestimmte Art der
Mimesis benutzten, stellen keinen aktiven Sklaven dar, sondern reflektieren
interne Mechanismen, auf denen die Sklaverei beruhte. Die Mimesis Manzanos (und
anderer) konstruierte einen passiven, dankbaren Sklaven, der keinen aktiven
Widerstand leistete, einen Bruder des südstaatlichen „Sambo“[259],
nur daß dieser noch nicht Trompete spielte, sondern Gedichte schrieb.
Den
Status eines „Kubaners“ für sich zu beanspruchen, hat Manzano nur ganz
verstohlen gewagt. Eher hat er mit seiner tragischen Lebenserfahrung gewirkt (Mis primeros treinta años) und mit
Gedichten, die die engere Heimat poetisieren (A la ciudad de Matanzas). Sein Verdienst besteht darin, am
Barbaren-Klischee gekratzt zu haben. Allerdings ist bekannt, daß er vorhatte,
neben seiner Autobiographie den ersten „kubanischen“ Roman zu schreiben.[260]
1844, wenige Jahre nach seinem Freikauf, setzte eine Welle ethnischer Gewalt
gegen Sklaven und freie Farbige ein. Manzano verstummte.
Manzanos
Haltung ist eher die einer tragischen Mimikry der romantischen Kunstform.
Nirgends sind bei ihm afrikanische oder afrokubanische Traditionen oder
Kulturelemente zu erkennen. Seine Furcht verstärkt sich sogar nach seinem
Freikauf noch aus Angst, in die Sklaverei zurückzugeraten oder dem Terror zum
Opfer zu fallen.[261]
Das wiederum verstärkt die Mimikry. Die Kunstfigur Manzanos wurde eigentlich
gegen die Sklaven benutzt, denn mit dem Zensus von 1841 war die kubanische
Elite gewahr geworden, daß die Bevölkerung der Insel zu weit mehr als der
Hälfte aus Sklaven und ihren Nachkommen bestand (zusammen etwa 58% der
Gesamtbevölkerung). Deshalb und weil jegliche offene politische Opposition
ausgeschaltet war, wandten sich Literaten mit ihrer Kunst gegen den
Sklavenhandel. Ziel war aber nicht der Schutz afrikanischer Menschen oder die
Abolition der Sklaverei, sondern man wollte in erster Linie die weitere
„Afrikanisierung“ Kubas verhindern. Afrikaner und Afrikanerinnen fürchtete man
als Quelle der Vergrößerung des schwarzen Sektors der Bevölkerung. Die weissen Literaten waren Gegner der
“schwarzen“ Kultur; manchmal sogar Feinde der Schwarzen selbst (und Rassisten).
Den “Tanz der Kulturen”[262] und die Körperlichkeit der “Afrikaner“, die man
damals schon für eine befürchtete “Afrikanisierung” sozusagen präventiv
verantwortlich machen wollte, beschreibt am besten der an Victor Hugo geschulte
Dichter Félix Tanco y Bosmeniel:
“Wer sieht nicht in den
Bewegungen unserer Burschen und Mädchen, die Contradanza und Walzer tanzen
wollen, eine Imitation der Neger in ihren Cabildos? Wer weiss nicht, dass die
Bässe der Musiker des Landes das Echo der Trommeln der Tangos sind? Alles ist
afrikanisch und die unschuldigen und armen Neger, ohne andere Kraft, als die,
die aus ihrer Beziehung in der sie zu uns stehen, hervorgeht, rächen sich für
unsere grausame Behandlung, indem sie uns mit den unschuldigen Gebräuchen und
Weisen infizieren, die den Wilden aus Afrika eigen sind“.[263]
Die Literatenvereinigung
von Söhnen der reicher Plantagenbesitzer, die Tertulia um Domingo del Monte,
wollte den Sklavenhandel abschaffen, das ja, aber die Sklaverei nur
„humanisieren“, nicht aber abschaffen, sondern eher durch Immigration armer
Europäer und Kanarier langsam „einweißen“. Manzano kann also nicht so sehr als
Beispiel eines aktiven Sklaven herhalten, sondern eher für die künstlerische
Mimikry eines ehemaligen Haussklaven. Haussklaverei aber war nicht vergleichbar
mit der Massensklaverei im Zucker.
Manzano
ist wegen seiner mangelnden Selbstbehauptung von vielen Historikern Kubas nicht
in die nationale Traditionslinie der Poesie oder gar der kubanischen Nation
aufgenommen worden, weil er einfach zu servil und ängstlich schien, zu
angepasst. Seine Autobiographie ist darüber hinaus wahrscheinlich von einem
weißen Literaten (Anselmo Suárez y Romero) kopiert, korrigiert und kontrolliert
worden.[264]
1840 wurde ein Teil der Autobiografie von Richard Madden in Großbritannien
publiziert.[265]
Die literarisch gebildete Welt des Westens vergoß Tränen über sein Schickal. Es
wirkte aber auch mobilisierend für den Kampf der ersten Internationale für
Menschenrechte gegen Sklavenhandel und Sklaverei.
Von Jamm haben wir kein
persönliches Zeugnis über sein Verhältnis zu seinen Haussklaven oder zur
Sklaverei allgemein. Zum Glück haben wir mit den Briefen und Notizen von Alfred
Beneke aus Hamburg einen guten Fundus, der uns helfen kann, die Mentalität der
deutschen Kaufleute auf Kuba etwas deutlicher zu machen. Beneke schreibt über
seinen Besuch in Bemba in der (späteren) Provinz Matanzas, dem Herzen der
Zuckerproduktion mit Massensklaverei um diese Zeit[266],
über die Sklaven auf dem Kaffeegut „La Carolina“ und dem Zuckergut „La Unión“,
die der Familie von kubanischen Verwandten der hamburgischen Kaufleutefamilie
Sthamer gehörten: „’Die Neger auf dem Lande stehen auf einer ungemein tiefen
Stufe der Cultur, und dem Thiere wirklich sehr nahe. Daher sind sie erstens
ungefährlicher, leichter zu regieren, und im Falle einer Revolution, nur im
ersten Moment verderblich; zweitens glücklicher, als man glaubt, da sie
Freiheit, Lebensgenüsse usw. gar nicht kennen, für Nahrung, Kleidung und
Wohnung nicht zu sorgen haben, und kein anderes Leiden fürchten als die Arbeit.
Da diese aber im größten Theil des Jahres eine mäßige ist, so kann man wirklich
den Zustand der Neger im Allgemeinen einen nicht unglücklichen nennen;
glücklich will ich nicht sagen, da Menschen, auf so tiefer Bildungsstufe
stehend, wohl nie glücklich genannt werden können’ (18. 12. [18]43). Mich
erstaunt ihr Schmutz, ihre Hässlichkeit, ihr einfacher Anzug, die Langsamkeit
ihrer Bewegungen, und der fast immer wilde, tückische, aber dumme Ausdruck
ihrer Gesichter. Sie leiden viel an krebsartigen Krankheiten. Die Disciplin ist
streng. Nachts werden sie in ihren Wohnungen eingeschlossen ...’“.[267]
Beneke
galt nicht einmal als besonders konservativ oder rassistisch, sondern, auch
durch seine kubanischen Erfahrungen, eher als liberal. Es tut sich ein
Panoptikum von rassistischen Klischees, kulturellem Unverständnis und vom
Hörensagen übernommenen Unfugs auf, die Beneke in aller Unschuld in seinen
Briefen nach Hause festhielt. In seinen Texten wird auch die pejorative
Bedeutung des Begriffes „Bozal“ deutlich. Benecke
schreibt 1843 auch über die Guajiros
in unmittelbarer Nähe von Zucker- und Kaffeeplantagen: “Das weiße Landvolk
scheint mit schmutzig, wild, leidenschaftlich, falsch, aber kräftig, thätig und
entschlossen“.[268]
All
das dürfte aber in etwa die zeitgenössische Mentalität der deutschen
Kaufleute gegenüber den Sklaven (und der Landbevölkerung) auf Kuba zum Ausdruck
bringen. Sie standen damit nicht allein, wie das folgende Beispiel zeigt. Im Vorwort eines 1860 publizierten Romans schrieb
der spanische Literaturkritiker Francisco Cutanda nach den Regeln einer dieser
populären Moden, Kuba kulturell ”weiß” zu halten und rassistische Sprüche auf
Kosten der Ärmsten und Ausgebeuteten zu klopfen: ”Was interessiert es das
Publikum, was die Sklaven in ihrer Degradierung sagen und machen? Was das
Verhalten der Libertos und der gemischten Rassen? Und die Wahrheit ist, dass
nichts von dem als Geschriebenes taugt.”[269] Wir wissen natürlich nicht, ob Jamm sich
ebenfalls auf diese Art und Weise geäußert hat; das heisst, es gibt immer den
Vorbehalt, daß das heir dargestellte Allgemeine nicht der individuellen Meinung
von Jamm entsprechen muss. Fest steht, dass sich der Rassismus und Rassendenken
in Europa und überall in der westlichen Welt immer stärker durchsetzte.[270]
Die ethnohistorischen, religions- und
sprachgeschichtlichen Forschungen der letzten Jahre, auch von Nachkommen
ehemaliger Sklaven betrieben, haben gezeigt, dass eben in der Gegend von Bemba
eine der Sonderformen der afrokubanischen Traditionen, die Kultur der Arará, sich durch die Bemühungen der
Sklaven, die Beneke als Tiere beschreibt, erhalten hat.[271]
Die
Menschen aus Afrika brachten ihre eigenen Götter nach Kuba mit. Damit handelten die Schwarzen, die gezwungen
wurden nach Amerika zu kommen, nicht anders als die Christen mit ihren Santos, den Heiligen, wie der
Santiago-Tradition (Heiliger Jakob), ihren Vírgenes,
den Jungfrauen-Kulten und ihren Demonios, Dämonen und Teufeln. Sie
versuchten das, was mit ihnen geschah und ihre neue Umwelt in ihr kulturelles
Universum zu integrieren. Sie überzogen die neue Umwelt mit Repräsentationen
ihrer Kultur. Da sie in eine Zwangsgesellschaft kamen, taten sie dies aber
nicht offen, sondern faktisch verhüllt, im Innern der kulturellen
Repräsentationen der christlichen Kultur bzw. verborgen im Innern ihrer Cabildogebäude.
Bereits seit sehr früher Zeit geschah dies offensichtlich mit Konsens der
beiden Machtsäulen der weißen Kolonialgesellschaft - Gouverneur und Bischof.
Die Schwarzen erkannten in den traditionellen Institutionen der kastilischen
Gesellschaften sehr schnell Freiräume, die ihnen von einer repressiven
Gesellschaft faktisch absichtlich bzw. in eklatantem kulturellen Mißverständnis
über ihre Motivationen, angeboten wurde. Die Vecinos von Havanna etwa ließen
aufgrund ihres Unwillens, auf dem gleichen Gottesacker wie die Schwarzen
begraben zu werden, unter Gouverneur Villalba y Toledo (1647-53) die erste
Kirche für Schwarze bauen, die Kirche von Espíritu Santo. Die Kirche entstand
an einer Stelle, wo die Sklaven und Horros (freie Schwarze) schon seit längerem
ihre Zusammenkünfte hatten.
Am
Tage der drei Heiligen Könige wählten die Schwarzen Könige, Reyes, oder Capataces (Bezeichnung für einen Vorarbeiter) ihrer Cabildos. In
diese Führungspositionen wurden möglicherweise afrikanische Würdenträger gewählt,
die ihre Legitimität noch auf Machtstellungen in Afrika zurückführen konnten.
Oftmals ergaben sich die Machtstellungen aber auch durch den neuen Status in
der Kolonialgesellschaft. Die Reyes als Cabildo-Chefs schmückten und
legitimierten sich ganz offiziell mit Attributen “weißer” Macht, wie Uniformen,
Kronen, Degen und Befehlsstab, daß heißt, vor allem mit Attributen des
spanischen Heeres bzw. Königtums. Sie präsentierten sich als politische
Autoritäten bei Prozessionen, die heutige Betrachter an karnevalsähnliche
Umzüge erinnern würden. Die karnavalesken Szenen aber wurden durch Führer von
Geheimgesellschaften oder Priester organisiert. Diese verkleideten Harlekine
wurden nicht ganz zu Unrecht in Cuba Diablitos,
Teufelchen (íreme), genannt, vor
allem wenn es sich um Comparsas,
Umzüge, der Abakuás handelte (siehe das berühmte Bild von Victor Patricio de
Landaluze „Día de los Reyes“, 1870er[272])
Trotz
oder gerade wegen eines extremen physischen Machtmonopols der weißen Kubaner
haben wir es hier mit unterschiedlichen Formen kultureller Gegenhegemonie zu
tun. Die ermöglichte es den Sklaven und ihren Nachkommen nicht nur, das
“weiße” Machtmonopol vor den Augen der
Öffentlichkeit zu unterlaufen, sondern auch, die weißen Kubaner im Laufe des
19. und 20. Jahrhunderts faktisch auch über Gebräuche, Mythen und Musik
zunehmend kulturell einzubinden. In diesem Sinne haben Karneval, Hexerei,
Tänze, Musik und Kulte (reglas) der
Schwarzen die kubanische Gesellschaft erobert und transkulturiert, allerdings
entlang bestimmter Linien, die von der herrschenden Kultur eben als Mode oder
Brauch (costumbre) akzeptiert werden
mußten. Für Jamm, wie für viele Protestanten, wird die Begegnung mit „schwarzer
Hexerei“ und „Trommelkrawall“ – unter diesen Worten begegnet die afrokubanische
Kultur meist in Diskursen dieser Zeit – besonders abstoßend gewirkt haben. Aber
vielleicht war er auch ein Liebhaber der exotischen Musik, des Rhythmus’ und
der Farben? Als Religion haben die wenigsten Zeitgenossen die Kultur der freien
Farbigen oder Sklaven so wie so nicht wahrgenommen.
Auf Kuba gibt es heute sechs Religionssysteme neben der katholischen
Religion und einer Vielfalt protestantischer Glaubensgruppen. Fünf dieser
Religionen haben ihre geistig-kulturellen Wurzeln in Afrika. Sie wurden aber auf
Kuba neu-“erfunden“: die Santería,
die Regla Conga (oder Palo Monte), die Regla Arará, der Vodú und
die Abakuás. Dazu kommt der Espiritismo (und seine Oriente-Variante:
der Espiritismo de Cordón). Der
kubanische Spiritismus ist sehr mestizisiert, hat aber seine geistigen Wurzeln
in Europa.[273]
Eine dieser Religionen, die Santería
oder Regla de ocha (oder regla de ocha-ifá, Babalaos definieren
sie auch als regla de ifá) unserer
Zeit ist auf Kuba zwischen Pinar del Río und Ciego de Ávila der vorläufige Endpunkt
einer Entwicklung, deren Ursprünge und Etappen wir im Einzelnen noch kaum
kennen.[274] Wir wissen aber, daß schon Olfert Dapper 1686 in seiner
Description de l'Afrique [275] von einem Königreich von Ulcami oder Ulcuma berichtet,
welches in Westafrika zwischen Benin und Arder (Ardra, Allada) lag. Von der
Bezeichnung Ulcumi leiten die meisten Forscher heute den Namen Lucumí ab. Die
Charakteristik dieses Königreiches sei es, nach Dapper, daß von dort viele
Sklaven an die Niederländer und Portugiesen verkauft würden und daß die
Benin-Leute den Gott des Ulcami-Reiches Orisa
nennen. In der Santería heißen die Gottheiten bzw. Heiligen (Santos) Orichas. Jacques
Barbot (1732) zitiert einen Reisenden, der in den späten 1670ern im
afrikanischen Sklavenhafen Whydah beobachtet hatte, daß es drei Arten von
Göttern gab: einen Obergott, drei Göttern mit universaler Geltung (Gott der
Bäume, Gott der Schlange und Göttin des Ozeans) und darunter eine Anzahl von
niedrigeren Göttern, die anhand von „Idolen“ angebetet wurden.[276] Von
Arder wiederum wird die Tradition der Arará (Kuba), Arda oder Aradá
(Saint-Domingue/Haiti) und Radá (Haiti/Trinidad and Tobago) abgeleitet.[277] Für
den Jesuitenpater Jean Baptiste le Pers, der im frühen 18. Jahrhundert 25 Jahre
auf Saint-Domingue lebte, waren die Großgruppen der Afrikaner religiös klar
geordnet: die Congos waren Christen (auch wenn sie es damit nicht so genau
nahmen), die Senegalesen Muslime und die Ardas beteten Schlangen-Idole an;
letztere fasste Moreau de Saint-Méry unter dem Generalbegriff “Vaudoux”
(Voudou) zusammen.[278]
Afrikahistoriker
haben mittlerweile nachgewiesen, dass es einen erheblichen Einfluß des
Christentums schon in Afrika gegeben haben muss, so dass viele Sklaven Elemente
des Christentums kannten. Die „Fetische” wurden oft schon in Afrika bekämpft
und der Synkretismus ist schon dort entstanden. So wird in einem 1658 in
Spanien, dem Land der Gegenreformation, vorbereiteten Katechismus der
christliche Gott als “Vodu” bezeichnet, ein Fon-Wort für Gott - heute ist
daraus Vodú (oder Voudou, eigentlich Vodun) geworden. Auch
das Kikongo-Wort für Gott „Nzambi a
Mpungu” oder für “Geist“ (nzambi)
gibt es heute in Amerika - es ist Zombie.[279]
Ursprünglich
handelte es sich bei dem, was heute manchmal zusammenfassend als Santería bezeichnet wird, zunächst um
Religionen in Afrika. Unter dem Druck des Sklavenhandels und der Sklaverei (man
denke an das kulturelle Hauptargument für die Sklaverei: “afrikanische Barbaren
kommen in den Genuss der richtigen – christlichen – Religion”) wurden daraus unterschiedliche Geheimriten
von Afrikanern, die ihre universalen Kosmologien, Theologien und Philosophien
sowie deren populäre regionale und lokale Kulte mit in die Sklaverei gebracht
hatten.[280] Die afrikanischen
Religionen kamen aber nicht als geschlossene Kultsysteme, wie in einer
Konservenbüchse, nach Amerika, sondern die Kulte wurden in der Sklaverei zur
wichtigsten kulturellen Erinnerung. Aus diesen Erinnerungen und Mischungen,
entstanden hybride afroamerikanische religiöse Traditionen. Aus den
unterschiedlichen Ansätzen wurden aus Erinnerungskernen dann die verschiedenen
Kulte, die kubanischen Reglas, wie
sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts benannt und (partiell, allerdings kaum
schriftlich) kanonisiert wurden.
Das
Modell des religiösen Lebens der Afrikaner und Afrikanerinnen auf Kuba hatte,
trotz aller Unterschiede in den Bezeichnungen der Kulte, der einzelnen
Pantheone, der theologischen Grundlagen, der Mythologien und der lithurgischen
Systeme, eine Reihe gemeinsamer Grundzüge. Der erste und wichtigste besteht in
der Verehrung der Vorfahren, der Muertos,
und im Glauben, daß die Toten Macht haben, in den Bereich der Lebenden
einzudringen und ihr Schicksal zu beeinflussen. Die Regel dazu lautet: el primer culto se rinde a los muertos,
mit dem ersten Kult ehrt man die Toten. Der zweite Grundzug ist der Glaube an
einen höchsten und einzigen Gott, obwohl gerade in dieser theologisch
komplizierten Frage auch Stimmen laut geworden sind, es habe sich ursprünglich
um ein System mit zwei Hochgottheiten, einer männlichen und einer weiblichen
gehandelt. Der dritte Grundzug ist der Glaube an ein Pantheon von
Zwischengottheiten oder götterähnlichen Helden (Santos oder Orishas), die
magische Kräfte haben bzw. von denen magische Kräfte auf Menschen übergehen können.
Diversität
auf Basis einer fundamentalen Einheit, so könnte die Formel dieser
Glaubenssysteme lauten. Vor allem das einende Prinzip unter den genannten
Grundzügen, Gottvater, machte es möglich, daß es zu Synkretisierungen mit dem
christlichen Gott kam, in die maskiert auch islamische monotheistische
Tendenzen einflossen. Die Struktur Hochgott-niedere Gottheiten konnte relativ
leicht mit dem iberisch-kubanischen Volkskatholizismus in Einklang gebracht
werden.
In
der Kosmologie der Santería steht Gott-Vater, Olofí (auch Olorún[281] als Sonne oder als ”oberster Richter” Oloddumare), eine
westafrikanische Himmels- und Schöpfergottheit, über einem Pantheon von
Gottheiten bzw. Heiligen, den Orichas,
dessen oberster Oricha Obbatalá oder Obbad-Allah ist.[282]
Der
Kult selbst richtet sich kaum an den Hochgott, sondern in utilitärer und sozial
recht amorpher Weise an Ahnen, Gottheiten und Heilige, an Santos. Wie bei vielen Ahnenkulten werden die Vorfahren nicht
einfach der Betreuung durch ein göttliches Dienstleistungsunternehmen (Himmel
oder Hölle) überlassen und in Totenstädten (Friedhöfe) vom Bereich der Lebenden
entfernt. Sie sind vertikale Bestandteil einer kultischen Familie, der Casa. Im horizontalen Sinne schufen
diese „Familien“ religiöse Verwandtschaft von Zeitgenossen unter Leitung einer
eigenen Elite. Durch die afrikanischen Religionen wurden die zerrissenen
Familien- und Gemeinschaftsbande in der Sklaverei rekonstruiert. Während die
”Familie” mit Patenschaften und religiös begründeten Verwandschaften die
Realität in der kubanischen Sklaverei darstellte, wurden die Ahnen in Afrika,
das heißt, die transatlantisch-vertikale Verwandschaft, mythisch verklärt.
Alle
Bereiche der Santería und auch anderer afroamerikanischer Religionen flottieren
sozusagen in einem von Olofí ausgehenden Äther bzw. allumfassenden ”Geist”, dem
aché. Aché als geistiges Prinzip,
Energie, Äther und „Gnade” hält das theologische Gebäude und die populären
Kulte zusammen. Nur (lebende) menschliche Wesen können durch Gebet und Opfer
Aché von Olofí, den Santos und von den Toten auf andere Menschen oder Objekte
übertragen.[283] In europäischer oder auf theologische Reinheit
bedachter katholischer Interpretation ruht hier die Magie der
afroamerikanischen Religionen, pejorativ ausgedrückt, ihre Fähigkeiten zur
Verhexung, zu schwarzem Zauber.
In
der Santería wendet sich der Gläubige an die Orichas, um Probleme zu lösen.
Werden sie gelöst, zahlt er dafür. Die Reglas sind sehr diesseitsbezogen und
utilitär. Die Mittler auf Erden sind Babalaos, die Priesterstatus haben, und
Santeros oder Santeras bzw., in der Congo-Tradition des Palo Monte, die Paleros
(deren Status ich hier nicht im Einzelen erläutern möchte). Die utilitären
Reglas bieten sich zur Kommerzialisierung an.
Das Pantheon der Orishas in der
Santería ist hierarchisch geordnet. Obbatalá, “der in alle Köpfe passt“ (cabe en todas las cabezas), ist der
oberste Santo. Danach ist die Hierarchie nicht sehr ausgeprägt, auch weil jeder
Initiierte glaubt, sein Santo sei der höchste. Aber die Rangordnung des Essens
bei Opfergaben lässt Rückschlüsse auf eine Hierarchie zu - fest steht, Elleguá,
der Götterbote und Wegegott, isst stets als erster. Die Entstehung dieses
Pantheons ist diskurs- und kulthistorisch kompliziert und spiegelt im Allgemeinen
die Integrierung unterschiedlichster afrikanischer Kulte und Naciones unter den
Bedingungen der Sklaverei wieder. Die Orishas sind auch Mittler zum Hochgott
und haben von ihm bestimmte Kräfte erhalten, um ihre Funktionen zu erfüllen.
Olofí (auch als Jesus), Olorún oder Oloddumare greifen kaum in die irdischen
Angelegenheiten ein. Aber die Seelen der Menschen und die Gnade, der höchste
Aché, kommen von ihm.
Orishas
sind vermenschlicht und haben ihre Schwächen, die durch die Menschen mit Hilfe
magischer Riten beeinflußt werden können. Magie und Religion sind in der
Santería kaum voneinander zu trennen. Die wichtigsten sieben Gottheiten/Orichas
werden heute manchmal auch zu den Siete
Potencias Africanas, den sieben afrikanische Mächten, zusammengefaßt. Darin
drücken sich auch Einflüsse des Palo Monte aus, die besonders in den Bereichen
Magie und Kräuterheilkunde wirksam sind. Es gibt auf Kuba auch andere
Gruppierungmöglichkeiten, wie Elegguá (Götterbote und Wegeöffner und
-schließer), Oggún (Schmied und sozusagen Technikverantwortlicher), Ochosi
(Jäger) und Osun als die sogenannten Krieger, Guerreros. Jede Initiation von Gläubigen beginnt mit den Guerreros.
Darüberhinaus existiert eine Vielzahl weiterer Orichas.
Die
Grenzen zwischen den einzelnen Reglas waren und sind fließend. In der Gegenwart
läßt sich international, weniger auf Kuba, vor allem in den USA (Yoruba Church
of America) eine Vereinheitlichung- und Zentralisierungstendenz der
yorubabasierten Religionsgruppen in der sogenannten „Religion Yoruba“
konstatieren. Die Assozierung und Kreolisierung schreitet aber auch auf Kuba
fort, zudem kommt ein starker Trend der Re-Ethnisierung. Klar definierte andere
Reglas, sozusagen sich scharf von der Santería absetzende Kultur-Typen, gibt es
auf Kuba nur noch auf regionaler und lokaler Ebene, wie die Regla de Palo Monte, die Regla
Arará oder Aradá bzw. dem Vodú (in Oriente und Camagüey verbunden
mit den Gesellschaften und der Musikform Tumba
Francesa, “französische Trommel“; “Tumba” ist unter Bantugruppen ein Wort
für Trommel) und dem Espíritismo de
Cordón. Der kubanische Vodú (und in gewissem Sinnen auch der Espíritismo)
allerdings ist aus historischen und religiösen Gründen relativ offen und grenzt
sich weniger scharf von den anderen Reglas ab.[284]
In
der Santería hat jede der Gottheiten ihre Kultfarbe(n), ihren Tag der
Verehrung, besondere Opferspeisen, Embleme und Ketten, die ihnen spezifisch
geweiht werden. In Afrika wurden die Gottheiten in ihrem jeweiligen Tempel, im
Grunde ihrem Privathaus verehrt; in Kuba aber leben sie sozusagen in
Wohngemeinschaft; die figürlichen Abbildungen (Puppen) und Altäre (Otanes)
befinden sich in den Kulträumen. Bei den großen Zeremonien werden die Orishas
nach und nach herbeigerufen - mit bestimmten Gesängen und Trommelrhythmen
jeweils für die einzelnen Gottheiten. Nach dem Glauben der Anhänger der
Santería können die Santos sich während einer Trance ihrer Adepten faktisch in
diesen Medien manifestieren - sie sind für die Gläubigen dann wirklich anwesend
und tanzen gemeinsam.
Die
Kultzentren der Santería standen (und stehen) unter Obhut eines erfahrenen
Santeros, der sich seine Klientel und das Zentrum meist selbst aufbaute; meist
weil er auch Heilkundiger, Exorzist und in gewissem Sinne Psychiater und
Sozialarbeiter war und ist. Santeros dürfen allerdings keine Orakelpraktiken
anwenden. Die Babalaos stehen in der Hierarchie über den Santeros oder
Santeras. Es handelt sich um zwei ihrem Selbstverständniss nach streng
getrennte Gruppen. Babalao können nur Männer sein. Sie führen die eigentlichen
religiösen inhaltlichen Funktionen aus, wie die Initiation neuer Mitglieder und
das Blutopfer vierfüßiger Tiere. Die Babalaos sind Orakelpriester, die die
Geheimnisse des Ifá-Orakels kennen, das aus einer Manipulation von
Kauri-Muscheln oder Kokosscheiben besteht, verbunden mit Gerationsabfolgen in Lengua und Kenntnis der religiösen
Familie, d.h., vor allem der Ahnen. Weil das wichtigste Ritual das Ifá-Orakel
ist, heisst diese afrokubanische Religion auch Regla de Ifá. Bei diesem Orakel
wird der Orakelgott Orula mittels des Okuele
(meist eine Kette mit Kokosscheiben, die unterschiedliche Farbseiten haben)
durch Babalaos befragt. Nur die Babalaos können die Oddun, die Zeichen, interpretieren und die Patakiés, religiöse Geschichten, richtig interpretieren. Wichtige Rituale
werden in Lengua vollzogen, einer
heiligen Sprache (Yoruba).[285] Die Babalaos untergliedern sich wiederum in
verschiedene Stufen und Ramas,
Herkunftsterritorien und - familien. Der älteste lebende Babalao einer Tierra,
eines Territoriums hat den höchsten Rang. Er hat eine starke Klientel, den er
hat die meisten Santeros initiiert und Babalaos ausgebildet, die ihm
väterlichen Respekt schulden.
Die
Opfer stärken den Aché, die
dynamische Energie der Götter, die diese wiederum in den Ritualen auf die Menschen
übertragen, der aber auch als ein geistiges Grundprinzip das Leben und den
Kosmos insgesamt in Bewegung hält.
Historisch
handelt es sich um den Formierungsprozeß eines Pantheons aus verschiedenen
lokalen, regionalen oder städtischen Gottheiten, die im Falle der Santería
meist aus dem heutigen Nigeria und Benin stammen. Sie wurden erst unter dem
Druck der Sklaverei zu einem afrokubanischen Götterpanorama zusammengefügt.
Dabei hat es durchaus einen Götterschwund bzw. Bedeutungswandel gegeben. Während
für für das heutige Nigeria um die 400 Orichas angenommen werden, sind es heute
in Kuba um die dreißig. Viele Gottheiten, die im 19. Jahrhundert noch Objekte
der Anbetung waren, sind im 21. Jahrhundert fast unbekannt.
Das
ist eine Charakteristik der afrokubanischen Religionen, in gebotener Kürze und
mit Respekt vor den Secretos dieser
Religionen, ihren internen Regeln. Die Basis meiner Darlegung ist die Santería.
Neben der Regla de ocha existieren in
Kuba eine Reihe anderer synkretischer Kulte, deren Grenzen allerdings, wie
gesagt, fließend sind, wie die congo-basierte Regla de palo monte, der Vodú,
der Cordón-Spiritismus (Espíritismo de
cordón) und religiöse Bruderschaften wie die bereits erwähnten Abakuá. Alle
sie haben sich auf unterschiedliche Weise mit dem buddhismusaähnlichen
Spiritismus des Allan Kardec (Kardecismus)
gemischt.[286]
Die
wichtigste soziale Basis für die Entwicklung der Santería stellte die größte
Gruppe von Schwarzen, die Lucumí oder Lucumiés dar. Die Congo oder Bantu werden
als Träger der Regla de palo (Palo Monte) gesehen und die Carabalí als
ethnische Basis der Abakuá-Geheimgesellschaften. Allerdings sind diese exakten
Zuordnungen sehr problematisch, weil etwa die dahomeyanischen Arará, die die
Träger der Regla de arará sind,
oftmals als Lucumí oder Carabalí angesehen wurden und die Congos sich in
Überlagerungsregionen kulturell mit den Yoruba mischten. In den sozialen
Praktiken der Religionen gibt es vielfältige gegenseitige Beeinflussungen und
Transfers. Auch hat es unterschiedliche starke und lange Einflüsse des
Katholizismus auf die Reglas gegeben. Die Abakuá öffneten sich erst relativ
spät anderen Gruppen von Schwarzen und seit 1863 durch die Reformation des
Andrés Petit, dem Caballero de Color, dem farbigen Kavalier, auch weißen Männern.
So bildeten sich auf Wegen, die wir
nicht oder kaum kennen, regionale Schwerpunkte oder Typen religiöser Reglas
heraus: die Regla de arará gibt es fast nur noch in bestimmten Regionen der
Provinz Matanzas, Abakuá nur in den Hafenstädten La Habana und Matanzas
(Cárdenas), die spezifische Form des Espiritismo
de cordón nur im Oriente und die kubanische Variante des Vodú, den Ogunismo (Vodú ist die einzige Religion,
die kurzfristig neue Loas, Götter, aufnimmt, hier die Oggunes), ebenfalls nur
in den historischen Provinzen Oriente und Camagüey. Hier finden sich auch
Territorialdefinitionen, die Tierras,
die sich von den offiziellen politisch-administrativen Definitionen der weißen
Eliten unterscheiden: die tierras de Efí
und tierras de Efó der Abakuá oder
die tierra chamalongo als Gebiet des
Palo Monte.
Im
Osten Kubas hatten sich in gewissem Sinne die Sklavereiformen des 18.
Jahrhunderts erhalten. Es war auch zu einer relativ starken Immigration von
Siedlern aus Saint-Domingue, zum Teil mit ihren Sklaven, gekommen. Auf dieser
Basis sozialen fand der Vodú Einfluß. Die Haitianer, die sich fast immer Franceses, Franzosen nannten, wurden
dann durch massive Einwanderung von schwarzen Zuckerarbeitern aus Haiti (und
Jamaika) seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts nochmals gestärkt. Ihre
Trashumanz, die vielfache Diskriminierung und die Fama Haitis trugen zur
Verbreitung des Vodú im 20. Jahrhundert bei.[287]
Im
Grunde kann aber für Kuba, wie für alle Gesellschaften, die der europäischen
Expansion unterschiedlicher Mächte unterlagen und sich auf Sklaverei von
Menschen aus Afrika gründeten, konstatiert werden, dass wir es mit vielen
Überlagerungen von kulturellen Hybridbildungen zu tun haben. Aus ihnen haben
sich durch viele Transkulturationen und innere wie äußere Transfers in längeren
historischen Zeiträumen Typen von Religionen oder Reglas herausgebildet. Ob
Jamm etwas von diesen afrokubanischen Kulten, die sich seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts zu Religionen formierten, gemerkt hat, wissen wir nicht. Parrandas
von Schwarzen, etwa zum 6. Januar, dem Tag der Könige, muss er gesehen haben.
Völlig
unklar ist somit, was Jamm von der „kubanischen“ Kultur, etwa der heute so
beliebten kubanischen Musik hielt. Beneke jedenfalls war begeistert: „Die Guajiras sind größtentheils schöne Mädchen, ich sah
namentlich zwei Schwestern, die mir als die schönsten Mädchen, die ich je
gesehen, erschienen, und als sie eine melancholisch klagendes Lied mit dem
Refrain ‘O Dios, o Dios, que lindo sueño’ mit ihren rührenden klaren hohen Stimmen
sangen, kam das Ganze mir als ein ‘süßer Traum’ unbeschreiblich reizend vor
[...] Die Musik auf diesen Bällen bestand nur aus einer Guitarre, abwechselnd
ward der Zapateo und Contradanza getanzt”. [288] Insgesamt aber schlug bei Benecke, ebenso wie vierzig Jahre vor
ihm bei Humboldt, eine überheblich-kritische Haltung durch: er hielt Kuba, wie
Gesamtamerika, für „unzivilisiert“, weil zu pragmatisch und gewinnorientiert.[289]
Ebenso dürfte Jamm gedacht haben; der Kostumbrismus war eben im Entstehen und
Europa hielt sich mit seiner Hochkultur noch für den Nabel der Welt. Die
Geschäfte zumindest müssen gut gegangen sein – sonst wären die Kaufleute nicht
nach Kuba gekommen!
Der
damalige Musikstil der Contradanza ist weltweit vor allem als Habanera bekannt geworden. Die Habanera
ist ein sehr langsamer Tanz, der seinen Zauber aus der Melodie zieht. Insofern
steht er afrikanischer Rhythmik und unserem heutigen Verständnis von
„kubanischer“ Musik eher fern. Als Tanzform geht die Habanera auf den
englischen Country dance zurück, der
als Contradanza seit Mitte des 18.
Jahrhunderts in Spanien und im frühen 19. Jahrhundert auch in Havanna - über
Saint-Domingue - Einzug gehalten hatte. Die berühmteste Habanera ist wohl,
neben Georges Bizets Habanera in der Oper Carmen
– mit der französische Komponist die Neuerfindung der „spanischen Musik“ stark
beeinflusste – das unverwüstliche Lied von der weißen Taube, La Paloma (eigentlich ein Psycho-Song
der Sklavenhändler und Sklavenschiffsmatrosen, wie in den Anfangsworten des
Originals deutlich wird: „Cuando yo salí de la Habana, valgáme díos …“). Das
melodiöse Stück – in Deutschland durch die Comedian Harmonists, Hans Albers und
Freddy Quinn zu Ruhm gelangt (und in
“Drei weisse Tauben” parodiert) – hatte der heute weitgehend unbekannte
baskische Musiker Sebastián de Iradier (1809, Lanciego, Provinz Álava – 1865 in
Vitoria-Gasteiz), zeitweilig Gesangslehrer der französischen Kaiserin Eugénie,
am Beginn der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts in Havanna geschrieben.
Auch
über die Geräuschkulisse der Zeit Jamms in Havanna wissen wir wenig. Klar ist,
dass der Motoren- und Radiolärm der siegreichen Industrie- und Medienkultur
sich noch nicht durchgesetzt hatte. Eventuell gab es schon den Krach der
Dampfersirenen. Menschliche Stimmen und das Rattern der Kaleschen bestimmten
den phonetischen Hintergrund dieser Zeit. Was die Menschen auf der Strasse
sangen, wissen wir nicht. Im gedanklichen Film der historischen Erinnerung
passt zu diesen Jahren am besten die Habanera, möglichst von einer traurigen
Frauenaltstimme gesungen. Der Zeitgeist war geprägt duch die Latinité-Politik des II. französischen
Kaiserreichs unter Napoléon III. (1852-1871). Das imperiale Frankreich und das
immer noch imperiale Spanien waren sich politisch so nahe wie nie. Deshalb auch
die leichten Transfers der Kulturen, der Moden, Musiken und Stile unter den
„lateinischen“ Eliten – und der Textilien, mit denen Jamm handelte. Ihren Lauf
in den Weltruhm aber nahm die Habanera in Form von „Carmen“ und „La Paloma“,
eigentlich ein Lied, das die Seele von Sklavenhändlern besingt, erst in der französischen Republik nach 1870.
Die
”kubanische” Musik dieser Zeit, die Musik einer Sklavengesellschaft auf dem
Höhepunkt der effizientesten atlantischen Sklavenökonomie, war noch keine Kunstform,
die von der Ästhetik und Kultur afrikanischer Menschen geprägt worden wäre (die
gab es mit den Trommeln, den Claves oder Bembés in den Barracones oder den
Barrios und Cabildos der freien Schwarzen und Farbigen). Das war unmöglich. Der
Musikstil der kubanischen Sklavengesellschaft wurde eher durch melodiöse Lieder
regionaler iberisch-karibischer Tradition und Spiritualität sowie kubanische
Orchestrierungen europäischer Musik (Charrangas) geprägt. Jamm mag dann in
Deutschland gerne La Paloma gehört
haben. Oder Flor de Yumurí, eine
Habanera mit der an den traurigen Tod der Siboney-Indios erinnert wurde oder María de la O oder, oder ... Vielleicht
ist Jamm auch so oft in Paris gewesen, weil er nur dort diese Musik hören,
exotische Gerichte und Früchte essen konnte und seine Erinnerungen an die
Karibik pflegte?
Auf
Kuba waren Masse der Sklaven und ihre Musik auf dem Lande in den Plantagen
eingesperrt. “An” Karneval eventuell tolerierten die lokalen Oberschichten
frühe afrokubanische Musik (Rumba, Claves, Straßen-Danzón, Son[290]), Umzüge (Parrandas)
oder Kampfkünste, wie Maní.
Auch
in der Malerei breitete sich auf Kuba, auf ähnlichen Wegen wie
die bald kreolisierte englische Contradanza, europäisierende Ästhetik aus. Sie
konnte die mestizisch-naive Handwerkskunst zwar aus den Salons der
Oberschichten verdrängen, aber nie besiegen und aus den Straßenbildern der
kubanischen Städte oder der Karikatur bzw. der Gebrauchskunst (Illustrationen
für Zigarrenkästen und Bauchbinden) verdrängen.[291] Mit
den Bildern von Juan Bautista Vermay setzte sich zunächst ein
klassizistisch-historisierender Stil á la David durch (allerdings nicht mehr im
“römischen” Pathos der Revolutionszeit, sondern nunmehr in einer
christlich-hispanistischen Bild-Rhetorik, siehe die Bilder Vermays im Templete
von La Habana). Franzosen dominierten bis Mitte des Jahrhunderts der Akademie
San Alejandro. Mit den Bildern von Federico Fernández Cavada (1831-1871),
Valentín Sanz Carta (1849-1896), aber besonders dem Paisaje marino (1877) von Esteban Chartrand y Dubois (1840-1883),
entstand eine schöne, aber heute kaum glaubwürdige romantische
Landschaftsmalerei. Sklaven hatten auf diesen Bildern keinen Platz.
Konterkariert werden diese heute als eigentlich unpassend empfundenen Bilder
des 19. Jahrhunderts auf Kuba durch die wunderschöne Serie Los Ingenios von Laplante, die graphischen Reportagen von Federico
Mialhe (in den Sammlungen Isla de Cuba,
Isla de Cuba pintoresca und Viaje pintoresco por la Isla de Cuba,
alle Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts)
sowie die Tipos y Costumbres de la Isla
de Cuba (1881) des Basken Landaluze. Ihr
etwas spöttischer Kostumbrismus, damals sicherlich als von den kreolischen
Kultureliten als “unkubanisch“ verstanden, brachte wenigstens idealisierte
Volkstypen, darunter auch Feldsklaven, in die gemalten Wirklichkeiten der
Hochkultur. Sie gelten heute als Bilder von hohem dokumentarischem Wert.
Sklaven kommen eigentlich auf wenigen Gemälden vor, wie auf dem Bild Corte de
caña (Zuckerrohrernte, 1874) von
Victor Patricio de Landaluze (1828-1889).[292]
Der
Stolz der Plantagenbesitzer auf die - nach ihren Vorstellungen - perfekt
organisierten Ingenios hat Spuren in den Diskursen der Zeit hinterlassen.
Besonders schöne und ästhetische Darstellungen dieser Herrenkultur der Plantagen,
romantische Zuckerlandschaften, finden sich in den Ingenio-Bildern von Eduardo
Laplante oder im Buch von Justo Cantero, Los
ingenios de Cuba. Colección de vistas de los
principales ingenios de azúcar de la Isla de Cuba (1857).
Im
wohl kubanischsten Werk der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, der in
direkter Konfrontation zu den Arbeiten der Spanier Jacobo de la Pezuela y Lobo
sowie Ramón de la Sagra entstandenen Teilbänden der “Historia de la esclavitud
de la raza africana en el Nuevo Mundo“[293] von
José Antonio Saco, allerdings stand die Sklaverei im Mittelpunkt. Saco erklärte
mit den Mitteln des sich im ganzen Westen ausbreitenden Historismus, dass alle
wichtigen Gesellschaften in der Geschichte der Menschheit Sklavengesellschaften
gewesen waren. Wie im Historismus fast immer war dieses Werk relativistisch
gemeint. Die Essenz des Diskurses dieser Mutter der
Sklavereigeschichtsschreibung machte aber dem aufmerksamen Leser eines
deutlich: die Sklaverei als Produktionsform, Arbeitsregime, Kultur (und Text)
war - entgegen der sich im kubanischen Nationalismus ausbreitenden populären
Meinung - keine Angelegenheit der Spanier. Die Sklaverei bildete Grundlage und
Substanz des “großen“ Kuba.
Ich wiederhole: Jamm hat selbst
keinen Sklavenhandel als Hauptgeschäft getrieben und er hat nur wenige
Haussklaven gehabt. In seinen Büchern kommen nur drei bis vier Namen vor, die
mit einiger Sicherheit Haussklaven zugeordnet werden können. Jamm hat aber
mittelbar von dem Reichtum der Sklavereigesellschaft profitiert. Und er war –
zumindest in seiner „kubanischen“ Zeit – der Sklaverei sehr nahe. Die
Haussklaverei hatte er – die Redundanz sei erlaubt – im eigenen Hause. Er hat
sich verhalten, wie sich (fast) alle Eliten verhielten – zumindest in „seinen“
Kreisen. Selbst im Hause einer Familie von freien Farbigen, allerdings
altfreien Farbigen, deren Vorfahren aus Saint-Domingue nach Kuba gekommen
waren, der Familie Lafargue in Santiago de Cuba, wird es Haussklaven gegeben
haben. Und ein Paul Lafargue aus dieser Familie wurde nach seinem
Medizinstudium in Paris immerhin Schwiegersohn von – Karl Marx!
Fazit
Das Problem
der Stadt Lahr mit den Perzeptionen der Geschichte, Jamms Problem des
„Sklavenblutes im Stadtgarten“ ist kein individuelles Problem eines deutschen
Kaufmanns auf Kuba und später in Deutschland. Es ist ein Problem, das die
schöne Stadt im Schwarzwald mit der Globalisierung verbindet, der damaligen des
beginnenden Industriezeitalters, wie der heutigen Globalisierung. Geschichte
ist immer konkret, wie auch ihre Verbindungen mit der Mikro- und
Makrogeschichte, in diesem Falle die Verbindungen Christian Wilhelm Jamms und
seines Geldes mit Havanna, Lahr und dem Weltmarkt für Zucker und Textilien.
Heute gibt
es - je nach Schätzung – 27 bis 250 Millionen Sklaven in der Welt (auch und vor
allem Kinder). Im Zuge der heutigen Globalisierung wächst die Zahl der Sklaven.[294] Wer
wie wir (einschliesslich des Autors) im Glashaus des globalisierten
Kapitalismus sitzt, sollte nicht unbedingt mit Steinen schmeissen. Auch nicht
auf den „Kauz“ Jamm. Wir stehen, gerade wegen des Preis- und
Effizienzarguments, immer vor der Gefahr, Waren oder Dienstleistungen zu
kaufen, die von Kindersklaven hergestellt worden sind bzw. angeboten werden.
Die klassische Sklaverei des atlantischen Westens, die Jamm
auf Kuba erlebt hat, war durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet: erstens die
Sklaverei war räumlich relativ klar definiert; besonders deutlich im Zucker –
es war aus zentraleuropäischer Perspektive „überseeische“ Sklaven, an den
Rändern der „zivilisierten“ Welt. Die Sklaverei war vor allem ein rurales
Arbeitssystem in Kolonien mit Landüberschuss und Arbeitskräftemangel. Zweitens,
die Sklaverei war in der Tradition des römischen Zivilrechts (ausser in den
anglophonen Gebieten) definiert; die Sklaven waren „Privateigentum“. Das band
nicht nur die Sklaven an den Herren, sondern verpflichtete auch die Herren,
zumal, so zynisch das auch klingt, Eigentum eben meist pfleglich behandelt
wurde. Und drittens, die atlantische Sklaverei brachte, je länger sie
existierte, den Rassismus gegen Sklaven (nota Beneke!), aber vor allem gegen
ehemalige Sklavinnen und Sklaven hervor, der schließlich so wirkte, als sei er
schon vor der Sklaverei dagewesen (und somit als Ideologie zur Begründung der
Sklaverei dienen konnte – ein in sich geschlossenes Referenz-System).[295]
All dies
ist in der heutigen Sklaverei weggefallen bzw., da es sich die heutigen
vielfältigen Sklavereien nicht mehr geschlossen auf Gebiete und Branchen
konzentrieren und die moderne Sklaverei auch nicht mehr rechtlich definiert
ist, sind die Opfer weniger sichtbar, weniger visibel. Sie kommen nur kurz in
die Nachrichten: Kinderprostitution, Schuldsklaverei, Aufbringung eines
Schiffes mit Kinderarbeitskräften vor der westafrikanischen Küste, Skandale
über monate- oder jahrelang eingeschlossenes Hauspersonal in den Metropolen
dieser Welt oder jugendliche Zuckerarbeiter und Teppichweberinnen.
Mit dem Bevölkerungswachstum in der sogenannten dritten und
vierten Welt sowie dem Wachstum der unqualifizierten (Zu-) Arbeiten und
Dienstleistungen kommt hinzu, dass seit etwa 1980 diese schlecht sichtbare
Kindersklaverei wieder sehr, sehr lukrativ geworden ist. Wir wissen nie genau,
ob wir im extrem globalisierten Geldsektor mit Finanzmitteln zu tun haben, die in
diesem Sinne „schmutzig“ sind.
Das was bleibt, ist die individuelle Verantwortung. Und die
genaue Abwägung zwischen Effizienz und Humanität. Das ist die Haltung Alexander
von Humboldts, der uns damit, noch bevor die „große“ Sklaverei im Zucker
weltweit bekannt geworden war, das unvollendete Projekt einer anderen Moderne[296] an
die Hand gegeben hat, wie das Versprechen auf eine humanistische Moderne, das
heute nicht eingelöst ist. Die Moderne Humboldts, die auch die von Christian
Wilhelm Jamms und unsere ist, ist noch nicht zu Ende.
[1]
Mintz, Sydney W., Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers, Frankfurt am
Main; New York: Campus 1986.
[2] Olbrich,
Hans, „Rückschau auf das Millenium des Kolonialzuckermonopols aus der Sicht des
konkurrierenden Rübenzuckers im Spiegel der europäischen Zuckerdissertationen
des 17. und 18. Jahrhunderts“, in: Schriften aus dem Zucker-Museum, Heft 17:
Beiträge zur Geschichte des Zuckers, hrsg.v. Fördererkreis Zucker-Museum e.V.,
Berlin 1982, S. 182-194. Das deutsche Standardwerk über den Zucker ist auch
heute noch, trotz einer Reihe von Unvollkommenheiten und falschen historischen
Urteilen: E.O.Lippmann, Die Geschichte des Zuckers seit den ältesten Zeiten bis
zum Beginn der Rübenzucker-Fabrikation. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte,
Niederwalluf bei Wiesbaden 1970 [Nachdruck]. Zum internationalen Vergleich siehe: Scott,
Rebecca J., “The Transformations of Sugar Production in Cuba after
Emancipation, 1880-1900: Planters, Colonos and Former Slaves”, in: Crisis and
Change in the International Sugar Economy 1860-1914, ed. by Albert, Bill;
Graves, Adrian, Norwich and Edinburgh, ISC Press, 1984, S. 111-120; Perkins,
John, “The Political Economy of Sugar Beet in Imperial Germany", in:
Ebenda, S. 31-45.
[3] Guimerá, Agustín; Monge, Fernando (Coords.), La
Habana, puerto colonial (siglos XVIII-XIX), Madrid: Fundación Portuaria, 2000.
[4] Siehe den Zensus von 1841 in: K.F.Kiple, Blacks
in Colonial Cuba. 1774-1899, Gainesville 1976, S. 47-58; sowie: E.
Torres-Cuevas/E.Reyes, Esclavitud y sociedad. Notas y
documentos para la esclavitud negra en Cuba, La Habana 1986, S. 176. Zum Zensus
siehe auch die neuere Arbeit von José Antonio Piqueras: J.A. Piqueras, „Censos lato sensu. La abolición de la esclavitud y el número de esclavos
en Cuba”, in: Revista de Indias Vol. LXXI, no. 251 (2011), S. 193-230.
[5] Siehe
den knappen Abriß bei: T.Zeller, Der Kampf zwischen Rohr- und Rübenzucker
(Tagesfragen der Auslandswirtschaft, Heft 14), Leipzig 1920, S. 5-16 sowie:
G.B.Hagelberg, „Anhaltspunkte zur vergleichenden Wirtschaftsgeschichte von
Rohr- und Rübenzucker bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“, in: Jahrbuch für
Wirtschaftsgeschichte, 3 (1971), S. 166-190.
[6] J.B.Dureau, De la Fabrication du Sucre de
Betterave. Dans ses rapports avec l'agriculture et l'alimentation publique,
avec des considérations sur la partie économique et de la législation de cette
industrie, Paris, Librairie d'Agriculture et d'Horticulture, 1858; im Grunde
das Resumée über fast ein Jahrhundert Rübenzucker in Frankreich und Europa. Eine Reihe von Argumenten wurde durch sehr prominente Stimmen
vorgetragen, so etwa durch den späteren Kaiser Napoleon III.; siehe: Napoleon
III. über den Zucker. Eine wirtschaftspolitische Studie von Prinz Louis
Napoleon Bonaparte während seiner Festungshaft auf Fort Ham im Jahre 1842,
hrsg.v. Fördererkreis Zucker-Museum e.V., Zucker-Museum Technische Universität
Berlin, bearb. und komm. v. H.Olbrich, Berlin 1984.
[7] Siehe
die Auswahl von „Zuckerkarikaturen“ aus dem Werk Daumiers oder von
J.J.Grandville in: Ibid., S.24ff., 31 und 68.
[8] A.v.Humboldt, Relation historique du Voyage auy
Régions équinoxiales du Noveau Continent, 3 Bde. (Nachdruck
des 1814-1825 in Paris erschienenen Originals, besorgt, eingeleitet und um ein
Register vermehrt von H.Beck), Stuttgart 1970, Bd. III, S. 418.
[9]
Alexander von Humboldt, Cuba-Werk, herausgegeben und kommentiert von Hanno Beck
in Verbindung mit Wolf-Dieter Grün, Sabine Melzer-Grün, Detlev Haberland,
Paulgünther Kautenburger, Eva Michels-Schwarz, Uwe Schwarz und Fabienne Orazie
Vallino. Mit einer Karte am Schluß des Bandes (Alexander von Humboldt,
Studienausgabe, Sieben Bände, hrsg. v. Hanno Beck, Bd. III), Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992 (hier zitert als „Cuba-Werk“); Miguel Ángel Puig-Samper/Consuelo Naranjo Orovio/Armando García
González, Ensayo Político sobre la Isla de Cuba, Madrid (Aranjuez): Ediciones
Doce Calles/Valladolid: Junta de Castilla y León, 1998 (THEATRUM NATURAE.
Colección de Historia Natural, Serie: Textos Clásicos). Kurz vorher war
erschienen: Alexandre de Humboldt, Essai Politique sur l’Île de Cuba, Nanterre:
Édition Erasme, 1989 (Collection Memoria Americana); darin: Charles Minguet,
Préface. Un livre fondateur,
l’Essai politique sur l’île de Cuba, S. I-III. Zeuske, ¿Padre de la Independencia?
Humboldt y la transformación a la modernidad en la América española, in: Debate
y perspectivas. Cuadernos de Historia y Ciencias Sociales, Madrid, No. 1
(Diciembre de 2000): Alejandro de Humboldt y el mundo hispánico. La Modernidad y la Independencia
americana, coord. Por Miguel Ángel Puig-Samper, S. 67-100.
[10]
J.Görz, Handel und Statistik des Zuckers mit besonderer Berücksichtigung der
Absatzgebiete für den deutschen Zucker, 2Bde., Berlin 1884/85 sowie:
K.Henninger, Englands Versorgung mit Zucker seit dem Aufkommen der
kontinental-europäischen Rübenzuckerindustrie. Eine handels- und
kolonialpolitische Studie, Berlin 1927.
[11] R. J. Scott, Slave Emancipation in Cuba. The
Transition to Free Labor, 1860-1899, Princeton 1985.
[12] O.F.García Martínez, El proceso de
concentración y centralización en la industria azucarera de Cienfuegos,
Cienfuegos 1992 (unpubliziert, vom Autor freundlicherweise zur Verfügung
gestellt).
[13] H.
Paasche, Zuckerindustrie und Zuckerhandel der Welt, Jena 1891, S. 357 und 379.
[14]
Zeller, Der Kampf..., S. 26.
[15]
Kaerger, Karl, Die Lage der Zuckerindustrie auf Kuba, in: Bundesarchiv, Abt.
Potsdam, AA II, Nr. 211, f. 46-81, siehe auch: Kaerger, Landwirtschaft und
Kolonisation im spanischen Amerika, 2
Bde., Leipzig: Duncker & Humblot, 1901.
[16]
J.Wolf, Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag, die kubanische
Zuckerproduktion und die Zukunft der Zuckerindustrie, Jena 1906, Vorwort, S.
IIf.
[17] Ebd., S. 2.
[18] A.Kuethe, Guns, Subsidies, and Commercial
Privilege: Some Historical Factors in the Emergence of the Cuban National
Character, 1763-1815, in: Cuban Studies, 16, ed. C.Mesa-Lago, Pittsburgh 1986, S.130ff.
[19] So
der Titel von Kapitel I bei: Wolf, Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag...,
S.2ff.
[20] Wolf
hebt, trotz der Tatsache, daß Kuba um 1900 etwa nur die Hälfte der deutsche
Produktion erreichte, vor allem die rasante Modernisierung der Jahrzehnte
1880-1900 (S. 4) hervor und den bisher "minimen" territorialen Umfang
der Anbauflächen sowie die geringe Bevölkerung (die seit 1899 durch Einwanderung
gefördert werde, S. 8ff) und die Annahme, daß "fast die ganze Fläche des
Landes als kulturfähig gilt" (S.6). Er schließt an: "...an Kapitals-
und Unternehmensgeist fehlt es heute, wo Kuba der Verwandte und Vasall der
Union geworden ist, nicht mehr." Siehe: Wolf, Der deutsch-amerikanische
Handelsvertrag..., S. 4ff. In bezug auf die geographischen Urteile hatte Wolf
durchaus die richtige Sicht, nicht aber in bezug auf den "Kapitals- und
Unternehmensgeist"! Die wichigste erste Stufe der Modernisierung (1880-1900)
wurde nicht etwa von ausländischem, auch nicht von US-amerikanischem Kapital,
initiiert, wie oft zu lesen ist, sondern von hispano-kubanischen Investoren.
[21] In
der Tat scheint diese Brückenkopfmentalität ein geographische Konstante im
politischen Verhalten kreolischer Eliten Kubas zu sein: Bis 1825
"Schlüssel Amerikas" und Nettogewinner der "situados";
1830-1860: "Kronkolonie" im spanischen Restimperium mit starken
Bezügen zum nordamerikanischen Wirtschaftsraum; 1880-1900: die USA wird auch
zur politischen Metropole; durch spezielle Verträge binden sich die
Wirtschaftseliten an den Markt im Norden, was grosso modo auch für die Republik
1902 bis 1958 gilt. Ab 1961 wird die Metropole USA durch Bindung an das
realsozialistische Wirtschaftsimperium abgelöst.
[22]
Siehe die „Proyectos de inmigración blanca“ im zweiten Jahrzehnt des 19.
Jahrhunderts und die Ablehnung des Ausbaus der Massensklaverei seitens eines -
kleinen - Teils der kreolischen Oberschicht, die z.T. mit der technischen
Modernität der entstehenden Zuckerindustrie in Europa argumentierten: ¿Puede
suplirse la falta de brazos esclavos en el establecimiento de un ingenio de
fabricar azúcar?, in: Memorias de la Real Sociedad Patriótica de La Habana, La
Habana 1836, t. 2, S. 41.
[23] R.
de la Sagra, Historia física, económico-política, intelectual y moral de la
Isla de Cuba, Paris: Hachette, 1861; siehe auch: Ramón de la Sagra y Cuba. Actas del congreso celebrado en Paris,
enero, 1992, ed. A.Cambron
Infante/P.Estrade/M.-Cl.Lecuyer, 2 vols., A Coruña 1992.
[24] Vergleiche: Scott, Slave Emancipation..., S.
206 sowie: H.Jenks, Our Cuban Colony: A Study in Sugar, New York 1928.
[25]
N.Deerr, The History of Sugar, 2 vols., London 1949-50; J.Baxa/G.Bruhns, Zucker
im Leben der Völker. Eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, Berlin 1967;
Lippmann, Die Geschichte des Zuckers seit den ältesten Zeiten ...; Galloway, J.H., The sugar cane industry. An historical geography from its
origins to 1914, Cambridge, Mass.: 1989; Mintz, Die süße Macht ..., passim;
M.Moreno Fraginals, El Ingenio. Complejo económico social cubano del azúcar, 3Bde., La Habana 1978, II, S.
125-128. "El Ingenio" stellt noch heute die
grundlegende Arbeit der kubanischen Zuckergeschichte dar, trotz einiger
Annahmen, die heute überholt sind (etwa das Verhältnis der Sklaven zur
Technologie) und der Publikation einer nahezu unübersehbaren Fülle neuerer
Arbeiten.
[26]
Humboldt benutzt allerdings noch nicht das Schlagwort, sondern schreibt: „ die
großen Neger-Haciendas, in denen jeder Tropfen Zuckersaft Blut und Ächzen
kostet“; siehe: Humboldt, Reise auf dem Río Magdalena, durch die Anden und
durch Mexico, aus den Reisetagebüchern zusammengestellt und erläutert v.
M.Faak, 2 Bde., Berlin 1986 (im folg.: ”Reise auf dem Rio Magdalena”), Teil I:
Texte (Beiträge zur Alexander-Von-Humboldt-Forschung, Bd. 8), S. 87; Solow,
Barbara, „Caribbean Slavery and British Growth: The Eric Williams Hypothesis“,
in: Journal of Developmental Economics 17 (1985), S. 99-115; Blackburn, Robin,
„New World Slavery, Primitive Accumulation and British Industrialization“, in:
Blackburn, The Making of New World Slavery. From Baroque to the Modern 1492-1800, London;
New York: Verso, 1997, S. 509-573; Eltis, David, The Rise of African Slavery in
the Americas, Cambridge: Cambridge University Press, 2000, S. 266f sowie: Walvin, James, Britain’s Slave
Empire, Gloucestershire: Tempus Publishing Ltd., 2000.
[27]
H.-H.Müller, Zur Geschichte und Bedeutung der Rüberzuckerindustrie in der
Provinz Sachsen im 19.Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der
Magdeburger Börde, in: Landwirtschaft und Kapitalismus. Zur Entwicklung der
ökonomischen uns sozialen Verhältnisse in der Magdeburger Börde vom Ausgang des
18.Jahrhunderts bis zum Ende des ersten Weltkriegs, 2Hbde., hrsg.v. H.-J.Rach
und B.Weissel, Berlin 1979, II, S. 24.
[28] Karl
Marx argumentierte allerdings stärker ökonomisch, für ihn war die Sklaverei bis
zu einer relativ weit fortgeschrittenen zweiten Globalisierung (um 1860) eine
weltweite Produktionsweise, gegen den der Industrialismus Großbritanniens,
Europas und der nördlichen USA lokal war (eine „ökonomische Kategorie von
höchster Bedeutung“ schreibt Marx noch 1846, ohne die die atlantische
Weltwirtschaft zusammengebrochen wäre); siehe: Marx, Karl, “Brief an P.W.
Annenkow”, in: Karl Marx, Friedrich Engels, Werke (MEW), Bd. IV, Berlin: Dietz
Verlag, 1959, S. 547-557, hier S. 554.
[29]
Williams, Eric, Capitalism and Slavery, London: Andre Deutsch Ltd., 1964
[Spanisch: Capitalismo y Esclavitud, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales,
1975].
[30]
Zeuske, Arbeit und Zucker in Amerika versus Arbeit und Zucker in Deutschland
(ca. 1840 - 1880). Grundlinien
eines Vergleichs, in: COMPARATIV, 4.Jg. (1994), H. 4, Leipzig, S. 59-97; Solow,
„Caribbean Slavery and British Growth …”, S. 99-115; Blackburn, „New World
Slavery, Primitive Accumulation and British Industrialization“, in: Blackburn,
The Making of …, S.509-573; Eltis, The Rise of African Slavery …, S. 266f sowie: Walvin, Britain’s Slave Empire …,
passim.
[31] Siehe die Titel: Paquette, Robert L., Sugar Is
Made With Blood. The Conspiracy of La Escalera and the Conflict between Empires
over Slavery in Cuba, Middletown, CT: Wesleyan University Press, 1988 und „Zucker, mit Blut gemacht“, einen Artikel
über Kreolsprachen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. Dezember 1995 (N6).
[32]
Olbrich, Rückschau..., S. 185.
[33] Horst Pietschmann, “Humboldts Bild von Kuba und
der Karibik zu Beginn des 19. Jahrhunderts”, in: Kuba.
Geschichte-Wirtschaft-Kultur. Referate des 8. Interdisziplinären Kolloquiums
der Sektion Lateinamerika des Zentralinstituts (06), hrsg.v. T.Heydenreich
(Lateinamerika-Studien, 23), München: Wilhem Fink Verlag, 1987, S. 139-152.
Pietschmann hebt hervor, daß der Essai politique über Kuba in Deutschland
faktisch nicht bekannt sei, er will einen “weniger bekannten, sehr kritischen
Humboldt ... damals wie heute ziemlich radikal...” in Erinnerung rufen. In
Erinnerung rufen will Pietschmann auch die durch Fernando Ortiz besorgte
Ausgabe des Ensayo Político über Cuba von 1930 (Ebd., S. 140); Minguet,
Charles, ”Alexander von Humboldt und die Erneuerung des Lateinamerika-Bildes”,
in: Das Bild Lateinamerikas im deutschen Sprachraum. Ein Arbeitsgespräch an der
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, 15.-17. März 1989, hrsg. V. Gustav
Siebenmann und Hans-Joachim König, Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1992
(Beihefte zur Iberoromania. Hrsg. von Heinrich Bihler, Dietrich Briesemeister,
Hans-Martin Gauger u.a., Band 8), S. 107-125.
[34]
Alexander von Humboldt, Cuba-Werk, herausgegeben und kommentiert von Hanno Beck
in Verbindung mit Wolf-Dieter Grün, Sabine Melzer-Grün, Detlev Haberland,
Paulgünther Kautenburger, Eva Michels-Schwarz, Uwe Schwarz und Fabienne Orazie
Vallino. Mit einer Karte am Schluß des Bandes (Alexander von Humboldt,
Studienausgabe, Sieben Bände, hrsg. v. Hanno Beck, Bd. III), Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992 (hier zitert als „Cuba-Werk“); Miguel Ángel Puig-Samper/Consuelo Naranjo Orovio/Armando García
González, Ensayo Político sobre la Isla de Cuba, Madrid (Aranjuez): Ediciones
Doce Calles/Valladolid: Junta de Castilla y León, 1998 (THEATRUM NATURAE. Colección de Historia Natural, Serie:
Textos Clásicos), siehe auch: Alexandre de Humboldt, Essai Politique sur l’Île
de Cuba, Nanterre: Édition Erasme, 1989 (Collection Memoria Americana).
[35] Es wird, wenn „Bild“ sehr wörtlich genommen
wird, allenfalls in der Bekanntheit noch übertroffen von den Bildern F.
Mialhes, siehe: Mialhe, Frédéric, Album Pintoresco de la Isla de Cuba, Berlin:
B. Max & Co., 1853; Cueto, Emilio, Mialhe’s colonial Cuba: the prints that
shaped the worlds view of Cuba, Miami, Fla.: Historical Association of Southern
Florida, 1994 (Catalog of an exhibition held at the Historical Museum of
Southern Florida, Oct. 6, 1994 – January 30, 1995).
[36]
Zeuske, Sklavereien, Emanzipationen und atlantische Weltgeschichte. Essays über
Mikrogeschichten, Sklaven, Globalisierungen und Rassismus, Leipzig: Leipziger
Universitätsverlag 2002 (Arbeitsberichte des Instituts für Kultur und
Universalgeschichte Leipzig e.V., Bd. 6); Zeuske, Alexander von Humboldt, die
Weltgeschichte des Westens und die atlantische Massensklaverei (demnächst [2013
dieses Buch ist nicht publiziert worden]).
[37] Cuba-Werk, S. 141.
[38]
Zeuske, Kleine Geschichte Kubas, München: Beck, ²2002; Zeuske, Die Geschichte
Kubas. Die Insel und die atlantische Welt, Frankfurt am Main und New York:
Campus Verlag, 2002 [2013 dieses Buch ist nicht publiziert worden, dafür aber:
Zeuske, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich:
Rotpunktverlag, 2004]; siehe auch: M. Carmagnani, Le isole del lusso. Prodotti
esotici, nuovo consume e cultura economica europea, 1650-1800, Milano: UTET
Libreria, 2010.
[39] Zeuske, Bajo la bandera prusiana. Cónsules, comerciantes y política
comercial de Alemania en el Caribe insular y en las Venezuelas durante el largo
siglo XIX, 2003; siehe den Erlebnisbericht eines deutschen Handelskommis: Ein
Hamburger auf Kuba. Briefe und Notizen des Kaufmanns
Alfred Beneke 1842-1844, ausgewählt und erläutert von Hauschild-Thießen,
Renate, Hamburg; Gesellschaft der Bücherfreunde zu Hamburg, 1971.
[40] Villaverde, Cirilo, „La Habana en 1841“, in:
Costumbristas cubanos del siglo XIX, selección, cronología y bibliografía
Salvador Bueno, Caracas: Biblioteca Ayacucho, 1985, S. 167-170.
[41]
Zeuske, Michael/Max Zeuske: Kuba 1492-1902. Kolonialgeschichte,
Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA. Leipzig: Leipziger
Universitätsverlag 1998; Guimerá, Agustín; Monge, Fernando (Coords.), La
Habana, puerto colonial (siglos XVIII-XIX), Madrid: Fundación Portuaria, 2000.
[42] Hardt, Michael; Negri, Antonio, Empire. Die neue Weltordnung, Frankfurt am Main; New York: Campus, 2002.
[43]
González-Ripoll Navarro, „Vínculos y redes de poder entre Madrid y La Habana:
Francisco de Arango y Parreño (1765-1837), ideólogo y mediador”, in: RI, Vol. LXI (Mayo-Agosto, 2001), Núm. 222, S.
291-305, Tomich, Dale, “Felicidad y Esclavitud. Francisco de Arango y Parreño, Enlightenment,
and Slavery in Cuba“, in: Comparative Studies in Society and History (2002)
(demnächst).
[44] Situado bedeutet eine Übertragung von
Ressourcen oder finanziellen Mitteln der Königlichen Kassen (Cajas Reales)
eines Vizekönigreiches oder einer Gobernación an eine andere Verwaltungseinheit
des Reiches im Gefahrenfalle (d.h., Krieg, Gefahr eines Angriffs). Da sich die
karibischen Gebiete in der Dauergefahr von Angriffen befanden, sozusagen im
fortwährenden Verteidigungsfall, wurde die Überweisung von Situados zur
Dauerinstitution. Santovenia, Emeterio, “La colonia”, in: Historia de la nación
cubana, 10 Bde., La Habana: Editorial Historia de la Nación Cubana, S.A., II,
S. 131; Marichal, Carlos; Souto Mantecón, Matilde, “Silver and Situados: New
Spain and the financing of Spanish Empire in the Caribbean in the Eighteenth
Century“, in: HAHR, 74:4 (1994), S. 587-613.
[45] Castillo Meléndez, Francisco, La defensa de la isla de Cuba en la segunda
mitad del siglo XVII, Sevilla: Diputación Provincial, 1986.
[46]
Otto, Eduard, Reiseerinnerungen an Cuba, Nord- und Südamerika 1838-1841, Mit
zwei lithographirten Tafeln, Berlin, Naucksche Buchhandlung, 1843; Die
Wiederentdeckung Lateinamerikas: die Erfahrung des Subkontinents in
Reiseberichten des 19. Jahrhunderts, ed. Walther L. Bernecker; Gertrut Krömer,
Frankfurt am Main: Vervuert, 1997 (Lateinamerika-Studien; Bd. 38), S. 309-324; Schneider, Jürgen, „Künste,
Theater, Literatur und Musik in Havanna um 1840“, in: López de Abiada, José
Manuel; Heydenreich, Titus (eds.), Iberoamérica. Homenaje a G. Siebenmann, 2
Bde., (Lateinamerika Studien 13 I/II, Universität Erlangen-Nürnberg), München:
Wilhelm Fink Verlag, Band II, 1983, S. 780-810; Marrero, Leví, Cuba: economía y
sociedad, 15 Bde., Madrid: Editorial Playor, S.A., 1972-1992, Bd. 14 (1988), S.
231-279.
[47] Morales, José, The Hispaniola diaspora,
1791-1850 : Puerto Rico, Cuba, Louisiana and other host societies, Thesis
(Ph.D.) - University of Connecticut, 1986; Ann Arbor, Mich. : University
Microfilms International [1990], S. 274, S. 274.
[48] Sánchez, Emilio, Tradiciones trinitarias,
Cienfuegos : s.l., 1916, S. 34-36.
[49] Yacou, “L’expulsion des Francais de
Saint-Domingue réfugiés dans la région orientale de l’île de Cuba, 1808-1810”,
in: Caravelle. Cahiers du Monde Hispanique et Luso-Brésilien 39 (1982), Le
Mirail, Université de Toulouse, S. 49-64, 50. Siehe auch: Portuondo Zúñiga, “La
inmigración negra de Saint-Domingue en la Jurisdiccón de Cuba, 1789-1809”, in:
Serna, Juan Manuel de la, El Caribe en la encrucijada de su historia,
1780-1840, México: UNAM-CCYDEL, S. 67-71; Debien, Gabriel, “Les réfugiés de
Saint-Domingue expulsés de La Havane en 1809”, in: AEA, v. XXXV (1978), S.
555-610.
[50] Deive, Carlos Esteban, Las emigraciones
dominicanas a Cuba (1795-1808), Santo Domingo: Fundación Cultural Dominicana,
1989.
[51] Descourtilz, M.E., Voyage d´un naturaliste, et
ses observations, faites sur les trois règnes de la Nature, dans plusieur ports
de mer français, en Espagne, au continent de l´Amérique septentrionale, à
Saint-Yago de Cuba, et à St.-Domingue, où l´Auteur devenu le prisonnier de
40000 noirs révoltés, et par suite mis en liberté par une colonne de l´armée
français, donne les détails les plus circonstanciés sur l´expédition du général
Leclerc; dédies à S.Ex. Mgr. Le Comte de Lacépède, 3 Bde., Paris 1809, Band II,
S. 303-347 (Kuba).
[52] “Real Orden para que se asista al Gobernador y
demás empleados de la Provincia de la Luisiana que pasen a la Habana con motivo
de la cesión de aquella a la Francia con el mismo sueldo que tenían
hasta que se destine“, 20 de Febrero de 1803: ANC, Floridas, 1803, No. 137,
leg. 17.
[53] Gold, Robert L., „The Settlements of the East
Florida Spaniards in Cuba, 1763-1766“, in: Florida Historical Quarterly 42
(January 1964), S. 216-231; Landers, Jane, “An Eighteeth-Century Community in
Exile: the ‘Floridanos’ in Cuba”, in: New West Indian Guide, 70-1/2 (1996), S.
39-58; “Real Orden para que sean admitidos en la Isla de Cuba y en Nueva España
los habitantes de las Floridas que no quieran permanecer en ellas en virtud de
la cesión a los Estados Unidos“, 19 de Octubre de 1820: ANC, Floridas,
1820, No. 139, leg. 14.
[54] Pichardo, Hortensia (ed.), Documentos para la
historia de Cuba, 4 vols. in 5 Bden., La Habana: Ed. de Ciencias Sociales,
1969, 1973, 1978, 1980, Bd. I, S. 162-197.
[55] Ebd., S. 166; Arango bezeichnete seinen
„Discurso sobre la agricultura ...“ bei der Eröffnung des Consulado de La
Habana als sein “libro de obligaciones”, sein “Buch der Pflichten“: Arango y Parreño, Francisco de, Obras de D.
Francisco de Arango y Parreño, 2 Bde., La Habana: Dirección de Cultura, 1952,
Bd. I, 241.
[56] “Real Orden para que no se exija el derecho de
alcabala por ventas o permutas de esclavos“, 25 de Noviembre de 1813: ANC,
Floridas, 1813, No. 183, leg. 18.
[57]
Humboldt nutzt diese „Landschaftsfotos“ („... das Tal von Güines auf der
Südostseite Havannas, eine der herrlichsten Gegenden der Neuen Welt“, Humboldt, Mexiko-Werk. Politische Ideen zu
Mexico. Mexicanische Landeskunde. Hrsg. u. komm. von Hanno Beck in Verb. mit
Grün, Wolf-Dieter et al. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1991
(Alexander von Humboldt Studienausgabe. Sieben Bände. Bd. IV), S. 341),
um zum Beispiel den Unterschied im Sinn des Begriffs „Ackerbau“ zwischen Mexiko
und Kuba zu verdeutlichen.
[58] Moreno Fraginals, Manuel, El Ingenio. Complejo
económico social cubano del azúcar, 3 Bde., La Habana: Ed. de Ciencias Sociales,
1978, Bd. I, S. 151; siehe auch: Zanetti Lecuona, Oscar; García Álvarez,
Alejandro, Caminos para el azúcar, La
Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1987 (US-Ausgabe 2000); Zeuske,
„‘Geschichtsschreiber von Amerika‘: Alexander von Humboldt, Deutschland, Kuba
und die Humboldteanisierung
Lateinamerikas“, in: Comparativ, 11 Jg., Heft 2 (2001), S. 30-83: Humboldt in
Amerika, ed. Zeuske; Santamaría García, Antonio, ”El ferrocarril en las
Antillas españolas (Cuba, Puerto Rico y la República Dominicana, 1830-1995”,
in: Historia de los ferrocarriles de Iberoamérica (1837-1995), Sanz Fernández,
Jesús (coord.), Madrid: Ministerio de Fomento, 1998, S. 289-334.
[59] Ruiz, Raúl R., Matanzas. Surgimiento y esplendor
de la plantación esclavista (1793-1887), Matanzas : Ediciones Matanzas,
2001.
[60] Eine Firma Bremer Abstammung, siehe: Iglesias
García, Fe, „H. Upmann y Compañía, una empresa alemana en Cuba“, in: Zeuske;
Ulrike Schmieder (eds.), Regiones europeas y Latinoamérica (siglos
XVIII y XIX), Frankfurt am Main: Vervuert/Madrid: Iberoamericana 1999
(Acta Coloniensia. Estudios Ibéricos y Latinoamericanos, eds. H.-J. Prien/M.
Zeuske, vol. 2), S. 365-386.
[61] Sivers, Jegor von, Cuba, Die Perle der Antillen. Reisedenkwürdigkeiten und Forschungen, Leipzig: Verlag von Carl Fr.
Fleischer, 1861, S. 268.
[62] Ebd., S. 269.
[63] Grismer, Karl H., Tampa: A History of the City
of Tampa and the Tampa Bay Region of Florida, St. Petersburg: St. Petersburg
Printing, 1950.
[64] González del Valle, Francisco, La Habana en 1841.
Obra póstuma ordenada y revisada por Raquel Catala, La Habana: Oficina del
Historiador de la Ciudad de la Habana, 1952.
[65] Saco, Ideas sobre la incorporación de Cuba en los
Estados Unidos, Paris 1848, S. 6.
[66] May, Robert E., The Southern Dream of a
Caribbean Empire, 1854-1861, Baton Rouge 1973; Schoonover, Thomas, „Napoleon Is
Coming! Maximilian Is Coming?. The International History of the Civil War in
the Caribbean Basin”, in: May, Robert (ed.), The North, the South, and the
Atlantic Rim, Lafayette, Indiana: Purdue Univ. Press, 1995, S. 101-130.
[67] Ogelsby, “The Cuban Autonomist Movement’s
Perception of Canada …”, S. 445-461.
[68]
Zeuske, “Mit General López nach Kuba!: Deutsche Freiwillige in der Expedition
des Narciso López (1851-1852)”, in: Iberische Welten. Festschrift zum
65.Geburtstag von G.Kahle, hrsg.v. Felix Becker u.a., Köln Weimar Wien: Böhlau,
1994, S. 157-190; Chaffin, Tom, Fatal Glory. Narciso López and the First Clandestine U.S.
War against Cuba, Charlottesville and London: University of Carolina Press,
1996.
[69] Cisneros an Saco, New York, 30. August 1848, in: Cartas del Lugareño, ed.
F. de Córdova, La Habana 1951, S. 303 ; Opatrný, Josef, US Expansionism
and Cuban Annexationism in the 1850s, Praha: Univerzita Karlova, 1990
(Ibero-Americana Pragensia, Supplementum IV/1990).
[70] Figarola-Caneda, José Antonio Saco …, S. 324. Die Stelle zeigt, dass das Inselbewusstsein der Elite eben nicht nur
geographisch, sondern politisch-kulturell war.
[71] Stanley C. Urban, “The Africanization of Cuban
Scare, 1853-1855”, in: HAHR 47 (1957), S. 29-45, hier S. 33 und Marrero, Cuba
..., Bd. IX, S. 108 schreiben den Satz dem “Heraldo de
Madrid” zu; Ramira Guerra, Manual ..., La Habana, 1971, S. 389 erwähnt den
spanischen Abgeordneten Vicente Sancho 1837 als Präger dieses fatalen Wortes.
[72] Raynal, Abbé, Histoire philosophique et politique
des Etablissements des Européens dans les Deux Indes, 10 Bde., Genève : éd. Chez Jean Leonard Pellet,
Imprimeur de la ville et de l’Académie, 1783, Bd. VI, S. 226.
[73] Jameson, R. A., Letters from the Havana,
during the Year 1820; Containing an Account of the Present State of the Island
of Cuba, and Observations on the Slave Trade, London: W. Mohneur, 1821; Pérez
de la Riva, Juan, La isla de Cuba en el siglo XIX vista por los extranjeros, La
Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1981.
[74] Guicharnaud-Tollis, Michèle avec la collaboration
de Andioc-Torres, Sophie et Ortiz, Jean, Le Sucre dans l'espace caraïbe
hispanophone aux XIXe et XXe siècles : stratégies et représentations : actes du
colloque organisé á Pau les 14 et 15 mars 1997, Paris : L'Harmattan, 1998.
[75] Pérez Jr., Louis (ed.), Slaves, Sugar, &
Colonial Society. Travel Accounts of Cuba, 1801-1899, Wilmington: Scholarly
Resources Inc., 1992; Dosal, Paul, ”Bilder von Kuba und den Kubanern in den
USA, 1823-1959”, in: Transatlantische Perzeptionen: Lateinamerika - USA -
Europa in Geschichte und Gegenwart, König, Hans-Joachim, Rinke, Stefan (eds.),
Stuttgart: Verlag Hans-Dieter Heinz Akademischer Verlag (Historamericana, 6),
S. 61-76.
[76] Bush, Barbara, “Through the Traveller’s Eye :
‘Anglo-Saxon’ Representations of Afro-Cuban Identity (c. 1850-1950)”, in:
Anales del Caribe. Centro de
Estudios del Caribe, 19-20 (1999-2000), Casa de las Américas, La Habana, S.
335-353.
[77] Guicharnaud-Tollis, Michèle, Regards sur Cuba au
XIXe siècle. Témoignages européens, Paris: L’Harmattan, 1996.
[78] Bremer, Frederika, Cartas desde Cuba, La Habana:
Ed. Arte y Literatura, 1980
(2. Auflage 1995);
Bremer, Fredrika, The Homes of the New World: Impressions of America, 3 Bde.,
London 1853.
[79]
Thomas Bremer, ”Europäische Reisende nach Cuba und die Anti-Sklavereidebatte
zwischen 1820 und 1845”, in: Die Wiederentdeckung Lateinamerikas ..., S.
309-324; Schneider, „Künste, Theater, Literatur und Musik in Havanna ...“, S.
780-810; Gagern, C.v., Reisen in die Karibik.
Wie sich Kontakt mit anderer Kultur in Reisebeschreibungen darstellt,
Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang, 1994.
[80] Buenaventura Pascual Ferrer, Viage a la Ysla de
Cuba, Madrid, 1798.
[81]
Kaerger, Karl, “Die Lage der Zuckerindustrie auf Kuba” (Havanna, 19. Mai 1901),
in: Bundesarchiv, Abteilung Potsdam, AA II, Nr. 211.
[82] Hallam, George, Narrative of a voyage from
Montego Bay, in the Island of Jamaica, to England; by a route never once before
or since, across the Island of Cuba to Havanna : from thence to Charles Town,
South Carolina, Newcastle on the Delaware, and Baltimore, Maryland; and by land
to Washington and back; thence to Philadelphia, and through the Jerseys, to New
York: where he embarked ... and made the voyage to Havre-de-Grace, in France
/Performed in the autumn, 1809. Also of a voyage from England to Barbadoes by
Cadiz, Teneriffe, and Guadaloupe, in 1810, London : Printed for C.J.G. & F.
Rivington, 1831.
[83] Pérez de la Riva, „Duvergier de
Hauranne : un joven francés visita el ingenio Las Cañas en 1865“, in:
Revista de la Biblioteca Nacional José Martí, 56 (Octubre-Diciembre de 1965),
S. 85-114; Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés informa sobre la
trata clandestina en Cuba”, in: Deschamps Chapeaux, Pedro, Pérez de la Riva,
Juan, Contribución al la historia de la gente sin historia, La Habana :
Ed. de Ciencias Sociales, 1974, S. 251-273.
[84] Paravisini-Gebert, Lizabeth, “Oriental
imprisonments: Habaneras as seen by nineteenth century women travel writers”,
in: Revista Mexicana del Caribe, Año III, núm. 5 (1998), S. 142-157.
[85] Pratt, Marie-Louise: Imperial Eyes. Travel Writing and Transculturation.
New York/London: Routledge, 1992.
[86] Hespel d´Harponville, Gustave d’, La Reine des
Antilles ou situation actuelle de l´Ile de Cuba, précis topographique et
statistique, histoire, géographie, agriculture, commerce, administration et
moeurs, Paris : Gide & Baudry, 1850; Sivers, Cuba, Die Perle der
Antillen …, S. 144.
[87] Wissenschaftler gaben Form und Methode vor, neben
Humboldt vor allem: Sagra, Ramón de la, Historia física, política y natural de
la Isla de Cuba, 4 Bde., Paris A. Bertrand, 1842-1844.
[88]
Dosal, Paul, ”Bilder von Kuba und den Kubanern in den USA, 1823-1959”, in:
Transatlantische Perzeptionen: Lateinamerika - USA - Europa in Geschichte und Gegenwart,
König, Hans-Joachim, Rinke, Stefan (eds.), Stuttgart: Verlag Hans-Dieter Heinz
Akademischer Verlag (Historamericana, 6), S. 61-76.
[89] Zu
den Deutschen in der Karibik siehe künftig: Zeuske, Bajo la bandera prusiana. Cónsules, comerciantes y política comercial de Alemania en el Caribe
Insular y en las Venezuelas durante el largo siglo XIX (demnächst); Zeuske,
„Preußen und Westindien. Die vergessenen Anfänge der
Handels- und Konsularbeziehungen Deutschlands mit der Karibik und Lateinamerika
1800-1870“, in: Carreras, Sandra; Maihold, Günther (eds.), Preußen und
Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur, Münster:
LIT-Verlag, 2004 (Europa-Übersee. Historische Studien, hrsg. von Gründer,
Horst, Bd. 12), S. 145-215;Will, Theodor, „Anfänge des Deutschtums in Havanna“,
in: Ibero-Amerikanische Rundschau 6, Nr. 10 (1940), S. 118ss. Theodor Will, vom
Handelshaus “Will Hermanos” erscheint in der “Relación nominal de los súbditos
alemanes...” (Zahlenmäßige Auflistung der deutschen Untertanen in Havanna) von
1876. Sein Vater oder Bruder (?), Louis Will, war erster Konsul von
Braunschweig in Havanna, danach Konsul des “Norddeutschen Bundes” und ab 1872
Handelskonsul des Deutschen Reiches für ganz Kuba, siehe: Badura, Bohumil,
“Sobre la inmigración alemana en Cuba durante la primera mitad del siglo XIX”,
in: Ibero-Americana Pragensia, año IX (1975), S. 71-105 (I. Teil); Ibid., año X
(1976), S. 111-136 (II. Teil), S. 134f. ; siehe auch: Kellenbenz, Hermann, „Die
Deutschen in der Karibik“, in: Fröschle, Hardmut (ed.), Die Deutschen in
Lateinamerika. Schicksal und Leistung, Tübingen und Basel 1979, S. 607-630.
[90] ”Sobre trafico
de Neutrales en Santiago de Cuba” (28 de Febrero de 1798), in: ANC, Real
Consulado y Junta de Fomento de la Isla de Cuba, leg. 72, No. 2774) ;
Pohl, Hans, „Die Beziehungen Hamburgs zu Spanien und dem Spanischen Amerika in
der Zeit von 1740 bis 1806“, in: Vierteljahresschrift für Sozial- und
Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 45 (1963), S. 287; Fernández de Pinedo, Nadia,
“Commercial relations between USA and Cuba in times of Peace and War,
1803-1807”, in: Illes i Imperis, 4 (Primavera 2001), S. 5-23, hier S. 8ff.
[91] Kellenbenz, Die
Deutschen in der Karibik...”, S. 620 erwähnt die Gründung für den 22. Juni
1819; Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 63.
[92] Siehe die
Auflistung von Deutschen in: Badura, “Sobre la inmigración alemana ...”, I.
Teil, S. 76-79. Die Familie Averhoff-Haberhoff hat sich offensichtlich
beizeiten durch Heirat und Landerwerb kubanisiert, siehe die Genealogie der
Familie: Nieto Cortadellas, Rafael, Genealogias habaneras, 2 Bde., Madrid 1980,
II, S. 109-136. Die intensiven Archiv-Recherchen bringen 2013 ein gutes
Ergebnis: ANC (Archivo Nacional de Cuba), La Habana, Tribunal de Comercio (TC= Standesgericht der Sklavenhändler und Sklavenhalter), leg. 4, no. 11
(1803). Averhoff “Matias”. Matias Averhoff, por representacion a la casa de
Libering de Baltimore, contra Carlos Trecer, sobre pesos (Averhoff muss gute
Geschäfte in Tabak mit US-Firmen gemacht haben)
In Escribanías (Notariaten) finden sich: ANC,
Escribanía de Antonio Daumy, leg. 441, no. 15 (1809). Averhoff
(Matias). D. Martin Elzaurdi y D. Matias Averhoff, contra Francisco de la Paz,
en cobro de pesos.
[93] ANC, Escribanía de Galleti, leg. 698, no. 1 (1824-39). Averhoff
(Matias). Intestado de Dn. Matias Averhoff a los
cuales se acumularon los autos de la testamentaria de su consorte Da. Catalina
Prieto (1ª, 2ª, 3ª, 4ª y 5ª piezas) (gesehen: 13 de septiembre de 2013), f. 36r-66v, La
Habana 1824, hier vor allem f. 40r.
[94] Ebd., f. 51r-v
“Esclavos”, La Habana, 4 de noviembre de 1826. Verkauft wurden Maria del Carmen
Conga (26 Jahre; für 550 Pesos: cocinera (Köchin), lavandora (Wäscherin),
planchadora (Büglerin)); Maria del Rosario Ganga (24 Jahre, für 500 Pesos:
lavandora (Wäscherin), planchadora (Büglerin)) und Tomas Ganga 11 Jahre alt (für
300 Pesos). Persönliche Haussklaven; siehe auch: ANC, Escribanía de Salinas,
leg. 104, no. 1352 (1869). Averhoff.Matias. Intestado de D. Matias Averhoff.
[95] Cornelius
Souchay war zwischen 1813 und 1837 Besitzer des berühmten Cafetal
(Kaffeepflanzung) “Angerona”; er hatte
exzellente Beziehungen zur Hamburger Kaufleutefamilie Sthamer, siehe: Bouchet,
Jorge du, “Colección de documentos para la historia del cafetal Angerona: La
fortuna de Cornelio Souchay”, in: Boletín del Archivo Nacional, La Habana, n° 3
(1989), S. 58-98. Das Testament von Souchay zeigt auch, daß er enge Beziehungen
zur Familie Delius aus Bremen und mit der Firma A.Dürninger aus Herrnhut in der
sächsischen Lausitz hatte: Bouchet, “Documentos para la historia del Cafetal
Angerona: testamento, codicilo, muerte y entierro de don Cornelio Souchay”, in:
Ibíd., n° 2 (1989), S. 35-43. Siehe auch: Mendéz, Isidro
M., Biografía del Cafetal Angerona, La Habana 1952.
[96] Ein Hamburger
auf Kuba ..., passim. Zu der Firma siehe auch: Zeuske, „Preußen und Westindien.
Die vergessenen Anfänge der Handels- und Konsularbeziehungen Deutschlands mit
der Karibik und Lateinamerika 1800-1870“, in: Carreras, Sandra; Maihold,
Günther (eds.), Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht
und Kultur, Münster: LIT-Verlag, 2004 (Europa-Übersee. Historische
Studien, hrsg. von Gründer, Horst, Bd. 12), S. 145-215.
[97] StA Hbg., Senat, Cl.VI Nr. 6 Vol. 5b, Fasc. 2 Invol. Ia: Sthamer, Havanna, 1.
11. 1845 (Rückblick auf die Jahre 1842 ss.).
[98] Ibíd.
[99]
Boeck, Oliver, Kommerz und Politik - Die Geschäfte der Familie Delius, das
Preußische Konsulat in Bremen und der Lateinamerika-Handel im 19. Jahrhundert,
Köln 1998 (Diplomarbeit; Themensteller: Michael Zeuske), S. . 64.
[100] C. Beaulieu, Histoire du commerce, de l'industrie
et des fabriques de Lyon, Lyon 1838 (Neuauflage 2001); Maurice Garden, Lyon et
le Lyonnais au dix-huitième siècle, Paris 1970; Pierre Cayez,
L'industrialisation lyonnaise au XIXe siècle. Du grand commerce à la grande
industrie, Lille 1979. Grundlegend für den französischen
Lateinamerikahandel ist: Schneider, Jürgen, Frankreich und die Unabhängigkeit
Spanisch-Amerikas. Zum französischen Handel mit den entstehenden
Nationalstaaten (1810-1850, I. Teilbd.: Darstellung; 2. Teilbd.: Statistischer
Anhang, Stuttgart: Klett-Cotta, 1981 (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte,
hrsg.v. Kellenbenz und Schneider, Bd. 10); Schneider behandelt zwas Kuba nicht
direkt (weil es noch kein “entstehender Nationalstaat“ war), aber die Bedeutung
des Seiden- und allgemein Textilexportes aus Lyon wird sehr gut deutlich.
[101]
Kulturamt Stadt Lahr, Stadtarchiv und Museen (KStLSM), Conto-Corrent-Buch C. W.
Jamm ab 1. April 1852, ohne Paginierung (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat
1850“, EPSN 0072).
[102]
Ebd., EPSN 0069.
[103]
Ebd.
[104]
Ebd., EPSN 0070 und 0071.
[105] Ely, Roland T., “La Casa Drake”, in: Ely, Cuando reinaba su majestad el
azúcar. Estudio histórico-sociológico de una tragedia latinoamericana: el
monocultivo en Cuba, Buenos Aires: Ed. Sudamericana, 1963 (Neuauflage: La
Habana: IMAGEN CONTEMPORÁNEA, 2001), S. 342-384; Tornero, Pablo, “Antiguo
imperio y nueva metrópoli. El comercio de Cuba con España y los Estados Unidos
en el siglo XIX”, in: L'Espace Caraïbe ..., S. 295-322 ; Zeuske, Bajo la bandera prusiana ...
[106]
Jamm ist so etwas wie ein atlantischer Repräsentant dieser weltweiten
Geschäfte; Middell, Katharina, Hugenotten
in Leipzig, Leipziger Universitätsverlag, 1998, hat kürzlich ein Buch über die
Ostbeziehungen Lyons vorgelegt, die über Leipzig und Sachsen liefen; siehe
auch: Sammler, Steffen, „Die Bedeutung der Leipziger Messen für den
Absatz von Lyoner Seidenwaren nach Ost- und Südosteuropa zwischen 1760 und
1830“, in: Zwahr, Hartmut; Topfstedt, Thomas; Günter Bentele (eds.), Leipzigs
Messen 1497-1997 : Gestaltwandel, Umbrüche, Neubeginn, 2 Bde., Köln, Weimar,
Wien: Böhlau, 1999, Bd. I, S. 259-269; Middell, „Brody, Leipzig, Lyon:
europäische Handelsbeziehungen und ihre Träger (1770-1820)“, in: Leipzig,
Mitteldeutschland und Europa. Festgabe für Manfred Straube und Manfred Unger
zum 70. Geburtstag, im Auftr. des Leipziger Geschichtsvereins hrsg. von Hartmut
Zwahr, Beucha: Sax-Verlag, 2000, S. 531-544; # Jamm hatte Handelsbeziehungen
mit den „Gebrüdern Meinert aus Oelsnitz bei Lichtenstein“, „B. Meyer de
Leipzig“ sowie „Schmidt & Harzdorf in Hartmannsdorf“, meist bezog er aus
Sachsen Strümpfe, siehe: KStLSM, Geschäfts-Buch 1850 (auf CD-Rom: Datei
„Geschäftsbuch 1850“, EPS 0041 und EPS 0047).
[107]
Beutin, Ludwig, Bremen und Amerika. Zur Geschichte der Weltwirtschaft und der
Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten, Bremen: Schünemann, 1953,
S. 37.
[108]
Bernecker, Walter L., Die Handelskonquistadoren. Europäische Interessen und
mexikanischer Staat im 19. Jahrhundert (Beiträge zur Kolonial- und
Überseegeschichte, ed. R. von Albertini/E. Schmitt, 44), Wiesbaden 1988;
Bernecker, „Los alemanes en el México decimonónico: Cuantificación, estructura
socioprofesional, posturas político-ideológicas“, in: JbLA Nº 25 (1988), S.
385-414; Zeuske, „Preußen und Westindien.
Die
vergessenen Anfänge der Handels- und Konsularbeziehungen Deutschlands mit der
Karibik und Lateinamerika 1800-1870“, S. 145-215.
[109]
Schwarzer, Oskar, „Der Hamburger Exporthandel mit der Karibik und Mexiko
(1814-1838)“, in: Scripta Mercaturae, 17. Jahrgang/1 (1983), S. 45-88, hier S.
66.
[110] Humboldt, Essai politique sur l`Ile de Cuba, avec
une carte et un supplément qui renferme des considérations sur la population,
la richesse territoriale et le commerce de l`Archipel des Antilles et de
Colombia. 2 vols. Paris, Librairie Gide et fils 1826;
Zeuske, “Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung (I. Teil)“, in: Humboldt im
Netz (HiN), III, 3 (2001; Internet-Zeitschrift: www.unipotsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin3.htm);
Zeuske, “Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung (II. Teil)“, in: Humboldt
im Netz (HiN), III, 4 (2002; Internet-Zeitschrift:
www.unipotsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin_4.htm).
[111] Der
erste Antrag auf Einrichtung eines preußischen Konsulats in Havanna stammt von
1817, der zweite, von Louis Hagedorn,
aus dem Jahr 1824, siehe: GStAM, Rep. 120, C, Ausländischer Handel, Südamerika
..., folio 1f. y Ibid., II, 2.4.1., Nr. 645, f. 5ff.
[113]
Will, Anfänge..., S.118ff.; siehe auch: Archivo Nacional de Cuba (ANC),
Gobierno Superior Civil (GSC), leg. 1601, Nr.
81702.
[114]
KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, folio (f.) 19 (auf
CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0022).
[115]
Badura, “Sobre la inmigración alemana ...”, I. Teil, S. 100ff.; siehe auch: Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 12f.
[116] Villaverde, „La Habana en 1841“, S. 167-170, hier
S. 168.
[117] Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés
informa ...“, S. 251-273.
[118] Turnbull, David, Travels in the West: Cuba
with Notices of Porto Rico and the Slave Trade, London: Longman, Orme, Brown,
Greens, and Longman,1840.
[119] PRO, Kew Gardens, F.O. 420/4 (Confidential
Print), pág. 14.
[120] Staatsarchiv Hamburg (StA Hbg.), Senat, Cl.VI
Nr. 6 Vol. 5b, Fasc. 2 Invol. Ia: Sthamer, Havanna, 1. 11.
1845 (Rückblick auf die Jahre 1842ff.).
[121]
Zeuske, Max, “Magdeburgo a fines del siglo XVIII y en el siglo XIX: desarrollo,
efectos y contraefectos del comercio de ‘mercancías coloniales’ en una región
prusiana“, in: Zeuske, Schmieder (eds.), Regiones europeas y Latinoamérica ..., S. 101-120; Ludwig, Jörg, Der
Handel Sachsens nach Spanien und Lateinamerika 1760-1830 (Beiträge zur
Wirtschaftsgeschichte Nr. 1/1994), Leipzig 1994; Ders., „Deutsche Regionen und
Lateinamerika in der Neuzeit: das Beispiel Sachsen (1700-1830)“, in: Jahrbuch
für Regionalgeschichte und Landeskunde 20 (1995/1996), S. 71-84.
[122] Polyšenský, Josef; Veber, Lubomir, „Miguel Sabel
y los origenes del comercio americano con el vidrio de Bohemia”, in:
Ibero-Americana Pragensia V (Praha 1971), S. 93-115.
[123] Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 40f.
[124]
Ebd., S. 12.
[125]
Fradera, Josep M., Gobernar colonias, Barcelona: Península, 1999.
[126]
Kellenbenz, Hermann, „St. Thomas, Treffpunkt des karibischen Handels“, in:
Karibik. Wirtschaft, Gesellschaft und Geschichte, ed. Hanns-Albert Steger u.
Jürgen Schneider, Lateinamerika-Studien, München, 11 (1982), S. 135-144;
Walter, Rolf, „Die Insel St. Thomas: Dreh- und Angelpunkt in der Karibik. Eine
wirtschaftliche Betrachtung“, in: Ebd., 145-160; Kellenbenz, Von den
Karibischen Inseln: Archive und neuere Literatur, insbesondere zur Geschichte
von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (I. –III. Teil), in:
Jahrbuch für Geschichte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas
(JbLA), Köln, 5 (1968), S. 378-404; 6 (1969), S. 452-469; 7 (1970), S. 381-410;
Zeuske, “Die vergessene Revolution: Deutschland und Haiti in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Aspekte deutscher Politik und Ökonomie in Westindien”,
in: JbLA, 28 (1991), S. 285-326; Schwebel, Karl H., Bremer Kaufleute in den
Freihäfen der Karibik. Von den Anfängen des Bremer Überseehandels bis 1815,
Bremen: Selbstverlag des Staatsarchivs Bremen, 1995 (Veröffentlichungen aus dem
Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen, hrsg.v. Adolf E. Hofmeister, Bd.
59).
[127]
Kresse, Walter, Die Fahrtgebiete der Hamburger Handelsflotte 1824-1888,
Hamburg: Museum für Hamburgische Geschichte 1972 (Mitteilungen aus dem Museum
für Hamburgische Geschichte. Neue Folge, hrsg.v. Walter Hävernick, Bd. VII), S.
56-59.
[128]
Hieke, Ernst, Zur Geschichte des deutschen Handels mit Ostafrika, Hamburg 1913,
S. 60f, 101ff; Bohner, Theodor, Der deutsche Kaufmann über See. Hundert Jahre
deutscher Handel in der Welt, Berlin: Deutscher Verlag 1939, S. 463f.; Kresse,
Die Fahrtgebiete ..., S. 189-194, S. 238-242; Ekkehard, Renate; Launer,
Hücking, Aus Menschen Neger machen. Wie sich das Handelshaus Woermann an Afrika
entwickelt hat. Mit einem Vorwort von Luc Leysen (Geschichte der 3. Welt, Bd. 3), LIT-Verlag:
Münster-Hamburg-London, 1997.
[129]
Niephaus, Heinz-Theo, Genuas Seehandel von 1746-1848: Die Entwicklung der
Handelsbeziehungen zur Iberischen Welt, zu West- und Nordeuropa sowie den
Überseegebieten (Forschungen zur internationalen Sozial- und
Wirtschaftsgeschichte, vol. 8), Köln 1975.
[130] Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 12.
[131]
Diese Stelle bezieht sich auf einen Luxusstoff, den Damast, in spezialisierter
Handfertigung aus Leinen (später auch Leinen und Baumwolle) vor allem in
Großschönau in der sächsischen Oberlausitz hergestellt.
[133]
Paquette, Sugar Is Made With Blood ..., passim; Zeuske, „Ethnische Gewalt auf
Kuba zwischen Kolonie und Unabhängigkeit“, in: Domnick, Heinz-Joachim; Müller,
Jürgen; Prien, Hans-Jürgen (Hrsg.), Interethnische Beziehungen in der
Geschichte Lateinamerikas, Frankfurt am Main: Vervuert, 1999 (ACTA COLONIENSIA.
Estudios Ibéricos y Latinoamericanos, eds. Prien/Zeuske, vol. 3), S.
227-237 ; Zeuske, „Typen, Vergleiche, Transfers und das Ende der
atlantisch-amerikanischen Sklavereien“, in: Zeuske, Sklavereien,
Emanzipationen ..., S. 130-196.
[134] PRO, Kew Gardens, F.O. 420/4 (Confidential
Print), S. 14.
[135] Es
waren allerdings Baumwollweber, die den Aufstand im Eulengebirge anführten,
allerdings vor dem breiten Hintergrund der immer tieferen Krise der
Leineweberei, siehe: Hodenberg, Christina von, Aufstand der Weber. Die Revolte
von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos, Bonn: Dietz, 1997, vor allem S. 54-61.
[136]
GStAM, II, Rep. 6, n° 3494, f. 34ff.; Schwarzer, „Der Hamburger Exporthandel
...“, S. 63-68; für Zentralamerika siehe: Brockstedt, Jürgen, Die Schiffahrts-
und Handelsbeziehungen Schleswig-Holsteins nach Lateinamerika 1815-1848
(Forschungen zur internationalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, ed.
H.Kellenbenz, 10), Köln/Wien 1975, S. 112ff.
[137]
Ebd., S. 350.
[138]
Ebd., S. 354.
[139]
Archivo Histórico Provincial de Santiago de Cuba (AHPStC), Protocolos de Giró
(Escribanía Real de Gobierno y de Guerra), Protocolos Juan Giró, leg. 284,
1854, f. 146 y Protocolos Antonio Giró, leg. 277, 1847, f. 597f., siehe auch:
Badura, Sobre la inmigración..., II. Teil, S.. 114ff.
[140]
GStAM, AA II, 2.4.1., nº 649, passim; siehe auch: Kellenbenz, „Die Deutschen in
der Karibik ...“, S. 607-630.
[141]
Esta historia familiar es muy parecida a la historia de la familia Delius de
Bielefeld, véase: Schmidt, Hans, Die Entwicklung der Bielefelder Firmen E.A.Delius,
E.A.Delius & Söhne und C.A. Delius & Söhne und die Betätigung ihrer
Inhaber im Rahmen des Ravensberger Wirtschaftslebens 1787-1925, Lemgo 1926 y
sobre todo: Boeck, Oliver, Kommerz und Politik ..., passim.
[142]
GStAM, Rep. XI, 21 b Central-Amerika, Nr.2. Acta, die Anstellung des van
Teylingen als Consul in West=Indien betr. welche nachher rückgängig geworden,
intus Ziegler, f. 23r-27v.
[143]
Siehe das Testament von Manuel Vidal y Ramón und Ysabel Bauch de Vidal, in:
AHPStC, Protocolos Giró (Escribanía Real Pública de Gobierno y de Guerra),
Protocolos Antonio Giró, leg. 277, 1847, f. 597v.-598v; zur Familiengeschichte
bis heute, siehe: Rodrigo
y Alharilla, Martín, “Una saga de banqueros: la familia
Vidal-Quadras”, in: Historia Social No. 64 (2009), S. 99-119.
[144]
Banko, Catalina, El capital comercial en La Guaira y Caracas (1821-1848)
(Biblioteca de la Academia Nacional de Historia, 47), Caracas: Academia
Nacional de la Historia, 1990, S. 394.
[145]
Bremisches Staatsarchiv, 2-C.16.II.a.1.b: Verträge mit Venezuela, auch Acta,
den Verkehr mit Venezuela überhaupt betreffend (1831-1861) (sin fol.).
[146] Zu
den preußischen Konsuln auf Kuba siehe: Zeuske, Alemanes en el Caribe ...,
passim.
[147] Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 14
[148] Ebd.
[149]
Will, „Quellensammlung zur Geschichte des Deutschtums ...“, passim; Ein
Hamburger auf Kuba..., S. 13; siehe auch: Schneider, „Künste, Theater,
Literatur und Musik in Havanna um 1840“, in: Iberoamérica. Homenaje a Georg
Siebenmann, 2 Bde., München 1983, Bd. II, S. 781-810.
[150]
Kresse, Die Fahrtgebiete ..., S. 57.
[151]
BArchP, Kaiserliches Konsulat in Havana, Nr. 2, Bd. 1, n° 52657, f. 2r.
[152]
Kellenbenz, „Die Deutschen in der Karibik ...“, S. 620; siehe auch: Ein
Hamburger auf Kuba..., S. 14; Alvarez Gutiérrez, Luis, La diplomacía
bismarckiana ante la cuestión cubana, 1868-1874, Madrid: CSIC, 1988.
[153] Saco, José Antonio, „Mi Primera Pregunta. ¿La
Abolición del Comercio de Esclavos Africanos arruinará ó atrasará la
Agricultura Cubana? Dedicada á los Hacendados de la Isla de Cuba, su
compatriota, Madrid: Impr. De Don Marcelina Calero, 1837, in: Saco, El juego y
la vagancia en Cuba/Estudio sobre la esclavitud, La Habana: Editorial Lex, 1960
(Biblioteca Popular de Clásicos Cubanos), S. 107-156, hier S. 129.
[154]
Crosby, Alfred W., Die Früchte des weißen Mannes. Ökologischer Imperialismus 900-1900, Frankfurt
am Main; New York: Campus Verlag, 1991, S. 198f.; Kiple, Kenneth F., The
Caribbean Slave. A Biological History, Cambridge: Cambridge University Press,
1984.
[155] Zur
älteren Forschung siehe: Häbler, Konrad, „Die Anfänge der Sklaverei in
Amerika“, in: Zeitschrift für Social- und
Wirtschaftsgeschichte, Bd. IV (1896), S. 176-223; die neuerer Forschung unter Einbeziehung der
Epidemiologie: Kiple, Kenneth F.; Higgins, Brain T., Yellow Fever and the
Africanization of the Caribbean, in: Verano, John W.; Ubelaker, Douglas H.
(eds.), Disease and Demography in the Americas, Washington and London:
Smithsonian Institution Press, 1992, S. 237-248, S. 237.
[156]
Humboldt, Mexiko-Werk ..., S. 347-355, hier S. 351, 354.
[157] Vitier, Cintio, Lo cubano en la poesía, La
Habana: Instituto del Libro, 1970.
[158]
Sivers, Cuba, Die Perle der Antillen ..., S. 51-52; siehe auch: Schmieder,
Ulrike, “Ganz oben und ganz unten: Das Leben von Aristokratinnen und Sklavinnen
auf Kuba aus der Sicht von europäischen Reisenden des 19. Jahrhunderts“, in:
Matices, Köln (Herbst 2001), S. 25-27.
[159]
KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, f. 6 (auf CD-Rom: Datei
„Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0010).
[160]
Villaverde, „La Habana en 1841“, S. 167-170.
[161]
Vinat de la Mata, Raquel, “El tema feminino en el discurso social del siglo XIX
en Cuba”, in: Contrastes. Revista de Historia, vols. 7-8 (1991-1993), Murcia, S. 21-33; Castañeda,
Digna, „The Female Slave in Cuba during the First Half of the Nineteenth Century”,
in: Engendering History: Caribbean Women in Historical Perspective, ed. Verene
Shepherd; Bridget Brereton, and Barbara Bailey (London: James Currey, 1995), S.
141-154; Zeuske, “Gender and Slave Emancipation in
Cienfuegos and Santa Clara, Central Cuba – A Microhistorical Approach to the
Atlantic World”, in: Scully, Pamela; Paton, Diana (eds.), Gender and Slave
Emancipation in the Atlantic World (demnächst); Ponte Domínguez, Francisco, “La mujer en la revolución de Cuba”, in:
Revista Bimestre Cubana XXXIII (Enero-Junio 1933), S. 276-300; Cupull, Adys;
González, Froilán, Mariana. Raíz
del alma cubana, La Habana: Ed. Política, 1998; zum Blick von Frauen und
Männer: Paravisini-Gebert, Lizabeth, “Oriental imprisonments: Habaneras as seen
by nineteenth century women travel writers”, in: Revista Mexicana del Caribe,
Año III, núm. 5 (1998), S. 142-157.
[162] Childs, Matt, „‘Sewing’ civilization: Cuban
Female Education in the Context of Africanization, 1800-1860, in: The Americas,
vol. 54, No. 1 (July 1997), S. 83-108.
[163] Martínez-Alier, Verena, “El honor de la mujer
en Cuba en el siglo XIX ”, in : Revista de la Biblioteca Nacional “José Martí” XIII (Mayo-Agosto 1971), S.
29-62.
[164] Céspedes, Benjamin de, La prostitución en la
ciudad de La Habana, La Habana: s l. [Tipografía O’Reilly] 1888 ;
Campuzano, Luisa (coord.). Mujeres Latinoamericanas,
Historia y Cultura. Siglos XVI al XIX, 2 Bde., La Habana : Casa de las
Américas : Universidad Autónoma Metropolitana de Iztapalapa, 1997,
Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen
Umbruchs: Das Verhältnis der Geschlechter in den verschiedenen ethnischen und
sozialen Gruppen Lateinamerikas, vorwiegend nach in Deutschland rezipierten
Reiseberichten (vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ca. 1870/80), Fallstudien:
Mexiko, Kuba, Brasilien, Köln 2002 (unveröffentlichte Habilitationsschrift),
S. 355-358.
[165]
Noreña, Carlos, „Los Negros Curros“, in: Costumbristas cubanos del siglo XIX
..., S. 403-408; Ortíz, Fernando, Los
negros curros, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1993.
[166]
Konetzke, Colección …, V (1962), Dokument Nr. 235. Als minderjährig galten
Männer unter 25 und Frauen unter 23, wenn beide Eltern lebten. Wenn nur noch
die Mutter lebte, wurde das Volljährigkeitsalter auf 24/22 Jahre herabgesetzt,
wenn nur noch Großeltern vorhanden waren, auf 23/21 Jahre, wenn keine
Verwandten existierten, auf 22/20 Jahre.
[167] Socolow, Susan M., The Women of Colonial Latin
America, Cambridge: Cambridge University Press, 2000, S. 173; Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer
Periode des historischen Umbruchs …, S.129-133.
[168] Moreno Fraginals, “Glosario de la manufactura
azucarera” (Apéndice 2), El Ingenio …, III, S. 95-163, hier S. 162.
[169]
Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs
..., S. 328-330.
[170]
Ebd., S. 330f.
[171]
Görtz, Carl Graf von, Reise um die Welt
in den Jahren 1844-47, Stuttgart und Tübingen: Cotta 1853, Band 2 : Reise in
Westindien und Südamerika, S. 92.
[172] García Rodríguez, Gloria, La esclavitud desde la
esclavitud. La visión de los siervos, México: Centro de Investigación
Científica „Ing. Jorge Y. Tamayo“, 1996, S. 7-57, passim.
[173] Barnet, Miguel, Cimarrón, La Habana: Gente
Nueva/Instituto del libro, 1967, S. 78f.; Barnet (ed.), Der Cimarrón. Lebensgeschichte eines entflohenen Negersklaven aus Cuba, von ihm
selbst erzählt. Nach Tonbandaufnahmen herausgegeben von Miguel Barnet,
übersetzt von Hildegard Baumgart, mit einem Nachwort von Heinz Rudolf Sonntag
und Alfredo Chacón, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1995 (Neuauflage 1999),
S. 108-109.
[174] Alexander, Capt. James Edward, Transatlantic
Sketches, comprising visits to the most interesting scenes in North and South
America and the West Indies. With Notes on negro slavery and Canadian
emigration, 2 Bände, London : Samuel Benthey, 1833 (Kuba: Band I, S. 315-384), hier: Bd. I, 377;
Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs
..., S. 351.
[175]
Ebd., S. 351f.
[176] Twinam, Anne, “The Negotiation of Honor”, in:
Johnson, Lyman L.; Lipsett-Rivera, Sonya (eds.), The Faces of Honor: Sex,
Shame, and Violence in Colonial Latin America, Albuquerque: New Mexico
University Press 1998, S. 68-102.
[177] Die
subjektive Sicht, mit welchen Ausländern der Umgang standesgemäß für einen
Kaufmann war, bietet Beneke: „Spanier, Engländer, Franzosen und Deutsche auf
Kuba“, in: Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 61-76.
[178]
Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés informa ...“, S. 251-273.
[179]
„Tratado preliminar de límites en la América meridional“ (1777, San Ildefonso),
siehe: Calvo, Carlos, Colección Completa de los Tratados, Convenciones,
Capitulaciones, Armisticios y otros actos diplomáticos de todos los Estados de
la América Latina, comprendidos entre el golfo de Méjico y el cabo de Hornos
desde el año de 1493 hasta nuestros dias precedidos de una memoria sobre el
estado actual de la América, de cuadros estadísticos, de un diccionario
diplomático, y de una noticia histórica sobre cada uno de los tratados mas
importantes, 11 Bde., Paris: Librería de A. Durand; Librería de Mme. C. Denné-Schmitz,
1862, Bd. III (1862), S. 131-167. Zum Hintergrund siehe: Ríos, Juan Miguel de
los, Memoria de las islas de Fernando Póo y Annobón, Madrid: La Sociedad
Matritense, 1844; Arija, Julio, La Guinea Española y sus riquezas, Madrid:
Espasa-Calpe, S.A., 1930; Sundiata, I.K., „’Cuba Africana’: Cuba en Spain in
the Bight of Biafra, 1839-1869“, in: The Americas (TAm), Vol. XXXIV, (July 1977
trough April, 1978), S. 90-101; Kahle, Günter, Lateinamerika in der Politik der
europäischen Mächte 1492-1810, Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag, 1993, S.
55-63.
[180] „Tratado de amistad, garantía y comercio“ (1778,
El Pardo), in: Calvo, Carlos, Colección Completa de los Tratados …, Bd. III, S.
169-191.
[181] Zusammenfassend zum legalen Abolitionsprozeß aus
kubanischer Perspektive siehe: Barcia, María del Carmen, „El proceso de
abolición legal de la esclavitud“, in: Nuestra Historia. Revista
Historiográfice No. 4 (enero-junio de 1993), Caracas, S. 19-30. Der Realprozeß findet sich bei:
Scott, Rebecca J., „Gradual Abolition and the Dynamics of Slave Emancipation in
Cuba, 1868-86“, in: Hispanic American Historical Review, 63 (August 1983), S.
449-477 und Scott, Slave Emancipation ..., passim.
[182]
Insgesamt zum Sklavenhandel (unter Verwendung neuester Forschungsergebnisse und
Dokumente), siehe: Zeuske, Die Geschichte der Amistad. Sklavenhandel und
Menschenschmuggel auf dem Atlantik im 19. Jahrhundert, Stuttgart: Reclam, 2012.
[183] Lopéz Mesa, Enrique, “La trata negrera en el Puerto de La
Habana a mediados del siglo XVIII”, in: Guimerá,
Agustín; Monge, Fernando (Coords.), La Habana, puerto colonial (siglos
XVIII-XIX), Madrid: Fundación Portuaria, 2000, S. 245-253.
[184] Adelman, Jeremy, “Capitalism and Slavery on Imperial Hinterlands”, in:
Adelman, Sovereignty and Revolution in the Iberian Atlantic, Princeton and
Oxford: Princeton University Press, 2006, S. 56-100;
Guerra Vilaboy, Sergio, “Frustración” in: Guerra Vilaboy, Jugar con fuego.
Guerra social y utopía en la independencia de América Latina, La Habana:
Editorial Casa de las Américas, 2010, S. 223-262; Zeuske,
„Una revolución con esclavos y con Bolívar. Un ensayo de interpretación”,
in: Memorias. Revista Digital de Historia y Arqueología desde el Caribe Vol. 8,
núm. 14 (Junio 2011), S. 5-47 http://rcientificas.uninorte.edu.co/index.php/memorias/article/view/2006/1288.
[185] Zeuske, “Las capitanías generales de Cuba y Puerto Rico en el
‘Gran Caribe’”, 1808-1812, in: Chust, Manuel; Frasquet, Ivana (eds.), Los colores de las independencias
iberoamericanas. Liberalismo, etnia y raza, Madrid: CSIC, 2009 (Colección
América), S. 21-48.
[186] Siehe “Documento 1“ und “Documento 2“, in:
Pérez-Cisneros, Enrique, La abolición de la esclavitud en Cuba. Prólogo de
Gastón Baquero, Costa Rica: Litografía e Imprenta LIL, S.A., 1987, S. 43-45.
[187] Torres Ramírez, Bibiano, La isla de Puerto Rico
(1765-1800). Prólogo de don José Antonio Calderón Quijano, San Juan de Puerto
Rico: Instituto de Cultura Puertorriqueña, 1968.
[188] Zur
Geldgeschichte des 19. Jahrhunderts
siehe: Turu, Danielle, “L’argent et les échanges commerciaux à Cuba au XIXe
siècle. Ètude d’une crise èconomique”, in: JbLA 16 (1979), S. 311-339.
[189] King, James F., “The Colored Castes and
American Representation”, in: Hispanic American Historical Review, 33:1 (1953),
S. 33-64; Fradera, José María, “Raza y ciudadanía. El factor racial en la deliminación de los
derechos de los americanos”, in: Fradera, Gobernar colonias, Barcelona:
Ediciones Península, 1999, S. 51-69.
[190] Roldán de Montaud, Inés, “Origen, evolución y
supresión del grupo de negros 'emancipados' en Cuba 1817-1870”, in: RI, XLII,
nos. 169-170 (1982), S. 559-641. Zur Gesetzgebung siehe: ”Emancipados”, in:
Legislación Ultramarina concordada y anotada por D. Joaquín Rodríguez San
Pedro, 2 toms., Madrid: Imprenta de los Señores Viota, Cubas y Vicente, 1865,
Bd. II, S. 597-613.
[192] Madden, Richard, The Island of Cuba. Its
Resources, Progress, etc., in Relation Especially to the Influence of its
Prosperity on the Interests of the British West India Colonies, London: C.
Gilpin, 1849 [span.: La Isla de Cuba. Sus Recursos, Progresos y Perspectivas, trad. por Sarah Méndez Capote, La
Habana: Consejo Nacional de Cuba (Colección Viajeros), 1964].
[193] Urban, Stanley C., “The Africanization of
Cuban Scare, 1853-1855”, in: HAHR 47 (1957), S. 29-45; Paquette, Robert L.,
Sugar Is Made With Blood. The Conspiracy of La Escalera and the Conflict
between Empires over Slavery in Cuba, Middletown, CT: Wesleyan University
Press, 1988.
[194] Hernández y Sánchez-Barba, Mario, “David Turnbull
y el problema de la esclavitud en Cuba“, in: Anuario de Estudios Americanos, t.
XIV (1957), S. 241-299.
[195] Armario Sánchez, Fernando, „La esclavitud en Cuba
durante la regencia de Espartero, 1840-1843”, in: Hispania (Revista Española de
Historia), 43, No. 153, Madrid 1983, S. 129-153, bes.: S. 138-140, 150-153.
[196]
Iliffe, Geschichte Afrikas …, S. 200.
[197] Naranjo Orovio; Balboa Navarro, Imilcy, “Colonos
asiáticos para una economía en expansión: Cuba, 1847-1880”, in: Revista
Mexicana del Caribe, Año IV, núm. 8 (1999), Chetumal, Quintana Roo, S. 32-65.
[198]
Menzel, Der schwarze Traum vom Glück …, S. 70-91.
[199] González, Doria, „Acerca del mercado cafetalero
cubano durante la primera mitad del siglo XIX“, in: Revista de la Biblioteca
Nacional José Martí, No. 2 (1989), S. 151-176.
[200] Vallenilla Lanz, Laureano, “El Gendarme
Necesario”, in: Vallenilla Lanz, Cesarismo Democrático y otros textos, prólogo,
notas, cronología y bibliografía de Nikita Harwich Vallenilla, Caracas:
Biblioteca Ayacucho, 1991, S. 94-109; siehe auch: Vallenilla Lanz, Laureano,
Obras Completas, recopilación, comentarios y notas de Federico Brito Figueroa y
de Nikita Harwich Vallenilla, 2 Bde., Caracas: Fondo Editorial Lola de
Fuenmayor; Centro de Investigaciones Históricas, Universidad Santa María,
1983-1984 (Bd. I: Cesarismo Democático; 1983; Bd. II: Disgregación e
integración : ensayo sobre la formación de la nacionalidad venezolana; 1984;
Plaza, Elena, La tragedia de una amarga convicción : historia y política en el
pensamiento de Laureano Vallenilla Lanz, 1870-1936, Caracas : Facultad de
Ciencias Jurídicas y Políticas, Universidad Central de Venezuela, 1996.
[201] Die besten Forschungen über die soziale Gruppe
der freien Farbigen der “Burguesía de Color”, des farbigen Bürgertums, finden
sich noch immer bei: Deschamps Chapeaux, Pedro, “El funerario Félix Barbosa y
la burguesía de color”, in: Chapeaux Deschamps/Pérez de la Riva, Juan,
Contribución a la historia de gentes sin historia, La Habana: Ed. de Ciencias
Sociales, 1974, S. 5-15 oder: Ders., “Agustín Ceballos, capataz de muelle”, in: Ebenda, S. 17-27; siehe auch: Labarre, Roland, “La
conspiración de 1844: un ‘un complot por lo menos dudoso’ y una ‘atroz
maquinación’”, in: AEA 43 (1986), S. 127-141.
[202] Die
wichtigsten Quellen für dieses Entsetzen sind die Briefe von und an Domingo del
Monte: Centón epistolario de Domingo del Monte, ed. Mesa Rodríguez, Manuel I., 7 Bde., La Habana:
Impr. “El Siglo XX“, 1957, Bd. VII, passim; siehe auch:
Ette, Ottmar, “’Partidos en dos’ : zum Verhältnis zwischen insel- und
exilkubanischer Literatur”, in: Romanistische Zeitschrift für
Literaturgeschichte, 13, Heidelberg (1989), S. 440-453.
[203] Pichardo, Documentos ..., I, S. 327-330, S. 329
(Titel 2, Artikel 9).
[204] Legislación Ultramarina concordada y anotada por
D. Joaquín Rodríguez San Pedro, 2 toms., Madrid: Imprenta de los Señores Viota,
Cubas y Vicente, 1865, Bd. II, S. 572-575. Sechs und mehr
geflohene Sklaven galten als ”cimarrones apalencados” und wurden besonders hart
bestraft.
[205] Sundiata, I.K., „’Cuba Africana’: Cuba en
Spain in the Bight of Biafra, 1839-1869“, in: The Americas (TAm), Vol. XXXIV,
(July 1977 trough April, 1978), S. 90-101, hier S. 93f.
[206] Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico
y legislativo, por D. Félix Erénchun, oidor cesante de la real Audiencia
pretorial de la Habana, año de 1855 (D - L), Habana: Imprenta de la Antilla,
1859, S. 1456-1498. Zu den Gesetzen über den handel mit negros bozales, siehe ebenfalls: Anales
de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y
legislativo, por D. Félix de Erénchun, oidor de la Real Audiencia Pretorial,
año de 1856 (A - B), Habana: Imprenta La Habana, 1857, S. 939-970, mit allen
gesetzlichen Festlegungen von 22. April 1804 (nur Bozales dürfen eingeführt
werden) bis 2. Mai 1857 (Gesetze gegen den Handel mit Bozales) und juristischen
Implikationen (denn nach dem Verbot des äußeren Sklavenhandels durfte es auf
Kuba eigentlich keine Bozales mehr geben).
[207] Fernández Hidalgo, Ana María, “Gobernadores
generales en la Isla de Cuba: sus ideas y proyectos, 1850-1868”, in: Estudios
de Historia Social, 44-47 (1988), S. 213-220. Labarre, Roland, “La conspiración
de 1844: un ‘un complot por lo menos dudoso’ y una ‘atroz maquinación’”, in:
AEA 43 (1986), S. 127-141.
[208] Torrente, Mariano, Memoria sobre la esclavitud en
la isla de Cuba : con observaciones sobre los asertos de la prensa inglesa
relativos al trafico de esclavos, London : C. Wood, 1853; siehe die Geschichte
des Richters an der British Mixed Commission, George Backhouse (1855 in Havanna
ermordet) und seiner Frau zur Zeit der Regierung von Pezuela:
Martínez-Fernández, Luis, Fighting Slavery in the Carribean: The Life and Times
of a British Family in Nineteenth-Century Havana, London: Sharpe, 1998.
[209] Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico
y legislativo, año de 1855 (A - B), Habana: Imprenta del Tiempo, 1856, S. 633,
S. 968-970 „Índice del articulo Bozal”; siehe auch: Anales de la Isla de Cuba.
Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, por D. Félix
de Erénchun, oidor de la Real Audiencia Pretorial, año de 1856 (A - B), Habana:
Imprenta La Habana, 1857, S. 939-970, mit allen gesetzlichen Festlegungen von
22. April 1804 (nur Bozales dürfen eingeführt werden) bis
2. Mai 1857 (Gesetze gegen den Handel mit Bozales) und juristischen
Implikationen (denn nach dem Verbot des Sklavenhandels durfte es auf Kuba
eigentlich keine „neuen“ Bozales mehr geben), S. 968-970 „Índice del articulo
Bozal”.
[210] Zum
Problem der „Taufe“, die auch von Kapitänen der iberischen Sklavenschiffe
vollzogen werden konnte: Thornton, „On the Trail of Voodoo: African
Christianity in Africa and in the Americas“, in: The Americas 44 (1988), S.
261-278, hier S. 269f. Alle Quellen, die ich über neueingeführte Sklaven
gesehen habe, sagen aus, dass sie auf Kuba noch einmal getauft wurden. Generell
zum Problem der Taufe und zur Stellung der katholischen Kirche zur Taufe von
Afrikanern siehe: Vila Vilar, Enriqueta, “La evangelización del esclavo negro y
su integración en el mundo americano“, in: Ares Queija, Berta; Stella,
Alessandro (coords.), Negros, mulatos, zambaigos. Derroteros africanos en los
mundos ibéricos, Sevilla: EEHA; CSIC, 2000, S. 189-206; Martín Casares, Aurelia,
“Cristianos, musulmanes y animistas en Granada: identidades religiosas y
sincretismo cultural“, in: Ebd., S. 207-221, besonders S. 218 und 220; die
Autorinnen zeigt, dass eine grobe kulturelle Unterteilung Afrikas in “Guinea“
(islamische Einflüsse) sowie “Congo“ und “Angola“ getroffen wurde, wo es
stärkere christliche, aber auch animistische Einflüsse gab. Das Problem der
Taufe und vor allem der “Wiedertaufe“ war theologisch nicht einfach zu lösen;
es stellte für einige Prälaten und Orden (vor allem Jesuiten) im 17.
Jahrhundert so etwas wie eine globale Obsession dar.
[211]
Siehe zukünftigt: Zeuske, Cuba grande. Die Geschichte der Sklavinnen und
Sklaven auf Kuba (erscheint 2014).
[212]
Siehe den Brief: George De Wolf letter to Madam Maria Botefeur, Bristol, May
12, 1823, unter:
http://merrick.library.miami.edu/cdm/compoundobject/collection/chc0184/id/2279/rec/1
(27. Mai 2013); sowie: James DeWolf letter to Madam Maria Botefeur, May 9,
1823: http://merrick.library.miami.edu/cdm/compoundobject/collection/chc0184/id/2409/rec/2
(27. Mai 2013). Zu den DeWolfs siehe: Marques, Leonardo, “Slave Trade in a
New World. The Strategies of North American Slave Traders in the Age of
Abolition”, in: Journal of the Early Republic 32 (Summer 2010), S. 233-260.
[213]
Schnurmann, Claudia, Atlantische Welten. Engländer und Niederländer im
amerikanisch-atlantischen Raum 1648-1713, Köln Weimar Wien: Böhlau, 1998
(Wirtschafts- und Sozialhistorische Studien, hrsg. von Stuart Jenks, Michael
North und Rolf Walter, Band 9) (444 S.); Schnurmann, Europa trifft Amerika:
atlantische Wirtschaft in der frühen Neuzeit 1492-1783, Frankfurt, Main:
Fischer Taschenbuch Verlag, 1998 (Reihe Europäische Geschichte). Zu früheren Versuchen von
Hamburgern (und anderen Norddeutschen) Beteiligung am Sklavenhandel zu finden,
siehe: Nettelbeck, Joachim, Ein Mann. Des Seefahrers und aufrechten Bürgers
Joachim Nettelbeck wundersame Lebensgeschichte von ihm selbst erzählt,
Ebenhausen bei München: Wilhelm Langewiesche=Brandt, 1910, S. 19-21; Heinrich
Sieveking: „Die Glückstädter Guineafahrt im 17. Jahrhundert“. in:
Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 30 (1937), S.
19-71; Hermann Kellenbenz, “La place de l'Elbe inférieure dans le commerce
triangulaire au milieu de XVIIe siècle“, in: La traite des noirs par
l'Atlantique. Nouvelles
approches. The Atlantic Slave trade. New Approaches, Paris: Société française
d'histoire d'outre-mer, 1976, S. 186-195; Lüden, Catharina, Sklavenfahrt mit
Seeleuten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck im 18. Jahrhundert, Heide: Boyens & Co., 1983; Theodore Canots
Lebensgeschichte wurde vom Schriftsteller Brantz Mayer aufbereitet, siehe:
Pleticha, Hans (Hrsg.), Sklaven für Havanna. Der Lebensbericht des
Sklavenhändlers Theodore Canot 1826-1839, Stuttgart/Wien: Edition
Erdmann/Thienemann, 1988 (Alte abenteuerliche Reiseberichte); zur Kritik siehe:
Jones, Adam, ”Theophile Conneau at Galinhas and New Sestos, 1836-1841: A
comparison of the Sources”, in: History in Africa 8 (1981), S. 89-106.
[214] Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 71, 94f.
[215] Bergad, Laird W., Cuban Rural Society in the
Nineteenth Century. The Social and Economic History of Monoculture in Matanzas,
Princeton, NJ: Princeton University Press, 1990.
[216] Ely, Ron, Cuando reinaba su majestad el azúcar.
Estudio histórico-sociológico de una tragedia latinoamericana: el monocultivo
en Cuba, Buenos Aires: Ed. Sudamericana, 1963 (Neuauflage: La Habana: IMAGEN
CONTEMPORÁNEA, 2001), S. 390.
[218] Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés
informa ...“, S. 251-273, hier S. 269; Tornero Tinajero, “Sociedad e ideología
en la economía esclavista”, in: Debates Americanos, No. 10, La Habana (Julio-Diciembre
2000), S. 46-58, hier S. 56f.
[219] Johnson, Walter, “Introduction: A Person with
a Price”, in: Johnson, Soul by Soul. Life Inside the Antebellum Slave Market,
Cambridge, Mass.; London, Engl.: Harvard University Press, 2000, S. 1-18.
[220] Zeuske, „Hidden Markers, Open Secrets. On
Naming, Race Marking and Race Making in Cuba, 1870-1940“ (demnächst in: New
West Indian Guide, Leiden, 2002).
[221] Archivo Histórico Provincial de Santiago de Cuba
(AHPStC), Protocolos Manuel Caminero Ferrer (Escribanía Real), leg. 152, 1887,
t. 2 (Julio - Dic.), fols.
853r.-256v., escritura no. 231 ”Venta con pacto de rétro de finca urbana”,
Santiago, 25. August 1887.
[222] Archivo Histórico Provincial de Villa Clara
(AHPVC), Protocolos Antonio Palma Espinoza, Sagua la Grande, 1870, t. 1 (Enero
- Julio), fols. 62r.-66r.,
escritura no. 55 ”Débito con hipoteca”, Sagua, 25. Januar
1870; siehe auch den Brief von Jakob (Jacob) Mildenstein, ev. der Vater Wilhelm
Mildensteins: Jacob Mildenstein, letter to Edward Spalding, Dec., 9, 1823, unter:
http://merrick.library.miami.edu/cdm/compoundobject/collection/chc0184/id/2311/rec/1
(27. Mai 2013).
[224]
Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs
..., S. 325.
[225] Archivo General de Indias, Sevilla, Spanien
(AGI), Estado, legajo 7, exp. 4, La Habana, n° 8,
[226]
Ebd., n° 27.
[227]
Ebd., n° 37.
[228] Dye, Alan, Cuban Sugar Production in the Age
of Mass Production: Technology and the Economics of the Sugar Central,
1899-1929, Stanford: Stanford University Press, 1998.
[229] Zeuske,
Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich:
Rotpunktverlag, 2004.
[230]
Zeuske, „Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung“, in: Humboldt im Netz
(HiN), II, 3 (I. Teil), (2001; Internet-Zeitschrift: www.unipotsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin3.htm); Humboldt im
Netz (HiN), III, 4 (II. Teil) (2002;.../hin_4.htm).
[231]
Poeppig, Eduard Friedrich Karl (1786-1868), siehe: Poeppig, Schilderung der
Insel Cuba und ihrer Bewohner, Philadelphia 1826; Poeppig, “Bruchstücke über
Cuba. Aus den Papieren eines deutschen Reisenden, in: Das Ausland, München
(1839), S. 186-196; Poeppig, Eduard, Im Schatten der Cordillera. Reisen in
Chile, bearbeitet und eingeleitet von Wahrhold Drascher, Stuttgart: Verlag von
Strecker und Schröder, 1927 (Klassiker der Erd- und Völkerkunde, herausgegeben
von Dr. Walter Krickeberg), S. Xf.
[232] Moreno Fraginals, ”Peculiaridades de la
esclavitud en Cuba”, in: Islas, No. 85 (Sept.-Dic. 1986), S. 3-12; Pérez
Guzmán, Francisco, La Habana, clave de un imperio, La Habana: Ed. de Ciencias
Sociales, 1997. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren
meist mehr Sklaven im Bausektor als auf Plantagen beschäftigt, siehe auch:
Díaz, María Elena, The virgin, the king, and the royal slaves of El Cobre:
negotiating freedom in Colonial Cuba, 1670-1780 , Stanford: Stanford University
Press, 2001.
[233] García Rodríguez, Gloria, La esclavitud desde la
esclavitud. La visión de los siervos, México: Centro de Investigación
Científica “Ing. Jorge Y. Tamayo”, 1996,
passim.
[234] Pérez Jr., Louis A., Winds of Change. Hurricanes & the Transformations
of Nineteeth-Century Cuba, Chapel Hill and London: The Univ. of North Carolina
Press, 2001, S. 126-131.
[235] Castañeda, ”The Female Slave in Cuba ...”, S.
141-154.
[236] Zum Zensus von 1877 siehe: Iglesias, Fe, „El
censo cubano y sus diferentes versiones“, in: Santiago, Santiago de Cuba, 34
(Junio 1979), S. 167-214.
[237] Gómez Abreu, Nery, Martínez Casanova, Manuel,
“Contribución al estudio de la presencia de las diferentes etnías y culturas
africanas de la región central de Cuba : zona de Plácetas (1817-1886),
in : Islas 85 (Sept.-Dic. 1886), S. 114-120.
[238] Humboldt, Cuba-Werk ..., S. 157.
[239] Moliner Castañeda, Israel, „Los huidos en la
ciudad de Matanzas“, in: Nuestra Historia. Revista Historiográfica No. 4
(enero-junio de 1993), Caracas, S. 31-62. Zu Merlín: Merlín, María de las Mercedes Santa
Cruz y Montalvo, Condes de, Los esclavos en las colonias españolas, Madrid:
Imprenta de Alegría y Charlain, 1841.
[240] Instituto de Historia de Cuba, Historia de Cuba,
3 Bde., La Habana: Editora Política, 1994, 1996, Bd. I, S. 403, tabla 51.
[241] Turnbull, Travels in the West ..., S. 62.
[242]
KStLSM, Geschäftsbuch-Buch C. W. Jamm , 1850-1856 (auf CD-Rom: Datei
„Geschäftsbuch 1850“, EPSN 0001 - 0063).
[243] Johnson, “Introduction: A Person with a Price
...” , S. 1-18; Bergad; Iglesias García; Barcia, María del Carmen, The Cuban
Slave Market, 1700-1880 (Cambridge Latin American Studies, 79), Cambridge,
N.Y.: Cambridge University Press, 1995.
[244]
KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, f. 9 (auf CD-Rom: Datei
„Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0012).
[245]
Ebd.
[246]
Nach Berechnungen von Bergad; Iglesias García; Barcia, The Cuban Slave Market
..., S. 182 (Table B.2 Continued) lagen die Preise für weibliche Kreolsklaven
im Alter zwischen 15 und 40 Jahren bei 632 Pesos. Kreolsklavinnen waren am
teuersten. Männliche Kreolsklaven dieses Alters kosteten durchschnittlich 463
Pesos.
[247]
KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, f. 18 (auf CD-Rom:
Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0021) ; “chargirt [chargiert]”
könnte sich auf die Einschätzung des Preises durch einen offiziellen Schätzer
beziehen oder einfach auf die Tatsache des Verkaufes.
[248] Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico
y legislativo, por D. Félix Erénchun, oidor cesante de la real Audiencia
pretorial de la Habana, año de 1855 (D - L), Habana: Imprenta de la Antilla,
1859, S. 1456-1498, hier S. 1456: “Am 22. März 1854 wurde
ein Real Decreto verkündet, das ein Register aller Sklaven einrichtete, nicht
nur, um ihre exakte Zahl zu kennen und um endgültig den verbotenen Handel zu
beenden, sondern auch, um eine Kopfsteuer [auf jeden Sklaven – M.Z.] ein zu
führen und zu erheben; eine gerechte, ausgleichende, bescheidene und
bekömmliche Steuer, denn das Sklavenkaufkapital ist das produktivste [der Insel
– M.Z.], man belastet es nur mit einer unbedeuteten Quote“. Zu den Gesetzen
über den Handel mit negros bozales,
siehe ebenfalls: Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico,
estadístico y legislativo, por D. Félix de Erénchun, oidor de la Real Audiencia
Pretorial, año de 1856 (A - B), Habana: Imprenta La Habana, 1857, S. 939-970,
mit allen gesetzlichen Festlegungen von 22. April 1804 (nur Bozales dürfen
eingeführt werden) bis 2. Mai 1857 (Gesetze gegen den Handel mit Bozales) und
juristischen Implikationen (denn nach dem Verbot des äußeren Sklavenhandels
1820 und 1836 durfte es auf Kuba eigentlich keine aus Afrika eingeführten
Bozales mehr geben).
[249]
KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, ohne folio (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat
1850“, EPSN 0073).
[250]
Michaelsen, den wohl das Gewissen drückte, liess 1882 (mit 31 Jahren) extra ein
„Testament“ notariell beglaubigen, in dem er erklärte, er sei nur Vertreter
Schumanns bei diesem Geschäft gewesen: AHPStC, Protocolos Manuel Caminero
Ferrer (Escribanía Real), leg. 152, escritura no.
141 “testamento”, fols. 507r-f. 507v., Santiago de Cuba, 9. Mai 1882.
[251] García Martínez, Orlando, “Los
alemanes en Cienfuegos durante el siglo XIX”, in: Zeuske; Schmieder (eds.),
Regiones europeas y Latinoamérica ..., S.
387-400; Venegas Delgado, Hernán, “La huella alemana en Trinidad de Cuba”, in:
Ebd., S. 401-408.
[252] Zum Ungleichgewicht zwischen
den etwa 6000 Memoiren von Sklaven oder ihren Nachkommen im anglophonen Bereich
und der einen von Manzano im iberischen Bereich, siehe: Jesús Benito Sánchez,
„Narraciones de esclavos afrocubanos y afroamericanos“, in: José G. Cayuela
Frenández (coord.), Un siglo de España: centenario 1898-1998, Cuenca:
Universidad Castilla-La Mancha, 1998, S. 703-716.
[253]Allgemein siehe: Luis, William
(ed.), Voices from under. Black Narrative in Latin America and the Caribbean,
Westport/Conn., 1984. Der wichtigste Testimonio-Roman des
amerikanischen Raumes ist der von Frederick Douglass, My Bondage and my
Freedom, New York: Arno Press, 1968 (deutsch: „Das Leben des Frederick Douglass
als Sklave in Amerika von ihm selbst erzählt“).
[254] Frederic Stimson, Cuba's Romantic Poet: The Story of Plácido, Chapel
Hill: The University of North Carolina Press, 1964; Jorge Castellanos, Plácido,
poeta social y político, Miami 1984; Enildo A. García, Cuba: Plácido, poeta
mulato de la emancipación (1809-1844), New York 1986.
[255] Leopoldo Horrego
Estuch, Martín Morúa Delgado - Vida y mensaje, La Habana 1959; Richard
Jackson, From Antislavery to Antiracism:
Martín Morúa Delgado, Black Novelist, Politician, and Critic of
Postabolitionist Cuba, in: Black Writers in Latin America, Albuquerque: University
of New Mexico Press, 1979, S. 45-52.
[256] Barnet, „Para
llegar a Esteban Montejo: los caminos del cimarrón“, in: ContraCorrientes, año
2, núm 6 (Oct./Nov./Dic. 1996), S. 29-44, hier S. 30; Zeuske, „Novedades de
Esteban Montejo”, in: Del Caribe,
Santiago de Cuba, 2002.
[257] Juan Francisco Manzano, Autobiografía de un esclavo, introducción,
notas y actualización del texto de Ivan A. Schulman, Madrid: Ediciones
Guadarrama, 1975; siehe auch: Bremer, „The Slave Who Wrote Poetry: Comments on
the Literary Works and the Autobiography of Juan Francisco Manzano“, in:
Slavery in the Americas, ed. Binder, Wolfgang, Würzburg 1993, S. 487-502; Susan
Willis, Crushed Geraniums: Juan Francisco Manzano and the Language of Slavery,
in: Charles T. Davis; Henry Louis Gates Jr., The Slave's Narrative, Oxford; New
York: Oxford University Press, 1990, S. 199-224; Sonia Labrador-Rodríguez, La
intelectualidad negra en Cuba en el siglo XIX: el caso de Manzano, in: Revista
Iberoamericana 174 (1996), S. 13-25.
[258] Brief an Domingo del Monte vom 25. Juni
1835, in: Autobiografía, cartas y versos de Juan Francisco Manzano, ed. Franco,
La Habana: Municipio de la Habana, 1937, S. 84.
[259] Stanley Elkins, Slavery, a Problem in American
Institutional and Intellectual Life, Chicago: University of Chicago, 1959;
1968².
[260] Grötsch, Kurt, Der
Kampf um die Integration. Afrokubaner als Protagonisten und Autoren in der
Literatur Kubas des 19. und 20. Jahrhunderts (Editionen der Iberoamericana,
Reihe III), Frankfurt am Main: Vervuert Verlag, 1989, S. 74.
[261] Bueno, Salvador,
“La primitiva narración antiesclavista en Cuba (1835-1839)”, in: Universidad de
la Habana, Núm. 207 (Enero-Marzo 1978), S. 144-150; Bueno, Salvador, “Los
narradores cubanos contra la esclavitud”, in: Cuba Internacional, 149, La
Habana (1982), S. 18-23; Lienhard, Martin, „Afro-kubanische Oralität und ihre
Darstellung in ethnologischen und literarischen Texten“, in: Kuba heute.
Politik Wirtschaft Kultur, hrsg. von Ette, Ottmar und Franzbach, Martin,
Frankfurt am Main: Vervuert Verlag, 2001 (Bibliotheca Ibero-Americana, Bd. 75),
S. 393-410.
[262] Ich
nutze hier einen modernen Titel: Breidenbach, Joana; Zukrigl, Ina, Tanz der
Kulturen : kulturelle Identität in einer globalisierten Welt, Reinbek bei
Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2000 (rororo ; 60838 : rororo-Sachbuch).
[263] Félix Tanco an Domingo del Monte, 1837, in:
Centón epistolario de Domingo del Monte, ed. Mesa Rodríguez, Manuel I., 7 Bde.,
La Habana: Impr. “El Siglo XX“, 1957, Bd. VII, S. 86-87;
Opatrný, “La identidad de los criollos en Cuba del siglo XIX“, in: Riekenberg,
Michael; Rinke, Stefan; Schmidt, Peer (eds.), Kultur-Diskurse: Kontinuität und
Wandel um Identitäten in Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart:
Verlag Hans-Dieter Heinz Akademischer Verlag, 2001, S. 259-278.
[264] Luis, William, „Autobiografía del esclavo
Juan Francisco Manzano: Versión de Suárez y Romero“, in: La historia en la
literatura iberoamericana, ed. Raquel
Chang-Rodríguez/Gabrielle de Beer, Hanover; N.H.: Ediciones del Norte, 1983, S.
259-268; Zeuske, „Schwarze Erzähler - weiße Literaten. Erinnerungen an die
Sklaverei, Mimesis und Kubanertum, Nachwort“, in: Ich, Reyita. Ein kubanisches
Leben. Aus dem Spanischen von Max Zeuske, mit einem Nachwort von Michael
Zeuske, Zürich: Rotpunktverlag, 2000, S. 211-262.
[266] Bergad, Cuban Rural Society in the Nineteenth
Century ..., passim.
[267] Es
handelt sich um Zitate aus Originalbriefen in: Ein Hamburger auf Kuba ..., S.
95ff.
[268] Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 99.
[269]
Grötsch, Der Kampf um die Integration ..., S. 72.
[270] Michael Banton, Racial Conciousness, London
und New York: Longman, 1988; George M., Frederickson, The Arrogance of Race:
Historical Perspectives of Slavery, Racism and Social Inequality,
Middletown/Conn.: 1988; Richard Graham (ed.), The Idea of Race in Latin
America, 1870-1940, Austin: University of Texas Press, 1990; Winthrop
R. Wright, Café con leche: Race, Class, and National Image in Venezuela,
Austin: University of Texas Press, 1990; Howard Winant, Racial
Conditions: Politics, Theory, Comparisons, Minneapolis: University of Minnesota
Press, 1994; Ivan Hannaford, Race. The History of an Idea in the West, Vorwort
von Bernard Crick, Washington, D.C.: The Woodrow Wilson Center Press; Baltimore
and London: The Johns Hopkins University Press, 1996; Peter Wade, Race and
Ethnicity in Latin America, London, New York: Verso, 1997.
[271] Brice Sogbossi, Hippolyte, La tradición ewé-fon
en Cuba. Contribución al estudio de la tradición ewé-fon (arará) en los pueblos
de Jovellanos, Perico y Agramonte, Cuba, La Habana : Fundación Fernando
Ortiz, 1998 (Colección Africanía).
[272] González Echevarría, Roberto, Cuban Fiestas,
New Haven: Yale University Press, 2010.
[273] James, Joel; Millet, José ; Alarcón, Alexis,
El Vodú en Cuba, Santiago de Cuba: Editorial Oriente, 1998 [República
Dominicana : Ediciones CEDEE, 1992], S. 68-85 ; zu den afrokubanischen
Religionen siehe: Dianteill, Erwan, Des Dieux et des signes : initiation,
écriture et divination dans les religions afro-cubaines, Paris : Éditions de
l'École des Hautes Études en Sciences Sociales, 2000 (Civilisations et sociétés
; 103).
[274]
Palmié, Stephan, Das Exil der Götter: Geschichte und Vorstellungswelt einer
afrokubanischen Religion, Frankfurt am Main; Bern: Peter Lang, 1991; Brandon,
Santería from Africa …, S. 37-78; Hernández, Paulino; Avedo, Marta, Santería
Afrocubana. Sincretismo con
la religión católica. Ceremonias y Oráculos,
Madrid: Eride Editorial, 1998; Rubiera Castillo, Daisy “La mujer en la Regla Ocha. Una mirada de
género”, in: Revolución y Cultura, 2-3 (1999), S. 72-78; Pérez Medina, Tomás,
La santería cubana. El camino de Osha. Ceremonias, ritos y secreto, Madrid:
Biblioteca Nueva, 1998; Echánove T., Carlos A (1990) “La santería cubana”, in:
Lázara Menéndez (ed.) Estudios
Afrocubanos. Selección de lecturas, 4 Bde., La Habana: Universidad de La
Habana, Bd.II, S. 229-251 [Reimpresión de Revista Bimestre Cubana de
la Sociedad Económica de Amigos del País, 62 (enero – junio 1957), S. 21-35]
[277] Brice Sogbossi, La tradición ewé-fon en Cuba ...,
S. 15ff.
[278] Thornton, Africa and the Africans …, S. 323;
Moreau de Saint-Méry, Médéric-Louis-Élie, Déscription topographique, physique,
civile, politique et historique de la partie française de l'isle
Saint-Domingue, (1797), ed. Taillemite, Étienne et Maurel, Blanche, 3 vols.,
Paris : Société de l’Histoire des
Colonies Françaises et Libraire Larose, 1958, Bd. I, S. 68.
[279] Thornton, „On the Trail of Voodoo …”, S. 267.
[280] Murphey, Joseph, Santeria: An African Religion
in America, Boston 1987.
[281] Díaz Fabelo, Teodoro, Olorún, La Habana: Ediciones del Departamento de
Folklore del Teatro Nacional de Cuba, 1960.
[282]
Informationen von Félix Tellería Bernal, Babalao in Cienfuegos. Zu den
Anpassungen an das katholische Pantheon, vor allem an das komplizierte Problem
der heiligen Dreifaltigkeit, siehe: Brandon, Santería from Africa ..., S. 17
und 76.
[283]
Brandon, Santería from Africa ..., S. 17.
[284]
Fuentes, Jesús; Gómez, Grisel, Cultos afrocubanos. Un estudio etnolingüístico,
La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1994 (Pinos Nuevos); Sogbossi, La
tradición ewé-fon en Cuba ..., S. 26-27 und S. 34-58 ; James; Millet;
Alarcón, El Vodú en Cuba ..., passim ; Alén Rodríguez, Olavo, „The
Afro-French Settlement and the Legacy of Its Music to the Cuban People“, in:
Béhague, Gerard H. (ed.), Music and Black Ethnicity: The Caribbean and South
America, Miami: North-South Center Press; University of Miami, 1994, S.
109-117.
[285]
Pollak-Eltz, Angelina, Trommel und Trance. Die afroamerikanischen Religionen,
Freiburg; Basel; Wien: Herder, 1995, S. 20.
[286]
Pollak-Eltz, Ebd., S. 21f.; Kardec, Allan, Das Buch der Geister, Wiesbaden: VMA
Verlag, 1957. Vom Spiritismus sind auch Fernando Ortiz und sein
Transkulturationskonzept beeinflusst worden, siehe: Quiñones, Arcadio, “Fernando Ortiz y Allan Kardec:
espiritismo y transculturación”, in: Catauro, Año 1, No. 0 (1999), La Habana,
S. 14-31.
[287] James; Millet; Alarcón, El Vodú en Cuba …, S.
68-85 ; Dayan, Joan, Haiti, History and the Gods, Berkeley/Los
Angeles/London : University of California Press, 1998.
[288] Ein
Hamburger auf Kuba ..., S. 99.
[289] Ebd., S. 60.
[290] Über die Entwicklung des Mambó – eigentlich die
Bezeichnung für eine Vodú-Priesterin – oder der von Haiti beeinflussten
Musikstile des Gagá, des Tajona oder anderer regionaler Stile auf Kuba, wie
verschienender Congas, Parrandas oder des Sucu-Sucu von der Isla de Pinos
wissen wir fast nichts, siehe: James, Joel; Millet, José ; Alarcón,
Alexis, El Vodú en Cuba, Santiago de Cuba: Editorial Oriente, 1998 [República
Dominicana : Ediciones CEDEE, 1992], S. 68-85; zum Thema Musik und
Congo-Tradition, siehe: Vinueza, María Elena, „Presencia y significación de lo
bantú en la cultura musical cubana“, in: Catauro, Año 1, No. 0 (1999), La
Habana, S. 63-83.
[291] Lezama Lima, José, “Paralelos. La pintura y la
poesía en Cuba (en los siglos XVIII y XIX)”, en : Casa de las Américas
VII, 41 (marzo-abril 1967), S. 46-65 (wieder abgedruckt in : Capote,
Leonel, La visualidad infinita, La Habana 1994, S. 66-106); Juan, Adelaida de,
Pintura y grabado coloniales cubanos. Contribución a su estudio, La Habana: 1974.
[292] Rigol, Jorge, “El grabado. Los extrajeros y algún
cubano“, in: Rigol, Apuntes …, S. 141-161.
[293] Saco, Historia de la esclavitud desde los tiempos
más remotos hasta nuestros días, 2 Bde., I und II: Paris: Kugelmann, 1875; III:
Barcelona: Impr. Jaime Jepús, 1877/78.
[294]
Bales, Kevin, Die neue Sklaverei, München: Verlag Antje Kunstmann, 2001;
Zeuske, Sklaven und Sklaverei in den
Welten des Atlantiks, 1400-1940. Umrisse, Anfänge, Akteure,
Vergleichsfelder und Bibliografien,
Münster/Hamburg/London: LIT Verlag, 2006 (Sklaverei und Postemanzipation, ed. Michael
Zeuske, Bd. 1); Zeuske,
Michael, Handbuch Geschichte der Sklaverei. Eine Globalgeschichte von den
Anfängen bis heute, Berlin/ Boston: de Gruyter, 2013.
[295] Blackburn, Robin, The Overthrow of Colonial
Slavery 1776-1848, London: Verso, 1988; Ders., The Making of New World Slavery.
From the Baroque to the Modern 1492-1800, London/New York: Verso, 1997;
Finzsch, Norbert; Horton James O., Horton Lois, Von Benin nach Baltimore. Die Geschichte der African Americans, Hamburg: Hamburger Edition, 1999;
Zeuske, „Hidden Markers, Open Secrets ...”, passim; Zeuske, Sklavereien,
Emanzipationen ..., passim.
[296]
Zeuske, “Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung ...“ (I. Teil und II.
Teil)“.
aus Lexikon Lahr; http://www.badische-zeitung.de/lahr/jamm-christian-wilhelm--64265044.html
Jamm, Christian Wilhelm
Geb. 30.6.1809 in Lahr, gest. 7.5.1875.1875. Kaufmann. Der Sohn des Schlossermeisters Christian Jamm und dessen Frau Elisabeth Dorner wuchs in der heutigen Schlosserstraße auf. Mitte der 1820er Jahre machte er eine Kaufmannslehre bei einem Lahrer Unternehmen und ging anschließend auf Wanderschaft. Angestellt bei einem Seidenversandhaus in Lyon unternahm er internationale Geschäftsreisen, die ihn u.a. nach Havanna/Kuba führten. Hier gründete er vmtl. im April 1847 eine Importfirma für Seiden- und Luxusstoffe. 1850 kaufte er als bereits wohlhabender Kaufmann für seine Familie in Lahr ein Haus (heute: Kaiserstraße 35). Der Versuch, zwei Söhne seines Cousins Carl Jamm in die kubanische Firma zu ziehen, misslang, da sie in Havanna bzw. Vera Cruz an Gelbfieber starben. Ab 1856 hielt er sich wieder häufiger, zunächst auf Geschäftsreisen, in Europa auf. 1858 trennte er sich von seinem Unternehmen und zog nach Paris. 1859 kaufte er in Lahr, wo er jetzt lebte, umfangreiche Grundstücke in der Dinglinger Vorstadt (ehemaliges Gewann "Breite") und erbaute hier bis 1861 eine Villa samt umgebenden Garten (Gut Breitenfeld). Seine Liebesbeziehung zu Amélie de Cantillon aus Paris ließ sich zunächst in Lahr nicht fortsetzen, doch beabsichtigte er noch 1874, sie zu heiraten. Jamm wurde Mitglied in verschiedenen Honoratiorenvereinigungen und am 18. Mai 1874 auch Gemeinderat. Kurz vor seinem Tod betrug sein Vermögen 1,5 Millionen Reichsmark (das durchschnittliche Lohneinkommen pro Arbeiter lag 1875 bei rund 600 Rm/Jahr, ein vierpfündiges Brot kostete 40 - 50 Rpfg.). In seinem Testament vom 15.2.1874 erklärte Jamm völlig überraschend die Stadt Lahr zu seiner Haupterbin, machte jedoch verschiedene Vorschriften zur Verwendung des Geldes. Bedeutsam wurde besonders die Vererbung der Villa und des Gartens, die den Kern des zukünftigen Museums und Stadtparks bildeten. Zudem legte er den Bau der Christuskirche sowie seine dortige Grablege testamentarisch fest. In Lahr erinnern seit 1889 eine Straße, seit 1975 eine Tafel am Museum sowie seit 2008 eine Büste an Christian Wilhelm Jamm.


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