Ornament-Werden - Weiblichkeit - Frauenarbeit - Sterotypisierung - Textilität - Suriname - Sklaverei - Kotomisi - Plantocrcacy - Repräsentation - Postkolonialismus - Schweiz - Dreieckshandel - Curaçao - Dutch Colonialism - Coolitude - Plantagenökonomie
14.01.2011
Toile de Jouy
Die echte Toile wird sowohl durch das Druckverfahren als auch durch ihr charakteristisches Dessin bestimmt. Oberkampf war in Frankreich der erste, der Kattun mittels gravierter Kupferplatten bedruckte, was - eine genügend feine Oberflächenstruktur des Stoffes vorausgesetzt - es erlaubte, sehr feingliedrige und sehr anspruchsvolle Muster wie etwa detaillierte figurale oder florale Darstellungen zu drucken. Das Dessin der Toile-de-Jouy ist zweifarbig: auf weißen Stoff wird entweder rot - das ist die typische Farbstellung - oder blau gedruckt. Die Motive sind subtile chinoise oder auch pastorale Szenen, die mit zahlreichen feinsten Ranken- und Blütenarrangements verbunden werden. Die Wirkung entspricht etwa der des typischen Chinaporzellans, wo feine blaue (selten rote) Dekore auf weißen Grund aufgebracht werden. Es dürfte, neben der Verwendung der damals modernen Motivthemen, gerade diese Wirkung gewesen sein, die der Toile-de-Jouy ihren durchschlagenden Erfolg verschaffte. Obschon es in Jouy selbst keine Textilindustrie mehr gibt, werden heute zunehmend die Oberkampfschen Dessins wieder aufgelegt und finden Eingang sowohl in die Oberbekleidung als auch in die (Raum-)Dekoration.
Toile de jouy originated in France in the 1700’s and literally means “cloth from Jouy-en-Josas,” a town in north-central France.
This type of monochromatic pictorial cotton, toile de Jouy, takes its name from the village near Versailles where the first printed textile factory in France was founded. Started by Christophe-Philippe Oberkampf (1738–1815), who had been brought up in the textile industry, the factory began work in 1760. Located in Jouy-en-Josas near the court, it attracted an affluent clientele that appreciated the quality of Oberkampf's fabrics.
Printed multicolored patterns on cloth were achieved at first by use of carved wood blocks. By the 1770s, reproductions of finely drawn engravings of pictorial prints and floral and geometric patterns were made possible through copperplate and cylinder printing. Copperplate printing allowed for designs with a larger repeating pattern than that of block prints, although only in a single color; cylinder or roller printing soon provided the advantage of greatly increased production, although with a narrower repeat on the cloth. Oberkampf introduced these techniques into France and they were adopted by other manufacturing centers such as Mulhouse and Nantes.
Patterns for printing on cotton were created by draftsmen in the early days at the Jouy factory. But in 1783, the year in which Oberkampf acquired the royal license, he employed a Parisian painter, Jean-Baptiste Huet. Responding to general interest in Egyptian civilization stimulated by Bonaparte's expedition, Huet designed this pattern, Les monuments d'Égypte, in maroon on white cotton. Alternating scenes of Alexandria's harbor with the Maison Consulaire de France, the obelisk of Cleopatra with the ruins of the library, the obelisk de la Matharée with the waters of the Nile, and interpretations of other temples and sculpture are interspersed with figures and camels, all dispersed against a latticed ground punctuated by stylized lotus flowers. The motifs (printed in reverse) are derived from eight engravings after drawings by the painter and traveler Louis-François Cassas. The engravings come from a series of 330 by Cassas and published in Gabriel de La Porte du Theil's Voyage pittoresque de la Syrie, de la Phoenicie, de la Palaestine et de la Basse Aegypte (1799).
Source: Jean-Baptiste Huet after a drawing by Louis-François Cassas: Toile de Jouy: Les monuments d'Egypte (X.404) | Heilbrunn Timeline of Art History | The Metropolitan Museum of Art
chinesisch
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Toile de Jouy
Madras Handkerchiefs
Für Ghana; Keta Cloth, Keta, Opobo. Baumwollgewebe in Leinenbindung, H 260 B 86 cm; 1920 - 30
Für Sierra Leone; Handkerchief "Freetown Fancy", Opobo. Baumwollgewebe in Leinenbindung, H 94 B 92 cm; 1924 - 28
Für Sierra Leone; Handkerchief "Freetown Fancy", Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 89 B 89 cm; 1924 - 28
Für Ghana; Handkerchief . Gewebe in Leinenbindung, Baumwolle und Kunstseide, H 88 B 92 cm; 1920 - 29
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, Seitenlänge 93 cm
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H89 B 90 cm
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 82 B 89 cm; 1924-1928
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 97 B 93 cm; 1924 - 1928
Für Nigeria; Handkerchief, Warri. Kunstseidengewebe in Leinenbindung, H 82 B 89 cm; 1920-29
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 94 B 91 cm; 1924 - 1928
Für Sierra Leone; Handkerchief "Freetown Fancy", Opobo. Baumwollgewebe in Leinenbindung, H 94 B 92 cm; 1924 - 28
Für Sierra Leone; Handkerchief "Freetown Fancy", Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 89 B 89 cm; 1924 - 28
Für Ghana; Handkerchief . Gewebe in Leinenbindung, Baumwolle und Kunstseide, H 88 B 92 cm; 1920 - 29
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, Seitenlänge 93 cm
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H89 B 90 cm
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 82 B 89 cm; 1924-1928
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 97 B 93 cm; 1924 - 1928
Für Nigeria; Handkerchief, Warri. Kunstseidengewebe in Leinenbindung, H 82 B 89 cm; 1920-29
Für Nigeria; Handkerchief, Opobo. Baumwollgewegebe in Leinenbindung, H 94 B 91 cm; 1924 - 1928
Heimarbeit 19. Jahrhundert
aus: Paul Suter, Die letzten Heimposamenter, Kanton Basel-Landschaft; Schweizer Gesellschaft für Volkskunde 1978
Das Basler Musterbuch um1800
Stoffdruck in Basel um 1800
Das Stoffmusterbuch der Handelsfirma Christoph Burckhardt & Comp.
Das Stoffmusterbuch der Handelsfirma Christoph Burckhardt & Comp.
Magret Ribbert, Hrsg: Baumann & Cie Banquiers

Abb 8. geometrische Muster in Rot- und Brauntönen, um 1800
bei dem oberen Andruck sind deutlich die Aussparungen für den Rapport des Musters zu erkennen
Abb 19 und 20: Kolorierter Kupferstich aus dem "Journal des Luxus und der Moden" von 1799; ein Kleid aus bedruckter Baumwolle mit Streublumenmuster (Hist. Museum Basel);
Muster mit Streublumen aus dem Musterbuch
Abb 4: Seite des Musterbuches der Firma Christoph Burckhardt & Comp. mit Andrucken auf Papier
Abb 5 bis 7. Bedruckte Baumwollstoffe
Abb 12 und 13. Entwurf und Musterblatt, um 1800; Basel, Historisches Museum Basel, Inv.- Nr. 1930.733

mehrere Andrucke auf Papier mit schwarzweissen Mustern, sie sie in der Zeit der Trauer getragen wurden
Abb 9: Futterstoff aus bedrucker Baumwolle eines seidenen bestickten Damenrockes, Mitte des 18. Jahrhunderts;
Abb 10: Gedruckte Anleitungsbücher zum Stoffdruck und handschriftlichen Aufzeichnungen mit eingeklebten Stoffproben; Ende 1800 Jahrhundert
Abb10: Holzmodell für den Stoffdruck, meist für Rankenmuster; Holz, teilweise mit Metallstiften, um 1800;
Zwei Entwürfe für Foulards aus der Firma Christoph Burckhardt & Comp.; um 1800; Historisches Museum Basel, Inv.-Nr 1930.733
Die verschiedenen Mustertypen
Das Musterbuch zeigt mit seinen fast 500 Mustern ein reiches Spektrum, mit dem man auf Vorlieben, unterschiedliche Verwendungszwecke und finanzielle Möglichkeiten der Besteller eingehen konnte. Die Kosten eines Stoffes hingen im wesentlichen von der Anzahl der verwendeten Farben und damit der notwendigen Druckmodel und Arbeitsgänge ab. Die preiswertesten Stoffe waren die «Surates,>, die nur mit einer Farbe, meist rot oder violett, bedruckt waren. Die ebenfalls nach einer indischen Stadt als "Patenas» benannten Stoffe wurden nur in zwei Farben, meist rot und schwarz, gedruckt (Abb. 8) Mit kleinen, oft geometrischen Mustern versehen, dienten sie häufig als Futterstoffe. Im Innern von Kleidungsstücken haben sich gelegentlich solche Stoffe erhalten, wie etwa in einem rotseidenen, bunt bestickten Rock aus der Mitte des lhrhunderts (Abb. 9) in der Sammlung des Historischen Museums Basel. Die aufwendig mit vielen en gedruckten Muster, meist mit Blumendarstelen, wurden als "Calanca" bezeichnet und stellten die kostbarste Form bedruckter Stoffe dar (Abb. 16, 23).
In den Benennungen nach indischen Städten (Patna, Surat) wie auch in der in Basel üblichen Bezeichnung "Indiennes", lebte der indische Ursprung der bdruckten Baumwollstoffe deutlich weiter. Gleichzeitig existieren in anderen Regionen auch andere Namen wie "Calico" und "Musselin", dazu noch "Chintz" als spezieller Begriff für die einseitig gewachsten Stoffe. Daneben enstehen Bezeichnungen, die sich nach formalen Eigenschaften richten wie bei den sog. Miniatures, sehr kleinformatigen gemusterten Stoffen (Abb. 7), die sich vor allem als Futterstoffe erhalten haben, Man findet sie im Innern seidener Kleider, als Ausfütterung von Hauben oder bei Puppenkleidern oder -zubehär. Vielfach handelt es sich um Wiederverwendungen bereits gebrauchter Stoffe; denn gerade bei kleinformatigen Kleidungsstücken wie Kinder- oder Puppenkleidung konnten Stoffe ein weiteres Mal gebraucht werden. Bei diesen Verwendungen zeigt sich, wie kostbar selbst so kleine Reststücke bedruckten Stoffes noch waren. Die Muster sind in ihrem Charakter sehr verschieden; einige beziehen ihren Reiz aus der Strenge und der Wiederholung immer gleicher Motive, andere hingegen _ vor allem die Rankenmuster - leben durch das anscheinend unregelmässige und natürliche Wachstum. Doch verbirgt sich dahinter eine feste Ordnung, die lediglich durch einen grässeren Rapport und eine geschickte Aneinanderfügung der Druckmodel überspielt wird.
Heutigen Betrachtern ausserordentlich modern erscheinen die Stoffmuster auf dunklem Grund, die in recht grosser Anzahl im Musterbuch vertreten sind (Abb. 17). Sie wiederholen meist sehr kleine Rapporte mit streng stilisierten, kaum noch gegenständlichen Motiven. Viele von diesen Mustern imitieren Stoffe in Kettdruck- oder Chinetechnik. Bei dieser Technik wird das Muster auf die im Webstuhl gespannten Kettfäden gedruckt, und erst danach wird der Schussfaden eingewebt. Dadurch verschiebt sich das aufgedruckte Muster leicht, die Konturen erscheinen verwischt und der angestrebte, aquarellhafte Eindruck des Musters entsteht. Diese aufwendig zu erreichende Besonderheit, bei der Druck- und Webtechnik zusammenwirken, wird bei den gedruckten Stoffen imitiert, indem einzelne Motive mit gezackten Endungen versehen sind. Der Rapport ist bei diesen Mustern jeweils sehr gering. Sie beziehen ihren Reiz aus den starken farblichen Kontrasten und der Strenge des immer gleichen Motivs.
oder bei Puppenkleidern oder -zubehär. Vielfach handelt es sich um Wiederverwendungen bereits gebrauchter Stoffe; denn gerade bei kleinformatigen Kleidungsstücken wie Kinder- oder Puppenkleidung konnten Stoffe ein weiteres Mal gebraucht werden. Bei diesen Verwendungen zeigt sich, wie kostbar selbst so kleine Reststücke bedruckten Stoffes noch waren. Die Muster sind in ihrem Charakter sehr verschieden; einige beziehen ihren Reiz aus der Strenge und der Wiederholung immer gleicher Motive, andere hingegen _ vor allem die Rankenmuster - leben durch das anscheinend unregelmässige und natürliche Wachstum. Doch verbirgt sich dahinter eine feste Ordnung, die lediglich durch einen grässeren Rapport und eine geschickte Aneinanderfügung der Druckmodel überspielt wird.
Heutigen Betrachtern ausserordentlich modern erscheinen die Stoffmuster auf dunklem Grund, die in recht grosser Anzahl im Musterbuch vertreten sind (Abb. 17). Sie wiederholen meist sehr kleine Rapporte mit streng stilisierten, kaum noch gegenständlichen Motiven. Viele von diesen Mustern imitieren Stoffe in Kettdruck- oder Chinetechnik. Bei dieser Technik wird das Muster auf die im Webstuhl gespannten Kettfäden gedruckt, und erst danach wird der Schussfaden eingewebt. Dadurch verschiebt sich das aufgedruckte Muster leicht, die Konturen erscheinen verwischt und der angestrebte, aquarellhafte Eindruck des Musters entsteht. Diese aufwendig zu erreichende Besonderheit, bei der Druck- und Webtechnik zusammenwirken, wird bei den gedruckten Stoffen imitiert, indem einzelne Motive mit gezackten Endungen versehen sind. Der Rapport ist bei diesen Mustern jeweils sehr gering. Sie beziehen ihren Reiz aus den starken farblichen Kontrasten und der Strenge des immer gleichen Motivs.
bild bestimmen. Sie sind einerseits von den indischen Stoffdrucken mit ihren stark stilisierenden Tendenzen beeinflusst, und zum anderen stehen sie in der Tradition der Rankenmuster, wie sie auf den kostbaren französischen Seidenstoffen des 18. Jahrhunderts zu finden sind.
Bei den zahlreichen flächenfüllenden Rankenmu· stern (Abb. 16, 18, 23) erscheinen die Blüten oft in direk-
, ter Aufsicht oder in reiner Profilansicht; seltener sind Dreiviertelansichten mit ihrer räumlichen Wirkung. Die Illusion von Raum, sehr geläufig bei französischen Seidenstoffen des dritten Viertels des 18. Jahrhunderts, wurde beim Basler Stoffdruck nicht angestrebt und ist nur in Ausnahmefällen zu finden. Meist handelt es sich um ganz an die Fläche gebundene Muster - textiles Gestalten erscheint hier als eine reine Flächenkunst. Nur wenige Pflanzen lassen sich botanisch bestimmen, zu stark ist ihre Stilisierung. Rosen sind in einigen Fällen eindeutig gekennzeichnet, bei anderen Blüten handelt es sich offensichtlich um Phantasieblumen. Die Blüten sind ausgeglichen in den Grössenverhältnissen zueinander; extreme Grössenunterschiede, wie sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auftreten, sind kaum noch zu finden. Doch gibt es Rankenmuster, die in ihrer Üppigkeit eindeutig noch in der älteren Tradition (Abb. 23, oben) stehen neben solchen, die der moderneren Auffassung entsprechen. In ihrer Zartgliedrigkeit und der grossen Bedeutung des freien Grundes spiegeln sie die auf Leichtigkeit und Feinheit ausgerichteten Prinzipien klassizistischer Kunst wider (Abb. 23, unten).
Sehr häufig und in insgesamt 178 Variationen vorhanden sind im Musterbuch Streifenstoffe, wie sie seit der Zeit um 1770 stetig an Bedeutung gewonnen hatten. Die Gliederung durch senkrecht angeordnete Muster und Streifen, bereichert durch locker eingestreute B~uquets oder Ranken und die meist helle, sehr freundliche Farbigkeit bei einer kleinteiligen Gesamterscheinung entsprechen ganz den Gestaltungskriterien und Vorlieben des Klassizismus (Abb. 4, 14, 16). Der Grund kann in seltenen Fällen auch rot oder gar schwarz sein, wodurch die Farben in ihrer Leuchtkraft noch merklich gesteigert werden (s. Titelbild). Stoffe dieser Art finden sich sehr häufig bei Damenkleidern verwendet; ihre starke Betonung der Senkrechten unterstreicht noch die am Ende des 18. Jahrhunderts angestrebte schlanke Silhouette.
Charakteristisch in ihrer Erscheinung und festgelegt in ihrer Verwendung sind Stoffe, die während der Trauer getragen wurden: weiss belassene Motive auf schwarzem Grund oder schwarze Motive auf weisser Fläche, die im Musterbuch in 23 verschiedenen Formvarianten erscheinen, als Ranken-, Streifen- oder Streublumenmuster (Abb. 18).
Mit kleinen Motiven, oft Streublümchen oder -bouquets auf hellem Grund, gemusterte Stoffe entsprechen der Damenmode des frühen 19. Jahrhunderts. Weiss war Modefarbe dieser Zeit, und selbst wenn Kleider nicht immer völlig weiss waren, so war doch der helle Grund vorherrschend und bestimmte den Gesamteindruck. Das Bestehen der Firma Christoph Burckhardt & Comp. deckt sich ungefähr mit einer kurzen Zeitspanne um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, in der Seide vorübergehend ausser Mode geriet und man stattdessen Baumwollgewebe bevorzugte. Kleider aus leichten, weich fliessenden Baumwollstoffen, die Figur der Trägerin mehr umspielend denn verhüllend, waren in Mode, wie die Illustration in einem zeitgenössischen Modejournal zeigt (Abb. 19). Schlichtheit und Bescheidenheit kennzeichnen dabei sowohl die Gesamterscheinung der Kleidung wie auch den Charakter der dazu verwendeten Stoffe. Da die Kleider zudem oft nur mit sehr kurzen Oberteilen kombiniert wurden, also nicht besonders wärmten, führte man Erkältungen aller Art auf diese leichte Kleidung zurück und bezeichnete sie spöttisch als «Musselinkrankheiten».
Doch nicht nur die von Paris bestimmte städtische Mode, auch die ländliche Tracht bediente sich der bedruckten Baumwollstoffe. So überliefert Joseph Reinhardts berühmte Trachtenfolge von 1787-97 im Bernischen Historischen Museum einige Schweizer Trachten, bei denen Baumwollstoffe in der Art, wie sie im Musterbuch vorkommen, vor allem bei den Schürzen der Frauen Anwendung finden.
Die riesige Vielfalt der Muster erstaunt, macht sie doch eine entsprechend grosse, die Zahl der Muster noch mehrfach übertreffende Anzahl von Druckmodeln notwendig, die hergestellt und gelagert sein mussten. So zahlreich die Muster und so vielfältig die einzelnen Typen, so stellt doch dieses Musterbuch nicht das gesamte Warenangebot der Firma dar. Die im
Musterbuch enthaltenen Andrucke beziehen sich ausnahmslos auf Meterware für Kleidersroffe, die in sehr langen Bahnen bedruckt und gehandelt wurden. Aus dem Besitz der Firma Burckhardt & Comp. gelangten bereits 1930, zahlreiche Entwürfe für quadratische Tücher und mit grösseren Motiven gemusterte Dekorationsstoffe in das Historische Museum, die zeigen, dass die Firma auch mit anderen Baumwollwaren handelte. Vor allem die farbig bedruckten Tücher scheinen eine grosse Bedeutung gehabt zu haben; neben den Entwürfen zeugen davon auch die in den Inventarlisten genannten umfangreichen Bestände in den verschiedenen Lagern der Firma. Taschentücher (<<mouchoirs») sind oft in schlichten, rein geometrischen Mustern und mit nur wenigen Farben gestaltet. Die Entwürfe für Halstücher unterscheiden sich deutlich von diesen und von solchen für Meterware: sie sind sehr viel aufwendiger in den Mustern und enthalten gelegentlich auch figürliche Bestandteile. Sie nutzen mit ihren aufwendigen Ecklösungen deutlich die Möglichkeiten, die ein klar definiertes, rechteckiges Stoffstück gegenüber «unendlicher» Meterware bietet (Abb. 21, 22). Einige dieser sehr qualitätvollen Entwürfe tragen die handschriftlich aufgezeichneten Initialen CBC für Christoph Burckhardt & Comp. Selbst wenn der Druck ausserhalb Basels geschah, sind die Entwürfe doch eng an die Firma gebunden. So tragen die Papiere der Entwürfe in vielen Fällen die gleichen Wasserzeichen wie die in Basel geschriebenen Inventarbücher des Segerhofs, wie etwa jene der Papiermühle von Hieronymus Blum in Basel.
Kunsthistorische Einordnung der Stoffmuster
Die in dem Burckhardtschen Musterbuch versammelten Stoffentwürfe gleichen weniger den Erzeugnissen anderer Schweizer Stoffdruckzentren wie Neuchatel oder Genf, sondern sehr viel mehr denen der Druckereien im Elsass; Mulhouse und Logelbach bei Co 1m ar sind die Zentren mit den nächstverwandten Erzeugnissen.2l Das erklärt sich unter anderem durch die politische Situation, denn bis 1798 war Mulhouse der Eidgenossenschaft politisch verbunden, so dass auch enge wirtschaftliche Beziehungen gepflegt werden konnten. Die Firma Christoph Burckhardt & Comp. war an einigen Stoff druckereien in Mulhouse beteiligt, bezog also ihre Handelsware zu einem Teil aus dieser Quelle. Zum anderen ist manche Ähnlichkeit auch bedingt durch die Beschäftigung elsässischer Indiennearbeiter, die gelegentlich im Zusammenhang mit Basler Unternehmen in den Akten erscheinen. So verschwimmen die Grenzen zwischen diesen beiden Zentren des Textildruckes durch eine vielfache Verzahnung in den Geschäftsbeziehungen. In dem Musterbuch mögen daher Stoffmuster verschiedener Herkunft versammelt sein, die entweder in Basel oder in Mulhouse oder anderen Zentren des Elsass gedruckt wurden. Es eint sie dennoch ein gemeinsamer Stil, der durch die enge Verflechtung Basels mit dem Elsass, aber sicherlich auch durch einen auswählenden Firmenbesitzer erreicht wurde, dessen persönlicher Geschmack und dessen Vorstellung von Absetzbarkeit eine vereinheitlichende WirKung auf das Warenangebot hatten. Deutlich spürbar ist die Prägung durch das benachbarte Stoffdruckzentrum im Elsass, auch wenn nicht alle Muster an die überragende Qualität von Stoffen aus Mulhouse oder Logelbach heranreichen. Das hier vorgestellte Musterbuch vermittelt mit seinen zahlreichen Mustern eine genauere Vorstellung vom Stoffdruck in Basel um I800. Die hohe künstlerische Qualität und die stilistische Nähe zu den elsässischen Erzeugnissen sind zwei seiner auffallendsten Kennzeichen.
13.01.2011
Färbepflanzen
In Meyers Konversationslexikon um 1900 sind die damals gängigen Farbpflanzen abgebildet. Zu einem Teil handelt es sich um Pflanzen und um Farbhölzer aus den Kolonien , die sich gut für die Baumwollfärberei und den Baumwolldruck (Kattundruck) eignen.
Es handelt sich dabei um folgene Färbepflanzen mit iher Herkunft und Färbung
1. Caesalpine echinata, Rotholzbaum, Südamerika, rot
2. Rubia tinctorum, Krapp, Europa, Südwest-Asien, krapprot
3. Acacia catechu, Katechu-Akazie, Indien, braun
4. Indigofera tinctoria, Indigopflanze, Indien, blau
5. Haematoxylon campechianum, Blauholzbaum, Mexiko, blauviolett
6. Bixa orellana, Orlean, Südamerika, gelborange
7. Carthamus tinctorius, Saflor, Mittelmeerraum, Asien, gelb, rosa
8. Reseda luteola, Wau, Europa, gelb
9. Istatis tinctoria, Waid, Europa, blau
10.Quercus tinctoria velutina, Färbereiche, Nordamerika, gelb
11. Garcinia hanburyi, Gummiguttbaum, Ostindien, Ostasien, braun
12. Roccella tinctoria, Orseilleflechte, Kap Verde, Kanarische Inseln, Madeira, Azoren und der Westküste Südamerika, rot- bis blauviolett
Es handelt sich dabei um folgene Färbepflanzen mit iher Herkunft und Färbung
1. Caesalpine echinata, Rotholzbaum, Südamerika, rot
2. Rubia tinctorum, Krapp, Europa, Südwest-Asien, krapprot
3. Acacia catechu, Katechu-Akazie, Indien, braun
4. Indigofera tinctoria, Indigopflanze, Indien, blau
5. Haematoxylon campechianum, Blauholzbaum, Mexiko, blauviolett
6. Bixa orellana, Orlean, Südamerika, gelborange
7. Carthamus tinctorius, Saflor, Mittelmeerraum, Asien, gelb, rosa
8. Reseda luteola, Wau, Europa, gelb
9. Istatis tinctoria, Waid, Europa, blau
10.Quercus tinctoria velutina, Färbereiche, Nordamerika, gelb
11. Garcinia hanburyi, Gummiguttbaum, Ostindien, Ostasien, braun
12. Roccella tinctoria, Orseilleflechte, Kap Verde, Kanarische Inseln, Madeira, Azoren und der Westküste Südamerika, rot- bis blauviolett
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10.01.2011
Kara Walker: The Emancipation Approximation
Wie schwarz darf Humor sein?
Kara Walker und der schamlose Umgang mit rassistischen Mythen
The Signifying Artist
"All God's Chillen Had Wings", eine Geschichte aus dem Repertoire afroamerikanischer folktales, erzählt von einem alten Sklaven, der seinen Leidensgenossen mit ein paar geheimnisvollen Worten an eine lang vergessene Fähigkeit erinnert: Sie können fliegen! Bevor der Aufseher, der die Worte nicht entschlüsseln kann, reagiert, entkommen die Sklaven einer nach dem anderen ihrer Gefangenschaft. Der Erzähler selber kennt das Geheimnis nicht, doch er weiß von einem, der dabei war, als das alles passierte: "Er ist ein alter, alter Mann, mehr als neunzig Jahre alt, und er erinnert sich an eine Menge seltsamer Dinge."
Kara Walker zitiert diese Geschichte: Auch bei ihr heben die Sklaven vom Boden ab; eine Mutter befreit ihr Kind von den Fesseln und lässt es entschweben.
Doch sieht das Kind nicht auch geworfen aus, verlassen? Im nächsten Bild lässt eine Sklavin den abgeschlagenen Kopf einer anderen in einen Teich fallen. "Schwarze" Frauen wirbeln durch die Luft, doch sie sind in sexuellen Verschlingungen mit Schwänen gefangen; vom Boden schaut ein "weißer" Mann mit umgehängten Gewehr zum Himmel auf, in der Hand einen erlegten Schwan. Die Szenen bleiben ambivalent und unabgeschlossen; sie täuschen eine narrative Kohärenz vor, die sofort verschwimmt, sobald der Blick sie bannen will.
Die Bilder ragen weit in Mythologien hinein und erscheinen trotz der schamlosen Eindeutigkeiten verrätselt. Beinahe könnte man den Blick an der ornamentalen Schönheit der Formen abgleiten lassen. Man kann die fehlenden Hinweise aber auch als Aufforderung verstehen, Fragen unbeantwortet mit sich zu nehmen. Denn Walker zitiert nicht nur die Motive der folktale, sondern auch das Ineinanderfallen von Humor und tiefer Ernsthaftigkeit und vor allem die lebenskluge Unbestimmtheit, die das Ende offen hält. Genauso wie der Erzähler der folktale hat sie nicht selbst erlebt, was sie berichtet. Doch wer kann behaupten, dass seine Interpretation die richtige ist?
Dieselbe Offenheit, dieselbe Ambivalenz sind in den Trickster-Geschichten, die Walkers Arbeiten informieren, angelegt.
Die Figur des verschlagenen B'rer Rabbit (ein Vorläufer von Bugs Bunny), die in The Emancipation Approximation auftritt, ist zwar ein Sympathieträger, aber alles anderes als ein Held: von Selbstsucht getrieben, steht er eher außerhalb der Gemeinschaft, als dass er zum positiven Rollenmodell taugte. Er lässt sich nicht fassen - nicht von B'rer Fox und nicht von eindeutigen Interpretationen. Der Trickster (im dt. etwa: der Listige) ist ein diskursiver Grenzgänger, der weiß, dass Worte vieldeutig sind und deshalb nie das meint, was er sagt. So überlistet der Signifying Monkey den Löwen, der ihn "beim Wort" nimmt. Die Geschichten vom Signifying Monkey existieren ihrerseits nicht als festgeschriebene Text, sondern als ein Korpus immer neuer Variationen eines Grundthemas: Die Tradition schwarzer Texte entsteht in Wiederholungen mit einer alles entscheidenden Differenz. (Hier eine harmlose Version, hier eine verschärfte.)
Notabene 1: Die Geschichten von B'rer Rabbit und B'rer Fox, zentraler Bestandteil afroamerikanischer Literatur, wurden erstmals vom weißen Südstaatler Joel Chandler Harris niedergeschrieben, der sie in einer Rahmengeschichte von einem stereotypischen "guten Neger" namens Uncle Remus einem neugierigen weißen Jungen erzählen lässt. (Eine Version von B'rer Rabbit and the Tar Baby im schwersten Südstaaten-Slang können Sie hier lesen, diese ist dagegen mehr für Nordstaatler.)
Notabene 2: Es gab im 19. Jahrhundert auch eine schwarze Variante der Minstrel-Show. Die Ensemble schwarzer blackface-Performer stellten die erste Auftrittsmöglichkeit für schwarze Musiker dar und wurden so zu der begründenden Institution für eine professionelle schwarze Musikkultur. Ohne Minstrel-Show kein Jazz - kann es ein besseres Beispiel für die komplexen Vorgänge von kultureller Aneignung und Re-Aneignung geben, die jeder klinischen Vorstellung von Kultur den Boden unter den Füßen wegziehen? Oder ein besseres Beispiel für die ironische Aneignung einer rassistischen Praxis?
Notabene 3: Der Signifying Monkey ist selber die Verkörperung eines ironischen, umwertenden Spiels mit rassistischen Vorstellungen von schwarzen Menschen als Affen.
Kara Walker ist der Trickster als Künstlerin: Ihr Spiel ist gewitzt und subversiv, aber niemals anarchisch. Die Bedeutungen werden gedreht und gewendet, bis sie den Erfordernissen der Gegenwart entsprechen. Der Name der Serie - The Emancipation Approximation - investiert in den Titel des Dokuments, das 1862 die Sklaverei in den USA offiziell beendete: die Emancipation Proclamation. "Erklärung" ist durch "Annäherung" ersetzt - die Befreiung wird angedeutet, aber am Ende liegen die Köpfe der Sklavinnen am Boden. Und doch ist es eine schwarze Frau, die in Gedanken versunken auf Baumstumpf gestützt ist, an dem die Axt lehnt. Die Titel anderer Arbeiten - wie etwa Gone: An Historical Romance of Civil War As it Occurred Between the Dusky Thighs of Young Negress and Her Heart von 1994 - imitieren präzise den "gebildeten" Sprachgestus des 19. Jahrhunderts, der den Ton der slave narrative vorgab - ohne die sexuellen Innuendos. Walker schlüpft in die Rolle der Zeugenschaft ablegenden Sklavin und hält sich dabei eine blackface-Maske vor das Gesicht, um mit beiden Figuren zu spielen; sie wiederholt die Konventionen der Genres, doch mit der entscheidenden Differenz der Ironie.
Der Scherenschnitt, scheinbar ungeeignet für komplexe Aussagen, erweist sich auf den zweiten Blick als ideal für ihre Zwecke. Er stellt auf ein historisches Thema ein und wirkt dabei überholt, populistisch und sentimental. Umso wirkungsvoller ist das Spiel mit der Antiquiertheit - die scharfen Silhouetten und leeren Flächen sind auf einzigartige Weise zugleich reduktiv und suggestiv. Der Scherenschnitt muss so sehr überzeichnen, dass er die Möglichkeit der Karikatur immer schon mitliefert - ein angstbesetztes, nostalgisches Medium, geprägt von der, so Walker, "kraftlosen Leugnung unreiner Gedanken". Nostalgisch ist nicht nur die weiße Sehnsucht nach einem Amerika romantischer Sklaverei, sondern auch die konservative Sehnsucht nach einem homogenen schwarzen Subjekt - beide sind gebündelt in schwarzen Idealtypen.
Dabei erweist sich Kara Walker, indem sie einem Trickster gleich die "unreinen Gedanken" entblößt, diskursive Demarkationen ignoriert und die als "positiv" und "negativ" kanonisierten kulturellen Texte wieder ins Spiel wirft, als wahre schwarze Traditionalistin. Denn die Tradition, die sie mit ihren Dramen in blackface/whiteface tatsächlich beerbt, ist die der afroamerikanischen mündlichen Sprachkultur, deren Mentor die Figur des Tricksters ist, der weiß, dass jedes Schreiben ein Lesen anderer Texte ist. Tradition in diesem Sinne ist eben nicht gleichbedeutend mit Konservierung, und blackness etwas anderes als eine "rassische" Essenz.
Karsten Kredel
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Geschichte Indiennes
Bäuerliche Barockstoffe
Im 16. und 17. Jahrhundert tritt der Zeugdruck stark zurück gegenüber der Seidenweberei. Es war das Zeitalter des Großhandels in den verschiedenen Ländern, und dieser Handel überschwemmte nun ganz Europa mit den kostbaren Seidenstoffen des Südens, so daß der Bedarf an «Ersatzstoffen» zurückging. Bedruckte Stoffe wurden in der Hauptsache noch in kleineren ländlichen Werkstätten und wahrscheinlich Klöstern für den dortigen, gar nicht luxuriösen Bedarf hergestellt. Hier trat an die Stelle der Seide die billigere und leichter waschbare einheimische Leinwand. Und an die Stelle der reichen Farbigkeit städtischer Textilien trat das herbe Schwarz, gelegentlich durch spärliches Rot aufgehellt. Als Druckformen dienten stempelartige Holzmodel oder-etwa für religiöse Darstellungen - größere Holzblöcke. Man bedruckte vo~ allem Kelchdecken, Altar-Antependien, besonders häufig auch Sargtücher-I,I. dgl.
Im 16. und 17. Jahrhundert tritt der Zeugdruck stark zurück gegenüber der Seidenweberei. Es war das Zeitalter des Großhandels in den verschiedenen Ländern, und dieser Handel überschwemmte nun ganz Europa mit den kostbaren Seidenstoffen des Südens, so daß der Bedarf an «Ersatzstoffen» zurückging. Bedruckte Stoffe wurden in der Hauptsache noch in kleineren ländlichen Werkstätten und wahrscheinlich Klöstern für den dortigen, gar nicht luxuriösen Bedarf hergestellt. Hier trat an die Stelle der Seide die billigere und leichter waschbare einheimische Leinwand. Und an die Stelle der reichen Farbigkeit städtischer Textilien trat das herbe Schwarz, gelegentlich durch spärliches Rot aufgehellt. Als Druckformen dienten stempelartige Holzmodel oder-etwa für religiöse Darstellungen - größere Holzblöcke. Man bedruckte vo~ allem Kelchdecken, Altar-Antependien, besonders häufig auch Sargtücher-I,I. dgl.
09.01.2011
Schweizer Textilgeschichte
Textilien in der Schweiz: Ursprung und Entwicklung
Die Textilindustrie spielte in der Geschichte der Schweiz eine entscheidende Rolle. Bis ins i9. Jahrhundert trug keine andere Produktion mehr zu ihrem Reichtum bei. Sie etabliert sich in organisierten Strukturen, lange bevor man sich bemüht, zwischen Volkskunst und gebildeter Kunst zu unterscheiden. Es handelt sich übrigens dabei gar nicht um Kunst, sondern um die Herstellung von einfachen Stoffen, von Woll-, Hanf- und Leinentuch.
Die Textilindustrie spielte in der Geschichte der Schweiz eine entscheidende Rolle. Bis ins i9. Jahrhundert trug keine andere Produktion mehr zu ihrem Reichtum bei. Sie etabliert sich in organisierten Strukturen, lange bevor man sich bemüht, zwischen Volkskunst und gebildeter Kunst zu unterscheiden. Es handelt sich übrigens dabei gar nicht um Kunst, sondern um die Herstellung von einfachen Stoffen, von Woll-, Hanf- und Leinentuch.
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08.01.2011
Textilindustrie: Glarus
Textilindustrie, «glarnerisches Wirtschaftswunder» Um 1740 hält mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei in Glarus die Fabrikindustrie Einzug ins Tal. Der Stoffdruck führt dazu, dass die Handweberei von Baumwolltüchern aufgenommen und der Handel immer wichtiger wird. Glarner Handelshäuser errichten Niederlassungen in verschiedensten Städten Europas und beziehen alle Arten von Gütern in ihren Tätigkeitsbereich mit ein. Der Glarner Grosshandel muss den Vergleich mit demjenigen von Genf, Basel, Winterthur oder St.Gallen keineswegs scheuen.
Der Blüte folgt erneut der Niedergang. Die Handspinner erleiden wegen der billigen englischen Maschinengarne nach 1780 massive Lohneinbussen. Sie müssen ihre Tätigkeit, nach dem auch hierzulande die Maschinenspinnerei eingeführt wird, als unrentabel aufgeben. Schlimm wirken sich zudem die Revolutionswirren aus. Sie bringen Untergang der alten Ordnung, Krieg, Besetzung, unsägliche Armut, Hunger, Elend, Seuchen: zwingen zur Auswanderung. Nach den Friedensschlüssen und Jahren der Missernten geht es ab Ende der 1810er-Jahre rasch wieder besser, zumal genügend Wasser als Antriebskraft oder zum Auswaschen gefärbter und bedruckter Tücher vorhanden ist.
Doch als um 1840 auch der mechanische Webstuhl seinen Siegeszug antritt, entzieht das Fabriksystem mit der modernen Technik den Heimwebern die Existenz. Es kommt zu einer Auswanderungswelle, die viele Glarner und Glarnerinnen nach den beiden Amerikas treibt. Allein 1845 wandern Hunderte aus. In den Jahren 1845 bis 1854 verlässt jede zwölfte Person das Glarnerland, in einzelnen Gemeinden gar jede vierte. 193 von ihnen brechen unter Aufsicht eines «Auswanderungsvereins» zum Staate Wisconsin in Nordamerika auf, wo 108 eintreffen. Sie bebauen das vorher erworbene Land und nennen ihre Siedlung «New Glarus», zu der noch heute enge Beziehungen bestehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begünstigt das englische Freihandelssystem die wirtschaftlichen Tätigkeiten, die das «glarnerische Wirtschaftswunder» bewirken. Die Produkte der Textilindustrie und vor allem des Zeugdrucks erlangen dank ausgezeichneter Qualität und intensiver, Kundenbedürfnisse wahrnehmender Marktforschung Weltgeltung und erreichen mittels eigener Schiffe und weit verzweigten Netzes glarnerischer Handelsniederlassungen jeden Winkel der Erde; es wird das Wort geprägt, man treffe auf jedem Handelsplatz der Erde nebst einem Juden einen Glarner.
Während der Blütezeit um 1865 arbeiten in den 22 Druckereien etwa 6000 Menschen, die jährlich grosse Mengen Tücher hauptsächlich mittels Handmodel bedrucken. In den zahlreichen Spinnereien und Webereien sind zudem annähernd 4000 Arbeitende tätig. Die Textilindustrie beschäftigt fast einen Drittel der stark gewachsenen Gesamtbevölkerung, die 1870 mit 35 200 eine Höhe erklimmt, die in den folgenden sechs Jahrzehnten nicht mehr erreicht werden soll. Denn die gewaltige industrielle Entwicklung, die das Glarnerland die Spitze der Industrialisierung einnehmen lässt, erweist sich als zu Handdruckmodel, Holz- und Messingstecherei einseitig.
Bald setzt der Niedergang des Zeugdrucks ein; der Deutsch-Französische Krieg löst eine Handelskrise aus, und der Maschinendruck kommt auf. Erneut vermögen nicht alle Talbewohner in der Heimat ihr Einkommen zu finden und müssen auswandern; die Bevölkerungszahl sinkt um über acht Prozent. Heute gibt es nur noch wenige Textilindustriebetriebe. Dem einst so blühenden Kattundruck hat die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts beinahe den endgültigen Todesstoss versetzt.
Textildruck - Verfahren
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Rouleauxdruck (Roller printing)
Den technologischen Durchbruch zur Mechanisierung des Textildrucks brachte die Erfindung der Rotationstiefdruckmaschine (Abb. 6). Das Verfahren wurde als Walzendruck oder Rouleauxdruck, in England und den USA als Roller printing, bezeichnet. Das Druckbild wurde dabei in Metallzylinder eingraviert oder eingeätzt. Nach dem Einfärben des sich drehenden Druckzylinders wurde die überschüssige Farbe durch eine scharfe Metallrakel von der Oberfläche des Zylinders entfernt. Danach konnte die sich in den vertieften Stellen befindende Druckfarbe auf das Textil aufgedruckt werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts standen hauptächlich in England hunderte von Rouleauxdruckmaschinen in Betrieb, die jährlich Millionen Meter Ware bedruckten.
Textildruck mit offenen Schablonen
Im Bereich des Textildrucks wurden Schablonenverfahren schon früh eingesetzt, jedoch nur für kleinste Auflagen. Es handelte sich dabei um offene Blech- oder Papierschablonen. Die Farbe wurde mit Bürsten, Walzen oder einem Spritzapparat auf das Textil aufgetragen.
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Das Stichwort "Textildruck" erinnert hauptsächlich an das Bedrucken konfektionierter Ware wie T-Shirts. Mindestens ebenso bedeutend ist jedoch das Bedrucken von Metragen, also "Meterware", heute ab Rolle. Hier liegen auch die geschichtlichen Ursprünge des Textildrucks seit dem Mittelalter. T-Shirts wurden erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Unterwäsche getragen - erwähnt wird hier die US-Navy. Erst zu Beginn der 1950er Jahre wurden sie in den USA zum modischen Kleidungsstück und mit dekorativen oder werbenden Motiven bedruckt.
Das Stichwort "Textildruck" erinnert hauptsächlich an das Bedrucken konfektionierter Ware wie T-Shirts. Mindestens ebenso bedeutend ist jedoch das Bedrucken von Metragen, also "Meterware", heute ab Rolle. Hier liegen auch die geschichtlichen Ursprünge des Textildrucks seit dem Mittelalter. T-Shirts wurden erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Unterwäsche getragen - erwähnt wird hier die US-Navy. Erst zu Beginn der 1950er Jahre wurden sie in den USA zum modischen Kleidungsstück und mit dekorativen oder werbenden Motiven bedruckt.
Die Ursprünge der heutigen Textildruckindustrie liegen in Europa. Seit dem frühen Mittelalter wurden Stoffe mit geschnitzten Holzstempeln bedruckt - den so genannten "Model". Hauptsächlich wurde im Reserveverfahren gedruckt, also eine Druckpaste aufgedruckt, die das Textil bei der nachfolgenden Färbung vor der Einwirkung der Farbstoffe schützte. Diese Technik ist mit der Batik vergleichbar und hatte als "Blaudruck" in weiten Teilen Europas handwerkliche Tradition (Abb. 1). Während in Japan der Schablonendruck als kunsthandwerkliche Textildrucktechnik in seinen Grundzügen fast unverändert bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieb, so begann im Europa des frühen 19. Jahrhunderts die Industrialisierung der Textilindustrie und damit auch des Textildrucks. Man sprach dabei vom "Zeugdruck". Die Abbildung 3 zeigt die Textilverarbeitung in der als "Cottonopolis" bezeichneten Stadt Manchester, dem damaligen Textilzentum Englands, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Abbildung 2 zeigt das Textilzentrum der USA, die als "silk city" bezeichnete Stadt Paterson im Bundesstaat New Jersey, frühes 20. Jahrhundert.
Modeldruck
Die ältesten in Europa erhaltenen Textildrucke und Druckmodel stammen aus der Zeit des 14. Jahrhunderts, rund 100 Jahre vor Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Bei der Herstellung eines Model wurde das Druckbild in Birnbaum- oder Buchsbaumholz geschnitten. Die Wiedergabe feiner Details war dabei nicht möglich und die Model nutzten sich beim Druckvorgang relativ rasch ab. Eine Verbesserung brachte seit dem 19. Jahrhundert das Einsetzen von Streifen aus Messingblech, welche die Kanten des Druckmotivs bildeten (Abb. 4). Die Innenräume wurden zur guten Farbaufnahme und Farbübertragung mit Filz ausgefüllt. Zum Drucken wurde die Stoffbahn auf einen langen Tisch abgerollt und seitlich fixiert, damit sie sich beim Druckvorgang nicht verschieben konnte. Die Druckfarbe befand sich in einem Farbkasten mit einem eingelegten Kissen, vergleichbar mit einem Stempelkissen. Durch das Aufsetzen auf das Kissen färbte der Drucker den Model ein und setzte ihn anschliessend auf die Stoffbahn ab. Mit einem Hammer wurde der Model so an den Stoff "angeklopft", dass die Farbübertragung gleichmässig war. Dem Drucker stand ein Gehilfe zur Verfügung - der Streicherjunge -, der das Farbkissen fortwährend mit Druckfarbe versorgte (Abb. 4). Der Modeldruck wurde durch die in Frankreich erfundene Perrotine seit Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise mechanisiert (Abb. 5). Das Einfärben und Aufsetzen der Model auf den Stoff erfolgte dabei automatisch. Der manuelle Modeldruck war bis in die 1940er Jahre von wirtschaftlicher Bedeutung, er wurde jedoch weitgehend vom Rouleauxdruck verdrängt. So schrieb ein Fachautor in den 1920er Jahren: "Mit der Entwicklung des Walzentiefdrucks war die beherrschende Stellung des Modeldrucks erschüttert, und seine Bedeutung schwand bis auf einen Restbedarf an handbedruckter Ware, die in gewissen Artikeln die Vergangenheit betonen oder in Erinnerung bringen soll."
Den technologischen Durchbruch zur Mechanisierung des Textildrucks brachte die Erfindung der Rotationstiefdruckmaschine (Abb. 6). Das Verfahren wurde als Walzendruck oder Rouleauxdruck, in England und den USA als Roller printing, bezeichnet. Das Druckbild wurde dabei in Metallzylinder eingraviert oder eingeätzt. Nach dem Einfärben des sich drehenden Druckzylinders wurde die überschüssige Farbe durch eine scharfe Metallrakel von der Oberfläche des Zylinders entfernt. Danach konnte die sich in den vertieften Stellen befindende Druckfarbe auf das Textil aufgedruckt werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts standen hauptächlich in England hunderte von Rouleauxdruckmaschinen in Betrieb, die jährlich Millionen Meter Ware bedruckten.
Textildruck mit offenen Schablonen
Im Bereich des Textildrucks wurden Schablonenverfahren schon früh eingesetzt, jedoch nur für kleinste Auflagen. Es handelte sich dabei um offene Blech- oder Papierschablonen. Die Farbe wurde mit Bürsten, Walzen oder einem Spritzapparat auf das Textil aufgetragen.
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