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Andy WARHOL
Merce Cunningham I, 1963
Sérigraphie et peinture aérosol sur toile
90,2 x 69 cm
New York, Mugrabi Collection
Ornament-Werden - Weiblichkeit - Frauenarbeit - Sterotypisierung - Textilität - Suriname - Sklaverei - Kotomisi - Plantocrcacy - Repräsentation - Postkolonialismus - Schweiz - Dreieckshandel - Curaçao - Dutch Colonialism - Coolitude - Plantagenökonomie
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Zuckende Metapher für das Leben Die erste abstrakte Seidenstickerei ging unter dem Titel “Peitschenhieb” in die Annalen der Kunstgeschichte ein, obwohl sie ein Alpenveilchen zeigt. Seinem Schöpfer Hermann Obrist, einem Wegbereiter des Jugendstil, ist eine Ausstellung in Münster gewidmet, in der auch der berühmte Wandbehang(Nachbildung)zu sehen ist. “Wie die jähen, gewaltsamen Windungen der Schnur beim Knallen eines Peitschenhiebes erscheint uns diese rasende Bewegung. Bald dünkt sie uns ein Abbild der plötzlichen, gewaltsamen Elemente: ein Blitz – bald der trotzige Namenszug eines großen Mannes (...).” Das Motiv eines dynamisch abstrahierten Alpenveilchens, das Georg Fuchs in einem regelrechten Aufruhr von Worten 1896 für die Kunstzeitschrift Pan beschrieben hat, ist ein Geniestreich des Stickers, Bildhauers und Keramikers Hermann Obrist (1863-1927), dessen freimütige Umdeutungen natürlicher Vorbilder die Kunstkonventionen Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Kopf stellte und bei den Rezensenten bebendes Erstaunen hervorrief. Als der kurz nach seiner Entstehung (1895) so euphorisch von der Presse begrüßte Wandbehang mit dem Titel “Alpenveilchen” 1976/77 in der Ausstellung “Kunst und Dekoration 1851-1914 - Ein Dokument deutscher Kunst” auf der Darmstädter Mathildenhöhe gezeigt wurde, war seine Blütezeit längst vorbei. Das eigenwillige Stoffkunstwerk, entworfen von Hermann Obrist, gestickt von Berthe Ruchet und schließlich bekannt geworden unter dem Spitznamen “Peitschenhieb”, gilt als erste abstrakte Textilkunst Deutschlands und als ein wichtiger Wegbereiter für textile Jugendstilkunst. Von Juni bis Oktober 2007 weilte die schwungvolle Seidenstickerei auf Doppelgewebe gastweise in Darmstadt – allerdings in einer Kopie. Der Grund: Der Originalstoff hat nach hundert Jahren emsiger Ausstellungstortour in Fabrikat und Farbe gelitten und muss nun das Depot im Münchner Stadtmuseum hüten, damit er nicht vollends zerfällt. Um ihn jedoch weiterhin auswärts ausstellen zu können – die Nachfrage ist groß bei solch einem wegbereitenden Machwerk - wurde in der Paramentenwerkstatt in Darmstadt eine Replik nach Vorbild des Originals hergestellt. Drei Stickerinnen waren 647 Stunden mit Platt-, Stielstich und Nadelmalerei an dem 1,20 auf 1,84 Meter großen Wandbehang beschäftigt, um die vom Original abgepauste Motivlinie mit über 2.260 Meter Filofloss-Stickseide auf den nach Originalstoffen neu gewebten Grund zu übertragen. Das Stickgarn wurde zweifädig verstickt, im Schnitt zwei Meter pro Stunde und rund 12 bis 16 Meter pro Tag. Das Aufnähen der Werkzeichnung + Aufsticken der Unterlegfäden allein beanspruchte 71 Stunden, die Stickarbeiten beliefen sich auf weitere 554 Stunden. “Es ist die außergewöhnlichste Arbeit bislang in unserer Werkstatt”, sagt deren Leiterin Marie-Luise Frey-Jansen, die zweimal in München war, um dem Original auf den Stich zu kommen. “Wir haben eine Weile gebraucht, um die Kunstfertigkeiten darin aufzuspüren.” Millimeterweise wurde die Kopie anhand von Fotos dem Jugendstil-Original angeglichen. Akademisch könne man die Seidenstickerei nicht nennen, lobt Frey-Jansen den künstlerisch freien Impetus der weitgehend unbekannt gebliebenen Stickerin Berthe Ruchet, die Hermann Obrist vor der Jahrhundertwende im hauseigenen Stickatelier in München mit Aufträgen versorgte. Obrists “Peitschenhieb” bricht in mehrfacher Hinsicht mit den Stickereigewohnheiten, die bis ins 20. Jahrhundert das Nadelkunsthandwerk prägten: Ungewöhnlich sind etwa die experimentellen Abänderungen in der Stichrichtung, die für ein belebendes Changieren der Lichtreflexe auf dem Garn sorgt. Zugleich wird dadurch eine enorme Dynamik in der Linienführung erzeugt, was dem abstrahierten Blütenmotiv assoziative Vielschichtigkeit beschert. Die Natur galt dem Schöpfer kunstvoller Verzierungen stets als Ausgangspunkt für seine gestalterischen Ideen. “Nur drei Dinge giebt es für den schaffenden Geist”, so zitiert 1896 die Zeitschrift Pan Hermann Obrist in dem Artikel von Georg Fuchs: “Hier bin Ich, da ist die Natur, dort der Gegenstand, den ich verzieren soll.” Von den Eltern in seinem juvenilen Beobachtungsdrang gefördert, studierte der gebürtige Schweizer Obrist jahrzehntelang die Formspiele im Tier- und Pflanzenreich, bis er seine Ideen für künstlerische Motive wie schlafwandlerisch – und befreit vom Nachahmungszwang - aus seinem organisch-botanischen Fundus schöpfte. Dass dem Wandbehang Hermann Obrists einst ein Alpenveilchen Modell stand, lässt sich nur erahnen: Denn der Stengel schnellt schwungvoll im rhythmisierten Wellenschlag und die Knospen, im selben Gelbton wie Stiel und Blätter gestickt, sind nur schwer vom Blattwerk zu unterscheiden – so weit treibt der gestalterische Freiheitsdrang seine Blüten. Mit seinen Umdichtungen von Naturformen hat Obrist allerdings bei den nachrückenden Künstlern Schule gemacht: Sowohl der Jugenstil als auch der Expressionismus haben die Freiheit der Dynamisierung und Abstrahierung des Naturvorbilds weiterentwickelt und damit bislang unbekannte Perspektiven auf die Wirklichkeit sichtbar gemacht. Der Jugendstilpionier Obrist sah die bildende Kunst dazu berufen, “das Leben und den Geist in der Natur uns schärfer und klarer zu zeigen, als wir im gewohnten bürgerlichen Leben zu sehen vermögen.” Die Kunst des Verzierens sah er nicht als profanen Schmuck an. Vielmehr solle sie “vorahnend zeigen”, wie sich die Wirklichkeit umgestalten lasse, damit sie leichter erträglich werde. Mit dem Peitschenhieb ist Obrist, nach Meinung des Jugendstilexperten Robert Schmutzler, ein verwandelnder Eingriff in die Realität geglückt. Er schreibt: “Auf der Grenzscheide zwischen Sinnzeichen und Ornament, zwischen abstrakter Dynamik und Repräsentation eines bestimmten Organismus entsteht eine visuelle Metapher für die aufzuckende, sich bäumende Kraft des Lebens selbst.” Bis Oktober wuchs die Kopie des echten Alpenveilchens nun unter der Obhut der Darmstädter Stickerinnen. Danach wurde der Wandbehang in seiner Heimstatt München für die Ausstellungspremiere in Münster zurechtgemacht. “Freiheit der Linie” heißt die Überblicks-Schau im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, die bis 17. Februar der Wirkungsgeschichte Hermann Obrists für die nachfolgenden Kunstrichtungen, Jugendstil und Expressionismus, auf den Grund geht. * | |||
1829 erschien Gottfried Dudens »Bericht über eine Reise nach den westlichen Staaten Nordamerikas«. Dieses Buch bildete eine der großen Ursachen für die Massenauswanderung der Deutschen nach Amerika in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Zwar war das Buch teilweise unrealistisch, aber es fiel auf fruchtbaren Boden. In Deutschland herrschte Aufbruchstimmung, weil das einfache Volk immer mehr verarmte. Am schlimmsten war es wohl um die Arbeiter bestellt, die, ausgebeutet, unterernährt und unterbezahlt, um ihr Existenzminimum rangen. Die hungernden Massen zogen zu tausenden in die Städte, um ihr trostloses Dasein auf dem Lande gegen ein noch erbarmungswürdigeres in den Fabrikhallen zu vertauschen. Der Haß gegen die Fabrikherren, Großgrundbesitzer, Emporkömmlinge und Beamten wuchs im Latenten, aber da sich die darbenden Massen in ihrem Unmut nicht Luft machen konnten, flohen sie aus der Welt ins Sektierertum, in Utopien und in Wunschträume. Märchen und Kolportage-Romane blühten um diese Zeit, aber es gab noch ein realeres Fluchtziel: Amerika.
Begierig griffen die Deutschen nach Büchern, wie sie ein Duden geschrieben hatte, berauschten sich an Abenteuern und Bildern aus der Neuen Welt, versetzten sich auf die Prärien, ins Land der Indianer, ließen sich auf deutschen Bühnen oder in deutschen Romanen den Dollar-Millionär, den »reichen Onkel aus Amerika«, vorgaukeln, verschlangen Berichte über Deutsche, die drüben ihr Glück gemacht hatten. Die wirtschaftlichen Vorteile der Staaten mit ihrem guten Boden und den billigen Farmen, die Propaganda von Schiffahrts- und Eisenbahngesellschaften, Landspekulanten und westlichen Staaten, die die Besiedlung vorantreiben wollten und deutsche Bauern und Handwerker zur Auswanderung veranlaßten - all das trug zur Auswanderung bei. Der Zusammenbruch der deutschen Textilindustrie veranlaßte Fabrikarbeiter zur Emigration; in den vierziger Jahren trieben Dürren und Hungersnöte tausende von Pfälzern zur Emigration. Politische Unruhen ließen Liberale nach Amerika gehen, viele wollten sich der Wehrpflicht entziehen, die harten Mischehengesetze in Bayern trieben manche Paare ins freiere Amerika, der Goldrausch veranlaßte massenhafte Auswanderungen, zweit- und drittgeborene Bauernsöhne, für die in der Alten Welt kein Platz mehr war, Taugenichtse, die im Westen Amerikas ihr Glück suchten, der Polizei lästige und abgeschobene Personen - alle strömten nach Amerika, das für die Deutschen ein ähnliches Ziel wurde wie für ihre mittelalterlichen Vorfahren der Osten.
Vor 1820 stellten die Engländer die größte Zahl der Auswanderer, nach 1830 waren es die Deutschen, über fünf Millionen sind im 19. Jahrhundert dorthin ausgewandert. Viele blieben im Osten, aber die meisten zogen in den Mittelwesten und später in den Westen. Sie folgten der irischen und ungarischen Einwanderungswelle; kulturell und sozial standen sie auf einer höheren Stufe als die Iren.
Die Schwierigkeiten, mit denen sie in der Neuen Welt fertig werden mußten, waren nicht unerheblich. Im Osten war der Arbeitsmarkt bald gespannt. Einwanderfeindliche Strömungen vergällten ihnen das Leben. Manchen gelang es nicht, Fuß zu fassen; aber nur wenige kehrten nach Deutschland zurück. Für die meisten begann doch ein glücklicheres, freieres, weniger tränenreiches Dasein als in ihrer alten Heimat. Was ihnen an Leid erspart wurde, lastete dann umso stärker auf den Ureinwohnern. Die ersten, die dem Druck und dem Ansturm der ansässigen Siedler und der Neuankömmlinge ausgesetzt waren, waren die ursprünglichen Bewohner der östlichen Staaten. Rücksichtslos wurden sie nach Westen getrieben.
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