13.01.2016

Deutsche als Sklavenhalter? Christian Wilhelm Jamm aus Lahr im Schwarzwald und die Sklaverei auf KubaLiteratur zu Kolonialismus, Imperialismus und Postkolonialismus


Makro und Mikro in der zweiten Globalisierung: Kuba um 1850 und die Geschäfte des Christian Wilhelm Jamm aus Lahr
Michael Zeuske, Universität zu Köln

Original publiziert unter: Zeuske, „Christian Wilhelm Jamm und die Sklaverei auf Kuba, in: Geroldsecker Land. Jahrbuch einer Landschaft, Heft 45 (2003), S. 19-46 sowie unter: Zeuske: “Deutsche als Sklavenhalter? Christian Wilhelm Jamm aus Lahr im Schwarzwald und die Sklaverei auf Kuba“, in: Zeuske, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich: Rotpunktverlag, 2004, S. 360-372
(vorliegende Version 2013 ist sehr erweitert; Ende 2013 nochmals erweitert um die Informationen zu Matthias Haberhoff/ Matias Averhoff)





Über Christian Wilhelm Jamm, den „Wohltäter“ der Stadt Lahr im Schwarzwald, ist schon viel geschrieben worden. Ich will hier keine biographischen Details oder andere Begebenheiten aus seinem Leben in Deutschland hinzufügen. Einiges aus seinem „kubanischen“ Leben ist allerdings seit jeher enigmatisch, rätselhaft geblieben. Wie hatte Jamm sein Geld, das viele Geld, das er 1875 zu großen Teilen der Stadt Lahr vermachte, verdient? Immerhin war Kuba die „Sklaveninsel“ par excellence der westlichen Hemisphäre. Selbst im Süden der USA war die Sklaverei infolge des Bürgerkriegs zwischen Norden und Süden 1862/65 verboten worden. Auf Kuba wurde die Aufhebung der Sklaverei erst 1886 proklamiert.


Steckt also „Sklavenblut im Stadtpark“ (Thorsten Mietzner) von Lahr? Ich will zur Beantwortung dieser komplizierten Frage kurz auf den Debattendiskurs und auf die wichtigste Argumentationsfigur darin, die vom “Sklavenblut“ (resp. “schmutziges Geld“) eingehen. Diese Argumentation und ihre rhetorischen Figuren sind fast wortwörtlich von Rübenzuckerproduzenten in Deutschland gegen die überseeische, meist auch kubanische Konkurrenz des „Sklavenzuckers“ benutzt worden.


Zweitens möchte ich den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Hintergrund von Jamms „kubanischem“ Leben schildern, vor allem in Form einer Synthese der Geschichte Kubas und Havannas zwischen 1830 und 1860.


Drittens will ich gerne kurz die deutsche Kaufleute-Kolonie auf Kuba und in der Karibik vorstellen, um auf vor diesem Hintergrund das Problem der „Sklavengeschäfte“ Jamms endgültig zu klären – soweit das für einen Kuba- und Sklavereihistoriker möglich ist.

Das „Blut- und Sklavenargument“
Das Argument vom „Sklavenblut“-Anteil in einem bestimmten Produkt kam in Europa im 19. Jahrhundert zunächst im Zusammenhang mit einem, vielleicht dem, Massenkonsumgut der entstehenden Industriegesellschaft auf - Zucker.[1] Das scheint auf den ersten Blick nicht viel mit Jamm zu tun zu haben. Auf den zweiten Blick ergibt sich aber die logische Schlussfolgerung, dass er sein Geschäft und das Geld, welches er damit verdiente, vor allem das Geschäft mit Luxustextilien und Seidenstoffen, dem Reichtum einer kaufkräftigen Oberschicht in Havanna und Matanzas verdankte, die ihrerseits ihr Geld im Zucker gemacht hatte.

Auch fällt die Ähnlichkeit der Worte, der Rhetoriken und Argumente in das Auge. Deshalb will ich hier zunächst den Diskurs zum „Sklavenblutanteil“ darlegen und analysieren.
Der Ansatz liegt, salopp gesagt, beim Kampf zwischen „Rübe versus Rohr“. Die Konkurrenz des Zuckers aus Rüben mit dem „Kolonialzucker“ hat eine einhundertsechzigjährige Geschichte [2013 einhundertsiebzigjährige]. Der europäische Rübenzucker trat etwa um 1840 gegen das „Millenium des Rohrzuckermonopols“[2] auf den Weltmarkt der zweiten Globalisierung an. Wir leben heute, nach diesem Modell, in der dritten oder vierten  Phase  der „Globalisierung“. Die erste Globalisierung Westeuropas setzte, Vorläufer, wie die Kreuzzüge, außer Acht lassend, etwa 1400 ein und erreichte 1492-1560, mit der europäischen Expansion nach Übersee einen ersten Höhepunkt. Die zweite Globalisierung war etwa identisch mit der Vernetzung der Welt durch Dampfmotoren und Schienennetze sowie Telegraphen in der Industrialisierung (etwa 1800-1870). Kuba war zu dieser Zeit schon wichtigster amerikanischer Zuckerproduzent. Die Insel hatte seit 1840 die Spitze in der Weltproduktion von Zucker eingenommen, war also, nach heutiger Rhetorik, ein „Global Player“ des Zuckers.[3] Der Anteil der Sklaven an der Bevölkerung der Insel erreichte 1840-1846 ebenfalls Spitzenwerte und übertraf erstmals die Anteile der weissen Bevölkerung.[4] Mit dem Siegeszug des europäischen Rübenzuckers, der bis 1900 etwa 50% Marktanteile in der Welt erlangte, erreichte auch die Polemik um die beiden Süßpflanzen einen Höhepunkt.[5] Die Debatte hatte im frühen 19. Jahrhundert einen Schwerpunkt in Frankreich, wo die Schlacht zwischen „sucre indigène vs. sucre exotique“ besonders hart tobte. [6] Die Kontroverse fand sogar Eingang in die politische Karikatur eines Honoré Daumier.[7] Auch Alexander von Humboldt äußerte sich zur Debatte[8] - er sah bereits in den zwanziger Jahren die Bedrohung der karibischen Zuckerproduktion durch den europäischen Rübenzucker voraus. [9]
Das eben geeinte wilhelminische Deutschland avancierte in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts zum europäischen Hauptproduzenten und -exporteur von Rübenzucker.[10] In Kuba markierte die endgültige Abolition der Sklaverei [11] (1886) eine neue Stufe des radikalen, allerdings regional und sektoral begrenzten Modernisierungs- und Zentralisierungsprozesses der Zuckerproduktion unter massiven Investitionen zunächst vor allem hispano-kubanischen Handelskapitals.[12] Das kleine Kuba und das große Deutschland waren seit etwa 1850 Konkurrenten auf dem Weltzuckermarkt geworden; für die Masse der deutschen Bevölkerung allerdings zählte nach Hermann Paasche Zucker 1891 „noch immer zu den Gegenständen des Luxuskonsums“.[13] 
Besonders in Krisenzeiten wurde in Deutschland die „Gefahr Kuba“ bemüht: „Unter allen Zucker erzeugenden Ländern beansprucht Kuba unser größtes Interesse“, schrieb ein Autor noch 1920.[14] Diese Furcht des großen Reiches vor der kleinen Antilleninsel mit ihren knapp 1,5 Millionen Einwohnern (1899) mag übertrieben erscheinen und lächerlich wirken. Schon 1901 aber analysierte der landwirtschaftliche Sachverständige Karl Kaerger den Wiederaufstieg des Konkurrenten nach dem verheerenden Unabhängigkeitskrieg 1895-1898.[15] Zuckerexperte Julius Wolf fügte 1906 weitere Dimensionen der „Gefahr Kuba“ hinzu. Im Vorwort einer Zuckerstudie hielt er fest: Einmal sei sein Buch geschrieben „mit Rücksicht auf das von Deutschland und auch von anderen europäischen Mächten noch auszutragende Geschäft mit den Vereinigten Staaten, sodann aber mit Rücksicht darauf, daß der historische Kampf zwischen Rohr- und Rübenzucker gegenwärtig neu auflebt“.[16] Der Autor präsentierte eine Analyse des Weltzuckermarktes und seines deutschen Anteils „unter spezieller Berücksichtigung der demselben durch die kubanische Produktion drohenden Gefahr“.[17] Damit stellte er die „Gefahr Kuba“ in einen größeren und weniger direkt wirtschaftlichen Zusammenhang, den ein heutiger Historiker mit dem treffenden Begriff „Ausbeutung der geographischen Position der Insel durch ihre Eliten“[18] erfaßt hat. Es ging also nie um Kuba allein, sondern um Kuba als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“[19] mit äußerst günstigen Standortfaktoren (u.a. niedrigen Arbeitskosten), d.h., um neue Boomwirtschaften in der zweiten Globalisierung, um die Kapazitäten [20] und natürlichen Bedingungen der Antillenperle als Brückenkopf eines karibisch-nordamerikanischen Wirtschaftsimperiums.[21]
Auch seitens kubanischer bzw. spanischer Wirtschaftsexperten wurden die europäische und die deutsche Zuckerrübenproduktion relativ schnell als Gefahr und Herausforderung begriffen. [22] Der wichtigste Exponent der „europäischen“ Bedrohungsbeschwörung wurde seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Spanier Ramón de la Sagra.[23] Heutige Autoren erwähnen zwar die Bedrohung der kubanischen Zuckerproduktion durch die „Rübenkonkurrenz“ immer wieder. Aber das Thema ist kaum auf systematische Weise vergleichend untersucht worden. [24] Ausnahmen bilden in gewissem Sinne die Klassiker der Zuckergeschichtsschreibung Deerr, Lippmann, Baxa/Bruhns, Mintz und Galloway,  sowie das kubanische Standardwerk El Ingenio von Manuel Moreno Fraginals.[25]
Das meistbenutzte und für die zeitgenössische Mentalität wohl auch schlagkäftigste Argument in der Kontinentaldebatte Europa-Amerika ist das der Sklaverei bzw. das Argument vom „Blutzucker“[26] gewesen. Achard beispielsweise betrachtete seine Bemühungen um die Rübenzuckerproduktion als „patriotische Tat“, die sich auch gegen die „Kolonial-Sklaverei“ in den Rohrzuckerländern richtete, wo „Blutzucker“ hergestellt werde[27], eine These, die von Karl Marx[28] und Eric Williams[29] weitergesponnen wurde. Die „Blutzucker-These“ wurde dann zur “Williams-These” über die Finanzierung des britischen Kapitalismus.[30] Sie hat sich auch als Klischee ausgebreitet.[31] Unter dem Stichwort „Humanität“ wird es heute noch gern als nachträgliche Rechtfertigung für den Ausbau europäischer Zuckerkapazitäten benutzt.[32] Ohne die Konkurrenzsituation von Rübe (Europa) und Rohr (Amerika) allerdings ist die Debatte nicht zu dechiffrieren und auch die Fragen nicht zu klären, ob denn die durch die Konkurrenz erzwungene „Freiheit“ der Sklaven nach 1886 auch ein Mehr an humanitären Bedingungen gebracht hat oder ob die Libertos, die seit 1886 endgültig freien, ehemaligen Sklavinnen und Sklaven, als Teil einer multiethnischen Saisonarbeiterschaft im Zucker auch als Freie verelendeten. Aber Freiheit ist eben auch und vor allem seit 1789 ein Wert und ein Menschenrecht an sich.

Das Bild[33], welches Humboldt in seinem Essai politique [34] von Kuba zeichnete, ist bis heute unerreicht.[35] Sein Bild Kubas erfaßt in „Konstruktion“ und Text das wichtigste sozialpolitische, wirtschaftliche und kulturelle Problem der Jahre 1800-1820: die Alternativsituation „Ausweitung oder Verringerung der Sklaverei?“ im Umfeld der zweiten Globalisierung, die Kuba mit einem weltweiten Massenmarkt für Zucker die Chance zu einer extremen Produktionssteigerung bot. Einige Mikroregionen Kubas zwischen den Städten Havanna-Matanzas sowie dem Fischerhafen Batabanó im Süden (denn der Zuckerboom gründete sich am Beginn, etwa um 1800, auf ganze 4% des kubanischen Territoriums) stiegen von einer Peripherie des Ancien-régime-Kolonialsystems (in dessen Zentrum das französischen Saint-Domingue und das englische Jamaika gestanden hatten)[36] zu einem regionalen Zentrum auf; in bezug auf die Zuckerproduktion war es sogar das Zentrum der Welt; die Metropole Spanien in gewissem Sinne sein Anhängsel.
Humboldt selbst hielt den Prozess der intensiven tropischen Zuckerproduktion auch ohne Sklaven für möglich. Im Essai Politique über Kuba analysiert er Grundkonstellationen dieser Alterität am Beginn der zweiten Globalisierung, beispielsweise den Im- und Export der Insel (vor allem Havannas), den Luxus-Import und den Mangel an Nahrungsmittelproduktion im „großen Kuba“ der Zuckerproduktion mit Massensklaverei (eine der makrowirtschaftlichen Grundvoraussetzungen für Jamms Wirken!). Dann öffnet er die Zukunftsperspektive einer vermehrten Nachfrage durch Stärkung des inneren Konsums im Rahmen der Konzeption eines „kleinen“ Kuba und schreibt: „Wenn der Sklavenhandel ganz aufhört, so werden die Sklaven nach und nach in die Klasse der freien Menschen übertreten und eine aus neuen Elementen gebildete Gesellschaft wird, ohne die Erschütterungen bürgerlicher Zwiste zu erleiden, in jene Bahnen übergehen, welche die Natur allen zahlreichen und aufgeklärten Gesellschaften vorgezeichnet hat. Der Anbau des Zuckerrohrs und des Kaffeestrauchs wird nicht vernachlässigt werden; aber es wird derselbe ebensowenig die Hauptgrundlage des Bestands der Nation bleiben, wie dies die Kultur der Cochenille für Mexico, die des Indigo für Guatemala und diejenige vom Kakao für Venezuela ist.“[37]
Ich habe die Wirtschaftsentwicklung Kuba und der Zuckerwirtschaft hier noch einmal recht ausführlich im Zusammenhang mit den „Sklavenblutargument“ geschildert, um eines deutlich zu machen. Kuba war um die Mitte des 19. Jahrhunderts nicht irgendein fernes und armes Land (wie es uns heute manchmal erscheint), es war auch nicht zurückgeblieben oder „unterentwickelt“ (im Rahmen des damaligen Denkens), sondern es war eine Boomwirtschaft der zweiten Globalisierung, ein sehr ernstzunehmender Konkurrent europäischer Wirtschaften und zugleich ein Mythos des Reichtums unter der Tropensonne.[38]
Auf Christian Wilhelm Jamm bezogen heisst das, die Zuckerboom-Wirtschaft, die seit 1826, vor allem aber mit Humboldts berühmten „Essai Politique“, der ganzen Welt bekannt geworden war, zog die Kaufmannsselite der atlantischen Welt und auch den Textilkaufmann Jamm an.[39] Auf Kuba, wo Geld aus der Zuckerwirtschaft und damit eine kaufkräftige Kundschaft da waren, konnte er seine Waren verkaufen. Ein Humboldt war er nicht, nicht nur, weil vielleicht nicht so wissenschaftlich gebildet war, sondern vor allem, weil wir kein Wort von Jamm gegen die Sklaverei kennen. Er hat die Wirtschaftsform „Zucker und Massensklaverei“ auf Kuba offensichtlich hingenommen.

Havanna um 1850 – die Metropole des Atlantik


Das führt uns zur Frage: was machte die Attraktivität Kubas und Havannas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus?
            Cirilo Villaverde, der Zola Kubas, schrieb schon 1841 nieder, Havanna sei Kuba, ebenso wie London England oder Paris Frankreich repräsentiere.[40] Der Hafen von Havanna und die Stadt an seiner Zufahrt sowie die Insel waren seit den Zeiten der Segelschifffahrt wirklich der “Schlüssel der Neuen Welt und Schutzmauer Westindiens”. Das war bereits seit den ersten schweren Korsarenangriffen der Franzosen Mitte des 16. Jahrhunderts oder mit der Eroberung sowie etwa einjährigen Besetzung durch die Engländer 1762/63 deutlich geworden und war mit der Gründung des Flottensystems sanktioniert worden. [41]
            Diese geostrategische Position in einer imperialen Struktur, dem spanischen Imperium - zwischen den Kontinenten sozusagen - einer relativ kleinen Stadt mit einer quantitativ recht geringen, aber festgefügten und einflußreichen Oberschicht (um 1800 etwa 500 Familien) hat seit dieser Frühzeit die Mentalität der Eliten zutiefst geprägt, wie Allan Kuethe zu Recht festgestellt hat. Die Oligarchie Havannas hat sich, meist in Verbindung mit schnell gezähmten Funktionären Spaniens, verhältnismäßig zeitig als eine imperiale Elite, als herausgehoben gegenüber den anderen Oberschichten Spanisch-Amerikas, empfunden. Die kreolische Oligarchie Havannas hat in und mit dieser Mentalität seit jeher aus einer scheinbaren Position der Schwäche, aber im klaren Bewußtsein ihrer geopolitischen Stärke, Imperien gesucht und gefunden und deren Eliten manipuliert. Über die neuesten Ansätze „Empire“ zum Subjekt der historischen Entwicklung in der heutigen Globalisierung[42] zu machen, hätten Vertreter dieser Elite nur wissend gelächelt. Besonders deutlich wird diese Mentalität im Handeln und in der selbstbewußten Sprache von Francisco de Arango y Parreño (1765-1837), dem Adam Smith der Zuckerwirtschaft mit Massensklaverei.[43] Aber die traditionellen Zäsuren der kubanischen Historiographie übergreifend, gilt diese Mentalität sowohl für die Kolonialzeit gegenüber Spanien, aber auch für die Zeit der sog. “neokolonialen Republik” (1902-1959) gegenüber den USA und von 1961 bis 1990 gegenüber dem sowjetischen Imperium; natürlich mit unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen. Die Bedeutung und das weite Interesse, das Kuba immer gefunden hat, wären sonst kaum rational erklärbar. Es hat sich relativ zeitig ein Mythos um diese Insel gebildet. 

            Der Stadt Havanna sieht man noch heute an, dass sie einst die Königin der Karibik und imperiales Zentrum des Atlantik gewesen ist. Diese Geschichte begann, als sich mit dem Cortés-Zug die strategische Richtung der Conquista in Richtung Neu-Spanien (Mexica-Reich, Mexiko) verlagerte. Im eigentlichen Sinne gilt die immer wieder zitierte Ehrenbezeichnung „Schlüssel der Neuen Welt“ nur für die Stadt und den strategischen Hafen San Cristóbal de la Habana und ihr Umland. Bereits seit der Einrichtung des Systems der flotas y galeones, der Flotten und Galeonen, in den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts war die Stadt der zentrale Sammelpunkt der nach Europa zurückkehrenden Flotten geworden. Sie wurde auch, wie Moreno Fraginals es bezeichnet hat, Zentrum eines umfangreichen imperialen Tertiärsektors vor allem im Schiffs- und Festungsbau sowie in der Versorgung der Flotten. Kuba - womit eben vor allem Havanna gemeint war - bildete bis weit in das 18. Jahrhundert hinein die wichtigste Dienstleistungs- und Handelskolonie des spanischen Imperiums.
Die Silberproduktion in Peru verzeichnete im siebzehnten Jahrhundert einen langsamen und relativen Rückgang. Das karibisch-mittelamerikanische Handelszentrums Portobelo befand sich im Niedergang. Die Silberzentren im Vizekönigreich Neu-Spanien aber produzierten immer mehr. Damit verstärkte sich die Position der Antillenmetropole. Havanna wurde ab 1561 neben seiner Rolle als Dienstleistungszentrum in einer Seeökonomie nun auch zur Empfänger- und Verteilerstadt von mexikanischem Silber. Zugleich war der Hafen in einer der berühmten Bolsabuchten der Insel der äußere Vorposten des spanisch-amerikanischen Kernreiches. Havanna wurde zum Hafen Neu-Spaniens. Es schützte zusammen mit San Juan de Puerto Rico die Atlantikfassade der kontinentalen Besitzungen sowie Florida und war zugleich letzter Hafen vor der langen Ozeanpassage nach Europa. Die Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts heben immer wieder hervor, daß im Hafen Havannas tausend Schiffe Platz hätten. Deshalb gab die Krone viel Geld für diese Stadt aus, mehrheitlich situados[44] aus Neu-Spanien. Die Gelder blieben zum großen Teil in Havanna bzw. gingen weiter an andere koloniale Subzentren, wie Santiago de Cuba, Matanzas, Jagua, Baracoa, San Agustín in Florida, Santo Domingo, Puerto Rico und mit einiger Regelmäßigkeit auch an die Plätze Cumaná, Panzacola und Nueva Orleans (seit 1763), manchmal sogar nach Santa Marta und Cartagena sowie Panamá. Dieses Verteilerzentrum als ein Schwerpunkt des imperialen Kommunikations- und Kontrollsystems mußte bereits relativ zeitig sowohl durch das allgemeine Kolonialmonopol (d.h., politisch-juristisch), aber auch praktisch-militärisch gegen andere Mächte geschützt werden. [45]
Die Finanzierung dieser Verteidigungs- und Festungsbau-Maßnahmen erfolgte weiterhin meist über die bereits erwähnten Situados von Mexiko; in Kuba, besonders Havanna, zirkulierten zwischen 1560 und 1820 immer bedeutende Summen „imperialen Geldes“ (die Tradition setzte sich – natürlich unter anderen Bezeichnungen – bis in die Zeiten des Kalten Krieges fort). Havanna bildete weiterhin, neben seiner Rolle als wichtigstes Empfänger- und Verteilerzentrum des mexikanischen Silbers und amerikanischer Schnittpunkt der imperialen atlantischen Kommunikationen, die wichtigste Säule im imperialen Militärkonzept der bourbonischen Reformer des späten 18. Jahrhunderts. In der Stadt gab es immer verhältnismäßig viele hohe Offiziere und Beamte, die hohe Gehälter bezogen. 1728 war zudem noch die Universität von Havanna – heute eine der schönsten Universitäten der Welt - als die prominenteste Bildungseinrichtung der Insel von Dominikanern gegründet worden. Die Oberschichten der Kreolen hatten dadurch, im Unterschied zu den Bewohnern englischer, holländischer oder französischer Kolonien, die Gelegenheit, höhere Bildung in Amerika selbst zu erwerben. All dies weist in unserem Zusammenhang darauf hin, daß in Havanna immer eine kaufkräftige Abnehmerschicht für Luxuswaren existierte. Havanna war auch, trotz gelegentlicher Klagen etwa von Deutschen über mangelde „Bildung“, im 19. Jahrhundert auch ein Zentrum der Hochkultur (Musik, Oper, Theater, Tanz, Gesang, Zoologischer Garten, Bäder), der Mode und des exklusiven Lebensstiles.[46]
1791 brach im benachbarten Saint-Domingue (seit 1804 Haiti) die mächtigste Sklavenrevolution der Weltgeschichte aus. 1810 bis 1830 befreiten sich Mexiko und Südamerika (unter Simón Bolívar) vom spanischen Kolonialismus. Allerdings blieben die neuen Republiken auf Jahrzehnte instabil und konnten keine wirtschaftlich Entwicklung im Sinne der zweiten Globalisierung aufweisen. Nettogewinner dieses eigentlich – im imperialen Sinne für Spanien – gigantischen Verlustgeschäftes wurde Kuba. Genauer, die Eliten Havannas. Zunächt gewann die Insel Menschen. Schätzungen über französische Immigranten im Ostteil Kubas gehen von 10 000 bis 30 000 Menschen aus.[47] Zunächst kamen sogar aristokratische Flüchtlinge aus Frankreich selbst, dem Mutterland der modernen Revolutionen. 1798 beispielsweise kam Louis Philippe, Herzog von Orléans, mit zweien seiner Brüder, dem Herzog von Montpensier und dem Grafen von Beaujolais (noch als Louis Philippe schon “Bürgerkönig” von Frankreich war, schickten ihm kubanische Freunde Guayaba-Paste nach Paris).[48] Alain Yacou hat ausgezählt, dass allein zwischen Juni 1803 und dem 31. Januar 1804 18213 Personen aus Saint-Domingue nach Santiago de Cuba kamen.[49] Dazu kamen seit 1795 viele Menschen aus den an Frankreich abgetretenen Santo Domingo (darunter die Eltern von Domingo del Monte).[50] Meist handelte es sich um recht begüterte Pflanzer. Viele Franzosen mussten zwar wegen des antifranzösischen Dekrets von 1809 die Insel wieder verlassen, etwa 6600 aus Baracoa, Santiago und La Habana.[51] 1803/04 kamen viele Spanier und Kreolen aus Luisiana, vor allem aus New Orleans nach Kuba (Frankreich hatte Louisiana 1763 an Spanien abgetreten; Napoleon hatte es 1800 Spanien wieder abgenommen und dann 1804 an die USA verkauft).[52] Seit 1811 kamen wegen der Wirren der Unabhängigkeitskriege Menschen aus Venezuela und Neu-Granada, auch wohl aus Mexiko, dann seit 1817 wieder sogenannten Floridanos (für Forida existierte bereits ein Tradition, die auf den Auszug bei Übergabe an Großbritannien zurückging).[53] Bei diesen Menschen handelte es sich meist um Kolonialeliten, spanische Kaufleute und imperiale Beamte.
Aber auch bitterarme Menschen erreichten Kuba. Zwischen 1789 und 1867 kamen ca. 600.000 bis 800.000 Menschen aus Afrika nach Kuba, zwangsweise. Auch ca. 150.000 bis 170.000 Kantonchinesen migrierten nach Kuba und wurden unter sklavereiähnlichen Bedingungen als Kontraktarbeiter (Kulis; asiáticos) eingesetzt.
Der Zerfall des alten spanischen Imperiums brachte Menschen und damit Humankapital, wie auch reales Kapital (allerdings auch zeitweilig hohe Mehrausgaben) nach Kuba und verschaffte den Territorien des neuen spanischen Insel-Imperiums (seit 1830 hatte Spanien nur noch Inseln – Kuba, Puerto Rico, die Phillippinen, die Karolinen, die Ladrones, Guam, die Kanaren und Fernando del Póo sowie einige Küstenplätze in Nord- und Westafrika als Kolonien) günstige Startbedingungen in der zweiten Globalisierung. Das Kapital und das Know How waren wichtig für die Entwicklung der Zuckerwirtschaft. Mit dem Krieg um die Unabhängigkeit der USA (1778-1783) und dem Niedergang des karibischen Konkurrenten Saint-Domingue (1791-1804) erkannten weitblickende Eliten die Chance der Insel in der Zuckerproduktion. Sie entwickelten das Modernisierungsprojekt eines “großen” Kuba der Zuckerplantagen und der Massensklaverei. Die Medienarbeit und die Pression bei Hofe für das Zuckerprojekt in dieser zweiten Globalisierung übernahm Francisco de Arango. Aber es geschah mehr. Arango erfand eine Tradition. Und die Elite von Havanna übernahm jetzt auch diskursiv die Führung in diesem von der Krone angestoßenem Prozeß bzw. ließ damit für jeden, der lesen konnte, erkennen, dass sie diese Führung in Realität lange schon hatte. In der Diktion des “Discurso sobre la Agricultura de la Habana y medios de fomentarla” (1792)[54] des kreolischen Sklavereiideologen Arango y Parreño, liest sich das so: Die englische Besetzung “gab Havanna auf zweierlei Art Leben; die erste kam mit den beträchtlichen Reichtümern, mit der großen Anzahl von Negern, Gebrauchsgegenständen und Stoffen, die der Handel Großbritanniens in nur einem Jahr hereinströmen ließ; und die zweite, indem sie unserem Hof die Bedeutung dieses [strategischen] Punktes bewies und all seine Aufmerksamkeit und Vorsicht auf ihn zog“.[55] Nicht einmal die radikalen Liberalen im Mutterland Spanien, in den Cortes von Cádiz, die zunächst den Sklavenhandel hatten verbieten wollen, aber auch schon kritisch über die Sklaverei selbst diskutierten, konnten sich der starken Argumente der kubanischen Boomwirtschaft entziehen: sie wurden in den Debatten überstimmt und die Cortes dekretierten 1813 die Befreiung des Sklavenkaufs  und  - verkaufs von der Alcabala-Steuer.[56] Eine der Akkumulationsquellen des hispano-kubanischen Kapitalismus wurde steuerfrei gestellt.
Hier entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zwischen 1800 und 1850 diejenigen Gruppen und Klassen, aus denen die Kundschaft Jamms kam. Wie wir gesehen haben, hatten die aus Louisiana oder Saint-Domingue geflohenen „Franzosen“ wahrscheinlich auch noch französisches „Markenbewusstsein“ bei der Wahl ihrer Kleidung und Unterwäsche.
Das Ursprungsgebiet des “großen” Kuba der modernen Ingenios und der Zuckerwirtschaft des 19. Jahrhunderts wurde „das schöne Tal von Güines“[57] südöstlich von Havanna. Alexander von Humboldt hat es beschrieben. Dort legten französische Zuckerfachleute aus Saint-Domingue mit dem Geld der Calvo de la Puerta, Jaruco und Arango neue, große Zuckerplantagen an. Das idyllische Tal wurde zum Geburtsort des vollmechanisierten Ingenios, die in bezug auf Technologie das 19. Jahrhundert bis 1870 dominieren. Seit 1837 existierte die erste Eisenbahnlinie Amerikas zwischen Havanna und Güines. Zwanzig Jahre später waren alle damaligen Plantagenzonen und die wichtigsten Häfen miteinander vernetzt.[58] Die spätere Provinz Matanzas wurde zum Herz der Plantagenzone, zum Herzen des “großen” Kuba. [59] Die kubanische Kaffeewirtschaft wurde durch drei schwere Hurrikans 1844/46 und die Zuckerkonkurrenz vernichtet. Die Tabakwirtschaft stellte eine weitere Variante der erfolgreichen tropischen Exportproduktion dar. Diese Produktionsform gründete sich allerdings auf bäuerlichen Familienbesitz (mit Sklaven!) und gewann niemals die gleiche Kraft wie die Zuckerproduktion in der Okkupation von Boden oder bei der Zerstörung der alten Haciendas Comuneras. Tabakbauern gehörten eher in Ausnahmefällen zu den Kunden von Jamm. Allerdings wird Christian Wilhelm Jamm, wenn er denn Raucher war, zu den Kunden der Zigarrenproduzenten, vielleicht sogar zu den Kunden der deutschen „Kubaners“ Upmann[60], gehört haben. Die Tabakproduzenten traten zum Teil sogar als Verteidiger alter Besitzstrukturen auf. Nur dort konnten sie ihre Subsistenz auf billige Art und Weise absichern. Mit der Aufteilung und dem Verkauf der alten Gemeindeländereien mußten die Vegueros meist Boden für ihren Lebenserhalt von den neuen Landbesitzern pachten und mit ihnen um das notwendige Wasser konkurrieren. Trotzdem gewann die Tabakproduktion mit der starken Nachfrage nach dem qualitativ hochwertigen Havanna-Tabak schnell an Kraft und Breite. Tabak wandelte sich in der zweiten Globalisierung zu einem typischen “Start-up”-Unternehmen, wie man heute sagen würde. Allerdings hatte kubanischer Tabak auf die Dauer und im Export nur als Markenprodukt in Konkurrenz mit Brasilien, den USA und Java sowie Santo Domingo und Venezuela eine reale Chance.
            Nach dem Zensus von Vives (1827) existierten 5534 Tabakfarmen, Vegas, auf der Insel. Die besten Gebiete lagen an den Flußufern in den (späteren) Provinzen Pinar del Río (Vuelta Abajo; Semi-Vuelta); Havanna (Partido); Villa Clara (Remedios) und Oriente. Die meisten Vegas hatten eine Betriebsfläche, die unter 25 Hektar lag. 87,5 Prozent wiesen Betriebsgrößen zwischen 5 und 15 Hektar auf. Tabakbau war eine Intensiv- und Familienlandwirtschaft, die den Boden der Finca zu nahezu 100 Prozent ausnutzte; im Gegensatz zum Ingenio, bei dem maximal zwei Drittel der Fläche für Zuckerrohrpflanzungen genutzt wurden. Tabakbauern hatten auch selten Sklaven.
Seit 1820 entstanden Tabakmanufakturen, Talleres, wo die berühmten Zigarren mit dem unnachahmlichen Geschmack, die puros, durch Spezialisten angefertigt wurden. Das Verfahren der Herstellung und die Sitte des Zigarrenrauchens war um 1720 von Kuba nach Spanien exportiert worden. Die kubanischen Zigarren genossen seit dem 18. Jahrhundert wegen der Qualität des Tabaks, der Intensität der Pflege und Verarbeitung, der exzellenten Handarbeit der tabaqueros und torceros (Dreher),  sowie den Vermarktungsfähigkeiten der Besitzer oder ihrer Administratoren Weltruf. Sie galten bald vor allem der Luxuskonsumtion in Europa und in den USA (aber auch in Afrika) als Norm. All die berühmten Zigarrenmarken, wie Silva, Ugues, Upmann, Cabañas, Dos Amigos, Hernanos sind eigentlich Handlungsnamen von Manufakturen und Banken.  
            Allerdings hatte der karibische Tabak, ähnlich wie später der Zucker, unter einer starken Konkurrenz zu leiden - der Substitution in Europa. Tabak wurde etwa in Deutschland schon seit dem 16.Jahrhundert in Westfalen und in der Pfalz, bei Magdeburg und in der Uckermark angebaut; die erste Zigarrenfabrik war 1788 durch Hans Heinrich Schlottmann in Hamburg gegründet worden; 1862 entstand die erste Zigarettenfabrik von J. Hoffmann in Dresden als Filiale einer russischen Zigarettenfabrik.
            Der baltische Reisende Jegor von Sivers schreibt 1851: “Was einem Spaziergänger durch die Straßen der Habana am meisten auffällt, ist die zahllose Menge Fabriken und Läden für Zigarren. Wie lebhaft die Verfertigung dieses Handels-Gegenstandes hier betrieben werden mag, läßt sich annäherungsweise daraus abnehmen, daß neben der bedeutenden Ausfuhr, mäßig berechnet, im Jahre 1825..., durchschnittlich fünf, sage fünf Millonen Cigarren auf Cuba täglich verraucht werden. Dieses giebt 2000 Stück auf jeden Einwohner, im Jahre eine bescheidene Annahme... das Rauchen ist ..., durch alle Stände, Farben, Geschlechter und Alterstufen, durch alle Tages- und Nachtzeiten so verbreitet... Es giebt Leute, welche täglich vierzig Tabacos rauchen...”.[61]  Böse Zungen behaupteten damals, der besondere Geschmack der kubanischen Puros und Tabacos käme vom Schweiß der Tabakarbeiterinnen, die die Deckblätter der Zigarren auf den Oberschenkeln rollten. Sievers kolportiert auch dieses Gerücht: “An Güte allen anderen Gattungen voran, stehen die Vegueros..., die in Europa sogenannten Naturales oder Pflanzercigarren. Sie werden aus den vollkommensten Blättern der Pflanzung, ohne besondere Einlage oder Puppe aus einem Stück, ursprünglich nur als Geschenk für den Plantagenbesitzer, oder dessen Kunden in der Stadt von den schwarzen Sklavinnen auf dem bloßen Schenkel gesponnen, und empfangen dadurch eine gewisse ‘saveur’, die kein europäischer Beiguß nachzuahmen vermöchte”. [62]
            Unter dem Einfluß von Investitionen vor allem von Kaufleuten (und Wucherer-Bänkern) unterlagen die Tabak-Familienbetriebe einem Konzentrationsprozeß und bildeten hochproduktive vegas mit vielen Sklaven. Um 1830 begann sich auch die ökonomische Klasse der Zigarrenarbeiter zu formieren; zunächst (1835) ca. 2000 Menschen in mechanisierten Kleinunternehmen, wobei die Produktion selbst Handarbeit blieb; um 1850 schon 15000 Menschen; allerdings wurde bald große Teile der Produktion nach Florida (Key West, Tampa und Ybor-City)[63] ausgelagert, da die USA den Zigarrenimport erschwerte, Tabakblätter zur Weiterverarbeitung aber günstig eingeführt werden konnten. 
Um keine falschen Vorstellungen über die Branchen zu entwickeln: 1855 nahmen Zucker und Zuckerprodukte 83,78% des kubanischen Gesamtexports ein, gefolgt von Tabak (7,35%), Kupfer (3,45%) und Kaffee (1,85%).
            Havanna, die Patria chica, das kleine Vaterland, der Zuckeraristokraten, war um 1830 mit Mexiko-Stadt (150 000 Einwohner), San Salvador da Bahia in Brasilien (100 000 Einwohner) und Lima (50 000 Einwohner) eine der größten Städte Amerikas. Seit der Unabhängigkeit Mexikos 1821 war es gar die größte Stadt des spanischen Restimperiums, größer als alle Städte der USA. Havanna war die typische Metropole eines Plantagenreiches am Golf von Mexiko.[64] Der Hafen wurde seit 1815 das tropisch-amerikanische Handelszentrum des atlantischen Raumes. “Schlamm, Volantes und Paläste” prägten das Stadtbild und, wie Humboldt und Carpentier schreiben, - die Stadt stank zum Himmel. Grund waren vor allem Tasajo, Trockenfleisch, und Bacalao, getrockneter Salzfisch, in den ungekühlten Lägern des Hafens.

Internationale Konflikte um Kuba


Jamm weilte in den vierziger und in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts auf der Perle der Antillen. Das war eine politische sehr bewegte Zeit. Die Großmächte stritten um Kuba. Jamm hat auf jeden Fall davon Kenntnis genommen; er konnte täglich in der Zeitung davon lesen.
            Für die Mehrheit der Plantagen- und Sklavenbesitzer hatte sich seit der Mitte der vierziger Jahre, durchaus im Zusammenhang mit der Dynamik nationaler Überlegungen, zunächst eine komplizierte politische Frage in den Vordergrund geschoben: der Kolonialpakt und Spanien selbst schienen nicht mehr stark genug, die Existenz und Entwicklung der weiterwachsenden Sklaverei auf Kuba gegen wirtschafliche Krisen und gegen Aufstände der Unterschichten, aber auch gegen politische Gegner wie England zu schützen. Besondere Angst bestand davor, daß sozusagen im Rücken einer nationalen Bewegung ein großer Sklavenaufstand ausbrechen könnte, wie auf Haiti. Deshalb warnte José Antonio Saco: “Es ist kein Platz auf Erden, wo eine revolutionäre Bewegung gefährlicher ist als in Kuba!” Saco beschwor nachgerade die Denkfigur “Gleichgewicht des Schreckens”, die auch Humboldt schon beschäftigt hatte: “Begonnen ein Krieg, welche auch die schwächere Seite sei”, schrieb er, “und vor allem die spanische [Seite], würde sie nicht unseren furchtbarsten Feind zu ihrer Hilfe rufen? Würde sie nicht den magischen Ruf der Freiheit ausstoßen [und] ihre Legionen mit unseren eigenen Sklaven verstärken?”[65]
            Einige Gruppen großer Sklaveneigner und Plantagenbesitzer näherten sich angesichts dieser Sachlage aus ureigenstem Interesse an die Südstaaten der USA an. Dort waren in den dreißiger Jahren Projekte über einen neuen “Golf-Imperialismus” auf Plantagen- und Sklavereibasis[66], ähnlich wie sie - allerdings aus der Perpektive Havannas - knapp ein halbes Jahrhundert zuvor den geographisch-politischen Horizont Arangos geprägt hatten. Grundlage dieses “Golf-Imperialismus” war der “schwarze Golf” zwischen Havanna und New Orleans. Im Süden der USA fand der Annexionismus eine geistige Basis sowie soziale und ökonomische Grundlagen. Andere Gruppen der kubanischen Eliten hielten sich zurück, besonders in der Frage der politischen Mittel, wie eine autonomere Stellung Kubas im Imperium oder der Anschluß an die USA zu erreichen sei, bzw. entschieden sich zu Beginn des Zehnjährigen Krieges für einen anderen Weg. Vielfältige innerkubanische regionale Widersprüche brachen auf. Zwischen den Zonen der Zuckerproduktion mit Massensklaverei und den aus Sicht des Moderne-Konzepts der Zeitgenossen immer stärker zurückbleibenden kubanischen Zentral- und Ostprovinzen einerseits. Zwischen Kolonie und Metropole im Rahmen des spanischen Restimperiums andererseits. Mit diesen Konflikten verband sich eine internationale atlantische Dimension: Qué Cuba? Was für ein Kuba sollte sich entwickeln? Was sollte aus diesem Kuba werden? “Integrismus” (Kuba ist Spanien), “Autonomismus” (Modell Kanada[67] im englischen Kolonialreich), “Afrikanisierung” (oder Haitianisierung - auf Kuba siegt ein Sklavenaufstand) und “Annexionismus” (Kuba wird Teil einer der großen Republiken Süd-oder Mittelamerikas, wie Kolumbien, Venezuela oder Mexiko bzw. einer der Staaten der USA) sowie “Separation von Spanien - aber in welcher politischen Form?” (Kuba wird unabhängiger Staat als Republik oder Teil eines anderen Großstaates (Mitte des 19. Jahrhundert wurde die Übernahme der Insel durch die Supermacht der Zeit, Großbritannien, debattiert, wogegen drei US-amerikanische Botschafter das so genannte Ostend-Manifesto (1854) durchsickern liessen) hießen die Stichworte für Debatten und literarische Kontroversen in dieser komplizierten politischen Situation. Auch weitere Fragen wurden ernsthaft diskutiert und liegen in Textform vor: Können Frankreich oder Großbritannien Kuba kaufen? Werden die USA die Insel erwerben; sofort, mit welchen Mitteln und wie gestaltet sich dann das Verhältnis der Großmächte, vor allem das zwischen den USA und Großbritannien? Oder fällt Kuba nach der Jefferson-Adams-Theorie als “reife Frucht” in den Schoß der USA? Nach dem Kauf Louisianas und der Annexion bzw. dem Erwerb der Floridas schien dies in der Logik der politischen Geographie zu liegen. In diesem Sinne wurde Kuba auch zu einem inner-nordamerikanischen Thema des 19. Jahrhunderts, je mehr sich dort die Auseinandersetzungen um die Ausdehnung der USA nach Westen sowie Süden und die Konflikte um die Südstaatensklaverei zuspitzten. Auf der Agenda eines prosperierenden “amerikanischen Handelsimperiums” auf Basis von Sklaverei und Plantagenwirtschaft standen aber noch weitere Ziele. Das Manifest Destiny O'Sullivans (1845) sah den amerikanischen Doppelkontinent unter einer schicksalhaften Dominanz der USA, in einer solchen Denkfigur mußte Kuba eine zentrale Position als Mittelpunkt eines von den Südstaaten dominierten Golf-Imperialismus und als Kontrollposten des Übergangs vom Atlantik in den Pazifik einnehmen. Die Südstaateneliten hatten in geostrategischer Hinsicht das Erbe der Arango-Gruppe übernommen. Aber es bestanden auch starke eigene Interessen eines Teils der kubanischen Zuckerelite, die zwischen 1849 und 1856 eine Reihe von Verschwörungen und bewaffneten Invasionen unterstützte.
            Zum Vorkämpfer der Annexion wurde der kubanische General venezolanischer Abstammung Narciso López. Er landete zwischen 1848 und 1851 mehrfach mit Freiwilligenverbänden auf Kuba, um die spanische Herrschaft zu stürzen. Die reformistischen Ideen wurden jetzt ganz klar mit separatistischen und aneexionistischen Vorstellungen sowie Fortschrittsideen verbunden, deren Vorlagen sich in den USA und Europa fanden.[68] Kubanischer Wortführer dieser Richtung war seit 1848 Gaspar Cisneros Betancourt, El Lugareño. Cisneros nahm vom Konzept einer kubanischen Nationalität Abstand, indem er an Saco schrieb: “... wir stinken wie Guachinangos [pejorativ für Mexikaner –M.Z.], Zambos, Neger, Paredes, Santa Anna, Flores und Kompanie. Ein Jammer, mein lieber Saco. Was für eine Zucht! Guter Gott, Mann, sage mir nicht, daß Du für Dein Land diese Nationalität willst”. [69] José Antonio Saco dagegen verschloss sich den Segnungen einer annexionistischen Lösung, in dem er schrieb: “... im letzten Resultat wird es keine Vereinigung oder Annexion geben, sondern eine Absorbtion Kubas durch die Vereinigten Staaten. Die Wahrheit ist, dass die Insel immer existieren wird, aber ich will, dass Kuba für die Kubaner sei und nicht für Ausländer”. [70]
            Angesichts des annexionistischen Beginns der gewaltsamer Konflikte mit Spanien und der demographischen Furcht vor einem neuen Haiti soll die Zeitung “Heraldo de Madrid” den vielzitierten Satz geprägt haben: Cuba, si no es española, es negra, necesariamente negra (“Kuba, wenn es nicht spanisch ist, ist schwarz, notwendigerweise schwarz”).[71]





Mythos Kuba: Die atlantische Welt beobachtet das Experiment „großes Kuba” und trägt bei zur spezifischen Identität der Inselbewohner


Abbé Raynal war Kuba eine Königreich wert. [72] Aber es war wohl Francis A. Jameson[73], der als erster ausländischer Beobachter, der Havanna wirklich kannte, seine Bewunderung für das Kuba um 1820 ausdrückte. La Isla de Cuba wurde zu einem sprichwörtlichen Symbol von fabelhaftem Reichtum unter der Tropensonne. Zucker – der Reichtum war auch noch süss. [74] Und er wurde mit Sklaven produziert: Konkurrenzdenken, leichter Schauder und Konstruktion einer profunden “Andersheit” für den langfristig von der zweiten Globalisierung profitierenden Norden beflügelten das Schreiben und den Absatz der Bücher und Reiseberichte über Kuba.
Nach Jameson kamen bis etwa 1900 Dutzende Amerikaner[75], Deutsche, die vor allem die Zuckerwirtschaft ins Auge fassten (oder von ihr angewidert waren), Kubanerinnen, die in Spanien oder im Ausland lebten, Angelsachsen (auch Schotten, wie David Turnbull)[76], viele Franzosen[77], Italiener, alleinreisende Frauen und frühe Feministinnen, wie die Schwedin Fredrika Bremer[78] und viele andere. Spanier gelten nicht als Reisende, sondern waren, wie “Kubaner”, “Untertanen” der spanischen Krone (bis 1876), wenn auch oft “Untertanen” mit etwas besseren Posten. Meist war der Kubabesuch Teil einer Reiseroute und eines Projektes, die viel über den mythischen Status der Insel verraten. Sie verraten aber auch viel über die Industrialisierung/Proletarisierung des Norden und die Konstruktion von Divergenzen. Und sie schufen Muster für Konsumgesellschaften in spe. Es entwickelte sich fast eine Gattung der ethnographischen Reiseliteratur: der Bericht über die Havanna-Reise.[79] Es begann mit einer Reihe von Berichten über die britische Eroberung Havannas und Buenaventura Pascual Ferrer. [80] Für das 19. Jahrhundert endet die Liste mit dem kaiserlichen Professor und Ernährungsexperten (die Eliten des Kaiserreiches fürchteten eine Hungerkrise unter ihren Proleten) Dr. Karl Kaerger.[81] Für einen der ersten englischen Reisenden am Beginn des Jahrhunderts der bürgerlichen Zivilisation war schon der Weg das Ziel: überhaupt durch das Innere Kubas gereist zu sein. Die meisten Schmuggler oder Kaufleute aus Jamaika kannten nur die Küsten der spanischen Insel, aber die gut.[82]
            Im neunzehnten Jahrhundert wurde das Bild der Welt in den Print- und Bildmedien neu erschaffen: unter männlichem Blick (die meisten Blicke waren männlich, sind aber als solche noch kaum analysiert), Kontrollblicken[83], weiblichem Blick (mit leichtem orientalistischen Silberblick)[84], europäischem Blick oder imperialem Blick[85]; aber auch transkulturell, interkulturell, feministisch, abolitionistisch, modernistisch, kolonialistisch oder auch schon hybrid-postkolonialistisch; von den internen Adaptationen der Künstlerblicke in Malereistilen ganz zu schweigen. Die Reisebeschreiber und Reisebeschreiberinnen sahen einander kaum, aber lasen einander, wie etwa der Deutschbalte Sivers den Franzosen D’Hespel[86] las. Und alle lasen Humboldt, viele auch den Galicier Ramón de la Sagra.[87] Die Reisenden wandelten entweder auf den Pfaden des oder der Vorangegangenen oder taten eben dies bewusst nicht. Manchmal folgten ihnen Maler und seit den sechziger Jahren auch zunehmend Fotographen. Blicke allenthalben. Dann Texte. Die “Bilder”, die die schreibenden Seher schufen (nachdem das Gesehene durch ihren Kopf gegegangen war), vor allem die Textbilder[88], bewirkten auf jeden Fall eines: Kuba wurde attraktiv – auch durch den leichten Schauder über die Mischung von sagenhaftem Reichtum, tropischer Naturschönheit und “barbarischer” Sklaverei. Kuba wurde zum Mythos. Nach Kuba brachte dieser Mythos wiederum die europäischen, nordamerikanischen und lateinamerikanischen Avantgarden und – es brachte offensichtlich auch Kaufleute aus aller Herren Länder nach Havanna; unter ihnen: Christian Wilhelm Jamm aus Lahr im Schwarzwald.

 

Die Perle der Karibik, die Atlantisierung, deutsche Kaufleute, Sklavenhändler und Sklavenhalter


Die größte der Antilleninseln ist in der deutschen Wirtschafts- und Handelsgeschichte eine große Unbekannte. In der Realität des 19. Jahrhunderts muß das ganz anders gewesen sein; vor allem ab 1818, nach der Verkündung des sog. „Freihandels“ durch die spanische Krone. [89] „Deutscher“ Direkthandel, der eigentlich zunächst Hamburgischer oder Bremer Handel gewesen ist, hatte mit dem Dekret über den „Handel mit Neutralen“ 1798 begonnen, mit dem die Krone in Madrid die negativen Folgen der napoleonischen Kriege für das bis dahin monopolistisch abgeschottete Kolonialimperium abmildern wollte. [90] Für das Jahr 1819 verfügen wir bereits über eine Liste von 39 deutschen Kaufleuten in Havanna, die die Sociedad de Beneficiencia de Alemania (Wohltätigkeitsgesellschaft Deutschlands, eigtl. „Unterstützungs-Gesellschaft für hülfsbedürftige Landsleute“; ab 1826 „Deutscher Verein“)[91] gründeten. Aber nicht nur diese Quelle sagt viel über die doch relativ zahlreiche Anwesenheit deutscher Kaufleute zu einem so frühen Zeitpunkt aus, wir verfügen über weitere Informationen in Bezug auf deutsche Präsenz. Schon 1817 hatte ein reicher Kaufmann, Sklavenhändler und Kaffeepflanzungsbesitzer namens Matiás Averhoff (Matthias Haberhoff) die Vertretung deutscher Kaufleute gegenüber der Kolonialverwaltung übernommen.[92] Wie viele Europäer in den Subtropen, starb Averhoff an Bewegungsmangel, Übergewicht und Verfettung, wohl 1824 an Herzschlag. Er hinterliess kein Testament (intestado). Das ist für Historiker insofern gut, als deswegen (immer) eine formell-gerichtlich Vermögensüberprüfung vorgenommen werden musste. Haberhoff-Averhoff besass 2 Cafetales, 1 Estancia, mehrere Häuser, Geld, Aktien, Schuldverschreibungen und Sklaven im Wert von rund 684800 Pesos – ein gigantisches Vermögen.[93] 1826 wurden Sklavinnen und ein minderjähriger Sklave aus dem Haus Averhoff verkauft, wohl weil die Witwe Geld brauchte.[94]
            Auch ein anderer deutscher Kaffeepflanzungsbesitzer, Cornelio Souchay, ist aus dieser frühen Zeit bekannt. Souchay hatte so etwas wie ein Mustergut aufgebaut (den Cafetal Angerona, mit griechischen Göttinnenfiguren der Klassik geschmückt); eine Leistung, die in der kubanischen Literatur oft als “typisch deutsch” bezeichnet wird.[95] Das alles sagt noch nichts über Jamm aus, es zeigt aber, daß auf Kuba eine kleine, aber gut organisierte und relativ einflussreiche deutsche Kolonie existierte, die einem jungen Mann, der erstmals auf Kuba Geschäfte tätigen wollte, den Start erleichtern (aber auch erschweren) konnte. Über die Anfänge eines Kaufmanns auf Kuba wissen wir aus den Briefen von Alfred Beneke, Kaufmannslehrling, Kommis, der Firma “Weber, Balbiani & Co.” in Havanna 1842/44.[96] Jamm ist etwa zur gleichen Zeit nach Havanna gekommen. Er kam zu einer schwierigen Zeit für deutsche Produkte. Gustav Sthamer, Konsul Hamburgs in Havanna, informierte 1845: 
„Fast alle deutschen Leinen-Artikel, kommen in großen Quantitäten und sehr gut imitirt von England, und diese Imitationen haben für die hiesigen Consumenten Vorzüge, die deren Introduction erleichtern und deren Verbrauch täglich vermehren. Sie sind, da sie von Maschinengarn und mit Maschinen gewirkt, egaler und feinlicher, mit reichen zweckmäßigen Verzierungen ausgestattet, dem Auge gefälliger und dabey zugleich billiger als die deutschen Fabrikate; die mit sich führenden Nachtheile dieser Imitationen, als geringere Dauerhaftigkeit und Zusatz von Baumwolle, werden dagegen weniger beachtet, was bey dem Charakter der Einwohner dieser Insel nicht zu verwundern ist, denn alle Claßen, besonders aber die niederen, leben nur für die Gegenwart, lieben den Luxus und um diesem zu fröhnen, ziehen sie leichte, das Auge betrügende aber billige Fabricate den guten, gediegenen, aber dafür auch höher einstehenden, vor“.[97] Sthamer prognostizierte bei fehlender Umorientierung der Produktion in Deutschland eine “gänzliche Zerrüttung des deutschen Leinenhandels”.[98] Leinenstoffe waren eine Ware für Massenmärkte. Auch wenn die deutschen Leinen auf Kuba wegen der Nachfrage nach billigen Stoffen zur Kleidung der Sklavinnen und Sklaven der englischen Konkurrenz länger Paroli konnten[99], gewannen die maschinengefertigten englisch-irischen Produkte auf Dauer immer mehr Boden. Seit dem Ende des ersten Opiumkrieges 1842 befand sich die britische Wirtschaft wieder im Aufschwung. Deshalb folgten die deutschen Produzenten und zum Teil die Kaufleute zwei Strategien. Einmal senkten sie die Preise ihrer traditionell gefertigten Leinenstoff immer mehr ab, um wenigsten den Massenmarkt der billigen Sklavenkleidung bedienen zu können. Andere Firmen spezialisierten sich auf hochwertige, aber immer noch per Hand gefertigte Stoffe oder damastene Tischzeuge. Jamm ist der Vertreter einer weiteren, schon nicht mehr als “deutsch” zu bezeichnenden Strategie, die aber zeigt, wie weit Textilproduktion und –handel schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts “globalisiert” war. Er handelte als ethnisch deutscher Kaufmann mit feinen französischen Seidenstoffen, Luxustextilien und Luxusaccessoires (wie Hüten sowie Koffern und Handschuhen aus edlem Leder). Sein zentraler Bezugspunkt in Europa war Lyon.[100] Lyon war ein internationaler Platz. Der internationale Seidenstoffhandel Lyons wurde aber nicht (unbedingt) von Einheimischen dominiert. In Lyon konnten junge Leute viel lernen, wenn sie, wie eventuell Jamm, über Empfehlung in eines der großen Häuser, eine der internationalen Familien aufgenommen wurde. Die meisten Hersteller von Edeltextilien, z.B. auch die Damastfabrikanten der sächsischen Lausitz haben einen ihrer Söhne in Lyon Musterzeichner lernen lassen oder aber als Musterzeichner Designer gesucht, die in Lyon gelernt und gearbeitet hatten. Lyon garantierte gestalterische Qualität und hohe Qualität des Fertigproduktes, die andere Regionen nicht aufweisen konnten. Die Kunden Jamms suchten exklusive, teure Luxuswaren. Jamms Geschäft ist am ehesten mit einem Luxusausstatter auf heutigen Flughäfen zu vergleichen. Um den Exkurs über „deutsche Produkte“, Ethnizität und Handel zusammenzufassen: Mit „deutschen Produkten“ war in der Modernität der hochentwickelten Sklavereigesellschaft Kubas vor 1870 kaum Reichtum zu gewinnen; Reichtum kam mit dem Sklaven- und Menschenhandel (wie bei Averhoff, Souchay und Botefeur (siehe weiter unten). Diese Kaufleute mussten sich allerdings naturalisieren lassen, d.h., katholisch werden und in spanisch-kubanische Familien einheiraten. Die Hauptlinien dieser Familien waren danach spanisch oder kubanisch, nicht mehr deutsch; von Gewinn und Erbe gingen nur noch (manchmal) Bruchteile nach Deutschland, wie wohl im Falle Souchay, der keine Kinder hatte. Jamm selbst war im Grunde Kosmopolit und unverheirater Hagestolz. Mit seiner Rückkehr in den Schwarzwald renationalisierte er sich zwangsläufig und musste sich auch dem Gerede der Landleute in seiner Heimatstadt aussetzen.    
            Auf Kuba führte Jamm das Haus C.W. Jamm in den Jahren 1847 bis 1854.[101] Das Haus wirkte übrigens nicht nur in Havanna, sondern wie alle erfolgreichen Geschäfte in der ganzen Zuckerregion bzw. in den Städten der sich im Lauf der Zeit nach Osten ausdehnenden Zuckerzone des „großen“ Kuba. Alois Feigelstock, ein Kommis von Jamm ist für das Jahr 1852 in Cardenas, einem der aufstebenden Zuckerhäfen im Osten von Matanzas, ausgewiesen.[102] Möglicherweise schickte Jamm auch kubanische Mitarbeiter, wie José Antonio de las Traviesas[103], Maximinio Martínez (1853-54), Diego Jiménez (1854) und Pedro Reyes (1854)[104] zu Geschäften in andere Städte (oder er war Grossist für diese Kaufleute). Jamm hatte Geschäfte mit der Sklavenhandels- und Bankenfirma Drake & Co. in Sagua la Grande[105], ebenfalls ein aufstrebender Zuckerhafen.
            Um auch einen anderen Aspekt der damaligen Globalisierung zu erwähnen: Jamm schrieb (und sprach sicherlich) neben Deutsch (und Lahrer Badisch) mühelos Französisch, Spanisch und Englisch. Eventuell hat sein evangelisches Bekenntnis eine wichtige Rolle bei der Aufnahme in die globalisierten Geschäftsbeziehungen Lyons gespielt.[106] Jamm war ein Repräsentant des kosmopolitischen Bürgertums des 19. Jahrhunderts.
            In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zeigte sich, daß die Arbeitskosten für die deutschen Stoffe, etwa das schlesische Leinen, nur bis zu einer gewissen Grenze abgesenkt werden konnte (Aufstand der schlesischen Weber). Die dauernden Verbilligungen des Markenproduktes (“schlesisches Leinen”, silesianos), eine Spezialität der Bremer Kaufleute, ruinierten auch den Ruf der deutschen Luxusstoffe. Ein anderer Grund des Vormarsches der englisch-irischen Textilien war der Siegeszug der ”der total unbesiegbaren Feindin”[107] der Leinenstoffe, den Baumwollstoffen. Das Modebewußtsein änderte sich in der atlantischen Welt und die europäische Revolution von 1848/49 warf ihre Schatten voraus. Jamm jedenfalls hatte die richtige Nase; er profitierte von der Änderung des Modebewußtseins. Andere deutsche Kaufleute, wie die Bremer Upmanns, stiegen auf Detailhandel, Geldgeschäfte oder Tabak um.
Die wirtschaftliche Bedeutung Kubas beruhte zunächst weitgehend auf der Rolle des Hafens Havanna, ein erstrangiges Zentrum der atlantischen Welt und ein Verteilerhafen für die “große” Karibik, von New Orleans über Veracruz und Cartagena de Indias bis Caracas und Cumaná. Vor dem Zusammenbruch Preussens 1807 und seit 1818, aber vor allem seit 1822 war Havanna der wichtigste Anlaufpunkt auch für den Handel mit Mexiko, dem wichtigsten Markt Deutschlands in Amerika. [108]
            In Mexiko und auf dem südamerikanischen Kontinent 1810-1821/25 war der Handel allerdings wegen der politischen Turbulenzen der Unabhängigkeitskriege kaum möglich. Die Insel Kuba wurde wegen des spanischen “Freihandelsdekrets” von 1818 und des Booms von Zucker und Massensklaverei zwischen 1815-1840 selbst zu einem gesuchten Markt für deutsche und andere europäische Produkte. Seit 1812 entstanden auf Kuba in schneller Folge neue Städte, die meist zugleich Zuckerhäfen waren, wie Cárdenas, Sagua la Grande, Nuevitas, Cienfuegos.
            Schwarzer zeigt, daß der innere Konsum Kubas in Bezug auf deutsche Produkte in den zwanziger Jahren noch gleich oder höher als der Konsum des riesigen Mexiko war. Kuba lag unter stabiler Kontrolle Spaniens und die Inselwirtschaft befand sich im Gegensatz zu den kontinentalen Gebieten im wirtschaftlichen Aufschwung. [109] In dieser Situation publizierte Alexander von Humboldt auch den “Politischen Essay über die Insel Kuba” als selbständiges Buch.[110] Auf Kuba hatten die deutschen und andere Kaufleute nicht so sehr die englische Konkurrenz zu fürchten, wohl aber die Kontrolle des spanischen imperialen Reiches, der seine einzige verbliebene “Kron”-Kolonie auf jeden Fall sichern wollte. Das “Freihandelsdekret” für Kuba von 1818 war deshalb in gewissem Sinne  eine antibritische Öffnung (Großbritannien war zu dieser Zeit die weltweit wichtigte Macht in der Verfolgung des Sklavenhandels), aber es war immer noch ein “Freihandel”, der spanische Schiffe, Kaufleute und Produkte erheblich bevorteilte. Trotz einer zunächst relativ schwachen britischen Konkurrenz waren die Aktivitäten der preußischen Konsuln[111] und deutschen Kaufleute auf Kuba stärker kontrolliert als in anderen karibischen Territorien, wie z. B. Haiti. Von 1829 bis 1867 durften Preussen und der Norddeutsche nur in den vier Städten Havanna, Matanzas, Santiago de Cuba und Trinidad Handelskonsulate unterhalten.[112] Mit diesen Handelskonsuln hatten deutsche Kaufleute auf Kuba eine Vertretung ihrer Interessen.
            In der Periode zwischen 1833-1841, zu deren Ende Jamm eventuell nach Kuba kam, gab es folgende Kaufleutegruppen in Havanna:

Spanien                                              946
Kuba                                                  102
USA                                                    50
Deutschland                                        46
Frankreich                                           36
Großbritannien                                    18
Italien                                                  13
Schweiz                                                8
andere                                                  39
Total                                                  1258

Spanier dominierten den kubanischen Überseehandel. Ausländer konnten, wie Jamm, nur als spezialisierte Kaufleute dieser Konkurrenz die Stirn bieten.
            Die deutsche Gruppe von Kaufleuten hatte doch eine relative starke Position. So soll am 15. Dezember 1861, bereits nach dem Weggang Jamms, eine neue Sociedad Alemana de la Habana (Deutsche Gesellschaft von Havanna) mit 54 Mitgliedern gegründet worden sein.[113] Jamm mag manches der Mitglieder persönlich gekannt haben. Er muss auch Mitglied dieser Sociedad alemana gewesen sein, denn sein Conto-Corrent-Buch weist unter „Privatausgaben von C.W. Jamm“ für 1855 und 1856 ziemlich hohe Mitgliedsbeiträge aus (12 Pesos, 6 Reales im Mai 1855 und 25 Pesos, 4 Reales im Dezember 1856).[114] Vielleicht handelt es sich auch um eine Vorgängergesellschaft.
            Das hervorstechende Merkmal der deutsch-kubanischen Handelsbeziehungen, wie es aus den Berichten deutscher Handelskonsuln hervorgeht, ist die negative Handelsbilanz Deutschlands. Die deutschen Territorien brauchten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr kubanische Produkte, sprich Zucker, Kaffee, Rum und Tabak, als Kuba deutsche Produkte. [115] Für Cirilo Villaverde war diese an und für sich trockene Angelegenheit die poetische Beschreibung wert: „Die Flaggen und Wimpel, die an den Masten der im Hafen vertreuten Schiffe wehen, sagen uns mit lauter Stimme, dass der Handel Havannas im Jahr 1841 in aktiver Beziehung zu allen Nationen der Alten und Neuen Welt steht“.[116] Besonders deutlich wurde Deutschlands Abhängigkeit vom kubanischen Zucker seit etwa 1835, als der Wert der traditionellen deutschen Exporte immer mehr fiel. Im Spiegel der Wirtschaftsgeschichte amerikanischer Regionen kann man die Motive einiger tiefgreifender struktureller Wandlungen in Deutschland besser verstehen.
            Der britische Generalkonsul in Havanna, Joshua Tucker Crawford[117], Nachfolger des berühmten Abolitionisten  David Turnbull[118], gibt einen guten Eindruck des Handels zwischen Deutschland und Kuba im Jahr 1844. In einem der Berichte der “Papers relating Slave Trade and Growth of Sugar in Cuba and Brazil. From January 1845 to May 1846” schreibt er: “The official value of imports reached 1,806,000 dollars, being 312,000 dollars more than 1843. It is difficult to say what proportion of the exports of this island absolutely go to Germany, because of the monetary arrangements being almost wholly made in London ...; but ultimately the consumptions of sugars, rum, and tobacco, in the German States is very great, and I calculate that perhaps one-third of all the growth of sugar is taken there under their own and the flags of almost all other nations”.[119]
            Diese Schätzung des britischen Konsuls ähnelt sehr den Schätzungen des erfahrenen Kuba-Kaufmanns Gustav Sthamer. Der Hamburger Konsul in Havanna informierte, daß Deutschland, seinen Kenntnissen nach, wenigstens ein Drittel der kubanischen Produktion aufnahm.[120] Allerdings gingen die meisten Exporte Kubas nach Osteuropa, etwa nach Rußland, zu dieser Zeit auch über Hamburg oder, wenn sie Mitteleuropa zum Ziel hatten, über Magdeburg und Leipzig.[121] 
            Nach den Informationen der deutschen Konsularberichte und nach den Briefen von Alfred Beneke, Kommis, Handlungsgehilfe, des Hauses “Weber, Balbiani & Comp.” haben wir einen guten Überblick über die deutschen Exporte nach Kuba in den vierziger Jahren, als auch Jamm seine Tätigkeit in Havanna begann: Leinenstoffe aller Typen, aber besonders die sehr billigen, Stoffe aus Seide und Baumwolle, Taschentücher (die große Mode bei den Accessoires), Strümpfe, Gürtel, Handschuhe, Material zur Hutherstellung, Säcke und Sacklinnen, Schnüre und Seile, Erzeugnisse aus Eisen, vor allem Quincallerie, und Glasprodukte (oft auch aus Böhmen[122]), Keramik, Ziegel, Fliessen, Möbel, Musikinstrumente, Spielzeug, Papierwaren, Wachskerzen und Farben, wie auch Schinken, Würste, Käse, Perlgraupen, Gin, Wein und Bier. Diese Waren wurden in sechs Hauptgruppen eingeteilt: Leinenstoffe, Wollwaren, Hüte, Eisenwaren, Lebensmittel (vor allem alkoholische Getränke), Accessoirs und Möbel.[123] Jamm zeigt sich auch hier als Aussenseiter, am ehesten war er noch unter Accessoires einzuordnen. Aber “Mode” lieferten nicht Deutsche, sondern das war quasi per definitionem den Franzosen oder Italienern vorbehalten. Teure Waren, die wenig Schiffsraum benötigten, wurden von deutschen Kaufleuten wegen der spanischen Zollgesetzgebung auf spanischen Schiffen nach Kuba transportiert. Nur billige und viel Raum beanspruchende Fracht, oft als Leerballast, wie Sacklinnen, Ziegel oder Fliessen wurden in deutschen, das heisst, preußischen, hamburgischen oder bremischen Schiffen verschickt. Im heutigen Touristenzentrum Trinidad an der mitteleren Südküste Kubas gibt es noch einige traditionelle Häuser, die mit deutschen Fliessen verziert sind.
In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts war zum Beispiel die Zahl von Hamburger Schiffen, die in Havanna ankamen nur etwa halb so groß wie Hamburger Schiffe, die aus Kuba in Hamburg einliefen.[124] Die kubanischen Quellen über deutsche Handelsaktivitäten auf der Insel erwecken den Eindruck, daß der Großteil des deutschen Handels über die iberische Halbinsel lief. Das ist nur natürlich, denn im Gegensatz zu Venezuela, Mexiko, Haiti oder Santo Domingo war Kuba, wie gesagt, noch spanische Kolonie.[125] Die deutschen Kaufleute nutzten auch, um die spanischen Zollgesetze für Kuba zu umgehen, die Möglichkeit, deutsche Waren nach Häfen mit günstigen Zöllen zu verschicken (wie etwa Mexiko, andere karibische Häfen - vor allem zunächst Haiti und das dänische Saint Thomas[126] - oder Häfen an der Westküste Afrikas). Von dort gingen die Schiffe leer, einem Gelegenheitstransport oder unter billigem Ballast nach Kuba, um auf der Rückreise die gesuchten kubanische Produkte nach Deutschland zu bringen.[127] In diesen frühen deutschen Handelskontakten mit afrikanischen Häfen finden sich die ersten stabilen Kontakte etwa Hamburgs mit West- und Ostafrika. Aus diesen punktuellen Kontakten entwickelten sich rund fünfzig Jahre später die ersten deutschen “Schutzgebiete” (sprich Kolonien) in Afrika. Nicht zufällig begannen diese afrikanischen Kontakte des deutschen Handels 1843, einem Krisenjahr des deutschen Atlantikhandels.[128] Auf gewisse Weise waren Häfen in Afrika und Ozeanien anfänglich Zwischenstationen des deutschen Amerika-, Atlantik- und Karibikhandels. Jamm hat diese Schwierigkeiten deutscher Exporteure wohl nicht gehabt. Die französischen Seidenstoffe Jamms scheinen relativ direkt über Marseille oder Genua und Barcelona nach Kuba gelangt zu sein. [129] Die kubanischen Exporte nach Deutschland bestanden in den vierziger Jahren vor allem in Zucker, Kaffee, Tabak, Hölzer, Rum und Honig.[130]
            Diese Berichte können auch unter anderer Perspektive interpretiert werden. Während die zentral- und osteuropäischen sowie deutschen Märkte von erstrangiger Bedeutung für den kubanischen Zucker und deshalb auch für Kuba und Spanien, waren, fiel der kubanische Markt in seiner Bedeutung für deutsche Exporte immer weiter zurück. Das galt vor allem für die Zeit seit dem Zusammenbruch des Leinenmarktes in Amerika und Kuba; seit Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts, massiv seit 1843. In den traditionellen deutschen Exportregionen, wie in Schlesien, kam es daraufhin zu sozialen Unruhen. Das galt – regionale und zeitliche Schwankungen immer vorausgesetz – vor allem für den makrowirtschaftlichen Bereich (den wir heute ewtas unklar mit den Slogan “Globalisierung” umschreiben würden). Jamm konnte zur gleichen Zeit die gesteigerte Luxusnachfrage, die verbesserte Produktion von Seiden- und Baumwollstoffen und die verbesserte Bedingungen des Weltverkehrs (Schiffsverbindungen) im Mikrobereich für sich ausnutzen. Im Jahr 1846 berichetet der britische Generalkonsul auf Kuba, Crawford, im bereits erwähnten “Paper”:
“In cottons we must continue our supremacy. German checks and stripes (called Listados [[131]]), is the only article which comes into successful competition with us in that branch of manufacture. Of linens the importation [Kubas - M.Z.] was to the extent of 552.139 dollars, in 1842; it rose to be 1,357,160 dollars, in 1843; and it was only 865,558, in 1844. It appears that there was imported from Germany,
In 1842                                  1,780,690 dollars
In 1843                                    999,610     "
And in 1844                           1,296,577    "
so that taking the aggregate of the linens in those years from all quarters, and reducing them to per centage, we have
                                               1842               1843               1844              
Great Britain                            18                   45                   32
Germany                                  58                   32                   48
Other places                            24                   23                   20
It would seem, then, that so very remarkable increase of the importation of linens from Great Britain in 1843, was not from natural causes ...”[132]. Leider erläutert der Generalkonsul diese “nicht-natural causes” nicht genauer. Crawford bietet nur vage Bemerkungen über die ungünstigen politischen Bedingungen auf Kuba. Hätte Crawford Klartext geschrieben, hätte er sich auf die “Conspiración de la Escalera” (1844), einer Verschwörung von Sklaven und Freien, beziehen müssen. Die Kolonialverwaltung glaubte dieser Verschwörung nur mit einer gigantischen Welle des Staatsterrors Herr werden zu können. Auf Kuba befürchete man eine neue Sklavenrevolution wie in Saint-Domingue/Haiti 1791-1804.[133] Crawford erläutert:
“...the disturbances which agitated the island, naturally tending to lessen the demand and reducing the consumption amongst the coloured population; ... the falling off consisted mainly in the short importation of blankets, flushings, and low cloths, which were not supplied to the negroes with the same liberality as in times of public tranquility upon the estates”.[134]
            Hier scheint eine weitere direkte Folge der damaligen Globalisierung vorzuliegen; die zum Ruin des traditionellen deutschen Leinenexportes und zum Aufstieg spezialisierter Textilkaufleute, wie Jamm, führte. Die felicidad (Glückseligkeit), wie man damals sagte, der Weber in den weit entfernten schlesischen Gebirgdörfern, hing extrem stark von der “tranquility upon the estates” auf Kuba ab.[135] Schon frühere Stufen der “Globalisierung” hatten schwerwiegende Auswirkungen auf so entfernt von einander liegende Regionen wie Schlesien und das “große” Kuba. Auch diese frühe Globalisierung betraf die Makroebene ganzer Volkswirtschaften, aber auch die Mikroebene von Lebensgeschichten. Jedenfalls sind die deutschen Konsularberichte voll von Beobachtungen über die maschinenproduzierten Textilien der englischen Konkurrenz. Außerdem öffnete der Handelsvertrag des Deutschen Zollvereins mit den Niederlanden 1839 die deutschen Märkte dem “hollänischen” Zucker aus Java und dem “hollänischen” Kakao aus Venezuela.
            Mit dem Niedergang des traditionellen deutschen Leinenexports und dem aufkommen spezialisierter Handlungshäuser und Textilgeschäfte ab Mitte der vierziger Jahre wurde Havanna auch wieder ein wichtiges Zwischenhandelszentrum für Mexiko und Zentralamerika. [136] Santiago de Cuba war im Gegenteil sehr viel wichtiger für den innerkaribischen Handel, den Handel nach Venezuela und die kommerzielle Erschließung des Innern der Insel Kuba. In Santiago de Cuba  gab es 1833[137] folgende Kaufleutegruppen:

Spanien                                              267
Spanische Antillen                            13
Frankreich                                         23
USA                                                    8
Italien                                                  3
Großbritannien                                    3
Holland                                                2
Portugal                                               2
Deutschland                                         1
Total                                                  322

In den Perioden 1841-1849 (I) und 1850-1862 (II)[138], etwa dem Zeitraum des “kubanischen” Lebens von Christian Wilhelm Jamm änderten sich diese Zahlen folgendermaßen:
                                                                                     I                   II
Spanien                                                                     829                 818
Kuba                                                                          95                 210
Frankreich                                                                  47                 25
Deutschland                                                                 7                    3
Italien                                                                          6                    2
Andere europäische Länder                                         8                    9
Venezuela                                                                 14                    6
USA                                                                             7                    6
Haiti                                                                             4                    7                              
Santo Domingo                                                            5                    4
Andere amerikanische Länder                                               12                   9
Totale                                                                       1043               1097

            Die Liste weist eine Tendenz zu stärkerer kubanischer Kontrolle des Karibikhandels (von 10% auf ca. 25%) und geringe Anzahl von spanischen sowie anderen karibischen Händlern. Die relativ starke Stellung deutscher Kaufleute bildete den Hintergrund für Bildung deutscher Konsulate im Osten Zunächst blieben die Versuche von Wilhelm Hoppe (1839), Raphael Rudolf Barthold (1846) und Jan van Nes Zieglers (der seit 1843 auch Konsul Hamburgs in Santiago war) allerdings ohne Erfolg. 1847 aber wurde das erste preußische Konsulat in Santiago eröffnet. James (Jakob; span. Jaime) Bauch[139] war zunächst gegen den Willen des Generalkapitäns Konsul geworden; aber am 11. November 1847 konzedierte Königin Isabella dem Preussen das Exequatur.[140]
            Dieser junge Kaufmann und Konsul James Bauch, der 1847 erst 24 oder 25 Jahre alt war, bietet uns ein gutes Beispiel für die Beziehungsnetze auch familiärer Natur, über die ein Unternehmer verfügen musste, der Konsul werden wollte. Sie erstreckten sich über die ganze Karibik und nahmen ihren Anfang in den deutschen Produktionsregionen von Stoffen oder in Zentren der Stoffbearbeitung (in diesem Falle das Bleichen in Bielefeld), passierten mehrere wichtige europäische und karibische Handels- und Hafenstädte (Hamburg, Bremen, Amsterdam, Havanna, Santiago, Maracaibo und Caracas/La Guaira in Venezuela).[141] Eine Schwester Bauchs hatte Jan Van Nes Ziegler geheiratet, der seinerseits Sohn eines Ziegler war, Stofffabrikant aus Bielefeld, der schon um 1800 nach Curazao gegangen war, um mit dem Karibikhandel zu beginnen.[142] Dort hatte Ziegler in eine niederländische Kaufmannsfamilie eingeheiratet. Er betrieb Handel auf die venezolanische Gegenküste, vor allem mit Maracaibo, auf Kakao, Leder und Kaffee. Ziegler wurde Sozius von einem Ramón Pons (aus Katalonien) und von José Ayo (aus dem Baskenland). Pons und Ziegler unterhielten das Handelshaus “Pons y Ziegler”. James Bauch wurde ebenfalls Gesellschafter. Sein Schwager Jan Van Nes Ziegler kontrollierte seinerseits ab 1846 das Hamburgische Konsulat in Santiago de Cuba. Eine andere Schwester Bauchs, Isabel, heiratete den marabinischen Kaufmann Manuel Vidal y Ramón.[143] Die Netze wurden immer dichter. Catalina Banko erwähnt schließlich einen Heinrich (Enrique) Bauch aus Hamburgo, der sich La Guaira, dem Hafen von Caracas seit 1839 etablierte hatte. Dieser Enrique Bauch hatte zwischen 1844 und 1850 das Hamburgische Konsulat in La Guaira[144] inne. Er war auch Hamburgischer Beauftragter für die Verhandlungen um die Verlängerung des Handelsvertrages zwischen den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck sowie Venezuela.[145]
            Über die Beziehungen und Netzwerke von Jamm, die er, wie sein kubanischer oder spanischer Partner Joaquin Tijero zeigt, gehabt haben muss, wissen wir leider fast nichts. Es findet sich weder über Jamm noch über seinen Partner etwas in den kubanischen Quellen; eventuell galt als „französischer“ Kaufmann (bei Jürgen Schneider findet er sich aber nicht im Personenverzeichnis). Auf jeden Fall wird deutlich, daß Jamm nicht über die breiten „globalen“ Netzwerke der großen Handelshäuser verfügte und eher auf sich selbst gestellt war. 
            Da wir hier nicht die langwierige und komplizierte Geschichte aller deutschen Konsulate und Konsuln auf Kuba nachzeichnen wollen und können, nur noch einige Beispiele, die die karibischen Netze der großen hanseatischen Kaufleutefamilien zeigen. Jamm kann da wirklich nur Aussenseiter gewesen sein. Bremen folgte den Spuren  Preussens.[146] 1836 war Hermann Wätjen bremischer Konsul in Havanna geworden. Um die Jahrhundertmitte hatte Bremen schon konsularische Vertreter in allen vier erlaubten Städten. Die innerdeutsche Konkurrenz schlief nicht: Hamburg richtetet sein erstes Konsulat in Havanna 1837 ein. Erster Konsul wurde Gustav Sthamer. Seit 1841 gab es ein Konsulat in Matanzas (Broderus Albers[147]); 1846 in Santiago de Cuba (Jan Van Nes Ziegler[148]) und 1857 in Trinidad. Wie man sieht, waren fast alle Konsulate durch eine relativ kleine Gruppe vor allem Hamburger und Bremischer großer Kaufleutefamilien kontrolliert. [149] Die Stammhäuser befanden sich in Hamburg oder Bremen; in die Karibik wurden die Söhne oder Schwiegersöhne geschickt. So schickte das Handelshaus „Joh. César Godeffroy & Sohn“ 1837 einen der Söhne, nicht einmal den Erstgeborenen, Adolph Godéffroy, nach Havanna. Godeffroy jun. gründete in Havanna eine Filiale.[150] Schon 1840 verfügten die beiden Häuser, das Hamburgische und das in Havanna über die größte Handelsflotte Hamburgs. Von Havanna breiteten sich die Godeffroys nach New Orleans, Veracruz, La Guaira, Puerto Cabello und bis nach Montevideo aus, später auch nach Valparaiso (Chile), El Callao (Peru) und  Samoa. Ab 1871 wurde Louis Will, ehemaliger Konsul von Braunschweig und seit 1868 Generalkonsul des “Nordeutschen Bundes” (Confederación Alemana del Norte)[151], zum ersten Generalkonsul des neuen deutschen Kaiserreiches in La Havanna ernannt.[152]
Die doch recht deutliche Halbierung der Zahl der deutschen Kaufleute in den fünfziger Jahren (vor allem in Santiago de Cuba) kann mit einem Verhalten erklärt werden, dessen Muster auch bei Jamm zu beobachten ist. Einmal spielte sicherlich eine Rolle, daß viele Europäer an Krankheiten der Tropen starben. Außerdem war Kuba eine Kolonie. Und Spanien versuchte seine Kontrolle über die Insel seit den fünfziger Jahren auszubauen, auch im Handelssektor und vor allem im Innern der Insel. Deshalb waren die deutschen Kaufleute gezwungen, sich spanische oder hispano-kubanische Partner zu suchen; die dann aber oft das Geschäft dominierten. Also mussten sich deutsche Kaufleute entweder „naturalisieren“ (durch Heirat mit einer Frau aus spanischer oder kubanisch-kreolischer Familie) oder sie liessen sich, wie Jamm, auszahlen, und gingen zurück nach Deutschland. Es scheint ein Glücksfall für Jamm gewesen zu sein, dass er sich vor der großen Krise von 1857 auszahlen liess.
Jamm hatte auch Glück, daß ihn oder sein Geschäft keine der Naturkatastrophen oder tropischen Krankheiten traf. Das Leben auf der Insel war im 19. Jahrhundert durch Naturgewalten, wie periodische Herbst-Wirbelstürme (Huracanes), Überschwemmungen, Erdbeben, schlechte Ernten, Epidemien und Krankheiten, Tag und Nacht, das heißt naturgeographische Faktoren, viel stärker geprägt, als wir uns jemals vorstellen können. Als Beispiel sei auf eine der Krankheiten verwiesen, die sowohl das natürliche Wachstum, die Größe (Zahl) der Bevölkerung wie auch ihre Verteilung stark beeinflußte: das Gelbfieber (Dengue) oder vómito negro (“Schwarzes Kotzen”; nach den finalen Symptomen der gefährlichsten Variante; eine Art schwerer Grippe mit Schüttelfrost und inneren Blutungen; die Kranken erbrachen geronnenes “schwarzes“ Blut). Eine Neffe Jamms ist wohl an Geldbfieber gestorben. Diese Krankheit ist von Westafrika, wo sie vor allem Affenpopulationen befiel, in die Karibik gekommen. Der Virus der Krankheit, die nicht durch andere Kontakte übertragen werden kann, wird durch langbeinige Mosquitos mit dem Namen Aedes aegypti (oder: stegomya) verbreitet. Der Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. Er überlebt nur in Temperaturen über 16 Grad Celsius. Das Mosquito braucht es noch wärmer: um 27 Grad Celsius. Das heißt, durch die Temperatur waren dieser Krankheit scharfe Grenzen in tropischen und subtropischen Gebieten gesetzt.
            Die Mücke Aedes aegypti läßt sich faktisch vom Menschen halten, sie lebt von seinem Blut und vermehrt sich vor allem in flachen stehenden Gewässern - ideal etwa waren die in Kuba sehr verbreiteten Wasserzisternen, Rückhaltebecken und Wassertanks in oder bei menschlichen Siedlungen. Das Ergebnis einer Erstansteckung mit der gefährlichen Variante ist gewaltig: fünf Tage Fieber und dann Tod; die Todesrate beträgt beim ersten Auftreten bis zu 80%. Wer die Krankheit einmal überstanden hatte besaß lebenslange Immunität. Die Krankheit wächst sehr schnell zur Epidemie an; wie sich noch an 350 000 Kranken 1981 zeigt.
Gelbfieber (wie auch Malaria und Dengue) breitete sich möglicherweise erstmals schon 1648 in Havanna aus (historische Krankheitsbilder sind nicht leicht zu interpretieren). Zusammen mit Dutzenden von anderen, nicht weniger gefährlichen Krankheiten - von Malaria über Filariasis, von Morell de Santa Cruz als Mal de culebra beschrieben, und Pest über Pocken bis Typhus, die es auch in Europa gab - machten sie Westindien zu einer der ungesündesten Regionen der Welt. Noch 1836 schrieb José Antonio Saco in einer Erörterung, ob es einen Zusammenhang zwischen tropischen Krankheiten und dem Fehlen von Arbeitskräften gäbe: “Die Kubaner wissen durch lange Erfahrung, dass das Gelbfieber eine Krankheit der Küsten ist; und das es nur selten der Fall ist, das es an diesem oder jenem Punkt des Interior [Inselinnern] ausgebrochen ist”.[153] Das bezieht sich entweder darauf, dass über die Todesfälle im Interior nur sehr wenig statistische Daten gab oder darauf, dass Wasserfässer und Rückhaltebecken vor allem in den Küstenstädten benutzt wurden.
In den Vorschriften der British Royal Navy, die zum damaligen Zeitpunkt schon über weltweite Erfahrung verfügte, rangierte Westindien an erster Stelle. Neuere Forschungen binden den Beginn der afrikanischen Sklaverei in Amerika an das Aufkommen von Krankheiten bzw. die Folgen von Epidemien und den demographischen Kollaps der nativen Indiovölker. Die erste Epidemie sei wohl die Schweinepest (swine flu) gewesen, bald begleitet von Typhus und Masern. Die schrecklichste epidemische Seuche, die Pocken, hätten Westindien endgültig 1518 erreicht[154]. Zu dieser Zeit war die indianische Bevölkerung schon in rapidem Niedergang und das neuerliche Massensterben hätte Karl I. dann endgültig davon überzeugt, daß Arbeitskräfte in Massen nun direkt aus Afrika eingeführt werden müßten. Von dort sollen die Afrikaner das Gelbfieber mitgebracht haben, gegen das nur sie selbst zunächst immun gewesen seien.[155] Ab 1603 kam es fast regelmäßig zu Epidemien, deren Ursache nicht immer nur Gelbfieber war (1621, 1637, 1649, 1677, 1683/84, 1686/87 und 1693). Zwischen 1731 und 1762 sprechen die Quellen von sechs Epidemiewellen; danach nahm die Gefahr für Einheimische ab, da sie die Krankheit als Kinder - die generell weniger auf die Krankheit ansprechen als Erwachsene - überlebt hatten und immun waren. Die Krankheit traf vor allem Einwanderer; Soldaten und Seeleute, kurz Newcomer, auch ausländische Kaufleute oder Kommis, wie in einem russischen Roulette konnten sie damit rechnen, die Krankheit zu bekommen oder nicht - die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, lag nach britischen Berichten von Barbados bei etwa 18-20 Prozent. Erst mit den Reformen des aufgeklärten Absolutismus setzte sich langsam eine systematische Bekämpfung der verbreitetsten Krankheiten sowie die Ausbildung von Chirurgen und praktischen Medizinern durch.
            Was hat Jamm wohl von der kubanischen Kultur gehalten? Zunächst ist Kultur ja vor allem Esskultur; die Liebe ging auch damals durch den Magen. Im alltäglichen Leben verbrauchte die Bevölkerung Kubas vor allem Holz, Holzkohle, Wasser und einfache, in der Region - oftmals auf den eigenen Feldern oder Viehweiden produzierte - Nahrungsmittel, wie Yuca, Mais oder Bananen oder Reis. Weizenmehl, Harina de Castilla, kam vor allem aus Spanien und Mexiko, wenn die Handelsbedingungen gelockert waren, offiziell auch aus den USA (in Zeiten des Handelsverbotes wurde geschmuggelt). An die Mehlspeisen wird sich ein Badenser leichter gewöhnt haben, als ein mit Roggen, Bier, Hering und Kartoffeln sozialisierter Norddeutscher. An ungekühlten Rum und spanischen Wein konnte man sich sicherlich auch im 19. Jahrhundert relativ leicht gewöhnen. Die Fleischernährung war allerdings weit besser als damals in Deutschland und heute auf Kuba - für  Trinidad gibt es Quellen, daß sogar Sklaven über 200 Gramm Frischfleisch täglich bekamen, ansonsten waren Tasajo (Trockenfleisch) und Bacalao (Trockenfisch) sowie Viandas (Sättigunsbeilage), vor allem Yuca und Kochbananen, Unterschichten- und Sklavennahrung. Vielleicht hat Jamm die mit Limette und Knoblauch bereiteten kreolischen Fleischspeisen, Rind, Schwein und Huhn genossen. Fisch Essen war noch nicht üblich, ausser in der Fastenzeit; dann fast immer gewässerter Trockenfisch. Wenn Jamm nach spanischer Tradition gegessen hat, dann hat er eher Garbazos, Erbsen oder Bohnen sowie mehr Fisch und Schwein gegessen sowie Krustentiere und Muscheln, zusammen mit Olivenöl, Wein und Kakao als Heissgetränk. Kartoffeln gediehen auf Kuba nicht. Äpfel auch nicht. Sie galten im 19. Jahrhundert als exotisches Gemüse bzw. Obst. Reis kam zunächst aus Georgia, wurde dann aber auch auf Kuba angebaut. Bananen sind deshalb so wichtig, weil sie unter günstigen klimatischen Bedingungen, die auf Kuba gegeben waren (wenn nicht gerade ein Hurrikan die Stauden vernichtete), einen höheren Nahrungsertrag erbringt, als Weizen (133:1) oder Kartoffeln (44:1) auf der gleichen Fläche. Humboldt war der Meinung, dass die Landbevölkerung der heißen Gegenden, tierras calientes, Spanisch-Amerikas eben wegen der Bananen niemals wirklich Hunger leiden würde. Er sah darin eine Ursache ihrer Apathie.[156]
            Wir wissen nicht, ob Jamm sich auf Kuba an Bananen gewöhnt hatte. Aber es doch eine schöne Vorstellung, daß er sich die göttlichen Früchte der Karibik, wie Guayaba, Mamey, Papaya, Mango (die aus dem Pazifik stammt), Apfelsinen, Pampelmusen, kreolische Limetten und Ananas, denen die Kubaner sogar Gedichte widmeten[157], gewöhnt hatte und sich dann im nebligen Deutschland an ihren Geschmack und die Sonne der Karibik, den starken Kaffee, die Exotik, den Rum und die Zigarren erinnerte. Bananen etwa waren so exotisch für das deutsche Publikum, dass sie im Grunde bis 1880 unbekannt waren. Andererseits kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass Jamm sicherlich auch glücklich war, wieder in kühleren Gefilden zu sein. Die Hitze auf Kuba muss zeitweilig unerträglich für ihn gewesen sein. Die steife Elitenkleidung (etwa Anzüge aus schwarzem Stoff  mit einer Weste  aus Samt darunter!) trug auch nicht eben zum Wohlbefinden bei.

Die Kunden von Chistian Wilhelm Jamm


Bei Forschungen zu den Lebensgeschichten von Individuen steht der Historiker immer vor dem Problem, nicht genau die Verbindungen des Menschen, der einmal wirklich gelebt hat, mit den analysierten Strukturen und großen Menschengruppen nachweisen zu können. Aber die historische Imagination und die Mikrogeschichte können helfen. Also: wer waren die Käufer bei Jamm?
Etwa zur gleichen Zeit, als sich Jamm in Havanna befand, reiste der bereits genannte livländische Gutsbesitzer, Professor für Landwirtschaft in Riga, Historiker und Schriftsteller Jégor von Sivers (1823-1879) durch Kuba. Er beschrieb die kubanischen Kreolinnen als Frauen von mittlerer Körperhöhe (was damals etwa 1,50 m bedeutet haben dürfte). Er hob ihre füllige Gestalt, die weiche Gesichtsfarbe, schwarze Augen, ihr „leuchtendbläuliches“ Haar, einen vollen Busen, eine schlanke Taille und zierliche Füße hervor. Beim Spaziergang in der Stadt, dem Paseo, schmückten die Kreolinnen ihr Haar mit frischen Blumen. Dazu trügen sie einen durchbrochenen Schildplattkamm, der einen mit Spitzen besetzen Schleier über dem Haar hielt. Sie kleideten sich meist nach französischer Mode mit weißseidenen Strümpfen sowie Schuhen aus Atlas. Ihre Kleider schenkten sie nach der ersten Wäsche ihren Sklavinnen (das muss Jamm in den Ohren geklungen haben, selbst wenn es übertrieben war). Sie trugen kein Korsett oder Schnürbrust, sondern zeigten natürliche Formen.[158] Die Oberschichtenfrauen würden kaum jemals den Boden berühren, sondern bewegten sich fast überallhin in den offenen Kaleschen mit zwei großen Rädern, den Volantes, im Volksmund auch Quitrín genannt. Auch Jamm besaß einen Volante und ein Paar Pferde.[159] Cirilio Villaverde beschreibt das schöne Bild einer tropischen Abenddämmerung in Havanna. Tausende von beleuchteten Quitrines bewegten sich wie terrestrische venezianische Barken durch die bläuliche Dunkelheit. Sie bildeten lange Reihen vor Theatern, Cafés und den Plästen der Zuckerbarone.[160] In den Volantes fuhren auch Frauen. Alleridings musste die „Respektabilität“ einer ausfahrenden Frau oder eines Mädchens durch die Begleitung einer Anstandsperson gesichert werden. Eines der wichtigsten Instrumente der kreolischen Frauen war der Fächer. An der Machart und am Material des Fächers konnte die soziale Position erkannt werden; aber er diente armen und reichen Frauen der Städte auch zur Signalgebung.
Frauen sind in der bisherigen kubanischen Geschichtsschreibung vor allem als Arbeitskräfte (dann allerdings kaum als Frauen, sondern vor allem als farbiges “Personal” und Sklavinnen) und als Patriotinnen zur Kenntnis genommen worden. [161] Reisende haben, wie Ulrike Schmieder in ihrer Habilitationsschrift darlegt, ein sehr viel diffenzierteres Bild der unterschiedlichen sozialen Frauentypen gezeichnet. Zur Kenntnis genommen haben sie oft aber nur Oberschichten- und kreolische Bürgerfrauen sowie deren Lebenswege, Sitten und Erziehung sowie Ausbildung.[162] Vor allem in dieser Gruppe sind die Kunden von Jamm zu suchen. Einer der zentralen Werte dieser Gesellschaft, vor allem wiederum in den Oberschichten fassbar, war die “Ehre der Frau”; im Grunde das Herzstück der sozialen Ehrauffassung der Gesellschaft. Dieser Kult sozialer Ehre symbolisierte sich in der Jungfernschaft vor der Ehe, was oft in weißer Kleidung ausgedrückt wurde.[163] Unterschichten wurden von den Zeitgenossen oft nur in Kategorien von mangelnder Religion, Verbrechen, Gewalt und Laster zur Kenntnis genommen, wie auch frühe Publikationen über Prostitution zeigen.[164]
Sollte es wirklich jemals so etwas wie einen Heiratsmarkt gegeben haben, so war die Lage für Frauen der kubanischen Eliten Havannas, aber auch aller anderen Frauen, recht günstig. Es gab mehr Männer als Frauen (mit Ausnahme einiger Vorstädte der größeren städtischen Zentren). Nach traditionellem kastilischem Recht durften mit Erlaubnis der Eltern Jungen ab 14 Jahren und Mädchen ab 12 Jahren heiraten. Für Jamm waren die Lebenswege insofern von Bedeutung, als das seine Luxustextilien aus Lyon, Marseille, London, Deutschland und New York nicht nur Alltagsbekleidung der Oberschichten waren, sondern eventuell auch von einer breiteren Käuferschicht zu Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen und den berühmten Feiern zum 15. Geburtstag  der Mädchen in der kubanischen Gesellschaft gekauft wurden (heute jedenfalls sind es die “15“ - im Grunde handelt es sich um eine Feier der Heiratsfähigkeit, d.h., eventuell wurde diese früher schon am 12. Geburtstag gefeiert).
Auch andere Kunden als Oberschichtenfrauen sind denkbar. In den Beschreibungen der kostumbristischen Literaten etwa über die „Negros curros“, einer Hafensubkultur von skurril gekleideten Messerstechern, Schmugglern und Schutzgeldjägern, verstummen die Klagen über den „sinnlosen“ Luxus von Seidentüchern nicht.[165] Eventuell hatte Jamm – über Mittelsmänner – auch hier gute Kunden? Stoffe drückten Status aus.
Die intensivste Beziehung zwischen Frauen und Männer, die Zweierbeziehung, institutionalisiert und kirchlich sanktioniert als Ehe und mit der Hochzeit gefeiert, wurde vor allem zwischen den Familien der Oberschichten ausgehandelt. Andere Möglichkeiten des Kennenlernens in den Städten waren Kirchgang, Empfang in einem Salon, Theaterbesuch, Paseo (abendliche Ausfahrt mit dem Volante) mit Signalen des Fächers oder die Charla, das Gespräch am Fenster. Für all dies waren Seidenschals oder die damals als letzter Schrei des Luxus geltenden Taschentücher der Textilhändler gefragt.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts versuchten Krone und imperialer Staat massiv in die Gesellschaftsformation auf Kuba einzugreifen. Mit der „Real Pragmática Sanción para evitar el abuso de contraer matrimonio von 1776, in Amerika gültig ab 1778, konnten Eltern, vor allem zunächst der Vater, im Falle seines Todes die Mutter, die Großeltern oder ältere Geschwister, Minderjährigen eine Eheschließung wegen sozialer und ethnischer Ungleichheit verbieten. Solche Ehen, manchmal sicherlich auf Liebe beruhend, galten als desigual, ungleich. Ungleiche Ehen gegen den Willen der Eltern bewirkten nach Auffassung der Krone „schwere Beleidigungen gegenüber Gott, ... Zerwürfnisse in den Familien, Skandale und weitere schwerste Belastungen im Moralischen und Politischen“.[166] Gegen die ungerechtfertigte Ablehnung eines Heiratswunsches durch Eltern oder Verwandte gerichtlich vorzugehen, war möglich, aber schwierig. Außerdem war 1779 durch königliches Dekret noch einmal bestätigt worden, daß Offiziere und zivile Beamte der Krone in den Kolonien eine spezielle königliche Heiratserlaubnis brauchten. Das verzögerte Eheschließungen in Hispanoamerika. Es brachte auch Frauen in eine sehr peinliche Lage, wenn auf Grund eines Heiratsversprechens bereits sexuelle Beziehungen aufgenommen worden waren, und die Lizenz bis zur Geburt eines Kindes noch nicht eingetroffen war.[167]  
Sklavinnen und Sklaven heirateten gewöhlich nicht kirchlich (obwohl die Herren von der Kirche angehalten wurden, Eheschließungen zu fördern; die Ehen nahmen im Lauf des 19. Jahrhunderts ab). Sie kleideten sich in billiges Leinen und Köperstoffe, die ihnen von den Herren zur Verfügung gestellt wurden. Aber sie kauften auch Kleidung vom selbsterwirtschafteten Geld bei umherziehenden Trödlern. Kunden bei Jamm waren sie sicherlich nicht. Als Diener oder Dienerinnen waren sie diejenigen, die eventuell die Bestellungen ihrer Herrinnen bei Jamm abholten. Sklavinnen und Sklaven lebten und arbeiteten gemeinsam. Allerdings konnten sie vitale Paarbeziehungen, Sexualität, meist nur an Orten ausüben, wo eventuell der unerledigte Teil der Arbeitsaufgaben ihnen Schutz vor den Blicken Anderer bot. Das waren vor allem Orte, wo Holz oder Zuckerrohr geschlagen wurde und der noch stehende Wald oder das noch stehende Zuckerrohr eben diesen Schutz bot. Das Wort für Fällen ist tumbar. Aber meist hatten sie nicht einmal an diesen Orten wirklich Gelegenheit, unkontrolliert zusammen zu kommen. So trug die Gewohnheit der Hacendados, ihren Sklaven zu befehlen, herumliegende oder heruntergefallene Zuckerrohrstangen, Palos, auf ihren Wegen von den Feldern zurück zum Batey, aufzusammeln und auf einen Haufen (tumbadero) zu werfen, dazu bei, dass sich die auf die Gruppe gerichtete (und durch die Gruppe ausgeübte) Kontrolle auf eine Frau und einen Mann milderte. Tumbar, Tumbadero (umwerfen), vor allem aber palo (Stange), gelten noch heute als eines der Slang-Worte für Geschlechtsverkehr.[168] In der Meinung der Sklavengesellschaft galt für Sklavinnen und Sklaven der Wert “Ehre” nicht. Je länger Libertas oder Libertos, freigelassene Sklaven, sich vom Status der Unfreiheit entfernt hatten, desto mehr konnte sie, vor allem durch Königsdienst (Milizen) oder wirtschaftlichen Erfolg und Familienbildung sowie religiösen Eifer, sich diesem eher “weiss” geltenden Wert annähern. Das galt meist erst für die den Libertos nachfolgenden Generationen freier Schwarzer oder Farbiger. Beide kubanische Basiskulturen, die von iberischen Verhaltentraditionen geprägte der Oberschichten und die von verschiedenen afrikanischen Traditionen beeinflusste der Nachkommen der Sklavinnen und Sklaven, entwickelten in bezug auf das Verhalten der Geschlechter zueinander eine gemeinsame Konstante, einen interkulturellen Sockel, die im Grunde bis heute die sozialen Werte auf Kuba prägen - die Vorstellung von der Überlegenheit des Mannes. Für diese Überlegenheit musste der Mann aber etwas tun – etwa die „Ehre“ der Frau kontrollieren und für die standesgemässe Kleidung seiner Frauen sorgen.
Da Eltern und Vormunde (sowie Krone und Gesetzgeber) das Heiratsverhalten in den Oberschichten streng kontrollierten, hatte sich die Rechtstradition des Rapto (Entführung) eingebürgert. Damit konnten sozial niedriger stehende Männer der gleichen Klasse (vor allem aber der gleichen “Rasse”) manchmal eine Ehe erzwingen. Die Schande einer “Entehrung” der Frau durch eventuellen Geschlechtsverkehr wirkte schwerer als die “Schande” einer ungewünschten Verbindung. Das Gegenteil war der estupro, im Grunde der Vorwurf, Geschlechtsverkehr, d.h., die ultimative “Verletzung der Ehre”, unter Vorspiegelung eines Eheversprechens ausgeübt zu haben.[169] Es war ein traditionelles Mittel der Familien mit Töchtern, auf sozial höherstehende Männer Druck auszuüben. Allerdings waren für den Mann bei einer solchen rituellen Entführung kaum ernsthafte Folgen zu befürchten. Der liberale, tendenziell antikatholische, Diskurs der Gesetzlichkeit des 19. Jahrhunderts schwächte die gesetzlichen Sanktionen immer stärker ab.
Waren die jungen Leute aus der kreolischen Elite einmal verheiratet (und im Grunde genommen konnten nur die Eliten wirklich “standesgemäß“ heiraten), wurden die Beziehungen der Ehepartner auf Kuba von den meisten Reisende oft als erstaunlich gut eingeschätzt; einige europäische Reisende hoben die Freimütigkeit und die respektvolle Behandlung der Frauen hervor.[170]
Die sich aus den häufigen Verwandtenheiraten ergebende Endogamie in den Oberschichten (es heiraten - meist - nur Menschen aus einem engbegrenzten Kreis von Elitenfamilien) wurde oft durch die Heirat mit spanischen Offizieren oder Kolonialbeamten aufgebrochen. Frauen spielten für die Formierung dieser imperialen Elitennetzwerke eine extrem wichtige Rolle. Einmal bildeten sie das Objekt der Heiratsverbindung, als Braut. Damit waren sie auch Gegenstand einer metropolitanen Gesetzgebung, die die Eliten von den „Kasten“ (Castas) der farbigen Volksgruppen segregierte. Sie brachten zum Teil erheblichen Besitz in die Verbindungen ein. Offiziell waren sie sowohl als Töchter, wie auch als Ehefrauen, der patria potestas, der väterlichen Gewalt bzw. Vormundschaft, eines Mannes unterworfen. Als Witwen konnten sie allerdings auch selbst Verwalterinnen ihres Vermögens sein. Sogar als Plantagen- und Sklavenbesitzerinnen. Viele Rechtsgeschäfte wurden von Frauen getätigt, allerdings waren Zeugen für die Geschäfte und die Notare immer Männer; Reisende führten diese Stellung der Frauen auf traditionelles spanisches Erbrecht zurück, nach dem Töchter wie Söhne zu gleichen Teilen erbten. Das Ideal der Krone und der metropolitanen Gesetzgebung war die nach “Kasten” partialisierte Ehe, wobei das dynamisierende Element die Heirat von Frauen einer nach dieser Idealvorstellung “niedrigeren” (dunkleren) Kaste mit einem “weißeren” Partner darstellen sollte. Die Umsetzung dieses Ideals gelang nur partiell, vor allem in der kreolischen Oligarchie.
Männer der kreolischen oder spanischen Oberschicht (und eventuell auch Ausländer) gingen sehr oft extramatrimoniale Beziehungen zu farbigen Frauen ein. Das umgekehrte Verhältnis galt (und gilt) als blasphemisches Sakrileg der „Ehre“ nicht nur der jeweiligen Frau, sondern der ganzen Sklavereigesellschaft. Diese Mentalität wirkt noch heute nach. Görtz schrieb über die Beziehungen der Geschlechter in Santiago: „Der Verderb des Familienlebens, welcher in den Colonien besonders durch die Stellung der farbigen Frauen droht, ist überall arg, in Santiago sind aber selbst die wilden Ehen mit Weißen oft von guter Familie und Erziehung an der Tagesordnung und vollkommen recipirt; man schließt Contracte auf 5, 10 und mehr Jahre, und die Kinder erben nach Gewohnheitsrecht 1/5 des Nachlasses. Ein wirkliche Heirath erfolgt dann höchstens auf dem Sterbebette, indem man bis dahin die Befriedigung gehabt hat, sich durch die Lösbarkeit des Verhältnisses vor den Tücken der schönen Creolinnen sicher zu stellen.“[171]
Insgesamt lassen sich mit Schmieder folgende Besonderheiten der Genderbeziehungen und der Stellung von Frauen im Kuba der späteren Neuzeit gegenüber Europa hervorheben. Erstens die extrem eifersüchtige Behütung von Töchtern und Frauen und sehr offen gelebte doppelte Moral für Männer und Frauen im Hinblick auf die Sexualität. Zweitens die günstigere Stellung der iberoamerikanischen Frau im Erb- und Vermögensrecht z.B. gegenüber dem englischen Recht und dem Recht mehrerer deutscher Staaten. Das wirkte sich sogar positiv auf die Rechtsstellung eben freigelassener Exsklavinnen aus. Drittens die offen gelebten Priesterkonkubinate. Viertens, so fügen wir hinzu, Sexual- und/oder Liebesbeziehungen zwischen Herren/Sklavinnen oder Herrinnen/Sklaven hinter den Wänden der Häuser. Hier verflochten sich das Verhältnis von Männern und Frauen sowie das Sklavenproblem, denn Haussklavinnen gingen Beziehungen zu ihren Herren ein. Inwieweit das auch für Jamm zutrifft, bleibt Spekulation.
Für schwarze Frauen war das quantitative Verhältnis zu Männern noch günstiger  – aber sie heirateten kaum schwarze Männer. Zumindest nicht, wenn man unter “Heirat” die offizielle kirchliche Trauung versteht (obwohl im Grunde alle Sklavengesetze der Krone darauf abzielten, die Sklavenehe zu fördern und ein Klasse geborener schwarzer Sklaven zu züchten). Seit der Frühzeit der Kolonie gab es immer wieder königliche Verordnungen, die darauf abzielten, klarzumachen, dass Sklaven durch Heirat nicht automatisch frei würden. Die oftmalige Wiederholung zeigt nicht unbedingt, dass die Gesetze sehr wirksam waren. Aber sie zeigt, dass die Meinung über “Heirat=Freiheit” tiefverwuzelt waren, zumal die Heirat mit einer India zudem noch das Recht auf Bodenbesitz sicherte. Die Masse der kubanischen Bevölkerung, die nicht den Oberschichten angehörte, war nicht verheiratet, sondern casado, was zwar die offizielle Übersetzung für “verheiratet” ist, aber eigentlich behaust, Leben unter einem gemeinsamen Dach und eine Vielfalt von Arrangements zwischen zwei Partnern bedeuten kann.
Auf den Plantagen kam es durchaus zu Konflikten zwischen Männern und Frauen, aber auch zu Konflikten zwischen Männern um Frauen (und möglicherweise auch zwischen Frauen um Männer).[172] Sklavinnen und ehemalige Sklavinnen zogen oft ein Verhältnis mit sozial höher stehenden und helleren Männer dem Zusammenleben mit einem Mann ihrer sozialen Gruppe vor. Manchmal waren Haussklavinnen auch Geliebte.
Schwarze und farbige freie Männer hatten, auch wegen der Arbeitssuche, ein unstetes Leben, das leicht als “Landstreicherei” interpretiert werden konnte. Sie gingen dann Beziehungen, oftmals flüchtige, mit verschiedenen alleinstehenden Frauen ein. Die Instabilitität der Geschlechterbeziehungen in den Unterschichten, die meist zugleich auch farbig waren, wurden von den Oberschichten, der Kirche und den Reisenden oft als “fehlende Moral” interpretiert. Esteban Montejo berichtet sehr authentisch: “Die freien Ehen waren schon besser. Die Frauen waren frei und hatten nichts mit ihren Eltern abzumachen. ... Ich war immer frei. Ich habe mich nicht verheiratet, erst nachdem ich ein Alter war; ich war an vielen Orten als ungebundener Junggeselle. Ich habe Frauen aller Hautfarben gekannt. Stolze und gute”.[173]
Das Gegenteil zur Instabilität und Unstetheit des Lebens farbiger Männer, vor allem ehemaliger Sklaven, waren Enge und Einsamkeit des Lebens der Guajiros und Guajiras, der freien bäuerlichen Landbevölkerung. In Bezug auf diese Landbevölkerung sind die Gerüchte über Inzest und Kindesmisshandlungen eigentlich nie verstummt; sie wurden (und werden) allerdings in Schweigen gehüllt.[174]
Für schwarze Frauen (und Männer, Montejo ist hier kein gutes Beispiel) waren ihr Stück Land, der conuco, die casa (Haus) und die parentela, die wirkliche oder symbolische Verwandtschaft, meist wichtiger als eine Familie nach europäischen Vorstellungen.
Ärmere Frauen, und “nicht-verheiratet” galt oft als gleichbedeutend mit “arm”, mussten “auf die Straße” gehen – und Arbeit suchen: als Wäscherinnen, Dienstmädchen (was sie oft in engeren Umgang mit Männer aus den Oberschichten brachte) oder als Prostituierte. Prostitution hatte oft den Vorteil, den halbprivaten, halböffentlichen Raum der kreolischen Vorderhäuser ausnutzen zu können und “zu Hause” zu bleiben, en casa.[175] Insofern machte die Akkumulationsfunktion eines vom Munde abgesparten Sklaven oder einer Sklavin die Sklaverei auch in den freien Unterschichten (auch unter ehemaligen Sklaven) wahrhaft populär. Ein Sklave oder eine Sklavin erbrachte im Regelfall immer Gewinn, so dass auch alleinstehende ärmere Frauen einen gewissen Mindeststatus der damaligen Gesellschaft einhalten konnten. Das galt auch für Männer, nur das Prostitution von Männern öfter verschwiegen wurde. Männer hatten auch viel mehr Möglichkeiten, Arbeit auf der Strasse oder im Feld zu finden.
Die Folge dieserart Beziehungen zwischen dem, was die Zeitgenossen für scharf getrennte “Kasten” hielten, waren hohe Unverheirateten- und Illegitimitätsraten auf Kuba. Aus der Karibik, vor allem aus Kuba, kamen knapp 40 % aller bei der spanischen Krone eingehenden Legitimationsanträge des 18. und 19. Jahrhunderts (Anträge auf Aufhebung der „Illegitimität“ für Kinder der Elite). Illegitimität war sozusagen ein Zeichen der Nichtzugehörigkeit zu den Eliten (es gab auch farbige Eliten). Daraus entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein Kriterium, dass die städtischen Mittelklassen nach unten abschloß.
Neben dem längeren Verbleib Kubas bei Spanien vermutet Twinam dafür als Ursache auch eine stärkere Diskriminierung von Personen unehelicher Abstammung auf der Insel. Illegitimität galt in den höheren Mittelschichten und in der Oberschicht – vor allem, weil keine Nachkommen von “Negros” Zugang zu diesen sozialen Sektoren bekommen sollten – als ehrenrührig. Der Name der Mutter eines unehelichen Kindes wurde bei Kindeslegitimationen in der Aristokratie oft dauerhaft verschwiegen, um die Ehre der Mutter zu schützen. Das Motiv von Männern, uneheliche Kinder zu legitimieren, sei weniger Druck von Seiten der Familie der Mutter gewesen, als vielmehr die Tatsache, dass sie ihre Kinder nicht den Nachteilen einer unehelichen Herkunft aussetzen wollten[176]. Die Ehefrauen der Eliten mussten also oft “Bälger” des Ehemannes dulden. Oder die Casas de Cuna, die Findelhäuser, füllten sich. Oft war der Nachname der Findelkinder “Valdés” ein Zeichen für eine “Herkunft” aus dem Findelhaus (diese hiessen sprichwörtlich Casas de Valdés). Ein offenes Liebesverhältnis – wie es Gertrudis de Avellaneda im romantischen Roman Sab thematisiert – zwischen einer weissen Oberschichtenfrau und einem schwarzen Mann war in Realität völlig undenkbar für diese Gesellschaft (selbst wenn der Sklave in Afrika ein „Prinz“ war). Das bedeutet, dass die “Ehre” der Frauen für die Sicherung der Kastenherrschaft und Rassendominanz der weissen Oberschicht eigentlich noch viel wichtiger als es die normierende militärische “Ehre” der Männer war (etwa in den Milizen).

Christian Wilhelm Jamm und die Sklaverei


            Jamm lebte und arbeitete während seiner kubanischen Jahre in einer extrem komplizierten Umgebung. Ungewohnt für einen südbadischen Protestanten. Nicht nur wirtschaftlich ungewohnt, sondern auch kulturell, sprachlich und sozial. Erst im Ausland erkannten die deutschen Regionalisten ihr „Deutschtum“ voll an. Bei Jamm mag das ähnlich gewesen sein. Aber vielleicht hat der Aussenseiter, der vor allem mit „französischen“ Luxustextilien handelte, auch seine badische Herkunft besonders betont. Grundsätzlich gesehen, war Jamm, ethnisch gesehen, ebenso „Ausländer“ wie die etwa 600 000 im Laufe des 19. Jahrhunderts nach Kuba verschleppten Menschen aus dem subsaharischen Afrika. Beide Gruppen von „Ausländern“ wurden aber sehr unterschiedlich behandelt.[177]
Die britischen Konsuln hatten, neben der Vertretung von englischen, schottischen, irischen oder walisischen Kaufleuten und der Beobachtung etwa der deutschen Konkurrenz, die Hauptaufgabe der Verfolgung des seit 1820 auch auf Kuba offiziell verboteten Sklavenhandels. Deshalb waren die britischen Generalkonsuln auch offizielle Kommissare der “Gemischten Kommission” (Comisión mixta para la represión del tráfico negrero), die zwischen Spanien und Großbritannien gegründet worden war, um den illegalen Sklavenhandel zu verfolgen. Crawford zum Beispiel informierte in seinen Berichten auch über diese Form des “schmutzigen” Handels; einer der ausführlichsten Berichte datiert auf das Jahr 1860. [178]
Die Herausbildung eines ökonomischen Systems auf der Basis von Massensklaverei auf Kuba, die ersehnte ”Cuba Grande” der Oligarchie, war durch einige globale Bedingungen geprägt, die ihm einen besonderen Charakter verliehen. Erstens trat dieses System im historischen Sinne relativ spät an das Tageslicht, unter den Bedingungen der sich entfaltenden atlantischen Doppelrevolutionen, der von Großbritannien ausgehenden industriellen neuen Revolution sowie der amerikanischen und der französischen Revolution, die die Menschenrechte proklamierten. Beide Bewegungen verstanden unter freiem Individuum im wirtschaftlichen Sinne freie Arbeitskräfte bzw. befreiten ländliche Arbeitskräfte aus letzten feudalen Bindungen, dazu kamen Prozesse wie die preußischen Reformen. Die Nationalgeschichten, vor allem französische, deutsche oder englische, vermitteln den Eindruck, diese Prozesse hätten die Weltgeschichte 1760 bis 1830 dominiert. Das ist ein falscher Eindruck. Dominiert haben die Weltgeschichte als Sozialgeschichte, noch bis 1860/70, dem Ende des zweiten Globalisierungsschubs, traditionelle Verhältnisse und Sklaverei oder andere direkte Formen der Bindung der Arbeitskräfte. Als Revolution von atlantischer Tragweite muss auch die Revolution auf Saint-Domingue 1791-1804 eingeschätzt werden. Sie ermöglichte der kubanischen Elite, Fachleute in großer Zahl anzustellen und hielt ihr die Konkurrenz vom Leibe. Die Proklamation der Sklavenfreiheit als konkretes Menschenrecht (durch die Sklaven selbst auf Saint-Domingue) schien zunächst eher retardierende Wirkung auf die Plantagenkolonien der Karibik zu haben. Allerdings führte die Furcht vor Sklavenrevolutionen schnell zur Entwicklung von Furcht-Ikonen (die es erlaubten, jede Freiheitsregung der Sklaven als “Terror wie in Haití” zu stigmatisieren) und zur Ausarbeitung einer effizienten Sklavendemographie.
            Zweitens besaß das spanische Imperium keine eigenen Sklavenversorgungsgebiete und erst seit 1777 mit den Inseln Fernando del Póo und Annobón Sklavenhäfen am Golf von Guinea in Afrika (mit dem Recht, auch auf den Islas Príncipe und Santo Tomé sowie an den gegenüberliegenden afrikanischen Küsten Handel zu treiben), die allerdings nicht zu den wichtigen Sklavenhandelsplätzen gehörten.[179] Durch diesen Vertrag und einen nachfolgenden Handelsvertrag[180] erhielt Spanien (und damit potentielle hispano-kubanische Sklavenhändler) Zugang zu den portugiesischen Sklavengebieten in Afrika.
            Drittens entfaltete sich die kubanische Massensklaverei, da seit Ende des 18. Jahrhunderts die englische Abolitionspropaganda offizielle Politik wurde und der Kampf gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel die internationale Idiosynkrasie seit dem Wiener Kongress von 1815 prägte, unter für die Herren ungünstigen äußeren und ideologischen, vor allem “propagandistischen”, Bedingungen.[181] Als Medienprodukt hatte die kubanische Sklaverei einen schweren Stand.
            Zwischen 1763 und 1846 war die Sklaveneinfuhr über den Atlantik die wichtigste Quelle des fast explosiven demographischen Wachstums der kubanischen Bevölkerung. Sklaven waren unter den Bedingungen der zweiten Globalisierung, als im Kern Europas überall persönliche Abhängigkeit und Knechtschaft abgeschafft wurden, sozusagen die Ressource, der “Billiglohnsektor”, preiswerter Herstellung von Rohstoffen für die industrielle Produktion und zur besseren Ernährung der europäischen Bevölkerungen. Es wuchsen zwar alle ethnischen Grundbestandteile der Inselbevölkerung, aber der Sklavenanteil erhöhte sich mit den höchsten Prozentsätzen (3,8 Prozent Sklaven, 2,74 Prozent Weiße und 2,24 Prozent freie Farbige), obwohl sich dieses Wachstum nicht aus natürlicher Reproduktion speiste, sondern durch Sklavenhandel aufrechterhalten wurde. Der Zeitraum zwischen 1763 und 1880 kann bezüglich des Sklavenhandels in vier Hauptperioden unterteilt werden:
1.) 1763 - 1788: das Ende des Asientos;
2.) 1789 - 1820 mit den Etappen 1789 - 1804 und 1805 - 1820: die Periode der Entmonopolisierung und des freien Handels;
3.) 1821 - 1845 mit den Etappen 1821 - 1823, 1823 - 1833 und 1834 - 1845: die Periode des offiziösen Schmuggels;
4.) 1846 - 1880 mit den Etappen 1846 - 1867 und 1867 - 1880: Die Periode des unregelmäßigen Schmuggels und der Ablösungsstrategien der unfreien Arbeit; 1867 begann die Endphase des atlantischen Sklavenhandels.[182]
            In der ersten Hauptperiode wurden vor allem durch Verträge mit einzelnen, meist englischen, Sklavenhändlern außerhalb des traditionellen Asiento-Systems 49293 Sklaven nach Kuba eingeführt, etwa 10000 Sklaven mehr als in den zweieinhalb Jahrhunderten vor 1763.[183]
            In der ersten Etappe der zweiten Hauptperiode wurde von der Krone eine Reihe von Reales Cédulas, Ordenes und Decretos erlassen, die den Sklavenhandel in Freihandel mit versklavten Menschen aus Afrika umgestalteten. Die Verordnungen befreiten die kubanischen Produkte Zucker, Kaffee, Baumwolle und Indigo weitgehend von der Zahlung der Zölle, der Alcabala und der Diezmo. Auch wurden die Werkzeuge, Maschinen und Gebrauchsgegenstände für die Ingenios von der Steuerzahlung ausgenommen. In dieser Etappe wurden 101265 Sklaven eingeführt.
            In der zweiten Etappe dieser Periode kam es seit 1805 zur Aufhebung des Handels mit Neutralen, was vor allem zeitweilig eine Zurückdrängung des Handels mit den USA bedeutete. Dazu kam Ende 1807 die ausdrückliche Aufhebung des britischen Sklavenhandels (gültig ab 1808). Das führte zum Aufstieg wichtiger spanisch-kubanisch-katalanischer Sklavenhändlergruppen und zur Akkumulation von großen Kapitalien in einzelnen Familienclans, die die massive Neuanlage moderner Ingenios in der Region Matanzas und die spätere Expansion des Zuckers nach Las Villas und Cienfuegos ermöglichten. Als Ursache oder Nicht-Ursache für die Independencia, d.h., für die Frage, ob sich Eliten versuchten, wirklich für autononom zu erklären (wie auf die Kontinent), ist die Frage des Sklavenhandels bisher nur von Jeremy Adelman im Ansatz untersucht worden. Für die kubanische Geschichtsperspektive heisst es immer: „Die Eliten hatten zu viel Angst vor den vielen Sklaven“. Deshalb sei Kuba erst so spät unabhängig geworden. Aber die „vielen Sklaven“ kamen erst nach 1808. Und, wie Sergio Guerra gezeigt hat, waren alle traditionellen Eliten Kubas von Trinidad an ostwärts, durchaus Anhänger einer Independencia vom Typ „Independencia unter Simón Bolívar“, d.h., einer Unabhängigkeit ohne wirkliche Sklavenbefreiung.[184] Nur die Sklavenhandels- und Massensklavereieliten des kubanischen Westens, um Havanna und Matanzas (Cuba grande), Spanier, wie Kubaner, mit leichtem Zögern Arangos, verweigerten sich der anfänglichen Junta-Bewegung.[185] Die Eliten, vor allem Spanier und kosmopolitische Eliten, bekamen den Sklavenhandel ab 1808 unter ihre Kontrolle, und die kreolischen Plantagen und Sklavenbesitzer bekamen den Wald (wichtig für die Anlage neuer Ingenios) sowie das volle Eigentum über den Boden (ab 1815).
            In dieser Etappe intensivierte sich der Handelskrieg der britischen West-Indian-Lobby von Zuckerproduzenten gegen die kubanische Zuckerproduktion, die offizielle Abolition des Sklavenhandels durch Großbritannien war Teil dieser Offensive. Nach den Vorschlägen des mexikanischen Deputierten José Miguel Guridi Alcocer (sofortiges Verbot des Sklavenhandels und graduelle Aufhebung der Sklaverei) und von Agustín de Argüelles (Aufhebung des Sklavenhandels nach britischem Vorbild) auf den Cortes von Cádiz 1811[186] sowie dem britisch-spanischen Vertrag von 1814, stellten sie die ersten direkten Angriffe auf den kubanischen Sklavenhandel dar. Die Gruppe um Arango sah sich zu energischen Gegenmaßnahmen veranlaßt. Dabei hatte sie ein relativ leichtes Spiel, da Kuba neben Puerto Rico, dem Gibraltar der Karibik[187], die letzte sichere Basis Spaniens im Kampf gegen die Insurgenten in Südamerika darstellte. Kuba konnte mit seiner florierenden Wirtschaft auch noch Geldmittel zur Verfügung stellen. [188] Die erste spanische Verfassung (Cádiz 1812) schloss die castas pardas in Amerika und Kuba – damit meinte sie Freie mit “afrikanischen Vorfahren” - vom Status eines Bürgers des spanischen Imperiums aus. [189]
            Die totale Nichterfüllung des Vertrages von 1814 führte Großbritannien zu energischeren Schritten. Das Vereinigte Königreich nutzte seine dominante Position im internationalen System zu verschiedenen Initiativen auf dem Wiener Kongreß (1815) und zur direkten Pression der spanischen Krone. 1817 wurde ein weiterer britisch-spanischer Vertrag unterzeichnet, der den Sklavenhandel nördlich des Äquators ab dem 30. Mai 1820 verbot und die Einrichtung von gemischten Kommissionen (eine in Havanna und eine in Sierra Leone) sowie das Recht zur gegenseitigen Kontrolle festschrieb. Die illegal eingeführten Sklaven sollten, soweit dies durch Aufbringung von Schmuggelschiffen oder Denunziation von Sklaventransporten auf Kuba festgestellt worden war, zu sogenannten emancipados, Emanzipierten (eigentlich: Freien) erklärt werden. Der Vertrag von 1817 legte fest, daß diese Emanzipierten legal frei sein sollten; die spanische Regierung ging die Verpflichtung ein, ihnen die Rückkehr nach Afrika zu erleichtern oder ihnen - falls eine Rückkehr unmöglich oder nicht gewünscht war - die Integration erleichtern und Arbeit zu verschaffen. Für letzteres sollten sie für fünf Jahre der Aufsicht einer “ehrenwerten” Familie übergeben werden und dann frei sein. In Realität wurden diese Vertragsklauseln nur formell eingehalten; die Masse der Emancipados arbeitete bei in Bezug auf die Freiheit der afrikanischen Menschen völlig unehrenwerten Familien in ruraler Sklaverei oder wurde im Straßen- und Hafenbau eingesetzt, ohne daß sich jemand wirklich für sie verantwortlich fühlte. In den Sklavenlisten der Ingenios setzen die Besitzer Emancipados auf die Stellen von gestorbenen Sklaven, vermerkten die Emancipados als “gestorben” und gaben dem Emancipado den Namen des wirklich gestorbenen Sklaven.[190] Und sie bemühten nach Kräften das kulturelle Hauptargument für die Sklaverei: es sei Sünde, die Afrikaner in die “Dunkelheit des Heidentums” zurück zu schicken. 
            Der massiven englischen Abolitionspropaganda widersprach allerdings der britisch-portugiesische Vertrag von 1818, der den Handel südlich des Äquators weiterhin gestattete, da dieser als Handel zwischen portugiesischen Territorien in Brasilien und Afrika betrachtet wurde. In Wirklichkeit aber handelte es sich um starke britische Interessen im portugiesischen Kolonialreich und um Konkurrenz zum kubanischen Zucker.
Die kubanisch-spanischen Negreros wandten sich verstärkt von Großbritannien ab, was wiederum ihre deutlichere Hinwendung zu den USA bedeutete, deren Regierung von Politikern der südlichen Sklavenstaaten dominiert wurde, sowie zu anderen Handelspartnern, wie etwa Frankreich, Preußen, Hamburg und anderen deutschen Staaten. Diese antibritische Öffnung des Handels verhinderte zunächst, daß britisches Kapital in die Inselökonomie eindrang. Und Kaufleute aus anderen Nationen hatten auf Kuba zunächst bessere Chancen gegenüber den Briten.
            In dieser Etappe wurden 185807 Slaven nach Kuba eingeführt; die Gesamtzahl seit 1763 erhöhte sich auf 336365. Wie der Sklavenhandel konkret funktionierte, wissen wir aus Quellen von sogenannten Privateers oder Corsarios, Kaufleute-Kapitänen, die ein Korsaren-Patent eines Staates hatten, um andere Schiffe zu überfallen. Korsaren und Piraten gab es immer in der Karibik, aber besonders häufig in den Jahrzehnten des Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien 1812-1824. Die “revolutionären“ Korsaren des Generals Simón Bolívar etwa überfielen die spanischen Negreros; manchmal liessen sie die gefangenen Afrikaner frei oder reihten sie in ihre Mannschaften ein. Oft aber verkauften sie ihrerseits die Beute nach Kuba. So etwa im Fall des nordamerikanisch-venezolanischen Korsaren Renato Beluche, der im Januar 1818 das Sklavenschiff  Josefa Segunda mit 314 „Negern“ von der Guinea-Küste und Principe aufbrachte und sie dann an der Südküste Kubas an Land brachte und verkaufte.[191]
            In der ersten Etappe der dritten Hauptperiode begann die Zeit des “erlaubten illegalen Handels” mittels einer doppelten spanischen Politik der offiziellen Verurteilung einerseits und der passiven Unterstützung des Sklavenschmuggels andererseits. Die große Zeit der spanisch-kubanisch-katalanischen Negreros brach an.
            Wegen Unstimmigkeiten zwischen Großbritannien und Spanien über den Vertrag von 1817 wurde im Dezember 1822 ein neuer Vertrag zur Definition der Festlegungen von 1817 geschlossen. Da die Festlegungen allerdings weiterhin besagten, daß die Schmuggelschiffe nur auf offenem Meer aufgebracht werden durften und die spanische Marine in Verfolgung der Schmuggler passiv blieb, waren die Verträge praktisch nutzloses Papier.
            Die Zusammenarbeit zwischen den kubanischen Kolonialbehörden und den Negreros sowie deren Kenntnis der kubanischen Gewässer und Küsten taten ein Übriges. Die vollständigsten Kalkulationen besagen, daß in dieser Etappe 126600 Sklaven nach Kuba geschmuggelt wurden.
            Weil die Witwe des 1833 gestorbenen Ferdinand VII., María Cristina, in der dynastischen Krise Spaniens der Unterstützung Großbritanniens bedurfte und weil sich mit dem britisch-französischen Vertrag von 1833 sowie der Aufhebung der Sklaverei in den britischen Kolonien die internationale Lage entscheidend geändert hatte, schloß Spanien mit Großbritannien den Vertrag vom 27. Juni 1835 zur endgültigen Aufhebung des Sklavenhandels. Großbritannien betrieb auf Basis dieses Vertrages eine aggressivere Politik. 1836 sandte London den entschiedenen Abolitionisten Richard Madden[192] als Superindendanten für emanzipierte Sklaven nach Havanna. Aber die Negreros und Sklavenhalter genossen weiterhin die volle Unterstützung des Generalkapitäns Miguel Tacón. Sie erfreuten sich auch der geheimen Billigung der Regentin. Gerüchte besagen, daß María Cristina finanziell am Sklavengeschäft beteiligt gewesen sei. Allerdings stand für die spanische Krone durchaus auch Prestige auf dem Spiel. Die Zentralgewalt hatte, wie wir wissen, schon Ende des 18. Jahrhunderts auf eine irgendwie geartete juristisch fixierte Sklavenschutzpolitik verzichtet.
            Dann war auch die Kontrolle der Sklavenzufuhr seit 1789 Zug und Zug aufgegeben worden. Somit waren auf Kuba immer größere Mengen von Menschen dem direkten Zugriff der Krone, das heißt des Gesetzgebers, entzogen. Wegen des Schmuggels, war nicht einmal klar, wie viele Menschen das genau ausmachte. Das verstärkte die der Sklaverei als System innewohnende Tendenz, einen Staat im Staate zu bilden. Nach den Regeln des Regierens konnte sich keine Regierung seit den Zeiten der Aufklärung diese fehlende Kenntnis in der Demographie leisten.
Als 1840 der liberale probritische General Baldomero Espartero zum starken Mann der spanischen Politik geworden war, kam es zu Projekten, einen Zensus aller zwischen 1820 und 1840 nach Kuba importierten Sklaven zu erheben. Es ging auch das Gerücht um, daß allen Eingeschmuggelten die Freiheit gegeben werden sollte. Der Zensus von 1841, so ungenau er auch im einzelnen sein mag, zeigte jedenfalls, daß es auf der Insel bereits mehr Schwarze als Weiße gab; nämlich bei etwa einer Million Einwohner circa 43 Prozent Sklaven, 15 Prozent freie Farbige und rund 42 Prozent Weiße. Jetzt schien wirklich ein “neues Haiti” zu drohen. Rund gerechnet, gehörten etwa 70 Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung zwischen 16 und 60 Jahren der “schwarzen Rasse” an. Seitens der Sklavenhandelsgegner kam es zu hektischer Agitation über die drohenden “Afrikanisierung” Kubas[193]; die Sklavenbesitzer und Negreros reagierten ebenso panisch in der Furcht um ihre Pfründe. Der Staat und seine Diener fürchteten den Rückgang der hohen Steuern und Zölle (sowie Bestechungsgelder). Die Furchtikone “Haiti” wurde als Menetekel an die Wand gemalt.
            Eine literarische Mode, Sklavenschmuggler als Helden und Modernisierer darzustellen, konnte sich nicht durchsetzen. Die Ängste wurden verschärft durch das Agieren des britischen Konsuls David Turnbull[194], eines radikalen Abolitionisten, und die Ankunft des neuen, ebenfalls abolitionsfreundlichen Generalkapitäns, Gerónimo Valdés Noriega y Sierra. Turnbull benahm sich allerdings äußerst undiplomatisch. Die Forderung nach einem “wahren”, das heißt, einem richtig gezählten und auf den Plantagen erhobenen Sklavenzensus war der eigentliche Stein des Anstoßes zwischen Generalkapitän und Sklavenhaltern. Valdés erließ auch den berühmten Bando de Gobernación y Policía de la Isla de Cuba von 1842, mit einem Reglamento de esclavos im Anhang. Dieser Reglamento von 1842 war im Grunde - nach einem halben Jahrhundert! - eine Konkretisierung, Systematisierung und striktere Fassung der Grundregeln, die schon im Código Negro Español von 1789 festgeschrieben worden waren. Die kubanische Sklaverei wurde de jure erstmalig internen Regeln unterworfen.
Durchsetzen konnten die spanischen Beamten diese Politik auf die Dauer kaum besser als ihre Vorgänger vom Ende des 18. Jahrhunderts. Valdés hatte allerdings einige Erfolge im Kampf gegen den Sklavenschmuggel (die sogar ein Karl Marx schriftlich anerkannte).[195] Die kreolische Oligarchie nahm das als Signal. Den ökonomischen Kollaps Jamaikas vor Augen, warfen die Sklavenbesitzer einerseits die Frage der Entschädigung in die Debatte - in einer Gesamthöhe von 700 Millionen Francs. Das konnte der spanische Staat nicht bezahlen. Andererseits wandten sich einige Sklavenbesitzer nun dem Annexionismus zu. Zugleich setzte, da die Sklavenpreise in Amerika anzogen (in Afrika waren Sklaven schwerer zu bekommen und das Risiko des Sklavenexports war höher, so dass dort die Sklavenpreise fielen[196]) und der Zuckerpreis tendenziell fiel, eine Strategie der langsamen Ablösung der versklavten durch die freie Arbeit ein. Zunächst wurden, vor allem aus Angola und Mozambique, mehr Kindersklaven eingeführt. Die Junta de Fomento setzte Preise für diejenigen Hacendados aus, denen es gelänge, kanarische Kolonen anzusiedeln bzw. die Produktion vollständig mit Tagelöhnern, Jornaleros, einzubringen.
Seit 1847/49 gelangten auch chinesische und yukatekische Kulis als „Vertrags-Arbeiter“ auf die Insel. Die Zahl der chinesischen Coolies erreichte bis 1880 eine Höhe von rund 125 000 Menschen.[197] All dies konnte aber das Grundproblem der Arbeitskräfte nicht lösen und die Hacendados verwiesen immer wieder auf das Chaos in Jamaika. Aus ihrer Sicht schien Ende der vierziger Jahre ein Angriff auf das Herz des ökonomischen Systems und auf die soziale wie wirtschaftliche Basis der Zuckerelite bevorzustehen. 
            Seit dem Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts war es auch zu verstärkten politischen Aktionen, Rebellionen und Aufständen unter den Sklavendotationen vor allem in den Zuckerregionen von Matanzas gekommen. Die romantische Freiheitsrhetorik hatte auch die Plantagen erreicht. Diese Unruhen und Rebellionen wurden wiederum von den erschreckten Sklavenhaltern zum Schreckgespenst “Haiti” aufgebauscht und zu Pressionen auf die Kolonialverwaltung benutzt. Hintergrund war eine angespannte politische Situation der Karibik. 1843 wurde im benachbarten Haiti Präsident Boyer von Generalen der Sklavenrevolution gestürzt.[198] Die wirklichen Ursachen aber waren das die Folgen der ungezügelten Einfuhr von versklavten Menschen und der Ideologie des Sklavereiliberalismus. Es handelte sich auch um chaotischen Folgen wirtschaftlicher Selbstorganisation, denen man nur noch mit einem Gewaltrundumschlag Herr bleiben zu können glaubte. Dazu kam der Verfall der Weltmarktpreise für Kaffee und Naturkatastrophen. [199]
            Nicht nur die Krone hatte die Kontrolle verloren und die Kreolen lehnten die Sklaven-Gesetze als Eingriff in den Rechtsraum der Plantagen ab. In der Synergie zwischen amorphen, vielfältigen Verschwörungsnetzen und Furchtverstärkung konnten die Hacendados die Sicherheit in den Zuckerzonen auch nicht mehr gewährleisten. Hektik, Furcht und Nervosität taten ein Übriges. Valdés wies 1842 Turnbull aus. Als in Spanien 1843 Espartero gestürzt worden war, kam der General Leopoldo O'Donnell y Jorris als neuer Generalkapitän nach Kuba. Entgegen seinem lockeren Wort, Kuba könne mit einer Fiedel und einem Hahn regiert werden, benutzte er zunächst einen eisernen Besen. Unter seiner politischen Verantwortung wurde eine gezielte Verfolgungs- und Terrorwelle zur Zerstörung der Verschwörungsnetze ausgelöst. Zugleich sollten die kreolische Elite wieder begreifen, dass ihre Rolle die eines Juniorpartners der Metropole war.
            Der Staatsterror ist unter dem Sammelnamen “La Escalera” in die kubanische Geschichte eingegangen. O'Donnell, der nicht in erster Linie ein Bluthund war, wie ihn die ältere kubanische Historiographie dargestellt hat, bewies den Kreolen damit die Notwendigkeit einer starken Zentralmacht, eines spanischen gendarme necesario, eines notwendigen Gendarmen (wie die geniale Formulierung des venezolanischen Soziologen Laureano Vallenilla Lanz lautet[200]), für Kuba. De facto eine Militärdiktatur, die nach aussen den kolonialen Vorposten des Restimperiums und nach Innen die Institution Sklaverei schützte. Auch vor den unkontrollierten Begierden der Wirtschaftselite selbst. Der Oberschicht, der internationalen Öffentlichkeit und Großbritannien sollte der Schlag auch beweisen, daß Spanien noch Herr im Hause Kuba war. Der reale Terror traf in Verteidigung der Farblinien vor allem den zwischen Ende des 18. Jahrhunderts und 1840 entstandenen sozialen Sektor der schwarzen und mulattischen Klein- und Mittelbourgeoisie von Havanna und Matanzas, der allerdings nicht - wie manchmal zu lesen – “vernichtet” wurde, sondern der sich danach politisch anders und vor allem vorsichtiger verhielt.[201] Die Opposition aus der Oberschicht erstarrte vor Entsetzen.[202]
            In Bezug auf den Sklavenschmuggel mußte auf fortgesetzten britischen Druck allerdings am 2. März 1845 das Gesetz über die Repression des Negerhandels (Ley Penal) erlassen werden, das harte Strafen für ertappte Sklavenschmuggler vorsah, aber zugleich festhielt, “daß in keinem Fall und Zeitraum gegen die Sklaveneigentümer vorgegangen werden wird, noch [erlaubt ist], die Eigentümer unter dem Vorwand der Herkunft [der Sklaven] zu beunruhigen.”[203] Das Gesetz war ein rechter Mißerfolg; zumindest aber konnte es für die nächsten zwanzig Jahre als ein Feigenblatt herhalten. Zugleich wurde ein einheitliches Reglamento de cimarrones [204] für die ganze Insel erlassen.
            Zunächst nahm der Sklavenschmuggel ab, um dann Ende der vierziger Jahre und in Wellen 1853-1854 sowie 1858-1861 nochmals anzusteigen, in letzterer Etappe gar auf Rekordhöhen. Paradoxerweise war es wegen brasilianischer Proteste und wegen der Gefahr für Spanien, seine äquatorialafrikanischen Besitzungen an die Briten zu verlieren, bereits 1859 zur Aufhebung der Sklaverei in Spanien-Guinea (Fernando del Póo) gekommen.[205] Weitere Gesetze und Steuern auf den Sklavenhandel, ebenfalls recht unergiebig, wie der Real Decreto vom 22. März 1854[206], bedurften erst einer Revolution (1854-1856: Bienio Progresista) in der Metropole, um ihre Wirkung zu entfalten.
            Der vermeintlich “negrophile” Generalkapitän, Jacobo de la Pezuela[207], hatte in seiner Amtszeit 1853/54 die Farbigen-Milizen wieder zugelassen. Und er versuchte, den Sklavenschmuggel ernsthaft zu bekämpfen.[208] Insgesamt wurden in der ersten Etappe der 4. Hauptperiode von 1846 bis 1867 nochmals die erhebliche Gesamtzahl von 169000 Sklaven nach Kuba gebracht. Sklavenhandel war, insbesondere in den sechziger Jahren, und trotz des starken Druckes der öffentlichen Meinung und der Abolitionisten, untrennbar mit der florierenden Plantagenwirtschaft verbunden. Sogar der Staat hielt die Sklavenhändler für die “produktivsten Kapitalisten”. Die Regierung verfolgte formell nur den Handel mit Bozales, das heißt mit geschmuggelten Sklaven aus Afrika.
            Die Benennung bozal ist ein zeitgenössisches Kriterium, das vor allem den Grad der kulturellen Integration afrikanischer Menschen beschrieb. Die Anales de la Isla de Cuba, eine Art Staatswörterbuch, notieren zum Stichwort “Bozal”: ”Bozal.- Der Neger, der gerade aus seinem Land gekommen ist. .- Der, der auch nachdem er einige Zeit auf dieser Insel geweilt hat, noch nicht die kastilische Sprache spricht.- In gleicher Bedeutung nennt man auch den, der zu unbeholfen und zu spät ist, um zu verstehen und auszuführen, was man ihm aufträgt: in Opposition zu dieser Bedeutung steht das Wort ladino, das schlau und gescheit bedeutet, und das man früher auf den [Sklaven] anwandte, der eine andere Sprache oder Sprachen als die seine beherrschte. Der in Afrika geborene Ladinoneger heisst nicht Bozal, sondern de nación”.[209]
            In diesem Sinne bezeichnete der Terminus einen in Afrika geborenen Menschen, der nicht Spanisch sprach und im Wesentlichen seine kulturellen Wurzeln der jeweiligen afrikanischen Region zu bewahren versuchte. Aus dem Eintrag in den Anales de la Isla de Cuba ergibt sich, daß es im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Bedeutungsverschiebung des Bozal-Begriffes gab. Sie ging einher mit der ideologischen Bestialisierung des Bozal-Begriffes. Bis um wussten 1840 noch alle Herren relativ klar, dass Bozales gesuchte Fachleute für Landwirtschaft und Handwerk waren. Oft wurde auch darauf verwiesen, dass sie eine andere als ihre eigene Sprache oder eine Lingua franca der Sklavenhäfen sprachen. Schon um 1860 war für fast alle Herren und die kubanische Sklavereigesellschaft klar, daß ein Bozal nur ein dummer, unzivilisierter Mensch aus dem Wald sein könne (dieses Verständnis ist bereits bei Arango 1792 angelegt). Für kreolische Sklaven dagegen war ein Bozal auch ein meist alter Mensch, der des Spanischen nicht mächtig war, aber eine Lengua, eine afrikanische Sprache, beherrschte.
            Die soziale Gruppe der Bozales war, vor allem zwischen 1820 und 1860, relativ gross, aber auch relativ instabil. Die Menschen, die durch extremsten Zwang zu Outsiders auf Kuba geworden waren, bildeten zwar möglicherweise die soziale Basis für eine oder  mehrere hablas bozales, Sklavensprachen. Aber sie konnten keine eigene Kultur ausformen. Das wurde zum Nährboden imaginierter Traditionen, denn die Kenntnis afrikanischer Sprachen und Kulturelemente, zu Secretos, Geheimnissen, verklärt, war die Basis für die Stellung der Afrikaner als Negros de nación in den Sklavenreligionen.
            Die zweite Generation der Sklaven, bereits auf Kuba oder in einer anderen Sklavengesellschaft geboren, wurden als Criollos, Kreolen, oder Negros ladinos bezeichnet. Der Criollo oder die Criolla waren aber meist noch durch patriarchalische Beziehungen mit den afrikanischen Ursprüngen verbunden; sie ehrten die Negros und Negras de nación als Vorfahren, wie etwa im Bericht von Esteban Montejo sehr deutlich wird. Die dritte Generation nannte man Rellollo, d.h., Schwarze mit vollständig kubanischen Wurzeln und nur noch Spuren von kulturellen Verbindungen zur afrikanischen Kultur, die meist auch noch synkretistische Symbiosen mit der herrschenden Kultur eingegangen waren. Für sie war im Rahmen der afrokubanischen Kultur der Bozal-Vorfahre oft schon verehrter Ahne. Bei einigen der kreolisierten Schwarzen, wie bei den Königssklaven von El Cobre, entwickelten sich auch kulturelle Überlegenheitsmentalitäten gegenüber den “Barbaren” aus Afrika.
            Seit etwa 1835, besonders aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es aus verschiedensten Ursachen zu Prozessen der von den Besitzern nolens volens geförderten schwarzen [Re-]Assozierung. Die wichtigsten demographischen und ökonomischen Variablen waren die schiere Masse von Afrikanern auf Kuba sowie der durch Gefahren des Sklavenschmuggels und Verknappung des Angebots hochgetriebene Preis; die wichtigste innere politische Ursache waren die Vorgänge im Umfeld von 1843/44 (La Escalera). Die afrokubanische Wiedervergesellschaftung war vor allem deshalb so wichtig, weil die Versklavung für die Afrikaner zunächst nicht nur die Durchtrennung aller gewohnten sozialen Beziehungen, sondern auch den Verlust jeglicher Formen politischer und institutioneller Bindungen bedeutete.
            Die erste der Assoziationsformen oder Arten von Wiedervergesellschaftung, in die die Afrikaner und Afrikanerinnen zwangsläufig gerieten, war die durch die Taufe bewerkstelligte Aufnahme in die Gemeinschaft der katholischen Christen (was freilich einen Kontakt mit dem Christentum schon in Afrika nicht ausschloss). Diese Taufforderung war die wichtigste Priorität aller spanischen Gesetzestexte von den Siete Partidas bis zum Reglamento de Esclavos von 1842. Die vollzogene rudimentäre Taufe war sozusagen Warenzeichen und Einfuhrerlaubnis für den iberoamerikanischen Kolonialbereich. Es war zunächst eine formale Eingliederung in den iberischen christlich-katholischen Kulturbereich. Die gefangenen Afrikaner, die für die spanischen und portugiesischen Kolonien bestimmt waren, bekamen meist schon in den afrikanischen Faktoreien durch die Sklavenhändler eine Art Plakette zum Zeichen, daß sie “getauft” waren, um den Hals gelegt (medalla de estaño). Die Sklavenhändler legten wegen dieser Einfuhrformalität auch auf Anwesenheit von katholischen Priestern Wert. Oft aber nahmen Laien, Kapitäne oder andere Europäer oder gar Afrikaner, die schon mit dem Christentum in Berührung gekommen waren, die ersten Unterweisungen vor. Das erste Zeichen des repressiven Sanktionsapparates einer fremden Kultur war die christliche Religion - manche Afrikaner glaubten, die Weißen wollen sie verzaubern oder zum Fressen vorbereiten. [210]
Wir wissen nicht, ob es um 1850 Deutsche im “großen” Sklavenhandel von Afrika nach Kuba gab. Vorher gab es sie – neben der oben genannten Averhoff und Souchay z.B. Daniel Botefeur aus Hannover (um 1770 geboren, Lutheraner; gestorben als Sklavenschiffsarzt, Negrero, großer Kaufmann, katholisch, eingeheiratet in die kreolische Elitefamilie der Romay, Eigentümer vieler Sklaven, zweier Cafetales (Kaffeeplantagen mit Massen von Sklaven) und zweier Handelshäuser (Matanzas/ Havanna), gestorben 1821 in Charleston (an Herzschlag)) oder der bereits erwähnte Cornelius Souchay, Hugenotte aus Hanau (geb. 1784), ein Finanzspekulant, Kaufherr, Negrero, Mongo (der noch 1827 versuchte, in Afrika, in Gallinas, eine Faktorei zu gründen); Eigentümer des Muster-Cafetals Angerona (katholisch gest. 1837).[211] Ein Teil des Geldes muss auch nach Deutschland gegangen sein (Marxens Problem der „ursprünglichen“ Akkumulation!). Noch 1823 stand die wichtigste nordamerikanische Sklavenhändlerdynastie, die De Wolfs aus Bristol, Rhode Island, mit der Witwe Botefeurs wegen des Kaufs geschmuggelter Verschleppter in Kontakt.  James DeWolf, spricht in einem Brief ganz offen von pipes of Madeira wine (für 350$ die „pipe“), die er kaufen möchte – Menschenschmuggel.[212]
Nur wenige Sklavenhändler haben Narrative hinterlassen, wie Theodore Canot.[213]  Wir wissen aber aus den Informationen von Beneke, daß einer der Sthamers (Gustav Sthamer) mit einer kubanischen Kreolin namens María Regina Carlota Fernández verheiratet war, deren Onkel Eduardo Fernández, zum Zeitpunkt des Besuches von Beneke Verwalter des Cafetál “Carolina” und des Zuckeringenios “La Unión” (beide in Bemba, heute Jovellanos), dreizehn Jahre seines Lebens diesem schmutzigen Geschäft gewidmet hatte.[214] Ende der vierziger Jahre, Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts war Sklavenhandel ein hochrisikovolles Geschäft, das allerdings oft sehr hohe Gewinne brachte. Diese Gewinne investierten sie meist in der Zuckerwirtschaft oder sie übernahmen verschuldete Ingenios, deren Besitzer sich vorher Geld bei ihnen geliehen hatten. Auf ihren Ingenios verband sich modernste Technik und Technologie mit massenhafter Sklavenarbeit; die weltgrößten Zuckerfabriken befanden sich 1850-1880 in der Gegend von Matanzas.[215] Die mittlerweile steinreichen hispano-kubanischen Sklavenhändler und Ingeniobesitzer hätten Deutsche höchstens noch als Aufseher oder Kapitäne von Sklavenschmuggelschiffen, also in abhängiger Position, eingestellt.
Die großen Sklavenhändler waren viel reicher als Jamm; etwa Tomás Terry, ein einst aus Venezuela geflohener Kleinkaufmann, der seine Millionen mit dem Ankauf kranker Sklaven gemacht hatte, die er bei Anlandung der Sklavenschmuggler für wenig Geld faktisch „geschenkt“ bekam, dann auf einem speziellen Gut (Juraguá) gesund pflegte. Bei Sklavenmangel verkaufte er sie für teures Geld. Die Terrys waren seit den siebziger Jahren die reichsten Männer Kubas und gehörten zu den reichsten Männern der atlantischen Welt.[216] Weitere Sklavenhändler, die immense Reichtümer erworben hatten, spielten wichtige Rollen in der kubanischen und in der spanischen Wirtschaft und Politik: Joaquín Gómez, Pedro Blanco, Manuel Pastor, Salvador Samá, Julián Zulueta, José Ildefonso Suárez, José Antonio Olañeta, José Esteva und Francisco Marty y Torrens, der berüchtigte Pancho Marty, dem man nachsagte, er “kaufe Weiße und verkaufe Neger”. Marty hatte seinem Beschützer, dem Generalkapitän Tacón, so viel zu verdanken, dass er Ende der 1830er Jahre das damals größte Theater Amerikas finanzierte, das unter dem Namen “Teatro Tacón“ (Kosten 250.000 Pesos) in die Geschichte eingegangen ist.[217] Jamm hat es auf jeden Fall besucht. Einige der ehemaligen Negreros trugen den Orden des „Großen Kreuzes Karl III.“, verliehen durch Königin Isabella II.; einige hatten Adelstitel, wie Pedro de la Cuesta, Graf von Reunión, Salvador Samá, Marqués von Marianao, Manuel Pastor, Graf von Bagaes, José Antonio Argudín, Marqués de la Casa Argudín, Francisco Ibáñez, Graf von Ibáñez. Der einflußreichste unter ihnen, Don Julián Zulueta, war Marqués von Álava und Vizconde de Casa Blanca. Zulueta war Erster Konsul des Real Tribunal del Comercio, Ratgeber der Administración de Hacienda, de facto des kolonialen Wirtschaftsministeriums, Oberst der Milizen, mehrmals Regidor und Alcalde, Bürgermeister, von Havanna (1860, 1870, 1874 und 1876), Senator des Königreiches auf Lebenszeit, gewählter Abgeordneter der Cortes von 1876; er besaß am Ende des Leben neben vier großen Ingenios die Gesellschaft Zulueta y Cia., verschiedene Aktienpakete in Handels-, Eisenbahn- und Kreditgesellschaften, Lagerhäuser, Molen und Grundstücke in Cárdenas und Havanna; eine eigene Handelsflotte sowie eine Mehl- und eine Textilfabrik in Spanien. Sein Vermögen wurde 1878 auf ungeheure 12 322 571 (12 Millionen) beziffert.[218] Menschenhändler als imperiale Kolonialaristokratie! Jamm konnte da nicht mithalten.
            Anders sieht es bei Kauf und Verkauf von “Personen mit Preis”[219], vulgo alltäglicher Sklavenhandel, auf der Insel aus. Für diesen Bereich haben wir Informationen über relativ viele Deutsche. Und wir wissen, daß es auf Kuba deutsche Sklavenbesitzer gab. Die Notariatsprotokolle, die sich praktisch in jedem Provinzarchiv auf Kuba in kilometerlangen Reihen finden, informieren über Sklavinnen und Sklaven mit deutsche Nachnamen (die Sklaven bekamen nach spanischem Recht den oder einen der Nachnamen eines der letzten Herren[220]), wie zum Beispiel eine gewisse Ysabel Specht, ehemalige Sklavin bei einem Herrn namens Specht in Santiago de Cuba[221] oder ein deutscher Pflanzer und Sklavenbesitzer in Sagua la Grande (einem Zuckerzentrum an der Nordküste im Mittelteil Kubas) ”... D[on] Guillermo Mildenstein, aus dieser Nachbarschaft, Besitzer des Ingenios ‘La Rabia’ ”. [222] Von Wilhelm Mildenstein erscheinen dann ehemalige Sklaven (als Sklaven hatten sie einen beschränkten Status als Rechtspersonen und durften offiziell keine Geschäfte tätigen) in den Notariatsprotokollen. [223]
            Es gab auch Frauen als Sklavenbesitzerinnen. Einige von ihnen werden fast sicher zu den Kunden von Jamm gehört haben. 1791 besaß die Marquesa de Cárdenas über 222 Sklaven, 1801 die Marquesa Justiz über 275 Sklaven, 1808 Micaela Goicoechea über 487 Sklaven und Teresa O´Farril Herrera, die Frau von Nicolás Calvo, über 460 Sklaven[224]. Mitte des 19. Jahrhunderts dürften die größten Einzelbesitzerinnen Rosa A. de Scull in der Capitanía San Nicolas des Distrikts von Güines, dem ”schönen Tal von Güines” in Humboldts Kuba-Essay, mit 341 Sklaven[225] und Juana Fernández im sogenannten Valle de los Ingenios, dem Tal der Zuckerplantagen bei Trinidad, mit über 354 Sklaven[226] gewesen sein. Die Condesa de la Reunión besaß sogar 640 Sklaven (in Guanajay, Partido de Cabañas), während die nächst größten Sklavengruppen dort mit 560 Don Francisco de Aguirre und 325 Sklaven dem Conde de la Reunión gehörten.[227]
            Um Jamms Position zur kubanischen Sklavereigesellschaft genauer zu bestimmen, müssen wir die Hauptcharakteristiken der Sklaverei zu dieser Zeit auf Kuba etwas genauer beleuchten.
Die internationale Sklavereiforschung hat mittlerweilen nachgewiesen, dass Sklaverei keine ineffiziente, technologisch zurückgebliebene Wirtschaftsweise gewesen ist – ganz im Gegenteil: Kuba besass von 1840 bis 1950 mit der ruralen Zuckerproduktion die effizienteste Exportlandwirtschaft der Welt.[228] Aber das Schicksal von Menschen kann man nicht nur nach Effizienzkriterien beurteilen. Es war die Effizienz und der Mangel an Arbeitskräften, die zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Massensklaverei im Zucker führte.[229] Mit der Fabrik im Zuckerrohrfeld, dem vollmechanisierten Ingenio (Plantage) hat eine kosmopolitische Besitzerklasse die erste wirkliche Boomwirtschaft der zweiten Globalisierung geschaffen. Kuba wurde auf der ganzen Welt beneidet. Alexander von Humboldt hat dieser Kultur mit seinem “Politischen Essay über die Insel Kuba” einen seiner Schlüsseltexte gewidmet. Als einer der wenigen Intellektuellen seiner Zeit hat er darauf verwiesen, dass der Reichtum auf der Qual von Sklaven beruhte. [230] Ein anderer berühmter Deutscher dagegen, Eduard Poeppig, später Professor der Naturgeschichte und Zoologie an der Universität Leipzig, konnte sich diesen aristokratischen Liberalismus nicht leisten. Poeppig arbeitete 1822 bis 1824 als Plantagenarzt in der Nähe von Matanzas. Er gehörte damit zur Adminstration einer Plantage und zu einem Berufsstand, die zutiefst die Meinung der damaligen Gesellschaft über Sklavinnen und Sklaven prägte. Um Geld für eine Expedition nach Südamerika zusammen zu bekommen, war Poeppig auch von 1824 bis 1826 im Süden der USA tätig. Sicherlich auch als Sklavenarzt. Vielleicht verschlug die Sklaverei, die Poeppig als Arzt aus nächster Nähe erlebte, ihm so Sprache, dass er seine Erlebnisse auf Kuba nicht in einem größeren Werk publizierte. [231]
Um 1850 glaubten die Herren der Zuckerrohrplantagen von New Orleans über Havanna bis Bahia mit der “Realität” ihrer Wirtschafterfolge bewiesen zu haben, dass in der Neuen Welt Freiheit, technischer Fortschritt und Massensklaverei vereinbar seien; in den Südstaaten der USA all dies sogar in Form einer Republik.
            Die Errungenschaften dieser amerikanischen Moderne gründeten sich auch auf die Sklaverei. Richtet sich der Blick auf die Sklavinnen und Sklaven, so zeigt sich, daß die Stellung einzelner Menschen in dieser Makrostruktur „Sklaverei“ höchst unterschiedlich sein konnte. Die Herrschaftsform Sklaverei konnte nur durch diese Hierarchisierung aufrechterhalten werden. Am untersten Ende der Sklavereigesellschaft standen die frisch von Afrika nach Amerika verschleppten Menschen, die Opfer des Sklavenhandels. Die in die Fremde verschleppten Menschen suchten sich in Kuba nach Bekannten, Nachbarn oder Landsleuten, die ihre Sprache verstanden. Sie organisierten sich, je mehr sie auf Kuba Kontakte schließen konnten, in Abstammungsgemeinschaften, die nach damaligen Sprachgebrauch „Nationen“, Naciones, genannt wurden. Da es wirkliche Nationen in Afrika noch nicht gab und auch benachbarte Dörfer oder Nachbarn oft tief verfeindet gewesen sein müssen, waren diese Naciones eher romantische Traditionserfindungen, um den Zusammenhalt in der Sklaverei zu erleichten. Je länger aber die afrikanischen Menschen von ihrer Heimat entfernt waren, desto fester glaubten sie an ein idyllisiertes Afrika. Die erste und subjektiv wichtigste Differenzierung der Sklaven, vom spanischen Staat in der politischen Organisation der Cabildos de Nación quasi übernommen, stellte also die “Nación” dar, heute am besten mit “Ethnie” oder “Kultur” zu übersetzen. Hier setzte auch die Unterscheidung zwischen Bozales und Criollos an. Der Kern der Kultur war die Religion. Cabildos zu bilden war nur den Freien erlaubt; die Sklaven auf den Plantagen hatten dieses Rechte nicht; aber auch sie organsierten sich nach „Volks“-Gruppen (de nación) als Lucumiés, Congos, Mandingas, Angola, Mina, Ganga, Carabaliés und Ararás.
            Eine sozioökonomische Differenzierung der Sklaven ergab sich durch Arbeitsorte und den Platz der Schwarzen in der Gesellschaft. In diesem Sinne existierte eine klare und scharfe Unterscheidung zwischen den Sklaven der Felder, die unterste Gruppe wurde durch die Zuckersklaven gebildet, und den städtischen Haussklaven, den Handwerkern und den Sklaven, die von Weißen mißachtete Arbeiten verrichteten, sowie den schwarzen Aufsehern (Contramayorales, Capataces), Ochsenführern (Boyeros), Köchen oder Kutschern. Als Regel galt: die neueingeführten „Afrikaner“ waren meist Feldsklaven; städtische Haus- und Dienstsklaven waren meist auf Kuba geborene Kreolen (negros criollos).
            Bereits in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts arbeitete die größte Gruppe der ruralen Sklaven im Zucker. Der Männeranteil lag um 1820 bei 80%. Auf dieser Basis begannen sich im “großen” Kuba Klassenstrukturen herauszubilden. Auf den großen Zuckeringenios und im Eisenbahnbau war mit ungleich härteren Umständen und brutalerer Behandlung zu rechnen, als auf den Kaffeeplantagen, in der Viehhaltung, in der Hauswirtschaft oder im Handwerk bzw. bei öffentlichen Arbeiten (Straßen-, Mauer- und Festungsbau, Hafenarbeiten), die gewissermaßen vor den Augen der Bevölkerung stattfanden, obwohl gerade diese Bautätigkeit Schwerstarbeit war[232]. Die Arbeitsbedingungen und in gewissem Sinne die Stimmung auf den Plantagen waren keinesfalls uniform. Es gab starke Unterschiede in der Führung von Plantagen, zugleich war das Verhältnis Sklaven-Herren (oder Herrinnen) auch von der Größe der Besitzung und selbstverständlich oft auch von den Launen der Herrschaft abhängig. Prägend wirkten zudem die Anforderungen, die aus den Anbau- und Verarbeitungsformen der Tropenkulturen selbst ergaben sowie die ethnische Herkunft, die Ausbildung der Sklaven und Sklavinnen. Mittlerweilen ist für fast alle Plantagenökonomien nachgewiesen, dass die Besitzer gerne “Fachkräfte” kauften, das heisst, Afrikanerinnen und Afrikaner, die bereit in ihrer Heimat bestimmte Fähigkeiten erworben hatten. Der Diskurs über diese Sklaven aber war ein ganz anderer - nämlich der der Faulheit, Barbarei und der Unzivilisiertheit. Auch Konflikte und Hierarchien unter den Sklaven, wie der zwischen Kreolsklaven (auf Kuba geborene Sklaven) und Bozales (abfällig für aus Afrika verschleppte Menschen), Insider-Outsider oder der zwischen Früher- und Spätergekommenen, spielten eine wichtige Rolle.[233]
            Feldsklaverei bedeutete auf Kuba im 19. Jahrhundert vor allem Arbeit beim Anbau und bei der Verarbeitung von Zucker, der am weitesten verbreiteten Plantagenkultur. Diese Plackerei nötigte den Sklaven weit größere Anstrengungen ab als die Arbeiten auf Kaffeeplantagen, im Tabak, Indigo, Kakao oder auf den Reis- und Maisfeldern. Alle Zeugnisse über die Unterschiede zwischen Kaffee- und Zuckerproduktion besagen, dass Arbeit und Leben der Sklavinnen und Sklaven auf den Kaffeeplantagen weniger hart, weniger routiniert und weniger repressiv waren, als auf den Zucker-Ingenios.[234]
            Auf den Zuckeringenios war die Lage der Männer und Frauen am schlimmsten, die direkt im Feld, in der Mühle oder in den Siedereien arbeiten mußten. Obwohl die Zeitgenossen ein anderes Zeitgefühl als wir heute hatten, bezeichnen alle objektiven Zeugnisse des 17.-19. Jahrhundert die Schufterei in den verschiedenen Abteilungen der Zuckermühlen als Hölle auf Erden. Das verschärfte sich durch die Effektivierung mittels Technik im Mühlenbereich und Zeitrationalisierung seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts noch erheblich. Weil im Kaffeeanbau dieser stark technisierte Sektor der Mühlen fehlte, wird die Sklaverei auf den Cafetales, obwohl auch rurale Sklaverei, oft als viel weniger hart beschreiben. Arango hatte schon Ende des 18. Jahrhunderts die Einfuhr schwarzer Frauen für den Zuckersektor gefordert. Er setzte auf seinem Gut Frauen als Schnitterinnen ein.
Das Verhältnis Plantagensklaverei zur urbanen Sklaverei und das der Landsklaven zu den Stadtsklaven war dadurch geprägt, daß sich die Masse der Kreolsklaven und die Mehrzahl der schwarzen Frauen sowie ihre oft freigelassenen Nachkommen in den Städten sammelten. Sie bildeten unter politisch-kulturellem Aspekt jene Gruppe der Schwarzen, die in den Cabildos de Nación die Transkulturation vorantrieben. Sie interpretierten ihr Leben und ihren Alltag mit ihren kulturellen Konzepten, Worten und Begriffen. Die Männer unter den Libertos und Morenos sowie Pardos libres wurden auch immer wieder als potentielle Träger und Anhänger des Haitianismus verunglimpft, das heisst, man verdächtigte sie, eine Sklavenrevolution, wie die auf Saint-Domingue 1791-1804 vorzubereiten. Die ruralen Sklaven waren in der ersten Hälfte der 19. Jahrhunderts meist männliche Bozales. Das schuf erhebliche Probleme, wurde allerdings solange beibehalten, wie die Preise günstig waren.
            Die kubanische Sklavereigesellschaft unterschied sich in ihrer inneren Strukturen ziemlich stark von anderen Plantagengesellschaften. Diese Struktur bietet auch einen wichtigen Schlüssel für die Deutung der kubanischen Politikgeschichte. Zum Beispiel wäre der kreolische Reformismus ohne diese Strukturen nicht erklärbar.
            Die wichtigsten Parameter dieser Sklavengesellschaft waren Rasse, Klasse und Geschlecht (sowie Alter und Ethnie). Die Zahlenverhältnisse und Anteile der Bevölkerung wurden nach den Maßgaben der Rassenkonstrukte in den Zensus, vor allem der eminent politischen Relation der weißen zur schwarzen Bevölkerung (Pardos und Schwarze) sowie der freien Bevölkerung (weiße und farbige) zur versklavten Bevölkerung erhoben. Auch der sog. Maskulinitätsrate (das quantitative Verhältnis von Männern zu Frauen) wurde zunehmend Aufmerksamkeit zuteil. Der andere Parameter war der der Klassen, also in erster Linie die Stellung in der Produktion. Hier bildeten die Feldsklaven des Zuckers eine ziemlich klar definierte Klasse, die sich natürlich durch eine Reihe weiterer Merkmale auszeichnete, vor allem dadurch, daß sie zunächst eine Klasse junger schwarzer Männer war. Insofern waren die neuen Ingenios der zwanziger und dreißiger Jahre Männergefängnisse.[235] Erst nach der Jahrhundertmitte finden sich in ihr auch Frauen in höheren Prozentanteilen, so 1862 81883 Frauen von gesamt 216091 Sklaven im arbeitsfähigen Alter zwischen 16 und 60 Jahren. Die Zensus bis 1846 zeigen ein ständiges Wachstum des „Rassen“-Anteils. Danach wuchs vor allem der Klassenanteil der Zuckersklaven bis in die siebziger Jahre.
            Seit den dreißiger Jahren vergrößerte sich auch der Frauenanteil. Im Zucker allerdings war 1862 noch ein Ungleichgewicht gegeben: 174 Männer kamen auf 100 Frauen. Im urbanen Bereich glichen sich die Zahlen fast aus: Auf 100 Frauen kamen 95 Männer. Zwischen 1862 und 1877 verringerte sich die Sklavenpopulation um 45%. Die Sklaverei zog sich auf die effektivsten Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion zurück. 1877 gab es noch 200000  Sklaven.[236] Sie konzentrierten sich in Matanzas und Las Villas. [237] Ihr Anteil stieg in diesen Regionen sogar an, von 45% auf 57% aller Sklaven. 
            Trotz des starken Zuckersektors und der Massen von Feldsklaven auch in anderen Zweigen gab es auf Kuba immer - selbst in den Hochzeiten der ruralen Massensklaverei – vor allem in Westkuba einen größeren Anteil städtischer, urbaner Sklaven als in andere karibische Kolonien. Eine weitere Besonderheit ist, das sich vor allem in Westkuba die Vorstädte und Hafenviertel mit freigelassenen Sklavinnen und Sklaven füllten, während in Camagüey und Oriente die Gesellschaft ruraler blieb; die Städte des Inselzentrums waren im Grunde Inseln der “weissen” Eliten. Nur das Dienstpersonal war schwarz oder farbig. Die städtischen Sklaven und ihre freigelassenen Verwandten sammelten sich in cabildos de nación („ständische“ Ratsversammlungen nach „Nationen“, was auch die spanischen Regionalisten, wie Galicier, Katalanen oder Andalusier taten), die sich auf reale oder wieder erfundene „Volks“-Zugehörigkeit in Afrika gründeten und in ihren synkretistischen Religionen die afrikanischen Sprachen als „heilige Sprachen“ bewahrten.
            Alexander von Humboldt, der sich 1800 und 1804 in Havanna aufhielt, hatte auf die starke Urbanisierung der kubanischen Sklaverei hingewiesen. Er zieht in seinem Essai politique über Kuba ein Resumée über eine Tendenz in der Entwicklung der Sklaverei des 18. Jahrhunderts, die im 19. Jahrhundert durch die Massensklaverei überlagert, aber nicht vollständig beseitigt werden sollte. Der große Humboldt ist dabei nicht frei von liberalen Illusionen: “Die fortschreitenden Verbesserungen auch in den Verhältnissen der Sklavenkaste selbst machen begreiflich, wie auf der Insel Cuba der Luxus der Herren und die Gelegenheit des Arbeitsverdienstes mehr als 80 000 Sklaven in die Städte ziehen konnten und wie die durch weise Gesetze begünstigte Freilassung sich dermaßen wirksam erzeigen konnte, daß, um bei der gegenwärtige Epoche [1822 - M.Z.] zu bleiben, über 130 000 freie farbige Menschen vorhanden sind.”[238]
            Die Bezeichnung „Haus“-Sklaverei ist allerdings in gewissem Sinne irreführend. Humboldt und zwanzig Jahre später die Condesa de Merlín stellen diese urbanen Sklavereiformen recht idyllisch dar.[239] Es handelt sich eigentlich um eine Vielzahl von Sklavereien im Handwerks-, Hausdienerschafts- und Transportbereich. Richard Konetzke weist auf die Besonderheit hin, daß die kubanischen Kreolen ihre Sklaven oft Handwerke erlernen ließen, die Neger in Städten ansiedelten oder verliehen. Es gab einen Mietmarkt für Sklaven (Arrendamiento; Negros alquilados). Aus der Arbeit der Sklavinnen und Sklaven zogen beide Parteien Gewinn. Der Vorgang wurde echarlos a ganar por sí genannt. Handarbeit war relativ teuer.  Sklavinnen und Sklaven in dieser patriarchalichen oder städtischen Sklaverei waren immer auch ein Mittel zur Kapitalakkumulation. Fast alle Formen des Bankwesens (Ratenkauf, Guthaben, Beleihung, Gewinnmaximierung durch Ausbildung und selbständige Handwerksarbeit der Sklaven, Rentenwesen, Sharing, Kredite) lassen sich in diesen patriarchalischen Sklavenwirtschaften nachweisen. Besonders gegen Ende der Sklaverei, und Jamm lebte auf Kuba fast in diesem Endstadium der Sklaverei, verwischten sich die Grenzen zwischen Haussklaven und Dienstpersonal. 
            Die Relikte der patriarchalischen Sklaverei sind auch noch in den Zensus der Jahre zu erkennen, in denen die größten Prozentanteile an Sklaven auswiesen sind. Eduardo Torres-Cuevas[240] hat darauf verwiesen, daß 1841 noch 77,07 Prozent aller Sklaven nicht im Zuckerbereich arbeiteten. Insgesamt aber sind mehr Sklaven im ruralen Bereich als im urbanen Bereich ausgewiesen. Die Zuckersklaven schon den größten geschlossenen Block in der Landwirtschaft bildeten.
Beschäftigung                                    Zahl der Sklaven/1841                       1862
Ingenios                                             100000 (22,91%)                   172671 (46,85%)
Cafetales                                             60000 (13,74%)                   25942 ( 7,03%)
Sitios und Estancias                            66000 (15,12%)                   31768 ( 8,61%)
Vegas                                                  14263 (  3,26%)                   17675 ( 4,79%)
Haciendas                                                    -  (     -      )                      6220 ( 1,68%)
Haussklaven                                      196202 (44,95%)                   75977 (20,61%)
Potreros                                                         - (    -      )                   31514 ( 8,55%)

Der große Block der städtischen Sklaven war 1841 das stärkste Relikt des 18. Jahrhunderts. Allerdings fehlen statistische Untersuchungen über die Alterstruktur und darüber, wie viele davon Haussklaven in der relativ privilegierten Stellung von Domestiken und Kutschern waren oder aber schwere Transportarbeiten verrichteten. In den Statistiken werden nur städtische Sklaven ausgewiesen, worunter neben den Haussklaven auch die ober erwähnten Sklaven fielen, die ein Handwerk beherrschten. Sie arbeiteten für Herren, die oftmals nur einen oder zwei Sklaven ihr eigen nannten.
            Die erzählenden Quellen, wie Reiseberichte, aber auch amtliche Quellen, enthüllen einen weiteren Aspekt. Sie zeigen, dass bis zu fast 45 Prozent der Sklaven im, wie wir heute sagen würden, Dienstleistungssektor für Oberschichten beschäftigt waren. Das Produktionsziel der alten Oligarchien bis zur Jahrhundertmitte war demonstrativer Konsum und Präsentation des Reichtums. Diese Luxussklaverei war vor allem Zeichen für Lebenstil und Status der Plantagenbesitzer. Zum Status des Zuckerbarons gehörte demonstrativer Luxus. Zum Status seiner Frau (oder Töchter) gehörten Luxussklaven (oft sogar der eigene, persönliche Sklave) und die französischen Kleider, die nur einmal getragen werden durften.
            Die Luxus-Sklaven befanden sich in der Nähe und in einem recht patriarchalischen Verhältnis zu den Herren. Die Abnahme des Haussklavensektors und des urbanen Sektors der Sklaverei, wie ihn der Zensus von 1862 zu Ausdruck bringt, zeigt aber auch, daß sich neue kapitalistische Wirtschaftsstrukturen in den produktiven Hauptsektoren der kubanischen Wirtschaft durchgesetzt hatten. Auf  beiden Seiten war die Klassenbildung schon recht fortgeschritten.
            Der immer noch recht breite Sektor der städtischen Sklaven hatte aber auch eine politische Funktion. Aus dieser Gruppe kamen die Freigelassenen oder Freigekauften, die wiederum im Laufe des Jahrhunderts den Sektor der altfreien Farbigen auffüllten. Dieser Sektor wurde zu einer wichtigen Grundlage für die Integration der städtischen Afrokubaner in die kubanische Gesellschaft und für den kubanischen Reformismus. Seit den sechziger Jahren bildete er auch eine eminent wichtige Trägergruppe des Independentismus in den Unabhängigkeitskriegen gegen Spanien 1868-1878 und 1895-1898. Obwohl es in Mehrzahl weiße Kubaner waren, die Sklaven, vor allem auch Haussklaven,  besaßen, war es dem kubanischen Nationalismus gelungen, die freien Nachkommen ehemaliger Sklaven für den Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien zu mobilisieren.
            Die Sklaverei im 19. Jahrhundert war zu einem erheblichen Anteil Kindersklaverei. Das hatte aus Sicht der Versklaver viele Vorteile, wie etwa bessere Beherrschbarkeit durch die männlichen Aufseher und lange Ausnutzung der “Ware”. Kinder konnten besser an die Bedingungen des Sklavenlebens gewöhnt werden. Unter  den importierten Sklaven waren viele Kinder, von denen wir nicht wissen, wieviele schon in Afrika, auf der Überfahrt oder beim Verkauf auf Kuba ihre Eltern durch Tod verloren hatten oder von ihnen getrennt wurden. Nach den Forschungen von Ulrike Schmieder berichtet Turnbull, daß die meisten der importierten Sklaven, die er zur Kenntnis genommen hatte, zwischen 12 und 18 Jahren alt waren. [241] Oftmals wurden Geschwister beim Verkauf getrennt und erhielten dann nur sporadische Nachrichten vom jeweils anderen über Fuhrleute, umherziehende Händler oder Kutscher.

Jamms Haussklaven und die kubanische Kultur


Jamm hat keinen „großen“ Sklavenhandel betrieben. Er war auch nicht im „kleinen“ Sklavenhandel verstrickt. Das zeigt sich vor allem daran, dass in seinem überlieferten Geschäftsbuch für die wichtigsten Jahre seiner Tätigkeit als Prinzipal eines Handlungshauses in Havanna keine Sklavenkäufe oder Verkäufe ausgewiesen sind.[242] Jamm hat Haussklaven gekauft und dabei nur relativ wenig Geld gewonnen (etwa duch einen günstigen Wiederverkauf). Das Geld Jamms stammt nicht aus dem Sklavenhandel, weder aus dem „großen“ noch aus dem “kleinen“, alltäglichen Sklavenhandel. Jamm wird auch nur sehr mittelbar über die Probleme, zumindest die der ruralen Sklaven, Bescheid gewusst haben. Etwas genauer konnte er sich über die Probleme des alltäglichen Sklavenhandels informieren, beim Kauf einer „Person mit einem Preis“[243]. Jamms Conto-Corrent-Buch weist offensichtlich sehr gut ausgebildete, eventuell sogar schreibkundige Haussklaven aus. Unter dem Datum 30. Januar 1854 findet sich in seinem Conto-Corrent-Buch auf der Haben-Seite die Notiz „Ankauf von Manuel ....... 834 [Pesos], 6½ [Reales]“[244]. Es folgen am gleichen Tag „Ankauf Concha ......  766 [Pesos], 6½ [Reales]“ sowie „Facundo“ 778 Pesos, 6½ Reales (2. März 1854) und am 6. April 1854 „Rosa & Petrona” 1343 Pesos, 6 Reales”[245]. Zwei Sklaven und drei Sklavinnen. Die Preise sind für die damaligen Durchschnitts-Sklavenpreise ziemlich hoch.[246] Deshalb kann angenommen werden, dass die Haussklaven Jamms entweder besonders jung oder besonders gut ausgebildet waren, wahrscheinlich sogar beides. Wie es Manuel, Concha, Facundo, Rosa und Petrona in der „Casa C. W. Jamm en la Habana“, bei ihrem Principal Don Cristian (Jamm), Don Joaquín (Tijero), Don Alois (Feigelstock) und Don Joe (John Baumann) erging, wissen wir nicht. Über die Fragen der Haussklaverei sprach man in Havanna nicht offen, sie verfielen, wie etwa auch der Rassismus, meist dem Schweigen. Alle wussten davon – aber keiner sprach offiziell darüber. Die Plantagen waren abgeschirmt und weit entfernt in einer nichtmotorisierten Gesellschaft. Kuba sollte als „weiss“ und zivilisiert gelten. Etwas enigmatisch ist der Eintrag im Conto-Corrent unter „Privatausgaben von C.W. Jamm“, ebenfalls auf der Haben-Seite: „Diferenz im Verkauf vom Neger Victoriano (ohne meine Einwilligung chargirt NB) .... 165 [Pesos]. 2 [Reales]“ vom 31. Dezember 1854.[247]
Da von Jamm keine mir bekannten persönlichen Zeugnisse über seinen Kuba-Aufenthalt vorliegen, müssen wir uns mit Hilfsmitteln an das Problem heranwagen. Jamm hat mit den fünf Haussklaven faktisch gut ausgebildetes Hauspersonal gekauft. Ohne diese Sklaven hätte er nicht den Status gehabt, den er brauchte, um mit seinen Kunden aus der Oberschicht Geschäfte zu machen. Warum der Schwerpunkt seiner Sklavenkäufe am Anfang des Jahres 1854 liegt, kann nur vermutet werden. Möglicherweise weil bekannt geworden war, dass die Kolonialregierung neue Gesetze gegen den illegalen Sklavenhandel erlassen und neue Steuern auf die Sklaverei legen würde, wie sie im Real Decreto vom 22. März 1854[248] dann wirklich ergingen. Das hat sicherlich eine Rolle gespielt; vielleicht kaufte Jamm die Haussklaven von seinen guten Kunden aus der Pflanzeroberschicht, die nun sehen mussten, dass sie ihre teuren, aber eventuell illegal erworbenen Sklaven bei einem Ausländer legalisierten. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass Jamm 1853-1854 daran dachte, sich für immer in Havanna nieder zu lassen. Oder das Gegenteil war der Fall und sein spanisch-kubanischer Compagnon Joaquín Tijero hatte ihm nahe gelegt, dass nur so neue Kundschaft zu gewinnen sei; oder, oder ..., wir wissen es nicht! Wir wissen aus den vorhandenen Quellen auch nicht, wer der „Neger Victoriano“ war und wie er in den Besitz von Jamm gelangt ist. Die im Conto-Corrent erwähnten sechs Sklavinnen und Sklaven tauchen in den Jamm-Quellen des Stadtarchivs von Lahr nicht mehr auf. Als Christian Wilhelm Jamm im Februar 1855 seine Aktivposten auflistet, sind sie als Einzelposten nicht aufgeführt (was, so sarkastisch es klingen mag, ihre geringe Bedeutung für Jamm beweist; als Sklavenhändler hätte er „kaufmännisch“ nicht so gehandelt). Die Sklavinnen und Sklaven sind in dieser Liste wohl unter dem Posten „Casa C.W. Jamm“, Gesamtwert 109 259 Pesos, verborgen. Sie gehörten sozusagen zum „Mobiliar“ des Handelshauses.[249]
            Jamm hat kein wirklich „schmutziges“ Geld gemacht (wenn man etwas pingelig sein wollte, könnte man die 165,2 Pesos für Victoriano für solches halten). Und er hat sein Vermögen auch nicht in Landbesitz und schon gar nicht in produktivem Landbesitz auf Kuba, etwa in Zuckerplantagen und Sklaven, angelegt (oder eine Zigarrenmanufaktur mit dem Geld gegründet), sondern im Grunde seinen Gewinn nach Deutschland, nach Lahr, zurück transferiert. Das ist ein wichtiges Kriterium, um ihn in diesem globalisierten Geschäft überhaupt noch als „deutschen“ Kaufmann definieren zu können. Er handelte damit nicht wie die späteren deutschen Konsuln in Santiago de Cuba, Don Carlos G. Schumann (Carl G. Schumann) und Germán Michaelsen Shoreder (Hermann Michaelsen Schröder). Michaelsen und Schumann hatten zunächst als Kaufleute Geld an kubanische Pflanzer verliehen. Als das Geld nicht zurückgezahlt werden konnte, übernahmen sie die Hälfte des Ingenios “Montesano” bei Guantánamo mit allen Sklaven. Schliesslich kaufte Michaelsen als Strohmann von Schumann nach langen Prozessen auch noch die andere Hälfte des Zuckergutes für knapp hundertausend Pesos. [250] Die deutsche Firma “Fritze & Cía” (später “Meyer, Thode & Cía”) kontrollierte zwischen 1857 und 1878 bei Trinidad an der mittleren Südküste der Insel sechs große und gewinnbringende Ingenios; insgesamt kontrollierten Deutsche 1860 auf Kuba 44 Ingenios.[251] Setzt man pro Ingenio zwischen 20 und 60 Sklaven an, könnte es sich um einige Hundert und sogar über Tausend “deutsche” Sklaven gehandelt haben.
            Haussklaverei konnte zur Hölle werden – vor allem für die Sklaven, auch wenn wir meist nur Zeugnisse von den Besitzern und Besitzerinnen über “faule”, “dumme” und “aggressive” Sklaven haben. Etwa wenn die Herrin annahm, ihr Ehemann habe ein Verhältnis mit einer Dienstsklavin. Ulrike Schmieder hat gezeigt, daß es dann dann manchmal zu furchtbaren, allerdings der Öffentlichkeit meist verborgenene Quälereien oder Gewaltausbrüchen der Sklaven kam. Besonders hinderlich ist hier, daß wir nur sehr wenige Stimmen von Sklaven selbst haben. Im englischen und angloamerikanischen Bereich gibt es ca. 6000 Texte mit Erinnerungen ehemaliger Sklavinnen und Sklaven; für Kuba gibt es eigentlich nur einen: den von Juan Francisco Manzano (1797-1854).[252] Als Zeitgenossen der Sklaverei[253] kommen drei weitere Erzähler in Frage: ein kreolischer Schwarzer erster Generation und zwei Mulatten zweiter Generation: Gabriel de la Concepción Valdés, genannt Plácido (1809-1844)[254], Sohn eines mulattischen Friseurs und einer weißen Tänzerin; Martín Morúa Delgado (1856-1910)[255], Sohn einer schwarzen Sklavin und eines baskischen Bäckers sowie Esteban Montejo (1868-1967), Sohn einer schwarzen Kongo-Sklavin.[256] Aber nur Juan Francisco Manzano, Sohn einer mulattischen Haussklavin und eines freien Dieners[257], war selbst Sklave, Haussklave.
                        Manzano war offensichtlich ein poetisch begabter Mensch; er wurde von einer Literatengruppe reicher junger Männer – die durchaus zu den Kunden von Jamm gehört haben könnten – freigekauft. Manzano schrieb klassische Gedichte. In ihnen kommt die Sklaverei nach der allgemeinen Regel „Sklaven hat man, über Sklaverei spricht man nicht“ kaum vor. Manzano entsprach auch dem Kulturideal derer, die ihn freigekauft hatten. Sie befürchteten wegen der vielen „afrikanischen“ Sklaven eine „Afrikanisierung“ der kubanischen Unterschichten, wo sich „afrikanische“ Musik und Tanz schneller durchsetzten als in den Salons der Oberschicht. Da kam ein „klassisch“ gebildeter Sklave recht. In seiner Autobiographie, ein „Auftragswerk“ eines der Literaten, Domingo Del Monte, prägte er hinsichtlich der Sklaverei einen Schlüsselsatz: „Der Sklave ist ein totes Wesen vor seinem Herrn und will von dessen Wertschätzung nicht das verlieren, was er gewonnen hat“.[258] Manzano und diejenigen, die ihn im gewissen Sinne für eine bestimmte Art der Mimesis benutzten, stellen keinen aktiven Sklaven dar, sondern reflektieren interne Mechanismen, auf denen die Sklaverei beruhte. Die Mimesis Manzanos (und anderer) konstruierte einen passiven, dankbaren Sklaven, der keinen aktiven Widerstand leistete, einen Bruder des südstaatlichen „Sambo“[259], nur daß dieser noch nicht Trompete spielte, sondern Gedichte schrieb.
            Den Status eines „Kubaners“ für sich zu beanspruchen, hat Manzano nur ganz verstohlen gewagt. Eher hat er mit seiner tragischen Lebenserfahrung gewirkt (Mis primeros treinta años) und mit Gedichten, die die engere Heimat poetisieren (A la ciudad de Matanzas). Sein Verdienst besteht darin, am Barbaren-Klischee gekratzt zu haben. Allerdings ist bekannt, daß er vorhatte, neben seiner Autobiographie den ersten „kubanischen“ Roman zu schreiben.[260] 1844, wenige Jahre nach seinem Freikauf, setzte eine Welle ethnischer Gewalt gegen Sklaven und freie Farbige ein. Manzano verstummte.
            Manzanos Haltung ist eher die einer tragischen Mimikry der romantischen Kunstform. Nirgends sind bei ihm afrikanische oder afrokubanische Traditionen oder Kulturelemente zu erkennen. Seine Furcht verstärkt sich sogar nach seinem Freikauf noch aus Angst, in die Sklaverei zurückzugeraten oder dem Terror zum Opfer zu fallen.[261] Das wiederum verstärkt die Mimikry. Die Kunstfigur Manzanos wurde eigentlich gegen die Sklaven benutzt, denn mit dem Zensus von 1841 war die kubanische Elite gewahr geworden, daß die Bevölkerung der Insel zu weit mehr als der Hälfte aus Sklaven und ihren Nachkommen bestand (zusammen etwa 58% der Gesamtbevölkerung). Deshalb und weil jegliche offene politische Opposition ausgeschaltet war, wandten sich Literaten mit ihrer Kunst gegen den Sklavenhandel. Ziel war aber nicht der Schutz afrikanischer Menschen oder die Abolition der Sklaverei, sondern man wollte in erster Linie die weitere „Afrikanisierung“ Kubas verhindern. Afrikaner und Afrikanerinnen fürchtete man als Quelle der Vergrößerung des schwarzen Sektors der Bevölkerung. Die weissen Literaten waren Gegner der “schwarzen“ Kultur; manchmal sogar Feinde der Schwarzen selbst (und Rassisten). Den “Tanz der Kulturen”[262] und die Körperlichkeit der “Afrikaner“, die man damals schon für eine befürchtete “Afrikanisierung” sozusagen präventiv verantwortlich machen wollte, beschreibt am besten der an Victor Hugo geschulte Dichter Félix Tanco y Bosmeniel:
“Wer sieht nicht in den Bewegungen unserer Burschen und Mädchen, die Contradanza und Walzer tanzen wollen, eine Imitation der Neger in ihren Cabildos? Wer weiss nicht, dass die Bässe der Musiker des Landes das Echo der Trommeln der Tangos sind? Alles ist afrikanisch und die unschuldigen und armen Neger, ohne andere Kraft, als die, die aus ihrer Beziehung in der sie zu uns stehen, hervorgeht, rächen sich für unsere grausame Behandlung, indem sie uns mit den unschuldigen Gebräuchen und Weisen infizieren, die den Wilden aus Afrika eigen sind“.[263]
                        Die Literatenvereinigung von Söhnen der reicher Plantagenbesitzer, die Tertulia um Domingo del Monte, wollte den Sklavenhandel abschaffen, das ja, aber die Sklaverei nur „humanisieren“, nicht aber abschaffen, sondern eher durch Immigration armer Europäer und Kanarier langsam „einweißen“. Manzano kann also nicht so sehr als Beispiel eines aktiven Sklaven herhalten, sondern eher für die künstlerische Mimikry eines ehemaligen Haussklaven. Haussklaverei aber war nicht vergleichbar mit der Massensklaverei im Zucker.
Manzano ist wegen seiner mangelnden Selbstbehauptung von vielen Historikern Kubas nicht in die nationale Traditionslinie der Poesie oder gar der kubanischen Nation aufgenommen worden, weil er einfach zu servil und ängstlich schien, zu angepasst. Seine Autobiographie ist darüber hinaus wahrscheinlich von einem weißen Literaten (Anselmo Suárez y Romero) kopiert, korrigiert und kontrolliert worden.[264] 1840 wurde ein Teil der Autobiografie von Richard Madden in Großbritannien publiziert.[265] Die literarisch gebildete Welt des Westens vergoß Tränen über sein Schickal. Es wirkte aber auch mobilisierend für den Kampf der ersten Internationale für Menschenrechte gegen Sklavenhandel und Sklaverei.
                        Von Jamm haben wir kein persönliches Zeugnis über sein Verhältnis zu seinen Haussklaven oder zur Sklaverei allgemein. Zum Glück haben wir mit den Briefen und Notizen von Alfred Beneke aus Hamburg einen guten Fundus, der uns helfen kann, die Mentalität der deutschen Kaufleute auf Kuba etwas deutlicher zu machen. Beneke schreibt über seinen Besuch in Bemba in der (späteren) Provinz Matanzas, dem Herzen der Zuckerproduktion mit Massensklaverei um diese Zeit[266], über die Sklaven auf dem Kaffeegut „La Carolina“ und dem Zuckergut „La Unión“, die der Familie von kubanischen Verwandten der hamburgischen Kaufleutefamilie Sthamer gehörten: „’Die Neger auf dem Lande stehen auf einer ungemein tiefen Stufe der Cultur, und dem Thiere wirklich sehr nahe. Daher sind sie erstens ungefährlicher, leichter zu regieren, und im Falle einer Revolution, nur im ersten Moment verderblich; zweitens glücklicher, als man glaubt, da sie Freiheit, Lebensgenüsse usw. gar nicht kennen, für Nahrung, Kleidung und Wohnung nicht zu sorgen haben, und kein anderes Leiden fürchten als die Arbeit. Da diese aber im größten Theil des Jahres eine mäßige ist, so kann man wirklich den Zustand der Neger im Allgemeinen einen nicht unglücklichen nennen; glücklich will ich nicht sagen, da Menschen, auf so tiefer Bildungsstufe stehend, wohl nie glücklich genannt werden können’ (18. 12. [18]43). Mich erstaunt ihr Schmutz, ihre Hässlichkeit, ihr einfacher Anzug, die Langsamkeit ihrer Bewegungen, und der fast immer wilde, tückische, aber dumme Ausdruck ihrer Gesichter. Sie leiden viel an krebsartigen Krankheiten. Die Disciplin ist streng. Nachts werden sie in ihren Wohnungen eingeschlossen ...’“.[267]
            Beneke galt nicht einmal als besonders konservativ oder rassistisch, sondern, auch durch seine kubanischen Erfahrungen, eher als liberal. Es tut sich ein Panoptikum von rassistischen Klischees, kulturellem Unverständnis und vom Hörensagen übernommenen Unfugs auf, die Beneke in aller Unschuld in seinen Briefen nach Hause festhielt. In seinen Texten wird auch die pejorative Bedeutung des Begriffes „Bozal“ deutlich. Benecke schreibt 1843 auch über die Guajiros in unmittelbarer Nähe von Zucker- und Kaffeeplantagen: “Das weiße Landvolk scheint mit schmutzig, wild, leidenschaftlich, falsch, aber kräftig, thätig und entschlossen“.[268]
            All das dürfte aber in etwa die zeitgenössische Mentalität der deutschen Kaufleute gegenüber den Sklaven (und der Landbevölkerung) auf Kuba zum Ausdruck bringen. Sie standen damit nicht allein, wie das folgende Beispiel zeigt. Im Vorwort eines 1860 publizierten Romans schrieb der spanische Literaturkritiker Francisco Cutanda nach den Regeln einer dieser populären Moden, Kuba kulturell ”weiß” zu halten und rassistische Sprüche auf Kosten der Ärmsten und Ausgebeuteten zu klopfen: ”Was interessiert es das Publikum, was die Sklaven in ihrer Degradierung sagen und machen? Was das Verhalten der Libertos und der gemischten Rassen? Und die Wahrheit ist, dass nichts von dem als Geschriebenes taugt.”[269] Wir wissen natürlich nicht, ob Jamm sich ebenfalls auf diese Art und Weise geäußert hat; das heisst, es gibt immer den Vorbehalt, daß das heir dargestellte Allgemeine nicht der individuellen Meinung von Jamm entsprechen muss. Fest steht, dass sich der Rassismus und Rassendenken in Europa und überall in der westlichen Welt immer stärker durchsetzte.[270]
Die ethnohistorischen, religions- und sprachgeschichtlichen Forschungen der letzten Jahre, auch von Nachkommen ehemaliger Sklaven betrieben, haben gezeigt, dass eben in der Gegend von Bemba eine der Sonderformen der afrokubanischen Traditionen, die Kultur der Arará, sich durch die Bemühungen der Sklaven, die Beneke als Tiere beschreibt, erhalten hat.[271]
            Die Menschen aus Afrika brachten ihre eigenen Götter nach Kuba mit. Damit handelten die Schwarzen, die gezwungen wurden nach Amerika zu kommen, nicht anders als die Christen mit ihren Santos, den Heiligen, wie der Santiago-Tradition (Heiliger Jakob), ihren Vírgenes, den  Jungfrauen-Kulten und ihren Demonios, Dämonen und Teufeln. Sie versuchten das, was mit ihnen geschah und ihre neue Umwelt in ihr kulturelles Universum zu integrieren. Sie überzogen die neue Umwelt mit Repräsentationen ihrer Kultur. Da sie in eine Zwangsgesellschaft kamen, taten sie dies aber nicht offen, sondern faktisch verhüllt, im Innern der kulturellen Repräsentationen der christlichen Kultur bzw. verborgen im Innern ihrer Cabildogebäude. Bereits seit sehr früher Zeit geschah dies offensichtlich mit Konsens der beiden Machtsäulen der weißen Kolonialgesellschaft - Gouverneur und Bischof. Die Schwarzen erkannten in den traditionellen Institutionen der kastilischen Gesellschaften sehr schnell Freiräume, die ihnen von einer repressiven Gesellschaft faktisch absichtlich bzw. in eklatantem kulturellen Mißverständnis über ihre Motivationen, angeboten wurde. Die Vecinos von Havanna etwa ließen aufgrund ihres Unwillens, auf dem gleichen Gottesacker wie die Schwarzen begraben zu werden, unter Gouverneur Villalba y Toledo (1647-53) die erste Kirche für Schwarze bauen, die Kirche von Espíritu Santo. Die Kirche entstand an einer Stelle, wo die Sklaven und Horros (freie Schwarze) schon seit längerem ihre Zusammenkünfte hatten.
            Am Tage der drei Heiligen Könige wählten die Schwarzen Könige, Reyes, oder Capataces (Bezeichnung für einen Vorarbeiter) ihrer Cabildos. In diese Führungspositionen wurden möglicherweise afrikanische Würdenträger gewählt, die ihre Legitimität noch auf Machtstellungen in Afrika zurückführen konnten. Oftmals ergaben sich die Machtstellungen aber auch durch den neuen Status in der Kolonialgesellschaft. Die Reyes als Cabildo-Chefs schmückten und legitimierten sich ganz offiziell mit Attributen “weißer” Macht, wie Uniformen, Kronen, Degen und Befehlsstab, daß heißt, vor allem mit Attributen des spanischen Heeres bzw. Königtums. Sie präsentierten sich als politische Autoritäten bei Prozessionen, die heutige Betrachter an karnevalsähnliche Umzüge erinnern würden. Die karnavalesken Szenen aber wurden durch Führer von Geheimgesellschaften oder Priester organisiert. Diese verkleideten Harlekine wurden nicht ganz zu Unrecht in Cuba Diablitos, Teufelchen (íreme), genannt, vor allem wenn es sich um Comparsas, Umzüge, der Abakuás handelte (siehe das berühmte Bild von Victor Patricio de Landaluze „Día de los Reyes“, 1870er[272])
            Trotz oder gerade wegen eines extremen physischen Machtmonopols der weißen Kubaner haben wir es hier mit unterschiedlichen Formen kultureller Gegenhegemonie zu tun. Die ermöglichte es den Sklaven und ihren Nachkommen nicht nur, das “weiße”  Machtmonopol vor den Augen der Öffentlichkeit zu unterlaufen, sondern auch, die weißen Kubaner im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts faktisch auch über Gebräuche, Mythen und Musik zunehmend kulturell einzubinden. In diesem Sinne haben Karneval, Hexerei, Tänze, Musik und Kulte (reglas) der Schwarzen die kubanische Gesellschaft erobert und transkulturiert, allerdings entlang bestimmter Linien, die von der herrschenden Kultur eben als Mode oder Brauch (costumbre) akzeptiert werden mußten. Für Jamm, wie für viele Protestanten, wird die Begegnung mit „schwarzer Hexerei“ und „Trommelkrawall“ – unter diesen Worten begegnet die afrokubanische Kultur meist in Diskursen dieser Zeit – besonders abstoßend gewirkt haben. Aber vielleicht war er auch ein Liebhaber der exotischen Musik, des Rhythmus’ und der Farben? Als Religion haben die wenigsten Zeitgenossen die Kultur der freien Farbigen oder Sklaven so wie so nicht wahrgenommen.
Auf Kuba gibt es heute sechs Religionssysteme neben der katholischen Religion und einer Vielfalt protestantischer Glaubensgruppen. Fünf dieser Religionen haben ihre geistig-kulturellen Wurzeln in Afrika. Sie wurden aber auf Kuba neu-“erfunden“: die Santería, die Regla Conga (oder Palo Monte), die Regla Arará, der Vodú und die Abakuás. Dazu kommt der Espiritismo (und seine Oriente-Variante: der Espiritismo de Cordón). Der kubanische Spiritismus ist sehr mestizisiert, hat aber seine geistigen Wurzeln in Europa.[273] 
Eine dieser Religionen, die Santería oder Regla de ocha (oder regla de ocha-ifá, Babalaos definieren sie auch als regla de ifá) unserer Zeit ist auf Kuba zwischen Pinar del Río und Ciego de Ávila der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung, deren Ursprünge und Etappen wir im Einzelnen noch kaum kennen.[274] Wir wissen aber, daß schon Olfert Dapper 1686 in seiner Description de l'Afrique [275] von einem Königreich von Ulcami oder Ulcuma berichtet, welches in Westafrika zwischen Benin und Arder (Ardra, Allada) lag. Von der Bezeichnung Ulcumi leiten die meisten Forscher heute den Namen Lucumí ab. Die Charakteristik dieses Königreiches sei es, nach Dapper, daß von dort viele Sklaven an die Niederländer und Portugiesen verkauft würden und daß die Benin-Leute den Gott des Ulcami-Reiches Orisa nennen. In der Santería heißen die Gottheiten bzw. Heiligen (Santos) Orichas. Jacques Barbot (1732) zitiert einen Reisenden, der in den späten 1670ern im afrikanischen Sklavenhafen Whydah beobachtet hatte, daß es drei Arten von Göttern gab: einen Obergott, drei Göttern mit universaler Geltung (Gott der Bäume, Gott der Schlange und Göttin des Ozeans) und darunter eine Anzahl von niedrigeren Göttern, die anhand von „Idolen“ angebetet wurden.[276] Von Arder wiederum wird die Tradition der Arará (Kuba), Arda oder Aradá (Saint-Domingue/Haiti) und Radá (Haiti/Trinidad and Tobago) abgeleitet.[277] Für den Jesuitenpater Jean Baptiste le Pers, der im frühen 18. Jahrhundert 25 Jahre auf Saint-Domingue lebte, waren die Großgruppen der Afrikaner religiös klar geordnet: die Congos waren Christen (auch wenn sie es damit nicht so genau nahmen), die Senegalesen Muslime und die Ardas beteten Schlangen-Idole an; letztere fasste Moreau de Saint-Méry unter dem Generalbegriff “Vaudoux” (Voudou) zusammen.[278]
Afrikahistoriker haben mittlerweile nachgewiesen, dass es einen erheblichen Einfluß des Christentums schon in Afrika gegeben haben muss, so dass viele Sklaven Elemente des Christentums kannten. Die „Fetische” wurden oft schon in Afrika bekämpft und der Synkretismus ist schon dort entstanden. So wird in einem 1658 in Spanien, dem Land der Gegenreformation, vorbereiteten Katechismus der christliche Gott als “Vodu” bezeichnet, ein Fon-Wort für Gott - heute ist daraus Vodú (oder Voudou, eigentlich Vodun) geworden. Auch das Kikongo-Wort für Gott „Nzambi a Mpungu” oder für “Geist“ (nzambi) gibt es heute in Amerika - es ist Zombie.[279]
Ursprünglich handelte es sich bei dem, was heute manchmal zusammenfassend als Santería bezeichnet wird, zunächst um Religionen in Afrika. Unter dem Druck des Sklavenhandels und der Sklaverei (man denke an das kulturelle Hauptargument für die Sklaverei: “afrikanische Barbaren kommen in den Genuss der richtigen – christlichen – Religion”)  wurden daraus unterschiedliche Geheimriten von Afrikanern, die ihre universalen Kosmologien, Theologien und Philosophien sowie deren populäre regionale und lokale Kulte mit in die Sklaverei gebracht hatten.[280] Die afrikanischen Religionen kamen aber nicht als geschlossene Kultsysteme, wie in einer Konservenbüchse, nach Amerika, sondern die Kulte wurden in der Sklaverei zur wichtigsten kulturellen Erinnerung. Aus diesen Erinnerungen und Mischungen, entstanden hybride afroamerikanische religiöse Traditionen. Aus den unterschiedlichen Ansätzen wurden aus Erinnerungskernen dann die verschiedenen Kulte, die kubanischen Reglas, wie sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts benannt und (partiell, allerdings kaum schriftlich) kanonisiert wurden.
            Das Modell des religiösen Lebens der Afrikaner und Afrikanerinnen auf Kuba hatte, trotz aller Unterschiede in den Bezeichnungen der Kulte, der einzelnen Pantheone, der theologischen Grundlagen, der Mythologien und der lithurgischen Systeme, eine Reihe gemeinsamer Grundzüge. Der erste und wichtigste besteht in der Verehrung der Vorfahren, der Muertos, und im Glauben, daß die Toten Macht haben, in den Bereich der Lebenden einzudringen und ihr Schicksal zu beeinflussen. Die Regel dazu lautet: el primer culto se rinde a los muertos, mit dem ersten Kult ehrt man die Toten. Der zweite Grundzug ist der Glaube an einen höchsten und einzigen Gott, obwohl gerade in dieser theologisch komplizierten Frage auch Stimmen laut geworden sind, es habe sich ursprünglich um ein System mit zwei Hochgottheiten, einer männlichen und einer weiblichen gehandelt. Der dritte Grundzug ist der Glaube an ein Pantheon von Zwischengottheiten oder götterähnlichen Helden (Santos oder Orishas), die magische Kräfte haben bzw. von denen magische Kräfte auf  Menschen übergehen können.
            Diversität auf Basis einer fundamentalen Einheit, so könnte die Formel dieser Glaubenssysteme lauten. Vor allem das einende Prinzip unter den genannten Grundzügen, Gottvater, machte es möglich, daß es zu Synkretisierungen mit dem christlichen Gott kam, in die maskiert auch islamische monotheistische Tendenzen einflossen. Die Struktur Hochgott-niedere Gottheiten konnte relativ leicht mit dem iberisch-kubanischen Volkskatholizismus in Einklang gebracht werden.
            In der Kosmologie der Santería steht Gott-Vater, Olofí (auch Olorún[281] als Sonne oder als ”oberster Richter” Oloddumare), eine westafrikanische Himmels- und Schöpfergottheit, über einem Pantheon von Gottheiten bzw. Heiligen, den Orichas, dessen oberster Oricha Obbatalá oder Obbad-Allah ist.[282]
            Der Kult selbst richtet sich kaum an den Hochgott, sondern in utilitärer und sozial recht amorpher Weise an Ahnen, Gottheiten und Heilige, an Santos. Wie bei vielen Ahnenkulten werden die Vorfahren nicht einfach der Betreuung durch ein göttliches Dienstleistungsunternehmen (Himmel oder Hölle) überlassen und in Totenstädten (Friedhöfe) vom Bereich der Lebenden entfernt. Sie sind vertikale Bestandteil einer kultischen Familie, der Casa. Im horizontalen Sinne schufen diese „Familien“ religiöse Verwandtschaft von Zeitgenossen unter Leitung einer eigenen Elite. Durch die afrikanischen Religionen wurden die zerrissenen Familien- und Gemeinschaftsbande in der Sklaverei rekonstruiert. Während die ”Familie” mit Patenschaften und religiös begründeten Verwandschaften die Realität in der kubanischen Sklaverei darstellte, wurden die Ahnen in Afrika, das heißt, die transatlantisch-vertikale Verwandschaft, mythisch verklärt.
            Alle Bereiche der Santería und auch anderer afroamerikanischer Religionen flottieren sozusagen in einem von Olofí ausgehenden Äther bzw. allumfassenden ”Geist”, dem aché. Aché als geistiges Prinzip, Energie, Äther und „Gnade” hält das theologische Gebäude und die populären Kulte zusammen. Nur (lebende) menschliche Wesen können durch Gebet und Opfer Aché von Olofí, den Santos und von den Toten auf andere Menschen oder Objekte übertragen.[283] In europäischer oder auf theologische Reinheit bedachter katholischer Interpretation ruht hier die Magie der afroamerikanischen Religionen, pejorativ ausgedrückt, ihre Fähigkeiten zur Verhexung, zu schwarzem Zauber. 
            In der Santería wendet sich der Gläubige an die Orichas, um Probleme zu lösen. Werden sie gelöst, zahlt er dafür. Die Reglas sind sehr diesseitsbezogen und utilitär. Die Mittler auf Erden sind Babalaos, die Priesterstatus haben, und Santeros oder Santeras bzw., in der Congo-Tradition des Palo Monte, die Paleros (deren Status ich hier nicht im Einzelen erläutern möchte). Die utilitären Reglas bieten sich zur Kommerzialisierung an.
Das Pantheon der Orishas in der Santería ist hierarchisch geordnet. Obbatalá, “der in alle Köpfe passt“ (cabe en todas las cabezas), ist der oberste Santo. Danach ist die Hierarchie nicht sehr ausgeprägt, auch weil jeder Initiierte glaubt, sein Santo sei der höchste. Aber die Rangordnung des Essens bei Opfergaben lässt Rückschlüsse auf eine Hierarchie zu - fest steht, Elleguá, der Götterbote und Wegegott, isst stets als erster. Die Entstehung dieses Pantheons ist diskurs- und kulthistorisch kompliziert und spiegelt im Allgemeinen die Integrierung unterschiedlichster afrikanischer Kulte und Naciones unter den Bedingungen der Sklaverei wieder. Die Orishas sind auch Mittler zum Hochgott und haben von ihm bestimmte Kräfte erhalten, um ihre Funktionen zu erfüllen. Olofí (auch als Jesus), Olorún oder Oloddumare greifen kaum in die irdischen Angelegenheiten ein. Aber die Seelen der Menschen und die Gnade, der höchste Aché, kommen von ihm.
            Orishas sind vermenschlicht und haben ihre Schwächen, die durch die Menschen mit Hilfe magischer Riten beeinflußt werden können. Magie und Religion sind in der Santería kaum voneinander zu trennen. Die wichtigsten sieben Gottheiten/Orichas werden heute manchmal auch zu den Siete Potencias Africanas, den sieben afrikanische Mächten, zusammengefaßt. Darin drücken sich auch Einflüsse des Palo Monte aus, die besonders in den Bereichen Magie und Kräuterheilkunde wirksam sind. Es gibt auf Kuba auch andere Gruppierungmöglichkeiten, wie Elegguá (Götterbote und Wegeöffner und -schließer), Oggún (Schmied und sozusagen Technikverantwortlicher), Ochosi (Jäger) und Osun als die sogenannten Krieger, Guerreros. Jede Initiation von Gläubigen beginnt mit den Guerreros. Darüberhinaus existiert eine Vielzahl weiterer Orichas.
            Die Grenzen zwischen den einzelnen Reglas waren und sind fließend. In der Gegenwart läßt sich international, weniger auf Kuba, vor allem in den USA (Yoruba Church of America) eine Vereinheitlichung- und Zentralisierungstendenz der yorubabasierten Religionsgruppen in der sogenannten „Religion Yoruba“ konstatieren. Die Assozierung und Kreolisierung schreitet aber auch auf Kuba fort, zudem kommt ein starker Trend der Re-Ethnisierung. Klar definierte andere Reglas, sozusagen sich scharf von der Santería absetzende Kultur-Typen, gibt es auf Kuba nur noch auf regionaler und lokaler Ebene, wie die Regla de Palo Monte, die  Regla Arará oder Aradá bzw. dem Vodú (in Oriente und Camagüey verbunden mit den Gesellschaften und der Musikform Tumba Francesa, “französische Trommel“; “Tumba” ist unter Bantugruppen ein Wort für Trommel) und dem Espíritismo de Cordón. Der kubanische Vodú (und in gewissem Sinnen auch der Espíritismo) allerdings ist aus historischen und religiösen Gründen relativ offen und grenzt sich weniger scharf von den anderen Reglas ab.[284]
            In der Santería hat jede der Gottheiten ihre Kultfarbe(n), ihren Tag der Verehrung, besondere Opferspeisen, Embleme und Ketten, die ihnen spezifisch geweiht werden. In Afrika wurden die Gottheiten in ihrem jeweiligen Tempel, im Grunde ihrem Privathaus verehrt; in Kuba aber leben sie sozusagen in Wohngemeinschaft; die figürlichen Abbildungen (Puppen) und Altäre (Otanes) befinden sich in den Kulträumen. Bei den großen Zeremonien werden die Orishas nach und nach herbeigerufen - mit bestimmten Gesängen und Trommelrhythmen jeweils für die einzelnen Gottheiten. Nach dem Glauben der Anhänger der Santería können die Santos sich während einer Trance ihrer Adepten faktisch in diesen Medien manifestieren - sie sind für die Gläubigen dann wirklich anwesend und tanzen gemeinsam.
            Die Kultzentren der Santería standen (und stehen) unter Obhut eines erfahrenen Santeros, der sich seine Klientel und das Zentrum meist selbst aufbaute; meist weil er auch Heilkundiger, Exorzist und in gewissem Sinne Psychiater und Sozialarbeiter war und ist. Santeros dürfen allerdings keine Orakelpraktiken anwenden. Die Babalaos stehen in der Hierarchie über den Santeros oder Santeras. Es handelt sich um zwei ihrem Selbstverständniss nach streng getrennte Gruppen. Babalao können nur Männer sein. Sie führen die eigentlichen religiösen inhaltlichen Funktionen aus, wie die Initiation neuer Mitglieder und das Blutopfer vierfüßiger Tiere. Die Babalaos sind Orakelpriester, die die Geheimnisse des Ifá-Orakels kennen, das aus einer Manipulation von Kauri-Muscheln oder Kokosscheiben besteht, verbunden mit Gerationsabfolgen in Lengua und Kenntnis der religiösen Familie, d.h., vor allem der Ahnen. Weil das wichtigste Ritual das Ifá-Orakel ist, heisst diese afrokubanische Religion auch Regla de Ifá. Bei diesem Orakel wird der Orakelgott Orula mittels des Okuele (meist eine Kette mit Kokosscheiben, die unterschiedliche Farbseiten haben) durch Babalaos befragt. Nur die Babalaos können die Oddun, die Zeichen, interpretieren und die Patakiés, religiöse Geschichten, richtig interpretieren. Wichtige Rituale werden in Lengua vollzogen, einer heiligen Sprache (Yoruba).[285] Die Babalaos untergliedern sich wiederum in verschiedene Stufen und Ramas, Herkunftsterritorien und - familien. Der älteste lebende Babalao einer Tierra, eines Territoriums hat den höchsten Rang. Er hat eine starke Klientel, den er hat die meisten Santeros initiiert und Babalaos ausgebildet, die ihm väterlichen Respekt schulden.
            Die Opfer stärken den Aché, die dynamische Energie der Götter, die diese wiederum in den Ritualen auf die Menschen übertragen, der aber auch als ein geistiges Grundprinzip das Leben und den Kosmos insgesamt in Bewegung hält.
            Historisch handelt es sich um den Formierungsprozeß eines Pantheons aus verschiedenen lokalen, regionalen oder städtischen Gottheiten, die im Falle der Santería meist aus dem heutigen Nigeria und Benin stammen. Sie wurden erst unter dem Druck der Sklaverei zu einem afrokubanischen Götterpanorama zusammengefügt. Dabei hat es durchaus einen Götterschwund bzw. Bedeutungswandel gegeben. Während für für das heutige Nigeria um die 400 Orichas angenommen werden, sind es heute in Kuba um die dreißig. Viele Gottheiten, die im 19. Jahrhundert noch Objekte der Anbetung waren, sind im 21. Jahrhundert fast unbekannt.
            Das ist eine Charakteristik der afrokubanischen Religionen, in gebotener Kürze und mit Respekt vor den Secretos dieser Religionen, ihren internen Regeln. Die Basis meiner Darlegung ist die Santería. Neben der Regla de ocha existieren in Kuba eine Reihe anderer synkretischer Kulte, deren Grenzen allerdings, wie gesagt, fließend sind, wie die congo-basierte Regla de palo monte, der Vodú, der Cordón-Spiritismus (Espíritismo de cordón) und religiöse Bruderschaften wie die bereits erwähnten Abakuá. Alle sie haben sich auf unterschiedliche Weise mit dem buddhismusaähnlichen Spiritismus des Allan Kardec (Kardecismus) gemischt.[286]
            Die wichtigste soziale Basis für die Entwicklung der Santería stellte die größte Gruppe von Schwarzen, die Lucumí oder Lucumiés dar. Die Congo oder Bantu werden als Träger der Regla de palo (Palo Monte) gesehen und die Carabalí als ethnische Basis der Abakuá-Geheimgesellschaften. Allerdings sind diese exakten Zuordnungen sehr problematisch, weil etwa die dahomeyanischen Arará, die die Träger der Regla de arará sind, oftmals als Lucumí oder Carabalí angesehen wurden und die Congos sich in Überlagerungsregionen kulturell mit den Yoruba mischten. In den sozialen Praktiken der Religionen gibt es vielfältige gegenseitige Beeinflussungen und Transfers. Auch hat es unterschiedliche starke und lange Einflüsse des Katholizismus auf die Reglas gegeben. Die Abakuá öffneten sich erst relativ spät anderen Gruppen von Schwarzen und seit 1863 durch die Reformation des Andrés Petit, dem Caballero de Color, dem farbigen Kavalier, auch weißen Männern. So bildeten sich auf  Wegen, die wir nicht oder kaum kennen, regionale Schwerpunkte oder Typen religiöser Reglas heraus: die Regla de arará gibt es fast nur noch in bestimmten Regionen der Provinz Matanzas, Abakuá nur in den Hafenstädten La Habana und Matanzas (Cárdenas), die spezifische Form des Espiritismo de cordón nur im Oriente und die kubanische Variante des Vodú, den Ogunismo (Vodú ist die einzige Religion, die kurzfristig neue Loas, Götter, aufnimmt, hier die Oggunes), ebenfalls nur in den historischen Provinzen Oriente und Camagüey. Hier finden sich auch Territorialdefinitionen, die Tierras, die sich von den offiziellen politisch-administrativen Definitionen der weißen Eliten unterscheiden: die tierras de Efí und tierras de Efó der Abakuá oder die tierra chamalongo als Gebiet des Palo Monte. 
            Im Osten Kubas hatten sich in gewissem Sinne die Sklavereiformen des 18. Jahrhunderts erhalten. Es war auch zu einer relativ starken Immigration von Siedlern aus Saint-Domingue, zum Teil mit ihren Sklaven, gekommen. Auf dieser Basis sozialen fand der Vodú Einfluß. Die Haitianer, die sich fast immer Franceses, Franzosen nannten, wurden dann durch massive Einwanderung von schwarzen Zuckerarbeitern aus Haiti (und Jamaika) seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts nochmals gestärkt. Ihre Trashumanz, die vielfache Diskriminierung und die Fama Haitis trugen zur Verbreitung des Vodú im 20. Jahrhundert bei.[287]
            Im Grunde kann aber für Kuba, wie für alle Gesellschaften, die der europäischen Expansion unterschiedlicher Mächte unterlagen und sich auf Sklaverei von Menschen aus Afrika gründeten, konstatiert werden, dass wir es mit vielen Überlagerungen von kulturellen Hybridbildungen zu tun haben. Aus ihnen haben sich durch viele Transkulturationen und innere wie äußere Transfers in längeren historischen Zeiträumen Typen von Religionen oder Reglas herausgebildet. Ob Jamm etwas von diesen afrokubanischen Kulten, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Religionen formierten, gemerkt hat, wissen wir nicht. Parrandas von Schwarzen, etwa zum 6. Januar, dem Tag der Könige, muss er gesehen haben.
            Völlig unklar ist somit, was Jamm von der „kubanischen“ Kultur, etwa der heute so beliebten kubanischen Musik hielt. Beneke jedenfalls war begeistert: „Die Guajiras sind größtentheils schöne Mädchen, ich sah namentlich zwei Schwestern, die mir als die schönsten Mädchen, die ich je gesehen, erschienen, und als sie eine melancholisch klagendes Lied mit dem Refrain ‘O Dios, o Dios, que lindo sueño’ mit ihren rührenden klaren hohen Stimmen sangen, kam das Ganze mir als ein ‘süßer Traum’ unbeschreiblich reizend vor [...] Die Musik auf diesen Bällen bestand nur aus einer Guitarre, abwechselnd ward der Zapateo und Contradanza getanzt”. [288] Insgesamt aber schlug bei Benecke, ebenso wie vierzig Jahre vor ihm bei Humboldt, eine überheblich-kritische Haltung durch: er hielt Kuba, wie Gesamtamerika, für „unzivilisiert“, weil zu pragmatisch und gewinnorientiert.[289] Ebenso dürfte Jamm gedacht haben; der Kostumbrismus war eben im Entstehen und Europa hielt sich mit seiner Hochkultur noch für den Nabel der Welt. Die Geschäfte zumindest müssen gut gegangen sein – sonst wären die Kaufleute nicht nach Kuba gekommen!
            Der damalige Musikstil der Contradanza ist weltweit vor allem als Habanera bekannt geworden. Die Habanera ist ein sehr langsamer Tanz, der seinen Zauber aus der Melodie zieht. Insofern steht er afrikanischer Rhythmik und unserem heutigen Verständnis von „kubanischer“ Musik eher fern. Als Tanzform geht die Habanera auf den englischen Country dance zurück, der als Contradanza seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Spanien und im frühen 19. Jahrhundert auch in Havanna - über Saint-Domingue - Einzug gehalten hatte. Die berühmteste Habanera ist wohl, neben Georges Bizets Habanera in der Oper Carmen – mit der französische Komponist die Neuerfindung der „spanischen Musik“ stark beeinflusste – das unverwüstliche Lied von der weißen Taube, La Paloma (eigentlich ein Psycho-Song der Sklavenhändler und Sklavenschiffsmatrosen, wie in den Anfangsworten des Originals deutlich wird: „Cuando yo salí de la Habana, valgáme díos …“). Das melodiöse Stück – in Deutschland durch die Comedian Harmonists, Hans Albers und Freddy Quinn zu Ruhm  gelangt (und in “Drei weisse Tauben” parodiert) – hatte der heute weitgehend unbekannte baskische Musiker Sebastián de Iradier (1809, Lanciego, Provinz Álava – 1865 in Vitoria-Gasteiz), zeitweilig Gesangslehrer der französischen Kaiserin Eugénie, am Beginn der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts in Havanna geschrieben.
            Auch über die Geräuschkulisse der Zeit Jamms in Havanna wissen wir wenig. Klar ist, dass der Motoren- und Radiolärm der siegreichen Industrie- und Medienkultur sich noch nicht durchgesetzt hatte. Eventuell gab es schon den Krach der Dampfersirenen. Menschliche Stimmen und das Rattern der Kaleschen bestimmten den phonetischen Hintergrund dieser Zeit. Was die Menschen auf der Strasse sangen, wissen wir nicht. Im gedanklichen Film der historischen Erinnerung passt zu diesen Jahren am besten die Habanera, möglichst von einer traurigen Frauenaltstimme gesungen. Der Zeitgeist war geprägt duch die Latinité-Politik des II. französischen Kaiserreichs unter Napoléon III. (1852-1871). Das imperiale Frankreich und das immer noch imperiale Spanien waren sich politisch so nahe wie nie. Deshalb auch die leichten Transfers der Kulturen, der Moden, Musiken und Stile unter den „lateinischen“ Eliten – und der Textilien, mit denen Jamm handelte. Ihren Lauf in den Weltruhm aber nahm die Habanera in Form von „Carmen“ und „La Paloma“, eigentlich ein Lied, das die Seele von Sklavenhändlern besingt,  erst in der französischen Republik nach 1870.
            Die ”kubanische” Musik dieser Zeit, die Musik einer Sklavengesellschaft auf dem Höhepunkt der effizientesten atlantischen Sklavenökonomie, war noch keine Kunstform, die von der Ästhetik und Kultur afrikanischer Menschen geprägt worden wäre (die gab es mit den Trommeln, den Claves oder Bembés in den Barracones oder den Barrios und Cabildos der freien Schwarzen und Farbigen). Das war unmöglich. Der Musikstil der kubanischen Sklavengesellschaft wurde eher durch melodiöse Lieder regionaler iberisch-karibischer Tradition und Spiritualität sowie kubanische Orchestrierungen europäischer Musik (Charrangas) geprägt. Jamm mag dann in Deutschland gerne La Paloma gehört haben. Oder Flor de Yumurí, eine Habanera mit der an den traurigen Tod der Siboney-Indios erinnert wurde oder María de la O oder, oder ... Vielleicht ist Jamm auch so oft in Paris gewesen, weil er nur dort diese Musik hören, exotische Gerichte und Früchte essen konnte und seine Erinnerungen an die Karibik pflegte?
            Auf Kuba waren Masse der Sklaven und ihre Musik auf dem Lande in den Plantagen eingesperrt. “An” Karneval eventuell tolerierten die lokalen Oberschichten frühe afrokubanische Musik (Rumba, Claves, Straßen-Danzón, Son[290]), Umzüge (Parrandas) oder Kampfkünste, wie Maní.
            Auch in der Malerei breitete sich auf Kuba, auf ähnlichen Wegen wie die bald kreolisierte englische Contradanza, europäisierende Ästhetik aus. Sie konnte die mestizisch-naive Handwerkskunst zwar aus den Salons der Oberschichten verdrängen, aber nie besiegen und aus den Straßenbildern der kubanischen Städte oder der Karikatur bzw. der Gebrauchskunst (Illustrationen für Zigarrenkästen und Bauchbinden) verdrängen.[291] Mit den Bildern von Juan Bautista Vermay setzte sich zunächst ein klassizistisch-historisierender Stil á la David durch (allerdings nicht mehr im “römischen” Pathos der Revolutionszeit, sondern nunmehr in einer christlich-hispanistischen Bild-Rhetorik, siehe die Bilder Vermays im Templete von La Habana). Franzosen dominierten bis Mitte des Jahrhunderts der Akademie San Alejandro. Mit den Bildern von Federico Fernández Cavada (1831-1871), Valentín Sanz Carta (1849-1896), aber besonders dem Paisaje marino (1877) von Esteban Chartrand y Dubois (1840-1883), entstand eine schöne, aber heute kaum glaubwürdige romantische Landschaftsmalerei. Sklaven hatten auf diesen Bildern keinen Platz. Konterkariert werden diese heute als eigentlich unpassend empfundenen Bilder des 19. Jahrhunderts auf Kuba durch die wunderschöne Serie Los Ingenios von Laplante, die graphischen Reportagen von Federico Mialhe (in den Sammlungen Isla de Cuba, Isla de Cuba pintoresca und Viaje pintoresco por la Isla de Cuba, alle Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts) sowie die Tipos y Costumbres de la Isla de Cuba (1881) des Basken Landaluze. Ihr etwas spöttischer Kostumbrismus, damals sicherlich als von den kreolischen Kultureliten als “unkubanisch“ verstanden, brachte wenigstens idealisierte Volkstypen, darunter auch Feldsklaven, in die gemalten Wirklichkeiten der Hochkultur. Sie gelten heute als Bilder von hohem dokumentarischem Wert. Sklaven kommen eigentlich auf wenigen Gemälden vor, wie auf dem Bild Corte de caña (Zuckerrohrernte, 1874) von Victor Patricio de Landaluze (1828-1889).[292]
            Der Stolz der Plantagenbesitzer auf die - nach ihren Vorstellungen - perfekt organisierten Ingenios hat Spuren in den Diskursen der Zeit hinterlassen. Besonders schöne und ästhetische Darstellungen dieser Herrenkultur der Plantagen, romantische Zuckerlandschaften, finden sich in den Ingenio-Bildern von Eduardo Laplante oder im Buch von Justo Cantero, Los ingenios de Cuba. Colección de vistas de los principales ingenios de azúcar de la Isla de Cuba (1857). 
            Im wohl kubanischsten Werk der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, der in direkter Konfrontation zu den Arbeiten der Spanier Jacobo de la Pezuela y Lobo sowie Ramón de la Sagra entstandenen Teilbänden der “Historia de la esclavitud de la raza africana en el Nuevo Mundo“[293] von José Antonio Saco, allerdings stand die Sklaverei im Mittelpunkt. Saco erklärte mit den Mitteln des sich im ganzen Westen ausbreitenden Historismus, dass alle wichtigen Gesellschaften in der Geschichte der Menschheit Sklavengesellschaften gewesen waren. Wie im Historismus fast immer war dieses Werk relativistisch gemeint. Die Essenz des Diskurses dieser Mutter der Sklavereigeschichtsschreibung machte aber dem aufmerksamen Leser eines deutlich: die Sklaverei als Produktionsform, Arbeitsregime, Kultur (und Text) war - entgegen der sich im kubanischen Nationalismus ausbreitenden populären Meinung - keine Angelegenheit der Spanier. Die Sklaverei bildete Grundlage und Substanz des “großen“ Kuba.
            Ich wiederhole: Jamm hat selbst keinen Sklavenhandel als Hauptgeschäft getrieben und er hat nur wenige Haussklaven gehabt. In seinen Büchern kommen nur drei bis vier Namen vor, die mit einiger Sicherheit Haussklaven zugeordnet werden können. Jamm hat aber mittelbar von dem Reichtum der Sklavereigesellschaft profitiert. Und er war – zumindest in seiner „kubanischen“ Zeit – der Sklaverei sehr nahe. Die Haussklaverei hatte er – die Redundanz sei erlaubt – im eigenen Hause. Er hat sich verhalten, wie sich (fast) alle Eliten verhielten – zumindest in „seinen“ Kreisen. Selbst im Hause einer Familie von freien Farbigen, allerdings altfreien Farbigen, deren Vorfahren aus Saint-Domingue nach Kuba gekommen waren, der Familie Lafargue in Santiago de Cuba, wird es Haussklaven gegeben haben. Und ein Paul Lafargue aus dieser Familie wurde nach seinem Medizinstudium in Paris immerhin Schwiegersohn von – Karl Marx!


Fazit


Das Problem der Stadt Lahr mit den Perzeptionen der Geschichte, Jamms Problem des „Sklavenblutes im Stadtgarten“ ist kein individuelles Problem eines deutschen Kaufmanns auf Kuba und später in Deutschland. Es ist ein Problem, das die schöne Stadt im Schwarzwald mit der Globalisierung verbindet, der damaligen des beginnenden Industriezeitalters, wie der heutigen Globalisierung. Geschichte ist immer konkret, wie auch ihre Verbindungen mit der Mikro- und Makrogeschichte, in diesem Falle die Verbindungen Christian Wilhelm Jamms und seines Geldes mit Havanna, Lahr und dem Weltmarkt für Zucker und Textilien.
Heute gibt es - je nach Schätzung – 27 bis 250 Millionen Sklaven in der Welt (auch und vor allem Kinder). Im Zuge der heutigen Globalisierung wächst die Zahl der Sklaven.[294] Wer wie wir (einschliesslich des Autors) im Glashaus des globalisierten Kapitalismus sitzt, sollte nicht unbedingt mit Steinen schmeissen. Auch nicht auf den „Kauz“ Jamm. Wir stehen, gerade wegen des Preis- und Effizienzarguments, immer vor der Gefahr, Waren oder Dienstleistungen zu kaufen, die von Kindersklaven hergestellt worden sind bzw. angeboten werden.
Die klassische Sklaverei des atlantischen Westens, die Jamm auf Kuba erlebt hat, war durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet: erstens die Sklaverei war räumlich relativ klar definiert; besonders deutlich im Zucker – es war aus zentraleuropäischer Perspektive „überseeische“ Sklaven, an den Rändern der „zivilisierten“ Welt. Die Sklaverei war vor allem ein rurales Arbeitssystem in Kolonien mit Landüberschuss und Arbeitskräftemangel. Zweitens, die Sklaverei war in der Tradition des römischen Zivilrechts (ausser in den anglophonen Gebieten) definiert; die Sklaven waren „Privateigentum“. Das band nicht nur die Sklaven an den Herren, sondern verpflichtete auch die Herren, zumal, so zynisch das auch klingt, Eigentum eben meist pfleglich behandelt wurde. Und drittens, die atlantische Sklaverei brachte, je länger sie existierte, den Rassismus gegen Sklaven (nota Beneke!), aber vor allem gegen ehemalige Sklavinnen und Sklaven hervor, der schließlich so wirkte, als sei er schon vor der Sklaverei dagewesen (und somit als Ideologie zur Begründung der Sklaverei dienen konnte – ein in sich geschlossenes Referenz-System).[295]
All dies ist in der heutigen Sklaverei weggefallen bzw., da es sich die heutigen vielfältigen Sklavereien nicht mehr geschlossen auf Gebiete und Branchen konzentrieren und die moderne Sklaverei auch nicht mehr rechtlich definiert ist, sind die Opfer weniger sichtbar, weniger visibel. Sie kommen nur kurz in die Nachrichten: Kinderprostitution, Schuldsklaverei, Aufbringung eines Schiffes mit Kinderarbeitskräften vor der westafrikanischen Küste, Skandale über monate- oder jahrelang eingeschlossenes Hauspersonal in den Metropolen dieser Welt oder jugendliche Zuckerarbeiter und Teppichweberinnen.
Mit dem Bevölkerungswachstum in der sogenannten dritten und vierten Welt sowie dem Wachstum der unqualifizierten (Zu-) Arbeiten und Dienstleistungen kommt hinzu, dass seit etwa 1980 diese schlecht sichtbare Kindersklaverei wieder sehr, sehr lukrativ geworden ist. Wir wissen nie genau, ob wir im extrem globalisierten Geldsektor mit Finanzmitteln zu tun haben, die in diesem Sinne „schmutzig“ sind.
Das was bleibt, ist die individuelle Verantwortung. Und die genaue Abwägung zwischen Effizienz und Humanität. Das ist die Haltung Alexander von Humboldts, der uns damit, noch bevor die „große“ Sklaverei im Zucker weltweit bekannt geworden war, das unvollendete Projekt einer anderen Moderne[296] an die Hand gegeben hat, wie das Versprechen auf eine humanistische Moderne, das heute nicht eingelöst ist. Die Moderne Humboldts, die auch die von Christian Wilhelm Jamms und unsere ist, ist noch nicht zu Ende.


[1] Mintz, Sydney W., Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers, Frankfurt am Main; New York: Campus 1986.
[2] Olbrich, Hans, „Rückschau auf das Millenium des Kolonialzuckermonopols aus der Sicht des konkurrierenden Rübenzuckers im Spiegel der europäischen Zuckerdissertationen des 17. und 18. Jahrhunderts“, in: Schriften aus dem Zucker-Museum, Heft 17: Beiträge zur Geschichte des Zuckers, hrsg.v. Fördererkreis Zucker-Museum e.V., Berlin 1982, S. 182-194. Das deutsche Standardwerk über den Zucker ist auch heute noch, trotz einer Reihe von Unvollkommenheiten und falschen historischen Urteilen: E.O.Lippmann, Die Geschichte des Zuckers seit den ältesten Zeiten bis zum Beginn der Rübenzucker-Fabrikation. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, Niederwalluf bei Wiesbaden 1970 [Nachdruck]. Zum internationalen Vergleich siehe: Scott, Rebecca J., “The Transformations of Sugar Production in Cuba after Emancipation, 1880-1900: Planters, Colonos and Former Slaves”, in: Crisis and Change in the International Sugar Economy 1860-1914, ed. by Albert, Bill; Graves, Adrian, Norwich and Edinburgh, ISC Press, 1984, S. 111-120; Perkins, John, “The Political Economy of Sugar Beet in Imperial Germany", in: Ebenda, S. 31-45.
[3] Guimerá, Agustín; Monge, Fernando (Coords.), La Habana, puerto colonial (siglos XVIII-XIX), Madrid: Fundación Portuaria, 2000.
[4] Siehe den Zensus von 1841 in: K.F.Kiple, Blacks in Colonial Cuba. 1774-1899, Gainesville 1976, S. 47-58; sowie: E. Torres-Cuevas/E.Reyes, Esclavitud y sociedad. Notas y documentos para la esclavitud negra en Cuba, La Habana 1986, S. 176. Zum Zensus siehe auch die neuere Arbeit von José Antonio Piqueras: J.A. Piqueras, „Censos lato sensu. La abolición de la esclavitud y el número de esclavos en Cuba”, in: Revista de Indias Vol. LXXI, no. 251 (2011), S. 193-230.
[5] Siehe den knappen Abriß bei: T.Zeller, Der Kampf zwischen Rohr- und Rübenzucker (Tagesfragen der Auslandswirtschaft, Heft 14), Leipzig 1920, S. 5-16 sowie: G.B.Hagelberg, „Anhaltspunkte zur vergleichenden Wirtschaftsgeschichte von Rohr- und Rübenzucker bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 3 (1971), S. 166-190.
[6] J.B.Dureau, De la Fabrication du Sucre de Betterave. Dans ses rapports avec l'agriculture et l'alimentation publique, avec des considérations sur la partie économique et de la législation de cette industrie, Paris, Librairie d'Agriculture et d'Horticulture, 1858; im Grunde das Resumée über fast ein Jahrhundert Rübenzucker in Frankreich und Europa. Eine Reihe von Argumenten wurde durch sehr prominente Stimmen vorgetragen, so etwa durch den späteren Kaiser Napoleon III.; siehe: Napoleon III. über den Zucker. Eine wirtschaftspolitische Studie von Prinz Louis Napoleon Bonaparte während seiner Festungshaft auf Fort Ham im Jahre 1842, hrsg.v. Fördererkreis Zucker-Museum e.V., Zucker-Museum Technische Universität Berlin, bearb. und komm. v. H.Olbrich, Berlin 1984.
[7] Siehe die Auswahl von „Zuckerkarikaturen“ aus dem Werk Daumiers oder von J.J.Grandville in: Ibid., S.24ff., 31 und 68.
[8] A.v.Humboldt, Relation historique du Voyage auy Régions équinoxiales du Noveau Continent, 3 Bde. (Nachdruck des 1814-1825 in Paris erschienenen Originals, besorgt, eingeleitet und um ein Register vermehrt von H.Beck), Stuttgart 1970, Bd. III, S. 418.
[9] Alexander von Humboldt, Cuba-Werk, herausgegeben und kommentiert von Hanno Beck in Verbindung mit Wolf-Dieter Grün, Sabine Melzer-Grün, Detlev Haberland, Paulgünther Kautenburger, Eva Michels-Schwarz, Uwe Schwarz und Fabienne Orazie Vallino. Mit einer Karte am Schluß des Bandes (Alexander von Humboldt, Studienausgabe, Sieben Bände, hrsg. v. Hanno Beck, Bd. III), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992 (hier zitert als „Cuba-Werk“); Miguel Ángel Puig-Samper/Consuelo Naranjo Orovio/Armando García González, Ensayo Político sobre la Isla de Cuba, Madrid (Aranjuez): Ediciones Doce Calles/Valladolid: Junta de Castilla y León, 1998 (THEATRUM NATURAE. Colección de Historia Natural, Serie: Textos Clásicos). Kurz vorher war erschienen: Alexandre de Humboldt, Essai Politique sur l’Île de Cuba, Nanterre: Édition Erasme, 1989 (Collection Memoria Americana); darin: Charles Minguet, Préface. Un livre fondateur, l’Essai politique sur l’île de Cuba, S. I-III. Zeuske, ¿Padre de la Independencia? Humboldt y la transformación a la modernidad en la América española, in: Debate y perspectivas. Cuadernos de Historia y Ciencias Sociales, Madrid, No. 1 (Diciembre de 2000): Alejandro de Humboldt y el mundo hispánico. La Modernidad y la Independencia americana, coord. Por Miguel Ángel Puig-Samper, S. 67-100.
[10] J.Görz, Handel und Statistik des Zuckers mit besonderer Berücksichtigung der Absatzgebiete für den deutschen Zucker, 2Bde., Berlin 1884/85 sowie: K.Henninger, Englands Versorgung mit Zucker seit dem Aufkommen der kontinental-europäischen Rübenzuckerindustrie. Eine handels- und kolonialpolitische Studie, Berlin 1927.
[11] R. J. Scott, Slave Emancipation in Cuba. The Transition to Free Labor, 1860-1899, Princeton 1985.
[12] O.F.García Martínez, El proceso de concentración y centralización en la industria azucarera de Cienfuegos, Cienfuegos 1992 (unpubliziert, vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt).
[13] H. Paasche, Zuckerindustrie und Zuckerhandel der Welt, Jena 1891, S. 357 und 379.
[14] Zeller, Der Kampf..., S. 26.
[15] Kaerger, Karl, Die Lage der Zuckerindustrie auf Kuba, in: Bundesarchiv, Abt. Potsdam, AA II, Nr. 211, f. 46-81, siehe auch: Kaerger, Landwirtschaft und Kolonisation  im spanischen Amerika, 2 Bde., Leipzig: Duncker & Humblot, 1901.
[16] J.Wolf, Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag, die kubanische Zuckerproduktion und die Zukunft der Zuckerindustrie, Jena 1906, Vorwort, S. IIf.
[17] Ebd., S. 2.
[18] A.Kuethe, Guns, Subsidies, and Commercial Privilege: Some Historical Factors in the Emergence of the Cuban National Character, 1763-1815, in: Cuban Studies, 16, ed. C.Mesa-Lago, Pittsburgh 1986, S.130ff.
[19] So der Titel von Kapitel I bei: Wolf, Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag..., S.2ff.
[20] Wolf hebt, trotz der Tatsache, daß Kuba um 1900 etwa nur die Hälfte der deutsche Produktion erreichte, vor allem die rasante Modernisierung der Jahrzehnte 1880-1900 (S. 4) hervor und den bisher "minimen" territorialen Umfang der Anbauflächen sowie die geringe Bevölkerung (die seit 1899 durch Einwanderung gefördert werde, S. 8ff) und die Annahme, daß "fast die ganze Fläche des Landes als kulturfähig gilt" (S.6). Er schließt an: "...an Kapitals- und Unternehmensgeist fehlt es heute, wo Kuba der Verwandte und Vasall der Union geworden ist, nicht mehr." Siehe: Wolf, Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag..., S. 4ff. In bezug auf die geographischen Urteile hatte Wolf durchaus die richtige Sicht, nicht aber in bezug auf den "Kapitals- und Unternehmensgeist"! Die wichigste erste Stufe der Modernisierung (1880-1900) wurde nicht etwa von ausländischem, auch nicht von US-amerikanischem Kapital, initiiert, wie oft zu lesen ist, sondern von hispano-kubanischen Investoren.
[21] In der Tat scheint diese Brückenkopfmentalität ein geographische Konstante im politischen Verhalten kreolischer Eliten Kubas zu sein: Bis 1825 "Schlüssel Amerikas" und Nettogewinner der "situados"; 1830-1860: "Kronkolonie" im spanischen Restimperium mit starken Bezügen zum nordamerikanischen Wirtschaftsraum; 1880-1900: die USA wird auch zur politischen Metropole; durch spezielle Verträge binden sich die Wirtschaftseliten an den Markt im Norden, was grosso modo auch für die Republik 1902 bis 1958 gilt. Ab 1961 wird die Metropole USA durch Bindung an das realsozialistische Wirtschaftsimperium abgelöst.
[22] Siehe die „Proyectos de inmigración blanca“ im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und die Ablehnung des Ausbaus der Massensklaverei seitens eines - kleinen - Teils der kreolischen Oberschicht, die z.T. mit der technischen Modernität der entstehenden Zuckerindustrie in Europa argumentierten: ¿Puede suplirse la falta de brazos esclavos en el establecimiento de un ingenio de fabricar azúcar?, in: Memorias de la Real Sociedad Patriótica de La Habana, La Habana 1836, t. 2, S. 41.
[23] R. de la Sagra, Historia física, económico-política, intelectual y moral de la Isla de Cuba, Paris: Hachette, 1861; siehe auch: Ramón de la Sagra y Cuba. Actas del congreso celebrado en Paris, enero, 1992, ed. A.Cambron Infante/P.Estrade/M.-Cl.Lecuyer, 2 vols., A Coruña 1992.
[24] Vergleiche: Scott, Slave Emancipation..., S. 206 sowie: H.Jenks, Our Cuban Colony: A Study in Sugar, New York 1928.
[25] N.Deerr, The History of Sugar, 2 vols., London 1949-50; J.Baxa/G.Bruhns, Zucker im Leben der Völker. Eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, Berlin 1967; Lippmann, Die Geschichte des Zuckers seit den ältesten Zeiten ...;  Galloway, J.H., The sugar cane industry. An historical geography from its origins to 1914, Cambridge, Mass.: 1989; Mintz, Die süße Macht ..., passim; M.Moreno Fraginals, El Ingenio. Complejo económico social cubano del azúcar, 3Bde., La Habana 1978, II, S. 125-128. "El Ingenio" stellt noch heute die grundlegende Arbeit der kubanischen Zuckergeschichte dar, trotz einiger Annahmen, die heute überholt sind (etwa das Verhältnis der Sklaven zur Technologie) und der Publikation einer nahezu unübersehbaren Fülle neuerer Arbeiten.
[26] Humboldt benutzt allerdings noch nicht das Schlagwort, sondern schreibt: „ die großen Neger-Haciendas, in denen jeder Tropfen Zuckersaft Blut und Ächzen kostet“; siehe: Humboldt, Reise auf dem Río Magdalena, durch die Anden und durch Mexico, aus den Reisetagebüchern zusammengestellt und erläutert v. M.Faak, 2 Bde., Berlin 1986 (im folg.: ”Reise auf dem Rio Magdalena”), Teil I: Texte (Beiträge zur Alexander-Von-Humboldt-Forschung, Bd. 8), S. 87; Solow, Barbara, „Caribbean Slavery and British Growth: The Eric Williams Hypothesis“, in: Journal of Developmental Economics 17 (1985), S. 99-115; Blackburn, Robin, „New World Slavery, Primitive Accumulation and British Industrialization“, in: Blackburn, The Making of New World Slavery. From Baroque to the Modern 1492-1800, London; New York: Verso, 1997, S. 509-573; Eltis, David, The Rise of African Slavery in the Americas, Cambridge: Cambridge University Press, 2000, S.  266f sowie: Walvin, James, Britain’s Slave Empire, Gloucestershire: Tempus Publishing Ltd., 2000.
[27] H.-H.Müller, Zur Geschichte und Bedeutung der Rüberzuckerindustrie in der Provinz Sachsen im 19.Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Magdeburger Börde, in: Landwirtschaft und Kapitalismus. Zur Entwicklung der ökonomischen uns sozialen Verhältnisse in der Magdeburger Börde vom Ausgang des 18.Jahrhunderts bis zum Ende des ersten Weltkriegs, 2Hbde., hrsg.v. H.-J.Rach und B.Weissel, Berlin 1979, II, S. 24.
[28] Karl Marx argumentierte allerdings stärker ökonomisch, für ihn war die Sklaverei bis zu einer relativ weit fortgeschrittenen zweiten Globalisierung (um 1860) eine weltweite Produktionsweise, gegen den der Industrialismus Großbritanniens, Europas und der nördlichen USA lokal war (eine „ökonomische Kategorie von höchster Bedeutung“ schreibt Marx noch 1846, ohne die die atlantische Weltwirtschaft zusammengebrochen wäre); siehe: Marx, Karl, “Brief an P.W. Annenkow”, in: Karl Marx, Friedrich Engels, Werke (MEW), Bd. IV, Berlin: Dietz Verlag, 1959, S. 547-557, hier S. 554.
[29] Williams, Eric, Capitalism and Slavery, London: Andre Deutsch Ltd., 1964 [Spanisch: Capitalismo y Esclavitud, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1975].
[30] Zeuske, Arbeit und Zucker in Amerika versus Arbeit und Zucker in Deutschland (ca. 1840 - 1880). Grundlinien eines Vergleichs, in: COMPARATIV, 4.Jg. (1994), H. 4, Leipzig, S. 59-97; Solow, „Caribbean Slavery and British Growth …”, S. 99-115; Blackburn, „New World Slavery, Primitive Accumulation and British Industrialization“, in: Blackburn, The Making of …, S.509-573; Eltis, The Rise of African Slavery …, S.  266f sowie: Walvin, Britain’s Slave Empire …, passim.
[31] Siehe die Titel: Paquette, Robert L., Sugar Is Made With Blood. The Conspiracy of La Escalera and the Conflict between Empires over Slavery in Cuba, Middletown, CT: Wesleyan University Press, 1988  und „Zucker, mit Blut gemacht“, einen Artikel über Kreolsprachen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. Dezember 1995 (N6).
[32] Olbrich, Rückschau..., S. 185.
[33] Horst Pietschmann, “Humboldts Bild von Kuba und der Karibik zu Beginn des 19. Jahrhunderts”, in: Kuba. Geschichte-Wirtschaft-Kultur. Referate des 8. Interdisziplinären Kolloquiums der Sektion Lateinamerika des Zentralinstituts (06), hrsg.v. T.Heydenreich (Lateinamerika-Studien, 23), München: Wilhem Fink Verlag, 1987, S. 139-152. Pietschmann hebt hervor, daß der Essai politique über Kuba in Deutschland faktisch nicht bekannt sei, er will einen “weniger bekannten, sehr kritischen Humboldt ... damals wie heute ziemlich radikal...” in Erinnerung rufen. In Erinnerung rufen will Pietschmann auch die durch Fernando Ortiz besorgte Ausgabe des Ensayo Político über Cuba von 1930 (Ebd., S. 140); Minguet, Charles, ”Alexander von Humboldt und die Erneuerung des Lateinamerika-Bildes”, in: Das Bild Lateinamerikas im deutschen Sprachraum. Ein Arbeitsgespräch an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, 15.-17. März 1989, hrsg. V. Gustav Siebenmann und Hans-Joachim König, Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1992 (Beihefte zur Iberoromania. Hrsg. von Heinrich Bihler, Dietrich Briesemeister, Hans-Martin Gauger u.a., Band 8), S. 107-125.
[34] Alexander von Humboldt, Cuba-Werk, herausgegeben und kommentiert von Hanno Beck in Verbindung mit Wolf-Dieter Grün, Sabine Melzer-Grün, Detlev Haberland, Paulgünther Kautenburger, Eva Michels-Schwarz, Uwe Schwarz und Fabienne Orazie Vallino. Mit einer Karte am Schluß des Bandes (Alexander von Humboldt, Studienausgabe, Sieben Bände, hrsg. v. Hanno Beck, Bd. III), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992 (hier zitert als „Cuba-Werk“); Miguel Ángel Puig-Samper/Consuelo Naranjo Orovio/Armando García González, Ensayo Político sobre la Isla de Cuba, Madrid (Aranjuez): Ediciones Doce Calles/Valladolid: Junta de Castilla y León, 1998 (THEATRUM NATURAE. Colección de Historia Natural, Serie: Textos Clásicos), siehe auch: Alexandre de Humboldt, Essai Politique sur l’Île de Cuba, Nanterre: Édition Erasme, 1989 (Collection Memoria Americana).
[35] Es wird, wenn „Bild“ sehr wörtlich genommen wird, allenfalls in der Bekanntheit noch übertroffen von den Bildern F. Mialhes, siehe: Mialhe, Frédéric, Album Pintoresco de la Isla de Cuba, Berlin: B. Max & Co., 1853; Cueto, Emilio, Mialhe’s colonial Cuba: the prints that shaped the worlds view of Cuba, Miami, Fla.: Historical Association of Southern Florida, 1994 (Catalog of an exhibition held at the Historical Museum of Southern Florida, Oct. 6, 1994 – January 30, 1995).
[36] Zeuske, Sklavereien, Emanzipationen und atlantische Weltgeschichte. Essays über Mikrogeschichten, Sklaven, Globalisierungen und Rassismus, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2002 (Arbeitsberichte des Instituts für Kultur und Universalgeschichte Leipzig e.V., Bd. 6); Zeuske, Alexander von Humboldt, die Weltgeschichte des Westens und die atlantische Massensklaverei (demnächst [2013 dieses Buch ist nicht publiziert worden]).
[37] Cuba-Werk, S. 141.
[38] Zeuske, Kleine Geschichte Kubas, München: Beck, ²2002; Zeuske, Die Geschichte Kubas. Die Insel und die atlantische Welt, Frankfurt am Main und New York: Campus Verlag, 2002 [2013 dieses Buch ist nicht publiziert worden, dafür aber: Zeuske, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich: Rotpunktverlag, 2004]; siehe auch: M. Carmagnani, Le isole del lusso. Prodotti esotici, nuovo consume e cultura economica europea, 1650-1800, Milano: UTET Libreria, 2010.
[39] Zeuske, Bajo la bandera prusiana. Cónsules, comerciantes y política comercial de Alemania en el Caribe insular y en las Venezuelas durante el largo siglo XIX, 2003; siehe den Erlebnisbericht eines deutschen Handelskommis: Ein Hamburger auf Kuba. Briefe und Notizen des Kaufmanns Alfred Beneke 1842-1844, ausgewählt und erläutert von Hauschild-Thießen, Renate, Hamburg; Gesellschaft der Bücherfreunde zu Hamburg, 1971.
[40] Villaverde, Cirilo, „La Habana en 1841“, in: Costumbristas cubanos del siglo XIX, selección, cronología y bibliografía Salvador Bueno, Caracas: Biblioteca Ayacucho, 1985, S. 167-170.
[41] Zeuske, Michael/Max Zeuske: Kuba 1492-1902. Kolonialgeschichte, Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 1998; Guimerá, Agustín; Monge, Fernando (Coords.), La Habana, puerto colonial (siglos XVIII-XIX), Madrid: Fundación Portuaria, 2000.
[42] Hardt, Michael; Negri, Antonio, Empire. Die neue Weltordnung, Frankfurt am Main; New York: Campus, 2002.
[43] González-Ripoll Navarro, „Vínculos y redes de poder entre Madrid y La Habana: Francisco de Arango y Parreño (1765-1837), ideólogo y mediador”, in: RI, Vol. LXI (Mayo-Agosto, 2001), Núm. 222, S. 291-305, Tomich, Dale, “Felicidad y Esclavitud. Francisco de Arango y Parreño, Enlightenment, and Slavery in Cuba“, in: Comparative Studies in Society and History (2002) (demnächst).

[44] Situado bedeutet eine Übertragung von Ressourcen oder finanziellen Mitteln der Königlichen Kassen (Cajas Reales) eines Vizekönigreiches oder einer Gobernación an eine andere Verwaltungseinheit des Reiches im Gefahrenfalle (d.h., Krieg, Gefahr eines Angriffs). Da sich die karibischen Gebiete in der Dauergefahr von Angriffen befanden, sozusagen im fortwährenden Verteidigungsfall, wurde die Überweisung von Situados zur Dauerinstitution. Santovenia, Emeterio, “La colonia”, in: Historia de la nación cubana, 10 Bde., La Habana: Editorial Historia de la Nación Cubana, S.A., II, S. 131; Marichal, Carlos; Souto Mantecón, Matilde, “Silver and Situados: New Spain and the financing of Spanish Empire in the Caribbean in the Eighteenth Century“, in: HAHR, 74:4 (1994), S. 587-613.
[45] Castillo Meléndez, Francisco, La defensa de la isla de Cuba en la segunda mitad del siglo XVII, Sevilla: Diputación Provincial, 1986.
[46] Otto, Eduard, Reiseerinnerungen an Cuba, Nord- und Südamerika 1838-1841, Mit zwei lithographirten Tafeln, Berlin, Naucksche Buchhandlung, 1843; Die Wiederentdeckung Lateinamerikas: die Erfahrung des Subkontinents in Reiseberichten des 19. Jahrhunderts, ed. Walther L. Bernecker; Gertrut Krömer, Frankfurt am Main: Vervuert, 1997 (Lateinamerika-Studien; Bd. 38),  S. 309-324; Schneider, Jürgen, „Künste, Theater, Literatur und Musik in Havanna um 1840“, in: López de Abiada, José Manuel; Heydenreich, Titus (eds.), Iberoamérica. Homenaje a G. Siebenmann, 2 Bde., (Lateinamerika Studien 13 I/II, Universität Erlangen-Nürnberg), München: Wilhelm Fink Verlag, Band II, 1983, S. 780-810; Marrero, Leví, Cuba: economía y sociedad, 15 Bde., Madrid: Editorial Playor, S.A., 1972-1992, Bd. 14 (1988), S. 231-279.
[47] Morales, José, The Hispaniola diaspora, 1791-1850 : Puerto Rico, Cuba, Louisiana and other host societies, Thesis (Ph.D.) - University of Connecticut, 1986; Ann Arbor, Mich. : University Microfilms International [1990], S. 274, S. 274. 
[48] Sánchez, Emilio, Tradiciones trinitarias, Cienfuegos : s.l., 1916, S. 34-36.
[49] Yacou, “L’expulsion des Francais de Saint-Domingue réfugiés dans la région orientale de l’île de Cuba, 1808-1810”, in: Caravelle. Cahiers du Monde Hispanique et Luso-Brésilien 39 (1982), Le Mirail, Université de Toulouse, S. 49-64, 50. Siehe auch: Portuondo Zúñiga, “La inmigración negra de Saint-Domingue en la Jurisdiccón de Cuba, 1789-1809”, in: Serna, Juan Manuel de la, El Caribe en la encrucijada de su historia, 1780-1840, México: UNAM-CCYDEL, S. 67-71; Debien, Gabriel, “Les réfugiés de Saint-Domingue expulsés de La Havane en 1809”, in: AEA, v. XXXV (1978), S. 555-610.
[50] Deive, Carlos Esteban, Las emigraciones dominicanas a Cuba (1795-1808), Santo Domingo: Fundación Cultural Dominicana, 1989.
[51] Descourtilz, M.E., Voyage d´un naturaliste, et ses observations, faites sur les trois règnes de la Nature, dans plusieur ports de mer français, en Espagne, au continent de l´Amérique septentrionale, à Saint-Yago de Cuba, et à St.-Domingue, où l´Auteur devenu le prisonnier de 40000 noirs révoltés, et par suite mis en liberté par une colonne de l´armée français, donne les détails les plus circonstanciés sur l´expédition du général Leclerc; dédies à S.Ex. Mgr. Le Comte de Lacépède, 3 Bde., Paris 1809, Band II, S. 303-347 (Kuba).
[52] “Real Orden para que se asista al Gobernador y demás empleados de la Provincia de la Luisiana que pasen a la Habana con motivo de la cesión de aquella a la Francia con el mismo sueldo que tenían hasta que se destine“, 20 de Febrero de 1803: ANC, Floridas, 1803, No. 137, leg. 17.
[53] Gold, Robert L., „The Settlements of the East Florida Spaniards in Cuba, 1763-1766“, in: Florida Historical Quarterly 42 (January 1964), S. 216-231; Landers, Jane, “An Eighteeth-Century Community in Exile: the ‘Floridanos’ in Cuba”, in: New West Indian Guide, 70-1/2 (1996), S. 39-58; “Real Orden para que sean admitidos en la Isla de Cuba y en Nueva España los habitantes de las Floridas que no quieran permanecer en ellas en virtud de la cesión a los Estados Unidos“, 19 de Octubre de 1820: ANC, Floridas, 1820, No. 139, leg. 14.
[54] Pichardo, Hortensia (ed.), Documentos para la historia de Cuba, 4 vols. in 5 Bden., La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1969, 1973, 1978, 1980, Bd. I, S. 162-197.
[55] Ebd., S. 166; Arango bezeichnete seinen „Discurso sobre la agricultura ...“ bei der Eröffnung des Consulado de La Habana als sein “libro de obligaciones”, sein “Buch der Pflichten“: Arango y Parreño, Francisco de, Obras de D. Francisco de Arango y Parreño, 2 Bde., La Habana: Dirección de Cultura, 1952, Bd. I, 241.
[56] “Real Orden para que no se exija el derecho de alcabala por ventas o permutas de esclavos“, 25 de Noviembre de 1813: ANC, Floridas, 1813, No. 183, leg. 18.
[57] Humboldt nutzt diese „Landschaftsfotos“ („... das Tal von Güines auf der Südostseite Havannas, eine der herrlichsten Gegenden der Neuen Welt“, Humboldt, Mexiko-Werk. Politische Ideen zu Mexico. Mexicanische Landeskunde. Hrsg. u. komm. von Hanno Beck in Verb. mit Grün, Wolf-Dieter et al. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1991 (Alexander von Humboldt Studienausgabe. Sieben Bände. Bd. IV), S. 341), um zum Beispiel den Unterschied im Sinn des Begriffs „Ackerbau“ zwischen Mexiko und Kuba zu verdeutlichen.
[58] Moreno Fraginals, Manuel, El Ingenio. Complejo económico social cubano del azúcar, 3 Bde., La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1978, Bd. I, S. 151; siehe auch: Zanetti Lecuona, Oscar; García Álvarez, Alejandro,  Caminos para el azúcar, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1987 (US-Ausgabe 2000); Zeuske, „‘Geschichtsschreiber von Amerika‘: Alexander von Humboldt, Deutschland, Kuba und die Humboldteanisierung Lateinamerikas“, in: Comparativ, 11 Jg., Heft 2 (2001), S. 30-83: Humboldt in Amerika, ed. Zeuske; Santamaría García, Antonio, ”El ferrocarril en las Antillas españolas (Cuba, Puerto Rico y la República Dominicana, 1830-1995”, in: Historia de los ferrocarriles de Iberoamérica (1837-1995), Sanz Fernández, Jesús (coord.), Madrid: Ministerio de Fomento, 1998, S. 289-334.
[59] Ruiz, Raúl R., Matanzas. Surgimiento y esplendor de la plantación esclavista (1793-1887), Matanzas : Ediciones Matanzas, 2001.
[60] Eine Firma Bremer Abstammung, siehe: Iglesias García, Fe, „H. Upmann y Compañía, una empresa alemana en Cuba“, in: Zeuske; Ulrike Schmieder (eds.), Regiones europeas y Latinoamérica (siglos XVIII y XIX), Frankfurt am Main: Vervuert/Madrid: Iberoamericana 1999 (Acta Coloniensia. Estudios Ibéricos y Latinoamericanos, eds. H.-J. Prien/M. Zeuske, vol. 2), S. 365-386.
[61] Sivers, Jegor von, Cuba, Die Perle der Antillen. Reisedenkwürdigkeiten und Forschungen, Leipzig: Verlag von Carl Fr. Fleischer, 1861, S. 268.
[62] Ebd., S. 269.
[63] Grismer, Karl H., Tampa: A History of the City of Tampa and the Tampa Bay Region of Florida, St. Petersburg: St. Petersburg Printing, 1950.
[64] González del Valle, Francisco, La Habana en 1841. Obra póstuma ordenada y revisada por Raquel Catala, La Habana: Oficina del Historiador de la Ciudad de la Habana, 1952.
[65] Saco, Ideas sobre la incorporación de Cuba en los Estados Unidos, Paris 1848, S. 6.
[66] May, Robert E., The Southern Dream of a Caribbean Empire, 1854-1861, Baton Rouge 1973; Schoonover, Thomas, „Napoleon Is Coming! Maximilian Is Coming?. The International History of the Civil War in the Caribbean Basin”, in: May, Robert (ed.), The North, the South, and the Atlantic Rim, Lafayette, Indiana: Purdue Univ. Press, 1995, S. 101-130.
[67] Ogelsby, “The Cuban Autonomist Movement’s Perception of Canada …”, S. 445-461.
[68] Zeuske, “Mit General López nach Kuba!: Deutsche Freiwillige in der Expedition des Narciso López (1851-1852)”, in: Iberische Welten. Festschrift zum 65.Geburtstag von G.Kahle, hrsg.v. Felix Becker u.a., Köln Weimar Wien: Böhlau, 1994, S. 157-190; Chaffin, Tom, Fatal Glory. Narciso López and the First Clandestine U.S. War against Cuba, Charlottesville and London: University of Carolina Press, 1996.
[69] Cisneros an Saco, New York, 30. August 1848, in: Cartas del Lugareño, ed. F. de Córdova, La Habana 1951, S. 303 ; Opatrný, Josef, US Expansionism and Cuban Annexationism in the 1850s, Praha: Univerzita Karlova, 1990 (Ibero-Americana Pragensia, Supplementum IV/1990).
[70] Figarola-Caneda, José Antonio Saco …, S. 324. Die Stelle zeigt, dass das Inselbewusstsein der Elite eben nicht nur geographisch, sondern politisch-kulturell war.
[71] Stanley C. Urban, “The Africanization of Cuban Scare, 1853-1855”, in: HAHR 47 (1957), S. 29-45, hier S. 33 und Marrero, Cuba ..., Bd. IX, S. 108 schreiben den Satz dem “Heraldo de Madrid” zu; Ramira Guerra, Manual ..., La Habana, 1971, S. 389 erwähnt den spanischen Abgeordneten Vicente Sancho 1837 als Präger dieses fatalen Wortes.
[72] Raynal, Abbé, Histoire philosophique et politique des Etablissements des Européens dans les Deux Indes, 10 Bde.,  Genève : éd. Chez Jean Leonard Pellet, Imprimeur de la ville et de l’Académie, 1783, Bd. VI, S. 226.
[73] Jameson, R. A., Letters from the Havana, during the Year 1820; Containing an Account of the Present State of the Island of Cuba, and Observations on the Slave Trade, London: W. Mohneur, 1821; Pérez de la Riva, Juan, La isla de Cuba en el siglo XIX vista por los extranjeros, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1981.
[74] Guicharnaud-Tollis, Michèle avec la collaboration de Andioc-Torres, Sophie et Ortiz, Jean, Le Sucre dans l'espace caraïbe hispanophone aux XIXe et XXe siècles : stratégies et représentations : actes du colloque organisé á Pau les 14 et 15 mars 1997, Paris : L'Harmattan, 1998.
[75] Pérez Jr., Louis (ed.), Slaves, Sugar, & Colonial Society. Travel Accounts of Cuba, 1801-1899, Wilmington: Scholarly Resources Inc., 1992; Dosal, Paul, ”Bilder von Kuba und den Kubanern in den USA, 1823-1959”, in: Transatlantische Perzeptionen: Lateinamerika - USA - Europa in Geschichte und Gegenwart, König, Hans-Joachim, Rinke, Stefan (eds.), Stuttgart: Verlag Hans-Dieter Heinz Akademischer Verlag (Historamericana, 6), S. 61-76.
[76] Bush, Barbara, “Through the Traveller’s Eye : ‘Anglo-Saxon’ Representations of Afro-Cuban Identity (c. 1850-1950)”, in: Anales del Caribe. Centro de Estudios del Caribe, 19-20 (1999-2000), Casa de las Américas, La Habana, S. 335-353.
[77] Guicharnaud-Tollis, Michèle, Regards sur Cuba au XIXe siècle. Témoignages européens, Paris: L’Harmattan, 1996.
[78] Bremer, Frederika, Cartas desde Cuba, La Habana: Ed. Arte y Literatura, 1980 (2. Auflage 1995); Bremer, Fredrika, The Homes of the New World: Impressions of America, 3 Bde., London 1853.
[79] Thomas Bremer, ”Europäische Reisende nach Cuba und die Anti-Sklavereidebatte zwischen 1820 und 1845”, in: Die Wiederentdeckung Lateinamerikas ..., S. 309-324; Schneider, „Künste, Theater, Literatur und Musik in Havanna ...“, S. 780-810; Gagern, C.v., Reisen in die Karibik. Wie sich Kon­takt mit ande­rer Kultur in Reisebeschreibungen darstellt, Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang, 1994.
[80] Buenaventura Pascual Ferrer, Viage a la Ysla de Cuba, Madrid, 1798.
[81] Kaerger, Karl, “Die Lage der Zuckerindustrie auf Kuba” (Havanna, 19. Mai 1901), in: Bundesarchiv, Abteilung Potsdam, AA II, Nr. 211.
[82] Hallam, George, Narrative of a voyage from Montego Bay, in the Island of Jamaica, to England; by a route never once before or since, across the Island of Cuba to Havanna : from thence to Charles Town, South Carolina, Newcastle on the Delaware, and Baltimore, Maryland; and by land to Washington and back; thence to Philadelphia, and through the Jerseys, to New York: where he embarked ... and made the voyage to Havre-de-Grace, in France /Performed in the autumn, 1809. Also of a voyage from England to Barbadoes by Cadiz, Teneriffe, and Guadaloupe, in 1810, London : Printed for C.J.G. & F. Rivington, 1831.
[83] Pérez de la Riva, „Duvergier de Hauranne : un joven francés visita el ingenio Las Cañas en 1865“, in: Revista de la Biblioteca Nacional José Martí, 56 (Octubre-Diciembre de 1965), S. 85-114; Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés informa sobre la trata clandestina en Cuba”, in: Deschamps Chapeaux, Pedro, Pérez de la Riva, Juan, Contribución al la historia de la gente sin historia, La Habana : Ed. de Ciencias Sociales, 1974, S. 251-273.
[84] Paravisini-Gebert, Lizabeth, “Oriental imprisonments: Habaneras as seen by nineteenth century women travel writers”, in: Revista Mexicana del Caribe, Año III, núm. 5 (1998), S. 142-157.
[85] Pratt, Marie-Louise: Imperial Eyes. Travel Writing and Transculturation. New York/London: Routledge, 1992.
[86] Hespel d´Harponville, Gustave d’, La Reine des Antilles ou situation actuelle de l´Ile de Cuba, précis topographique et statistique, histoire, géographie, agriculture, commerce, administration et moeurs, Paris : Gide & Baudry, 1850; Sivers, Cuba, Die Perle der Antillen …, S. 144.
[87] Wissenschaftler gaben Form und Methode vor, neben Humboldt vor allem: Sagra, Ramón de la, Historia física, política y natural de la Isla de Cuba, 4 Bde., Paris A. Bertrand, 1842-1844.
[88] Dosal, Paul, ”Bilder von Kuba und den Kubanern in den USA, 1823-1959”, in: Transatlantische Perzeptionen: Lateinamerika - USA - Europa in Geschichte und Gegenwart, König, Hans-Joachim, Rinke, Stefan (eds.), Stuttgart: Verlag Hans-Dieter Heinz Akademischer Verlag (Historamericana, 6), S. 61-76.
[89] Zu den Deutschen in der Karibik siehe künftig: Zeuske, Bajo la bandera prusiana. Cónsules, comerciantes y política comercial de Alemania en el Caribe Insular y en las Venezuelas durante el largo siglo XIX (demnächst); Zeuske, „Preußen und Westindien. Die vergessenen Anfänge der Handels- und Konsularbeziehungen Deutschlands mit der Karibik und Lateinamerika 1800-1870“, in: Carreras, Sandra; Maihold, Günther (eds.), Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur, Münster: LIT-Verlag, 2004 (Europa-Übersee. Historische Studien, hrsg. von Gründer, Horst, Bd. 12), S. 145-215;Will, Theodor, „Anfänge des Deutschtums in Havanna“, in: Ibero-Amerikanische Rundschau 6, Nr. 10 (1940), S. 118ss. Theodor Will, vom Handelshaus “Will Hermanos” erscheint in der “Relación nominal de los súbditos alemanes...” (Zahlenmäßige Auflistung der deutschen Untertanen in Havanna) von 1876. Sein Vater oder Bruder (?), Louis Will, war erster Konsul von Braunschweig in Havanna, danach Konsul des “Norddeutschen Bundes” und ab 1872 Handelskonsul des Deutschen Reiches für ganz Kuba, siehe: Badura, Bohumil, “Sobre la inmigración alemana en Cuba durante la primera mitad del siglo XIX”, in: Ibero-Americana Pragensia, año IX (1975), S. 71-105 (I. Teil); Ibid., año X (1976), S. 111-136 (II. Teil), S. 134f. ; siehe auch: Kellenbenz, Hermann, „Die Deutschen in der Karibik“, in: Fröschle, Hardmut (ed.), Die Deutschen in Lateinamerika. Schicksal und Leistung, Tübingen und Basel 1979, S. 607-630.
[90] ”Sobre trafico de Neutrales en Santiago de Cuba” (28 de Febrero de 1798), in: ANC, Real Consulado y Junta de Fomento de la Isla de Cuba, leg. 72, No. 2774) ; Pohl, Hans, „Die Beziehungen Hamburgs zu Spanien und dem Spanischen Amerika in der Zeit von 1740 bis 1806“, in: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 45 (1963), S. 287; Fernández de Pinedo, Nadia, “Commercial relations between USA and Cuba in times of Peace and War, 1803-1807”, in: Illes i Imperis, 4 (Primavera 2001), S. 5-23, hier S. 8ff. 
[91] Kellenbenz, Die Deutschen in der Karibik...”, S. 620 erwähnt die Gründung für den 22. Juni 1819; Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 63.
[92] Siehe die Auflistung von Deutschen in: Badura, “Sobre la inmigración alemana ...”, I. Teil, S. 76-79. Die Familie Averhoff-Haberhoff hat sich offensichtlich beizeiten durch Heirat und Landerwerb kubanisiert, siehe die Genealogie der Familie: Nieto Cortadellas, Rafael, Genealogias habaneras, 2 Bde., Madrid 1980, II, S. 109-136. Die intensiven Archiv-Recherchen bringen 2013 ein gutes Ergebnis: ANC (Archivo Nacional de Cuba), La Habana, Tribunal de Comercio (TC= Standesgericht der Sklavenhändler und Sklavenhalter), leg. 4, no. 11 (1803). Averhoff “Matias”. Matias Averhoff, por representacion a la casa de Libering de Baltimore, contra Carlos Trecer, sobre pesos (Averhoff muss gute Geschäfte in Tabak mit US-Firmen gemacht haben)
In Escribanías (Notariaten) finden sich: ANC, Escribanía de Antonio Daumy, leg. 441, no. 15 (1809). Averhoff (Matias). D. Martin Elzaurdi y D. Matias Averhoff, contra Francisco de la Paz, en cobro de pesos.
[93] ANC, Escribanía de Galleti, leg. 698, no. 1 (1824-39). Averhoff (Matias). Intestado de Dn. Matias Averhoff a los cuales se acumularon los autos de la testamentaria de su consorte Da. Catalina Prieto (1ª, 2ª, 3ª, 4ª y 5ª piezas) (gesehen: 13 de septiembre de 2013), f. 36r-66v, La Habana 1824, hier vor allem f. 40r.
[94] Ebd., f. 51r-v “Esclavos”, La Habana, 4 de noviembre de 1826. Verkauft wurden Maria del Carmen Conga (26 Jahre; für 550 Pesos: cocinera (Köchin), lavandora (Wäscherin), planchadora (Büglerin)); Maria del Rosario Ganga (24 Jahre, für 500 Pesos: lavandora (Wäscherin), planchadora (Büglerin)) und Tomas Ganga 11 Jahre alt (für 300 Pesos). Persönliche Haussklaven; siehe auch: ANC, Escribanía de Salinas, leg. 104, no. 1352 (1869). Averhoff.Matias. Intestado de D. Matias Averhoff.
[95] Cornelius Souchay war zwischen 1813 und 1837 Besitzer des berühmten Cafetal (Kaffeepflanzung)  “Angerona”; er hatte exzellente Beziehungen zur Hamburger Kaufleutefamilie Sthamer, siehe: Bouchet, Jorge du, “Colección de documentos para la historia del cafetal Angerona: La fortuna de Cornelio Souchay”, in: Boletín del Archivo Nacional, La Habana, n° 3 (1989), S. 58-98. Das Testament von Souchay zeigt auch, daß er enge Beziehungen zur Familie Delius aus Bremen und mit der Firma A.Dürninger aus Herrnhut in der sächsischen Lausitz hatte: Bouchet, “Documentos para la historia del Cafetal Angerona: testamento, codicilo, muerte y entierro de don Cornelio Souchay”, in: Ibíd., n° 2 (1989), S. 35-43. Siehe auch: Mendéz, Isidro M., Biografía del Cafetal Angerona, La Habana 1952.
[96] Ein Hamburger auf Kuba ..., passim. Zu der Firma siehe auch: Zeuske, „Preußen und Westindien. Die vergessenen Anfänge der Handels- und Konsularbeziehungen Deutschlands mit der Karibik und Lateinamerika 1800-1870“, in: Carreras, Sandra; Maihold, Günther (eds.), Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur, Münster: LIT-Verlag, 2004 (Europa-Übersee. Historische Studien, hrsg. von Gründer, Horst, Bd. 12), S. 145-215.
[97] StA Hbg., Senat, Cl.VI Nr. 6 Vol. 5b, Fasc. 2 Invol. Ia: Sthamer, Havanna, 1. 11. 1845 (Rückblick auf die Jahre 1842 ss.).
[98] Ibíd.
[99] Boeck, Oliver, Kommerz und Politik - Die Geschäfte der Familie Delius, das Preußische Konsulat in Bremen und der Lateinamerika-Handel im 19. Jahrhundert, Köln 1998 (Diplomarbeit; Themensteller: Michael Zeuske), S. . 64.
[100] C. Beaulieu, Histoire du commerce, de l'industrie et des fabriques de Lyon, Lyon 1838 (Neuauflage 2001); Maurice Garden, Lyon et le Lyonnais au dix-huitième siècle, Paris 1970; Pierre Cayez, L'industrialisation lyonnaise au XIXe siècle. Du grand commerce à la grande industrie, Lille 1979. Grundlegend für den französischen Lateinamerikahandel ist: Schneider, Jürgen, Frankreich und die Unabhängigkeit Spanisch-Amerikas. Zum französischen Handel mit den entstehenden Nationalstaaten (1810-1850, I. Teilbd.: Darstellung; 2. Teilbd.: Statistischer Anhang, Stuttgart: Klett-Cotta, 1981 (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte, hrsg.v. Kellenbenz und Schneider, Bd. 10); Schneider behandelt zwas Kuba nicht direkt (weil es noch kein “entstehender Nationalstaat“ war), aber die Bedeutung des Seiden- und allgemein Textilexportes aus Lyon wird sehr gut deutlich.
[101] Kulturamt Stadt Lahr, Stadtarchiv und Museen (KStLSM), Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, ohne Paginierung (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“,  EPSN 0072).
[102] Ebd., EPSN 0069.
[103] Ebd.
[104] Ebd., EPSN 0070 und 0071.
[105] Ely, Roland T., “La Casa Drake”, in: Ely, Cuando reinaba su majestad el azúcar. Estudio histórico-sociológico de una tragedia latinoamericana: el monocultivo en Cuba, Buenos Aires: Ed. Sudamericana, 1963 (Neuauflage: La Habana: IMAGEN CONTEMPORÁNEA, 2001), S. 342-384; Tornero, Pablo, “Antiguo imperio y nueva metrópoli. El comercio de Cuba con España y los Estados Unidos en el siglo XIX”, in: L'Espace Caraïbe ..., S. 295-322 ; Zeuske, Bajo la bandera prusiana ...
[106] Jamm ist so etwas wie ein atlantischer Repräsentant dieser weltweiten Geschäfte; Middell, Katharina, Hugenotten in Leipzig, Leipziger Universitätsverlag, 1998, hat kürzlich ein Buch über die Ostbeziehungen Lyons vorgelegt, die über Leipzig und Sachsen liefen; siehe auch: Sammler, Steffen, „Die Bedeutung der Leipziger Messen für den Absatz von Lyoner Seidenwaren nach Ost- und Südosteuropa zwischen 1760 und 1830“, in: Zwahr, Hartmut; Topfstedt, Thomas; Günter Bentele (eds.), Leipzigs Messen 1497-1997 : Gestaltwandel, Umbrüche, Neubeginn, 2 Bde., Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 1999, Bd. I, S. 259-269; Middell, „Brody, Leipzig, Lyon: europäische Handelsbeziehungen und ihre Träger (1770-1820)“, in: Leipzig, Mitteldeutschland und Europa. Festgabe für Manfred Straube und Manfred Unger zum 70. Geburtstag, im Auftr. des Leipziger Geschichtsvereins hrsg. von Hartmut Zwahr, Beucha: Sax-Verlag, 2000, S. 531-544; # Jamm hatte Handelsbeziehungen mit den „Gebrüdern Meinert aus Oelsnitz bei Lichtenstein“, „B. Meyer de Leipzig“ sowie „Schmidt & Harzdorf in Hartmannsdorf“, meist bezog er aus Sachsen Strümpfe, siehe: KStLSM, Geschäfts-Buch 1850 (auf CD-Rom: Datei „Geschäftsbuch 1850“,  EPS 0041 und EPS 0047).
[107] Beutin, Ludwig, Bremen und Amerika. Zur Geschichte der Weltwirtschaft und der Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten, Bremen: Schünemann, 1953, S. 37.
[108] Bernecker, Walter L., Die Handelskonquistadoren. Europäische Interessen und mexikanischer Staat im 19. Jahrhundert (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte, ed. R. von Albertini/E. Schmitt, 44), Wiesbaden 1988; Bernecker, „Los alemanes en el México decimonónico: Cuanti­ficación, estructura socioprofe­sional, posturas político-ideoló­gicas“, in: JbLA Nº 25 (1988), S. 385-414; Zeuske, „Preußen und Westindien.
Die vergessenen Anfänge der Handels- und Konsularbeziehungen Deutschlands mit der Karibik und Lateinamerika 1800-1870“, S. 145-215.
[109] Schwarzer, Oskar, „Der Hamburger Exporthandel mit der Karibik und Mexiko (1814-1838)“, in: Scripta Mercaturae, 17. Jahrgang/1 (1983), S. 45-88, hier S. 66. 
[110] Humboldt, Essai politique sur l`Ile de Cuba, avec une carte et un supplément qui renferme des considérations sur la population, la richesse territoriale et le commerce de l`Archipel des Antilles et de Colombia. 2 vols. Paris, Librairie Gide et fils 1826; Zeuske, “Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung (I. Teil)“, in: Humboldt im Netz (HiN), III, 3 (2001; Internet-Zeitschrift: www.unipotsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin3.htm); Zeuske, “Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung (II. Teil)“, in: Humboldt im Netz (HiN), III, 4 (2002; Internet-Zeitschrift: www.unipotsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin_4.htm).
[111] Der erste Antrag auf Einrichtung eines preußischen Konsulats in Havanna stammt von 1817, der zweite, von  Louis Hagedorn, aus dem Jahr 1824, siehe: GStAM, Rep. 120, C, Ausländischer Handel, Südamerika ..., folio 1f. y Ibid., II, 2.4.1., Nr.  645, f. 5ff.
[112] Badura, “Sobre la inmigración alemana ...”, II. Teil, S. 112ff.
[113] Will, Anfänge..., S.118ff.; siehe auch: Archivo Nacional de Cuba (ANC), Gobierno Superior Civil (GSC), leg. 1601, Nr.  81702.
[114] KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, folio (f.) 19 (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0022).
[115] Badura, “Sobre la inmigración alemana ...”, I. Teil, S. 100ff.; siehe auch: Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 12f.
[116] Villaverde, „La Habana en 1841“, S. 167-170, hier S. 168.
[117] Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés informa ...“, S. 251-273.
[118] Turnbull, David, Travels in the West: Cuba with Notices of Porto Rico and the Slave Trade, London: Longman, Orme, Brown, Greens, and Longman,1840.
[119] PRO, Kew Gardens, F.O. 420/4 (Confidential Print), pág. 14. 
[120] Staatsarchiv Hamburg (StA Hbg.), Senat, Cl.VI Nr. 6 Vol. 5b, Fasc. 2 Invol. Ia: Sthamer, Havanna, 1. 11. 1845 (Rückblick auf die Jahre 1842ff.).
[121] Zeuske, Max, “Magdeburgo a fines del siglo XVIII y en el siglo XIX: desarrollo, efectos y contraefectos del comercio de ‘mercancías coloniales’ en una región prusiana“, in: Zeuske, Schmieder (eds.), Regiones europeas y Latinoamérica ..., S. 101-120; Ludwig, Jörg, Der Handel Sachsens nach Spanien und Lateinamerika 1760-1830 (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte Nr. 1/1994), Leipzig 1994; Ders., „Deutsche Regionen und Lateinamerika in der Neuzeit: das Beispiel Sachsen (1700-1830)“, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte und Landeskunde 20 (1995/1996), S. 71-84.
[122] Polyšenský, Josef; Veber, Lubomir, „Miguel Sabel y los origenes del comercio americano con el vidrio de Bohemia”, in: Ibero-Americana Pragensia V (Praha 1971), S. 93-115.
[123] Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 40f.
[124] Ebd., S. 12.
[125] Fradera, Josep M., Gobernar colonias, Barcelona: Península, 1999.
[126] Kellenbenz, Hermann, „St. Thomas, Treffpunkt des karibischen Handels“, in: Karibik. Wirtschaft, Gesellschaft und Geschichte, ed. Hanns-Albert Steger u. Jürgen Schneider, Lateinamerika-Studien, München, 11 (1982), S. 135-144; Walter, Rolf, „Die Insel St. Thomas: Dreh- und Angelpunkt in der Karibik. Eine wirtschaftliche Betrachtung“, in: Ebd., 145-160; Kellenbenz, Von den Karibischen Inseln: Archive und neuere Literatur, insbesondere zur Geschichte von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (I. –III. Teil), in: Jahrbuch für Geschichte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas (JbLA), Köln, 5 (1968), S. 378-404; 6 (1969), S. 452-469; 7 (1970), S. 381-410; Zeuske, “Die vergessene Revolution: Deutschland und Haiti in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aspekte deutscher Politik und Ökonomie in Westindien”, in: JbLA, 28 (1991), S. 285-326; Schwebel, Karl H., Bremer Kaufleute in den Freihäfen der Karibik. Von den Anfängen des Bremer Überseehandels bis 1815, Bremen: Selbstverlag des Staatsarchivs Bremen, 1995 (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen, hrsg.v. Adolf E. Hofmeister, Bd. 59).
[127] Kresse, Walter, Die Fahrtgebiete der Hamburger Handelsflotte 1824-1888, Hamburg: Museum für Hamburgische Geschichte 1972 (Mitteilungen aus dem Museum für Hamburgische Geschichte. Neue Folge, hrsg.v. Walter Hävernick, Bd. VII), S. 56-59.
[128] Hieke, Ernst, Zur Geschichte des deutschen Handels mit Ostafrika, Hamburg 1913, S. 60f, 101ff; Bohner, Theodor, Der deutsche Kaufmann über See. Hundert Jahre deutscher Handel in der Welt, Berlin: Deutscher Verlag 1939, S. 463f.; Kresse, Die Fahrtgebiete ..., S. 189-194, S. 238-242; Ekkehard, Renate; Launer, Hücking, Aus Menschen Neger machen. Wie sich das Handelshaus Woermann an Afrika entwickelt hat. Mit einem Vorwort von Luc Leysen (Geschichte der 3. Welt, Bd. 3), LIT-Verlag: Münster-Hamburg-London, 1997.
[129] Niephaus, Heinz-Theo, Genuas Seehandel von 1746-1848: Die Entwicklung der Handelsbeziehungen zur Iberischen Welt, zu West- und Nordeuropa sowie den Überseegebieten (Forschungen zur internationalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, vol. 8), Köln 1975.
[130] Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 12.
[131] Diese Stelle bezieht sich auf einen Luxusstoff, den Damast, in spezialisierter Handfertigung aus Leinen (später auch Leinen und Baumwolle) vor allem in Großschönau in der sächsischen Oberlausitz hergestellt.
[132] Public Record Office, London (PRO), Kew Gardens, F.O. 420/4 (Confidential Print), S. 14. 
[133] Paquette, Sugar Is Made With Blood ..., passim; Zeuske, „Ethnische Gewalt auf Kuba zwischen Kolonie und Unabhängigkeit“, in: Domnick, Heinz-Joachim; Müller, Jürgen; Prien, Hans-Jürgen (Hrsg.), Interethnische Beziehungen in der Geschichte Lateinamerikas, Frankfurt am Main: Vervuert, 1999 (ACTA COLONIENSIA. Estudios Ibéricos y Latinoamericanos, eds. Prien/Zeuske, vol. 3), S. 227-237 ; Zeuske, „Typen, Vergleiche, Transfers und das Ende der atlantisch-amerikanischen Sklavereien“, in: Zeuske, Sklavereien, Emanzipationen ..., S. 130-196.
[134] PRO, Kew Gardens, F.O. 420/4 (Confidential Print), S. 14. 
[135] Es waren allerdings Baumwollweber, die den Aufstand im Eulengebirge anführten, allerdings vor dem breiten Hintergrund der immer tieferen Krise der Leineweberei, siehe: Hodenberg, Christina von, Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos, Bonn: Dietz, 1997, vor allem S. 54-61.
[136] GStAM, II, Rep. 6, n° 3494, f. 34ff.; Schwarzer, „Der Hamburger Exporthandel ...“, S. 63-68; für Zentralamerika siehe: Brockstedt, Jürgen, Die Schiffahrts- und Handelsbeziehungen Schleswig-Holsteins nach Lateinamerika 1815-1848 (Forschungen zur internationalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, ed. H.Kellenbenz, 10), Köln/Wien 1975, S. 112ff.
[137] Ebd., S. 350.
[138] Ebd., S. 354.
[139] Archivo Histórico Provincial de Santiago de Cuba (AHPStC), Protocolos de Giró (Escribanía Real de Gobierno y de Guerra), Protocolos Juan Giró, leg. 284, 1854, f. 146 y Protocolos Antonio Giró, leg. 277, 1847, f. 597f., siehe auch: Badura, Sobre la inmigración..., II. Teil, S.. 114ff.
[140] GStAM, AA II, 2.4.1., nº 649, passim; siehe auch: Kellenbenz, „Die Deutschen in der Karibik ...“, S. 607-630.
[141] Esta historia familiar es muy parecida a la historia de la familia Delius de Bielefeld, véase: Schmidt, Hans, Die Entwicklung der Bielefelder Firmen E.A.Delius, E.A.Delius & Söhne und C.A. Delius & Söhne und die Betätigung ihrer Inhaber im Rahmen des Ravensberger Wirtschaftslebens 1787-1925, Lemgo 1926 y sobre todo: Boeck, Oliver, Kommerz und Politik ..., passim.
[142] GStAM, Rep. XI, 21 b Central-Amerika, Nr.2. Acta, die Anstellung des van Teylingen als Consul in West=In­dien betr. welche nachher rückgängig geworden, intus Ziegler, f. 23r-27v.
[143] Siehe das Testament von Manuel Vidal y Ramón und Ysabel Bauch de Vidal, in: AHPStC, Protocolos Giró (Escribanía Real Pública de Gobierno y de Guerra), Protocolos Antonio Giró, leg. 277, 1847, f. 597v.-598v; zur Familiengeschichte bis heute, siehe: Rodrigo y Alharilla, Martín, “Una saga de banqueros: la familia Vidal-Quadras”, in: Historia Social No. 64 (2009), S. 99-119. 
[144] Banko, Catalina, El capital comercial en La Guaira y Caracas (1821-1848) (Biblioteca de la Academia Nacional de Historia, 47), Caracas: Academia Nacional de la Historia, 1990, S. 394.
[145] Bremisches Staatsarchiv, 2-C.16.II.a.1.b: Verträge mit Venezuela, auch Acta, den Verkehr mit Venezuela überhaupt betreffend (1831-1861) (sin fol.).
[146] Zu den preußischen Konsuln auf Kuba siehe: Zeuske, Alemanes en el Caribe ..., passim.
[147] Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 14
[148]  Ebd.
[149] Will, „Quellensammlung zur Geschichte des Deutschtums ...“, passim; Ein Hamburger auf Kuba..., S. 13; siehe auch: Schneider, „Künste, Theater, Literatur und Musik in Havanna um 1840“, in: Iberoamérica. Homenaje a Georg Siebenmann, 2 Bde., München 1983, Bd. II, S. 781-810.
[150] Kresse, Die Fahrtgebiete ..., S. 57.
[151] BArchP, Kaiserliches Konsulat in Havana, Nr. 2, Bd. 1, n° 52657, f. 2r.
[152] Kellenbenz, „Die Deutschen in der Karibik ...“, S. 620; siehe auch: Ein Hamburger auf Kuba..., S. 14; Alvarez Gutiérrez, Luis, La diplomacía bismarckiana ante la cue­stión cubana, 1868-1874, Madrid: CSIC, 1988.
[153] Saco, José Antonio, „Mi Primera Pregunta. ¿La Abolición del Comercio de Esclavos Africanos arruinará ó atrasará la Agricultura Cubana? Dedicada á los Hacendados de la Isla de Cuba, su compatriota, Madrid: Impr. De Don Marcelina Calero, 1837, in: Saco, El juego y la vagancia en Cuba/Estudio sobre la esclavitud, La Habana: Editorial Lex, 1960 (Biblioteca Popular de Clásicos Cubanos), S. 107-156, hier S. 129.
[154] Crosby, Alfred W., Die Früchte des weißen Mannes. Ökologischer Imperialismus 900-1900, Frankfurt am Main; New York: Campus Verlag, 1991, S. 198f.; Kiple, Kenneth F., The Caribbean Slave. A Biological History, Cambridge: Cambridge University Press, 1984.
[155] Zur älteren Forschung siehe: Häbler, Konrad, „Die Anfänge der Sklaverei in Amerika“, in: Zeitschrift für Social- und  Wirtschaftsgeschichte, Bd. IV (1896), S. 176-223; die neuerer Forschung unter Einbeziehung der Epidemiologie: Kiple, Kenneth F.; Higgins, Brain T., Yellow Fever and the Africanization of the Caribbean, in: Verano, John W.; Ubelaker, Douglas H. (eds.), Disease and Demography in the Americas, Washington and London: Smithsonian Institution Press, 1992, S. 237-248, S. 237.
[156] Humboldt, Mexiko-Werk ..., S. 347-355, hier S. 351, 354.
[157] Vitier, Cintio, Lo cubano en la poesía, La Habana: Instituto del Libro, 1970.
[158] Sivers, Cuba, Die Perle der Antillen ..., S. 51-52; siehe auch: Schmieder, Ulrike, “Ganz oben und ganz unten: Das Leben von Aristokratinnen und Sklavinnen auf Kuba aus der Sicht von europäischen Reisenden des 19. Jahrhunderts“, in: Matices, Köln (Herbst 2001), S. 25-27.
[159] KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, f. 6 (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0010).
[160] Villaverde, „La Habana en 1841“, S. 167-170.
[161] Vinat de la Mata, Raquel, “El tema feminino en el discurso social del siglo XIX en Cuba”, in: Contrastes. Revista de Historia, vols. 7-8 (1991-1993), Murcia, S. 21-33; Castañeda, Digna, „The Female Slave in Cuba during the First Half of the Nineteenth Century”, in: Engendering History: Caribbean Women in Historical Perspective, ed. Verene Shepherd; Bridget Brereton, and Barbara Bailey (London: James Currey, 1995), S. 141-154; Zeuske, “Gender and Slave Emancipation in Cienfuegos and Santa Clara, Central Cuba – A Microhistorical Approach to the Atlantic World”, in: Scully, Pamela; Paton, Diana (eds.), Gender and Slave Emancipation in the Atlantic World (demnächst); Ponte Domínguez, Francisco, “La mujer en la revolución de Cuba”, in: Revista Bimestre Cubana XXXIII (Enero-Junio 1933), S. 276-300; Cupull, Adys; González, Froilán, Mariana. Raíz del alma cubana, La Habana: Ed. Política, 1998; zum Blick von Frauen und Männer: Paravisini-Gebert, Lizabeth, “Oriental imprisonments: Habaneras as seen by nineteenth century women travel writers”, in: Revista Mexicana del Caribe, Año III, núm. 5 (1998), S. 142-157.
[162] Childs, Matt, „‘Sewing’ civilization: Cuban Female Education in the Context of Africanization, 1800-1860, in: The Americas, vol. 54, No. 1 (July 1997), S. 83-108.
[163] Martínez-Alier, Verena, “El honor de la mujer en Cuba en el siglo XIX ”, in : Revista de la Biblioteca Nacional  “José Martí” XIII (Mayo-Agosto 1971), S. 29-62.
[164] Céspedes, Benjamin de, La prostitución en la ciudad de La Habana, La Habana: s l. [Tipografía O’Reilly] 1888 ; Campuzano, Luisa (coord.). Mujeres Latinoamericanas, Historia y Cultura. Siglos XVI al XIX, 2 Bde., La Habana : Casa de las Américas : Universidad Autónoma Metropolitana de Iztapalapa, 1997, Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs: Das Verhältnis der Geschlechter in den verschiedenen ethni­schen und sozialen Gruppen Latein­amerikas, vorwiegend nach in Deutschland rezipierten Reiseberichten (vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ca. 1870/80), Fallstudien: Mexiko, Kuba, Brasi­lien, Köln 2002 (unveröffentlichte Habilitationsschrift), S. 355-358.
[165] Noreña, Carlos, „Los Negros Curros“, in: Costumbristas cubanos del siglo XIX ..., S. 403-408; Ortíz, Fernando, Los negros curros, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1993.

[166] Konetzke, Colección …, V (1962), Dokument Nr. 235. Als minderjährig galten Männer unter 25 und Frauen unter 23, wenn beide Eltern lebten. Wenn nur noch die Mutter lebte, wurde das Volljährigkeitsalter auf 24/22 Jahre herabgesetzt, wenn nur noch Großeltern vorhanden waren, auf 23/21 Jahre, wenn keine Verwandten existierten, auf 22/20 Jahre.
[167] Socolow, Susan M., The Women of Colonial Latin America, Cambridge: Cambridge University Press, 2000, S. 173; Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs …, S.129-133.
[168] Moreno Fraginals, “Glosario de la manufactura azucarera” (Apéndice 2), El Ingenio …, III, S. 95-163, hier S. 162.
[169] Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs ..., S. 328-330.
[170] Ebd., S. 330f.
[171] Görtz, Carl Graf von,  Reise um die Welt in den Jahren 1844-47, Stuttgart und Tübingen: Cotta 1853, Band 2 : Reise in Westindien und Südamerika, S. 92.
[172] García Rodríguez, Gloria, La esclavitud desde la esclavitud. La visión de los siervos, México: Centro de Investigación Científica „Ing. Jorge Y. Tamayo“, 1996, S. 7-57, passim.
[173] Barnet, Miguel, Cimarrón, La Habana: Gente Nueva/Instituto del libro, 1967, S. 78f.; Barnet (ed.), Der Cimarrón. Lebensgeschichte eines entflohenen Negersklaven aus Cuba, von ihm selbst erzählt. Nach Tonbandaufnahmen herausgegeben von Miguel Barnet, übersetzt von Hildegard Baumgart, mit einem Nachwort von Heinz Rudolf Sonntag und Alfredo Chacón, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1995 (Neuauflage 1999), S. 108-109.
[174] Alexander, Capt. James Edward, Transatlantic Sketches, comprising visits to the most interesting scenes in North and South America and the West Indies. With Notes on negro slavery and Canadian emigration, 2 Bände, London : Samuel Benthey, 1833 (Kuba: Band I, S. 315-384), hier: Bd. I, 377; Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs ..., S. 351.
[175] Ebd., S. 351f.
[176] Twinam, Anne, “The Negotiation of Honor”, in: Johnson, Lyman L.; Lipsett-Rivera, Sonya (eds.), The Faces of Honor: Sex, Shame, and Violence in Colonial Latin America, Albuquerque: New Mexico University Press 1998, S. 68-102.
[177] Die subjektive Sicht, mit welchen Ausländern der Umgang standesgemäß für einen Kaufmann war, bietet Beneke: „Spanier, Engländer, Franzosen und Deutsche auf Kuba“, in: Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 61-76.
[178] Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés informa ...“, S. 251-273.
[179] „Tratado preliminar de límites en la América meridional“ (1777, San Ildefonso), siehe: Calvo, Carlos, Colección Completa de los Tratados, Convenciones, Capitulaciones, Armisticios y otros actos diplomáticos de todos los Estados de la América Latina, comprendidos entre el golfo de Méjico y el cabo de Hornos desde el año de 1493 hasta nuestros dias precedidos de una memoria sobre el estado actual de la América, de cuadros estadísticos, de un diccionario diplomático, y de una noticia histórica sobre cada uno de los tratados mas importantes, 11 Bde., Paris: Librería de A. Durand; Librería de Mme. C. Denné-Schmitz, 1862, Bd. III (1862), S. 131-167. Zum Hintergrund siehe: Ríos, Juan Miguel de los, Memoria de las islas de Fernando Póo y Annobón, Madrid: La Sociedad Matritense, 1844; Arija, Julio, La Guinea Española y sus riquezas, Madrid: Espasa-Calpe, S.A., 1930; Sundiata, I.K., „’Cuba Africana’: Cuba en Spain in the Bight of Biafra, 1839-1869“, in: The Americas (TAm), Vol. XXXIV, (July 1977 trough April, 1978), S. 90-101; Kahle, Günter, Lateinamerika in der Politik der europäischen Mächte 1492-1810, Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag, 1993, S. 55-63.
[180] „Tratado de amistad, garantía y comercio“ (1778, El Pardo), in: Calvo, Carlos, Colección Completa de los Tratados …, Bd. III, S. 169-191.
[181] Zusammenfassend zum legalen Abolitionsprozeß aus kubanischer Perspektive siehe: Barcia, María del Carmen, „El proceso de abolición legal de la esclavitud“, in: Nuestra Historia. Revista Historiográfice No. 4 (enero-junio de 1993), Caracas, S. 19-30. Der Realprozeß findet sich bei: Scott, Rebecca J., „Gradual Abolition and the Dynamics of Slave Emancipation in Cuba, 1868-86“, in: Hispanic American Historical Review, 63 (August 1983), S. 449-477 und Scott, Slave Emancipation ..., passim.
[182] Insgesamt zum Sklavenhandel (unter Verwendung neuester Forschungsergebnisse und Dokumente), siehe: Zeuske, Die Geschichte der Amistad. Sklavenhandel und Menschenschmuggel auf dem Atlantik im 19. Jahrhundert, Stuttgart: Reclam, 2012.
[183] Lopéz Mesa, Enrique, “La trata negrera en el Puerto de La Habana a mediados del siglo XVIII”, in: Guimerá, Agustín; Monge, Fernando (Coords.), La Habana, puerto colonial (siglos XVIII-XIX), Madrid: Fundación Portuaria, 2000, S. 245-253.
[184] Adelman, Jeremy, “Capitalism and Slavery on Imperial Hinterlands”, in: Adelman, Sovereignty and Revolution in the Iberian Atlantic, Princeton and Oxford: Princeton University Press, 2006, S. 56-100; Guerra Vilaboy, Sergio, “Frustración” in: Guerra Vilaboy, Jugar con fuego. Guerra social y utopía en la independencia de América Latina, La Habana: Editorial Casa de las Américas, 2010, S. 223-262; Zeuske, „Una revolución con esclavos y con Bolívar. Un ensayo de interpretación”, in: Memorias. Revista Digital de Historia y Arqueología desde el Caribe Vol. 8, núm. 14 (Junio 2011), S. 5-47 http://rcientificas.uninorte.edu.co/index.php/memorias/article/view/2006/1288.
[185] Zeuske, “Las capitanías generales de Cuba y Puerto Rico en el ‘Gran Caribe’”, 1808-1812, in: Chust, Manuel; Frasquet, Ivana (eds.), Los colores de las independencias iberoamericanas. Liberalismo, etnia y raza, Madrid: CSIC, 2009 (Colección América), S. 21-48.
[186] Siehe “Documento 1“ und “Documento 2“, in: Pérez-Cisneros, Enrique, La abolición de la esclavitud en Cuba. Prólogo de Gastón Baquero, Costa Rica: Litografía e Imprenta LIL, S.A., 1987, S. 43-45.
[187] Torres Ramírez, Bibiano, La isla de Puerto Rico (1765-1800). Prólogo de don José Antonio Calderón Quijano, San Juan de Puerto Rico: Instituto de Cultura Puertorriqueña, 1968.
[188] Zur Geldgeschichte des 19. Jahrhunderts siehe: Turu, Danielle, “L’argent et les échanges commerciaux à Cuba au XIXe siècle. Ètude d’une crise èconomique”, in: JbLA 16 (1979), S. 311-339.
[189] King, James F., “The Colored Castes and American Representation”, in: Hispanic American Historical Review, 33:1 (1953), S. 33-64; Fradera, José María, “Raza y ciudadanía. El factor racial en la deliminación de los derechos de los americanos”, in: Fradera, Gobernar colonias, Barcelona: Ediciones Península, 1999, S. 51-69.
[190] Roldán de Montaud, Inés, “Origen, evolución y supresión del grupo de negros 'emancipados' en Cuba 1817-1870”, in: RI, XLII, nos. 169-170 (1982), S. 559-641. Zur Gesetzgebung siehe: ”Emancipados”, in: Legislación Ultramarina concordada y anotada por D. Joaquín Rodríguez San Pedro, 2 toms., Madrid: Imprenta de los Señores Viota, Cubas y Vicente, 1865, Bd. II, S. 597-613.
[191] Lucas de Grummond, Renato Beluche. Smuggler, Privateer and Patriot ..., S. 161-163.
[192] Madden, Richard, The Island of Cuba. Its Resources, Progress, etc., in Relation Especially to the Influence of its Prosperity on the Interests of the British West India Colonies, London: C. Gilpin, 1849 [span.: La Isla de Cuba. Sus Recursos, Progresos y Perspectivas, trad. por Sarah Méndez Capote, La Habana: Consejo Nacional de Cuba (Colección Viajeros), 1964].
[193] Urban, Stanley C., “The Africanization of Cuban Scare, 1853-1855”, in: HAHR 47 (1957), S. 29-45; Paquette, Robert L., Sugar Is Made With Blood. The Conspiracy of La Escalera and the Conflict between Empires over Slavery in Cuba, Middletown, CT: Wesleyan University Press, 1988.
[194] Hernández y Sánchez-Barba, Mario, “David Turnbull y el problema de la esclavitud en Cuba“, in: Anuario de Estudios Americanos, t. XIV (1957), S. 241-299.
[195] Armario Sánchez, Fernando, „La esclavitud en Cuba durante la regencia de Espartero, 1840-1843”, in: Hispania (Revista Española de Historia), 43, No. 153, Madrid 1983, S. 129-153, bes.: S. 138-140, 150-153.
[196] Iliffe, Geschichte Afrikas …, S. 200.
[197] Naranjo Orovio; Balboa Navarro, Imilcy, “Colonos asiáticos para una economía en expansión: Cuba, 1847-1880”, in: Revista Mexicana del Caribe, Año IV, núm. 8 (1999), Chetumal, Quintana Roo, S. 32-65.
[198] Menzel, Der schwarze Traum vom Glück …, S. 70-91.
[199] González, Doria, „Acerca del mercado cafetalero cubano durante la primera mitad del siglo XIX“, in: Revista de la Biblioteca Nacional José Martí, No. 2 (1989), S. 151-176.
[200] Vallenilla Lanz, Laureano, “El Gendarme Necesario”, in: Vallenilla Lanz, Cesarismo Democrático y otros textos, prólogo, notas, cronología y bibliografía de Nikita Harwich Vallenilla, Caracas: Biblioteca Ayacucho, 1991, S. 94-109; siehe auch: Vallenilla Lanz, Laureano, Obras Completas, recopilación, comentarios y notas de Federico Brito Figueroa y de Nikita Harwich Vallenilla, 2 Bde., Caracas: Fondo Editorial Lola de Fuenmayor; Centro de Investigaciones Históricas, Universidad Santa María, 1983-1984 (Bd. I: Cesarismo Democático; 1983; Bd. II: Disgregación e integración : ensayo sobre la formación de la nacionalidad venezolana; 1984; Plaza, Elena, La tragedia de una amarga convicción : historia y política en el pensamiento de Laureano Vallenilla Lanz, 1870-1936, Caracas : Facultad de Ciencias Jurídicas y Políticas, Universidad Central de Venezuela, 1996.
[201] Die besten Forschungen über die soziale Gruppe der freien Farbigen der “Burguesía de Color”, des farbigen Bürgertums, finden sich noch immer bei: Deschamps Chapeaux, Pedro, “El funerario Félix Barbosa y la burguesía de color”, in: Chapeaux Deschamps/Pérez de la Riva, Juan, Contribución a la historia de gentes sin historia, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1974, S. 5-15 oder: Ders., “Agustín Ceballos, capataz de muelle”, in: Ebenda, S. 17-27; siehe auch: Labarre, Roland, “La conspiración de 1844: un ‘un complot por lo menos dudoso’ y una ‘atroz maquinación’”, in: AEA 43 (1986), S. 127-141.
[202] Die wichtigsten Quellen für dieses Entsetzen sind die Briefe von und an Domingo del Monte: Centón epistolario de Domingo del Monte, ed. Mesa Rodríguez, Manuel I., 7 Bde., La Habana: Impr. “El Siglo XX“, 1957, Bd. VII, passim; siehe auch: Ette, Ottmar, “’Partidos en dos’ : zum Verhältnis zwischen insel- und exilkubanischer Literatur”, in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte, 13, Heidelberg (1989), S. 440-453.
[203] Pichardo, Documentos ..., I, S. 327-330, S. 329 (Titel 2, Artikel 9).
[204] Legislación Ultramarina concordada y anotada por D. Joaquín Rodríguez San Pedro, 2 toms., Madrid: Imprenta de los Señores Viota, Cubas y Vicente, 1865, Bd. II, S. 572-575. Sechs und mehr geflohene Sklaven galten als ”cimarrones apalencados” und wurden besonders hart bestraft.
[205] Sundiata, I.K., „’Cuba Africana’: Cuba en Spain in the Bight of Biafra, 1839-1869“, in: The Americas (TAm), Vol. XXXIV, (July 1977 trough April, 1978), S. 90-101, hier S. 93f.
[206] Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, por D. Félix Erénchun, oidor cesante de la real Audiencia pretorial de la Habana, año de 1855 (D - L), Habana: Imprenta de la Antilla, 1859, S. 1456-1498. Zu den Gesetzen über den handel mit negros bozales, siehe ebenfalls: Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, por D. Félix de Erénchun, oidor de la Real Audiencia Pretorial, año de 1856 (A - B), Habana: Imprenta La Habana, 1857, S. 939-970, mit allen gesetzlichen Festlegungen von 22. April 1804 (nur Bozales dürfen eingeführt werden) bis 2. Mai 1857 (Gesetze gegen den Handel mit Bozales) und juristischen Implikationen (denn nach dem Verbot des äußeren Sklavenhandels durfte es auf Kuba eigentlich keine Bozales mehr geben).
[207] Fernández Hidalgo, Ana María, “Gobernadores generales en la Isla de Cuba: sus ideas y proyectos, 1850-1868”, in: Estudios de Historia Social, 44-47 (1988), S. 213-220. Labarre, Roland, “La conspiración de 1844: un ‘un complot por lo menos dudoso’ y una ‘atroz maquinación’”, in: AEA 43 (1986), S. 127-141.
[208] Torrente, Mariano, Memoria sobre la esclavitud en la isla de Cuba : con observaciones sobre los asertos de la prensa inglesa relativos al trafico de esclavos, London : C. Wood, 1853; siehe die Geschichte des Richters an der British Mixed Commission, George Backhouse (1855 in Havanna ermordet) und seiner Frau zur Zeit der Regierung von Pezuela: Martínez-Fernández, Luis, Fighting Slavery in the Carribean: The Life and Times of a British Family in Nineteenth-Century Havana, London: Sharpe, 1998.
[209] Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, año de 1855 (A - B), Habana: Imprenta del Tiempo, 1856, S. 633, S. 968-970 „Índice del articulo Bozal”; siehe auch: Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, por D. Félix de Erénchun, oidor de la Real Audiencia Pretorial, año de 1856 (A - B), Habana: Imprenta La Habana, 1857, S. 939-970, mit allen gesetzlichen Festlegungen von 22. April 1804 (nur Bozales dürfen eingeführt werden) bis 2. Mai 1857 (Gesetze gegen den Handel mit Bozales) und juristischen Implikationen (denn nach dem Verbot des Sklavenhandels durfte es auf Kuba eigentlich keine „neuen“ Bozales mehr geben), S. 968-970 „Índice del articulo Bozal”.
[210] Zum Problem der „Taufe“, die auch von Kapitänen der iberischen Sklavenschiffe vollzogen werden konnte: Thornton, „On the Trail of Voodoo: African Christianity in Africa and in the Americas“, in: The Americas 44 (1988), S. 261-278, hier S. 269f. Alle Quellen, die ich über neueingeführte Sklaven gesehen habe, sagen aus, dass sie auf Kuba noch einmal getauft wurden. Generell zum Problem der Taufe und zur Stellung der katholischen Kirche zur Taufe von Afrikanern siehe: Vila Vilar, Enriqueta, “La evangelización del esclavo negro y su integración en el mundo americano“, in: Ares Queija, Berta; Stella, Alessandro (coords.), Negros, mulatos, zambaigos. Derroteros africanos en los mundos ibéricos, Sevilla: EEHA; CSIC, 2000, S. 189-206; Martín Casares, Aurelia, “Cristianos, musulmanes y animistas en Granada: identidades religiosas y sincretismo cultural“, in: Ebd., S. 207-221, besonders S. 218 und 220; die Autorinnen zeigt, dass eine grobe kulturelle Unterteilung Afrikas in “Guinea“ (islamische Einflüsse) sowie “Congo“ und “Angola“ getroffen wurde, wo es stärkere christliche, aber auch animistische Einflüsse gab. Das Problem der Taufe und vor allem der “Wiedertaufe“ war theologisch nicht einfach zu lösen; es stellte für einige Prälaten und Orden (vor allem Jesuiten) im 17. Jahrhundert so etwas wie eine globale Obsession dar.
[211] Siehe zukünftigt: Zeuske, Cuba grande. Die Geschichte der Sklavinnen und Sklaven auf Kuba (erscheint 2014).
[212] Siehe den Brief: George De Wolf letter to Madam Maria Botefeur, Bristol, May 12, 1823, unter: http://merrick.library.miami.edu/cdm/compoundobject/collection/chc0184/id/2279/rec/1 (27. Mai 2013); sowie: James DeWolf letter to Madam Maria Botefeur, May 9, 1823: http://merrick.library.miami.edu/cdm/compoundobject/collection/chc0184/id/2409/rec/2 (27. Mai 2013). Zu den DeWolfs siehe: Marques, Leonardo, “Slave Trade in a New World. The Strategies of North American Slave Traders in the Age of Abolition”, in: Journal of the Early Republic 32 (Summer 2010), S. 233-260.
[213] Schnurmann, Claudia, Atlantische Welten. Engländer und Niederländer im amerikanisch-atlantischen Raum 1648-1713, Köln Weimar Wien: Böhlau, 1998 (Wirtschafts- und Sozialhistorische Studien, hrsg. von Stuart Jenks, Michael North und Rolf Walter, Band 9) (444 S.); Schnurmann, Europa trifft Amerika: atlantische Wirtschaft in der frühen Neuzeit 1492-1783, Frankfurt, Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1998 (Reihe Europäische Geschichte). Zu früheren Versuchen von Hamburgern (und anderen Norddeutschen) Beteiligung am Sklavenhandel zu finden, siehe: Nettelbeck, Joachim, Ein Mann. Des Seefahrers und aufrechten Bürgers Joachim Nettelbeck wundersame Lebensgeschichte von ihm selbst erzählt, Ebenhausen bei München: Wilhelm Langewiesche=Brandt, 1910, S. 19-21; Heinrich Sieveking: „Die Glückstädter Guineafahrt im 17. Jahrhundert“. in: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 30 (1937), S. 19-71; Hermann Kellenbenz, “La place de l'Elbe inférieure dans le commerce triangulaire au milieu de XVIIe siècle“, in: La traite des noirs par l'Atlantique. Nouvelles approches. The Atlantic Slave trade. New Approaches, Paris: Société française d'histoire d'outre-mer, 1976, S. 186-195; Lüden, Catharina, Sklavenfahrt mit Seeleuten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck im 18. Jahrhundert, Heide: Boyens & Co., 1983; Theodore Canots Lebensgeschichte wurde vom Schriftsteller Brantz Mayer aufbereitet, siehe: Pleticha, Hans (Hrsg.), Sklaven für Havanna. Der Lebensbericht des Sklavenhändlers Theodore Canot 1826-1839, Stuttgart/Wien: Edition Erdmann/Thienemann, 1988 (Alte abenteuerliche Reiseberichte); zur Kritik siehe: Jones, Adam, ”Theophile Conneau at Galinhas and New Sestos, 1836-1841: A comparison of the Sources”, in: History in Africa 8 (1981), S. 89-106.
[214] Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 71, 94f.
[215] Bergad, Laird W., Cuban Rural Society in the Nineteenth Century. The Social and Economic History of Monoculture in Matanzas, Princeton, NJ: Princeton University Press, 1990.
[216] Ely, Ron, Cuando reinaba su majestad el azúcar. Estudio histórico-sociológico de una tragedia latinoamericana: el monocultivo en Cuba, Buenos Aires: Ed. Sudamericana, 1963 (Neuauflage: La Habana: IMAGEN CONTEMPORÁNEA, 2001), S. 390.
[217] Marrero, Cuba ..., Bd. XIV, S. 245.
[218] Pérez de la Riva, “1860, un diplomático inglés informa ...“, S. 251-273, hier S. 269; Tornero Tinajero, “Sociedad e ideología en la economía esclavista”, in: Debates Americanos, No. 10, La Habana (Julio-Diciembre 2000), S. 46-58, hier S. 56f.
[219] Johnson, Walter, “Introduction: A Person with a Price”, in: Johnson, Soul by Soul. Life Inside the Antebellum Slave Market, Cambridge, Mass.; London, Engl.: Harvard University Press, 2000, S. 1-18.
[220] Zeuske, „Hidden Markers, Open Secrets. On Naming, Race Marking and Race Making in Cuba, 1870-1940“ (demnächst in: New West Indian Guide, Leiden, 2002). 
[221] Archivo Histórico Provincial de Santiago de Cuba (AHPStC), Protocolos Manuel Caminero Ferrer (Escribanía Real), leg. 152, 1887, t. 2 (Julio - Dic.), fols. 853r.-256v., escritura no. 231 ”Venta con pacto de rétro de finca urbana”, Santiago, 25. August 1887.
[222] Archivo Histórico Provincial de Villa Clara (AHPVC), Protocolos Antonio Palma Espinoza, Sagua la Grande, 1870, t. 1 (Enero - Julio), fols. 62r.-66r., escritura no. 55 ”Débito con hipoteca”, Sagua, 25. Januar 1870; siehe auch den Brief von Jakob (Jacob) Mildenstein, ev. der Vater Wilhelm Mildensteins: Jacob Mildenstein, letter to Edward Spalding, Dec., 9, 1823, unter: http://merrick.library.miami.edu/cdm/compoundobject/collection/chc0184/id/2311/rec/1 (27. Mai 2013).
[223] Ebd., fol. 384v.-385r. (bis), escritura no. 319 ”Venta de esclava”, Sagua, 9. Mai 1870.
[224] Schmieder, Geschlecht und Ethnizität in einer Periode des historischen Umbruchs ..., S. 325.
[225] Archivo General de Indias, Sevilla, Spanien (AGI), Estado, legajo 7, exp. 4, La Habana, n° 8,
[226] Ebd., n° 27.
[227] Ebd., n° 37.
[228] Dye, Alan, Cuban Sugar Production in the Age of Mass Production: Technology and the Economics of the Sugar Central, 1899-1929, Stanford: Stanford University Press, 1998.
[229] Zeuske, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich: Rotpunktverlag, 2004.
[230] Zeuske, „Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung“, in: Humboldt im Netz (HiN), II, 3 (I. Teil), (2001; Internet-Zeitschrift: www.unipotsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin3.htm); Humboldt im Netz (HiN), III, 4 (II. Teil) (2002;.../hin_4.htm).
[231] Poeppig, Eduard Friedrich Karl (1786-1868), siehe: Poeppig, Schilderung der Insel Cuba und ihrer Bewohner, Philadelphia 1826; Poeppig, “Bruchstücke über Cuba. Aus den Papieren eines deutschen Reisenden, in: Das Ausland, München (1839), S. 186-196; Poeppig, Eduard, Im Schatten der Cordillera. Reisen in Chile, bearbeitet und eingeleitet von Wahrhold Drascher, Stuttgart: Verlag von Strecker und Schröder, 1927 (Klassiker der Erd- und Völkerkunde, herausgegeben von Dr. Walter Krickeberg), S. Xf.
[232] Moreno Fraginals, ”Peculiaridades de la esclavitud en Cuba”, in: Islas, No. 85 (Sept.-Dic. 1986), S. 3-12; Pérez Guzmán, Francisco, La Habana, clave de un imperio, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1997. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren meist mehr Sklaven im Bausektor als auf Plantagen beschäftigt, siehe auch: Díaz, María Elena, The virgin, the king, and the royal slaves of El Cobre: negotiating freedom in Colonial Cuba, 1670-1780 , Stanford: Stanford University Press, 2001.
[233] García Rodríguez, Gloria, La esclavitud desde la esclavitud. La visión de los siervos, México: Centro de Investigación Científica “Ing. Jorge Y. Tamayo”, 1996,  passim.
[234] Pérez Jr., Louis A., Winds of Change. Hurricanes & the Transformations of Nineteeth-Century Cuba, Chapel Hill and London: The Univ. of North Carolina Press, 2001, S. 126-131.
[235] Castañeda, ”The Female Slave in Cuba ...”, S. 141-154.
[236] Zum Zensus von 1877 siehe: Iglesias, Fe, „El censo cubano y sus diferentes versiones“, in: Santiago, Santiago de Cuba, 34 (Junio 1979), S. 167-214. 
[237] Gómez Abreu, Nery, Martínez Casanova, Manuel, “Contribución al estudio de la presencia de las diferentes etnías y culturas africanas de la región central de Cuba : zona de Plácetas (1817-1886), in : Islas 85 (Sept.-Dic. 1886), S. 114-120.
[238] Humboldt, Cuba-Werk ..., S. 157.
[239] Moliner Castañeda, Israel, „Los huidos en la ciudad de Matanzas“, in: Nuestra Historia. Revista Historiográfica No. 4 (enero-junio de 1993), Caracas, S. 31-62. Zu Merlín: Merlín, María de las Mercedes Santa Cruz y Montalvo, Condes de, Los esclavos en las colonias españolas, Madrid: Imprenta de Alegría y Charlain, 1841.
[240] Instituto de Historia de Cuba, Historia de Cuba, 3 Bde., La Habana: Editora Política, 1994, 1996, Bd. I, S. 403, tabla 51.
[241] Turnbull, Travels in the West ..., S. 62.
[242] KStLSM, Geschäftsbuch-Buch C. W. Jamm , 1850-1856 (auf CD-Rom: Datei „Geschäftsbuch 1850“, EPSN 0001 - 0063).
[243] Johnson, “Introduction: A Person with a Price ...” , S. 1-18; Bergad; Iglesias García; Barcia, María del Carmen, The Cuban Slave Market, 1700-1880 (Cambridge Latin American Studies, 79), Cambridge, N.Y.: Cambridge University Press, 1995.
[244] KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, f. 9 (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0012).
[245] Ebd.
[246] Nach Berechnungen von Bergad; Iglesias García; Barcia, The Cuban Slave Market ..., S. 182 (Table B.2 Continued) lagen die Preise für weibliche Kreolsklaven im Alter zwischen 15 und 40 Jahren bei 632 Pesos. Kreolsklavinnen waren am teuersten. Männliche Kreolsklaven dieses Alters kosteten durchschnittlich 463 Pesos.
[247] KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, f. 18 (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0021) ; “chargirt [chargiert]” könnte sich auf die Einschätzung des Preises durch einen offiziellen Schätzer beziehen oder einfach auf die Tatsache des Verkaufes.
[248] Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, por D. Félix Erénchun, oidor cesante de la real Audiencia pretorial de la Habana, año de 1855 (D - L), Habana: Imprenta de la Antilla, 1859, S. 1456-1498, hier S. 1456: “Am 22. März 1854 wurde ein Real Decreto verkündet, das ein Register aller Sklaven einrichtete, nicht nur, um ihre exakte Zahl zu kennen und um endgültig den verbotenen Handel zu beenden, sondern auch, um eine Kopfsteuer [auf jeden Sklaven – M.Z.] ein zu führen und zu erheben; eine gerechte, ausgleichende, bescheidene und bekömmliche Steuer, denn das Sklavenkaufkapital ist das produktivste [der Insel – M.Z.], man belastet es nur mit einer unbedeuteten Quote“. Zu den Gesetzen über den Handel mit negros bozales, siehe ebenfalls: Anales de la Isla de Cuba. Diccionario administrativo, económico, estadístico y legislativo, por D. Félix de Erénchun, oidor de la Real Audiencia Pretorial, año de 1856 (A - B), Habana: Imprenta La Habana, 1857, S. 939-970, mit allen gesetzlichen Festlegungen von 22. April 1804 (nur Bozales dürfen eingeführt werden) bis 2. Mai 1857 (Gesetze gegen den Handel mit Bozales) und juristischen Implikationen (denn nach dem Verbot des äußeren Sklavenhandels 1820 und 1836 durfte es auf Kuba eigentlich keine aus Afrika eingeführten Bozales mehr geben).
[249] KStLSM, Conto-Corrent-Buch C. W. Jamm ab 1. April 1852, ohne folio  (auf CD-Rom: Datei „Conto-Corrent Privat 1850“, EPSN 0073).
[250] Michaelsen, den wohl das Gewissen drückte, liess 1882 (mit 31 Jahren) extra ein „Testament“ notariell beglaubigen, in dem er erklärte, er sei nur Vertreter Schumanns bei diesem Geschäft gewesen: AHPStC, Protocolos Manuel Caminero Ferrer (Escribanía Real), leg. 152, escritura no. 141 “testamento”, fols. 507r-f. 507v., Santiago de Cuba, 9. Mai 1882.
[251] García Martínez, Orlando, “Los alemanes en Cienfuegos durante el siglo XIX”, in: Zeuske; Schmieder (eds.), Regiones europeas y Latinoamérica ..., S. 387-400; Venegas Delgado, Hernán, “La huella alemana en Trinidad de Cuba”, in: Ebd., S. 401-408.
[252] Zum Ungleichgewicht zwischen den etwa 6000 Memoiren von Sklaven oder ihren Nachkommen im anglophonen Bereich und der einen von Manzano im iberischen Bereich, siehe: Jesús Benito Sánchez, „Narraciones de esclavos afrocubanos y afroamericanos“, in: José G. Cayuela Frenández (coord.), Un siglo de España: centenario 1898-1998, Cuenca: Universidad Castilla-La Mancha, 1998, S. 703-716.
[253]Allgemein siehe: Luis, William (ed.), Voices from under. Black Narrative in Latin America and the Caribbean, Westport/Conn., 1984. Der wichtigste Testimonio-Roman des amerikanischen Raumes ist der von Frederick Douglass, My Bondage and my Freedom, New York: Arno Press, 1968 (deutsch: „Das Leben des Frederick Douglass als Sklave in Amerika von ihm selbst erzählt“).
[254] Frederic Stimson, Cuba's Romantic Poet: The Story of Plácido, Chapel Hill: The University of North Carolina Press, 1964; Jorge Castellanos, Plácido, poeta social y político, Miami 1984; Enildo A. García, Cuba: Plácido, poeta mulato de la emancipación (1809-1844), New York 1986.
[255] Leopoldo Horrego Estuch, Martín Morúa Delgado - Vida y mensaje, La Habana 1959; Richard Jackson,  From Antislavery to Antiracism: Martín Morúa Delgado, Black Novelist, Politician, and Critic of Postabolitionist Cuba, in: Black Writers in Latin America, Albuquerque: University of New Mexico Press, 1979, S. 45-52.
[256] Barnet, „Para llegar a Esteban Montejo: los caminos del cimarrón“, in: ContraCorrientes, año 2, núm 6 (Oct./Nov./Dic. 1996), S. 29-44, hier S. 30; Zeuske, „Novedades de Esteban Montejo”, in:  Del Caribe, Santiago de Cuba, 2002. 
[257] Juan Francisco Manzano, Autobiografía de un esclavo, introducción, notas y actualización del texto de Ivan A. Schulman, Madrid: Ediciones Guadarrama, 1975; siehe auch: Bremer, „The Slave Who Wrote Poetry: Comments on the Literary Works and the Autobiography of Juan Francisco Manzano“, in: Slavery in the Americas, ed. Binder, Wolfgang, Würzburg 1993, S. 487-502; Susan Willis, Crushed Geraniums: Juan Francisco Manzano and the Language of Slavery, in: Charles T. Davis; Henry Louis Gates Jr., The Slave's Narrative, Oxford; New York: Oxford University Press, 1990, S. 199-224; Sonia Labrador-Rodríguez, La intelectualidad negra en Cuba en el siglo XIX: el caso de Manzano, in: Revista Iberoamericana 174 (1996), S. 13-25.
[258] Brief an Domingo del Monte vom 25. Juni 1835, in: Autobiografía, cartas y versos de Juan Francisco Manzano, ed. Franco, La Habana: Municipio de la Habana, 1937, S. 84.
[259] Stanley Elkins, Slavery, a Problem in American Institutional and Intellectual Life, Chicago: University of Chicago, 1959; 1968².
[260] Grötsch, Kurt, Der Kampf um die Integration. Afrokubaner als Protagonisten und Autoren in der Literatur Kubas des 19. und 20. Jahrhunderts (Editionen der Iberoamericana, Reihe III), Frankfurt am Main: Vervuert Verlag, 1989, S. 74.
[261] Bueno, Salvador, “La primitiva narración antiesclavista en Cuba (1835-1839)”, in: Universidad de la Habana, Núm. 207 (Enero-Marzo 1978), S. 144-150; Bueno, Salvador, “Los narradores cubanos contra la esclavitud”, in: Cuba Internacional, 149, La Habana (1982), S. 18-23; Lienhard, Martin, „Afro-kubanische Oralität und ihre Darstellung in ethnologischen und literarischen Texten“, in: Kuba heute. Politik Wirtschaft Kultur, hrsg. von Ette, Ottmar und Franzbach, Martin, Frankfurt am Main: Vervuert Verlag, 2001 (Bibliotheca Ibero-Americana, Bd. 75), S. 393-410.
[262] Ich nutze hier einen modernen Titel: Breidenbach, Joana; Zukrigl, Ina, Tanz der Kulturen : kulturelle Identität in einer globalisierten Welt, Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2000 (rororo ; 60838 : rororo-Sachbuch).
[263] Félix Tanco an Domingo del Monte, 1837, in: Centón epistolario de Domingo del Monte, ed. Mesa Rodríguez, Manuel I., 7 Bde., La Habana: Impr. “El Siglo XX“, 1957, Bd. VII, S. 86-87; Opatrný, “La identidad de los criollos en Cuba del siglo XIX“, in: Riekenberg, Michael; Rinke, Stefan; Schmidt, Peer (eds.), Kultur-Diskurse: Kontinuität und Wandel um Identitäten in Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart: Verlag Hans-Dieter Heinz Akademischer Verlag, 2001, S. 259-278.
[264] Luis, William, „Autobiografía del esclavo Juan Francisco Manzano: Versión de Suárez y Romero“, in: La historia en la literatura iberoamericana, ed. Raquel Chang-Rodríguez/Gabrielle de Beer, Hanover; N.H.: Ediciones del Norte, 1983, S. 259-268; Zeuske, „Schwarze Erzähler - weiße Literaten. Erinnerungen an die Sklaverei, Mimesis und Kubanertum, Nachwort“, in: Ich, Reyita. Ein kubanisches Leben. Aus dem Spanischen von Max Zeuske, mit einem Nachwort von Michael Zeuske, Zürich: Rotpunktverlag, 2000, S. 211-262.
[265] Idem, Literary Bondage ..., S. 39ff, 83ff.
[266] Bergad, Cuban Rural Society in the Nineteenth Century ..., passim.
[267] Es handelt sich um Zitate aus Originalbriefen in: Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 95ff.
[268] Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 99.
[269] Grötsch, Der Kampf um die Integration ..., S. 72.
[270] Michael Banton, Racial Conciousness, London und New York: Longman, 1988; George M., Frederickson, The Arrogance of Race: Historical Perspectives of Slavery, Racism and Social Inequality, Middletown/Conn.: 1988; Richard Graham (ed.), The Idea of Race in Latin America, 1870-1940, Austin: University of Texas Press, 1990; Winthrop  R. Wright, Café con leche: Race, Class, and National Image in Venezuela, Austin: University of Texas Press, 1990; Howard Winant, Racial Conditions: Politics, Theory, Comparisons, Minneapolis: University of Minnesota Press, 1994; Ivan Hannaford, Race. The History of an Idea in the West, Vorwort von Bernard Crick, Washington, D.C.: The Woodrow Wilson Center Press; Baltimore and London: The Johns Hopkins University Press, 1996; Peter Wade, Race and Ethnicity in Latin America, London, New York: Verso, 1997.
[271] Brice Sogbossi, Hippolyte, La tradición ewé-fon en Cuba. Contribución al estudio de la tradición ewé-fon (arará) en los pueblos de Jovellanos, Perico y Agramonte, Cuba, La Habana : Fundación Fernando Ortiz, 1998 (Colección Africanía).
[272] González Echevarría, Roberto, Cuban Fiestas, New Haven: Yale University Press, 2010.
[273] James, Joel; Millet, José ; Alarcón, Alexis, El Vodú en Cuba, Santiago de Cuba: Editorial Oriente, 1998 [República Dominicana : Ediciones CEDEE, 1992], S. 68-85 ; zu den afrokubanischen Religionen siehe: Dianteill, Erwan, Des Dieux et des signes : initiation, écriture et divination dans les religions afro-cubaines, Paris : Éditions de l'École des Hautes Études en Sciences Sociales, 2000 (Civilisations et sociétés ; 103).
[274] Palmié, Stephan, Das Exil der Götter: Geschichte und Vorstellungswelt einer afrokubanischen Religion, Frankfurt am Main; Bern: Peter Lang, 1991; Brandon, Santería from Africa …, S. 37-78; Hernández, Paulino; Avedo, Marta, Santería Afrocubana. Sincretismo con la religión católica. Ceremonias y Oráculos, Madrid: Eride Editorial, 1998; Rubiera Castillo, Daisy  “La mujer en la Regla Ocha. Una mirada de género”, in: Revolución y Cultura, 2-3 (1999), S. 72-78; Pérez Medina, Tomás, La santería cubana. El camino de Osha. Ceremonias, ritos y secreto, Madrid: Biblioteca Nueva, 1998; Echánove T., Carlos A (1990) “La santería cubana”, in: Lázara Menéndez (ed.) Estudios Afrocubanos. Selección de lecturas, 4 Bde., La Habana: Universidad de La Habana, Bd.II, S.  229-251 [Reimpresión de Revista Bimestre Cubana de la Sociedad Económica de Amigos del País, 62 (enero – junio 1957), S. 21-35]
 [275] Olfert Dapper, Description de l'Afrique, Amsterdam: Wolfgang, Wesberger, Boom, Van Somereu, 1686, S. 307; zum Quellenwert von Dapper und Barbot siehe: Jones, Zur Quellenproblematik ..., S. 42-50
[276] Thornton, Africa and the Africans …, S. 253. Nach Barbot, Voyage ..., S. 340-345; 354-356.
[277] Brice Sogbossi, La tradición ewé-fon en Cuba ..., S. 15ff.
[278] Thornton, Africa and the Africans …, S. 323; Moreau de Saint-Méry, Médéric-Louis-Élie, Déscription topographique, physique, civile, politique et historique de la partie française de l'isle Saint-Domingue, (1797), ed. Taillemite, Étienne et Maurel, Blanche, 3 vols., Paris : Société  de l’Histoire des Colonies Françaises et Libraire Larose, 1958, Bd. I, S. 68.
[279] Thornton, „On the Trail of Voodoo …”, S. 267.
[280] Murphey, Joseph, Santeria: An African Religion in America, Boston 1987.
[281] Díaz Fabelo, Teodoro, Olorún, La Habana: Ediciones del Departamento de Folklore del Teatro Nacional de Cuba, 1960.
[282] Informationen von Félix Tellería Bernal, Babalao in Cienfuegos. Zu den Anpassungen an das katholische Pantheon, vor allem an das komplizierte Problem der heiligen Dreifaltigkeit, siehe: Brandon, Santería from Africa ..., S. 17 und 76.
[283] Brandon, Santería from Africa ..., S. 17.
[284] Fuentes, Jesús; Gómez, Grisel, Cultos afrocubanos. Un estudio etnolingüístico, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1994 (Pinos Nuevos); Sogbossi, La tradición ewé-fon en Cuba ..., S. 26-27 und S. 34-58 ; James; Millet; Alarcón, El Vodú en Cuba ..., passim ; Alén Rodríguez, Olavo, „The Afro-French Settlement and the Legacy of Its Music to the Cuban People“, in: Béhague, Gerard H. (ed.), Music and Black Ethnicity: The Caribbean and South America, Miami: North-South Center Press; University of Miami, 1994, S. 109-117.
[285] Pollak-Eltz, Angelina, Trommel und Trance. Die afroamerikanischen Religionen, Freiburg; Basel; Wien: Herder, 1995, S. 20.
[286] Pollak-Eltz, Ebd., S. 21f.; Kardec, Allan, Das Buch der Geister, Wiesbaden: VMA Verlag, 1957. Vom Spiritismus sind auch Fernando Ortiz und sein Transkulturationskonzept beeinflusst worden, siehe: Quiñones, Arcadio, “Fernando Ortiz y Allan Kardec: espiritismo y transculturación”, in: Catauro, Año 1, No. 0 (1999), La Habana, S. 14-31.
[287] James; Millet; Alarcón, El Vodú en Cuba …, S. 68-85 ; Dayan, Joan, Haiti, History and the Gods, Berkeley/Los Angeles/London : University of California Press, 1998.
[288] Ein Hamburger auf Kuba ..., S. 99.
[289] Ebd., S. 60.
[290] Über die Entwicklung des Mambó – eigentlich die Bezeichnung für eine Vodú-Priesterin – oder der von Haiti beeinflussten Musikstile des Gagá, des Tajona oder anderer regionaler Stile auf Kuba, wie verschienender Congas, Parrandas oder des Sucu-Sucu von der Isla de Pinos wissen wir fast nichts, siehe: James, Joel; Millet, José ; Alarcón, Alexis, El Vodú en Cuba, Santiago de Cuba: Editorial Oriente, 1998 [República Dominicana : Ediciones CEDEE, 1992], S. 68-85; zum Thema Musik und Congo-Tradition, siehe: Vinueza, María Elena, „Presencia y significación de lo bantú en la cultura musical cubana“, in: Catauro, Año 1, No. 0 (1999), La Habana, S. 63-83.
[291] Lezama Lima, José, “Paralelos. La pintura y la poesía en Cuba (en los siglos XVIII y XIX)”, en : Casa de las Américas VII, 41 (marzo-abril 1967), S. 46-65 (wieder abgedruckt in : Capote, Leonel, La visualidad infinita, La Habana 1994, S. 66-106); Juan, Adelaida de, Pintura y grabado coloniales cubanos. Contribución a su estudio, La Habana: 1974.
[292] Rigol, Jorge, “El grabado. Los extrajeros y algún cubano“, in: Rigol, Apuntes …, S. 141-161.
[293] Saco, Historia de la esclavitud desde los tiempos más remotos hasta nuestros días, 2 Bde., I und II: Paris: Kugelmann, 1875; III: Barcelona: Impr. Jaime Jepús, 1877/78.
[294] Bales, Kevin, Die neue Sklaverei, München: Verlag Antje Kunstmann, 2001; Zeuske, Sklaven und Sklaverei in den Welten des Atlantiks, 1400-1940. Umrisse, Anfänge, Akteure, Vergleichsfelder  und Bibliografien, Münster/Hamburg/London: LIT Verlag, 2006 (Sklaverei und Postemanzipation, ed. Michael Zeuske, Bd. 1); Zeuske, Michael, Handbuch Geschichte der Sklaverei. Eine Globalgeschichte von den Anfängen bis heute, Berlin/ Boston: de Gruyter, 2013.
[295] Blackburn, Robin, The Overthrow of Colonial Slavery 1776-1848, London: Verso, 1988; Ders., The Making of New World Slavery. From the Baroque to the Modern 1492-1800, London/New York: Verso, 1997; Finzsch, Norbert; Horton James O., Horton Lois, Von Benin nach Baltimore. Die Geschichte der African Americans, Hamburg: Hamburger Edition, 1999; Zeuske, „Hidden Markers, Open Secrets ...”, passim; Zeuske, Sklavereien, Emanzipationen ..., passim.
[296] Zeuske, “Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung ...“ (I. Teil und II. Teil)“.


aus Lexikon Lahr; http://www.badische-zeitung.de/lahr/jamm-christian-wilhelm--64265044.html
Jamm, Christian Wilhelm

Geb. 30.6.1809 in Lahr, gest. 7.5.1875.1875. Kaufmann. Der Sohn des Schlossermeisters Christian Jamm und dessen Frau Elisabeth Dorner wuchs in der heutigen Schlosserstraße auf. Mitte der 1820er Jahre machte er eine Kaufmannslehre bei einem Lahrer Unternehmen und ging anschließend auf Wanderschaft. Angestellt bei einem Seidenversandhaus in Lyon unternahm er internationale Geschäftsreisen, die ihn u.a. nach Havanna/Kuba führten. Hier gründete er vmtl. im April 1847 eine Importfirma für Seiden- und Luxusstoffe. 1850 kaufte er als bereits wohlhabender Kaufmann für seine Familie in Lahr ein Haus (heute: Kaiserstraße 35). Der Versuch, zwei Söhne seines Cousins Carl Jamm in die kubanische Firma zu ziehen, misslang, da sie in Havanna bzw. Vera Cruz an Gelbfieber starben. Ab 1856 hielt er sich wieder häufiger, zunächst auf Geschäftsreisen, in Europa auf. 1858 trennte er sich von seinem Unternehmen und zog nach Paris. 1859 kaufte er in Lahr, wo er jetzt lebte, umfangreiche Grundstücke in der Dinglinger Vorstadt (ehemaliges Gewann "Breite") und erbaute hier bis 1861 eine Villa samt umgebenden Garten (Gut Breitenfeld). Seine Liebesbeziehung zu Amélie de Cantillon aus Paris ließ sich zunächst in Lahr nicht fortsetzen, doch beabsichtigte er noch 1874, sie zu heiraten. Jamm wurde Mitglied in verschiedenen Honoratiorenvereinigungen und am 18. Mai 1874 auch Gemeinderat. Kurz vor seinem Tod betrug sein Vermögen 1,5 Millionen Reichsmark (das durchschnittliche Lohneinkommen pro Arbeiter lag 1875 bei rund 600 Rm/Jahr, ein vierpfündiges Brot kostete 40 - 50 Rpfg.). In seinem Testament vom 15.2.1874 erklärte Jamm völlig überraschend die Stadt Lahr zu seiner Haupterbin, machte jedoch verschiedene Vorschriften zur Verwendung des Geldes. Bedeutsam wurde besonders die Vererbung der Villa und des Gartens, die den Kern des zukünftigen Museums und Stadtparks bildeten. Zudem legte er den Bau der Christuskirche sowie seine dortige Grablege testamentarisch fest. In Lahr erinnern seit 1889 eine Straße, seit 1975 eine Tafel am Museum sowie seit 2008 eine Büste an Christian Wilhelm Jamm.

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