eine zweiteilige, generative Installation mit einer performativen Initialisierung
kotomisi ist eine Bezeichnung für ein traditionelles Kleidungsstück von zuerst unfreien und später befreiten Sklavinnen der ehemaligen niederländischen Kolonie Surinam. Dieses Kleidungsstück, das über zwei Jahrhunderte stetig von Trägerinnen ausdifferenziert und entwickelt wurde, ist ein hochkomplexes Gewirk unterschiedlichster Kodierungen, die sich in der mehrteiligen Tracht latent zeigen.
Die im Kleidungsstück verarbeiteten gemusterten Stoffe, sowohl Ware als auch Zahlungsmittel im damals schon hochglobalisierten Dreiecks-/Sklavenhandel zwischen Europa, Afrika und Amerika, wurden durch ihre jeweils trans/lokalen Produktionsumständen, Benennungen, Verarbeitungstechniken und Distributionen selbst Teil einer alltäglichen Nachrichtenwelt: Die Art wie Rock, Jacke und Kopfbedeckung zueinander getragen wurden, informierten über den sozialen Stand und das Besitzverhältnis der Sklavin und den Anlass, an dem die Tracht getragen wurde. Darüber hinaus wurden über die Art der Faltung der Kopfbedeckung einerseits Stimmungen der Trägerin ausgedrückt, als auch klandestine Informationen unter den Sklavinnen kommuniziert. Die Stoffmuster selbst verwiesen in ihrer Ornamentik, auch wenn in Europa (u.a. Schweiz) produziert, auf die afrikanische Herkunft der deportierten Sklaven (z.B. Ghana, Nigeria), wurden aber auch, in Anlehnung an die damalige europäische Mode verarbeitet. Darüberhinaus wurden die importierten Stoffmuster nach aktuellen Ereignissen benannt und über Mittelsfrauen wurde so die Stoffe, wie die damit verknüpfte Nachricht distribuiert.
Diese überkodierte Figuration des Kotomisi, heute für Nichtexperten kaum mehr entzifferbar, ist hochgradig ambivalent, da sie z.B. nicht nur auf die Sklaverei und ihre damit verknüpfte Diskriminierungen verweist, sondern gleichzeitig eine ausdrucksstarke Manifestation einer vielfältigen karibischen Emanzipation von Unterdrückungs- und Kontrollmechanismen darstellt. In dieser Mehrdeutigkeit stellt kotomisi für knowbotiq ein interessantes weibliches Gegenstück zu einer von ihr vormalig entwickelten Figur, dem MacGhillie*, dar. Beide Figuren, bedingt durch ihre spezifische oberflächliche Gestaltung als auch durch ihre unmögliche, konkrete historische und kulturelle Verortung, entziehen sich in ihrem Moment der Erscheinung einer semantischen Entzifferung. Dieser Entzug verweist in oberflächlicher Sichtweise auf ein Scheitern eine "Bild"konstitution, dadurch dass sich eine Formfindung, bedingt vor Allem durch eine undurchsichtige Figur-Grund-Beziehung, nicht einstellt.
Diese überkodierte Figuration des Kotomisi, heute für Nichtexperten kaum mehr entzifferbar, ist hochgradig ambivalent, da sie z.B. nicht nur auf die Sklaverei und ihre damit verknüpfte Diskriminierungen verweist, sondern gleichzeitig eine ausdrucksstarke Manifestation einer vielfältigen karibischen Emanzipation von Unterdrückungs- und Kontrollmechanismen darstellt. In dieser Mehrdeutigkeit stellt kotomisi für knowbotiq ein interessantes weibliches Gegenstück zu einer von ihr vormalig entwickelten Figur, dem MacGhillie*, dar. Beide Figuren, bedingt durch ihre spezifische oberflächliche Gestaltung als auch durch ihre unmögliche, konkrete historische und kulturelle Verortung, entziehen sich in ihrem Moment der Erscheinung einer semantischen Entzifferung. Dieser Entzug verweist in oberflächlicher Sichtweise auf ein Scheitern eine "Bild"konstitution, dadurch dass sich eine Formfindung, bedingt vor Allem durch eine undurchsichtige Figur-Grund-Beziehung, nicht einstellt.
Interessant wird dieser Sachverhalt auch im Kontext einer medialen Gesellschaft, die durch ständige Adressierung von Individualität, durch Profilbildungen, Zurverfügungstellung von Verhaltensmuster quasi kybernetische Präsenzen hervorbringen möchte. Diese Prozesse der Identifikation, Identitätsbildung und Klassifizierung gleiten allerdings bei Figurationen wie Macghillie und kotomisi ab, und laufen ins Leere. Dieses Leer- Werden bildet für knowbotiq experimentelle Möglichkeiten im Umgang mit Unbestimmtheiten und Undurchschaubarkeiten an den strukturellen Rändern von (visueller und gesprochener) Sprache ??.
kotomisi - non essential mix Vol 1 ist ein Teil eines losen Projektverbundes, der über performative Inventionen, Hörstücke, Radiotracks, Vj-Sets etc die Faltungen von Kleidung, Ornament, Stimme und damit von Repräsentation, Wahrnehmung und Informationsverarbeitung thematisiert.
Die Installation in der Shedhalle soll aus zwei Teilen bestehen:
Im Raum befindet sich ein grosser Tisch. Auf der linken Hälfte ist ein Monitor mit Lautsprecher sichtbar. Rechts, vom Betrachter aus hinter dem Tisch steht ein Stuhl, davor ist auf dem Tisch ein (offenes, aktives) Mikrophon plaziert . Rechts vom Tisch an der Wand hängt eine leere Hülle, der MacGhillie-Anzug.
Auf dem Monitor ist die Aufzeichnung einer Radiomoderatorin zu sehen, die in einem surinamesischen Migrantensender in den Niederlanden (radiovantaste) eine Sendung über das Kotomisi-Kleidungsstück gestaltet. Sie trägt eine von knowbotiq aktualisierte Version des kotomisi, hergestellt in einem Stoffmuster, das speziell für diesen Anlass produziert wurde. Rechts hinter dem Stuhl ist eine grossformatige Ornament-Projektion sichtbar, die das Stoffmuster des kotomisi der Moderatorin visuell prozessiert. Das Muster verändert sich konstant und vielfältig durch die akustischen, stimmlichen Ereignisse im Raum. Es ist jedoch nicht nur die Stimme der Radiomoderatorin (niederländisch und Sranang) im Raum hörbar, sondern auch eine 2. Stimme, die ihr verwendetes, ins deutsch übersetzte Sprachmaterial neu strukturiert. Diese rekombinierende 2. Stimme im Raum adressiert die Figur des Macghillie und die im Hintergrund projizierten Ornamente und setzt sie somiteinander in Beziehung.
Am Abend der Eröffnung findet eine Initialisierung der Installation statt, in der die MacGhillie Figur den Platz am Tisch vor dem Mikrophon einnehmen wird.
Die 2. Stimme wird live eingesprochen und mit der Stimme der Moderatorin und den Live generationen der Ornamente neu gemixt.
* Ghillie Suit: Ein ursprünglich der militärischen Camouflage dienender Anzug, der bisher in verschiedenen urbanen Interventionen von knowbotiq schon eingesetzt wurde, spricht gezielt die Problematik der Opakheit (der sichtbaren Unsichtbarkeit sprich: Undurchsichtigkeit, Undurchschaubarkeit) an.

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